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Gabriela Güntherodt

Gabriela Güntherodt

Head of International Markets & Business Affairs, Member of the Management Board

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Vivek Ramaswamy, Gründer und Chief Executive Officer Roivant Sciences

Vivek Ramaswamy, Gründer und Chief Executive Officer Roivant Sciences

05.06.2018

«Wir werden nicht vor Risiken zurückscheuen»

2016 eröffnete Roivant Sciences ihr globales Headquarter in Basel. Der Gründer und CEO von Roivant, Vivek Ramaswamy, sprach mit uns über sein schnell wachsendes Unternehmen, seine Prioritäten und über die Rolle, die Roivant im Basler Life Sciences-Ökosystem spielen will.

BaselArea.swiss: Sie haben ein Unternehmen gegründet und aufgebaut. Welche Elemente waren dabei ausschlaggebend?

Vivek Ramaswamy: In der Biotech-Branche braucht man drei wesentliche Elemente, um ein grossartiges Unternehmen aufzubauen: wirksame Arzneimittel, gute Mitarbeitende und ausreichend Kapital. Natürlich ist es schwierig, vor den klinischen Versuchen zu wissen, welche Medikamente bestehen werden. Deswegen strebe ich seit der Gründung von Roivant ein breit gefächertes Portfolio an. Mein Ziel war ein Unternehmen, dessen Erfolg sich an der Anzahl und der Qualität der Produkte, die wir auf den Markt bringen, messen lässt. Es soll nicht allein vom Erfolg oder Misserfolg eines bestimmten Arzneimittels abhängen. Ich bin davon überzeugt, dass die Qualität unserer Mitarbeitenden und unsere kulturellen Grundsätze, die sich insbesondere auf die Wertschöpfung und die Innovation in allen Bereichen unserer Geschäftstätigkeit fokussieren, den langfristigen Erfolg des Unternehmens ausmachen. Wir sind in einer teuren und riskanten Branche unterwegs. Man muss hohe Investitionen tätigen, bevor man Ergebnisse erzielt. Deshalb bin ich unseren Investoren für ihre Unterstützung sehr dankbar. Letztlich ist jedoch das Geld, das wir aufgebracht haben, keine Leistung als solche, sondern nur ein wesentlicher Faktor. 

Roivant ist enorm schnell gewachsen. Wie halten Sie den Unternehmergeist in der Firma aufrecht?

Für unser Modell ist der Unternehmergeist unabdingbar. Unsere Firma fusst auf dem Grundsatz, dass kleiner meistens besser ist. Aus diesem Grund wird Roivant nicht zentral gesteuert. Stattdessen skalieren wir das Geschäft über die Gründung von Tochtergesellschaften, die wir vollständig oder mehrheitlich halten und «Vants» nennen. Heute beschäftigen wir in unserer Unternehmensfamilie mehr als 600 Personen. Man kann zu Recht sagen, dass es zu meinen wichtigsten Prioritäten gehört, den Unternehmergeists aufrechtzuerhalten.

Inwieweit dürfen die Vants ihren eigenen Unternehmergeist entwickeln?

Betrachten Sie Roivant als Elternteil, der allen Vants einen Teil seiner DNA vererbt. Wir suchen auch die Führungskräfte sorgfältig aus, die wiederum ihre eigene DNA beisteuern. Obwohl jedes Vant Roivant stark ähnelt, besitzt es doch seinen eigenen einzigartigen Genotyp. Es gibt gemeinsame kulturelle Prinzipien, aber auch wichtige Unterscheidungsmerkmale. Wir betrachten Verschiedenartigkeit als Wettbewerbsvorteil.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Wir haben Glück, dass wir bereits relativ früh in unserer Geschichte sowohl Erfolge als auch Misserfolge verzeichnet haben. Wir könnten keine gute Arbeit leisten, wenn wir nur erfolgreich wären, denn das würde darauf hindeuten, dass wir nicht genügend Risiken eingehen, um Patienten zu helfen. Misserfolgen begegnen wir auf drei Arten. Erstens anerkennen wir sie als nötige Folge unserer allgemeinen Strategie. Zweitens bauen wir ein vielfältiges Portfolio auf, statt den Erfolg unseres Unternehmens auf ein einziges Arzneimittel zu setzen. Schliesslich bekennen wir uns offen zu unseren Misserfolgen und nutzen sie, um aus ihnen zu lernen. Als unser Medikament für Alzheimer, Intepirdine, die Phase III nicht bestand, beschönigten wir das Ergebnis nicht. Wir reagierten aber auch nicht über. Vor Risiken in ähnlichen Bereichen, in denen ein hoher ungedeckter Bedarf besteht, werden wir auch künftig nicht zurückscheuen. Wir treffen gut durchdachte Entscheide in allen Therapiebereichen und akzeptieren dabei die Möglichkeit eines Misserfolgs.

