Innovation Report

 
report BaselArea.swiss

In Stärke investieren – Schweizer Leadership in den Life Sciences

15.05.2017

Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre internationale Leadership-Rolle in den Life Sciences behaupten? Im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung sowie von Start-ups über aktuelle Trends und Herausforderungen zu diskutieren.

Die Bedeutung der Life Sciences für die Schweizer Wirtschaft ist enorm. Der Anteil dieser Branche an den gesamten Schweizer Exporten lag im letzten Jahr bei 45%. Ebenso sind die meisten Neuansiedlungen im Healthcare-Bereich tätig. Die Schweiz gilt denn auch als weltweit führender Life-Sciences-Standort mit der Region Basel als ihrem Motor. Vor diesem Hintergrund besuchte heute Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» auf Einladung von BaselArea.swiss und digitalswitzerland die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung über aktuelle Trends und Herausforderungen in den Life Sciences zu diskutieren.

Der Anlass fand bei der Actelion Pharmaceuticals und im Switzerland Innovation Park Basel Area in Allschwil/BL statt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hob die grosse Bedeutung der Region und der Life-Science-Branche hervor: «Die beiden Basel verfügen über eine hohe Dichte an innovativen und erfolgreichen Unternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen. Das erfüllt mich mit Stolz und Zuversicht. Pharma und Chemie gelten zu Recht als Innovationsmotoren.» Um zukünftig ebenso erfolgreich zu sein, dürfe sich die Schweiz aber nicht ausruhen; Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Gesellschaft müssten den digitalen Wandel als Chance nutzen, appellierte er.

Organisiert wurde die Veranstaltung von BaselArea.swiss, der Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, sowie digitalswitzerland, der gemeinsamen Initiative von Wirtschaft, öffentlicher Hand und Wissenschaft, welche die Schweiz zum international führenden digitalen Innovationsstandort gestalten will.

Bundesrat Schneider-Ammann stattet zurzeit führenden Regionen der Schweiz einen Besuch ab, um sich ein Bild über die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Wirtschaftsbranchen zu machen und über erfolgsversprechende Zukunftsrezepte zu sprechen.

Förderung von Biotech-Start-ups

Die Life Sciences gelten als Zukunftsbranche mit grossem Wachstumspotenzial. Doch der Standortwettbewerb wird aggressiver: Andere Regionen in der Welt investieren massiv in die Standortförderung und locken grosse Firmen an. Eine zentrale Frage der heutigen Veranstaltung war denn auch: Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre Leadership-Rolle im internationalen Wettbewerb behaupten?
So verfügt die Schweiz gemessen an der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Life Sciences und verglichen mit anderen führenden Standorten der Welt über vergleichsweise wenige Start-up-Firmen in diesem Industriesektor. Mit der Lancierung von BaseLaunch, dem neuen Accelerator für Healthcare-Start-ups, hat BaselArea.swiss in Zusammenarbeit mit dem Kickstart Accelerator von digitalswitzerland einen ersten Schritt getan. Dennoch fehlt es neben dem Startkapital in der Frühphase der Unternehmensentwicklung insbesondere auch am Zugang zu grossem Kapital, das ein etabliertes Start-up-Unternehmen für die Expansion benötigt. Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss und Member of the Steering Committee digitalswitzerland, meint: «Wir müssen in unsere Stärke investieren. Deshalb brauchen wir Initiativen wie der Zukunftsfonds Schweiz, der es institutionellen Anlegern ermöglichen soll, in innovative Jungunternehmen zu investieren.»

Die Bedeutung einer innovativen Start-up-Szene für den Life-Sciences-Standort Schweiz war dann auch Thema im Roundtable-Gespräch, das Bundesrat Johann Schneider-Ammann unter anderem mit Severin Schwan, CEO der Roche Group, Jean-Paul Clozel, CEO von Actelion Pharmaceuticals, und Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel, führte.

