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report BaselArea.swiss
Christof Klöpper (Img: i-net)

Christof Klöpper (Img: i-net)

03.02.2016

«In der Region Basel ist derzeit viel Dynamik zu spüren – das gilt es weiter voranzutreiben»

Christof Klöpper ist Geschäftsführer von BaselArea.swiss, der neuen Innovations- und Standortförderung der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura.

Im Interview legt er die Gründe der Neuorganisation dar und zeigt, welche Chancen und Möglichkeiten sich für die Region dadurch eröffnen.

Was brachte Sie persönlich in die Region Basel und was hält Sie hier?
Christof Klöpper: Ich lebe seit 12 Jahren in der Region und wohne in der Stadt Basel, dem Ort, an dem ich bisher – neben meinem Geburtsort – am längsten ansässig war. Meine Dissertation an der Universität Basel hat mich hierher geführt und ich bin geblieben. Heute bin ich hier stark verwurzelt und überzeugt vom riesigen Potenzial und der Lebensqualität der Region.

Sie haben i-net innovation networks switzerland aufgebaut – was waren Ihre Erfahrungen dabei?
Als wir i-net aufgebaut haben, sind wir auf ein Bedürfnis gestossen. i-net versucht, die richtigen Leute zusammen zu bringen. Durch die Events, die i-net veranstaltet, geschieht dies kollektiv, wir arbeiten aber zum Beispiel in Beratungsgesprächen auch individuell mit Unternehmen zusammen – und auch dies funktioniert sehr gut. Es hat sich gezeigt, dass in der Region riesige Potenziale schlummern. Auch in den grossen Firmen gibt es ein grosses Reservoir an Talenten und Fähigkeiten, welche die  Region  voranbringen.

Was ist der Auslöser für die Fusion von BaselArea, der China Business Platform und i-net? Wo liegt der Nutzen?
Mit der Fusion wollen die Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura ihre gemeinsamen Aktivitäten im Wirtschaftsförderungsbereich stärker auf hochwertschöpfende, innovative Branchen und Themenfelder fokussieren. Hier besitzt die Region Wettbewerbsvorteile, die durch die Fusion künftig noch besser genutzt werden können. Mit der Fusion sollen Ressourcen gebündelt und effizienter eingesetzt werden, was mehr Transparenz für die Kunden, weniger Schnittstellen zwischen den Organisationen und eine höhere Dienstleistungsqualität schafft. Wir bieten Innovationsförderung, Standortpromotion und Infrastruktur aus einer Hand.

Wie ordnet sich BaselArea.swiss in die Innovationslandschaft der Nordwestschweiz ein?
Es gibt zwei Bereiche: Hardware und Software. Ersteres meint in erster Linie Infrastruktur wie Laborplätze, Gerätschaften oder Schreibtische und schliesst Akteure wie den Switzerland Innovation Park Basel Area, sowie die anderen Technologie-, Businessparks und Inkubatoren der Region mit ein. Unsere Arbeit konzentriert sich auf den «Software»-Bereich, der Personen zusammenbringt und unterstützt. Dazu gehören auch die nationalen Akteure wie beispielsweise die Kommission für Technologie und Innovation.

Welche Ziele hat die neue Organisation?
Die neue Organisation unterstützt Unternehmen, ihre Mitarbeiter sowie auch Firmengründer aus dem In- und Ausland bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Projekte und Geschäftsvorhaben in der Region. Dabei setzt sie auf den stetigen Ausbau eines qualifizierten Netzwerks von Entscheidern, Innovatoren, Experten und Unternehmern. Durch diese Vernetzung erhalten unsere Kunden direkten Zugang zu Wissen und spezialisiertem Know-how, was ihr Geschäftsvorhaben beschleunigen kann. Der Fokus liegt dabei auf der Ansiedlung von Hauptsitzen sowie auf hochwertschöpfenden Branchen wie Life Sciences, Medtech, Produktionstechnologie, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Mikro-, Nano- und Materialtechnologie. In diesen Bereichen besitzt die Region Wettbewerbsvorteile und kann sie weiterentwickeln. Natürlich können sich diese Themen verändern und wir werden flexibel bleiben, um uns auch auf allfällige neue Bereiche einzustellen. Denn eine agile, flexible Organisation kann besser Opportunitäten wahrnehmen, sie ist dicht an der Wirtschaft und orientiert sich ganz an den Bedürfnissen der Kunden. Unser Team besteht aus Fachleuten aus den jeweiligen Branchen, welche die Sprache unserer Kunden sprechen und verstehen, was in der Branche geschieht.

BaselArea hatte die Aufgabe, Firmen im Ausland zu akquirieren und Start-ups zu unterstützen. i-net fokussierte sich auf die Innovationsförderung in der Region. Das sind zwei völlig unterschiedliche Dienstleistungen. Wie passen sie zusammen?
Beim Akquise-Prozess sollen die Fachkompetenz sowie bestehende Netzwerke in Zukunft noch wichtiger werden. Unsere neue Organisation bringt diese Kompetenzen zusammen. Mit unserer Fusion setzt ein Zeichen: In der Region Basel wird Schweizweit erstmalig Innovationsförderung und Standortpromotion zusammengeführt – dies ist für die Zukunft unserer Region sehr wichtig. Und die drei Kantone haben eine stabile und vertrauensvolle Form der Zusammenarbeit gefunden. Dies zeigt sich nicht nur bei uns, sondern auch im Switzerland Innovation Park Basel Area.

