Innovation Report

 
report Invest in Basel region

Roivant sorgt in Basel für Aufsehen

13.06.2017

Mehr als 150 Gäste wollten wissen, wie Vivek Ramaswamy die Zukunft des Gesundheitswesens sieht. Der Gründer von Roivant und fünf anderen Biotech-Unternehmen gab eine pointierte Grundsatzrede und nahm anschliessend an einem lebhaften Podiumsgespräch mit anderen Vertretern von Pharma- und Biotech-Unternehmen teil. Roivant und BaselArea.swiss hatten am 8. Juni gemeinsam Interessierte aus den Life Sciences in die Halle 7 im Basler Gundeldingerfeld geladen. Roivant liess sich kürzlich mit Unterstützung von BaselArea.swiss in Basel nieder.

Das Publikum folgte mit Interesse dem Vortrag des «Wunderkinds», wie das Magazin «Forbes» ihn betitelte. Ramaswamy hat eine Mission. «Wir konzentrieren uns auf vielversprechende Forschung und auf leidenschaftliche Forscher. So verringern wir systematisch Zeit, Kosten und Risiken, bis neue Medikamente auf den Markt kommen», sagte er. Roivant entwickelt Medikamente weiter, die von anderen Pharmafirmen aufgegeben wurden und die irgendwo in der Pipeline steckengeblieben sind. Seine Mittel, um doch noch einen alternativen Weg zum Ziel zu finden: Spitzentalente der Medikamentenentwicklung und aus anderen Wirtschaftszweigen konzentrieren sich in schlanken und dynamischen Strukturen auf die Assets.

Ramaswamy hat nicht nur die Muttergesellschaft Roivant, sondern auch fünf weitere Unternehmen gegründet, die spezifische Medikamente in verschiedenen Therapiegebieten entwickeln: Axovant beschäftigt sich mit Demenz, Dermavant mit der Dermatologie. Myovant konzentriert sich auf die Gesundheit von Frauen, Urovant auf die Urologie, und Enzyvant entwickelt Therapien für Patienten mit seltenen Krankheiten. Diese Unternehmen können auf die gemeinsamen Kapazitäten und Datenbanken zurückgreifen, die Roivant aufgebaut hat. Gleichzeitig entwickeln sie eigene Kapazitäten für ihre spezifischen Themenfelder und Märkte. Ramaswamy ist überzeugt, dass Daten zentral sind, um Medikamente rasch auf den Markt zu bringen.

Ohne Bürokratie in Basel angekommen

Ramaswamy wand in seiner Rede auch ein Kränzchen für Basel. «Hier kommen verschiedene Nationalitäten zusammen, auf der Strasse werden drei verschiedene Sprachen gesprochen.» Basel-Stadt und Basel-Landschaft seien zwar nicht gross, kämpften aber klar in einer Gewichtsklasse über ihrer eigenen. Er verwies auch auf die florierende Biotech-Szene und auf die tief verankerte humanistische Tradition. Ramaswamy dankte zudem den Basler Behörden für die niedrigen Einstiegshürden. «Es gab keine Bürokratie. Es war ein Vergnügen, sich hier anzusiedeln.»

Auf dem Podium diskutierten Vas Narashiman, Global Head of Drug Development und Chief Medical Officer bei Novartis, Jonathan Knowles, Chairman of the board of directors bei Immunocore Ltd, David Hung als CEO von Axovant und Vivek Ramaswamy über die Zukunft des Gesundheitswesens. Die Diskussion wurde von Alethia de Léon von BaselArea.swiss moderiert und vertiefte Themen wie das Sammeln und Teilen von Daten. Dabei wurden auch heikle Fragen zu den Herausforderungen und Chancen angesprochen, denen die Pharma derzeit gegenübersteht. So könnten Big Data und Biomarker der Branche helfen, Fragen rund um die Produktivität von Forschung und Entwicklung zu klären.

report BaselArea.swiss

«Kleinigkeiten machen den Unterschied»

04.07.2017

report BaselArea.swiss

Mehr Geld für Start-ups und mit einem Moonshot in die digitale Zukunft

08.06.2017

report BaselArea.swiss

In Stärke investieren – Schweizer Leadership in den Life Sciences

15.05.2017

Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre internationale Leadership-Rolle in den Life Sciences behaupten? Im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung sowie von Start-ups über aktuelle Trends und Herausforderungen zu diskutieren.

Die Bedeutung der Life Sciences für die Schweizer Wirtschaft ist enorm. Der Anteil dieser Branche an den gesamten Schweizer Exporten lag im letzten Jahr bei 45%. Ebenso sind die meisten Neuansiedlungen im Healthcare-Bereich tätig. Die Schweiz gilt denn auch als weltweit führender Life-Sciences-Standort mit der Region Basel als ihrem Motor. Vor diesem Hintergrund besuchte heute Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» auf Einladung von BaselArea.swiss und digitalswitzerland die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung über aktuelle Trends und Herausforderungen in den Life Sciences zu diskutieren.

Der Anlass fand bei der Actelion Pharmaceuticals und im Switzerland Innovation Park Basel Area in Allschwil/BL statt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hob die grosse Bedeutung der Region und der Life-Science-Branche hervor: «Die beiden Basel verfügen über eine hohe Dichte an innovativen und erfolgreichen Unternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen. Das erfüllt mich mit Stolz und Zuversicht. Pharma und Chemie gelten zu Recht als Innovationsmotoren.» Um zukünftig ebenso erfolgreich zu sein, dürfe sich die Schweiz aber nicht ausruhen; Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Gesellschaft müssten den digitalen Wandel als Chance nutzen, appellierte er.

Organisiert wurde die Veranstaltung von BaselArea.swiss, der Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, sowie digitalswitzerland, der gemeinsamen Initiative von Wirtschaft, öffentlicher Hand und Wissenschaft, welche die Schweiz zum international führenden digitalen Innovationsstandort gestalten will.

Bundesrat Schneider-Ammann stattet zurzeit führenden Regionen der Schweiz einen Besuch ab, um sich ein Bild über die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Wirtschaftsbranchen zu machen und über erfolgsversprechende Zukunftsrezepte zu sprechen.

Förderung von Biotech-Start-ups

Die Life Sciences gelten als Zukunftsbranche mit grossem Wachstumspotenzial. Doch der Standortwettbewerb wird aggressiver: Andere Regionen in der Welt investieren massiv in die Standortförderung und locken grosse Firmen an. Eine zentrale Frage der heutigen Veranstaltung war denn auch: Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre Leadership-Rolle im internationalen Wettbewerb behaupten?
So verfügt die Schweiz gemessen an der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Life Sciences und verglichen mit anderen führenden Standorten der Welt über vergleichsweise wenige Start-up-Firmen in diesem Industriesektor. Mit der Lancierung von BaseLaunch, dem neuen Accelerator für Healthcare-Start-ups, hat BaselArea.swiss in Zusammenarbeit mit dem Kickstart Accelerator von digitalswitzerland einen ersten Schritt getan. Dennoch fehlt es neben dem Startkapital in der Frühphase der Unternehmensentwicklung insbesondere auch am Zugang zu grossem Kapital, das ein etabliertes Start-up-Unternehmen für die Expansion benötigt. Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss und Member of the Steering Committee digitalswitzerland, meint: «Wir müssen in unsere Stärke investieren. Deshalb brauchen wir Initiativen wie der Zukunftsfonds Schweiz, der es institutionellen Anlegern ermöglichen soll, in innovative Jungunternehmen zu investieren.»

Die Bedeutung einer innovativen Start-up-Szene für den Life-Sciences-Standort Schweiz war dann auch Thema im Roundtable-Gespräch, das Bundesrat Johann Schneider-Ammann unter anderem mit Severin Schwan, CEO der Roche Group, Jean-Paul Clozel, CEO von Actelion Pharmaceuticals, und Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel, führte.

Digitalisierung als Innovationstreiber

Das zweite Thema des Biotech und Digitization Day galt der Digitalisierung in den Life Sciences. Diese stellt laut Thomas Weber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, einen wichtigen Innovationstreiber für die gesamte Branche dar und ist für die Stärkung des Forschungsstandortes Schweiz entscheidend.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann fokussierte in seiner Ansprache auf drei Aspekte: Erstens die Schaffung einer neuen, mutigen Pionier-Kultur, in der Unternehmertum gefördert und belohnt wird, wer etwas wagt. Zweitens mehr Schub für Start-ups durch die Verwirklichung der Initiative für einen privat finanzierten Start-up-Fonds. Und drittens die Ausgestaltung der Rolle des Staates als Ermöglicher, der Freiräume schafft, statt Verbote und Hürden zu erlassen.

In der öffentlichen Diskussionsrunde, an der Vertreter aus Forschung und Wirtschaft sowie Unternehmer teilnahmen, wurde deutlich, dass die Digitalisierung die Life Sciences verändern wird. Man war sich einig, dass die Schweiz über die besten Voraussetzungen verfügt, um eine führende Rolle in diesem Veränderungsprozess zu spielen. Die Grundlage dafür bilden leistungsstarke und global tätige Pharmafirmen, weltweit anerkannte Hochschulen sowie ein innovationsfreudiges Ökosystem mit digital getriebenen Start-ups aus den Bereichen Healthcare und Life Sciences.
Dafür will sich auch digitalswitzerland einsetzen. Healthcare und Life Sciences sind laut Nicolas Bürer, CEO von digitalswitzerland, Schlüsselindustrien, um die Schweiz zum führenden digitalen Innovationsstandort zu machen.

Einen weiteren Beitrag dazu leistet der von BaselArea.swiss in enger Kooperation mit dem Kanton Basel-Stadt lancierten Innovationshub für Precision Medicine, DayOne, der regelmässig eine wachsende Community von derzeit über 500 Experten und Innovatoren zusammenbringt, um Ideen auszutauschen und Projekte voranzutreiben.

report Life Sciences

Novartis will künstliche Intelligenz im Kampf gegen Brustkrebs einsetzen

06.06.2017

report ICT

Novartis investiert in digitalen Gesundheitsversorger

23.05.2017

report Life Sciences

„Die Region Basel sollte nicht einfach Teil des Wandels sein, sondern den Wandel mitgestal...

07.12.2016

Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz, berät Jungunternehmen in den Life Sciences und betätigte sich selbst als Start-up-Gründer.

In unserem Interview erläutert er, wie sich die HLS FHNW weiterentwickeln möchte, warum die enge Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg so wichtig ist und welche Zukunft er für das Gesundheitswesen sieht.

Sie kommen aus der Industrie und waren bisher auch schon in Start-ups engagiert. Ist es nicht untypisch, jetzt im akademischen Bereich zu arbeiten?
Falko Schlottig*: Wenn es untypisch wäre, würden wir als Fachhochschule etwas falsch machen. Die Mitarbeitenden an der Hochschule für Life Sciences FHNW kommen zu grossen Teilen aus der Industrie. Das ist wichtig, weil wir sonst nicht berufsbefähigend ausbilden könnten und weil wir über dieses Netzwerk die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung vorwärtstreiben können. Mit unserem Wissen und Knowhow können wir signifikant zu Produktentwicklungen und Innovationsprozessen beitragen.

Grenzt sich die FHNW so von der Grundlagenforschung ab, welche an den Universitäten betrieben wird?
Es geht hier nicht um eine politische Abgrenzung, sondern um eine fachliche Differenzierung. Als Fachhochschule sind wir technologie-, entwicklungs- und produktorientiert. Die Universitäten und die ETH orientieren sich in Richtung Grundlagenforschung. Zusammen ergibt sich eine einmalige Wertschöpfungskette, die über den Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz hinausgeht. Dies setzt voraus, dass man gut zusammenarbeitet. Auf Ebene unserer Dozierenden und Forschenden funktioniert diese Zusammenarbeit hervorragend, beispielsweise durch den Austausch von Vorlesungen und durch zahlreiche gemeinsame Projekte. Andererseits gibt es noch viel Potential in der Zusammenarbeit, um den Life Sciences-Cluster weiter zu stärken, beispielsweise in der technologieorientierten Ausbildung oder im Bereich Personalized Health.

„Potential“ bedeutet Anerkennung? Oder geht es um Fördergelder?
Weder noch! Die Differenzierung zwischen angewandter Forschung und Grundlagenforschung darf nicht verwaschen werden – auch aus Sicht der Studierenden nicht. Ein Personalverantwortlicher muss wissen, ob der Bewerber eine praxisorientierte Ausbildung hat oder erst in ein Trainee-Programm gehen muss. Es geht darum, im Sinne unserer Region in technologiegetriebenen Gebieten zielführend und noch besser zusammen zu spannen als heute.

Gibt es denn genügend Studenten? Es heisst oft, es gebe zu wenig Naturwissenschaftler?
Unsere Studierendenzahlen steigen im Moment leicht, wir würden aber gerne noch etwas mehr wachsen. Aber im Vordergrund steht die Qualität der Ausbildung, nicht die Quantität. Wichtig für unsere Studierenden ist, dass sie weiterhin ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Allerdings spüren wir wie alle Einrichtungen das derzeit mangelnde Interesse an den Naturwissenschaften. Daher engagieren wir uns als FHNW in allen Bildungsbereichen für die Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - kurz MINT.

Sie leiten nun die Hochschule für Life Sciences FHNW seit etwas mehr als einem Jahr. Welche Pläne haben Sie?
Wir wollen weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil des Life Sciences-Clusters Nordwestschweiz sein. Zudem möchten wir weiterhin qualitativ so gut ausbilden, dass unsere Studierenden nach Abschluss zu 98 Prozent eine Stelle finden. Konkret heisst das für uns, dass wir die Lehre inhaltlich, didaktisch und strukturell ständig weiterentwickeln und mit Augenmass den Entwicklungen des industriellen Umfeldes und der Individualisierung folgen. In diesem Zusammenhang haben wir für unseren Fachbeirat Vertreter aus dem strategischen Management von Unternehmen des industriellen Umfelds und aus Institutionen des Gesundheits- und Umweltbereiches für eine Mitarbeit gewinnen können.
In der Forschung werden wir uns in Zukunft basierend auf unseren disziplinären Stärken und Fähigkeiten um Technologien organisieren und noch ausgeprägter interdisziplinär arbeiten. Es kommt uns entgegen, dass wir im Herbst 2018 in einen Neubau umziehen dürfen und aus zwei Standorten einen machen können. Inhaltlich werden wir das Thema „digitale Transformation“ viel stärker als heute schon als Querschnittsdisziplin in Lehre und Forschung etablieren. Schliesslich sollten wir nicht einfach Teil dieses Wandels sein, sondern ihn mitgestalten.