Digitalisierung als Innovationstreiber

Das zweite Thema des Biotech und Digitization Day galt der Digitalisierung in den Life Sciences. Diese stellt laut Thomas Weber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, einen wichtigen Innovationstreiber für die gesamte Branche dar und ist für die Stärkung des Forschungsstandortes Schweiz entscheidend.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann fokussierte in seiner Ansprache auf drei Aspekte: Erstens die Schaffung einer neuen, mutigen Pionier-Kultur, in der Unternehmertum gefördert und belohnt wird, wer etwas wagt. Zweitens mehr Schub für Start-ups durch die Verwirklichung der Initiative für einen privat finanzierten Start-up-Fonds. Und drittens die Ausgestaltung der Rolle des Staates als Ermöglicher, der Freiräume schafft, statt Verbote und Hürden zu erlassen.

In der öffentlichen Diskussionsrunde, an der Vertreter aus Forschung und Wirtschaft sowie Unternehmer teilnahmen, wurde deutlich, dass die Digitalisierung die Life Sciences verändern wird. Man war sich einig, dass die Schweiz über die besten Voraussetzungen verfügt, um eine führende Rolle in diesem Veränderungsprozess zu spielen. Die Grundlage dafür bilden leistungsstarke und global tätige Pharmafirmen, weltweit anerkannte Hochschulen sowie ein innovationsfreudiges Ökosystem mit digital getriebenen Start-ups aus den Bereichen Healthcare und Life Sciences.
Dafür will sich auch digitalswitzerland einsetzen. Healthcare und Life Sciences sind laut Nicolas Bürer, CEO von digitalswitzerland, Schlüsselindustrien, um die Schweiz zum führenden digitalen Innovationsstandort zu machen.

Einen weiteren Beitrag dazu leistet der von BaselArea.swiss in enger Kooperation mit dem Kanton Basel-Stadt lancierten Innovationshub für Precision Medicine, DayOne, der regelmässig eine wachsende Community von derzeit über 500 Experten und Innovatoren zusammenbringt, um Ideen auszutauschen und Projekte voranzutreiben.

report Precision Medicine

The powerful patient

21.11.2017

report ICT

Roche übernimmt Analysefirma

17.11.2017

report BaselArea.swiss

In Basel ensteht ein Innovationshub für Precision Medicine

24.01.2017

Eine von BaselArea.swiss initierte Interessensgruppe von Healthcare-Experten aus der Life Science Industrie und der Forschung lanciert in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt DayOne.

Am Montag, 16. Januar 2017, fanden sich Entscheidungsträger aus Industrie, Universität und Gesundheitswesen auf Einladung von Christoph Brutschin im Basler Volkshaus ein, um der Lancierung von Day One - the innovation Hub for Precision Medicine - beizuwohnen. Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements des Kanton Basel-Stadt machte in seinem Eröffnungsstatement klar, worum es bei der von der Innovation und Standortförderung BaselArea.swiss zusammen mit einem Core Team von Industrieexperten aufgesetzten Initiative geht, nämlich um die nächste Entwicklungsstufe in den Life Sciences, in der sich der Standort Basel weiterhin behaupt soll. Dass die zunehmende Digitalisierung in der Healthcare Industrie nicht nur für Disruptionen sorgen wird, sondern eben auch ein grosses Potenzial birgt, sofern die richtigen Weichen gestellt werden, war dann auch das Leitthema des Abends.

Die Einführung in das Thema kam von Peter Groenen, Head of Translational Science bei Actelion und gemeinsam mit anderen Industrieexperten einer der Initiatoren von Day One. Groenen führte auf, weshalb das lineare Innovationsparadigma, bei dem meist erst spät im Prozess auf klinische Relevanz getestet wird, in Bezug auf Precision Medicine zwangsläufig oft im berühmt-berüchtigten „Valley of Death“ endet. Der Patient, so Groenen, müsse mehr ins Zentrum der Forschung und Entwicklung rücken, und bei sämtlichen Interaktionen mit einbezogen werden. Groenen schloss seinen Beitrag mit der Feststellung, dass in der Region Basel eigentlich sämtliche Komponenten vorhanden seien, um ein neuartiges Innovationsökosystem aufzubauen, bei dem die verschiedenen Kompetenzen und Disziplinen einander nicht nachgelagert sind sondern sich in steter Kollaboration zuarbeiten.

