Innovation Report

 
report BaselArea.swiss

In Stärke investieren – Schweizer Leadership in den Life Sciences

15.05.2017

Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre internationale Leadership-Rolle in den Life Sciences behaupten? Im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung sowie von Start-ups über aktuelle Trends und Herausforderungen zu diskutieren.

Die Bedeutung der Life Sciences für die Schweizer Wirtschaft ist enorm. Der Anteil dieser Branche an den gesamten Schweizer Exporten lag im letzten Jahr bei 45%. Ebenso sind die meisten Neuansiedlungen im Healthcare-Bereich tätig. Die Schweiz gilt denn auch als weltweit führender Life-Sciences-Standort mit der Region Basel als ihrem Motor. Vor diesem Hintergrund besuchte heute Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» auf Einladung von BaselArea.swiss und digitalswitzerland die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung über aktuelle Trends und Herausforderungen in den Life Sciences zu diskutieren.

Der Anlass fand bei der Actelion Pharmaceuticals und im Switzerland Innovation Park Basel Area in Allschwil/BL statt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hob die grosse Bedeutung der Region und der Life-Science-Branche hervor: «Die beiden Basel verfügen über eine hohe Dichte an innovativen und erfolgreichen Unternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen. Das erfüllt mich mit Stolz und Zuversicht. Pharma und Chemie gelten zu Recht als Innovationsmotoren.» Um zukünftig ebenso erfolgreich zu sein, dürfe sich die Schweiz aber nicht ausruhen; Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Gesellschaft müssten den digitalen Wandel als Chance nutzen, appellierte er.

Organisiert wurde die Veranstaltung von BaselArea.swiss, der Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, sowie digitalswitzerland, der gemeinsamen Initiative von Wirtschaft, öffentlicher Hand und Wissenschaft, welche die Schweiz zum international führenden digitalen Innovationsstandort gestalten will.

Bundesrat Schneider-Ammann stattet zurzeit führenden Regionen der Schweiz einen Besuch ab, um sich ein Bild über die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Wirtschaftsbranchen zu machen und über erfolgsversprechende Zukunftsrezepte zu sprechen.

Förderung von Biotech-Start-ups

Die Life Sciences gelten als Zukunftsbranche mit grossem Wachstumspotenzial. Doch der Standortwettbewerb wird aggressiver: Andere Regionen in der Welt investieren massiv in die Standortförderung und locken grosse Firmen an. Eine zentrale Frage der heutigen Veranstaltung war denn auch: Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre Leadership-Rolle im internationalen Wettbewerb behaupten?
So verfügt die Schweiz gemessen an der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Life Sciences und verglichen mit anderen führenden Standorten der Welt über vergleichsweise wenige Start-up-Firmen in diesem Industriesektor. Mit der Lancierung von BaseLaunch, dem neuen Accelerator für Healthcare-Start-ups, hat BaselArea.swiss in Zusammenarbeit mit dem Kickstart Accelerator von digitalswitzerland einen ersten Schritt getan. Dennoch fehlt es neben dem Startkapital in der Frühphase der Unternehmensentwicklung insbesondere auch am Zugang zu grossem Kapital, das ein etabliertes Start-up-Unternehmen für die Expansion benötigt. Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss und Member of the Steering Committee digitalswitzerland, meint: «Wir müssen in unsere Stärke investieren. Deshalb brauchen wir Initiativen wie der Zukunftsfonds Schweiz, der es institutionellen Anlegern ermöglichen soll, in innovative Jungunternehmen zu investieren.»

Die Bedeutung einer innovativen Start-up-Szene für den Life-Sciences-Standort Schweiz war dann auch Thema im Roundtable-Gespräch, das Bundesrat Johann Schneider-Ammann unter anderem mit Severin Schwan, CEO der Roche Group, Jean-Paul Clozel, CEO von Actelion Pharmaceuticals, und Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel, führte.

Digitalisierung als Innovationstreiber

Das zweite Thema des Biotech und Digitization Day galt der Digitalisierung in den Life Sciences. Diese stellt laut Thomas Weber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, einen wichtigen Innovationstreiber für die gesamte Branche dar und ist für die Stärkung des Forschungsstandortes Schweiz entscheidend.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann fokussierte in seiner Ansprache auf drei Aspekte: Erstens die Schaffung einer neuen, mutigen Pionier-Kultur, in der Unternehmertum gefördert und belohnt wird, wer etwas wagt. Zweitens mehr Schub für Start-ups durch die Verwirklichung der Initiative für einen privat finanzierten Start-up-Fonds. Und drittens die Ausgestaltung der Rolle des Staates als Ermöglicher, der Freiräume schafft, statt Verbote und Hürden zu erlassen.

In der öffentlichen Diskussionsrunde, an der Vertreter aus Forschung und Wirtschaft sowie Unternehmer teilnahmen, wurde deutlich, dass die Digitalisierung die Life Sciences verändern wird. Man war sich einig, dass die Schweiz über die besten Voraussetzungen verfügt, um eine führende Rolle in diesem Veränderungsprozess zu spielen. Die Grundlage dafür bilden leistungsstarke und global tätige Pharmafirmen, weltweit anerkannte Hochschulen sowie ein innovationsfreudiges Ökosystem mit digital getriebenen Start-ups aus den Bereichen Healthcare und Life Sciences.
Dafür will sich auch digitalswitzerland einsetzen. Healthcare und Life Sciences sind laut Nicolas Bürer, CEO von digitalswitzerland, Schlüsselindustrien, um die Schweiz zum führenden digitalen Innovationsstandort zu machen.

Einen weiteren Beitrag dazu leistet der von BaselArea.swiss in enger Kooperation mit dem Kanton Basel-Stadt lancierten Innovationshub für Precision Medicine, DayOne, der regelmässig eine wachsende Community von derzeit über 500 Experten und Innovatoren zusammenbringt, um Ideen auszutauschen und Projekte voranzutreiben.

report Life Sciences

Lonza übernimmt Jungunternehmen

17.05.2017

report BaseLaunch

Von der Idee zum BaseLaunch: Der Countdown für Bewerbungen läuft

09.05.2017

report BaselArea.swiss

„Ich erlebe in Basel ein sehr innovationsfreundliches Klima“

12.04.2017

Am Anfang standen Forschungsressourcen aus einem Vierteljahrhundert. Simon Ittig und seine Kollegen am Departement Biozentrum der Universität Basel haben daraus ein Forschungsprojekt und schliesslich ein Startup gemacht. T3 Pharmaceuticals entwickelt neue Therapien zur Behandlung fester Tumore.

Wie kam es zu T3 Pharma?

Simon Ittig: Ich habe am Biozentrum in der Gruppe von Professor Guy Cornelis doktoriert, die sich hauptsächlich mit einem Nadelsystem von Bakterien beschäftigte. Bakterien brauchen diese Nadeln, um Proteine in Zellen zu schiessen und ihre Pathogenese zu etablieren. Mein Doktorvater hatte diesen Mechanismus 25 Jahre zuvor mitentdeckt und seither auf diesem Gebiet geforscht. Als ich 2012 das Doktorat abschloss und Professor Cornelis emeritierte, konnte ich viele Ressourcen wie Bakterienstämme und Studienprotokolle übernehmen. Als Postdoc in einer anderen Gruppe am Biozentrum beschäftigte ich mich mit der Frage, wie Proteine schnell in Zellen transportiert werden können. Das brachte mich zurück auf meine Sammlung an Bakterienstämmen, da diese von Natur aus genau das machen. In kurzer Zeit gelang es mir zu zeigen, dass ein solcher Proteintransport auch wirklich funktioniert und zwar schnell, effizient und synchron. Dieses Potential hat mich und meine Forschungskollegen gepackt.

Wozu genau kann diese Technologie verwendet werden?

Wenn man Bakterien hat, welche spezifische, beispielsweise humane Proteine in Zellen transportieren, kann man diese Zellen nach Wunsch stimulieren. Schon länger weiss man, dass Bakterien zu festen Tumoren wandern. Entsprechend haben wir uns auf das Gebiet der festen Tumoronkologie fokussiert und konnten überraschend schnell beeindruckende Ergebnisse erzielen. Wir verfügen nunmehr über Bakterien, die über längere Zeit spezifisch im Tumor wachsen. Zudem können wir diese nun auch so programmieren, dass sie bestimmte Wirkstoffe produzieren und in die Zellen abgeben. Und zwar genau dort, wo diese Substanzen wirken können. Unsere Technologie zeigt dabei eine grosse Stabilität.

War es für Sie naheliegend, mit dieser Idee sogleich eine Firma zu gründen?

Ja, diese Idee kam relativ früh. Die erste finanzielle Unterstützung der KTI, der Krebsliga und und kleineren Stiftungen erhielten wir noch als rein akademische Forscher. Dass wir uns mit unserer Technologie für den Proteintransport selbständig machen wollen, war dann bereits klar. Die Gründung einer eigenen Firma war auch eine Voraussetzung für die weiteren Forschungsgelder von KTI. Das Biozentrum hat uns bei der Ausgründung in vielen Bereichen unterstützt. Die Patente gehören zwar nach wie vor der Universität, wir verfügen aber über eine exklusive weltweite Lizenz.

Wie haben Sie T3 Pharma finanziert?

Zum Start und auch in der Folge haben wir substantielle Beträge an Forschungsgeldern erhalten. Die Mittel sind allerdings in der Regel an Löhne und Verbrauchsmaterial gebunden. Stiftungen wollen in erster Linie die eigentliche Forschungsarbeit finanzieren. Irgendwann kommt man damit an Grenzen, weshalb wir begannen, aktiv nach Investoren für unsere Firma zu suchen.

Mit grossem Erfolg, was war ausschlaggebend?

Zuerst einmal muss natürlich die Geschäftsidee stimmen. Zweitens braucht es ein grosses und gegenseitiges Vertrauen. Das ganze Setup sollte geeignet sein, die Firma einige Jahre zu begleiten. Wenn man alle zwei Jahre wieder Monate braucht, um eine nächste Finanzierungsrunde zu sichern, bindet das zu viele Ressourcen, bringt viel Unsicherheit und lenkt von den Forschungstätigkeiten ab. Aus diesem Grund haben wir Investoren gesucht und gefunden, welche die finanziellen Möglichkeiten und das notwendige Verständnis haben, an uns glauben und bereit sind, mit uns einen langen Weg zu gehen.

Sie waren also in einer privilegierten Lage und konnten Investments auch ausschlagen?

Vielleicht. Ich bin überzeugt, dass man nicht jedes Angebot annehmen sollte, wenn man nicht muss. Wir prüfen sorgfältig, an welche Bedingungen eine Finanzierung geknüpft ist und wollen auch ein Gefühl für die Absichten der Investoren erhalten. Empfehlenswert ist es auch, sich Optionen offen zu halten. Wer sich zu früh mit etwas zufrieden gibt, dem kann dies später sehr teuer zu stehen kommen.

Sie haben über 2 Millionen von Stiftungen erhalten. Das ist ungewöhnlich viel für ein Startup?

Der Aufwand für eine solche Finanzierung ist natürlich auch sehr hoch, besonders am Anfang, wenn man noch keinen Leistungsausweis vorweisen kann und noch keine Forschungsgelder erhalten hat. Entscheidend ist, frühzeitig erfahrene Leute an Bord zu holen. Das gibt den Stiftungen die nötige Sicherheit bezüglich der Umsetzbarkeit des Projekts. Wichtig ist auch, kleinere Beträge wert zu schätzen. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich von einem sehr erfahrenen und erfolgreichen Wissenschaftler, Prof. Nigg, viel über die Kunst des Antragschreibens lernen konnte. Mit den Professoren Nigg vom Biozentrum und Christofori vom Departement Biomedizin hatten wir schon früh ein fachlich stimmiges und interdisziplinäres Konsortium gebildet. Ohne diese beiden erfahrenen Professoren gäbe es unsere Firma in dieser Form nicht.

Wie hoch war denn die Erfolgsquote?

Ich schätze, dass wir bisher auf die Hälfte unserer Gesuche eine positive Antwort erhalten haben.

Mit diesem Stiftungsgeld sind Sie weit gekommen, aber die nächsten Schritte machen sie mit Unterstützung von Privatinvestoren. Ist das besser, als auf Risikokapitalgesellschaften zu setzen?

Selbstverständlich haben wir beide Alternativen geprüft. Private und institutionelle Investoren schliessen sich ja gegenseitig nicht aus. Wir haben nun jedoch Privatpersonen bevorzugt, weil sie in der Regel selber oder in kleinen Gremien und somit schneller entscheiden, ob sie investieren wollen oder nicht. Ein zweiter Punkt: Es ist mir persönlich auch wichtig, dass wir gemeinsam eine Vorstellung der nächsten Jahre entwickeln und auf diese Ziele hinarbeiten. Die Interaktionen, die gemeinsame Vision und das Gefühl einer ähnlichen Wertehaltung bringen viel Freude und Zuversicht. Es muss einfach stimmen, fachlich und menschlich.

Wie findet man private Investoren?

Eigentlich geht das nur über ein gutes Netzwerk und unsere erfahrenen Berater. Denn im Unterschied zu Risikokapitalgesellschaften halten sich Privatinvestoren eher diskret im Hintergrund. Es ist deshalb wichtig, sich schon früh Gedanken über die Positionierung des eigenen Unternehmens, des Teams und seiner Technologien zu machen. Eine gut geplante Kommunikation hilft. Sind die Ideen erst einmal bekannt, kommt man leichter in Kontakt mit den richtigen Leuten. Wer in einem Gespräch überzeugt, hat gute Chancen, dass sich ein Privatinvestor engagiert.

Was sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Die Finanzierung von T3 Pharma ist vorerst gesichert. Wir können uns somit auf unsere Forschung konzentrieren und darauf, unsere Technologie zu validieren und die präklinische Entwicklung vorzubereiten. Mittlerweile beschäftige ich mich als CEO mit Arbeiten ausserhalb des Labors, während sich meine vier Kollegen voll auf die Forschung konzentrieren.

Was ist Ihre langfristige Vision?

Wir wollen unsere Technologie bis zur Anwendung im Patienten bringen. Das ist unser grosser Treiber in der täglichen Arbeit. Wie und wann wir dieses Ziel erreichen werden, kann ich heute noch nicht sagen, auch nicht, ob es dann T3 Pharma noch als selbständiges Unternehmen gibt. Wer weiss schon, was die Zukunft bringt. Wir sind deshalb offen und fokussieren uns zuerst auf unsere Forschung.

Wie nehmen Sie das hiesige Ökosystem für Jungunternehmer wahr?

Wir haben eine gute Anbindung an die Universität und schätzen die offenen Türen. Wer sich traut und auf die Leute zugeht, erhält viel Unterstützung. Ich erlebe in Basel ein sehr innovationsfreundliches Klima. Natürlich bildet der grosse Life-Sciences-Cluster ein unheimlich positives Umfeld für Startups wie wir. Auch die Innovationsförderung von BaselArea.swiss hilft auf unkomplizierte Art, wenn es darum geht, die richtigen Leute zu treffen.

Dennoch: punkto Startups hinkt Basel anderen Standorten hinterher. Was müsste unternommen werden?

Ohne Eigeninitiative und Durchhaltewillen läuft gar nichts. Wer beides hat, findet hier in Basel und der Schweiz beste Voraussetzungen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich den informellen Austausch an der Universität stärker institutionalisieren. Früher Input von erfahrenen Fachspezialisten zu einer Startup-Idee könnte jungen Forschern dabei helfen, Selbstvertrauen für die nächsten Schritte zu tanken und die eigenen Ideen erfolgreicher vor einem Gremium zu präsentieren. Eine Absage kann manchmal ganz schön entmutigend sein.

Gibt es denn viele Ideen, die so ungeboren begraben werden?

Ja, es gibt sie und ich finde das sehr schade. Es ist für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit, sich vor andere hinzustellen und zu sagen „Ich will das, ich kann das und ich mache das.“ Nur wenige Jungforscher trauen sich zu, eine derart grosse Hürde zu nehmen und auch mal ein Projekt gegen Widerstände zu verfolgen. Viele talentierte junge Wissenschaftler bleiben so auf der akademischen Schiene und publizieren weiter, bis irgendwann der Zug für ein Startup abgefahren ist. Es würde helfen, wenn sie ihre Ideen informell diskutieren könnten, ohne gleich alles an die grosse Glocke hängen zu müssen. Ich bin überzeugt, es gäbe noch mehr innovative Startups. Denn ist diese Hürde erst einmal überwunden, erhält man unglaublich viel Unterstützung auch von fachfremden Professoren, die zum Weitermachen ermutigen. So ist es mir ergangen.

Und was sagt Ihr Doktorvater zu T3?

Er hat eine Riesenfreude an uns. Guy Cornelis berät uns auch wissenschaftlich und hilft uns, wo er kann. Das Verhältnis hat sich inzwischen auch verändert und ist sehr freundschaftlich. geworden.