Stichwort „digitale Transformation“: Informatik wird auch für die Naturwissenschaften immer wichtiger. Wird die FHNW vermehrt Informatiker ausbilden?
Hier an der HLS setzen wir erfolgreich auf Medizininformatik, die Fachhochschule bildet in Brugg Informatiker und in Basel Wirtschaftsinformatiker aus. Wir müssen uns aber auch fragen, was künftig ein Chemiker, der die HLS FHNW besucht hat, an erweiterten Informatikkenntnissen mitbringen sollte – zum Beispiel in Data Sciences. Dasselbe gilt für unsere Bioanalytiker, Pharmatechnologen oder Verfahrens- und Umwelttechniker. Dennoch muss die Naturwissenschaft die Basis bleiben, angereichert mit einem ausgeprägten Verständnis für Daten und die zugehörigen Prozesse. Umgekehrt muss sich auch ein Informatiker, der bei uns an der HLS studiert, mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Dieses Wissen ist zwingend nötig, wenn man im Life Sciences-Bereich der Region eine Stelle finden möchte.

Schweizweit – aber auch speziell in der Region Basel – ist viel Knowhow in Bioinformatik vorhanden. In der Aussenwahrnehmung gilt die Region allerdings nicht als IT-Standort. Müsste man da nicht Gegensteuer geben?
Tatsächlich haben wir im Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz Nachholbedarf. Die wichtigen Fragen sind, welche Schwerpunkte man setzt und wie man diese verküpft. Ist es Data Mining – was für die Universität Basel und das Universitätsspital wichtig ist? Oder ist es die Verknüpfung von Patientendaten mit verschiedensten Datenbanken, um beispielsweise die Kosteneffizienz in Spitälern zu steigern? Oder liegt die Zukunft in Data Sciences und Datenvisualisierung, um Planungen und Entscheidungen zu vereinfachen und zu unterstützen, was wir unter anderem an der HLS bereits machen? Die zentrale Frage ist, aufgrund welcher Daten in Zukunft im Gesundheitsbereich Entscheidungen getroffen werden. Hier geht es auch um die Frage, wem die Daten gehören und wie sowie durch wen diese genutzt werden dürfen. Dies ist eine der Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Da wir angewandt forschen, sind diese Themen für uns genauso wichtig wie für die Industrie. Diese extrem spannende Diskussion wird uns die nächsten Jahre begleiten.

Die HLS FHNW hat sehr unterschiedliche Bereiche wie Chemie, Umwelttechnologie, Nanowissenschaften oder Data Visualisation – wie passt das zusammen?
Diese Bereiche sind nur auf den ersten Blick unterschiedlich – ihre Basis ist immer die Naturwissenschaft – häufig in Verbindung mit den Ingenieurwissenschaften. Unsere Fachdisziplinen werden spätestens mit dem Zusammenzug 2018 noch besser gebündelt. Das sieht man heute schon beispielsweise in der Umwelttechnik: Auf den ersten Blick fragt man sich, was sie mit Bioanalytik, Nanowissenschaften oder Informatik zu tun hat. Aber die HLS FHNW ist stark im Bereich der Wasser- und Bioanalytik, und eines der grössten Probleme momentan ist die Antibiotikaresistenz. Um hier Lösungen zu finden, braucht man Wissen aus der Chemie, der Biologie, der Analytik, der Informatik und verfahrenstechnisches Knowhow. Ab 2018/19 werden wir im Neubau über ein einmaliges Prozess- und Technologiezentrum verfügen, in welchem wir alle Prozessketten darstellen können, welche die Life Sciences-Industrie heute und in Zukunft bewegt – beginnend bei Chemie, über Pharmatechnologie und Umwelttechnologie bis zur Biotechnologie inklusive Analytik und Automatisierung.

Sie waren und sind an Start-ups beteiligt. Sollen Neugründungen aus der HLS FHNW künftig gefördert werden?
Im Grunde sind wir heute nicht schlecht unterwegs, wenn man die Anzahl der Studierenden und Mitarbeitenden mit der Anzahl Start-ups vergleicht. Aber tatsächlich möchten wir Neugründungen verstärken, bei uns entstehen Start-ups eher aus den Ideen der Mitarbeitenden heraus. Unsere Bachelor-Studierenden haben kaum Zeit, sich einer Unternehmensgründung zu widmen. Andererseits ist an der HLS FHNW unternehmerisches Denken und Handeln Teil der Ausbildung. Schliesslich sollen unsere Studierenden auch ihr Verständnis für die Funktionsweise einer Firma weiterentwickeln. Ein zweiter Aspekt ist unternehmerisches Denken in Bezug auf eine Unternehmensgründung. Die Gründung eines Start-ups verlangt Flexibilität und Offenheit von unserer Seite: Wie gehen wir mit einer Patentanmeldung um? Wem gehört sie? Wie gestalten sich Lizenzzahlungen? Unsere Mitarbeitenden haben die Freiheit, eigene Projekte anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu definieren. Schon heute bieten wir die Möglichkeit, dass ein Start-up in unseren Räumlichkeiten bleibt und sie weiter nutzen darf. Im Neubau haben wir dafür extra Platz reserviert. Zudem nutzen wir alle Möglichkeiten, welche der Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz heute bietet. Das sind zum Beispiel die Life Sciences-Start-up-Agentur EVA, der Incubator, die Swiss Biotech, Swissbiolabs, der Switzerland Innovation Park Basel Area, BaselArea.swiss oder auch die Venture Capitalists, um nur einige zu nennen. Wir sind gut vernetzt und versuchen auch hier einen Beitrag zur Entwicklung unserer Region zu leisten

Warum ist es Ihrer Meinung nach in der Schweiz offenbar so schwierig, ein Start-up erfolgreich aufzubauen?
In der Nordwestschweiz gibt es zwei Punkte, die hineinspielen: Durch eine sehr erfolgreiche mittelständische und grosse Life Sciences-Industrie ist die Hürde, sich selbständig zu machen, viel höher. Wenn man ein Start-up gründet, verzichtet man auf einen gutbezahlten und sicheren Job und setzt sich möglichen finanziellen Risiken aus, die mit der Gründung verbunden sind. Die zweite grosse Hürde ist die Finanzierung, insbesondere die Überwindung des sogenannten „Valley of Death“. Es ist im Vergleich zum zweiten Schritt einfach, Gründungskapital zu erhalten. Das Durchhalten bis zur Marktreife bei einem Kapitalbedarf zwischen einer und fünf Millionen Franken, ist sehr schwierig.

Das soll sich mit dem Zukunftsfonds ändern.
Es wäre natürlich super, wenn es einen solchen Zukunftsfonds geben würde, um Tickets zwischen einer und zwei Millionen Franken zu lösen. So wären Start-up-Projekte für zwei oder drei Jahre finanziert. In diesem Zusammenhang ist es extrem spannend, anspruchsvoll und bewegend die ganze Wertschöpfungskette von der Forschung bis zum Produkt in der Anwendung zu sehen, die Netzwerke zu kennen und uns einbringen zu dürfen. Heute ist dies fast nur noch bei einem Start-up oder einem kleinen Mittelständler möglich. Am Ende muss sich aber jeder potentielle Gründer entscheiden, ob er lieber Rad oder Rädchen sein möchte.

Wird der Gesundheitsbereich in fünf oder zehn Jahren dramatisch anders aussehen?
Prognosen sind immer schwierig und häufig falsch. Die grossen Player werden wahrscheinlich abwarten und beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Das Gesundheitswesen wird in fünf bis zehn Jahren möglicherweise anders aussehen, jedoch nicht disruptiv anders. Wir werden neue Geschäftsmodelle erleben, Versicherungen werden versuchen, neue Wege zu gehen. Dies kann zu Verschiebungen führen. Wir erleben momentan den Wechsel vom Patienten zum Konsumenten. Produktseitig ist der Sektor extrem reguliert, neue innovative Produkt auf den Markt zu bringen, ist daher nicht einfach. Viele Regulierungen sind aus meiner Sicht innovationshemmend und führen nicht immer zu einer höheren Sicherheit für den Patienten, was sie eigentlich sollten.

Wie könnte dieser Wandel angestossen werden?
Ich glaube, wir als Fachhochschule Nordwestschweiz können hier einen grossen Beitrag leisten. Beispielsweise arbeiten wir basierend auf unseren disziplinären Kompetenzen innerhalb von strategischen Initiativen an Fragestellungen aus der Gesellschaft und der Wirtschaft interdisziplinär und hochschulübergreifend zusammen. So versuchen wir, einen Teil zur Lösung oder der Antwort beizutragen. Die Schweiz und besonders unsere Region haben in dieser gebündelten Zusammenarbeit ein sehr grosses Potenzial. Dies gilt es nun zu schöpfen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Prof. Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Forschung und Produktentwicklung und hatte diverse Management-Positionen in international tätigen, führenden Medizin-Produkt-Firmen inne. Falko Schlottig hat zudem ein Start-up der Biotechnologie- und Medizin-Produkt-Branche mitbegründet.

Er studierte Chemie und Analytische Chemie und verfügt über einen EMBA der Universität St. Gallen.

 

report BaselArea.swiss

Regiosuisse-Wissensgemeinschaft «CSR und Regionalentwicklung» sucht Teilnehmer

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report Micro, Nano & Materials

Workshop on solid state lighting in Muttenz

05.12.2016

report Medtech

„Wir befinden uns im Jahrhundert der Biologie und der Biologie für die Medizin“

05.10.2016

Andreas Manz gilt als einer der Pioniere im Bereich der Mikrofluidik und ist gegenwärtig Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes.

In unserem Interview erläutert der erfolgreiche Wissenschaftler, mit welcher Motivation er forscht und wie es ist, vom Europäischen Patentamt für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden.

Sie werden als Pionier der Mikrofluidik bezeichnet. Wie kam es, dass Sie angefangen haben, auf einem völlig neuen Feld zu forschen?
Andreas Manz*:
Schon als Kind interessierten mich die kleinen Dinge sehr. Meist waren das Steine, Insekten oder Käfer, die ich heimgetragen habe. Das Interesse am Kleinen blieb, so dass ich schliesslich an der ETH Zürich Chemie studierte. In meiner Doktorarbeit beleuchtete ich das Naturgesetz der Diffusion von Molekülen. Wenn man zwei Moleküle in ein sehr kleines Volumen einsperrt – ähnlich wie zwei Vögel in den Käfig –, dann können sie nicht weg und finden sich schneller. Diese Beschleunigung hat mich sofort fasziniert. Schon mein Professor Willy Simon, ein Experte in chemischen Sensoren und Chromatographie, erzählte in seinen Vorlesungen, dass Prozesse bei einer Verkleinerung auch sehr schnell werden können. Das hat mich sofort fasziniert.

Bisher sprechen Sie aber von reiner Chemie – wann entstand die Idee, Chips einzusetzen?
Ich konnte ab 1987 in Japan bei der Firma Hitachi arbeiten. Dort kam ich zum ersten Mal mit der Chip-Technologie in Berührung. Selbst gehörte ich zur Forschungsabteilung, sah aber immer wieder Kollegen in Reinräumen verschwinden und mit kleinen Chips zurückkommen. Das inspirierte mich und ich überlegte, ob man nicht anstelle von Elektronik auch Chemie auf diese Chips packen könnte. Schliesslich wird auch im Inneren eines noch so kleinen Insekts Flüssigkeit transportiert, also müsste das doch auch auf einem kleinen Chip funktionieren. Bei Hitachi durfte ich schliesslich zu Testzwecken meinen ersten Mikrofluidik-Chip herstellen lassen.

Von Japan führte der Weg dann zu Ciba-Geigy in Basel. Was gab den Ausschlag dazu?
Michael Widmer war damals Leiter der Forschung Analytik bei der Ciba-Geigy in Basel. Dieser geniale Mann hat mich sofort fasziniert: Er hatte den Weitblick, dass man auch verrückte Dinge in die Forschung integrieren und nicht nur auf den kurzfristigen finanziellen Erfolg schauen sollte. Die Industrie sollte es sich leisten, auf Qualität zu setzen und auch in der Forschung eines Konzerns neue Methoden zu entwickeln oder zu fördern, wenn sie dem Unternehmen von Nutzen sein könnten. Professor Widmer holte mich also nach Basel, wo ich laut seinen Aussagen „die ganze Chemie“ auf den Chip bringen sollte. Zwar wusste Michael Widmer noch nicht, was ihn erwartete, aber er hatte ein Gefühl dafür, dass es sich lohnen könnte.

Wie gingen Sie vor?
Damals waren Chips für die Pharmawelt sehr neu und nicht unbedingt passend. Auch Ciba Geigy war nicht von Beginn an begeistert von der neuen Anwendung. Das Interesse, an bestehenden, funktionierenden Technologien und Prozessen etwas zu ändern, war nicht so gross. Im Rahmen meiner Forschung konnte ich aber ausprobieren, was möglich wäre. Ich fand heraus, dass zum Beispiel die Elektrophorese – eine Methode, mit der man Moleküle trennt – funktionieren könnte. Man konnte diese Methode relativ einfach miniaturisieren und prüfen, ob dadurch auch die Schnelligkeit des Prozesses steigt. Und die Resultate waren sehr gut: Wir konnten zeigen, dass der Prozess bei 10-facher Verkleinerung der Elektrophorese 100-mal schneller wird, ohne an Informationsqualität einzubüssen. Diese Erkenntnis war für die klinische Diagnostik oder der Drug Discovery für die Suche nach wirksamen Molekülen sehr hilfreich. Gleichzeitig testeten wir auch verschiedene Chip-Arten, die wir von den unterschiedlichsten Herstellern bezogen.

Wann kam der Schritt an die Öffentlichkeit mit der neuen Technologie?
An der ILMAC in Basel 1996 hat Michael Widmer eine Konferenz im Bereich der Mikrofluidik organisiert – die schlug ein wie eine Bombe. Wir hatten diesen Effekt ein stückweit geplant, denn im Vorfeld haben wir bereits gezielt Forscher eingeladen und ihnen unsere Arbeit gezeigt. Dies führte dazu, dass ein kleiner Hype entstand und wir schliesslich an der Konferenz Forscher aus Kanada, den USA, den Niederlanden, Japan und anderen Ländern aufbieten konnten, welche die neue Technologie der Mikrofluidik vorstellten.