Genau dies ist denn auch Haupttreiber der Initiative DayOne. In der Folge wurden drei Projekte vorgestellt, welche derzeit in der Region Basel umgesetzt werden und durch den Innovation Hub in Precision Medicine zusätzlichen Schub erfahren dürften. Torsten Schwede von der Universität Basel und dem SIB Swiss Institute of Bioinformatics berichtet über das Data Coordination Centre des Swiss Personalized Health Network (SPHN), welche zum Ziel hat, Gesundheitsdaten in der Schweiz  interoperabel und für Forschungszwecke zugänglich zu machen. Christof Kloepper, Managing Director von BaselArea.swiss, stellte BaseLaunch vor. Der Accelerator für Healthcare Ventures wird offiziell Ende Februar lanciert. Laurenz Baltzer von Karger, präsentierte ein ambitioniertes wissenschaftliches Publikationsprojekt zum Thema Digital Biomarkers.

Im Anschluss daran war es an Frank Kumli von Ernst & Young und Mitinitiant von DayOne zu zeigen, was der Hub beinhaltet und wie sich dieser in die Innovationslandschaft der Region einfügt sowie zusätzlich unterstützt.

report Life Sciences

Novartis präsentiert aktuellen Forschungsstand

13.11.2017

report Life Sciences

Evolva sichert Weiterentwicklung ab

09.11.2017

report Invest in Basel region

Roivant Sciences gründet Hauptsitz in Basel

19.12.2016

Basel - Das Biopharmazie-Unternehmen Roivant Sciences wird zukünftig weltweit von Basel als neuem Hauptsitz aus operieren. Gleichzeitig ziehen auch Partnerunternehmen nach Basel. Roivant und seine Partnerunternehmen wurden von BaselArea.swiss unterstützt.

BaselArea.swiss hat Roivant und seine Partnerunternehmen bei der Standortevaluierung und Ansiedlung unterstützt. Die Standortpromotionsorganisation der Nordwestschweiz begrüsst die neuen Unternehmen in der Region. Sie freut sich, dass solche spannenden und schnell wachsenden Firmen Basel für ihren Hauptsitz gewählt haben. „Die Zielsetzung von Roivant besteht darin, bei der Entwicklung neuer Medikamente für Patienten Zeit und Kosten zu reduzieren“, wird Vivek Ramaswamy, Gründer der Firmengruppe Roivant, in der Ankündigung zur Etablierung des neuen Hauptsitzes zitiert. „Wir sind der Überzeugung, dass dieser Standort im Zentrum der Talente und Pharmainnovationen Europas zu diesem Ziel beiträgt.“ Roivant Sciences hat sich auf den Abschluss der Spätphase der Entwicklung von Medikamenten spezialisiert. Dazu arbeitet Roviant unter anderem mit Eisai, GlaxoSmithKline und Takeda Pharmaceuticals zusammen. Zu den Interessensbereichen von Roivant zählen Neurologie, Onkologie, Endokrinologie, Dermatologie und Hepatologie.

Gleichzeitig mit Roivant planen auch Partnerunternehmen, ihren Hauptsitz nach Basel zu verlegen. In der Mitteilung wird darunter die Axovant Sciences Ltd. genannt. Das Biopharmazie-Unternehmen ist auf die klinische Phase bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Demenzkrankheiten spezialisiert. Das Unternehmen beabsichtige, in Basel „eine vollständig integrierte Organisation aufzubauen, welche weltweit wirtschaftliche und medizinische Strategien, Herstellung und Lieferkette, geistiges Eigentum und weitere Firmenfunktionen verwaltet“, wird Mark Altmeyer, Präsident und Chief Commercial Officer von Axovant Sciences, in der Mitteilung zitiert. „Unsere Präsenz in Basel bedeutet den Zugang zu einem erstklassigen Talentpool, der für unseren weiteren Erfolg entscheidend sein wird.“ hs

report ICT

Clinerion erweitert Angebot

01.11.2017

report Micro, Nano & Materials

Waage misst Gewicht von Zellen

27.10.2017

report ICT

Dr. med. App – Digitale Transformation in den Life Sciences

30.11.2016

Die Zukunft gehört den datengetriebenen Therapieformen. Der Standort Basel nimmt die Herausforderung an und investiert in die sogenannte Precision Medicine.
Ein Text von Fabian Streiff* und Thomas Brenzikofer, erstmals erschienen am Freitag, 14. Oktober 2016 in der NZZ Verlagsbeilage „Swiss Innovation Forum“