Sie sprechen von den drei Kantonen. Und wie sieht es in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aus?
Wir wollen in den Bereichen Ansiedlung und individueller Beratung klar auf die Unternehmen fokussieren, die bereits hier sind oder sich in der Region ansiedeln möchten. Bei Events und öffentlichen Veranstaltungen sind wir aber natürlich sehr offen für eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Und was grenzt BaselArea.swiss ab von den kantonalen Standortförderungen?
Die kantonalen Wirtschafts- und Standortförderungen aller drei Kantone und die neue BaselArea schaffen gemeinsam Mehrwert. Dabei fokussiert sich die BaselArea auf Aktivitäten auf regionaler Ebene wie Gründung oder Technologietransfer, auf unsere Netzwerke und auf einen gemeinsamen Auftritt der Region bei der Promotion im Ausland. Die kantonalen Wirtschafts- und Standortförderungen erbringen Dienstleistungen der Bestandespflege, schaffen gute Rahmenbedingungen und pflegen den Kontakt der Behörden mit Unternehmen und der Politik.

Werden Sie mit den kantonalen Wirtschafts- und Standortförderungen zusammenarbeiten?
Die enge Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Wirtschaftsförderung im Kanton Jura und der Standortförderung in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft bestand bereits und wird auch künftig  wichtig sein. In den vergangenen Jahren haben sich die Standortförderungen der Kantone massiv professionalisiert und wir sind froh, so gute Kontakte zum Beispiel zur Standortförderung Baselland zu haben.

Was ändert sich für die Kunden der neuen Organisation?
Es wird nur noch einen Ansprechpartner geben, bei dem man Dienstleistungen beziehen kann. Dies geschieht natürlich auch durch einen gemeinsamen Standort, den wir in wenigen Monaten beziehen möchten. Wir haben nun eine grössere kritische Masse, die uns sicherlich im Bereich der Ansiedlungen helfen wird. Denn die Konkurrenz mit England, Irland, den USA, aber auch national speziell mit der Region Zürich und dem Arc Lémanique ist sehr stark. Nun werden wir proaktiver auf die Kunden zugehen können und sie durch unser Know-how vielleicht zu einem Zeitpunkt ansprechen können, an dem sie noch nicht mit der Konkurrenz im Gespräch sind.

Gibt es für die neue Organisation eine Messlatte für den Erfolg?
Bisher hatten alle drei betroffenen Organisationen verschiedene Messkriterien, die Qualität des Networkings war wichtig, die Anzahl der Firmen, die von der Arbeit profitiert haben, wurde gemessen und diese Kriterien werden für die neue Organisation genau gleich gelten. Unser Ziel ist es aber, besser zu sein als zuvor. Schliesslich müssen alle Messgrössen unser eigentliches Ziel gut wiedergeben. Dieses Ziel ist, einen Einfluss auf Beschäftigung und Wertschöpfung in bestehenden und neuen Unternehmen zu haben.

Warum braucht es überhaupt den Staat für die Innovationsförderung?
Innovation wird von Firmen gemacht, nicht vom Staat. Aber der Staat muss Innovation durch Rahmenbedingungen wie eine passende Infrastruktur, gute Ausbildung oder ein unternehmerfreundliches Steuersystem ermöglichen. Diese Themen liegen in erster Linie bei den kantonalen und nationalen Wirtschaftsförderungen. Der Staat soll aber auch eine Organisation wie unsere ermöglichen, die ohne Eigeninteressen durch ein starkes Netzwerk verschiedene Akteure zusammenbringt. BaselArea.swiss unterstützt Firmen nie durch Finanzbeiträge, dafür gibt es vor allem private Investoren, aber zum Beispiel im Bereich der  Forschungsförderung auch die KTI. Wir können allerdings durch neutrale Plattformen Verbindungen schaffen und so früh wie möglich mit interessierten Personen und Unternehmen in Kontakt kommen. Viele der erfolgreichen Schweizer Ansiedlungen sind über solche Kontakte entstanden.

Kann Basel im Bereich Unternehmertum überhaupt wachsen? Und wie?
In der ganzen Schweiz spüren wir eine Dynamik in Richtung mehr Unternehmertum – und Basel kann definitiv von dieser Dynamik profitieren. Wir sind ein Standort, der stark von der Industrie und KMUs  und weniger von Start-ups geprägt ist. Dies birgt Potenzial, speziell auch im Bereich Life Sciences. Ein guter Teil der Innovation entsteht bereits in jungen Unternehmen. Ausserdem ist hier eine gute industrielle Basis vorhanden. Dies ist eine grosse Chance für die Region und wir stehen dafür mit unserem dichten Netzwerk bereit. Die Nachfrage besteht bereits – auch international – und wir freuen uns auf mehr, kniffligere Aufgaben und sind offen für alle Arten von Projekten, auch solchen in der Frühphase.

Interview: Nadine Nikulski, i-net

Dr. Christof Klöpper war seit April 2012 Geschäftsführer von i-net innovation networks switzerland und ist seit 1. Januar 2016 Geschäftsführer von BaselArea.swiss. Zuvor war er Leiter Standortförderung Industrie und Technologie beim Kanton Basel-Stadt und seit 2011 Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrates der Technologiepark Basel AG. Vor seiner Tätigkeit für den Kanton Basel-Stadt war er von 2003 bis 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Basel.

Christof Klöpper studierte Wirtschaftsgeographie, Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Trier in Deutschland, der Clark University und der Ohio State University in den USA und promovierte an der Universität Basel zum Thema: Die Struktur und Geographie von Innovationsprozessen in der Biotechnologie.

 

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