Die Aufmerksamkeit war da, dennoch beendete Ciba-Geigy später die Forschung auf diesem Gebiet. Weshalb?
Im Grunde fehlten uns innerhalb der Firma die Interessengruppen oder eine konkrete Produktanbindung. Unsere Forschung war etwas zu technisch und ihrer Zeit weit voraus und man hat innerhalb von Ciba-Geigy einfach das Potential der Technologie noch nicht auswerten können. Zudem haben wir uns auch keine konkreten Überlegungen zu Anwendungen gemacht, uns ging es eher um die Technologie und um Experimente als um die kommerzielle Nutzung. Als dann noch in einem Magazin ein grosses Bild von mir zu einem Bericht über die Mikrofluidik erschien und die Zeitschrift in Eigenregie darauf hinwies, dass Ciba-Geigy sie ungenügend umsetze, stoppte man die Forschung. Ich hatte Glück im Unglück: Da die Firma das Projekt geschlossen hatte, konnte ich trotz Konkurrenzverbot innerhalb kürzester Zeit dem Ruf ans Imperial College in London folgen, wo ich mit Studenten die Mikrofluidik weiter erforschen durfte. Zudem bin ich bei einer Firma im Silicon Valley als Berater eingestiegen.

Ist es nicht typisch, dass es eine grosse Firma nicht schafft, eine Perle im Portfolio in eine neue Zeit zu transformieren?
So negativ darf man das nicht sehen, denn die Mikrofluidik war keine Perle für die Pharmaindustrie, sondern eher für die Umweltanalytik, die Forschung oder die klinische Diagnostik. Die Pharmaindustrie tickt da anders. Sie kauft lieber das fertige Mikroskop zu einem höheren Preis, als es selbst für relativ wenig Geld selbst zusammen zu bauen. Michael Widmer und sein Team haben in der Forschung und Analytik bei Ciba-Geigy viele Dinge in den verschiedensten Bereichen entwickelt – und waren so ihrer Zeit weit voraus.

Heute ist die Mikrofluidik etabliert. Was sind nun die treibenden Kräfte?
In meinen Augen gibt es zwei treibende Kräfte: Die Anwendung und die Anwender sowie zweitens die universitäre Neugier an der Technologie und die Ausbildung. Stärker ist die erste Kraft: Es gibt Fälle, in denen die Anwendung einer mikrofluidischen Lösung unbedingt nötig ist, um der Anwendung gerecht zu werden. Nehmen wir zum Beispiel das Stichwort «Point of Care». Ziel ist es, einen Patienten direkt an dem Ort zu analysieren, wo er behandelt wird – also zum Beispiel auf der Intensivstation. Er wird am Ort ausgemessen, seine Blut- und Atemluftwerte werden analysiert und man kann direkt überprüfen, ob die eingeleiteten Massnahmen beim Patienten wirken. Eine andere Möglichkeit ist es, in Smartphones unterschiedlichste analytische Möglichkeiten zu integrieren – ähnlich wie beim Tricoder aus Star Trek. Ich bin ziemlich sicher, dass so etwas machbar ist. Doch momentan ist das heisseste Thema im kommerziellen Sektor die klinische Diagnostik. Das hat mich etwas überrascht, denn man kann einen Chip, der mit dem Blut eines Patienten in Kontakt gekommen ist, nicht wiederverwenden. Man benötigt viel Verbrauchsmaterial, was sich auch auf den Preis niederschlägt. Vielleicht findet man hier aber neue Finanzierungsmodelle, bei denen man beispielsweise das Gerät zur Verfügung stellt, aber das Verbrauchsmaterial – also die Chips – bezahlt wird, ähnlich wie beim Rasierer und den Klingen.

Wo sehen Sie in diesem Umfeld die Chance der Schweiz?
Die Ausbildung von qualifizierten Leuten ist wichtig. Da spielen vor allem die ETH und die EPFL eine grosse Rolle für die Schweiz, denn sie ziehen Studierende aus aller Welt an. Sie verlassen die Schweiz hoffentlich mit guten Erinnerungen und könnten sich möglicherweise später für Kommerzialisierungen stark machen. Das könnte eine grosse Chance sein. Natürlich gibt es auch innerhalb der Schweiz grosszügige Personen, aber in der Tendenz spart man hier eher und überlegt zweimal, ob und wo man sein Geld einsetzt. Das ist eine Mentalitätsfrage und nicht zwingend typisch Schweizerisch. Es ist auch nicht schlecht, denn zum Beispiel in der Präzisionsmechanik ist Zuverlässigkeit und Präzision zwingend – und damit passt diese Technologie zu unserer Mentalität. „Quick and dirty“ funktioniert im Silicon Valley oder in Korea besser – doch die Produkte entsprechen dann oft nicht den hiesigen Qualitätsstandards. Das Hochpreisland Schweiz bietet kaum Chancen für eine günstige Produktion, deshalb liegt der Fokus auf der Ausbildung und auf bestehenden Technologien. Auch das ist sehr wichtig und hat eine gute Zukunft.

Wird die Mikrofluidik eines Tages so gross werden wie die Mikroelektronik heute?
Das glaube ich nicht, denn sie beschränkt sich auf chemische oder zellbiologische Anwendungen und ist auch nicht so flexibel wie die Mikroelektronik. Ich sehe höchstens, dass man die neue Technologie auf bestehende Gerätschaften oder Prozesse anwendet.

Aber die heutigen Systeme am Markt sind meist stark geschlossen, es ist schwierig, hier neue Technologien einzubauen.
Ja, aber das stimmt nur teilweise, dann auch die bestehenden Geräte müssen ein Upgrade erhalten. Nehmen wir ein Massenspektrometer. Den kann man kaufen und es gibt sicherlich viele Firmen, welche diese Geräte verkaufen. Wenn aber zehn Firmen etwas gleichwertiges anbieten, muss man sich von der Masse abheben. Schaltet man also beispielsweise ein „Lab on a Chip“ vornedran, kann sich daraus ein klarer Vorteil für dieses Massenspektrometer ergeben. Die Firma verdient zwar durch den Verkauf des Geräts, aber der mikrofluidische Chip gibt den Kaufanreiz – und da kann sicherlich viel Geld geholt werden. Sehen Sie, wir befinden uns im Jahrhundert der Biologie und der Medizin und beginnen gerade damit, Zellen aus dem eigenen Körper zu nehmen, sie zu regenerieren und sie dann vielleicht als fertiges Organ wieder zu verpflanzen. Wenn man sieht, was im letzten Jahrhundert in Physik und Electrical Engineering geschehen ist, und man das ummünzt auf Biologie und Medizin, dann kommt ganz viel auf uns zu. Um diesen Umbruch zu unterstützen, braucht es die Technologie. Gerade KMU können ihre Produkte sehr gut in die Forschung verkaufen, das ist eine Nische. Meist nehmen die kleinen Unternehmen eine alte Technik und modifizieren sie – wie zum Beispiel einen Chip in eine Spritze, der dann direkt beim Aufziehen der Flüssigkeit analysiert, was die Bestandteile sind. Das eröffnet viele Möglichkeiten.

Sie waren auch Mitbegründer von Firmen, bezeichnen sich selbst aber meist als Forscher. Wie geht das zusammen?
Tatsächlich war ich nie ein Unternehmer, sondern immer nur Scientific Advisor. Ich zog es vor, die Hochschulwelt zu erfahren, anstatt in eine Firma voll einzusteigen. In meinem Innersten bin ich ein Abenteurer, der mit wilden Ideen in ein Unternehmen kommt. Geld stand für mich auch nie im Vordergrund, ich wollte immer die Qualität des Lebens verbessern oder den Menschen etwas geben. Die Neugier treibt mich an. Wenn ich Käfer sehe, die fliegen, dann treibt es mich, herauszufinden, wie das funktioniert. Es gibt in den kleinsten Tieren geniale Sensoren und so lange wir als Ingenieure dies nicht nachbauen können, haben wir noch etwas zu tun. Das begeistert mich viel mehr als Quartalsumsatz und Gewinn.

Geld ist aber auch für die Forschung ein wichtiger Treiber.
Ja, bis hinein in die universitäre Forschung geht es um Geld. Forschungsgruppen erhalten Aufträge von Firmen wegen des Profits, den man sich verspricht. Sogar die öffentlich geförderte Forschung muss immer eine kommerzielle Anwendung vorweisen. Neugier oder das Ziel, etwas mit einem ethischen Wert zu erreichen, ist eigentlich in den Ingenieurwissenschaften kaum ein Thema. Natürlich ist es wichtig, dass unsere Studenten auch in die Industrie gehen, schliesslich stammen die Steuergelder grösstenteils aus der Industrie. Aber wenn ich persönlich die Freiheit habe, dann arbeite ich gerne spielerisch – und daraus kann durchaus Ernst entstehen. Nehmen Sie die Elektrophorese auf einem Chip: Auch das war zu Beginn eher eine absurde Idee, aus welcher sich etwas wirklich Spannendes entwickelt hat! So haben viele meiner Arbeiten einen spielerischen, unernsten Aspekt – für mich genau richtig. Sehen Sie, ich kann einen Chip herstellen, der zwar im Innersten die Temperatur der Sonnenoberfläche hat, den man aber in der Hand halten kann. Das ist verrückt, aber es funktioniert, weil nur die Elektronen eine Temperatur von 20'000 Kelvin haben. Das Glas aussenherum erwärmt sich dadurch nicht sehr stark und der Chip schmilzt nicht. Und plötzlich erhält man durch eine verrückte Idee die Plasma-Immissions-Spektroskopie auf einem Chip. Ich finde, es braucht etwas Witz in der Forschung und ich sage gerne, dass wir durch die Mikrofluidik-Forschung grosse Probleme nehmen und sie so klein machen, dass man sie „nicht mehr sieht“.

Sie haben so viele Bereiche in der Mikrofluidik selbst angepackt – können andere Forscher Sie mit ihrer Arbeit noch überraschen?
Zugegeben, heute bin ich durch all die mikrofluidischen Beispiele, die ich bereits gesehen habe, verwöhnt. Manchmal langweilt es mich, wenn ich an eine mikrofluidische Konferenz gehe und sehe, was da «Neues» entstanden ist – irgendwie war das alles schon einmal da. Die Pionierzeit, in der auch eine gewisse Unsicherheit mitspielte, ist wohl definitiv vorbei. Man kann die Mikrofluidik heute mit einer Werkstatt vergleichen, aus der man sich die nötigen Werkzeuge holt, die man gerade braucht. Damit wurde natürlich auch das Wissen weiter verbreitet: Zu Beginn besass ich selbst vielleicht einen Drittel des Wissens weltweit über die Mikrofluidik, heute ist es viel weniger. Dementsprechend schaue ich nun gern etwas über den Tellerrand hinaus.

Sie wurden letztes Jahr vom Europäischen Patentamt für Ihr Lebenswerk geehrt. Was bedeutet dieser Preis für Sie?
Einen Preis kann man nicht planen – man kann vielleicht darauf hoffen. Wenn man ihn dann verliehen bekommt, ist das eine grosse Freude. Auch der Ablauf der Preisverleihung war spannend: Es gab wie bei den Oscars drei Nominierte: Ein Niederländer, der den bis heute verwendeten Codierungsstandard für CD, DVD und Blu-ray Disc entwickelt hat sowie ein Forscher aus Lettland, der mit über 900 Patenten und Patentanmeldungen einer der erfolgreichsten Wissenschaftler und Erfinder in der medizinischen Biochemie ist. Bei dieser Konkurrenz rechnete ich mir sehr geringe Chancen auf den Gewinn aus und war äusserst erstaunt, dass man mich gewählt hatte. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem Lawineneffekt: Zitate zeigen so gut wie immer auf meine damaligen Patente bei Ciba-Geigy.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Andreas Manz ist Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes. Er gilt heute als einer der Pioniere in der Mikrochip-Technologie für chemische Anwendungen.

Nach Stationen im Forschungslabor von Hitachi in Japan und der Tätigkeit bei Ciba-Geigy in Basel nahm er eine Professur am Imperial College in London an, wo er das Zeneca-SmithKline Beecham Centre for Analytical Chemistry leitete. Währenddessen war er zudem als wissenschaftlicher Berater für drei Unternehmen aus der Chiplabortechnologie tätig, von denen er eines selbst gegründet hatte. Im Jahr 2003 wechselte Manz nach Deutschland und leitete bis 2008 das Leibniz Institut für analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund.

Rund 40 Patente gehen im Wesentlichen auf ihn zurück und er hat mehr als 250 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, die bisher über 20'000 Mal zitiert wurden.


 

report ICT

Diagnosis more valued than therapy? Not for a long time….

01.12.2016

report ICT

ICT Scouting erfolgreich gestartet und 50 Prozent Mädchenanteil im ICT Campus

22.11.2016

report Micro, Nano & Materials

The Chemical Industry is ALIVE in the Basel region!

07.09.2016

“The chemical industry is dead…” this was the provoking first sentence of the invitation to the Business Event «Chemical Industry: Opportunities in the Basel area», Sept. 1st 2016, at Infrapark Baselland (Link). And it really provoked the speakers to demonstrate the opposite! Over 90 people gathered at the Infrapark Baselland to listen to the stories of change and new successes.

Thomas Weber, cantonal counciler of Baselland, welcomed the audience. “The benefits of Chemical Parks” were quite obvious after the talk of Dr. Ulrich Ott, Head of Clariant Europe – make your own core process, but buy everything else, from analytics to logistics and technical services. Currently, the third wave in park development just happens: the business incubation of new companies.

Distribution of chemicals and prototype testing
Three speakers from three different companies at the Infrapark illustrated very nicely the different benefits for different needs. Dr. Albrecht Metzger of Bayer Crop Science Schweiz AG illustrated the very successful expansion of the production facilities of Bayer Crop Science. Within 8 years, the number of employees triplet and more than 100m CHF investments were taken to expand and improve the production. The engineering and services of the Infrapark were essential for this success.

Smart distribution of chemicals and conditioning is the core business of Brenntag, as Dr. Thomas Heinrich, of the Brenntag Schweizerhall AG explained. With a global turnover of over a billion Swiss Francs, there is no question that a company can make money by just distribution! Their service adds real value to the supply chain. At the Infrapark, there are not only many users of chemicals, there is also a very smart distribution system established by the right mix of tanks and piping. This saves the chemical companies a lot of own handling, decreases truck movements and increases safety. Really a smart business – right at the Infrapark.