Nun also auch die Life Sciences: Google, Apple und andere Technologie-Giganten haben den Gesundheitsmarkt entdeckt und bringen neben ihrer IT-Expertise viele Milliarden an Risikokapital mit. Völlig neue, datengetriebene und personalisierte Therapieformen – in einem Wort: Precision Medicine oder kurz PM – versprechen den Gesundheitssektor auf den Kopf zu stellen. Und wo es Veränderung gibt, da gibt es viel zu gewinnen. Zumindest aus Sicht der Investoren.

Anders sieht dies aus Sicht von Big Pharma aus. Für sie steht einiges auf dem Spiel. Gemäss Frank Kumli von Ernst & Young sind die Eintrittshürden bisher relativ hoch: «Wir bewegen uns in einem stark regulierten Markt, da dauert es länger bis Innovationen aufgenommen und durchgesetzt werden können.» Aber auch Kumli ist überzeugt, dass die Richtung vorgegeben ist und die Digitalisierung voranschreitet. Doch sieht er mehr Chancen als Gefahren: Die Schweiz und insbesondere Basel sei hervorragend positioniert, hier eine führende Rolle zu übernehmen. Mit der Universität Basel, dem D-BSSE der ETH, der FHNW, dem FMI und dem Universitätsspital Basel verfüge der Standort über starke Forschungsakteure. Zudem wird die gesamte Wertschöpfungskette in der Region abgedeckt, von der Grundlagenforschung, angewandten Forschung und Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb bis hin zu den Regulatory Affairs sowie entsprechenden IT-Kompetenzen. Zu den wichtigsten Treibern der digitalen Transformation hin zur Precision Medicine gehören digitale Tools, die ein Echt- zeit-Monitoring von Patienten – sogenannte Feedback Loops – ermöglichen. Die Kombination solcher Daten mit Informationen aus klinischen Tests und Genanalysen sind der Schlüssel zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen und damit zu Innovationen.

Landesweit einheitliche Datenorganisation
Ähnlich wie im 16. Jahrhundert die Erfindung des Mikroskops das Feld zur modernen Medizin eröffnete, werden Daten und Algorithmen die Basis liefern, den künftigen Patienten sehr viel präzisere und kostengünstigere medizinische Lösungen und Therapien anbieten zu können. Derzeit besteht die Krux jedoch noch darin, dass die Daten an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Formaten und meist in geschlossenen Systemen vorhanden sind. An diesem Punkt setzt das Projekt unter Leitung von Professor Torsten Schwede am Swiss Inrecistitute of Bioinformatics (SIB) an.

Im Rahmen der nationalen Initiative «Swiss Personalized Health Network» soll von der Leitungszentrale im Stücki Science Park Basel aus eine landesweit einheitliche Datenorganisation zwischen Universitätsspitälern und Hochschulen aufgebaut werden. Der Kanton Basel-Stadt hat eine Anschubfinanzierung für das Projekt bereits beschlossen. Durch die Standardisierung von Datenstrukturen, Semantik und Formaten zum Datenaustausch dürfte die klinische Forschung in der Schweiz – sowohl an Hochschulen sowie in der Industrie – deutlich an Qualität und Attraktivität gewinnen. An Interesse auf der Basis solcher klinischer Daten zu forschen und neue Geschäftsideen zu entwickeln, mangelt es nicht. Dieses zeigte sich anlässlich von Day One, einer von der Innovationsförderung und Standortpromotion BaselArea.swiss mitgetragenen und von der Precision Medicine Group Basel Area organisierten Workshop-Veranstaltung anlässlich der Basler Life Science Week.