Zur Person:

Dr. Simon Ittig hat an den Universitäten Bern, Wien und Strassburg Biochemie und Biotechnologie studiert und am Biozentrum der Universität Basel in Mikrobiologie promoviert. Aus einem Forschungsprojekt zum Thema Typ 3-Technologien – Bakterien als vielseitige Werkzeuge für den Proteintransport wurde das Startup T3 Pharmaceuticals.

report Life Sciences

Novartis und Roche investieren in Start-up

05.05.2017

report Life Sciences

Hauptmittel von Piqur kommt der Zulassung näher

27.04.2017

report BaselArea.swiss

BaseLaunch kann das Potential des Life Sciences Ökosystems Basel voll ausschöpfen

15.03.2017

Der neue Accellerator für Healthcare Ventures, BaseLaunch, will die besten Startups anziehen und damit auch Impulse für etablierte Player geben. Dabei setzt das Projekt gemäss Managing Director Alethia de Léon konsequent auf Qualität und das konzentrierte Know-how in der Region.

Was macht BaseLaunch einzigartig?

Der fortwährende Austausch mit ansässigen Branchengrössen, die in der Projektauswahl mitwirken und überdies auch selbst Kapital zur Verfügung stellen können, ist zentral für das Konzept von BaseLaunch. Wir richten uns sehr konsequent an den individuellen Bedürfnisse von Gründern aus und können das konzentrierte Knowhow sowie die vielseitigen Partnering-Potenziale im Life-Sciences-Ökosystem Basel voll ausschöpfen. Damit kann sich BaseLaunch auch an Startups richten, die für andere Programme zu wenig weit entwickelt sind.

Für welche Art von Projekten ist BaseLaunch besonders geeignet?

BaseLaunch ist offen für alle Projekte im Bereich Healthcare. Geografisch liegt der Fokus auf der Schweiz und Europa. Unsere Labors im Switzerland Innovation Park Basel Area sind auf Therapeutics spezialisiert. Aber innovative Konzepte in den Bereichen Diagnostics und Medtech sind ebenfalls eingeladen, am Accelerator zu partizipieren.

Operativ wird das Projekt von BaselArea.swiss geführt, unter einem separaten Brand. Warum dieses Setup?

BaseLaunch will die innovativsten und vielversprechendsten Healthcare-finden, sie unterstützen und in das hiesige Healthcare-Ökosystem einbetten. Damit ist BaseLaunch ein wichtiger Teil der Kerntätigkeit von BaselArea.swiss. Aufgrund der unterschiedlichen Finanzierungs- und Entscheidungsstruktur und im Sinne eines fokussierten Marktauftrittes macht es aber Sinn, mit dem Accelerator eine separate Marke aufzubauen.

Ist es denn Aufgabe des Staates, in Startups zu investieren?

Es werden keine öffentlichen Mittel in Projekte investiert. Die Kantone finanzieren den operativen Betrieb von BaseLaunch. Was direkt in die Startups fliesst, kommt von privater Hand. Mit BaseLaunch sorgt also BaselArea.swiss für die richtigen Rahmenbedingungen, indem sie als neutraler Partner der Industrie mit entsprechenden Programmen das Entstehen von neuen Firmen begünstigt. Und man darf nicht vergessen, dass man anderenorts viel offensiver vorgeht mit staatlichen Mitteln. Es ist wichtig, hierbei nicht ins Hintertreffen zu gelangen und im hart umkämpften Standortwettbewerb dran zu bleiben - ohne freilich unsere liberale Wirtschaftsordnung zu verzerren.

Warum braucht es denn überhaupt mehr Startups?

Startups braucht es in erster Linie, damit aus Wissen auch Wertschöpfung entsteht. Wenn wir Milliarden in die akademische Forschung investieren, braucht es auch entsprechende Strukturen, um aus Erfindungen Innovationen zu machen. Es hat sich gezeigt, dass Startups hierfür mehr und mehr eine entscheidende Rolle übernehmen. Darüber hinaus haben Startups das Potential, bei Erfolg sehr schnell zu wachsen und dadurch sehr viele hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. Actelion, das ja auch mal als Startup angefangen hat, ist das beste Beispiel hierfür. Indem es BaseLaunch gelinngt, mit den besten Startup-Projekte zu arbeiten, generiert dies auch Impulse für etablierte Unternehmen sowie für das gesamte Ökosystem..

Ist das hiesige Umfeld für Startups überhaupt interessant, die Lebenshaltungskosten dürften Gründer zunächst mal eher abschrecken?

Das Silicon Valley, London oder Boston sind nicht günstiger. Die einzigartigen Vorteile des lokalen Life-Sciences-Ökosystems mit einer in Europa nicht zu übertreffenden Dichte an Talent, Pharma-Entscheidern und Kapital geben bei unseren Gründern letztlich den Ausschlag. Wir machen die Erfahrung, dass wir in diesen wirklich entscheidenden Bereichen, die ja gerade für junge Unternehmen „Must-Haves“ sind, so viele Punkte sammeln kann, dass unter dem Strich das Gesamtpaket mehr als stimmt. Nicht umsonst haben wir in den vergangenen Jahren einen steten Zuwachs an Gründungen von ausserhalb der Region gesehen.

Alethia de Léon

Die gebürtige Mexikanerin Alethia de Léon hat am Massachusetts Institute of Technology und an der Harvard Business School studiert. Nach Stationen im Healthcare Investment und im Product Developement war sie bis 2015 bei Novartis Global Head of Search and Evaluation, Business Development and Licensing für das Neuroscience Business. Neben der Führung von BaseLaunch ist Alethia de Léon zudem CEO und Gründerin des Startups Senes Sciences GmbH.

report Life Sciences

Basler Forscher entwickeln Therapie gegen Autoantikörper

19.04.2017

report Micro, Nano & Materials

Plattformen für die NanoMedizin: der lokale Technology Circle und die 10. CLINAM

12.04.2017

report BaselArea.swiss

Startup-Accelerator BaseLaunch will vielversprechende Healthcare-Jungunternehmen an den eu...

22.02.2017

BaseLaunch, das neue Schweizer Beschleunigungsprogramm für Healthcare-Startups, bietet ausgesuchten Jungunternehmen Zugang zur Life-Sciences-Wertschöpfungskette der Region Basel. Das von BaselArea.swiss initiierte und operativ geführte BaseLaunch geniesst die Unterstützung von Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation sowie Pfizer und ist Healthcare-Partner des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland.

BaselArea.swiss, die Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, lancierte heute den neuen Schweizer Healthcare-Startup-Accelerator BaseLaunch. BaseLaunch soll die einzigartige Position der Region Basel als globale Drehscheibe der Life-Sciences-Branche und deren steigende Popularität bei Investoren nutzen, um die nächste Generation erfolgreicher Firmen mit einem auf Healthcare-Unternehmer zugeschnittenen Angebot anzuziehen.

“Eine gesunde und gut abgestützte Startup-Szene ist eine Voraussetzung, um den absoluten Spitzenplatz der Schweizer Life-Sciences-Wirtschaft zu stärken und weiter auszubauen”, hielt Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss, fest. “Es besteht viel Nachholbedarf für die Schweiz in diesem Bereich und BaseLaunch ist ein strategisches Verbindungsstück, um diese Lücke zu schliessen.” “Die Erfahrung von BaselArea.swiss im Vernetzen von Innovatoren und in der Förderung von Unternehmern erlaubt es BaseLaunch, sich spezifisch auf die Bedürfnisse von Healthcare-Startups zu konzentrieren. Gleichzeitig bereichert BaselArea.swiss auf diesem Weg die herausragende Innovationslandschaft der Schweiz, besonders im Gebiet der Life-Sciences”, bemerkte Dr. Christof Klöpper, CEO von BaselArea.swiss. BaseLaunch ist das designierte Healthcare-Programm im Rahmen des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland und pflegt Partnerschaften mit weiteren etablierten öffentlichen sowie privatwirtschaftlichen Organisationen. Es ist somit eng an wichtigen nationalen und regionalen Initiativen ausgerichtet. Bereits heute geniesst BaseLaunch die Unterstützung weltweit tätiger bio-pharmazeutischer Unternehmen und Innovationsführer wie Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation und Pfizer. Als Healthcare-Partner bringen sie sich in BaseLaunch ein, um bahnbrechende und förderungswürdige Innovationen zu finden, die dringenden medizinischen Herausforderungen begegnen. „BaseLaunch will die besten Innovatoren im Healthcare-Bereich unterstützen, indem es ihnen direkten Zugang zu gründerfreundlichen Geldmitteln, Knowhow, Branchenkontakten und einer hochmodernen Infrastruktur verschafft. Wir möchten die Startups individuell anleiten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, vollends in der Life-Sciences-Wertschöpfungskette aufzugehen“, erklärte Alethia de Léon, CEO von BaseLaunch.

Ein Programmzyklus erstreckt sich über zwei Phasen und insgesamt 15 Monate. In der ersten Phase, die drei Monate dauert, arbeiten die Firmengründer eng mit dem Team von BaseLaunch und einem Netzwerk erfahrener Unternehmer und Berater an der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee. Die finanziellen Beiträge von BaseLaunch hierfür reichen bis 10 000 Franken pro Projekt. Bis zu drei Startups werden für die zweite Phase ausgewählt und erhalten dort die Chance, in den Labors des Switzerland Innovation Park Basel Area innerhalb eines Jahres Forschungsdaten zu generieren und Meilensteine ihres Businessplans zu erreichen. Hierfür werden ihnen bis zu 250 000 Franken an Fördergeldern zugesprochen.

Bewerbungen für den ersten Zyklus des Programms nimmt BaseLaunch bis zum 30. Juni 2017 entgegen. Weitere Programmzyklen beginnen in der zweiten Hälfte 2018 und 2019. Ein Auswahlkomitee bestehend aus Branchenexperten wählt unter den Bewerbern die Startups aus, die in das Programm aufgenommen werden.

 

Statements der Healthcare-Partner von BaseLaunch

Richard Mason, Head, Johnson & Johnson London Innovation Centre:
„Dieses Programm stellt ausgewählten Startups Fördergelder und Laborplätze zur Verfügung, ohne eine Beteiligung am Firmenerfolg als Gegenleistung zu fordern. Dies macht deutlich: Wir wollen hier für Startups eine optimale Umgebung schaffen, die sich darauf konzentriert, bahnbrechende Wissenschaftsleistungen und grossartige Ideen im Schweizer Kontext zu unterstützen.“

Dr. Anja König, Managing Director, Novartis Venture Fund:
„Wir helfen gerne dabei, der Anziehungskraft der Region Basel für europäische Healthcare-Jungunternehmen weitere Energie zuzuführen, indem wir Startups die Unterstützung zukommen lassen, die sie zur Beschleunigung ihrer Entwicklung benötigen.“

Uwe Schoenbeck, Chief Scientific Officer, External Research and Development Innovation & Senior Vice President, Worldwide Research and Development, Pfizer:
„Durch Pfizers Unterstützung von BaseLaunch hoffen wir, das Tempo zu beschleunigen, in dem verheissungsvollen wissenschaftlichen Errungenschaften in potenzielle Arzneimittel umgewandelt werden.“

 

report ICT

Baloise geht bei Digitalisierung voran

24.03.2017

report Supporting Entrepreneurs

Starthilfe für Innovatoren von morgen

15.03.2017

report BaselArea.swiss

Bloggen, twittern, sharen und liken: BaselArea.swiss goes Social Media

09.02.2017

BaselArea.swiss hat einen neuen Social Media-Auftritt. Im Zentrum steht der Innovation Report, der als Blog regelmässig über wichtige Themen aus unseren Service-Bereichen und Technologiefeldern informiert sowie wichtige Informationen für die Innovationslandschaft Nordwestschweiz liefert. Der Innovation Report bietet die Möglichkeit, Neuigkeiten zu filtern, zu teilen und zu kommentieren.

BaselArea.swiss auf LinkedIn
Auf LinkedIn sind wir nicht nur mit einer allgemeinen Firmenseite präsent, sondern wir haben auch vier sogenannte Fokusseiten zu unseren Servicebereichen Invest in Basel Region, Connecting Innovators, Supporting Entrepreneurs und Accessing China. Diese werden von unseren Experten betreut und eröffnen einen breiteren Blick auf die Aktivitäten und Geschehnisse innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz. Wir freuen uns über Follower – auch auf der generellen Firmenseite, die in erster Linie Events oder regionale Neuigkeiten verbreitet.

Noch mehr Interaktion sowie aktuelle Informationen aus den Innovationsbereichen versprechen unsere LinkedIn-Gruppen Life Sciences by BaselArea.swiss, Medtech by BaselArea.swiss, Micro, Nano & Materials by BaselArea.swiss sowie Production Technologies by BaselArea.swiss, die durch die jeweiligen Technologiefeldmanager betreut werden. Sie halten Interessierte über die neuesten Entwicklungen in den Technologien innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz auf dem Laufenden.

Spezialgruppen auf LinkedIn
Ausserdem betreibt BaselArea.swiss drei weitere LinkedIn-Gruppen: 3D Printing Schweiz, Entrepreneurs in Northwestern Switzerland und Precision Medicine Group Basel Area. In der Precision Medicine-Gruppe bilden Industrie-Experten von Novartis, Actelion und Roche gemeinsam mit BaselArea.swiss eine offene und hochspezialisierte Gemeinschaft von Experten, Forschern und Unternehmern. Ziel ist es, aus der wachsenden Digitalisierung neue Chancen und Möglichkeiten für die Life Sciences- und Healthcare-Industrie zu entwickeln.

Die 3D-Printing-Gruppe möchte die rapide Entwicklung der Technologie weltweit dokumentieren und Interessierte dazu einladen, ihre Gedanken und Kommentare zu teilen. Mit der Entrepreneurs-Gruppe sprechen wir sowohl Personen an, die bereits von unseren Services profitiert haben, als auch Investoren, erfahrene Unternehmer oder KMUs, die erfahren möchten, was Jungunternehmer in der Region benötigen und was sie bewegt.

BaselArea.swiss auch auf Twitter und Xing
@BaselAreaSwiss zwitschert auf Twitter. Ob Veranstaltungshinweise, neueste Nachrichten, Hinweise auf interessante Neuigkeiten von Partnern oder auch einfach mal eine Schmunzelstory: BaselArea.swiss hält Sie hier mit eigenen Beiträgen, Retweets und Favoriten auf dem Laufenden.

Auch auf Xing ist BaselArea.swiss mit einer Firmenseite vertreten. Hier informieren wir regelmässig über spannende Events oder thematisch breiter gefasste Neuigkeiten aus der Region Nordwestschweiz.

Finden Sie uns auf den Social Media-Kanälen und treten Sie mit uns in Kontakt!
Wir freuen uns über einen regen Austausch und hoffen, zahlreiche neue Follower zu finden.

Link-Liste

Innovation Report: Link
Twitter: Link
Xing: Link
LinkedIn BaselArea.swiss
Firmenseite:

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LinkedIn Fokusseiten: Invest in Basel Region
Connecting Innovators
Supporting Entrepreneurs
Accessing China
LinkedIn Technologie-Gruppen: Life Sciences by BaselArea.swiss
Medtech by BaselArea.swiss
Micro, Nano & Materials by BaselArea.swiss
Production Technologies by BaselArea.swiss
Andere LinkedIn-Gruppen:

3D Printing Schweiz
Entrepreneurs in Northwestern Switzerland
Precision Medicine Group Basel Area

 

Artikel von Nadine Nikulski, BaselArea.swiss 

report BaselArea.swiss

BaseLaunch will die besten Healthcare-Startups nach Basel holen

15.03.2017

report ICT

Baloise investiert in Fintech-Start-ups

28.02.2017

report BaselArea.swiss

Basler Initiative fördert Life-Science-Jungunternehmen

01.02.2017

Die vom Standortförderer BaselArea.swiss initiierte und durchgeführte Accelerator-Initiative BaseLaunch ist neuer Partner des Förderprogramms für Jungunternehmen Kickstart. Dadurch werden im zweiten Programm von Kickstart auch Life-Science-Start-ups gefördert.

BaseLaunch wird am 22. Februar lanciert, wie BaselArea.swiss in einer Ankündigung bekanntmacht. Die Initiative will die nächste Generation von Life-Science-Unternehmen in der Region Basel hervorbringen. Dazu dient auch die Zusammenarbeit mit Kickstart, einem der grössten firmenübergreifenden Förderprogramme für Jungunternehmen in Europa und der wichtigsten Initiative von digitalswitzerland. Kickstart startet nun sein zweites Programm.

„Mit der zweiten Edition in Zürich und Ausweitung nach Basel erreicht digitalswitzerland ein wichtiges Etappenziel: die Durchführung des grössten europäischen Start-up-Accelerators“, wird Nicolas Bürer, Managing Director bei digitalswitzerland, in einer Medienmitteilung von digitalswitzerland und Kickstart zitiert. In Basel, „dem Life Sciences Hotspot der Schweiz“, könne somit „bisher unentdecktes Innovationspotenzial erschlossen werden“, heisst es ergänzend in der Mitteilung.

Für den Kickstart Accelerator werden maximal 30 Jungunternehmen ausgewählt, die ihre Ideen in einem elfwöchigen Programm im Impact Hub Zürich weiterentwickeln können. Neben den Life Sciences werden die Start-ups aus den Branchen Nahrungsmittel, Finanztechnologie, intelligente Städte und Robotersysteme kommen. Die Start-ups werden dabei von hochkarätigen Mentoren und Partnerfirmen unterstützt. Sie können bis zu 25.000 Franken gewinnen und erhalten monatliche Stipendien. „Durch die Zusammenarbeit mit Grossunternehmen profitieren die Jungunternehmer vom Know-how der Grossfirmen, dem Zugang zu einem grossen Kundennetzwerk und der Möglichkeit gemeinsamer Produktentwicklungen“, heisst es von Carola Wahl, Head of Transformation & Market Management bei AXA Winterthur, einer der Partnerfirmen.