The facilities provide also the ideal location for young companies. AVA Biochem has patented processes to turn sugars into valuable chemicals which might make plastic bottles 100% renewable. Already 20 tons per year of 5-HydroxyMethylFurfural (5-HMF) can be produced in Muttenz, as Dr. Thomas M. Kläusli of AVA Biochem BSL AG explained. This test production is the prototype for much larger capacities – and it is ideally suited at the Infrapark with all the infrastructure and the fast responses of the different service units.

Chemical industry economically important for the region
The chemical industry is very well alive! Renaud Spitz, Head of Infrapark Baselland AG and Country Head Clariant Switzerland, explained how Clariant developed the vision of an Infrapark in 2011 at what benefits it already has today for 15 different companies. Vaguely, he outlined an even larger vision of a great common Infrapark in this area with benefits for many stakeholders, even though the realization might take many years. Finally, Thomas Kübler of Economic Promotion Baselland, illustrated how important the chemical industry is economically for this area. He reminded us also that many products for the pharma industry are being produced chemically, even though pharma and chemistry are often taken as two very different industries.

In conclusion, a very impressive demonstration of the strength of the chemical industries here. Definitely, the chemical industry is very much alive in this region!

report ICT

App soll Antibiotika dosieren

22.11.2016

report Production Technologies

Les entreprises jurassiennes présentes à la Prodex 2016

17.11.2016

report Medtech

«We will be certificating the world’s first autonomous robotic surgical device»

04.11.2015

The laser physicist and entrepreneur Alfredo E. Bruno is co-founder and CEO of the medtech start-up Advanced Osteotomy Tools (AOT) in Basel. Their surgical robot «Carlo» (acronym for Computer Assisted, Robot-guided Laser Osteotome) is an award-winning project (Pionierpreis 2014 and CTI MedTech 2015). The company will exhibit «Carlo» at the Swiss Innovation Forum 2015 on 19th November.

In the i-net interview, Alfredo E. Bruno explained his roadmap for AOT and what drives him to be an entrepreneur.

You are a laser physicist – what brought you to medtech?
Alfredo E. Bruno*: My younger daughter needed difficult orthognathic surgery to correct conditions of the jaw and face. This brought me into contact with Professor Hans-Florian Zeilhofer and Dr. Philipp Jürgens from the Department of Oral and Maxillofacial Surgery at the University Hospital Basel. I was worried about my child, but the surgeons devoted a lot of time to explain the procedure to us. Their pre-operative approach to surgery fascinated me more and more. I asked the surgeons why they were not cutting bones with a miniaturized laser instead of mechanical tools to best reproduce the software-planned intervention. In another project, I had developed a laser of this kind to cut and drill through nails. At this point, we all realized that we could create something very useful together.

How did you gain your knowledge in surgery?
I had absolutely no idea about surgery until I met the surgeons – despite the fact that my father was a rural medical doctor. Indeed, when I see a drop of blood, I panic. But I wanted to know more about this new type of planned and navigated surgery the surgeons were talking about. I managed to find a good 160 publications and about 20 patents in the field, read them during vacations and became a «theoretical» surgeon. Reading these documents, I noticed that Professor Zeilhofer appeared as co-author in many of these publications and realized that he knew a lot about pre-operative planning and navigation. I started to design «Carlo» from scratch using all available state-of-the-art technology, and trying not to be biased by the robotic surgery products already on the market. What worried me most was the software, which is crucial to integrating the whole system. Hans-Florian Zeilhofer introduced me to Professor Philippe Cattin, an expert in navigation who liked the idea from the outset. He was the «missing link» to the realization of «Carlo».

Was it always clear that «Carlo» would be the goal of AOT?
As an entrepreneur, I made it very clear from the beginning that I wanted to have a product rather than a nice academic idea. Instead of writing a business plan, we first applied for patent protection of the innovations. The business plan came afterwards with a business model in which we at AOT would only focus on core technologies and would outsource the technologies mastered by other companies under contractual partnerships in order to reduce development time.

Were you ever afraid that AOT might fail?
While writing the business plan, I clearly saw that there was a need for our product. We had the right founder’s team, but I was worried about the funding, because there was a global economic crisis and investors had become cautious. Therefore, I decided to talk to a few experts I knew in the start-up media in Switzerland before launching the initiative. They reviewed the AOT case and encouraged me to pursue the project, because it was truly innovative and, for this kind of project, they argued that there are always funds available in Switzerland. And indeed, with our first pitch in BioBAC, we gained a lead investor. Shortly afterwards, we won the three stages of Venture Kick and I was then asked to participate in the Swiss Venture Day of CTI Invest to make a pitch. Despite some doubts I had about the completely new surgical device, many potential private and institutional investors were literally queuing right after my presentation to talk to me about the «Carlo» device and AOT as an investment opportunity.

Why do you think your pitch attracted potential investors?
I think the every one of the technical founder’s team had a remarkable technical record which inspired trust, and I also have a good entrepreneurial record, all of which make up the ingredients investors are looking for to fund new projects. The pitch is key to convincing investors. We cannot afford to devote much time to making «professional» slides, but the audience realizes that we have an unbeatable project and know what we are doing; and they can see during the Q&A sessions that we are very authentic.

In the beginning, you faced some criticism with regard to the feasibility of a complex medical device such as «Carlo». Do you still face negative reactions?
No, not anymore! When I started speaking of «cold» laser ablation, many physicists questioned this paradoxical term. Today, after we assessed the remaining surfaces of the bones and captured the ablation process with thermal cameras showing that this cutting method is even cooler than mechanical cuts, nobody has any doubts about our assertion anymore. Another critical issue raised by some experts was depth control. Some argued that we would never be able to have depth control working in real time. Again, this is no longer an issue.

You recently presented this depth measurement system for the first time. How does it work?
With the help of external academic partners we developed a laser interferometric method suitable for our device that provides not only the depth of the cut but also its width right after every laser shot so its entire profile can be reconstructed in real time. This «probing» laser beam is co-axially mixed with other visible pointing laser beams to ensure that the surgeon can observe the cut on the monitor. There are many computer-controlled processes such as the depth control running in parallel during some of the tasks. They are processed by a microprocessor which sends values that are already calculated to the «Carlo brain» to decide what to do next. With this software technology, we are pushing the envelope in three disciplines: laser physics, data processing and synchronization.

Could this know-how be used for other applications in or beyond surgery?
As pioneers in this field, we encounter many new problems to solve. But on the other hand, once we have found the solution, we file for patent protection and, in this way, we’re strengthening our patent protection. Some of these innovations could be used for other applications, but we have to remain focused on one thing: getting device certification. Once we «put our foot on the moon», we could follow up on other options with the technology we have discovered.

It sounds as if you are not facing any difficult situations anymore with AOT?
Problems are constantly arising, but we have a very professional and courageous team that brainstorms the problems at hand in complete transparency and always comes up with one or more solutions. Although scientists are trained to present nice results in conferences while leaving the bad results aside, we are upfront with the bad news. If a problem appears, it’s immediately brought to the attention of the team so we can find a solution together.

What in your opinion are the key factors for an innovative company?
Everyone knows what the main ingredients for innovation are: You have to have a product that addresses a need, a unique proprietary technology, the right people and the financial means. However these ingredients do not guarantee success, and many start-ups that have these ingredients fail. The causes of failure are often underestimated, but should be addressed in the risk analysis of the business plan. A classical killer of technological innovation is when investors strategically decide to sell the start-up to an established competitor. But the buyer wants to get rid of a potential competitor! A possible antidote is to have a good legal adviser. A lawyer can help you to set clear goals for the steps after the acquisition and implement penalties in the contract. Also, it is good to keep the founders of the company in-house, because these people are part of the success and often the «engine» of a start-up.

What makes Switzerland a good place for you to launch a medtech start-up?
I have worked with people and projects in a few countries. What I find unique in Switzerland is the scientific family: Everybody knows each other and has close relationships. For instance, when the issue of a suitable depth control appeared, we spoke to other scientists who had solved similar problems for eye surgery. They came up with friendly and open advice without speculating on what the benefit would be for them. This is by no means the rule in other countries, where often knowledge is seen as power. But the free flow of information in this country is crucial in ambitious high-tech projects.

Where do you see room for improvement of entrepreneurship in Switzerland?
Switzerland already ranks as leader when it comes to innovation, but I see there are three things that could be changed to foster even more innovation – namely, the no-risk mentality, the fear of failure and the loss of reputation. The Swiss education system teaches students to avoid risks instead of focusing on the possible reward associated with a risk. Indeed, the word risk has a negative connotation in Switzerland, but entrepreneurship without risk is as hypothetical as perpetual motion.
How can we overcome our fear of failure? One recipe for passing an exam is «to do the homework in time to get a good sleep the night before». In a high-tech start-up, this recipe means firstly drafting a comprehensive and realistic business plan and strong IP protection. Failure is part of the game, and the question needs to be how fast you can get back up after getting knocked down, not whether you are going get knocked down.
Regarding the loss of reputation, people look at you with suspicion when you’re trying to build your own company based on an unusual idea. And your employer may think you’re not happy with the job. But large established companies don’t have the framework for promoting new ideas. They should support their employees to pursue their own ideas and get trained on founding a new company.

What drives you as an entrepreneur?
I have always tried to do things I like and am capable of realizing. I have always been a curious person. As a child, I built rockets and blew the fuses in our house with my experiments – for example – to split water into O2 and H2 with 240 volts! My grandfather, who was a full-blooded entrepreneur, also taught me the basics of entrepreneurship. I guess the ideal situation for high-tech entrepreneurship is a «born scientist» with a flair for entrepreneurship, as management skills can be acquired.

Do you have any entrepreneurial role models?
Columbus has always fascinated me since childhood. Only later did I realize that he was an incredible entrepreneur who first had to convince the queen to get funds and had to overcome many odds. He definitely had the intelligence, the passion and the courage required to literally embark on such a project. And although pirates are not exactly good role models, they were excellent start-up entrepreneurs. Pirates planned their attacks rigorously in advance, had to get funding or develop advanced boats with higher masts to sail faster. Their structure was similar to a start-up nowadays, and they even had the equivalent to stock option plans, where the loot was distributed among all the hierarchies in proportion to their performance.

Interview: Fabian Käser and Nadine Nikulski, i-net

*Alfredo E. Bruno holds an M.Sc in Quantum Chemistry and a PhD in Laser Physics from the University of Saskatchewan (Canada). Alfredo came to Munich in 1985 as an Alexander-von-Humboldt fellow followed by a teaching position at the University of Zürich. In 1988 he joined Ciba-Geigy and later Novartis where he accumulated more than 25 years of experience in biomedical, preclinical and clinical research in joint projects with Spectra Physics and Chiron Diagnostics.

At Novartis, Alfredo Bruno invented Transungual Laser Therapy for nail diseases, which was the basis for the spin-off of TLT Medical Ltd in 2004, where he was the sole founder and CTO. After three years of successful operation under his leadership, TLT Medical was sold to Arpida Ltd in 2007, where he became the Head of Antifungals. In 2009, he co-founded FreiBiotics in Freiburg (Germany), where he was CEO until mid-2011. In 2011, he co-founded Advanced Osteotomy Tools (AOT), where he is the CEO. He has published over 35 peer-reviewed publications and holds more than 15 patents and has been on the editorial board of three international scientific journals.

report Production Technologies

Chaînes de production, processus de fabrication, le Jura sera présent à Bâle pour le salon...

02.11.2016

report BaselArea.swiss

Trinational bewegt sich etwas am Oberrhein

28.10.2016

report Medtech

«Wir profitieren von jahrelanger Forschung aus Basel»

08.07.2015

Die Schweiz ist Innovations-Weltmeister in vielen Rankings, doch aussichtsreichen Innovationen im Bereich Medizintechnik fehlen in der Schweiz oft die Finanzierungsmittel bis zur Marktreife. Der Start-up Investor MedTech Innovation Partners AG (MTIP) schliesst diese Lücke.

CEO Christoph Kausch erklärt im i-net Interview, was MTIP anders macht als andere Investoren und führt aus, welche Start-up-Projekte für sein Unternehmen besonders interessant sind.

MedTech Innovation Partners ist seit kurzem am Markt präsent. Wie kam es dazu und warum taten Sie diesen Schritt nicht schon früher?
Christoph Kausch*: Vor etwa zweieinhalb Jahren entstand die Idee, die Arbeit und Forschung von Prof. Dr. Dr. Hans-Florian Zeilhofer in ein Geschäftsmodell unter der Marke MTIP zu bündeln. Das heisst, MTIP profitiert von jahrelanger Forschung aus Basel. Seither hat sich die Organisation entwickelt und das Konzept wurde verfeinert. Kurz gesagt: Wir sind von unserer Geschichte her stark in Basel verankert und fördern hier Innovationen. Unser Wirken kann mitverhindern, dass Start-ups mit guten Ideen ins Ausland abwandern, weil sie hier nicht die nötigen Finanzierungsmittel und Wege finden.

Und wer sind die Personen hinter MTIP?
Zum Kernteam gehören neben mir Herr Professor Zeilhofer, Leiter des Hightech-Forschungs-Zentrums am Universitätsspital Basel und sein Leben lang im Bereich Medizintechnik tätig. Ausserdem der Unternehmer und Investor Dr. Felix Grisard, welcher seit über zehn Jahren im Bereich Medizintechnik investiert. Der Verwaltungsrat ist stark besetzt und ebenso hochkarätig ist das Advisory Board. Unsere Kompetenzen reichen von Medizintechnik- und Forschungsexpertise, über Investoren- und Unternehmer-Know-how bis hin zu Wissen im Bereich des Managements von Innovationsprojekten.

Der Verwaltungsrat der MTIP besteht aus sehr namhaften Persönlichkeiten. Wie konnten Sie diese Personen motivieren?
Bisher gab es schweizweit kein Geschäftskonzept mit einer solch starken Vernetzung zu Forschungsinstitutionen. Diese Marktlücke schliessen wir, um in der Schweiz Innovationen zu fördern. Die Aufgabe daran mitzuwirken ist reizvoll.