Über 100 Experten fanden sich ein, um über zukünftige Geschäftsmodelle zu brüten. Insgesamt 14 Projekt- und Geschäftsideen wurden dabei näher in Betracht gezogen. Diese reichten von der Automatisierung der bildgestützten Diagnose über die Entwicklung von Sensoren in Wearables bis hin zu Smartphone-Apps zur besseren Involvierung von Patienten in den Therapieprozess.

Auch Big Pharma ist dabei
«Die Diversität der Projektideen war erstaunlich und zeigt, dass die Schweiz ein guter Nährboden sein kann für den nächsten Innovations- schritt in der Biomedizin», sagt Michael Rebhan von der Novartis und Founding-Mitglied der Precision Medicine Group Basel Area über- zeugt. Darauf will die Precision-Medicine-Initiative jetzt aufbauen: «Trotz der Innovations- kraft, die wir in den einzelnen Disziplinen sehen, kommt Precision Medicine insgesamt nur lang- sam voran. Die Fortschritte sind in ihrer Gesamtheit noch unzureichend, weshalb wir enger zusammenarbeiten und unsere Anstrengungen integrieren müssen. Es braucht deshalb eine Plattform, wo Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen», ist Peter Groenen von Actelion, ebenfalls Mitglied der Precision Medicine Group Basel, überzeugt.

Das Interesse der Industrievertreter an einem Open Innovation Hub mit einem Precision Medicine Lab als zentralem Bestandteil ist denn auch gross. Hier sollen die Projekte der Stake- holder in einem offenen und kollaborativen Umfeld vorangetrieben werden können. Darüber hinaus soll der Hub Talente und Projektideen von ausserhalb der Region Basel anziehen. Das neuartige Innovationsökosystem rund um Precision Medicine steht noch am Anfang. In einer Pilotphase sollen anhand erster konkreter Anwendungsfälle die Funktionen und Dimensionen des PM Hubs präzisiert werden, um danach die richtigen Partner für den Aufbau des gesamten Hubs zu identifizieren.

Die digitale Transformation voran mitgestalten
Die vielversprechendsten Projekte finden schliesslich Zugang zu einem Accelerator-Programm, wo sie weiter beschleunigt werden und in den bestehenden Innovationsinfrastrukturen wie Basel Inkubator, Technologiepark Basel oder Switzerland Innovation Park Basel Area zu einem Unternehmen reifen können.

Fazit: Die Region Basel schafft die Voraussetzungen, die digitale Transformation in den Life Sciences an vorderster Front mitzugestalten und damit diesen wichtigen Industriezweig für die Schweiz weiter auszubauen sowie für die Ansiedlung neuer Unternehmen attraktiv zu halten.

 

* Dr. Fabian Streiff leitet die Standortförderung des Kantons Basel-Stadt.

report Life Sciences

Basler Pharmaunternehmen liegen bei Forschung vorne

24.10.2017

report ICT

BC Platforms verbessert Forschung an Multipler Sklerose

18.10.2017

report Production Technologies

Keime und Antibiotikaresistenzen – ein Eventthema, das uns alle betrifft

05.10.2016

Bereits zum siebten Mal findet am 25. Oktober 2016 der eintägige Event aus der Reihe der Wassertechnologie statt, den BaselArea.swiss gemeinsam mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (HLS FHNW) organisiert. Am diesjährigen Event dreht sich im „Gare du Nord“ in Basel alles um „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“.

Die Teilnehmer erleben Vorträge und Diskussionen, Institutionen können sich in der Fachausstellung mit Postern zeigen und so zu vertieften Diskussionen anregen. Ein Schlüssel für den langjährigen Erfolg der Veranstaltungsreihe ist die Kooperation der beiden Partner. Thomas Wintgens vom Institut für Ecopreneurship der HLS FHNW betont: „Uns ist die Zusammenarbeit mit BaselArea.swiss sehr wichtig, weil die Organisation ein regional stark vernetzter Akteur im Bereich von Innovationsthemen ist.“

Man habe eine gute Symbiose zwischen spezifischen, fachlichen Kompetenzen und dem Wissen über Themen und Akteure gefunden. „Auch in diesem Jahr ist es uns wieder gelungen, ein komplett neues Thema aufzunehmen“, sagt er. Die Forschungsaktivitäten der Gruppe um Philippe Corvini von der Hochschule für Life Sciences FHNW gaben den ersten Impuls zur diesjährigen Themenwahl.