Interessierte Jungunternehmen können sich bei Kickstart Accelerator bewerben.

 

report Supporting Entrepreneurs

Jumpstart your business & Grow your startup

22.02.2017

report BaselArea.swiss

Unitectra unterstützt rekordviele Technologietransfers

08.02.2017

report Life Sciences

„Die Region Basel sollte nicht einfach Teil des Wandels sein, sondern den Wandel mitgestal...

07.12.2016

Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz, berät Jungunternehmen in den Life Sciences und betätigte sich selbst als Start-up-Gründer.

In unserem Interview erläutert er, wie sich die HLS FHNW weiterentwickeln möchte, warum die enge Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg so wichtig ist und welche Zukunft er für das Gesundheitswesen sieht.

Sie kommen aus der Industrie und waren bisher auch schon in Start-ups engagiert. Ist es nicht untypisch, jetzt im akademischen Bereich zu arbeiten?
Falko Schlottig*: Wenn es untypisch wäre, würden wir als Fachhochschule etwas falsch machen. Die Mitarbeitenden an der Hochschule für Life Sciences FHNW kommen zu grossen Teilen aus der Industrie. Das ist wichtig, weil wir sonst nicht berufsbefähigend ausbilden könnten und weil wir über dieses Netzwerk die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung vorwärtstreiben können. Mit unserem Wissen und Knowhow können wir signifikant zu Produktentwicklungen und Innovationsprozessen beitragen.

Grenzt sich die FHNW so von der Grundlagenforschung ab, welche an den Universitäten betrieben wird?
Es geht hier nicht um eine politische Abgrenzung, sondern um eine fachliche Differenzierung. Als Fachhochschule sind wir technologie-, entwicklungs- und produktorientiert. Die Universitäten und die ETH orientieren sich in Richtung Grundlagenforschung. Zusammen ergibt sich eine einmalige Wertschöpfungskette, die über den Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz hinausgeht. Dies setzt voraus, dass man gut zusammenarbeitet. Auf Ebene unserer Dozierenden und Forschenden funktioniert diese Zusammenarbeit hervorragend, beispielsweise durch den Austausch von Vorlesungen und durch zahlreiche gemeinsame Projekte. Andererseits gibt es noch viel Potential in der Zusammenarbeit, um den Life Sciences-Cluster weiter zu stärken, beispielsweise in der technologieorientierten Ausbildung oder im Bereich Personalized Health.

„Potential“ bedeutet Anerkennung? Oder geht es um Fördergelder?
Weder noch! Die Differenzierung zwischen angewandter Forschung und Grundlagenforschung darf nicht verwaschen werden – auch aus Sicht der Studierenden nicht. Ein Personalverantwortlicher muss wissen, ob der Bewerber eine praxisorientierte Ausbildung hat oder erst in ein Trainee-Programm gehen muss. Es geht darum, im Sinne unserer Region in technologiegetriebenen Gebieten zielführend und noch besser zusammen zu spannen als heute.

Gibt es denn genügend Studenten? Es heisst oft, es gebe zu wenig Naturwissenschaftler?
Unsere Studierendenzahlen steigen im Moment leicht, wir würden aber gerne noch etwas mehr wachsen. Aber im Vordergrund steht die Qualität der Ausbildung, nicht die Quantität. Wichtig für unsere Studierenden ist, dass sie weiterhin ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Allerdings spüren wir wie alle Einrichtungen das derzeit mangelnde Interesse an den Naturwissenschaften. Daher engagieren wir uns als FHNW in allen Bildungsbereichen für die Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - kurz MINT.

Sie leiten nun die Hochschule für Life Sciences FHNW seit etwas mehr als einem Jahr. Welche Pläne haben Sie?
Wir wollen weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil des Life Sciences-Clusters Nordwestschweiz sein. Zudem möchten wir weiterhin qualitativ so gut ausbilden, dass unsere Studierenden nach Abschluss zu 98 Prozent eine Stelle finden. Konkret heisst das für uns, dass wir die Lehre inhaltlich, didaktisch und strukturell ständig weiterentwickeln und mit Augenmass den Entwicklungen des industriellen Umfeldes und der Individualisierung folgen. In diesem Zusammenhang haben wir für unseren Fachbeirat Vertreter aus dem strategischen Management von Unternehmen des industriellen Umfelds und aus Institutionen des Gesundheits- und Umweltbereiches für eine Mitarbeit gewinnen können.
In der Forschung werden wir uns in Zukunft basierend auf unseren disziplinären Stärken und Fähigkeiten um Technologien organisieren und noch ausgeprägter interdisziplinär arbeiten. Es kommt uns entgegen, dass wir im Herbst 2018 in einen Neubau umziehen dürfen und aus zwei Standorten einen machen können. Inhaltlich werden wir das Thema „digitale Transformation“ viel stärker als heute schon als Querschnittsdisziplin in Lehre und Forschung etablieren. Schliesslich sollten wir nicht einfach Teil dieses Wandels sein, sondern ihn mitgestalten.

Stichwort „digitale Transformation“: Informatik wird auch für die Naturwissenschaften immer wichtiger. Wird die FHNW vermehrt Informatiker ausbilden?
Hier an der HLS setzen wir erfolgreich auf Medizininformatik, die Fachhochschule bildet in Brugg Informatiker und in Basel Wirtschaftsinformatiker aus. Wir müssen uns aber auch fragen, was künftig ein Chemiker, der die HLS FHNW besucht hat, an erweiterten Informatikkenntnissen mitbringen sollte – zum Beispiel in Data Sciences. Dasselbe gilt für unsere Bioanalytiker, Pharmatechnologen oder Verfahrens- und Umwelttechniker. Dennoch muss die Naturwissenschaft die Basis bleiben, angereichert mit einem ausgeprägten Verständnis für Daten und die zugehörigen Prozesse. Umgekehrt muss sich auch ein Informatiker, der bei uns an der HLS studiert, mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Dieses Wissen ist zwingend nötig, wenn man im Life Sciences-Bereich der Region eine Stelle finden möchte.

Schweizweit – aber auch speziell in der Region Basel – ist viel Knowhow in Bioinformatik vorhanden. In der Aussenwahrnehmung gilt die Region allerdings nicht als IT-Standort. Müsste man da nicht Gegensteuer geben?
Tatsächlich haben wir im Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz Nachholbedarf. Die wichtigen Fragen sind, welche Schwerpunkte man setzt und wie man diese verküpft. Ist es Data Mining – was für die Universität Basel und das Universitätsspital wichtig ist? Oder ist es die Verknüpfung von Patientendaten mit verschiedensten Datenbanken, um beispielsweise die Kosteneffizienz in Spitälern zu steigern? Oder liegt die Zukunft in Data Sciences und Datenvisualisierung, um Planungen und Entscheidungen zu vereinfachen und zu unterstützen, was wir unter anderem an der HLS bereits machen? Die zentrale Frage ist, aufgrund welcher Daten in Zukunft im Gesundheitsbereich Entscheidungen getroffen werden. Hier geht es auch um die Frage, wem die Daten gehören und wie sowie durch wen diese genutzt werden dürfen. Dies ist eine der Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Da wir angewandt forschen, sind diese Themen für uns genauso wichtig wie für die Industrie. Diese extrem spannende Diskussion wird uns die nächsten Jahre begleiten.

Die HLS FHNW hat sehr unterschiedliche Bereiche wie Chemie, Umwelttechnologie, Nanowissenschaften oder Data Visualisation – wie passt das zusammen?
Diese Bereiche sind nur auf den ersten Blick unterschiedlich – ihre Basis ist immer die Naturwissenschaft – häufig in Verbindung mit den Ingenieurwissenschaften. Unsere Fachdisziplinen werden spätestens mit dem Zusammenzug 2018 noch besser gebündelt. Das sieht man heute schon beispielsweise in der Umwelttechnik: Auf den ersten Blick fragt man sich, was sie mit Bioanalytik, Nanowissenschaften oder Informatik zu tun hat. Aber die HLS FHNW ist stark im Bereich der Wasser- und Bioanalytik, und eines der grössten Probleme momentan ist die Antibiotikaresistenz. Um hier Lösungen zu finden, braucht man Wissen aus der Chemie, der Biologie, der Analytik, der Informatik und verfahrenstechnisches Knowhow. Ab 2018/19 werden wir im Neubau über ein einmaliges Prozess- und Technologiezentrum verfügen, in welchem wir alle Prozessketten darstellen können, welche die Life Sciences-Industrie heute und in Zukunft bewegt – beginnend bei Chemie, über Pharmatechnologie und Umwelttechnologie bis zur Biotechnologie inklusive Analytik und Automatisierung.

Sie waren und sind an Start-ups beteiligt. Sollen Neugründungen aus der HLS FHNW künftig gefördert werden?
Im Grunde sind wir heute nicht schlecht unterwegs, wenn man die Anzahl der Studierenden und Mitarbeitenden mit der Anzahl Start-ups vergleicht. Aber tatsächlich möchten wir Neugründungen verstärken, bei uns entstehen Start-ups eher aus den Ideen der Mitarbeitenden heraus. Unsere Bachelor-Studierenden haben kaum Zeit, sich einer Unternehmensgründung zu widmen. Andererseits ist an der HLS FHNW unternehmerisches Denken und Handeln Teil der Ausbildung. Schliesslich sollen unsere Studierenden auch ihr Verständnis für die Funktionsweise einer Firma weiterentwickeln. Ein zweiter Aspekt ist unternehmerisches Denken in Bezug auf eine Unternehmensgründung. Die Gründung eines Start-ups verlangt Flexibilität und Offenheit von unserer Seite: Wie gehen wir mit einer Patentanmeldung um? Wem gehört sie? Wie gestalten sich Lizenzzahlungen? Unsere Mitarbeitenden haben die Freiheit, eigene Projekte anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu definieren. Schon heute bieten wir die Möglichkeit, dass ein Start-up in unseren Räumlichkeiten bleibt und sie weiter nutzen darf. Im Neubau haben wir dafür extra Platz reserviert. Zudem nutzen wir alle Möglichkeiten, welche der Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz heute bietet. Das sind zum Beispiel die Life Sciences-Start-up-Agentur EVA, der Incubator, die Swiss Biotech, Swissbiolabs, der Switzerland Innovation Park Basel Area, BaselArea.swiss oder auch die Venture Capitalists, um nur einige zu nennen. Wir sind gut vernetzt und versuchen auch hier einen Beitrag zur Entwicklung unserer Region zu leisten

Warum ist es Ihrer Meinung nach in der Schweiz offenbar so schwierig, ein Start-up erfolgreich aufzubauen?
In der Nordwestschweiz gibt es zwei Punkte, die hineinspielen: Durch eine sehr erfolgreiche mittelständische und grosse Life Sciences-Industrie ist die Hürde, sich selbständig zu machen, viel höher. Wenn man ein Start-up gründet, verzichtet man auf einen gutbezahlten und sicheren Job und setzt sich möglichen finanziellen Risiken aus, die mit der Gründung verbunden sind. Die zweite grosse Hürde ist die Finanzierung, insbesondere die Überwindung des sogenannten „Valley of Death“. Es ist im Vergleich zum zweiten Schritt einfach, Gründungskapital zu erhalten. Das Durchhalten bis zur Marktreife bei einem Kapitalbedarf zwischen einer und fünf Millionen Franken, ist sehr schwierig.

Das soll sich mit dem Zukunftsfonds ändern.
Es wäre natürlich super, wenn es einen solchen Zukunftsfonds geben würde, um Tickets zwischen einer und zwei Millionen Franken zu lösen. So wären Start-up-Projekte für zwei oder drei Jahre finanziert. In diesem Zusammenhang ist es extrem spannend, anspruchsvoll und bewegend die ganze Wertschöpfungskette von der Forschung bis zum Produkt in der Anwendung zu sehen, die Netzwerke zu kennen und uns einbringen zu dürfen. Heute ist dies fast nur noch bei einem Start-up oder einem kleinen Mittelständler möglich. Am Ende muss sich aber jeder potentielle Gründer entscheiden, ob er lieber Rad oder Rädchen sein möchte.

Wird der Gesundheitsbereich in fünf oder zehn Jahren dramatisch anders aussehen?
Prognosen sind immer schwierig und häufig falsch. Die grossen Player werden wahrscheinlich abwarten und beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Das Gesundheitswesen wird in fünf bis zehn Jahren möglicherweise anders aussehen, jedoch nicht disruptiv anders. Wir werden neue Geschäftsmodelle erleben, Versicherungen werden versuchen, neue Wege zu gehen. Dies kann zu Verschiebungen führen. Wir erleben momentan den Wechsel vom Patienten zum Konsumenten. Produktseitig ist der Sektor extrem reguliert, neue innovative Produkt auf den Markt zu bringen, ist daher nicht einfach. Viele Regulierungen sind aus meiner Sicht innovationshemmend und führen nicht immer zu einer höheren Sicherheit für den Patienten, was sie eigentlich sollten.

Wie könnte dieser Wandel angestossen werden?
Ich glaube, wir als Fachhochschule Nordwestschweiz können hier einen grossen Beitrag leisten. Beispielsweise arbeiten wir basierend auf unseren disziplinären Kompetenzen innerhalb von strategischen Initiativen an Fragestellungen aus der Gesellschaft und der Wirtschaft interdisziplinär und hochschulübergreifend zusammen. So versuchen wir, einen Teil zur Lösung oder der Antwort beizutragen. Die Schweiz und besonders unsere Region haben in dieser gebündelten Zusammenarbeit ein sehr grosses Potenzial. Dies gilt es nun zu schöpfen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Prof. Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Forschung und Produktentwicklung und hatte diverse Management-Positionen in international tätigen, führenden Medizin-Produkt-Firmen inne. Falko Schlottig hat zudem ein Start-up der Biotechnologie- und Medizin-Produkt-Branche mitbegründet.

Er studierte Chemie und Analytische Chemie und verfügt über einen EMBA der Universität St. Gallen.

 

report Invest in Basel region

Japanisches Unternehmen siedelt Forschungszentrum in Basel an

25.01.2017

report Invest in Basel region

US-Fonds will von Basel aus investieren

13.01.2017

report ICT

Dr. med. App – Digitale Transformation in den Life Sciences

30.11.2016

Die Zukunft gehört den datengetriebenen Therapieformen. Der Standort Basel nimmt die Herausforderung an und investiert in die sogenannte Precision Medicine.
Ein Text von Fabian Streiff* und Thomas Brenzikofer, erstmals erschienen am Freitag, 14. Oktober 2016 in der NZZ Verlagsbeilage „Swiss Innovation Forum“

Nun also auch die Life Sciences: Google, Apple und andere Technologie-Giganten haben den Gesundheitsmarkt entdeckt und bringen neben ihrer IT-Expertise viele Milliarden an Risikokapital mit. Völlig neue, datengetriebene und personalisierte Therapieformen – in einem Wort: Precision Medicine oder kurz PM – versprechen den Gesundheitssektor auf den Kopf zu stellen. Und wo es Veränderung gibt, da gibt es viel zu gewinnen. Zumindest aus Sicht der Investoren.

Anders sieht dies aus Sicht von Big Pharma aus. Für sie steht einiges auf dem Spiel. Gemäss Frank Kumli von Ernst & Young sind die Eintrittshürden bisher relativ hoch: «Wir bewegen uns in einem stark regulierten Markt, da dauert es länger bis Innovationen aufgenommen und durchgesetzt werden können.» Aber auch Kumli ist überzeugt, dass die Richtung vorgegeben ist und die Digitalisierung voranschreitet. Doch sieht er mehr Chancen als Gefahren: Die Schweiz und insbesondere Basel sei hervorragend positioniert, hier eine führende Rolle zu übernehmen. Mit der Universität Basel, dem D-BSSE der ETH, der FHNW, dem FMI und dem Universitätsspital Basel verfüge der Standort über starke Forschungsakteure. Zudem wird die gesamte Wertschöpfungskette in der Region abgedeckt, von der Grundlagenforschung, angewandten Forschung und Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb bis hin zu den Regulatory Affairs sowie entsprechenden IT-Kompetenzen. Zu den wichtigsten Treibern der digitalen Transformation hin zur Precision Medicine gehören digitale Tools, die ein Echt- zeit-Monitoring von Patienten – sogenannte Feedback Loops – ermöglichen. Die Kombination solcher Daten mit Informationen aus klinischen Tests und Genanalysen sind der Schlüssel zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen und damit zu Innovationen.

Landesweit einheitliche Datenorganisation
Ähnlich wie im 16. Jahrhundert die Erfindung des Mikroskops das Feld zur modernen Medizin eröffnete, werden Daten und Algorithmen die Basis liefern, den künftigen Patienten sehr viel präzisere und kostengünstigere medizinische Lösungen und Therapien anbieten zu können. Derzeit besteht die Krux jedoch noch darin, dass die Daten an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Formaten und meist in geschlossenen Systemen vorhanden sind. An diesem Punkt setzt das Projekt unter Leitung von Professor Torsten Schwede am Swiss Inrecistitute of Bioinformatics (SIB) an.