MTIP verspricht, dass man Wert auf nachhaltige Entwicklung lege. Was wollen Sie anders machen als andere Funds?
Unser integriertes Geschäftsmodell ist langfristig ausgelegt, das schnelle Geld ist nicht unser Ziel. Wir leisten auch einen gesellschaftlichen Beitrag, in dem wir die Innovationskraft am Standort Basel stärken. Was kein anderer Venture Capital Fonds in diesem Bereich besitzt, ist unser einzigartiges Schweizer Netzwerk und unseren exzellenten Zugang zu Forschungseinrichtungen. Auf internationaler Ebene entwickeln wir einen «Innovationsring». Wenn wir zum Beispiel eine klinische Studie für ein Start-up durchführen, können wir diese in gleicher Qualität viel schneller in Zusammenarbeit mit international hochkarätigen Partnern realisieren. Dies verkürzt die Zeit zum Markteintritt enorm.

Was für eine Gegenleistung erwartet MTIP von den Unternehmen, die sie unterstützen?
Für uns sind eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und damit die Personen sehr wichtig. Schutzrechte am Geistigen Eigentum wie Patente oder Marken müssen klar geregelt sein, bevor man die Technologie weiterentwickeln kann. Wir selbst sind ein Minderheitsinvestor und streben jeweils eine Beteiligung von mindestens 10 Prozent an einem Start-up an. Unser Ziel ist es, den Unternehmer hinter der Firma zu unterstützen und ihm dabei zu helfen, die Stolperfallen während einer Unternehmensgründung zu umgehen.

Sie schreiben auf der Website, dass MTIP möglichst frühzeitig einsteigen und die Firmen lang begleiten möchte. Wie lange wollen Sie die Start-ups unterstützen?
Hier in der Schweiz ist es etwas einfacher als anderswo, Seed Capital von 100‘000 Franken bis zu einer Million für die erste Finanzierungsrunde zu erhalten. Unheimlich schwer wird aber die Folgefinanzierung. Dies führt dazu, dass viele Start-ups abwandern müssen. Daher unterstützen wir nach der Seed-Finanzierung auch die Folgefinanzierung. Um dies zu ermöglichen, schliessen wir uns mit anderen Kapitalgebern zusammen.

Die Medizintechnologie ist ein sehr breiter Begriff. Er beinhaltet alles von Mullbinden über Implantate, roboterunterstützte Chirurgie bis hin zu Therapie und Krankenpflege. Worauf legt MTIP bei dieser riesigen Palette den Fokus?
Wir haben fünf Fokus-Bereiche: Imaging, Robotics/Navigation, IT/Big Data Management, Medtech meets Pharma und Smart Materials. Dort liegen unsere Kernkompetenzen, was aber nicht heisst, dass wir andere Bereiche ausschliessen würden. Zudem ist Interdisziplinarität sehr wichtig. Ein Vorbild ist das Hightech-Forschung-Zentrum von Herrn Professor Zeilhofer, wo unterschiedliche Fachrichtungen wie IT, Biologie, Ingenieurswissenschaften, Geisteswissenschaften, Kunst oder Medizin gemeinsam an der besten Lösung für ein medizinisches Problem arbeiten. Denn in Isolation kann man heute nichts Innovatives entwickeln.

Sie haben selbst Erfahrung als Jungunternehmer. Was sind die grössten Herausforderungen für Start-ups und wie kann MTIP helfen, diese zu bewältigen?
Bei Start-ups im Medizintechnikbereich sehe ich zwei grosse Herausforderungen. Zum einen ist es wichtig, dass man sich frühzeitig um eine Zertifizierung oder die regulatorische Zulassung kümmert. Zum anderen müssen die Jungunternehmer von Anfang an darauf achten, dass sie beim Aufbau bereits eine Patentstrategie festlegen. Wir können mit ausgewiesenen Experten in diesem Gebiet aushelfen.

MTIP ist seit kurzer Zeit am Schweizerischen Innovationspark Region Nordwestschweiz in Allschwil domiziliert. Will man so mit dem Technologie- und Innovationsökosystem zusammenarbeiten und Kräfte zu bündeln?
Gerade sind das gesamte Departement Biomedical Engineering und das High-Tech-Forschungszentrum der Universität Basel in das Provisorium in Allschwil gezogen. Um die partnerschaftliche Zusammenarbeit effizient zu gestalten, sind auch wir vorerst dort eingezogen und managen in diesem Umfeld Innovationen und Start-ups. Wo wir zukünftig sein werden, ist noch nicht entschieden, wir sind aber offen für eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Innovationspark der Region Nordwestschweiz.

Die Suche nach Risikokapital ist in der Schweiz anspruchsvoll und zeitintensiv, MTIP verspricht, dies zu erleichtern. Werden Sie heute überrannt von Finanzierungsanfragen?
Die Zahl der Anfragen seit unserem Gang an die Öffentlichkeit hat sich verdoppelt. Nun müssen wir die besten Projekte evaluieren.

Was muss ein Projekt mitbringen, um von MTIP unterstützt zu werden?
Ein wichtiger Punkt ist die Innovation: Wir wollen wissen, was sie vom bisherigen Stand der Technik unterscheidet. Es ist auch wichtig, ob es eine durch ein Patent oder ein Trade Secret schützbare Technologie ist und welches Marktpotenzial das Projekt birgt. Wir legen speziell viel Wert auf ein gutes Management-Team: Sollten Kompetenzen fehlen, helfen wir gerne bei der Suche nach passenden Mitarbeitern. Traditionelle Venture Capital Firmen investieren ihr Geld und warten auf den Exit des Unternehmens.

Wo sehen Sie MTIP in fünf Jahren?
Ziel ist es, in der Schweiz mit einem sehr guten Portfolio an Start-ups präsent zu sein. Eine Organisation wie i-net kann für MTIP eine wichtige Rolle spielen und es wäre toll, wenn der gemeinsame Netzwerkgedanke zu neuen Projekten führen könnte.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, i-net

*Christoph Kausch ist Mitbegründer und CEO von MTIP. Er besitzt fundierte Kenntnisse im Strategiemanagement und darin, Innovationen auf den Markteintritt vorzubereiten. Vor der Gründung von MTIP leitete er während mehreren Jahren die globale Strategieabteilung von Syngenta.
Ausserdem war er Managing Director der Hafiba AG, einer Boutique Investment Firma, bei welcher Christoph Kausch noch immer im Verwaltungsrat mitwirkt. Seine Karriere begann er bei McKinsey & Company, wo er sich in den Bereichen Private Equity und Life Sciences spezialisiert hat.

Christoph Kausch hat an der TU München und am Massachusetts Institute of Technology Management (MIT) in Boston Maschinenbau studiert. Seinen PhD in Innovation & Technology Management machte er an der Universität St. Gallen und der Harvard Business School.

Über MedTech Innovation Partners AG
MedTech Innovation Partners (MTIP) mit Sitz in Basel ist ein Start-up Investor, der sich auf die Medizintechnikbranche spezialisiert. Start-ups, die mit MTIP zusammenarbeiten, profitieren von einer gezielten Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung, einem systematischen Ansatz beim Intellectual Property-Management sowie von einer einzigartigen interdisziplinären Kultur.
Ein lokales Netzwerk, bestehend aus renommierten Schweizer Universitäten und Forschungszentren mit Stärken im Bereich Medizintechnik ermöglicht MTIP den frühen Zugang zu Forschungsergebnissen. Ein internationaler proprietärer «Innovationsring» bietet Forschern und Unternehmern ideale Voraussetzungen, um Innovationen einen effizienten Markteintritt zu ermöglichen.
Webesite von MTIP

 

report ICT

#opendataBS mit zweitem Open Stammtisch in Basel

27.10.2016

report BaselArea.swiss

11. Swiss Innovation Forum am 24. November 2016 in Basel

24.10.2016

report ICT

«Open Data ist auch ein Innovationsimpuls»

05.03.2015

Mit der «Open Government Data Strategie Schweiz» ist der erste Schritt getan. Mehr Offenheit vom Staat wünscht sich Opendata.ch-Mitgründer Hannes Gassert nun auch bei der Beschaffung und findet: «Die grössten Cracks sollten an den grössten Herausforderungen arbeiten – und solche hat der Staat.»

Inwiefern hat das öffentlich zugänglich machen von Daten wirklich etwas mit Innovation zu tun? Geht es nicht primär um Transparenz?
Hannes Gassert: Daten sind der Treibstoff der Wissensgesellschaft. Und die öffentliche Hand hat viele wertvolle, aber nicht personenbezogene Daten. Es ist wichtig, dass diese für alle zugänglich gemacht werden. Doch nicht nur «draussen» bei den Start-ups, KMU und NGO kann dies innovative neue Ansätze möglich machen. Auch verwaltungsintern wirkt Open Data. Wir stellen immer wieder fest, dass Open-Data-Projekte zum Nachdenken zwingen: Welche Daten haben wir überhaupt, woher kommen sie und warum sind sie wertvoll?

Besteht für die öffentliche Hand bezüglich Offenheit der Daten eine Verpflichtung?
Nein. Wichtig ist zuerst einmal, staatlichen Stellen überhaupt die Möglichkeit zu geben, mit der Open Data Community zusammenzuarbeiten, bevor es um Zwänge oder Verpflichtungen geht. Aber natürlich: Die Daten der öffentlichen Hand sollen offene Daten sein und der Öffentlichkeit in geeigneter Form auch zugänglich gemacht werden. Es sei denn, übergeordnete Interessen wie etwa der Persönlichkeitsschutz haben Vorrang. Wohlgemerkt, wir sprechen hier immer von Daten im engeren Sinn, von maschinenlesbaren, nicht personenbezogenen Sammlungen – dazu gehören Karten, Fahrpläne oder Wetterdaten, nicht aber Bundesratsprotokolle und andere Dokumente aus dem Entscheidungsprozess. Die Transparenzfrage stellt sich dort ganz anders. Das Anliegen von Opendata.ch ist es, auf Basis der Daten von Bund, Kantonen und Gemeinden ein faires Innovationsökosystem zu schaffen, indem alle gleich lange Spiesse haben.
Jüngst hat beispielsweise Google bei der SBB nach den Plänen der Bahnhöfe nachgefragt. Damit will Google die Indoor-Navigation ausbauen. Die SBB hat die Daten nicht herausgerückt. Für ein Start-up wäre dies dann auch schon das Ende der Fahnenstange. Google dagegen kann die Bahnhöfe auch selbst erfassen.

Wie macht sich die Schweiz im internationalen Vergleich bezüglich Open Data?
Die Schweiz befindet sich in Europa im hinteren Mittelfeld. Das hat auch mit unserer föderalen Struktur zu tun. Wenn in den USA oder in Grossbritannien ein neuer Präsident oder Premierminister an die Macht kommt, kann er einfach mal proklamieren: «Wir machen jetzt Open Data!» In der Schweiz geht vieles langsamer, dafür sind die Errungenschaften umso stabiler. Derzeit werden gerade eine Reihe von Gesetzgebungen in Bezug auf die Open-Data-Möglichkeiten unter die Lupe genommen. Grundsätzlich geht es aber nicht nur um Gesetze – wichtiger ist der Kulturwandel.

Und der findet allmählich statt?
Ein Anfang ist gemacht. Es gibt nun die «Open Government Data Strategie Schweiz» und ein zuständiges Team innerhalb der Bundesverwaltung. Die Rede ist hier notabene nicht von «Open Data Bund», sondern von «Open Data Schweiz». Will heissen, dass der Bund die Datenplattform betreibt, die dann auch von den Kantonen und Gemeinden für die Offenlegung von Daten genutzt werden kann.

Und warum sollten die Behörden dies tun?
Transparenz schafft Vertrauen. Wer so gut, so genau und korrekt arbeitet wie die Schweizer Behörden, hat viel mehr Chancen als Risiken. Oft wird aber leider davon ausgegangen, dass mehr Transparenz bloss zu mehr Behörden-Bashing führt.

Rankings zu Ärzten oder Spitalleistungen sind aber schon auch problematisch?
Nein, das ist durchaus im Sinne des Bürgers. In Grossbritannien haben solche Rankings zu einer drastischen Reduktion von Spitalinfektionen geführt. Auch für die Schweiz sind entsprechende offene Daten kein Ding der Unmöglichkeit. Wichtig ist, dass wir immer anonymisierte Daten meinen, wenn wir von Open Data sprechen. Von daher sind Ärzteratings oder Lehrerranglisten nicht das Ziel.

Open Data ist ja stark gekoppelt an Open Innovation. Wäre der Staat nicht dafür prädestiniert, über neue Formen der Zusammenarbeit auch neue Ideen zu kreieren?
Sicher, Partizipation und Innovation gehen Hand in Hand. Hackdays, wie wir sie von Opendata.ch organisieren, sind ein Paradebeispiel für Open Innovation und sehr erfolgreich. Indem verschiedene Leute aus allen möglichen Disziplinen zusammenkommen – darunter Designer, Programmierer, Berater, Journalisten oder hoch spezialisierte Fachleute und Forscher –, um während einer kurzen Zeit intensiv an einer Idee zu arbeiten, entstehen viele neue Einsichten, Ideen, Projekte und manchmal gar Produkte. Das ist für alle Beteiligten sehr produktiv.

Dafür braucht es die Offenheit der Behörden, und zwar über das Datenformat hinaus. Wird das auch als Risiko empfunden?
Nun, die IT-Beschaffung des Bundes ist nach diversen Fehlschlägen ja in aller Munde: Das Risiko aber lag dort kaum je in zu viel Innovation oder zu viel Offenheit. Im Gegenteil. Es geht darum, die besten Ideen und die besten Köpfe ins Boot zu holen. Ein gutes Beispiel ist «Obamacare». So hat man die zentrale Plattform, healthcare.gov, zunächst genau so umgesetzt, wie man dies auch hierzulande machen würde. Grosse Spezifikation, viele Berater, klassische IT-Grossdienstleister. Dies führte – wie so oft – zu einem Debakel. Doch jetzt läuft die Sache. Und warum? Weil Obama seine Hacker mit den Kapuzenpullis, die ihn schon im Wahlkampf unterstützt haben, ins Weisse Haus geholt und ihnen volle Unterstützung gegeben hat.