Philippe Corvini, warum ist das Thema „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ spannend für eine grosse Veranstaltung?
Philippe Corvini: Das Thema ist in den letzten Jahren stärker in den Bereich der Umweltforschung vorgedrungen, immer mehr Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit dem Verhalten und Vorkommen von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt. Zudem haben auch auf nationaler Ebene die Aktivitäten zugenommen, es gibt ein nationales Forschungsprogramm und eine nationale Strategie zum Umgang mit Antibiotikaresistenzen. In den nächsten Jahren wollen wir intensiver untersuchen, wie sich diese Resistenzen zum Beispiel in biologischen Kläranlagen verhalten und welche Faktoren die Weitergabe von genetischen Informationen, die zu Antibiotikaresistenzen führen, beeinflussen.

Welche neuen Erkenntnisse erwarten die Besucher?
Philippe Corvini:
Wir werden am Event die neuesten Ergebnisse unserer Forschung vorstellen. Bisher wurde eine Resistenz relativ simpel erklärt: In der Umwelt existiert ein Antibiotikum, wodurch sich Resistenz-Gene bilden. Diese werden übertragen, die Resistenz verbreitet sich. Wir haben nun entdeckt, dass resistente Bakterien ein Genom besitzen, das sich weiterentwickelt, so dass sie sich am Ende sogar von Antibiotika ernähren können. Diese resistenten Bakterien bauen also die Antibiotika-Konzentration ab, so dass Bakterien, die sonst empfindlich auf den Wirkstoff reagiert haben, nun im Medium überleben und sogar ihrerseits eine Resistenz entwickeln können. Wir hoffen, künftig die Ausbreitung der Resistenzen bremsen zu können.

Wie könnte man dies schaffen?
Thomas Wintgens:
Wir werden demnächst im Pilotmasstab verschiedene Betriebsweisen von biologischen Kläranlagen untersuchen, um herauszufinden, wie diese Verbreitungswege durch Betriebseinstellungen in den Anlagen beeinflusst werden können. Ausserdem forschen wir an Filtern, welche die antibiotikaresistenten Keime zurückhalten und so die Keimzahl stark reduzieren können.

Warum ist die diesjährige Veranstaltung auch für Laien interessant?
Philippe Corvini:
Ich glaube, fast jeder hat eine Meinung zum Thema Antibiotikaresistenz und viele Leute haben eine Ahnung, wie dringend das Thema ist. Schliesslich betrifft das Thema Gesundheit uns alle.

Ein Fachevent – auch für Laien
Laut Thomas Wintgens dürfen die Teilnehmer viele kompetente Redner erwarten: „Wir freuen uns zudem sehr, dass Helmut Brügmann von der Eawag die nationale Strategie und deren Bedeutung für den Umweltbereich vorstellen wird.“

Generell berührt das Thema Wasser uns alle, weil es unser wichtigstes Lebensmittel ist. Wir konsumieren es als Trinkwasser, über Nahrungsmittel oder nutzen es für unsere persönliche Pflege. Gerade deswegen die Wassertechnologie laut Wintgens ein spannendes Thema für eine öffentliche Veranstaltung: „Wasserqualität ist jedem von uns wichtig und es besteht in der Öffentlichkeit ein grosses Interesse an diesem Thema.“ Gleichzeitig würden die Wassertechnologien aber auch Firmen die Möglichkeit bieten, innovative Produkte zu entwickeln und Stellen zu schaffen.