Sie haben Basel als Standort für den internationalen Sitz Ihres Unternehmens gewählt. Welche Aspekte haben Sie überzeugt?

Zuerst einmal die Talente. Wir glauben an Vielfalt, deshalb rekrutieren wir sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Pharmabranche. Basel ist in diesem Sinn sinnbildhaft, weil die Region viele Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen vereint. Sie sprechen verschiedene Sprachen und bringen unterschiedliche Erfahrungen und Ausbildungen mit. Diese Mischung sorgt für ein warmherziges, gastfreundliches und innovatives Umfeld, das der Kultur entspricht, die wir bei Roivant anstreben. Ferner zeichnet sich der Standort Basel durch das Erbe der erfolgreichen pharmazeutischen Produkte aus, die hier entwickelt wurden. Deshalb wollten wir unser Unternehmen schon möglichst früh in der Region etablieren. Neben den grossen multinationalen Konzernen, für die Basel bekannt ist, gibt es viele junge, aktive Unternehmen, die sich auf diese Tradition stützen. Wir wollen ein Teil davon sein.

Wie hat sich Roivant in Basel eingelebt? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, allerdings mit einer Einschränkung: Basel scheint nicht an Klimaanlagen zu glauben! Spass beiseite, unsere Erwartungen wurden in vielen Belangen sogar übertroffen. Ich finde die Community sehr entgegenkommend. Wir haben uns sofort wohl gefühlt. Wir konnten talentierte Mitarbeitende gewinnen und einen positiven Dialog mit mehreren Unternehmen in der Umgebung aufbauen. Wir suchen weiterhin nach neuen Chancen in der Region und freuen uns darüber, wie das Ökosystem uns aufgenommen hat und unser Wachstum ermöglicht. Die Partnerschaften, die wir geschlossen haben, sind für uns wesentlich. Dazu gehören natürlich auch BaselArea.swiss und der BaseLaunch Accelerator.

Wir freuen uns, dass Sie dabei sind. Wie tragen Sie zum Accelerator Programm bei?

Mit unserem Geschäftsmodell sind wir bestrebt, die Gründung neuer Unternehmen zu beschleunigen, deshalb war es nur logisch, dass wir auch BaseLaunch unterstützen. Wir können unsere Erfahrung nutzen, um anderen Unternehmen zu helfen, ihre eigenen Start-ups zu lancieren und auszubauen. Wir unterstützen BaseLaunch bei der Projektauswahl. Zudem stehen wir mit Beratern und Mentoren zur Verfügung. Wir finden es grossartig, die lokalen Start-ups auf diese Weise zu unterstützen und unsere Beziehungen zu anderen Unternehmen in Basel auszubauen. Wir freuen uns, dass wir dazugehören.

Wie sehen die Aussichten für den Firmenhauptsitz in Basel aus?

Kurz gesagt, wir werden weiterwachsen. Alle Vants werden Basel als Business Hub benutzen, um ihre Partnerschaften in Europa zu entwickeln und zu pflegen. Wir haben als Unternehmen begonnen, das sich auf Wirkstoffe konzentriert, die aufgegeben wurden. Wir wollen aber auch die Entwicklung in den Pipelines anderer Unternehmen beschleunigen. Basel ist ideal gelegen, um diesen Plan mit europäischen Unternehmen umzusetzen.

Über Vivek Ramaswamy

Vivek Ramaswamy gründete Roivant Sciences 2014 und leitet das Unternehmen als CEO. Roivant hat mehrere neue Vants gegründet, die mehrheitlich oder vollständig gehalten werden. Die Roivant-Familie konzentriert sich auf eine Reihe von Bereichen, etwa Frauengesundheit, seltene Krankheiten, Urologie und Neurologie. Vivek Ramaswamy sitzt dem Verwaltungsrat von Arbutus Biopharma Corporation, Axovant Sciences und Myovant Sciences vor. Roivant hat nicht nur die beiden grössten Börsengänge von Biotechunternehmen begleitet, sondern erhielt auch die höchste private Finanzierung, die jemals im Gesundheitssektor bekannt gegeben wurde. Bevor er seine eigene Firma gründete, arbeitete Vivek Ramaswamy als Investor bei QVT Financial LP. Er studierte Biologie an der Harvard University und promovierte an der Yale Law School in Rechtswissenschaften.

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