Hat der Staat Angst vor den Geeks?
Aber ja, und nicht nur der Staat. Geeks, wie Sie sie nennen, haben nun mal spezielle Fähigkeiten, und diese wollen sie nicht nur für die Entwicklung von trivialen Games und noch mehr Social-Media-Plattformen einsetzen, sondern auch im Dienste des Gemeinwesens. Der Begriff der Community ist ja nicht umsonst sehr wichtig in diesen Szenen. Bei der öffentlichen Hand gibt es grosse Herausforderungen zu lösen, und dazu sind die Fähigkeiten von Geeks gefragt. In den USA jedenfalls ist zu beobachten, dass die Start-up-Szene sich immer mehr in sogenannte Govware-Projekte involviert. Die Verwaltungs-EDV gilt bei jungen Talenten ja sonst eher als langweilig. Viele halten sich an das durch Leute wie Steve Jobs oder Tim O’Reilly genährte Mantra: Arbeitet an Dingen, die wirklich wichtig sind – «work on stuff that matters!» Und da muss unser Gemeinwesen natürlich weit oben auf der Liste stehen. Wir sollten es hinkriegen, dass die grössten Cracks auch an den grössten Herausforderungen arbeiten.

Sind der öffentlichen Hand nicht die Hände gebunden? So muss man sich ja an die WTO halten.
Um etwas mehr Innovation hineinzubringen, müssen wir nicht die Regeln des Welthandels umkrempeln. Vorschläge dafür gibt es bereits zur Genüge. Ein wichtiger Punkt ist auch hier Transparenz. Dank offengelegten Beschaffungsdaten können disfunktionale Muster erkannt und durchbrochen werden.

Hannes Gassert ist Unternehmer sowie Aktivist und Kurator an der Schnittstelle von Technologie, Medien und Kultur. Er ist im Editorial Board der Lift Conference, Vorstandsmitglied von Opendata.ch und /ch/open, im Verwaltungsrat von Liip sowie Partner bei der Crowdfunding-Plattform wemakeit.com und Mitgründer von skim.com.
Hannes Gassert studierte Informatik und Medienwissenschaften an der Universität Fribourg. Noch während des Studiums gründete er 2003 den Webdienstleister Liip mit, dessen Wachstum er als Geschäftsleitungsmitglied bis 2010 mitprägte.

Interview: swiss made software, geführt von Thomas Brenzikofer
Erschienen in der Publikation «swiss made software – Public Innovation»

report ICT

Städte intelligenter gestalten

13.10.2016

report Production Technologies

Industrietag „Sensorik für Industrie 4.0“ in Freiburg i.Br.

07.10.2016

report BaselArea.swiss

Domenico Scala: „Die Region Basel ist eindeutig unterverkauft“

28.01.2015

Mit Domenico Scala, ehemals CEO Nobel Biocare, CFO Syngenta und Group Treasurer von Roche, ist seit Anfang 2015 ein erfahrener Topmanager aus der Life Sciences-Industrie Präsident von i-net.

Im Interview mit «i-net innovation report» erklärt Scala, warum die Nordwestschweiz als Life-Science-Innovation-Hub nicht nur kommunikativ mehr aus sich machen müsste.

In Sachen Innovation hängen US-Firmen und -Startups den Rest der Welt ab. Warum ist das so?
Domenico Scala: Ist das wirklich so? Ich bin kein Freund von Pauschalisierungen. Ich glaube auch nicht, dass wir in der Schweiz oder in Europa weniger innovativ sind als die USA. Fakt ist jedoch, dass die USA in der Kommerzialisierung von Innovationen und vor allem auch in der Selbstdarstellung sehr viel erfolgreicher sind. Die Liste an technischen Errungenschaften, die in Europa entwickelt, in den USA aber erfolgreich auf den Markt gebracht wurden, ist lang. Denken Sie etwa ans World Wide Web. Auch in der Medizinaltechnik dominieren heute weitgehend amerikanische Unternehmen. Dies sah vor zehn Jahren noch ganz anders aus. Auch Pflanzen-Gentechnologie ist in Europa heute kein Thema mehr, obwohl man hier einst führend war.
    
Letzteres Beispiel hat vor allem mit strikteren Regulatorien zu tun. Ein Innovationskiller?
Regulatorien spielen natürlich eine Rolle. Pflanzen-Gentechnik hat man in Europa abgelehnt. Heute sind über 80 Prozent der weltweiten Soja- und Maisproduktion gentechnisch verändert. Konsumiert werden diese Produkte auch von Europäern. So betrachtet hat man sich ganz klar ins eigene Fleisch geschnitten. Aber der Hauptunterschied zwischen den USA und Europa ist ein anderer: Historisch bedingt ist Europas Wirtschaft seit dem zweiten Weltkrieg auf Schulden gebaut. Die USA dagegen haben immer schon auf Unternehmertum und Risikokapital gesetzt.

Können Sie dies ausführen?
Die Kantonalbanken in der Schweiz wurden im 19. Jahrhundert gegründet, um den Aufbau von Infrastruktur zu finanzieren. Was machen die Kantonalbanken heute? Sie geben Hypotheken und sonst nichts. Die Risikokapitalfunktion gibt es praktisch nicht mehr. Bei den Pensionskassen geht das Geld zu 60 Prozent in Obligationen und zu 40 Prozent in Aktien von börsenkotierten Firmen. In den USA dagegen wird ein deutlich höherer Teil der Vermögen über Venture Funds in den Aufbau von neuen Unternehmen investiert.

Die Konsequenz dieses Systems ist, dass in Europa die strukturerhaltenden Kräfte gestützt werden, wovon vor allem etablierte Anbieter profitieren. Und diese sind nun mal weniger innovativ. Sehen Sie das auch so?
Dass Grossunternehmen nicht innovativ seien, höre ich immer wieder. Doch stimmt das? Die Wahrnehmung in Basel müsste eigentlich eine ganz andere sein. Noch heute haben wir hier zwei Megakonzerne, die seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten weil innovativsten Pharmaunternehmen der Welt gehören. Die meisten Innovationen in der Chemie wurden von europäischen und darunter auch bedeutenden Nordwestschweizer Grossunternehmen vorangetrieben. Ich glaube nicht, dass die Grösse eines Unternehmens allein entscheidend ist – Apple und Google sind ja auch Grossunternehmen. Es ist vielmehr eine Frage der Mentalität. Grossunternehmen sind zudem auch risikofähiger.

Das heisst, in Europa haben wir die Innovationskultur verloren?
Ja, und diese wird einem schon sehr früh mit auf den Weg gegeben. In den USA beginnt dies bereits bei der Ausbildung: Der Amerikaner muss seine Ausbildung weitgehend selber bezahlen. Somit stellt für ihn bereits der Universitätsabschluss eine Investition dar, die er irgendwie finanzieren muss und die sich letztlich auch ausbezahlen soll. Das zieht sich dann weiter. Auch die Universitäten sind dauernd auf der Suche nach Mitteln, um ihre Projekte zu finanzieren. Jeder Präsident einer US-Privatuniversität steht morgens auf und sagt sich: «Heute muss ich zehn Millionen Dollar beschaffen.» Es gibt keine Blanko-Checks. Dies kreiert natürlich Druck und führt letztlich dazu, dass Innovatoren in der kommerziellen Ausrichtung ihrer Projekte sehr viel konsequenter vorgehen müssen. Dies fehlt bei uns. Die ETH oder das Biozentrum der Universität Basel können akademisch mit den besten der Welt mithalten. Wenn es aber um die Anzahl Spin-offs geht, dann ist man höchstens Mittelmass. Beide Systeme haben ihre Pros und Kontras. Fakt ist einfach, dass auf diese Weise in den USA mehr Start-ups aus den Universitäten entstehen als bei uns.

Universitäten sind nicht die einzige Ressource von Neuunternehmen. Basilea oder auch Actelion sind Bespiele für sehr erfolgreiche Spin-offs von Grossunternehmen. Sollte man nicht vielmehr dort ansetzen?
Dies ist sicher ein interessanter Gedanke. Innovationen in etablierten Strukturen haben tatsächlich einen schweren Stand. Es gilt der Ratschlag, wenn man in einer Big Corporation eine wirklich innovative Idee hat, sollte man diese möglichst lange unbemerkt vorantreiben. In vielen Grossunternehmen werden mehr Innovationen abgeschossen als vorwärtsgetrieben. Kodak ist für mich das treffendste Beispiel: So besass man sämtliche Patente für die digitale Fotografie und liess sich dann trotzdem auf dem falschen Fuss erwischen.

Wie lässt sich dies verhindern? Was kann eine staatliche Innovationsförderung wie i-net tun?
Die Frage ist, ob ein Grossunternehmen überhaupt ein Spin-off einer Idee, die es nicht weiterverfolgen will, zulässt oder nicht. Schliesslich weiss man nie, ob das Projekt nicht vielleicht doch noch von Nutzen sein könnte und zudem will man nicht einen potenziellen Konkurrenten kreieren. Es gibt deshalb weit weniger Spin-offs aus Grossunternehmen als man eigentlich erwarten könnte und dies wohl auch möglich wäre. Letztlich müssen solche Ausgründungen ja auch top-down entschieden und umgesetzt werden. Bei Actelion und Basilea war genau dies der Fall. Bottom-up ist dies viel weniger möglich.

Es sei denn, es gibt genügend Risikokapital und eine geeignete Infrastruktur sowie weitere Unterstützungsdienstleistungen für Unternehmer wie Coaching. Genau dies hat ja die Start-up-Förderung unter anderem zum Ziel. Sehen Sie da einen Interessenskonflikt mit der Grossindustrie?
Als Ökonom würde man sagen: Der Staat sollte sich raushalten und solche Entwicklungen dem Markt überlassen. Es gibt allerdings auch eine Einschränkung: Der Markt ist kurzfristig orientiert, Innovationen dagegen brauchen die Langzeitperspektive. Neues entsteht nicht von heute auf morgen. Von der Idee über das Proof-of-Concept und die Finanzierung bis hin zur Markteinführung braucht es nicht selten mehr als ein Jahrzehnt. Von daher ist es sicher nicht falsch, wenn staatliche Institutionen hier mit geeigneten Mitteln und Strukturen an der richtigen Stelle einspringen.

Und wo werden Sie künftig als Präsident von i-net die Hebel ansetzen?
Grundsätzlich ist i-net gut aufgestellt. So finde ich es richtig, dass man auf die thematische Innovationsförderung setzt. Auch die Wahl der Technologiefelder stimmt. Im Zentrum von i-net steht die Vernetzung von Leuten und Themen, dies ist eine wichtige Leistung, die so von der Privatwirtschaft nicht erbracht werden kann. Viele Innovationen finden heute an der Schnittstelle zwischen den einzelnen Technologiefeldern statt. Indem i-net hier eine neutrale Plattform für den Ideenaustausch bietet und zu Kooperationen anregt, kann ein wichtiger Beitrag für die künftige Entwicklung unserer Wirtschaftsregion erbracht werden.

Basel ist ja gewissermassen ein «One-Trick-Pony» und zu einem grossen Teil von Life Science abhängig. Wie wichtig ist es ihrer Meinung nach, dass man diesbezüglich als Wirtschaftsstandort eine gewisse Diversifizierung anstrebt?
Man kann die Fokussierung als Fluch oder als Segen anschauen. Einerseits absorbieren die beiden Grosskonzerne viele Ressourcen und Talente. Andererseits schaffen sie auch viele Werte und grosses Renommée, von der unsere Wirtschaftsregion profitieren kann. Ich denke man sollte auf diese Stärke setzen und dann von da in neue Felder vordringen. So beschäftigt Roche alleine in der Region über tausend ICT-Spezialisten. Das ist schon mal eine hervorragende Basis für eine weitere Entwicklung an der Schnittstelle zwischen Life Science und ICT. Ich denke es gibt dutzende von solchen interessanten Themengebiete, die es vorwärts zu treiben lohnt.

Und wie sehen Sie die Nordwestschweiz im globalen Standortwettstreit positioniert?
Die Region ist eindeutig unterverkauft. Basel wird vielerorts nicht als Life Science-Innovations-Hotspot wahrgenommen. Dass wir dies sind, müsste viel besser kommuniziert werden. Auch darin sind uns die Amerikaner leider einen Schritt voraus. Aber das muss nicht so bleiben.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

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Genomics, Peronalised Medicine, Molecular Modelling: Informatik und Life Sciences kommen sich immer näher. Dabei gehört die Schweiz, anders als in der Enterprise- und Consumer-IT, zu den führenden Wissensstandorten der Computational Life Sciences.
Dennoch rechnet Torsten Schwede nicht mit einer überbordenden Bioinformatik-Startup-Welle. Warum, erklärt der Professor für Struktur- Bioinformatik am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands des SIB Schweizerischen Institut für Bioinformatik im Interview mit i-net.

Zunächst ganz konkret, was alles subsumiert sich unter dem Begriff Bioinformatik?
Torsten Schwede*: Ich verwende den Begriff Bioinformatik nur noch selten. Wir sprechen meistens von «Computational Life Sciences» oder «Computational Biology». Bioinformatik hat zwar einmal mit der Organisation von Sequenzdaten und Sequenzanalyse begonnen, aber eine enge Definition macht eigentlichen keinen Sinn mehr - dafür ist der Bereich zu interdisziplinär geworden. Heute haben fast alle Bereiche der Life Sciences einen «computational» Ableger, und die Themen reichen von Molecular Modelling, über Big Data und Systembiologie, Clinical Bioinformatics bis hin zu Anwendungen im Bereich der personalisierten Medizin. Am SIB Schweizer Institut für Bioinformatik ist eigentlich jede Arbeitsgruppe willkommen, die computergestützte Methoden zur Anwendung in den Life Sciences entwickelt.

Was unterscheidet einen Bioinformatiker von einem Informatiker?
Etwas überspitzt formuliert, bei uns treibt die wissenschaftliche Fragestellung im Gebiet der Lebenswissenschaft die Methodik. Wenn ich eine Frage mit dem einfachsten Algorithmus beantworten kann, dann bin ich glücklich und kümmere mich nicht mehr weiter um die Informatik, sondern um die Fragestellung. In den Computerwissenschaften sind Innovationen in Algorithmen und Technik Ziel der Forschung, und oft finden sich im Nachhinein Anwendungen in verschiedensten Arbeitsbereichen.

Ein Bioinformatiker ist also eher ein Biologe?
Ja, das kann man so sehen, und an der Universität Basel ist die Bioinformatik auch ein Teil des Biozentrums. Früher hatten die meisten Bioinformatiker einen naturwissenschaftlichen Hintergrund wie Physik, Biologie oder Chemie. Vor ein paar Jahren haben wir an der Universität Basel einen Bacherlorstudiengang in Computational Sciences eingeführt. Diese Ausbildung wurde durch eine Zusammenarbeit von Mathematik, Informatik, Physik, Chemie und Biologie entwickelt und bietet ein breites Grundlagenstudium, wobei im zweiten Jahr eine Spezialisierung auf eine der Hauptrichtungen erfolgt. Ziel ist, dass Bachelor-Absolventen dann immer noch die Wahl haben zwischen einem Master in Informatik oder in der gewählten naturwissenschaftlichen Vertiefung Biologie, Chemie, Numerik oder Physik. Wichtig aber ist, dass der Bioinformatiker etwas von beiden Welten kennt.