Im Rahmen der nationalen Initiative «Swiss Personalized Health Network» soll von der Leitungszentrale im Stücki Science Park Basel aus eine landesweit einheitliche Datenorganisation zwischen Universitätsspitälern und Hochschulen aufgebaut werden. Der Kanton Basel-Stadt hat eine Anschubfinanzierung für das Projekt bereits beschlossen. Durch die Standardisierung von Datenstrukturen, Semantik und Formaten zum Datenaustausch dürfte die klinische Forschung in der Schweiz – sowohl an Hochschulen sowie in der Industrie – deutlich an Qualität und Attraktivität gewinnen. An Interesse auf der Basis solcher klinischer Daten zu forschen und neue Geschäftsideen zu entwickeln, mangelt es nicht. Dieses zeigte sich anlässlich von Day One, einer von der Innovationsförderung und Standortpromotion BaselArea.swiss mitgetragenen und von der Precision Medicine Group Basel Area organisierten Workshop-Veranstaltung anlässlich der Basler Life Science Week.

Über 100 Experten fanden sich ein, um über zukünftige Geschäftsmodelle zu brüten. Insgesamt 14 Projekt- und Geschäftsideen wurden dabei näher in Betracht gezogen. Diese reichten von der Automatisierung der bildgestützten Diagnose über die Entwicklung von Sensoren in Wearables bis hin zu Smartphone-Apps zur besseren Involvierung von Patienten in den Therapieprozess.

Auch Big Pharma ist dabei
«Die Diversität der Projektideen war erstaunlich und zeigt, dass die Schweiz ein guter Nährboden sein kann für den nächsten Innovations- schritt in der Biomedizin», sagt Michael Rebhan von der Novartis und Founding-Mitglied der Precision Medicine Group Basel Area über- zeugt. Darauf will die Precision-Medicine-Initiative jetzt aufbauen: «Trotz der Innovations- kraft, die wir in den einzelnen Disziplinen sehen, kommt Precision Medicine insgesamt nur lang- sam voran. Die Fortschritte sind in ihrer Gesamtheit noch unzureichend, weshalb wir enger zusammenarbeiten und unsere Anstrengungen integrieren müssen. Es braucht deshalb eine Plattform, wo Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen», ist Peter Groenen von Actelion, ebenfalls Mitglied der Precision Medicine Group Basel, überzeugt.

Das Interesse der Industrievertreter an einem Open Innovation Hub mit einem Precision Medicine Lab als zentralem Bestandteil ist denn auch gross. Hier sollen die Projekte der Stake- holder in einem offenen und kollaborativen Umfeld vorangetrieben werden können. Darüber hinaus soll der Hub Talente und Projektideen von ausserhalb der Region Basel anziehen. Das neuartige Innovationsökosystem rund um Precision Medicine steht noch am Anfang. In einer Pilotphase sollen anhand erster konkreter Anwendungsfälle die Funktionen und Dimensionen des PM Hubs präzisiert werden, um danach die richtigen Partner für den Aufbau des gesamten Hubs zu identifizieren.

Die digitale Transformation voran mitgestalten
Die vielversprechendsten Projekte finden schliesslich Zugang zu einem Accelerator-Programm, wo sie weiter beschleunigt werden und in den bestehenden Innovationsinfrastrukturen wie Basel Inkubator, Technologiepark Basel oder Switzerland Innovation Park Basel Area zu einem Unternehmen reifen können.

Fazit: Die Region Basel schafft die Voraussetzungen, die digitale Transformation in den Life Sciences an vorderster Front mitzugestalten und damit diesen wichtigen Industriezweig für die Schweiz weiter auszubauen sowie für die Ansiedlung neuer Unternehmen attraktiv zu halten.

 

* Dr. Fabian Streiff leitet die Standortförderung des Kantons Basel-Stadt.

report Medtech

Mininavident from Basel selected as IMD Full time MBA start-up

16.12.2016

report Supporting Entrepreneurs

The start-up competition venture is looking for participants

07.12.2016

report Production Technologies

Production Technologies – der neue Bereich von BaselArea.swiss

02.11.2016

Derzeit reicht es nicht aus, einfach zu produzieren. Unternehmen müssen zu geringeren Kosten produzieren, sparsam mit Ressourcen umgehen, die Wünsche der Kunden berücksichtigen – alles in kürzester Zeit und möglichst ohne Lagerbestand. Neue Produktionstechnologien versprechen Lösungen. Additive Fertigung, Robotik oder Internet of Things: Die Produktion von Gütern wird sich in den nächsten Jahren stark verändern.

Neu bearbeitet BaselArea.swiss den Fachbereich „Production Technologies“. Die Region Basel ist gekennzeichnet durch die Präsenz von High-Tech-Unternehmen, die komplexe, qualitativ hochwertige Produkte zu hohen Lohnkosten herstellen. Die Lage Basels an der Grenze zum Elsass und zu Baden bietet ihnen eine echte Chance für den Austausch und die Zusammenarbeit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Im Zentrum des Technologiefelds Production Technologies steht der sorgfältige Umgang mit Ressourcen und der Einsatz von sauberen Technologien. Der Fokus liegt dabei auf den folgenden 6 Bereichen:

  • 3D-Druck, additive Fertigung: BaselArea.swiss organisiert Informations- und Networking-Veranstaltungen sowie Workshops zu diesem Thema und den neuen Geschäftsmodellen. Darüber hinaus existiert eine LinkedIn-Gruppe mit rund 100 Forschern und Themenbegeisterten. 
     
  • Industrie 4.0: In Zusammenarbeit mit Schulen und Forschungszentren bietet BaselArea.swiss Informationsveranstaltungen und technologieorientierte Networking-Veranstaltungen auf regionaler und internationaler Ebene. Darüber hinaus bringt der Technology Circle „Industrie 4.0“ Unternehmen zusammen, um sich zu informieren und das Know-how in der Region weiter zu entwickeln.
     
  • Organische und gedruckte Elektronik: Die druckfähige Elektronik hat das Auftauchen neuer Produkte ermöglicht, beispielsweise OPV, OLED oder Anwendungen in den Bereichen Gesundheit oder Sensoren. BaselArea.swiss initiiert die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungszentren bei technischen Projekten sowie im Vertrieb und entwickelt zusammen mit der Industrie ein Netzwerk von Kompetenzen im Rahmen des Technology Circles „Printed Electronics“.
     
  • Effizienz bei der Nutzung von Ressourcen und Energie in der Produktion: Im Rahmen eines Technolgy Circles hat BaselArea.swiss ein Netzwerk von Unternehmern aufgebaut, das diesen regelmässigen Austausch pflegt.
     
  • Wassertechnologien: Die effiziente Nutzung von Ressourcen steht im Mittelpunkt. Die Forschung konzentriert sich auf Problemstellungen wie Mikroverunreinigungen, die Rückgewinnung von Phosphor oder auch die im Wasser vorhandenen antibiotikaresistenten Gene. Einmal pro Jahr veranstaltet BaselArea.swiss eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).
     
  • Biotechnologien für die Umwelt: Die Nutzung von lebenden Organismen in industriellen Prozessen ist nicht neu, gewinnt aber an Bedeutung, zum Beispiel bei der Behandlung von Ölunfällen. Dank Biokunststoffen aus erneuerbaren Rohstoffen (wie Lignin) bieten ökologischere Lösungen echte Alternativen zu den herkömmlichen chemischen Prozessen. BaselArea.swiss organisiert regelmässig Veranstaltungen zu diesem Thema und schafft Verbindungen zwischen Forschern, Industrie und Verwaltung.

Die gemeinsame LinkedIn-Gruppe „Production Technologies by BaselArea.swiss“ zählt heute bereits 46 Mitglieder, die sich gegenseitig über die neuesten Entwicklungen in den oben genannten Gebieten austauschen. Die Gruppe ist offen für neue Teilnehmer – melden Sie sich an!

Wenn Sie Interesse am Austausch mit Unternehmern und Forschern zum Thema „Production Technologies“ haben oder weitere Informationen über unsere Services wünschen, dann kontaktieren Sie einfach Sébastien Meunier (siehe Kontaktdaten links).

report Supporting Entrepreneurs

Venture leaders 2017 looking for tech start-ups willing to visit Silicon Valley

01.12.2016

report Life Sciences

T3 Pharma schliesst Finanzierungsrunde ab

25.11.2016

report Micro, Nano & Materials

«If a scientist doesn’t know how to recognise commercial potential, he won’t found a busin...

02.12.2015

Robert Sum and Marko Loparic are both entrepreneurs with a scientific background. In the i-net interview, they tell the stories of Nanosurf and Nuomedis, explain why the Basel region is a great place for their startups and what could be done to foster an entrepreneurial spirit in the scientific environment.

Robert Sum, you co-founded Nanosurf in 1997, just shortly after completing your thesis. What motivated you to create your own startup?
Robert Sum*: I was motivated by the possibility of using my knowledge from university in a practical way. Towards the end of my thesis in 1995, I had the good fortune that Hans-Joachim Güntherodt was the rector, and together with the department of economic sciences he created a seminar for PhD students. The seminar was called «Start-up into your own company». My friend Dominik Braendlin and I registered for this innovative format. We had already worked together on research projects and we felt the need for a concrete application. Another good friend, Lukas Howald, approached us with the idea of Professor Güntherodt to design a simple and easy-to-use Scanning Tunnelling Microscope for schools. We liked the project and started to work on it. Luckily, the Commission for Technology and Innovation (CTI) launched its startup initiative shortly after this. Thanks to the coaching, we were able to write our first real business plan and CTI decided it was worthy of support. Nanosurf is the only company from the first CTI support round which survived. I stayed with the company until 2014, but in 2009, I stepped back from operational management.

The next project followed immediately: Nuomedis.
Robert Sum: After Nanosurf, I started to work intensively with universities on scientific projects. This is how I met Marko Loparic. We worked together on two projects for a specific application in tissue diagnostics, which again was supported by CTI. In the end, we decided to found a «spin-out/start-off» company from Nanosurf plus the University of Basel, which became Nuomedis.

Marko Loparic, did you have any entrepreneurial background?
Marko Loparic*: I’m a medical doctor by profession. During my PhD at the Biozentrum, University of Basel, I worked with atomic force microscopy, AFM, and immediately realised that this nanotechnological device had very high potential for resolving crucial clinical questions. We saw not only great scientific potential - for example for understanding not only the mechanisms of tissue engineering, cancer development and metastasis, as well as drug activity, but also the diagnostic applications, such as early detection of osteoarthritis or cancer diagnosis. AFM helped us to explain biological functions because at the very first phase of a disease, the alterations in tissue are occurring at the nanometre scale. However, it was time consuming and very complicated using the microscope. So we developed little innovative algorithms which automated, simplified and enabled AFM applications in life sciences and clinics. At the end of my PhD studies, I spoke with my supervisors about how to commercialise all the simplifications when the collaboration with Nanosurf was initiated and the creation of the easy-to-use, AFM «Automated and Reliable Tissue Diagnostic», «Artidis», began.

What steps are planned next for Nuomedis?
Marko Loparic: We plan to take «Artidis» to the next level. From its use in physics, biology, chemistry and science, our next step is rather a big jump: to be the first company to introduce AFM technology into clinics.

This almost sounds like you had no choice but to found a company.
Robert Sum: We found an ideal situation: I had the experience to build up a company, combined with experience in technology development and knowledge of the startup environment; and Marko brought vast scientific and clinical experience at a high level. We started by thinking about the possible need and how to do business with it. Out of these ideas, we created a deck of PowerPoint slides – a lean business plan so to speak. It was clear to us that there was huge business potential which we wanted to realize.

Marko Loparic: From the start in 2005, working on the project was great, as the whole team was fully motivated. Everything developed very smoothly and nicely. Supporters even became investors, and we still enjoy a strong scientific collaboration with the Biozentrum. It’s great that the main patents are now granted worldwide – this is very important and will help us to attract further investors. Currently we are focusing on the transformation of the «Artidis» device into a clinical in-vitro medical device.

In fact, you have to create a demand among doctors and oncologists, don’t you?
Marko Loparic: At the moment, our main focus is on introducing to clinicians the breakthrough technology of nanomechanical profiling and the benefits which it brings to clinicians, hospital and patients. Our prototype is currently being evaluated and used in ongoing clinical studies at the Pathology Department of the University Hospital Basel. In the near future, we aim to confirm its effectiveness for breast cancer prognostics in order to reduce the problem of chemotherapy overtreatment. Nowadays, markers are not specific enough to distinguish with a high degree of probability which patients will benefit from chemotherapy and which will not. If we could reduce chemotherapy treatment just a fraction, we could make a big difference. Our main hurdles to entering the market are now regulatory obstacles, which we plan to overcome in the next two to three years.

How does your experience in founding Nuomedis compare with founding Nanosurf 18 years ago?
Robert Sum: Many things have changed regarding the environment. When we founded Nanosurf, the university was not focused on commercialising an idea. Business was perceived as something strange, and science was sacrosanct. This has changed dramatically. The word startup is almost a must nowadays for PhDs. Additionally, through TV shows and articles in the media, people are more aware that startups are a culture which needs to be fostered. However, starting a business is a lot of work, which has to be done with care. It is easier for me today, as I have some experience and won’t make the same mistakes again.

You support a lean startup approach – are business plans not needed anymore?
Robert Sum: I think there is a big misapprehension regarding the idea of the lean startup. A business plan is still needed - it’s essential that you know what your plans are. You need a concept, but it doesn’t have to be a book. You still need to know the basics at the very least, for example what the product is, who the customers are, where you see risks, how you produce or how you finance – to mention only a few. What lean startup means to me is that you should focus on the market and keep the customer in the centre.

Is it at all possible to use the lean startup method in the complex healthcare environment of Nuomedis?
Robert Sum: The problem in healthcare is that you don’t simply have a customer and sell a product. We are facing a complex health insurance environment based on a solidarity principle, and we have many stakeholders influencing the system, such as the hospital, the clinicians, other healthcare institutions, society or the company itself. It is indeed much more difficult to use the lean startup approach here.

Marko Loparic: Our major focus is on clinicians, and we use the experience we have in science and clinics to create awareness. Nevertheless, we are actively cooperating with other key stakeholders, such as hospitals, patient organisations, health insurers, clinical societies or government bodies, to facilitate accelerated development and keep the time to market as short as possible. Finally, at our demo site in the Pathology Department of the University Hospital Basel, we learn how the clinicians and hospital system operate, which is important to help us shape the device to match their needs. Hence, proximity to measurement site is key for the successful development and acceptance of technology, and our plan is to relocate in order to be as close as possible to the hospital.

Robert Sum: This is the typical process of understanding the market – and I think this is where Nuomedis has benefited from the lean startup approach.

How important was it for you to be in the Basel region? How does it foster your business?
Marko Loparic: Basel is a centre of nanotechnology and especially AFM, since Professor Christoph Gerber, who built the first AFM, is still active here together with many distinguished professors who are making great use of the technology to boost their scientific output. For us, Basel has all the ingredients for success: We have a city where technology is well supported and hospitals which are open-minded and ready for new technologies. Not to mention the Biozentrum and the Swiss Nanoscience Institute, which offer great expertise and facilities for innovative projects.

Robert Sum: Another aspect is the economic environment of Basel with many pharma and medical technology companies. There is an entrepreneurial environment here with investments available. Not to mention the role of government: Basel-Stadt and Baselland collaborate very closely and, if we need some support for administrative issues, they are extremely open-minded and helpful.

What makes Basel a startup-friendly environment?
Marko Loparic: Positive factors in the region are its good infrastructure, both a national and international network, and its spirit of entrepreneurship. If you work in Basel, there are many options for learning how to commercialise your idea. This is true for the whole of Switzerland by the way. There are dedicated organisations and funds for each step you have to take in developing a business, ranging from CTI to investors and incubators. The i-net Business Plan Seminar was very important for me. In only one day, I learned a lot about how to construct a business. In my opinion, there is still a big gap between basic research and translational science.

Robert Sum: Either you are a good scientist or an experienced business person – it’s difficult to be both. This is an art that is nicely managed in Silicon Valley, and successful entrepreneurs become investors. And I guess something could be done here. Organisations like i-net are very important for networking ideas, and you can also find support at EVA or business parks. Not to mention Unitectra, which provides workshops for students on how to exploit intellectual property created at university. Indeed there are many supportive organisations, which can make you feel a little lost. CTI Start-up helped us to get an overview of the whole support landscape.

Marko Loparic: In my opinion, it’s all about education: If a scientist doesn’t know how to recognise commercial potential, he won’t make it. There are seminars to help, but you need an incentive to go to such seminars. What about scientists being approached from the business side? When you apply for a grant, you always need to stress the long-term outcome of your project and sometimes its commercial purpose. It would be great to have an organisation with the skills to read those grant applications and search for business potential. A person or organisation that could offer this could help create a great start-up environment.

Interview: Ralf Dümpelmann and Nadine Nikulski, i-net

*Robert Sum is one of the co-founders of Nanosurf AG and has served in different management positions as CEO, Head of Sales & Marketing and Business Development. During his time working in business development he managed the research collaboration with the Biozentrum for the project «Artidis», which is now the prime project of Nuomedis AG. After 17 years of management experience at Nanosurf Dr. Sum left to found Nuomedis AG with members of the Biozentrum team. Now Dr. Sum serves as CEO and member of the board.

