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Pascal Bourquard (Img: i-net)

Pascal Bourquard (Img: i-net)

07.05.2015

Pascal Bourquard: «Es muss wieder mehr Freiräume geben, damit Kreativität möglich ist»

Am Rand der Veranstaltung «Out-of-the-Box» gewährte Pascal Bourquard i-net innovation networks kürzlich ein langes Interview in seinem Unternehmen Biwi in Glovelier, bevor wir ihn in seinem Zuhause in einem Nachbardorf besuchen durften. Er bewohnt ein Herrenhaus, das einiges über seine Person – als Sohn, Bruder und Vater von Unternehmern – verrät. Was man rasch spürt, sind eine grosse Liebe zum Detail und eine ausgesprochene Vorliebe für zeitlose Kreationen.

Der Kapitän mehrerer Unternehmen erzählt vor allem von seinen Erfahrungen und seinen Visionen im Hinblick auf Innovationen. Mit 58 Jahren macht Pascal Bourquard klar Schiff, um zu neuen Ufern aufzubrechen, die andere «Ruhestand» nennen. Nicht so Bourquard: Es sieht so aus, als ob ihn diese Reise zurück zu seinen Wurzeln führen würde, sie gleicht einer Hinwendung zu einer Welt, die er von klein auf kennt. Es ist eine Seefahrt, die auch einem existenziellen Freiheitsdrang entspricht, der für die Kreativität so unentbehrlich ist. Auszüge aus dem Interview:

Muss man den konventionellen Rahmen verlassen, um Unternehmergeist entwickeln zu können?
Pascal Bourquard*:
Nicht unbedingt, auch wenn ich bereits seit meiner Kindheit das schwarze Schaf in der Familie bin. Auch heute noch steige ich gleich auf die Barrikaden, wenn ich mich in einem standardisierten Denkschema gefangen fühle. Ich bin ein Freigeist. Ausserdem habe ich mir die Seele eines Kindes bewahrt, die neugierig und leidenschaftlich ist. Ich kann mich immer wieder aufs Neue für Entdeckungen begeistern. Meine Mutter nannte mich «Mister Gadget».

Gibt es noch weitere Eigenschaften, die Ihren Unternehmergeist ausmachen?
Ich bin der Ansicht, dass man grosszügig und nicht allzu profitorientiert sein sollte. Man darf nicht andauernd rechnen. Auf jeden Fall sollte man Visionen haben. Man muss fähig sein, sich mit anderen zusammenzuschliessen und zu teilen.

Konnten Sie all dies schon immer oder haben Sie es im Verlauf Ihrer Karriere gelernt?
Zu Beginn war ich eher rebellisch und nonkonformistisch. Ich brauchte ein wenig Zeit, um zu erkennen, dass man nie ausgelernt hat, wie es Jean Gabin in seinem Lied so schön ausdrückte.

Kann man lernen, Unternehmer zu werden?
Das kann man leider nicht lernen. Man wird entweder als Unternehmer geboren oder nicht. Aber mit der Zeit sammeln sich doch so einige Beziehungen, Erfahrungen und Begegnungen an.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation der Schweizer Wirtschaft?
Leider mit einem gewissen Defätismus. Die Ursprünge und die Vielfalt der Lebenswege, die – wie in meinem Fall – schliesslich zum Unternehmertum führen können, werden von eindimensionalem Denken verdrängt. Die Politiker sind nicht mit den wirtschaftlichen Realitäten vertraut.

Wir hatten vor, Sie zu fragen, woran Sie sich am meisten stören, und wir fanden ...
Wir denken viel zu oft an Zwänge, anstatt mehr Gedankenfreiheit und Kreativität zuzulassen. Die kommunistischen Regimes waren gezwungen, sich zu öffnen. Die Demokratien ziehen sich weiterhin in sich selbst zurück und mauern sich mit einschränkenden Dogmen ein.