Das klingt sehr anspruchsvoll – sind das nicht sozusagen zwei Studiengänge in einem?
Der Brückenschlag ist in der Tat äusserst anspruchsvoll und die Absolventen dieses Studiengangs sind absolute Spitze.

Das heisst wohl auch, Sie werden nicht gerade von den Studenten überrannt?
Es gibt ganz klar einen «War for Talents». Gute Studenten können sich heute aussuchen, wo auf der Welt sie studieren wollen. Auf PhD-Ebene rekrutieren wir denn auch international. Die Schweiz und Basel haben dabei weltweit eine sehr gute Ausstrahlung, und in der Bioinformatik gehört die Schweiz zu den drei top Destinationen weltweit. Global gesehen hat die Schweiz die höchste Dichte von Bioinformatikern.

Dennoch haben wir das Problem, dass es in den sogenannten Mintfächern an Nachwuchs fehlt?
Man müsste in der Schule ansetzen: Die wenigsten Maturanden haben eine klare Vorstellung, was ein Wissenschaftler im Alltag so macht und was genau hinter der Informatik steckt. Das Bild vom Biologen, der auf der Wiese sitzt und den Kaninchen beim hoppeln zusieht, trifft einfach nicht zu und muss sich ändern. Zudem sollte man auch vermitteln, dass Naturwissenschaftler gesuchte Leute sind. Soweit ich weiss, haben wir bisher noch keine arbeitslosen Bioinformatiker produziert.

Viele Bioinformatiker arbeiten in der Westschweiz – warum?
Das SIB Schweizerische Institut für Bioinformatik wurde ursprünglich in Genf gegründet, und Swiss-Prot, die weltweit grösste Wissens-Datenbank im Life Sciences-Bereich, hat ihren Sitz in Genf und Lausanne. Diese Datenbank wird vom Bund und von den US National Institutes of Health (NIH) unterstützt und ist für Wissenschaftler der ganzen Welt die Referenzdatenbank für Proteine. Swiss-Prot ist auch der Grund, dass 1998 das SIB gegründet wurde als der Schweizerische Nationalfonds beschloss, die Pflege von Datenbanken nicht mehr zu unterstützen. Daraufhin erhielten wir tausende von Zuschriften aus der ganzen Welt, die sich dafür einsetzten, dass Swiss-Prot bestehen bleibt - auch grosse Pharmafirmen boten Geld an. Durch die Gründung des SIB wurde dafür gesorgt, dass die Datenbank öffentlich blieb. Heute sind mehr als 50 wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus der gesamten Schweiz Mitglied im SIB, und über 600 Wissenschaftler arbeiten an Schweizer Universitäten und ETHs im Bereich der Bioinformatik.

Die Datenberge in den Life Sciences steigen exponentiell an, was ist der Auslöser?
Die Anforderungen an die IT Infrastruktur sind praktisch in sämtlichen Gebieten der Life Sciences massiv angestiegen. So haben zum Beispiel unsere Kollegen am Biozentrum jüngst ein neues Mikroskop gekauft – dieses kann pro Tag zwei Terabyte Daten erzeugen. Wir sehen ähnliche Entwicklungen im Bereich der Genomics und anderer Hochdurchsatzverfahren. Moore’s Law besagt, dass sich die Rechenleistung der Prozessoren alle 18 Monate verdoppelt. Seit ungefähr 2007 reicht dies nicht mehr aus, um mit der Datenproduktion in der Wissenschaft Schritt halten - das Datenwachstum in der Lebenswissenschaft läuft der Rechenleistung davon. Deshalb brauchen wir neben einem Ausbau der IT Infrastrukturen auch schlauere Konzepte und Algorithmen. Und genau da kommen die Bioinformatiker ins Spiel, von der Planung der Experimente über die Analyse der Daten bis zur Modellierung der Systeme basierend auf den Ergebnissen.

Das heisst auch, hier gibt es ein grosses Feld für Innovationen. Warum gibt es dann nicht mehr Bioinformatik-Startups?
Unsere Studenten beschäftigen sich hauptsächlich mit wissenschaftlichen Problemen und möchten auf dieser Ebene ihren Beitrag leisten. Und wenn unsere Studenten Startup-Ideen haben, dann liegen diese häufiger im wissenschaftlichen Bereich und weniger in der Informatik, also etwa in der Molekularbiologie oder in medizinischen Anwendungen.

Wird es irgendwann einen Hersteller einer Bioinformatik-Standardsoftware geben?
Ich sehe momentan keine Anzeichen für eine kommerzielle «Standardsoftware» für Bioinformatik - in vielen Fällen sind wir noch weit von «Standard Workflows» in der Interpretation der Daten entfernt. Die experimentellen Technologien entwickeln sich sehr schnell, und die Entwicklung neuer Methoden und Algorithmen ist ein spannendes Forschungsgebiet. Ich glaube, wir werden auch in Zukunft ein Biotop verschiedener Lösungen und Tools einsetzten. Die wichtigsten Programme in der Bioinformatik sind heute Open Source. In meinem eigenen Arbeitsgebiet sind die akademisch entwickelten Software Tools innovativer und leistungsfähiger als kommerzielle Lösungen. Wichtig sind dabei Standards, die einen reibungslosen Datenaustausch ermöglichen.

Bioinformatik lässt sich also gar nicht kommerzialisieren?
Doch, aber in den meisten Fällen kommt der «added value» in unserem Bereich eher aus Knowhow und Services als dem Verkauf von Software. Es gibt eine ganze Reihe erfolgreicher kommerzieller Anwendungen, wie zum Beispiel der erste nicht-invasive pränatale Test für verschiedene Trisomien in der Schweiz, für den die Bioinformatik von unseren Kollegen am SIB Lausanne entwickelt wurde. Und mit Genedata haben ja eines der erfolgreichsten Bioinformatik Unternehmen direkt vor Ort hier in Basel.

Könnte das Potenzial nicht grösser sein?
Ich denke es gibt ein sehr grosses Potential in diesem Bereich und der Markt entwickelt sich schnell. Aber gerade bei den daten-getriebenen Projekten - etwa im Umfeld von personalised health - spielt die Regulierung keine unwesentliche Rolle. In Ländern wie der Schweiz mit etablierten rechtlichen Strukturen ist der Einstieg für neue innovative Lösungen oft nicht ganz so einfach. In sogenannten «Emerging Markets» dagegen sind die Eintrittshürden sehr viel geringer, und wir sehen in diesen Ländern eine regelrechte Goldgräberstimmung. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Ideen sich am Ende als echte Innovationen im Gesundheitsmarkt durchsetzen werden.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Torsten Schwede ist Professor für «Structural Bioinformatics» am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands am SIB Swiss Institute of Bioinformatics. Als Leiter von «sciCORE» ist er für die Organisation der wissenschaftlichen IT Infrastruktur an der Universität Basel verantwortlich.

 

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«Mit dem Innovationspark sichert sich der Life Science-Standort Nordwestschweiz seine Zuku...

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Professor Joachim Seelig ist seit Anfang des Biozentrums Professor für Biophysik an der Universität Basel und forscht noch immer. Zudem ist er im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) und Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences. Im Interview mit i-net spricht er über die Zukunft der Life Sciences und erklärt, warum der SIP NWCH für die Zukunft des Standorts Basel wichtig ist.

Der Pharmastandort Basel, respektive Nordwestschweiz ist heute unbestritten. Wird dies auch in 30 Jahren noch so sein?
Joachim Seelig*: Natürlich fragt man sich, was in 30 Jahren sein wird. Als ich vor 40 Jahren nach Basel kam, gab es hier nur Chemiefirmen. In den vier grossen Firmen Ciba, Geigy, Sandoz und Roche waren die Forschungsleiter ausgebildete Chemiker. Heute sind diese Positionen von Molekularbiologen oder Medizinern besetzt. Aus der Chemieindustrie ist in den vergangenen Jahrzehnten eine Pharmaindustrie entstanden. Clariant ist noch eine Chemiefirma, und auch Syngenta als Agrokonzern hat das Hauptquartier hier, sie sind aber weit weniger intensiv in der Region verankert als Roche oder Novartis. Wenn wir also zurückblicken sehen wir, dass sich der Standort Basel sehr verändert hat, und diese Veränderung wird auch in den nächsten 30 Jahren weitergehen.

Welche Rolle spielte das Biozentrum der Universität Basel bei dieser Entwicklung?
Das Biozentrum brachte verschiedene Wissenschaften wie Chemie, Physik, Biochemie, Strukturbiologie, Mikrobiologie und Pharmakologie zusammen. Die revolutionären Änderungen durch Biophysik und Molekularbiologie wurden von den Gründungsvätern des Biozentrums geahnt, und man hoffte, dass durch die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Disziplinen etwas ganz Neues entstehen könnte. Ich glaube, es war sehr klug diese verschiedenen Gebiete zusammen zu bringen, und es hat tatsächlich auch zu bedeutenden Ergebnissen geführt.

Und wo steht das Biozentrum heute?
Heute fokussiert man sich sehr stark auf Gebiete wie Neurobiologie und Mikrobiologie, während Biophysik oder Pharmakologie eher in den Hintergrund getreten sind. Das kann sinnvoll sein und grosse Erfolge bringen. Mein persönliches Interesse geht aber in andere Richtungen.

Auf was sollte man denn stattdessen fokussieren?
Für die Eingabe zum Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz wurde mit rund 30 Personen aus dem Life Sciences-Bereich Interviews geführt mit dem Ziel herauszufinden, welche Themen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Dabei zeigten sich drei Themenschwerpunkte. Zum einen das «Biosensing», also die Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Sogenannte «Electroceuticals» sind etwa Pillen, die ihren Wirkstoff erst absondern, sobald sie an einem festgelegten Ort im Körper angekommen sind. Das zweite Thema ist «Biomaterials». Hier könnte man z.B. an Saatgut denken, bei dem jedes Korn in ein Energiepaket verpackt wird, das es auch dann ernährt und zur Entfaltung bringt, wenn es bei Trockenheit gesät wird. Die dritte Thematik ist «Large Number Crunching». Als Folge der mehr und mehr «personalisierten Medizin» werden riesige Datenmengen anfallen. Da gilt es Methoden zu entwickeln, die den Arzt darin unterstützen, sie effizient zu analysieren und zu bewerten.

Wie gut ist die Region Nordwestschweiz in diesen drei Megatrends aufgestellt?
Man muss nüchtern feststellen das wir in praktisch allen drei Gebieten nicht sehr stark sind. Genau dies soll der Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz ändern, der per Anfang 2015 in Allschwil den Betrieb aufnehmen wird. Gibt es denn bereits konkrete Projekte? Ja, das Forschungsprojekt Miracle von Hans-Florian Zeilhofer und Philippe Cattin vom Department Biomedical Engineering der Medizinischen Fakultät der Universität Basel wird erster Untermieter sein. Die Werner Siemens-Stiftung mit Sitz in Zug wird dieses Projekt während fünf Jahren mit insgesamt 15,2 Millionen Franken unterstützen. Es geht dabei um eine Miniaturisierung der Lasertechnologie für die Chirurgie auf eine endoskopische Ebene. Viele Bereiche wie Robotik, Bildgebung und Diagnostik, Sensorik oder Mikromechanik spielen bei diesem Projekt eine Rolle. Grob betrachtet ist es ein Projekt aus der Medizintechnik, in dem Elektronik, Robotik, Bildgebung und Medizin zusammen kommen.

Wie gross soll denn der Innovationspark dereinst werden?
Es ist von mindestens 1000 und später vielleicht 2000 Beschäftigten auszugehen. Diese kritische Grösse ist unabdingbar. Vorbild könnte der Technologiepark in Eindhoven sein. Vor 10 Jahren öffnete Philips dort sein Forschungszentrum mit etwa 2000 Mitarbeitenden für Zusammenarbeit mit externen Gruppen und Firmen. Heute arbeiten dort rund 8000 Leute, und es wird ein Umsatz von rund einer Milliarde Franken generiert. Viele neue Firmen haben sich angesiedelt. Entscheidend für den SIP NWCH wird das Engagement von Firmen wie Roche, Novartis, Actelion oder Syngenta sein. Aber natürlich gilt es auch auswärtige Firmen und Start-ups anzuziehen.

Die Universität Basel gilt nicht als sehr innovationsfreudig, muss nicht auch da etwas geschehen?
Ich kann diese Aussage so nicht stehen lassen. Erst kürzlich wurde untersucht, wie effizient eine Universität arbeitet – und die Universität Basel kam dabei sehr gut weg. Die Universität Basel ist eine Volluniversität. Die Naturwissenschaften stellen nur einen kleinen Anteil, also maximal rund 2000 der insgesamt 12‘000 Studierenden. Deshalb kann man die Zahlen der Uni Basel schlecht mit einer ETH oder EPFL vergleichen, die sich ganz auf Technologien konzentrieren können. Am Biozentrum betreiben wir vor allem Grundlagenforschung, während die angewandte Forschung anderen überlassen wird. Trotzdem haben wir einige Spin-offs generiert. So hatten etwa die Firmen Santhera und 4-Antibodies ihre ersten Labors im Biozentrum.

Was könnte man tun, um mehr Spin-offs in der Region zu erhalten?
Im Innovationspark müssen attraktive Bedingungen geschaffen werden, und ein Scouting an der Universität wäre zu institutionalisieren, damit mehr Projekte entstehen. Ich denke, wir haben hier in der Nordwestschweiz ideale Voraussetzungen. Das Innovationspotential in Basel ist jedenfalls riesig, und es gibt hier bereits viele Start-ups, die hervorragend arbeiten.

Gibt es Themen, welche die Nordwestschweiz verpassen könnte?
Ein Punkt, den man in Basel etwas unterschätzt, ist der Einfluss der Informatik sowie des Internets auf die Biologie und die Life Sciences. In Sachen Informationstechnologie haben wir sicher Aufholbedarf. Persönlich glaube ich an eine stärkere Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Ich hatte schon vor Jahren angestrebt an der Universität ein Department für Bioelektronik zu schaffen, bin aber damit nicht durchgekommen. Im Innovationspark sollten wir aber diese Verknüpfung unbedingt herstellen. Wichtig ist es, die richtigen Talente anzuziehen. Nicht nur Google sollte künftig für die wirklich guten Informatiker attraktiv sein, sondern auch Unternehmen wie Roche oder Novartis.