*Marko Loparic, MD, is the key inventor of «Artidis» technology from the Biozentrum University of Basel. He managed the collaboration with Nanosurf for the «Artidis» project, which is now the prime project of Nuomedis AG. Now Dr. Loparic serves as the Chief Medical Officer and member of the board at Nuomedis AG. He is responsible for medical related concerns of the project and its implementation in the clinical setting.

report Supporting Entrepreneurs

BLKB eröffnet Online-Marktplatz

05.10.2016

report Supporting Entrepreneurs

Coworking-Angebote in den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura

05.10.2016

report Medtech

«We will be certificating the world’s first autonomous robotic surgical device»

04.11.2015

The laser physicist and entrepreneur Alfredo E. Bruno is co-founder and CEO of the medtech start-up Advanced Osteotomy Tools (AOT) in Basel. Their surgical robot «Carlo» (acronym for Computer Assisted, Robot-guided Laser Osteotome) is an award-winning project (Pionierpreis 2014 and CTI MedTech 2015). The company will exhibit «Carlo» at the Swiss Innovation Forum 2015 on 19th November.

In the i-net interview, Alfredo E. Bruno explained his roadmap for AOT and what drives him to be an entrepreneur.

You are a laser physicist – what brought you to medtech?
Alfredo E. Bruno*: My younger daughter needed difficult orthognathic surgery to correct conditions of the jaw and face. This brought me into contact with Professor Hans-Florian Zeilhofer and Dr. Philipp Jürgens from the Department of Oral and Maxillofacial Surgery at the University Hospital Basel. I was worried about my child, but the surgeons devoted a lot of time to explain the procedure to us. Their pre-operative approach to surgery fascinated me more and more. I asked the surgeons why they were not cutting bones with a miniaturized laser instead of mechanical tools to best reproduce the software-planned intervention. In another project, I had developed a laser of this kind to cut and drill through nails. At this point, we all realized that we could create something very useful together.

How did you gain your knowledge in surgery?
I had absolutely no idea about surgery until I met the surgeons – despite the fact that my father was a rural medical doctor. Indeed, when I see a drop of blood, I panic. But I wanted to know more about this new type of planned and navigated surgery the surgeons were talking about. I managed to find a good 160 publications and about 20 patents in the field, read them during vacations and became a «theoretical» surgeon. Reading these documents, I noticed that Professor Zeilhofer appeared as co-author in many of these publications and realized that he knew a lot about pre-operative planning and navigation. I started to design «Carlo» from scratch using all available state-of-the-art technology, and trying not to be biased by the robotic surgery products already on the market. What worried me most was the software, which is crucial to integrating the whole system. Hans-Florian Zeilhofer introduced me to Professor Philippe Cattin, an expert in navigation who liked the idea from the outset. He was the «missing link» to the realization of «Carlo».

Was it always clear that «Carlo» would be the goal of AOT?
As an entrepreneur, I made it very clear from the beginning that I wanted to have a product rather than a nice academic idea. Instead of writing a business plan, we first applied for patent protection of the innovations. The business plan came afterwards with a business model in which we at AOT would only focus on core technologies and would outsource the technologies mastered by other companies under contractual partnerships in order to reduce development time.

Were you ever afraid that AOT might fail?
While writing the business plan, I clearly saw that there was a need for our product. We had the right founder’s team, but I was worried about the funding, because there was a global economic crisis and investors had become cautious. Therefore, I decided to talk to a few experts I knew in the start-up media in Switzerland before launching the initiative. They reviewed the AOT case and encouraged me to pursue the project, because it was truly innovative and, for this kind of project, they argued that there are always funds available in Switzerland. And indeed, with our first pitch in BioBAC, we gained a lead investor. Shortly afterwards, we won the three stages of Venture Kick and I was then asked to participate in the Swiss Venture Day of CTI Invest to make a pitch. Despite some doubts I had about the completely new surgical device, many potential private and institutional investors were literally queuing right after my presentation to talk to me about the «Carlo» device and AOT as an investment opportunity.

Why do you think your pitch attracted potential investors?
I think the every one of the technical founder’s team had a remarkable technical record which inspired trust, and I also have a good entrepreneurial record, all of which make up the ingredients investors are looking for to fund new projects. The pitch is key to convincing investors. We cannot afford to devote much time to making «professional» slides, but the audience realizes that we have an unbeatable project and know what we are doing; and they can see during the Q&A sessions that we are very authentic.

In the beginning, you faced some criticism with regard to the feasibility of a complex medical device such as «Carlo». Do you still face negative reactions?
No, not anymore! When I started speaking of «cold» laser ablation, many physicists questioned this paradoxical term. Today, after we assessed the remaining surfaces of the bones and captured the ablation process with thermal cameras showing that this cutting method is even cooler than mechanical cuts, nobody has any doubts about our assertion anymore. Another critical issue raised by some experts was depth control. Some argued that we would never be able to have depth control working in real time. Again, this is no longer an issue.

You recently presented this depth measurement system for the first time. How does it work?
With the help of external academic partners we developed a laser interferometric method suitable for our device that provides not only the depth of the cut but also its width right after every laser shot so its entire profile can be reconstructed in real time. This «probing» laser beam is co-axially mixed with other visible pointing laser beams to ensure that the surgeon can observe the cut on the monitor. There are many computer-controlled processes such as the depth control running in parallel during some of the tasks. They are processed by a microprocessor which sends values that are already calculated to the «Carlo brain» to decide what to do next. With this software technology, we are pushing the envelope in three disciplines: laser physics, data processing and synchronization.

Could this know-how be used for other applications in or beyond surgery?
As pioneers in this field, we encounter many new problems to solve. But on the other hand, once we have found the solution, we file for patent protection and, in this way, we’re strengthening our patent protection. Some of these innovations could be used for other applications, but we have to remain focused on one thing: getting device certification. Once we «put our foot on the moon», we could follow up on other options with the technology we have discovered.

It sounds as if you are not facing any difficult situations anymore with AOT?
Problems are constantly arising, but we have a very professional and courageous team that brainstorms the problems at hand in complete transparency and always comes up with one or more solutions. Although scientists are trained to present nice results in conferences while leaving the bad results aside, we are upfront with the bad news. If a problem appears, it’s immediately brought to the attention of the team so we can find a solution together.

What in your opinion are the key factors for an innovative company?
Everyone knows what the main ingredients for innovation are: You have to have a product that addresses a need, a unique proprietary technology, the right people and the financial means. However these ingredients do not guarantee success, and many start-ups that have these ingredients fail. The causes of failure are often underestimated, but should be addressed in the risk analysis of the business plan. A classical killer of technological innovation is when investors strategically decide to sell the start-up to an established competitor. But the buyer wants to get rid of a potential competitor! A possible antidote is to have a good legal adviser. A lawyer can help you to set clear goals for the steps after the acquisition and implement penalties in the contract. Also, it is good to keep the founders of the company in-house, because these people are part of the success and often the «engine» of a start-up.

What makes Switzerland a good place for you to launch a medtech start-up?
I have worked with people and projects in a few countries. What I find unique in Switzerland is the scientific family: Everybody knows each other and has close relationships. For instance, when the issue of a suitable depth control appeared, we spoke to other scientists who had solved similar problems for eye surgery. They came up with friendly and open advice without speculating on what the benefit would be for them. This is by no means the rule in other countries, where often knowledge is seen as power. But the free flow of information in this country is crucial in ambitious high-tech projects.

Where do you see room for improvement of entrepreneurship in Switzerland?
Switzerland already ranks as leader when it comes to innovation, but I see there are three things that could be changed to foster even more innovation – namely, the no-risk mentality, the fear of failure and the loss of reputation. The Swiss education system teaches students to avoid risks instead of focusing on the possible reward associated with a risk. Indeed, the word risk has a negative connotation in Switzerland, but entrepreneurship without risk is as hypothetical as perpetual motion.
How can we overcome our fear of failure? One recipe for passing an exam is «to do the homework in time to get a good sleep the night before». In a high-tech start-up, this recipe means firstly drafting a comprehensive and realistic business plan and strong IP protection. Failure is part of the game, and the question needs to be how fast you can get back up after getting knocked down, not whether you are going get knocked down.
Regarding the loss of reputation, people look at you with suspicion when you’re trying to build your own company based on an unusual idea. And your employer may think you’re not happy with the job. But large established companies don’t have the framework for promoting new ideas. They should support their employees to pursue their own ideas and get trained on founding a new company.

What drives you as an entrepreneur?
I have always tried to do things I like and am capable of realizing. I have always been a curious person. As a child, I built rockets and blew the fuses in our house with my experiments – for example – to split water into O2 and H2 with 240 volts! My grandfather, who was a full-blooded entrepreneur, also taught me the basics of entrepreneurship. I guess the ideal situation for high-tech entrepreneurship is a «born scientist» with a flair for entrepreneurship, as management skills can be acquired.

Do you have any entrepreneurial role models?
Columbus has always fascinated me since childhood. Only later did I realize that he was an incredible entrepreneur who first had to convince the queen to get funds and had to overcome many odds. He definitely had the intelligence, the passion and the courage required to literally embark on such a project. And although pirates are not exactly good role models, they were excellent start-up entrepreneurs. Pirates planned their attacks rigorously in advance, had to get funding or develop advanced boats with higher masts to sail faster. Their structure was similar to a start-up nowadays, and they even had the equivalent to stock option plans, where the loot was distributed among all the hierarchies in proportion to their performance.

Interview: Fabian Käser and Nadine Nikulski, i-net

*Alfredo E. Bruno holds an M.Sc in Quantum Chemistry and a PhD in Laser Physics from the University of Saskatchewan (Canada). Alfredo came to Munich in 1985 as an Alexander-von-Humboldt fellow followed by a teaching position at the University of Zürich. In 1988 he joined Ciba-Geigy and later Novartis where he accumulated more than 25 years of experience in biomedical, preclinical and clinical research in joint projects with Spectra Physics and Chiron Diagnostics.

At Novartis, Alfredo Bruno invented Transungual Laser Therapy for nail diseases, which was the basis for the spin-off of TLT Medical Ltd in 2004, where he was the sole founder and CTO. After three years of successful operation under his leadership, TLT Medical was sold to Arpida Ltd in 2007, where he became the Head of Antifungals. In 2009, he co-founded FreiBiotics in Freiburg (Germany), where he was CEO until mid-2011. In 2011, he co-founded Advanced Osteotomy Tools (AOT), where he is the CEO. He has published over 35 peer-reviewed publications and holds more than 15 patents and has been on the editorial board of three international scientific journals.

report BaselArea.swiss

Innovation Ecosystem podcast presents James Breiding and innovation in Switzerland

05.10.2016

report Life Sciences

International workshop on “IP-Protection of Biological Inventions“ in November

29.09.2016

report ICT

«Als Unternehmer muss man ein stückweit paranoid sein»

07.10.2015

Der Basler Privatinvestor und Multi-Verwaltungsrat Adrian Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. Seit März 2013 engagiert er sich ehrenamtlich als Leiter des i-net Technologiefeldes ICT.

Im Interview erläutert er, was Unternehmertypen ausmacht und warum er überzeugt ist dass die Schweiz durchaus das nächste Google hervorbringen könnte.

Wie lebt es sich als Business Angel in der Schweiz?
Adrian Bult*:
Grundsätzlich ist mein Leben spannend. Ständig werde ich mit neuen Ideen und Impulsen konfrontiert. Ich habe mit jungen Unternehmern zu tun, das ist für mich sehr bereichernd.

Meinen Sie das auch wörtlich?
Sicher, denn in erster Linie interessieren mich der Inhalt und Menschen. Daher sehe ich mich auch nicht als Investor sondern als interessierten Entwickler von Unternehmen.

Sie investieren vor allem in ICT - gibt es da genügend interessante Cases?
Ja, in der Schweiz gibt es meiner Meinung nach sehr viele gute Ideen und ein ausgeprägtes Unternehmertum. Das meiste ist aber privat finanziert. Da ist die Schweiz einzigartig. Es gibt wohl weltweit kein anderes Land, wo so viele finanzielle Mittel von Privatinvestoren oder Unternehmen in die Innovation fliessen. Dies auch im Unterschied zum Silicon Valley, wo das Unternehmertum von einer hochprofessionellen VC-Industrie angetrieben wird.

Entsprechend muss man in der Schweiz dann auch die kleineren Brötchen backen?
Ja und ausserdem hat die Schweiz einen kleinen Heimmarkt. Damit stellt sich schon bei der Gründung die Frage nach der Ambition. Wer im B-to-C-Bereich nicht mit einer globalen Vision antritt, hat meist von Anbeginn an wenig Chancen. Darum ist die Schweiz vor allem ein Land mit vielen interessanten Nischenanbietern - insbesondere im B-to-B-Bereich.

Was fehlt den meisten Cases, denen Sie begegnen?
Die Schweiz hat eine ausgeprägte Pharma-, Ingenieurs- und Chemiekultur. Für den Erfolg eines Start-ups ist aber auch eine gute Vertriebs- und Marketingkultur wichtig. Da haben andere Nationen, gerade etwa die USA, einen Vorsprung. Sie rücken das Marketing viel stärker in den Vordergrund. Gerade technologiegetriebene Jungunternehmer glauben, dass das beste Produkt Erfolg hat. Das ist aber oft eben gerade nicht der Fall. Es setzt sich meist durch, was sich am besten vermarktet.

Aber im Silicon Valley werden die Firmen doch auch von Techies und Nerds gegründet und nicht von Marketing-Leuten?
Das stimmt, aber das Marketing hat denselben Stellenwert wie die Ingenieurstätigkeit. Wenn man an einer Party sagt, man sei ein Verkäufer, dann ist die Reaktion meist sehr verhalten. Dies hat damit zu tun, dass in der Schweiz Understatement als grosse Tugend angeschaut wird. Eigenvermarktung ist bei weitem nicht so wichtig wie in anderen Kulturen. Das ist etwas, was wir Schweizer lernen müssen.

Ein Startup-Gründer ohne Verkäufer-Qualitäten hat keine Chance?
Unbedingt, wie will er sonst Investoren für sein Vorhaben gewinnen? Hier fängt es schon an. Und dann braucht es auch eine gewisse Ambition. Es gibt Gründer, die von Beginn an den Weltmarkt im Fokus haben. In der Schweiz wird man dafür sofort belächelt. Aber im Grunde ist dies die richtige Einstellung, um später auch den ersten Kunden zu akquirieren. Auch dies ist ein typische Haltung vieler technologiegetriebener Start-up-Gründer in der Schweiz: Zum Telefon zu greifen und eine Liste von Leads abzuarbeiten, dafür sind sich die meisten zu schade.  

Gibt es weitere Muster, auf die sie bei Schweizer Jungunternehmern immer wieder stossen?
Etwas, das ich besonders bei Start-ups immer sehe, ist die Unterschätzung der Zeit, die gebraucht wird, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Wenn man die Zeit falsch einschätzt und die Finanzierung an diese Zeitachse knüpft, muss man rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass man länger braucht. Sonst geht einem die Puste aus.

Man sollte also immer doppelt so viel Zeit und Geld einplanen als man denkt?
Nein, das wäre falsch. Ich bin dafür, dass man die Zeit eng und die Mittel knapp ansetzt. Aber man muss rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass es knapp wird. Es braucht den Druck, sonst bewegt man sich nicht.
Können die Schweiz und Europa jemals ein ICT-Giganten hervorbringen?
Warum nicht? Man hört immer nur von Google, Airbnb oder Uber. Aber es gibt auch Unternehmen, die sehr erfolgreich eine bis zwei Stufen unter diesem Radar arbeiten. Es gibt manchen Bereich, wo in der Schweiz technologisch sehr fortgeschrittene Lösungen entwickelt werden. So etwa das «Over The Top»-Internet-TV.

Macht die Schweiz nicht einfach zu wenig aus ihren Opportunitäten? Nicht Zürich sondern London ist heute das Fintech-Zentrum der Welt. 
In der Schweiz gab es durchaus Entwicklungen in diese Richtung, man hat beispielsweise früh ins E-Private-Banking investiert und Apps von grossen Schweizer Banken sind heute führend. Aber drum herum hat sich nicht ein Cluster gebildet wie in London. Warum? Um im Fintech-Bereich erfolgreich zu sein, müssen Banken ihr eigenes Geschäft kannibalisieren. Unter dieser Vorgabe ist es einfach schwierig, innerhalb der eigenen Organisation Innovation voranzutreiben. Deshalb plädiere ich für Kooperationen. Twint von Postfinance ist ein gutes Bespiel dafür, dass dies erfolgreich ist.

Mit der Verschmelzung von ICT und Life Science bietet sich der Schweiz und insbesondere der NWCH die nächste Chance an. Was ist zu tun, dass man diese nicht verpasst?
Innovation entsteht durch Zusammenarbeit. Kleinen Firmen fehlen oft das Knowhow sowie die Ressourcen für die grossen Roll-outs. Etablierte Unternehmen dagegen fehlt die Agilität, um mit wenigen Mitteln das bestmögliche Resultat zu erzielen. Mein Vorschlag wäre deshalb, solche Themen verstärkt in Projektnetzwerken anzugehen. Typischerweise befinden in der Geschäftsleitung grosser Unternehmen wenige Leute darüber, ob eine Idee gut oder schlecht ist. Im Silicon Valley macht man das völlig anders. Dort gibt es einen Sponsor für eine Idee. Dieser setzt sich mit Finanzinvestoren und Fachexperten zusammen und interagiert. Wenn die Idee ankommt und es Verbesserungspotential gibt, ist er auf dem richtigen Weg. Wenn die Kommentare ständig negativ sind, ist es wohl der falsche Weg. Fazit ist, dass im Silicon Valley die kompetenten Personen mit kompetenter Meinung ausschlaggebend sind, nicht ein Einzelner in der Geschäftsleitung. Festzustellen ist, dass dieses Modell langsam auch in der Schweiz ankommt.