Meinen Sie, dass diese Zwänge die Kreativität behindern?
Davon bin ich überzeugt. Mein zwölfjähriger Sohn beispielsweise ist total von seinen Videospielen und Bildschirmen geprägt. Wenn ich mit ihm in den Zirkus gehe, ist er völlig passiv, denn auf seinen Bildschirmen hat er schon viel eindrücklichere Bilder gesehen. Wenn man permanent mit dem Aussergewöhnlichen konfrontiert ist, dann hat man Mühe, in der Normalität zu leben.

Wie kann man denn wieder eine Form von kreativer Freiheit fördern?
Glücklicherweise verfügen wir über einige Freiheiten. Man muss diese nutzen und damit beginnen, richtig abzustimmen. Es braucht ein von Grund auf neues Modell mit Rahmenbedingungen, die es jungen Leuten, die keinen Universitätsabschluss, dafür einen Lehrabschluss in der Tasche haben, ermöglichen, sich selbstständig zu machen. Und zwar ohne steuerliche Hürden. Ich fände es eine gute Idee, Weiterbildungen für Lehrabgänger anzubieten, in denen sie lernen, wie ein Unternehmen geführt wird. Ich habe meine liebe Mühe, den Politikern zu vertrauen, hingegen vertraue ich auf die Jugend, ich finde, man sollte ihr wieder mehr Freiräume zugestehen.

Wie sieht ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben aus?
Das ist eine gute Frage, und ich finde es schwierig, eine allgemeingültige Antwort darauf zu geben. Jedenfalls habe ich mit der Zeit erkannt, dass es mir sehr gut tut, Zeit mit mir allein zu verbringen.

Was sind weitere unverzichtbare Faktoren, die es bei der Gründung eines Unternehmens zu beachten gilt?
Die grossen internationalen Banken würden gut daran tun, die Spekulation sein zu lassen und zu ihren Wurzeln zurückzukehren, das heisst, das Risiko zu tragen und Jungunternehmer zu unterstützen. Die Spekulation ist destruktiv und die Banken wissen nicht mehr, wie sie die nötigen Risiken tragen sollen. Die meisten Unternehmer möchten sofort einen Hype auslösen, um verkaufen zu können. Wie ich es sehe, so zeigt sich der Erfolg eines Unternehmens jedoch in seiner Beständigkeit. Um dauerhaft bestehen zu können, muss man fähig sein, sich immer wieder infrage zu stellen.

Ist es das, was Sie Jungunternehmern mit auf den Weg geben?
Wenn ein Jungunternehmer mit einem Projekt zu mir kommt, rate ich ihm, langfristig zu denken, das ist eine zentrale Botschaft.

Hauchen Sie Ihren Unternehmen einen besonders innovativen Geist ein?
Wir haben vielleicht sehr gutes Wasser, aber solange die Flasche nicht geöffnet wird, gibt es keine Luftblasen. Dasselbe gilt für Mitarbeiterteams.

Und wie gehen Sie vor?
Ich höre zu, fördere den Dialog und die Weiterbildung.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Innovationslandschaft der Zukunft aus?
Sie wird zwangsläufig mit Energiequellen und natürlichen Ressourcen, die sich immer weiter erschöpfen, in Zusammenhang stehen. Ich glaube an den menschlichen Erfindungsgeist, trotz des Pessimismus einiger meiner vorherigen Äusserungen.

Wird die dritte Bourquard-Generation, die Sie bald ablösen wird, diese Richtung einschlagen?
Ich habe Vertrauen in meine Kinder, ich habe sie gut erzogen ... nämlich zur Freiheit (lacht).

Interview: i-net

*Pascal Bourquard ist ein self-made Entrepreneur der in der Uhren-Zulieferer-Industrie, der Elektronik- und Mikroelektronik-Industrie, im Sicherheits-Bereich sowie dem Energie- und dem Car-sharing-Sektor tätig ist. Pascal Bourquard hat einen Handels- und Wirtschaftshintergrund und ist so etwas wie der Richard Branson des Jura.

 

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