Sie sind schon länger bei i-net als Leiter Technologiefeld Life Sciences involviert –welche Rolle sollte, kann, müsste i-net in diesem Feld vermehrt wahrnehmen?
Grundsätzlich sind die Leute dankbar, und vielfach auch begeistert, von dem, was i-net für sie macht. Als neutrales Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren kann und wird i-net auch beim Swiss Innovation Park künftig eine starke Rolle spielen. In den Life Science Firmen erlebt man häufige personelle Veränderungen, bedingt vielfach durch die globalen Aktivitäten dieser Firmen. Es wird immer schwieriger, Ansprechpartner zu finden, die kompetent entscheiden können und gleichzeitig eine fundierte Kenntnis unserer Region haben. Die Entscheidungsträger der Privatwirtschaft sind zu sehr in berufliche Anforderungen eingebunden, um Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten in wichtigen Gremien unserer Region zu finden. Das Berufsleben ist schnelllebiger, globaler geworden, worunter die lokalen und regionalen Vernetzungen leiden. Deshalb ist es wichtig, dass mit i-net eine professionelle Organisation diese Rolle übernimmt und institutionalisiert.

Interview: Stephan Emmerth und Nadine Nikulski, i-net

*Professor Joachim Seelig ist einer der ersten Forscher des Biozentrums der Universität Basel und war zwischen 1997 und 1999 sowie von 2000 bis 2009 Leiter dieses Departements. Er ist im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) sowie ehrenamtlicher Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences.

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«Nicht der Standort sondern die regionale Stärke steht im Zentrum»

Die Schweiz sucht nach möglichen Standorten für den Swiss Innovation Park. Und die Region Nordwestschweiz ist gleich mit zwei Projekten («Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» und «PARK innovAARE») im Wettbewerb. Ob sich die beiden Parks konkurrieren und was das Label Swiss Innovation Park für sie bedeutet, erklären André Moeri sowie Giorgio Travaglini im folgenden Interview:

Wozu braucht es Innovationsparks, und warum gleich in der Nordwestschweiz?
André Moeri*: Ob es Innovationsparks wirklich braucht, ist eine Frage der Definition. Innovationsparks sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie so konzipiert werden, dass sie in der Wertkette der Unternehmensgründung den Techno- und Businessparks vorgelagert sind. Der Fokus liegt auf forschungsnahen Projekten und Produkten, die im Innovationspark schnell zur Marktreife gebracht werden. Insofern ist der Innovationspark eine Art Katalysator, wo Projekte reinkommen und beschleunigt als Unternehmen wieder rauskommen, um dann in der entsprechenden Infrastruktur in der Umgebung angesiedelt zu werden, eben etwa in den Business- oder Technologieparks.

Der Innovationspark als Inkubator, ist auch der PARK innovAARE so konzipiert?
Giorgio Travaglini*:
Mit dem PARK innovAARE entsteht ein Ort, wo die Spitzenforschung des Paul Scherrer Instituts und die Innovationstätigkeit der anzusiedelnden Unternehmen effizient kombiniert werden. Das PSI möchte seine Aktivitäten im Bereich des Technologietransfers weiter ausbauen und seine Forschungs- und Technologiekompetenzen verstärkt Unternehmen zugänglich machen. Durch den PARK innovAARE kann die Zusammenarbeit des PSI mit der Wirtschaft weiter vertieft werden. Die Realisierung kompletter Wertschöpfungsketten unter einem Dach – von der anwendungsorientierten Grundlagenforschung bis hin zur Technologieverwertung durch die Unternehmen – ermöglicht einen überaus effizienten Kompetenz- und Technologietransfer. Der PARK innovAARE ist somit eine unternehmerische Erweiterung für das PSI und vice versa und ermöglicht die Realisierung gross-skaliger Projekte mit und durch die Industrie.

Könnte man also sagen, während der PARK innovAARE sehr eng ans PSI gebunden ist, lehnt sich der Innovationspark Nordwestschweiz eher an die Pharmaindustrie an?
Moeri:
Hierzulande werden laut Bundesamt für Statistik nur rund ein Viertel der Forschungs- und Entwicklungsgelder von Hochschulen getragen, der Rest wird von der Privatwirtschaft geleistet. Damit ist die Schweiz im internationalen Vergleich ein Spezialfall. Von den R&D-Investitionen der Privatwirtschaft konzentrieren sich wiederum 40 Prozent in der Nordwestschweiz. Dieses weltweit einmalige Ökosystem rund um die Life Sciences-Industrie möchten wir zusätzlich stützen und den Innovationspark als wichtiger Teil der Wertschöpfungskette positionieren.
Travaglini: Der PARK innovAARE ist vorrangig ein Projekt der Wirtschaft und wird unter anderem durch global tätige Unternehmungen wie ABB oder Alstom sowie durch KMU getragen. Mit der räumlichen Nähe zum PSI - zur Verfügung stehen insgesamt 5,5 Hektar - mit seinen hoch spezialisierten Forschungs- und Technologiekompetenzen bildet der PARK innovAARE für Unternehmen sämtlicher Branchen ein optimales Umfeld, um Innovationen voranzutreiben und diese schneller zur Marktreife zu bringen.

Warum sollte sich eine Novartis, Roche oder Syngenta am Innovationspark anschliessen, diese haben doch eigene Labors und wollen doch nicht mithelfen, künftige Mitbewerber zu inkubieren?
Moeri:
Es geht natürlich nicht um die bessere Forschungs- und Entwicklungs-Infrastruktur. Es wäre vermessen, hier mit den besten der Welt konkurrieren zu wollen. Unser Vorteil ist, dass wir eine neutrale Plattform bieten, auf der unterschiedliche Exponenten aus ganz unterschiedlichen Bereichen kooperieren können. Im Zentrum stehen nicht nur die klassische Medikamentenentwicklung, sondern auch Innovationen in Life Sciences an deren Schnittstellen Vermischungen mit Medtech, Nano und ICT möglich sind.

Und hierfür haben sie auch das Commitments aus der Industrie?
Moeri:
Ja, auf der Stufe Absichtserklärung haben wir die Zusagen aller wichtigen Player. Wir hatten ja insgeheim gehofft, dass die grossen Firmen wohlwollend auf unser Projekt reagieren würden. Das Echo war dann aber überwältigend: «Endlich jemand, der nicht nur Geld will, sondern auch etwas anbietet», so der Tenor.

Wo steht diesbezüglich der PARK innovAARE?
Travaglini:
Das PSI hat innerhalb der Schweiz eine einmalige Position. Die Grossforschungsanlagen, die wir entwickeln, bauen und betreiben, gibt es in dieser Kombination nur am PSI. Diese ermöglichen Untersuchungen und Entwicklungen, die nirgendwo anders in der Schweiz möglich sind – daher sind wir, vor allem im Bereich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung, für innovative Unternehmen per se interessant. Bereits haben etwa 20 international und national tätige Gross- und Kleinunternehmen ihre langfristige, finanzielle Unterstützung sowie die aktive Mitwirkung an der strategischen Entwicklung des PARK innovAARE zugesichert. Diese Trägerschaft soll in den nächsten Monaten noch erweitert werden. Stark vertreten sind Grossunternehmen aus der Energiebranche, die mit unserem Knowhow gemeinsame Projekte lancieren möchten.

Ist PARK innovAARE mehr auf etablierte Unternehmen aus und weniger auf Start-ups?
Travaglini:
Im PARK innovAARE sind sowohl etablierte Unternehmen als auch Neugründungen, wie beispielsweise Spin-Offs des PSI, willkommen. Hinsichtlich Entrepreneurship werden wir hier eng mit der Hochschule für Wirtschaft der FHNW zusammenarbeiten, welche den Neugründungen mit ihren Kompetenzen beratend zur Seite stehen wird. Somit wollen wir mit dem PARK innovAARE das Thema Entrepreneurship noch weiter ausbauen.

Dagegen fokussiert der Innovationspark in Basel auf Entrepreneurship?
Moeri:
Ja und nein. Wir möchten vor allem Projekte, die aus der Industrie kommen, zu Spinn-offs machen. Eine wichtige Komponente ist, Projekte in unserer Region zu behalten, die sonst abwandern, weil sie nicht - oder nicht mehr - in die Unternehmensstrategie der Grossunternehmen passen würden. Wenn etwa eine Produktentwicklung gestoppt wird, weil sich die Strategien der Grosskonzerne geändert haben, können wir mit der Vernetzungsfunktion des SIP NWCH das Projekt in einem neuen Set-up weiter treiben. Wir haben in der Region einige Firmen, die bewiesen haben, dass dies funktioniert. Paradebeispiele sind Actelion oder Rolic, die beide aus der Roche heraus entstanden sind. Der SIP NWCH soll diese Beispiele multiplizieren können.

Inwiefern ist auch eine Zusammenarbeit vorgesehen?
Moeri:
Im internationalen Vergleich ist die Grünfläche zwischen Basel und Zürich ein grösserer Park. Die Distanzen in der Schweiz sind nach globalem Massstab vernachlässigbar. Der Innovationspark Basel und der PARK innovAARE haben schriftlich festgehalten, dass wir zusammenarbeiten werden. Denn der PARK innovAARE hat klare Spezialgebiete und sollten wir Anfragen erhalten, die in den PARK innovAARE gehören, werden wir diese dahin weiterleiten. Auch umgekehrt wird es so sein, dass Projekte aus dem Life Sciences-Bereich zu uns kommen sollen.
Travaglini: Beide Standorte haben eine klare thematisch-inhaltliche Ausrichtung und sind hinsichtlich der Innovationsschwerpunkte wertvolle Ergänzungen füreinander, daher sind regelmässige Austausch-Gespräche vorgesehen. Wichtig ist jedoch auch, wie der Nationale Innovationspark im internationalen Wettbewerb von aussen als Ganzes wahrgenommen wird und bestehen kann. Es geht darum, eine möglichst komplette Palette von Forschungs- und Dienstleistungen, R&D Infrastruktur, Labors, Knowhow, IP und Fachkräften anzubieten. Daher ist es verwirrend für unsere Zielgruppe, von Basel, Aargau oder Zürich zu reden, denn im internationalen Kontext ist es das Gebiet zwischen «Zürich West» und «Basel Ost». Global agierende Unternehmen holen sich die Leistungen ohnehin dort ab, wo sie ihnen am besten angeboten werden. Insofern bin ich ein Anhänger davon, dass sich die einzelnen Standorte gezielt und komplementär auf ihre Stärken fokussieren.

Geht es auch darum, neue Unternehmen aus dem Ausland anzusiedeln oder soll die Schweiz eher von innen heraus wachsen?
Moeri:
Man sollte nicht nur versuchen, Firmen aus dem Ausland in die Schweiz zu bringen, sondern auch berücksichtigen, dass es innerhalb des bestehenden Ökosystems viele Firmen gibt, die ausgebaut werden können und dass in der Region viel Potential vorhanden ist. Firmen aus dem Ausland im Life-Sciences Cluster anzusiedeln unterstützen wir in Zusammenarbeit mit den bestehenden Organisationen natürlich.

Zwei Innovationsparks sind gesetzt: Einer in Lausanne und einer in Zürich. Nun ist der Run auf weitere Parks lanciert. Wo stehen da Aargau und Basel?
Moeri:
Wir haben ein fundiertes Dossier für die Bewerbung der Kantone BL, BS und JU eingegeben und sind zuversichtlich, dass wir ein Teil des Schweizer Innovationsparkes werden. Travaglini: Expertenmeinungen zufolge hat der PARK innovAARE mit seiner inhaltlichen und konzeptionellen Ausrichtung gute Chancen auf einen Netzwerkstandort. Wir freuen uns, dass die Medien diese Einschätzung teilen, zum Beispiel die NZZ in ihrer Ausgabe vom 28. März diesen Jahres.
Moeri: Nicht der Standort sollte für ausländische Interessenten im Mittelpunkt stehen, sondern das jeweilige Fachgebiet, das sich aus der regionalen Stärke ergibt. Unter dem Label Swiss Innovation Park bekommen die bereits existierenden Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung ein Gesicht gegen aussen. Das finde ich hervorragend.

Es geht also darum, einen Brand zu schaffen, der eine ähnliche Wirkung entfaltet wie das Silicon Valley?
Travaglini:
Ja, mit dem Swiss Innovation Park kann sich die Schweiz ganz klar im europäischen und globalen Wettbewerb positionieren. Damit ergreift unser Land eine einmalige Chance. Aber man muss auch den Mut haben zur Fokussierung auf die eigenen Stärken. So gesehen ist das Silicon Valley als Label sicher ein Vorbild.

Wie geht es nun konkret weiter? Was sind die nächsten Meilensteine?
Travaglini:
Am 26. Juni wird die Volkswirtschafts-Direktoren-Konferenz über die Vergabe der Netzwerkstandorte entscheiden. In den nächsten Monaten liegt unser Fokus auf der Erarbeitung von Business Cases und Technologieplattformen für die Akquisition von international tätigen Unternehmen.
Moeri: Wir gehen in zwei Phasen vor. In der ersten Phase werden wir einen Initialstandort beziehen. Wir übernehmen dafür bestehende Labors der Actelion. Im nächsten Jahr wollen wir diese rund 3000 Quadratmeter beziehen und dann sehr schnell starten, ohne, dass wir etwas neu bauen müssen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gross, dass wir dies auch umsetzen, sollten wir das Label nicht erhalten. Dafür haben wir in der Region jetzt schon zu viel bewegt, als dass der Zug jetzt noch aufzuhalten wäre.

Interview: Thomas Brenzikofer, Nadine Aregger

*André Moeri ist Projektleiter des «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH). Er baute unter anderem die Firma Medgate mit auf, die mit 250 Mitarbeitenden im Bereich der Telemedizin und der medizinischen Grundversorgung tätig ist.

*Giorgio Travaglini arbeitet seit 2012 als Leiter Technologietransfer am Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen und ist mitverantwortlich für den PARK innovAARE im Kanton Aargau. Davor war er unter anderem als nationaler Ansprechpartner für europäische Forschungsprogramme am Head Office von Euresearch in Bern tätig.

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