Dennoch ist die Schweiz Innovationsweltmeister?
Die Aussage «die Schweiz ist Innovationsweltmeister» würde ich mit äusserster Vorsicht geniessen. Solche Aussagen machen nur bequem. Wenn eine Innovation einen Markt neu am Definieren ist, dann kann man dies nie früh genug merken. Als Unternehmer sollte man diesbezüglich geradezu paranoid sein und ständig überlegen, ob man gut genug ist und was verbessert werden könnte.

Man sagt oft, das Unternehmertum sei in der Schweiz nicht hoch angesehen und die Risikobereitschaft zu gering.
Meine Wahrnehmung ist, dass sich dies sehr geändert hat. Tatsächlich erlebe ich viele junge Menschen, die mit hoher Risikobereitschaft neue Projekte anpacken. Das Scheitern ist heute auch nicht mehr so gravierend. Auch für die Persönlichkeitsentwicklung ist es sehr wertvoll, wenn man einmal ein eigenes Unternehmen aufgebaut hat. Ich sehe heute junge Unternehmer, die viel weiter sind als ich es im gleichen Alter war, weil sie eine eigene Firma aufgebaut haben.

Sie haben es eingangs gesagt: In der Schweiz investieren vor allem Privatpersonen. Was könnten getan werden, damit noch mehr investiert wird?
Fördern könnte man es dadurch, dass man den Leuten die Möglichkeit gibt, selbst diese Erfahrung zu machen. Grosse Unternehmen könnten sich zum Beispiel anstelle von grossen Investitionen in Aus- und Weiterbildungen den Kadermitarbeitern die Möglichkeit geben, Ausbildungsgeld auch in ein Start-up zu investieren. Kostet ein MBA beispielsweise 20‘000 Franken, könnte das Unternehmen den Kadermitarbeiter dazu bringen, selbst 20‘000 Franken draufzulegen, um mit diesem Kapital ein kleines Unternehmen zu begleiten. Ich bin überzeugt, dass der Lerneffekt bezüglich Bilanzen-lesen, Erfolgsrechnungen oder dem Vorwärtstreiben von Projekten mindestens so gross ist, wie beim Verfassen einer Case-Study an einer renommierten Universität. Wenn man das in einem Jobinterview glaubwürdig vermitteln kann, dann ist diese Erfahrung genau so wertvoll wie ein Titel.    

Was halten Sie von Steuer-Incentives für Unternehmen, die Wertschöpfung betreiben?
Grundsätzlich finde ich es immer positiv, wenn Anreize für Personen geschaffen werden, die bereit sind, ein Risiko einzugehen. Wenn jemand ein grosses Risiko eingeht, sollte er auch eine grössere Belohnung dafür erhalten. Steueranreize sind dafür eine Möglichkeit.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Adrian Bult engagiert sich seit März 2013 ehrenamtlich als Leiter des Technologiefeldes ICT für i-net. Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. So war er von 1998 bis 2007 Mitglied der Gruppenleitung von Swisscom und von 2007 bis April 2012 COO des Schweizer Bankensoftwareanbieters Avaloq. Heute ist Adrian Bult als Berater und Investor tätig. Er ist Verwaltungsratspräsident von Swissgrid sowie der Enkom Gruppe und Verwaltungsrat bei Adnovum, Swissquote, Regent Beleuchtungskörper sowie Alfred Müller AG.
Adrian Bult (Jahrgang 1959) studierte Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (HSG).

report Life Sciences

Gesundheitsversorgung soll effizienter werden

29.09.2016

report Production Technologies

Veranstaltung „Industrie 4.0 - Mittel, Wege und Nutzen für die regionale Wirtschaft“ in Fr...

28.09.2016

report ICT

«Wenn man auf zweistellige Millionen-Investments aus ist, wird es in Europa immer sehr eng...

05.08.2015

Mit der preisgekrönten Erlenapp hat das Unternehmen qipp sich national und international einen Namen gemacht. Der Erfolg kam für das Internet of Things-Startup mit seiner «Allthings»-Plattform kam allerdings in einem anderen Markt als zunächst gedacht.

Im Interview erzählt Stefan Zanetti, Gründer und CEO von qipp, welche Hürden das Basler Startup nehmen musste und wagt einen Blick in die Zukunft von qipp.

qipp konnte in den vergangen Monaten eine Menge Startup-Preise einheimsen. Bringt das auch geschäftlich etwas, oder tun die Auszeichnungen einfach nur dem Ego gut?
Stefan Zanetti*:
Wir hätten natürlich nicht an den Wettbewerben mitgemacht, wenn wir nicht überzeugt gewesen wären, dass diese uns weiterbringen. Es gibt dazu zwei Überlegungen. Erstens ist unsere Geschäftsidee ziemlich abstrakt. Um Erfolg zu haben, müssen wir diese in eine gute Story verpacken. Wettbewerbe zwingen einen dazu, die eigene Geschichte auf den Punkt zu bringen. Zweitens schaffen Preise nebst Publicity vor allem auch Vertrauen. Es ist wie eine Drittmeinung, die attestiert, dass wir mit einer vielversprechenden Geschäftsidee unterwegs sind. Besonders bei Investoren haben uns die Auszeichnungen Türen geöffnet.

Dabei ist die Idee von qipp über die Zeit auch gereift. Was hat sich geändert?
Ich würde das anders formulieren. Die Grundidee ist immer noch die gleiche: Wir wollen mit unserer «Allthings»-Plattform die physische Welt mit digitalen Diensten ausrüsten. Was sich stark verändert hat ist der Marktfokus. Wir dachten zuerst, dass qipp vor allem für Hersteller hochwertiger Güter interessant sein könnte. So erlaubt es unsere Technologie, Produkte wie Uhren, Fahrräder oder Küchengeräte mit digitalen Services auszustatten, so dass die Anbieter ihre Produkte direkt mit Mehrwertdienstleistungen ausliefern können. Diese Idee ist weiterhin zielführend und wurde von Herstellern auch gut aufgenommen. Nur leider bewegt sich dieser Markt zu langsam und die Verkaufszyklen sind viel zu lange für ein Startup wie wir, das sehr schnell konkrete Ergebnisse vorweisen muss.

Man hatte also zwar das richtige Produkt, war aber zu früh am Markt?
Ja, die zuerst anvisierten Hersteller waren schlicht nicht reif für unsere Story. Aber zum Glück bekam eine andere Branche Wind von unserem Produkt: Die Immobilienbranche. Dabei war es vor allem die Initiative eines Partners, nämlich des Totalunternehmers Losinger Marazzi, welcher für die Erlenmatt-Siedlung neue Wege gehen wollte. Und so entwickelten wir auf «Allthings» die Erlenapp. Jeder, der in der Erlenmatt eine Wohnung bezieht, erhält Zugang zu dieser App. Darin sind alle Services zur Wohnung und Siedlung enthalten: Von der Dokumentation der Wohnung, über ein lokales soziales Netzwerk zum Austausch unter Nutzern, von Schadenmeldemasken bis zur Energiedaten-Visualisierung. Bisher haben 92 Prozent der Wohnungen die App geladen und benutzen sie im Schnitt jeden zweiten Tag. Das ist natürlich ein grossartiger Wert.

Das ist also jetzt der Durchbruch?
Seit wir die Erlenapp lanciert haben, können wir uns tatsächlich vor lauter Anfragen kaum mehr wehren. Diese kommen einerseits aus dem Immobiliensektor, andererseits aber auch aus anderen Branchen.

Wie gehen Sie mit dem Ansturm um?
Im Moment arbeiten wir auf zwei Ebenen. Neben dem weiteren Rollout von Immobilien-Apps arbeiten wir mit Hochdruck an der Veröffentlichung der API, welche die «Allthings»-Plattform dann für Drittanbieter auch ausserhalb der Immobilienbranche öffnet.

Funktioniert dieser Spagat auf Dauer? Wird man sich nicht irgendwann entscheiden müssen: «World Leading Immo-App» oder horizontale Plattform für Internet of Things-Anwendungen?
Das ist eine berechtigte Frage. Tatsächlich ist der Immobilienmarkt riesig. Dabei geht es ja nicht nur um den Wohnungsmarkt, sehr attraktiv ist natürlich auch der Office-Bereich, nicht zuletzt aufgrund neuer Arbeitsformen wie Shared Desk oder Co-Working, die mehr und mehr Einzug halten. Es gibt im Immobilienbereich ein riesiges Potenzial für Mikroapplikationen, die dann von Drittparteien über unsere Plattform angeboten werden können. Dabei zeigt sich, wie entscheidend der lokale Graph ist. Sei es, dass man überzählige Nahrungsmittel im Kühlschrank loswerden will, bevor man in die Ferien geht, oder dass die Quartierbeiz zum Grillspass einlädt.

qipp positioniert sich also so gesehen als Verkaufs- und Servicekanal?
Ich könnte mir gut vorstellen, dass vergleichbare Apps wie die Erlenapp künftig von Städten, Gemeinden oder Quartieren als Grundinfrastruktur angeboten wird. Gleichzeitig muss man aber auch aufpassen, sich nicht zu sehr in die Breite treiben zu lassen. Denn möglich ist vieles, aber nicht alles ist wirklich sinnvoll. Deshalb wird es wichtig sein, den skalierbaren Kern in den kommenden Monaten zusammen mit unseren Partnern noch genauer herauszuschälen.

Sie waren verschiedentlich im Silicon Valley. Wird qipp irgendwann ins ICT-Mekka übersiedeln müssen? Oder anders gefragt: Können Sie ihre Ambitionen auch in Basel ausleben?
Sofern der Erfolg anhält, wird der Tag kommen, an dem wir ins Silicon Valley müssen. Aber wir können und wollen diesen Schritt nicht sofort machen. Es ist uns auch bewusst, dass es Hotspots wie London oder Berlin gibt, wo derzeit die Post abgeht und ein europäisches Startup-Ökosystem entstanden ist. Aber von diesem kann man auch profitieren, wenn man ab und zu dahin reist und sich aktiv vernetzt. Man braucht nicht unbedingt den Hauptsitz dort zu haben. Ein ICT-Off-Standort wie Basel hat umgekehrt auch Vorteile. Wenn man zum Beispiel sieht, wie sich in London und Berlin die Firmen gegenseitig Entwickler-Talente abjagen, dann möchte man da nicht unbedingt mitmischen müssen. Ich kann hier auf Mitarbeitende zählen, die vor allem von der qipp-Idee überzeugt sind und es spannend finden, diese weiterzuentwickeln. Es gibt auch Top-Entwickler, die nicht zwingend am hipsten Ort der Welt leben wollen.

Ist das nicht etwas zu defensiv gedacht?
Wenn man auf grosse ICT-Investments in zweistelliger Millionenhöhe aus ist, dann wird es in Europa immer sehr eng bleiben und man wird sein Glück auch im Silicon Valley suchen. Nur wartet dort niemand auf ein Unternehmen aus Europa und umgekehrt investiert kein US-Venture-Capitalist massgeblich ausserhalb der USA. Der Aufbau eines Startups in Europa unterscheidet sich fundamental vom Aufbau eines Startups in den USA. Nehmen Sie Nextdoor. Dieses Startup macht in den USA etwas Ähnliches wie wir, aber die Vorgehensweise ist ganz anders. Es geht zunächst darum, Gebiete zu erobern. Geschäftsmodell und Umsatz spielen keine Rolle. Denn sobald man die Massen auf der Plattform hat, entwickeln sich diese dann von alleine. In Europa kann man nicht so vorgehen. Man muss von Anfang an Geld verdienen. Das funktioniert aber nur, wenn man seinen Markt kennt, und den kennt man nun mal dort am besten, wo man auch zu Hause ist.

Sie können also qipp selber finanzieren?
Ich habe bereits zwei Firmen aufgebaut, die komplett organisch finanziert waren. Auch qipp ist bis heute selbstfinanziert und liesse sich auch organisch weiter entwickeln. Die Frage aber, ob wir dann nicht riskieren, ein grosses Potenzial zu verpassen. Aus diesem Grund werden wir im Herbst unsere erste externe Finanzierungsrunde machen.

Wie hoch ist denn der Kapitalbedarf?
Wir werden eine erste Runde unter Business Angels, Freunden und Mitarbeitern durchführen und uns erst dann öffnen. Und wir brauchen zusätzliche Mitarbeiter, um die derzeit stark wachsende Nachfrage zu bedienen. Damit können wir dann aber schon bald neue Umsätze generieren, die wir für den Ausbau unserer Plattform einsetzten wollen, um Drittanbieter einbinden zu können.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Stefan Zanetti ist Gründer und CEO von qipp, dem dritten Unternehmen, das er nach synesix (2005) und careware (2006) gegründet hat. Bei qipp konzentriert sich Zanetti aufs Business Development und das Key Account Management. Alle von ihm gegründeten Firmen sind profitabel und kommen gänzlich ohne externe Finanzierung aus. Sie erwirtschaften Umsätze von 2 bis 6 Millionen Franken pro Jahr und beschäftigen zwischen 8 und 20 Personen.
Webseite von qipp

Video zu quipps Erlenapp 

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28.09.2016

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Stücki Science Park lockt innovative Jungunternehmen

26.09.2016

report Medtech

«Wir profitieren von jahrelanger Forschung aus Basel»

08.07.2015

Die Schweiz ist Innovations-Weltmeister in vielen Rankings, doch aussichtsreichen Innovationen im Bereich Medizintechnik fehlen in der Schweiz oft die Finanzierungsmittel bis zur Marktreife. Der Start-up Investor MedTech Innovation Partners AG (MTIP) schliesst diese Lücke.

CEO Christoph Kausch erklärt im i-net Interview, was MTIP anders macht als andere Investoren und führt aus, welche Start-up-Projekte für sein Unternehmen besonders interessant sind.

MedTech Innovation Partners ist seit kurzem am Markt präsent. Wie kam es dazu und warum taten Sie diesen Schritt nicht schon früher?
Christoph Kausch*: Vor etwa zweieinhalb Jahren entstand die Idee, die Arbeit und Forschung von Prof. Dr. Dr. Hans-Florian Zeilhofer in ein Geschäftsmodell unter der Marke MTIP zu bündeln. Das heisst, MTIP profitiert von jahrelanger Forschung aus Basel. Seither hat sich die Organisation entwickelt und das Konzept wurde verfeinert. Kurz gesagt: Wir sind von unserer Geschichte her stark in Basel verankert und fördern hier Innovationen. Unser Wirken kann mitverhindern, dass Start-ups mit guten Ideen ins Ausland abwandern, weil sie hier nicht die nötigen Finanzierungsmittel und Wege finden.

Und wer sind die Personen hinter MTIP?
Zum Kernteam gehören neben mir Herr Professor Zeilhofer, Leiter des Hightech-Forschungs-Zentrums am Universitätsspital Basel und sein Leben lang im Bereich Medizintechnik tätig. Ausserdem der Unternehmer und Investor Dr. Felix Grisard, welcher seit über zehn Jahren im Bereich Medizintechnik investiert. Der Verwaltungsrat ist stark besetzt und ebenso hochkarätig ist das Advisory Board. Unsere Kompetenzen reichen von Medizintechnik- und Forschungsexpertise, über Investoren- und Unternehmer-Know-how bis hin zu Wissen im Bereich des Managements von Innovationsprojekten.

Der Verwaltungsrat der MTIP besteht aus sehr namhaften Persönlichkeiten. Wie konnten Sie diese Personen motivieren?
Bisher gab es schweizweit kein Geschäftskonzept mit einer solch starken Vernetzung zu Forschungsinstitutionen. Diese Marktlücke schliessen wir, um in der Schweiz Innovationen zu fördern. Die Aufgabe daran mitzuwirken ist reizvoll.

MTIP verspricht, dass man Wert auf nachhaltige Entwicklung lege. Was wollen Sie anders machen als andere Funds?
Unser integriertes Geschäftsmodell ist langfristig ausgelegt, das schnelle Geld ist nicht unser Ziel. Wir leisten auch einen gesellschaftlichen Beitrag, in dem wir die Innovationskraft am Standort Basel stärken. Was kein anderer Venture Capital Fonds in diesem Bereich besitzt, ist unser einzigartiges Schweizer Netzwerk und unseren exzellenten Zugang zu Forschungseinrichtungen. Auf internationaler Ebene entwickeln wir einen «Innovationsring». Wenn wir zum Beispiel eine klinische Studie für ein Start-up durchführen, können wir diese in gleicher Qualität viel schneller in Zusammenarbeit mit international hochkarätigen Partnern realisieren. Dies verkürzt die Zeit zum Markteintritt enorm.

Was für eine Gegenleistung erwartet MTIP von den Unternehmen, die sie unterstützen?
Für uns sind eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und damit die Personen sehr wichtig. Schutzrechte am Geistigen Eigentum wie Patente oder Marken müssen klar geregelt sein, bevor man die Technologie weiterentwickeln kann. Wir selbst sind ein Minderheitsinvestor und streben jeweils eine Beteiligung von mindestens 10 Prozent an einem Start-up an. Unser Ziel ist es, den Unternehmer hinter der Firma zu unterstützen und ihm dabei zu helfen, die Stolperfallen während einer Unternehmensgründung zu umgehen.

Sie schreiben auf der Website, dass MTIP möglichst frühzeitig einsteigen und die Firmen lang begleiten möchte. Wie lange wollen Sie die Start-ups unterstützen?
Hier in der Schweiz ist es etwas einfacher als anderswo, Seed Capital von 100‘000 Franken bis zu einer Million für die erste Finanzierungsrunde zu erhalten. Unheimlich schwer wird aber die Folgefinanzierung. Dies führt dazu, dass viele Start-ups abwandern müssen. Daher unterstützen wir nach der Seed-Finanzierung auch die Folgefinanzierung. Um dies zu ermöglichen, schliessen wir uns mit anderen Kapitalgebern zusammen.

Die Medizintechnologie ist ein sehr breiter Begriff. Er beinhaltet alles von Mullbinden über Implantate, roboterunterstützte Chirurgie bis hin zu Therapie und Krankenpflege. Worauf legt MTIP bei dieser riesigen Palette den Fokus?
Wir haben fünf Fokus-Bereiche: Imaging, Robotics/Navigation, IT/Big Data Management, Medtech meets Pharma und Smart Materials. Dort liegen unsere Kernkompetenzen, was aber nicht heisst, dass wir andere Bereiche ausschliessen würden. Zudem ist Interdisziplinarität sehr wichtig. Ein Vorbild ist das Hightech-Forschung-Zentrum von Herrn Professor Zeilhofer, wo unterschiedliche Fachrichtungen wie IT, Biologie, Ingenieurswissenschaften, Geisteswissenschaften, Kunst oder Medizin gemeinsam an der besten Lösung für ein medizinisches Problem arbeiten. Denn in Isolation kann man heute nichts Innovatives entwickeln.

Sie haben selbst Erfahrung als Jungunternehmer. Was sind die grössten Herausforderungen für Start-ups und wie kann MTIP helfen, diese zu bewältigen?
Bei Start-ups im Medizintechnikbereich sehe ich zwei grosse Herausforderungen. Zum einen ist es wichtig, dass man sich frühzeitig um eine Zertifizierung oder die regulatorische Zulassung kümmert. Zum anderen müssen die Jungunternehmer von Anfang an darauf achten, dass sie beim Aufbau bereits eine Patentstrategie festlegen. Wir können mit ausgewiesenen Experten in diesem Gebiet aushelfen.

MTIP ist seit kurzer Zeit am Schweizerischen Innovationspark Region Nordwestschweiz in Allschwil domiziliert. Will man so mit dem Technologie- und Innovationsökosystem zusammenarbeiten und Kräfte zu bündeln?
Gerade sind das gesamte Departement Biomedical Engineering und das High-Tech-Forschungszentrum der Universität Basel in das Provisorium in Allschwil gezogen. Um die partnerschaftliche Zusammenarbeit effizient zu gestalten, sind auch wir vorerst dort eingezogen und managen in diesem Umfeld Innovationen und Start-ups. Wo wir zukünftig sein werden, ist noch nicht entschieden, wir sind aber offen für eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Innovationspark der Region Nordwestschweiz.

Die Suche nach Risikokapital ist in der Schweiz anspruchsvoll und zeitintensiv, MTIP verspricht, dies zu erleichtern. Werden Sie heute überrannt von Finanzierungsanfragen?
Die Zahl der Anfragen seit unserem Gang an die Öffentlichkeit hat sich verdoppelt. Nun müssen wir die besten Projekte evaluieren.

Was muss ein Projekt mitbringen, um von MTIP unterstützt zu werden?
Ein wichtiger Punkt ist die Innovation: Wir wollen wissen, was sie vom bisherigen Stand der Technik unterscheidet. Es ist auch wichtig, ob es eine durch ein Patent oder ein Trade Secret schützbare Technologie ist und welches Marktpotenzial das Projekt birgt. Wir legen speziell viel Wert auf ein gutes Management-Team: Sollten Kompetenzen fehlen, helfen wir gerne bei der Suche nach passenden Mitarbeitern. Traditionelle Venture Capital Firmen investieren ihr Geld und warten auf den Exit des Unternehmens.

Wo sehen Sie MTIP in fünf Jahren?
Ziel ist es, in der Schweiz mit einem sehr guten Portfolio an Start-ups präsent zu sein. Eine Organisation wie i-net kann für MTIP eine wichtige Rolle spielen und es wäre toll, wenn der gemeinsame Netzwerkgedanke zu neuen Projekten führen könnte.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, i-net

*Christoph Kausch ist Mitbegründer und CEO von MTIP. Er besitzt fundierte Kenntnisse im Strategiemanagement und darin, Innovationen auf den Markteintritt vorzubereiten. Vor der Gründung von MTIP leitete er während mehreren Jahren die globale Strategieabteilung von Syngenta.
Ausserdem war er Managing Director der Hafiba AG, einer Boutique Investment Firma, bei welcher Christoph Kausch noch immer im Verwaltungsrat mitwirkt. Seine Karriere begann er bei McKinsey & Company, wo er sich in den Bereichen Private Equity und Life Sciences spezialisiert hat.

Christoph Kausch hat an der TU München und am Massachusetts Institute of Technology Management (MIT) in Boston Maschinenbau studiert. Seinen PhD in Innovation & Technology Management machte er an der Universität St. Gallen und der Harvard Business School.

Über MedTech Innovation Partners AG
MedTech Innovation Partners (MTIP) mit Sitz in Basel ist ein Start-up Investor, der sich auf die Medizintechnikbranche spezialisiert. Start-ups, die mit MTIP zusammenarbeiten, profitieren von einer gezielten Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung, einem systematischen Ansatz beim Intellectual Property-Management sowie von einer einzigartigen interdisziplinären Kultur.
Ein lokales Netzwerk, bestehend aus renommierten Schweizer Universitäten und Forschungszentren mit Stärken im Bereich Medizintechnik ermöglicht MTIP den frühen Zugang zu Forschungsergebnissen. Ein internationaler proprietärer «Innovationsring» bietet Forschern und Unternehmern ideale Voraussetzungen, um Innovationen einen effizienten Markteintritt zu ermöglichen.
Webesite von MTIP

 

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13.09.2016

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«It would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology –...

11.06.2015

Neil Goldsmith and two colleagues started working on Evolva in 2001, moving its headquarters from Denmark to Reinach in Switzerland in 2004. The «Brewers of 21st Century» discover and provide ingredients produced with the help of biologically engineered yeast. CEO Neil Goldsmith explains in the i-net interview how this works and why, initially, they received their seed money for another business model.

You call yourselves the «Brewers of 21st Century». What does that mean?
Neil Goldsmith*: We make ingredients for food or cosmetics by genetically engineering baker’s yeast and brewing it. If we want to make Stevia for example, we take the genes the plant uses to make that molecule and put those genes into the yeast so the yeast can make the molecule. We then ferment the yeast by brewing, just like with beer. The yeast takes up the sugar, turns it into Stevia and pumps it out; we filter off the yeast and have Stevia in the «broth» which we can purify out.

Why should biosynthetically brewed Stevia be better than the grown one?
The Stevia plant makes a lot of sweet molecules. However most of these molecules start to taste bitter when you use a lot of them – that is why the current Stevia-based soft drinks only have about a one-third reduction in the level of sugar or high-fructose corn syrup. Now, the plant also makes some molecules that do not give a bitter taste, but it makes very small amounts of them. Therefore it’s not economic and sustainable to grow the plant to produce these molecules. But creating Stevia by brewing it is a very promising alternative.

So with yeast, you can make almost anything?
In principle, we can make anything that occurs in nature. The key is combinatorial genetics. For the yeast to turn sugar into Stevia it needs 32 genes that have to work together: Finding what those genes are and optimizing them so they all work well together is what we are founded around. It’s in principle more complex than making an antibody or an enzyme, because that’s just one gene or one protein. We were intrigued by the idea of taking the combinatorial thinking of chemistry and applying it to genetics. You can use our approach to make old molecules in better ways – which is what we do now – or you can use it to make new molecules, which was the original idea. You would get new structures that have never been seen before and they might cure diseases.

Evolva has pivoted from pharmaceuticals to the nutrition sector – how did this come about?
We pivoted because we weren’t finding interest from the pharma companies for our technology. Instead, food and cosmetic companies were approaching us. We initially agreed to work for some of these companies just to bring some money in. After a while, we started to understand that the business itself looked interesting. Then we had to persuade our investors, who invested in us because we were going to develop a new diabetes drug, that switching to food and other ingredients made sense.

A completely different market?
Yes and with lower margins. But also less risky, with lower development costs and much less competition compared to pharma. Today we’re actually a network business; our analogy is a railway company. Two molecules that might be very, very different – take vanillin and benzocaine, an anaesthetic – are actually on the same railway track from the yeast point of view. So we want to build and own this track and own that network. If we invest in making vanillin well, that also gets us towards benzocaine. It was interesting to realise that there are many different products by simply pursuing the same track. Maybe they’re not all so big in market terms, but they are built on the same research and can be produced with the same infrastructure: Everything is brewing. So you can produce one product this week and another one next week. Also it is possible to respond very quickly to market demand.

Pharma start-ups are mostly being exited through a trade sale. Will Evolva be a different story?
The food and personal care industries have seen very little transformative innovation. Companies typically spend only very little on R&D and that gives the opportunity to build something transformative. In pharmaceuticals you can’t do that because the big pharma companies will spot you and adapt pretty quickly. In a way it’s a problem for the biotech industry that it has stayed so reliant on pharmaceuticals and not innovated its business models for 30 years. In the ingredients business everyone collaborates with everyone, and by partnering and building a network you can get the resources you need. Using the railway analogy: If you want to build a track from Basel to Geneva and you want to fund this track, you fund it by selling off Yverdon-les-Bains to someone who wants this station, meaning this product. In pharma, this way of thinking is not possible. So I really believe we can grow our business organically and remain an independent company.

What is your business strategy with Evolva?
We want to make products where there is a clear benefit, not just that we can make it cheaper but also that we can make it better, like Stevia. We don’t want to compete with the big companies. Instead we are looking to develop products which have a new market or can open up a new market. In a nutshell, we focus on «high priced, small volume» in the health, wellness and nutrition industry. One of our latest products is Nootkatone, a grapefruit fragrance that turned out to be very good at killing and repelling the ticks that transmit Lyme disease. There is an unmet need for that and we have a product that is very safe, it smells nice and it’s very good at both repelling and killing the ticks.

Will you do the production yourself or enter into a partnership for the production?
At the moment, all we have is labs. In some cases we have a partner who does it, and in other cases we pay someone on a contract basis. But in the long term we want our own brewery, because it’s a business with constant improvement and ultimately, you need to have the bug and the brewery integrated. If you want to be flexible in manufacturing, it needs to be your facility. But this is a long-term plan that costs many tens of millions of dollars. We don’t want to do that too quickly and then find that we can’t sell enough products quickly enough to justify that.

Would you do that in Switzerland or somewhere else in the world?
I wouldn’t completely rule out Switzerland; it’s obviously a high-cost location for manufacture, but it’s possible to run these facilities pretty lean and there is a value in this market to being Swiss. If you’re selling a food ingredient and it’s a Swiss food ingredient you get a certain quality association. We don’t know the answer yet, but I think there will be something in the States and something in Europe.

Let’s talk more about the buzz around high-tech food, which is sustainable and healthier. There seems to be a lot of attention surrounding this issue that suggest you may be in the right place at the right time.
It’s clear that a lot of megatrends in society converge in the space we occupy at present. It started about four to five years ago, and it has taken a few years to build a momentum. But we don’t know how it will play out in reality. What’s going to be interesting is that food is fundamentally a very conservative culture, and innovation– by definition – is not. So how do you marry these cultures? If you look at the big food companies and if you take brewing beer, it’s a very conservative industry. But the rise of craft brewing is really challenging that. There are people experimenting with different flavours of beer made from different ingredients. The same could happen with synthetic biology: Innovation happens in small companies.

Is there a technological driver behind this trend?
I don’t see the development as technology driven; it’s rather about adapting technology to these needs because technology sort of arises for other purposes. Look at the smart farming movement: It’s just applying sensors; now you can image every single corn plant in the field and data mine. I think it’s more that various technologies have matured to the point where they can start to be used here, because they need to be robust and relatively affordable, and then you start to assemble them together. Now you can set up a biotech lab in your garage and start to do stuff – this is new for biotech. And it does raise important questions as to how we control it. There is no way you can track every single garage around the world.

What is the potential in this region; should there be more attention for this field?
I think it would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology, because it’s not just cancer drugs. I think the limiting factor is investors, and that’s really why there are so few people in this space currently. Traditional biotech investors are investing in medical stuff – we only got our money because we started off doing that. We would never have got the money if we started off doing what we now do. I think you need new kinds of investors.

They are mostly likely to be found in Silicon Valley.
Yes, we need people that really think hard and deep about where trends will be and start playing there. Europe is not so good at doing that; it only follows. We need a different mindset. If you look at Silicon Valley, most of the people who are in the nutrition area come from the IT sector, whereas the biomedical guys find it very hard to get out of their way of thinking. The UK investment in food and agricultural research has declined, and you don’t have equivalents in Europe to the movement in the US of teaching farmer’s kids technology.

Next year will be a big year for you with Stevia hitting the market, will that be a booster? What do you expect?
We have a product we are very confident of in terms of taste and competiveness. Potentially, it’s very big. It’s clearly got the possibility of being a billion-dollar product in terms of revenue. But will it get there? We don’t know. It will take some years to get into the market. These products typically have 5 to 10 years to achieve peak sales, because we’re in a slow-moving industry. Unlike a pharmaceutical product that gets picked up immediately by the healthcare industry, market incumbents in the nutrition sector don’t change their flagship products and brands overnight. They normally extend their product lines gradually.

Interview: Thomas Brenzikofer and Nadine Nikulski, i-net

*Neil Goldsmith is co-founder and CEO of Evolva SA in Reinach. He has a 25-year track record in building successful biotech companies, among them TopoTarget A/S and Personal Chemistry AB. Earlier in his career, he was Chief Executive Officer of Auda Pharmaceuticals, GX Biosystems and PNA Diagnostics.
He received a first-class BA Honours degree in Zoology from Balliol College, University of Oxford, and is a graduate of the New Enterprise Programme at the Scottish Enterprise Foundation, University of Stirling.

About Evolva
Evolva was founded by three people, Neil Goldsmith and two others as a spin-off of the US company Phytera, that was doing plant cell culture, had a lot of plant genes and was trying to find a way to put them in a host that was more robust than plant cells. Phytera IPO failed and the company needed to cut costs. It was clear that the project of putting the genes into yeast was going to be one of the things to be cut. Neil Goldsmith wanted to take this out and found a company around it. So in 2001 they set up Evolva – initially in Denmark – and raised some seed money just before 9/11. In 2003, they thought they had enough to raise a proper round as the market had improved. At this point the three partners already wanted to change our headquarters to another location than Denmark, as the country «wasn’t world class» in the field of small molecule pharmaceutics. In addition, they wanted to be where there was more money available. They looked at the States, Canada, UK but ended up choosing Switzerland.


Video explaining the fermentation process

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Domenico Scala: „Die Region Basel ist eindeutig unterverkauft“

28.01.2015

Mit Domenico Scala, ehemals CEO Nobel Biocare, CFO Syngenta und Group Treasurer von Roche, ist seit Anfang 2015 ein erfahrener Topmanager aus der Life Sciences-Industrie Präsident von i-net.

Im Interview mit «i-net innovation report» erklärt Scala, warum die Nordwestschweiz als Life-Science-Innovation-Hub nicht nur kommunikativ mehr aus sich machen müsste.

In Sachen Innovation hängen US-Firmen und -Startups den Rest der Welt ab. Warum ist das so?
Domenico Scala: Ist das wirklich so? Ich bin kein Freund von Pauschalisierungen. Ich glaube auch nicht, dass wir in der Schweiz oder in Europa weniger innovativ sind als die USA. Fakt ist jedoch, dass die USA in der Kommerzialisierung von Innovationen und vor allem auch in der Selbstdarstellung sehr viel erfolgreicher sind. Die Liste an technischen Errungenschaften, die in Europa entwickelt, in den USA aber erfolgreich auf den Markt gebracht wurden, ist lang. Denken Sie etwa ans World Wide Web. Auch in der Medizinaltechnik dominieren heute weitgehend amerikanische Unternehmen. Dies sah vor zehn Jahren noch ganz anders aus. Auch Pflanzen-Gentechnologie ist in Europa heute kein Thema mehr, obwohl man hier einst führend war.
    
Letzteres Beispiel hat vor allem mit strikteren Regulatorien zu tun. Ein Innovationskiller?
Regulatorien spielen natürlich eine Rolle. Pflanzen-Gentechnik hat man in Europa abgelehnt. Heute sind über 80 Prozent der weltweiten Soja- und Maisproduktion gentechnisch verändert. Konsumiert werden diese Produkte auch von Europäern. So betrachtet hat man sich ganz klar ins eigene Fleisch geschnitten. Aber der Hauptunterschied zwischen den USA und Europa ist ein anderer: Historisch bedingt ist Europas Wirtschaft seit dem zweiten Weltkrieg auf Schulden gebaut. Die USA dagegen haben immer schon auf Unternehmertum und Risikokapital gesetzt.

Können Sie dies ausführen?
Die Kantonalbanken in der Schweiz wurden im 19. Jahrhundert gegründet, um den Aufbau von Infrastruktur zu finanzieren. Was machen die Kantonalbanken heute? Sie geben Hypotheken und sonst nichts. Die Risikokapitalfunktion gibt es praktisch nicht mehr. Bei den Pensionskassen geht das Geld zu 60 Prozent in Obligationen und zu 40 Prozent in Aktien von börsenkotierten Firmen. In den USA dagegen wird ein deutlich höherer Teil der Vermögen über Venture Funds in den Aufbau von neuen Unternehmen investiert.

Die Konsequenz dieses Systems ist, dass in Europa die strukturerhaltenden Kräfte gestützt werden, wovon vor allem etablierte Anbieter profitieren. Und diese sind nun mal weniger innovativ. Sehen Sie das auch so?
Dass Grossunternehmen nicht innovativ seien, höre ich immer wieder. Doch stimmt das? Die Wahrnehmung in Basel müsste eigentlich eine ganz andere sein. Noch heute haben wir hier zwei Megakonzerne, die seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten weil innovativsten Pharmaunternehmen der Welt gehören. Die meisten Innovationen in der Chemie wurden von europäischen und darunter auch bedeutenden Nordwestschweizer Grossunternehmen vorangetrieben. Ich glaube nicht, dass die Grösse eines Unternehmens allein entscheidend ist – Apple und Google sind ja auch Grossunternehmen. Es ist vielmehr eine Frage der Mentalität. Grossunternehmen sind zudem auch risikofähiger.

Das heisst, in Europa haben wir die Innovationskultur verloren?
Ja, und diese wird einem schon sehr früh mit auf den Weg gegeben. In den USA beginnt dies bereits bei der Ausbildung: Der Amerikaner muss seine Ausbildung weitgehend selber bezahlen. Somit stellt für ihn bereits der Universitätsabschluss eine Investition dar, die er irgendwie finanzieren muss und die sich letztlich auch ausbezahlen soll. Das zieht sich dann weiter. Auch die Universitäten sind dauernd auf der Suche nach Mitteln, um ihre Projekte zu finanzieren. Jeder Präsident einer US-Privatuniversität steht morgens auf und sagt sich: «Heute muss ich zehn Millionen Dollar beschaffen.» Es gibt keine Blanko-Checks. Dies kreiert natürlich Druck und führt letztlich dazu, dass Innovatoren in der kommerziellen Ausrichtung ihrer Projekte sehr viel konsequenter vorgehen müssen. Dies fehlt bei uns. Die ETH oder das Biozentrum der Universität Basel können akademisch mit den besten der Welt mithalten. Wenn es aber um die Anzahl Spin-offs geht, dann ist man höchstens Mittelmass. Beide Systeme haben ihre Pros und Kontras. Fakt ist einfach, dass auf diese Weise in den USA mehr Start-ups aus den Universitäten entstehen als bei uns.

Universitäten sind nicht die einzige Ressource von Neuunternehmen. Basilea oder auch Actelion sind Bespiele für sehr erfolgreiche Spin-offs von Grossunternehmen. Sollte man nicht vielmehr dort ansetzen?
Dies ist sicher ein interessanter Gedanke. Innovationen in etablierten Strukturen haben tatsächlich einen schweren Stand. Es gilt der Ratschlag, wenn man in einer Big Corporation eine wirklich innovative Idee hat, sollte man diese möglichst lange unbemerkt vorantreiben. In vielen Grossunternehmen werden mehr Innovationen abgeschossen als vorwärtsgetrieben. Kodak ist für mich das treffendste Beispiel: So besass man sämtliche Patente für die digitale Fotografie und liess sich dann trotzdem auf dem falschen Fuss erwischen.

Wie lässt sich dies verhindern? Was kann eine staatliche Innovationsförderung wie i-net tun?
Die Frage ist, ob ein Grossunternehmen überhaupt ein Spin-off einer Idee, die es nicht weiterverfolgen will, zulässt oder nicht. Schliesslich weiss man nie, ob das Projekt nicht vielleicht doch noch von Nutzen sein könnte und zudem will man nicht einen potenziellen Konkurrenten kreieren. Es gibt deshalb weit weniger Spin-offs aus Grossunternehmen als man eigentlich erwarten könnte und dies wohl auch möglich wäre. Letztlich müssen solche Ausgründungen ja auch top-down entschieden und umgesetzt werden. Bei Actelion und Basilea war genau dies der Fall. Bottom-up ist dies viel weniger möglich.

Es sei denn, es gibt genügend Risikokapital und eine geeignete Infrastruktur sowie weitere Unterstützungsdienstleistungen für Unternehmer wie Coaching. Genau dies hat ja die Start-up-Förderung unter anderem zum Ziel. Sehen Sie da einen Interessenskonflikt mit der Grossindustrie?
Als Ökonom würde man sagen: Der Staat sollte sich raushalten und solche Entwicklungen dem Markt überlassen. Es gibt allerdings auch eine Einschränkung: Der Markt ist kurzfristig orientiert, Innovationen dagegen brauchen die Langzeitperspektive. Neues entsteht nicht von heute auf morgen. Von der Idee über das Proof-of-Concept und die Finanzierung bis hin zur Markteinführung braucht es nicht selten mehr als ein Jahrzehnt. Von daher ist es sicher nicht falsch, wenn staatliche Institutionen hier mit geeigneten Mitteln und Strukturen an der richtigen Stelle einspringen.

Und wo werden Sie künftig als Präsident von i-net die Hebel ansetzen?
Grundsätzlich ist i-net gut aufgestellt. So finde ich es richtig, dass man auf die thematische Innovationsförderung setzt. Auch die Wahl der Technologiefelder stimmt. Im Zentrum von i-net steht die Vernetzung von Leuten und Themen, dies ist eine wichtige Leistung, die so von der Privatwirtschaft nicht erbracht werden kann. Viele Innovationen finden heute an der Schnittstelle zwischen den einzelnen Technologiefeldern statt. Indem i-net hier eine neutrale Plattform für den Ideenaustausch bietet und zu Kooperationen anregt, kann ein wichtiger Beitrag für die künftige Entwicklung unserer Wirtschaftsregion erbracht werden.

Basel ist ja gewissermassen ein «One-Trick-Pony» und zu einem grossen Teil von Life Science abhängig. Wie wichtig ist es ihrer Meinung nach, dass man diesbezüglich als Wirtschaftsstandort eine gewisse Diversifizierung anstrebt?
Man kann die Fokussierung als Fluch oder als Segen anschauen. Einerseits absorbieren die beiden Grosskonzerne viele Ressourcen und Talente. Andererseits schaffen sie auch viele Werte und grosses Renommée, von der unsere Wirtschaftsregion profitieren kann. Ich denke man sollte auf diese Stärke setzen und dann von da in neue Felder vordringen. So beschäftigt Roche alleine in der Region über tausend ICT-Spezialisten. Das ist schon mal eine hervorragende Basis für eine weitere Entwicklung an der Schnittstelle zwischen Life Science und ICT. Ich denke es gibt dutzende von solchen interessanten Themengebiete, die es vorwärts zu treiben lohnt.

Und wie sehen Sie die Nordwestschweiz im globalen Standortwettstreit positioniert?
Die Region ist eindeutig unterverkauft. Basel wird vielerorts nicht als Life Science-Innovations-Hotspot wahrgenommen. Dass wir dies sind, müsste viel besser kommuniziert werden. Auch darin sind uns die Amerikaner leider einen Schritt voraus. Aber das muss nicht so bleiben.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

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Michael Bornhäusser: «Schweizer Start-ups werkeln zu lange in der Comfort-Zone vor sich he...

03.04.2014

Als Gründungspräsident war Michael Bornhäusser der Spiritus Rector von i-net. Nach seinem Rücktritt im Februar 2014 wird sich der Serial Entrepreneur als ehrenamtliche Leiter auf den i-net Bereich Finance & Partner Netzwerk konzentrieren.

Im Interview erklärt Michael Bornhäusser, warum die Schweiz in vielen Bereichen vom internationalen Venture Capital gemieden wird und was in der Startup-Förderung zu tun ist, damit sich dies ändert. Michael Bornhäusser ist Mitinhaber der Basler Sallfort Privatbank und leitet dort den Bereich Private Equity, Products & Service.

Herr Bornhäusser, als zurücktretender Gründungs-Präsident von i-net überlassen Sie ihr Kind nun seinem Lauf. Wie sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?
Michael Bornhäusser: Im grossen und ganzen können wir sehr zufrieden sein mit dem erreichten. Operativ sind wir gut aufgestellt, das Team funktioniert. Wir haben innerhalb von knapp zwei Jahren unser Netzwerk auf über 5500 Personen verdoppelt und mit rund 50 Veranstaltungen im vergangen Jahr 2500 Teilnehmende erreicht. i-net wird heute in der gesamten Region Nordwestschweiz wahrgenommen. Wo wir uns sicher noch verstärken müssen, ist in der Startup-und Investorenszene.

Wo sehen sie künftig die Schwerpunkte von i-net?
Es muss uns nun gelingen, noch mehr Multiplikatoren an Board zu holen, indem wir den Kreis von Ehrenamtlichen, die in unserem Netzwerk tatkräftig mitwirken wollen, vergrössern. Auch bei der Gründung neuer Unternehmen muss i-net eine noch wichtigere Rolle spielen als bislang.

Als Vielreisender haben Sie den Vergleich: Wo sehen Sie die Stärken in der Region Nordwestschweiz?
Biotech und Life Sciences sind ganz klar unser USP. Allerdings gewinnt die Interdisziplinarität zu unseren anderen Technologiefeldern, ICT, Cleantech, Medtech oder Nanotechnologien an Bedeutung.

Und wo sehen Sie die Schwächen der Region?
Die grosse Schwäche in der Nordwestschweiz sind die Universitäten und Forschungseinrichtungen. Es werden einfach zu wenige Spin-offs generiert, weil man im Bereich Company Building kaum Kompetenzen hat. i-net müsste hier unbedingt in die Bresche springen und aktiver auf diese Institutionen zugehen. Umgekehrt müssen sich die Universitäten und Fachhochschulen gegenüber diesem Thema öffnen. Im Zweifelsfall geht dies halt nicht ohne politischen Druck.

Was meinen Sie damit genau?
In Extremis müsste man halt den Geldhahn abstellen. Neben der Bildung und Forschung gehört es doch ganz klar mit zum Leistungsauftrag einer Universität, im Innovationsbereich Wertschöpfung zu schaffen. Nun sind Universitätsprofessoren in der Regel keine Unternehmer und das ist bis zu einem bestimmten Grad ja auch richtig so. Aber es braucht eben auch die Einsicht seitens dieser Institutionen, dass dem so ist, und dass es Partnerorganisationen braucht, die diesen Teil ihres Leistungsauftrages - nämlich das Unternehmertum zu fördern - besser machen.

An den Universitäten in den USA ist das aber anders, dort spielt Entrepreneurship eine gewichtige Rolle und man ist auch erfolgreich darin?
Das liegt daran, dass diese Universitäten sehr stark auf Fremdfinanzierung und damit von Spenden ehemaliger Studenten angewiesen sind. Deshalb hat eine amerikanische Hochschule auch ein grosses Selbstinteresse daran, dass aus Absolventen erfolgreiche Unternehmer werden. Denn diese werden später aus Dankbarkeit für die Ausbildung und aus gesellschaftlicher Verpflichtung, einen Teil ihres Erfolges an die Uni zurückgeben. Bei uns hingegen bekommt es schnell einmal ein «Geschmäckle», wenn etwa eine Bank einer Hochschule Geld zur Verfügung stellen.

Sie finden also das US-Modell besser. Immerhin gilt die Schweiz in allen Rankings punkto Ausbildungsstand ihrer Arbeitskräfte als Spitzenreiter?
Schon, aber laut diversester Ranking befinden sich die besten Universitäten der Welt in den USA sowie in England. Das angelsächsische Prinzip funktioniert also. Und es ist auch so, dass die angelsächsischen Länder die erfolgreichsten Neugründungen hervorbringen. Es ist schwierig hierzulande einen qualitativ hochwertigen Deal Flow für Investoren aufzubauen. Ganz anderes in den USA und England. Dort gibt es professionelle Setups, vielversprechende Cases mit grossem Gewinnpotenzial.

Aber Start-ups werden doch nicht ausschliesslich an Universitäten generiert?
Deshalb ist es in meinen Augen auch ein grosser Fehler, dass man hierzulande in der Startup-Förderung so eindeutig auf Universitäten fokussiert. Wir haben bereits festgestellt, dass - den Biotech-Bereich mal ausgenommen - die Erfolgsaussichten von Schweizer Start-ups, die direkt an Universitäten inkubiert wurden, relativ gering sind. Die Universitäten spielen in Relation zu dem, was sie an Förderungsmitteln von der Regierung bekommen, nur eine ganz kleine Rolle. Die erfolgreichsten Startups gemessen am Unternehmenswert beim Exit sind universitätsunabhängig als Spin-offs von Grossunternehmen entstehen. Typische Beispiel aus der Region Basel sind etwa Actelion oder Polyphor.

Fehlt es nicht einfach an Entrepreneurial Spirit?
Eindeutig. Die Ambitionen sind meist zu tief und die Unternehmen werden zu früh verkauft. Man gibt sich zufrieden, wenn man mit einem Startup ein paar Millionen Franken Umsatz erzielt und beim Verkauf einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag löst. Deshalb ist die Schweizer Startup-Szene für global agierende Venture Capitalists nicht interessant. Diese steigen erst ein, wenn ein Exil dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht steht. Schweizer Startups sollten ihre Ziele höher stecken. Doch dazu braucht es die entsprechenden Vorgaben der Investoren. Leider muss ich immer wieder beobachten, dass viele Startups hierzulande zu lange in der Comfort-Zone vor sich her werkeln können, weil die Business Angels zu viel Geld geben und zu wenig Druck machen.

Ist es nicht gar kontraproduktiv, wenn in der Schweiz einfach nur Unternehmen produziert werden, um sie später ins Ausland zu verkaufen. Dadurch wird doch keine nachhaltige Wertschöpfung generiert?
Das kann man auch anders sehen. Wenn wir in der Schweiz 10 Exits für 100 Millionen schaffen, dann sind das 1 Milliarde Wertschöpfung, die generiert werden und von dem ein grosser Teil in unserem Land bleibt. Als CH-Hightech KMU muss man sich sowie so von Anfang an global aufstellen. Hier hat die Schweiz aufgrund der existierenden Strukturen einen riesigen Vorteil.

Es gibt aber viele Unternehmer, die gar nicht mit VC-Geld aufgepumpt werden wollen um dann verkauft zu werden, sondern auf organisches Wachstum setzen. Ist das nicht auch legitim?
Natürlich. Als Gründer muss man sich einfach überlegen, was man will. i-net versteht sich ja keineswegs nur als Start-up-Plattform, wir bieten unsere Services ja auch dem klassischen KMU. Hierbei gilt es, Unternehmern ihre Wachstums- und Innovationspotentiale aufzuzeigen und sie mit unserem Netzwerk darin zu unterstützen, diese zu realisieren.

Dennoch, braucht es auch da Fremdfinanzierung. Gibt es denn keine Alternative zu Private Equity?
Die aktuelle Regulierungsvorgabe, Basel III, macht es tatsächlich sehr schwierig für eine Bank, Wachstumsvorhaben zu finanzieren, da sie in der Pflicht stehen, sehr viel mehr Eigenkapital hinterlegen zu müssen. Im Prinzip erhält ein Unternehmen nur noch dann Kredit, wenn es das Geld sowieso schon hat. Die Politik hat da im Prinzip einen Investitionsstopp veranlasst, mit dem Effekt, dass Expansionsvorhaben nur noch über Private Equity finanziert werden können. Gerade dies stellt die Schweiz vor grosse Herausforderungen. Deshalb müssen wir auch dringend attraktiver werden für das global agierenden Venture Capital. Und nochmals: dies gelingt nur, wenn unsere Unternehmen und ihre Business Angels aggressiver werden.
Ich habe kürzlich gelesen, dass 80 bis 90 Prozent aller Angel Investments hierzulande verloren gehen. Bei professionellen Investoren ist es gerade umgekehrt.

Hat das nicht auch damit zu tun, dass VCs später einsteigen, wenn das Risiko geringer ist?
Das sehe ich anders. Es wird meist falsch investiert und die Unternehmer werden nicht richtig unterstützt. Wir müssen dringen professionelle Strukturen schaffen, wie Accelerators und Innovationsparks. Besonders in den Life Sciences könnte man sehr viel mehr tun. In deinem Bereich gibt es zwei Städte die einem einfallen: Boston und Basel. Und ich bin sicher, dass Novartis, Roche oder Actelion sich beteiligen würden an einem entsprechenden Programm. Denn ein solches bringt auch für sie noch mehr Know-How in die Region, von dem sie wiederum profitieren können.

Und die anderen Technologiefelder?
Auch in den Nanotechnologien sehe grosses unmittelbares Potenzial. Bei den anderen Bereichen wird der Aufbau sehr viel länger dauern. Aber nichtsdestotrotz sollte man das machen. Zudem gibt es zwischen den Bereichen interessante Berührungspunkte, die man ausschöpfen sollte. Und hierzu können wir mit i-net die ideale Plattform bieten.

Interview: Thomas Brenzikofer

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