Seit 2009 Plattform für das regionale Netzwerk
Die HLS FHNW veranstaltet seit 2009 gemeinsam mit i-net/BaselArea.swiss die Veranstaltungsreihe im Bereich Wassertechnologie, welche jährlich rund 120 Teilnehmer anzieht. Die Idee, eine Eventreihe zu starten, entstand aus der Überzeugung heraus, dass Wasser in der Region ein wichtiges Thema ist und hier die Wertschöpfungskette vorhanden ist», so Thomas Wintgens. Jedes Jahr setzten die Verantwortlichen neue Themenschwerpunkte, zum Beispiel Mikroverunreinigungen im Wasserkreislauf, Membranverfahren oder Phosphor-Rückgewinnung. Wintgens erklärt: „Jedes Jahr machen Akteure aus der Forschung, der Technologie oder dem Bereich der Anwendungen mit und präsentieren sich vor Ort“.

Der Plattform-Gedanke war den Initianten von Anfang an wichtig, der Event sollte das regionale Netzwerk stärken und Innovationsvorhaben ermöglichen. Diese Strategie hat sich laut Thomas Wintgens bewährt: „Der Anlass ist ein wichtiger Baustein in unserer Öffentlichkeitsarbeit und wurde zu einem festen Treffpunkt der Interessenten und Kooperationspartnern aus der Region“. Viele Teilnehmer würden den Event schon seit Jahren verfolgen und seien jeweils neugierig auf das Thema im nächsten Jahr.

BaselArea.swiss und die Hochschule für Life Sciences FHNW  (HLS) führen am 25. Oktober im „Gare du Nord“ in Basel ein Symposium unter dem Titel „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ mit Referenten aus den Bereichen Forschung, Verwaltung, Wasserversorgung und Technologieanbieter durch. Eine Anmeldung bis 19.10.2016 ist erforderlich.

report Life Sciences

Novartis setzt bei Digitalisierung auf Kooperationen

13.10.2017

report Micro, Nano & Materials

Clariant verlängert Haltbarkeit von Nutrazeutika

11.10.2017

report Medtech

Industry 4.0 – what’s the impact on other sectors?

28.01.2015

On January 22, 2015, NZZ published a very interesting set of articles about the silent revolution in industry and production: industry 4.0 is the digital interlinking of production and value chains (see links below).

The revolutionary phases in industrial production were the introduction of the steam engine and water power, which allowed mechanized fabrication (industry 1.0), the invention of the conveyor-belt, which allowed mass production (industry 2.0), and computers and robots, which enabled automated production (industry 3.0). And today, the next industrial revolution is enabling the physical and virtual systems to be merged through the internet of everything (industry 4.0). The results of digital production are the vertical interlinking of intelligent production systems (smart factories) and the horizontal integration of global value chains, including suppliers and customers.

The sensing of everything becomes reality – not only in production, but also in mobility (self-driving car), in health (quantified self), in logistics (real-time tracking) or in finance (high-frequency trading). But this is only the tip of the iceberg. Sensing and listening (in terms of data exchange) will inform every aspect of what we do. But how do we get the essentials from the vast, unstructured data and how can we benefit from this becoming more effective, more sustainable, more innovative, improving safety, reducing risks and finally improving our habits?

Apart of sensors and data storage, we also require smart brains and emulation power, such as lateral thinking, lean management (bad processes remain bad, even if they become smart through the latest technology) and expert systems (smart and self-learning algorithms based on large data sets, which make decisions without human interaction). The future is bright; some potential advantages include the prediction of failure and conflicts (and thus hopefully their prevention), the personalization of products, services and therapies, automatic maintenance, self-organized logistics, the share economy, energy efficiency in all aspects of our life and so on.

The threats and challenges are also enormous: Data privacy, protection against industrial espionage, data security measures, data banking and so on. Sound solutions are required. We have a lot of opportunities in Switzerland from the internet of everything and expert systems, not only in industry, but in all manner of applications for our daily life. Swiss data banking and Swiss secure cloud are two such potential opportunities. Learn about more the opportunities from the i-net Technology Trend Forum and the i-net technology and business related events.

Related NZZ articles:
«Das Internet kommt in die Fabrik»
«Evolution statt Revolution»
«Auf dem Weg in die Arbeitswelt 2.0»

i-net related information:
Article about the i-net Tech Trend Forum
List of i-net Events

report Accessing China

The changing healthcare system in China

03.10.2017

report Life Sciences

Roche erhält drei wichtige Zulassungen

25.09.2017

report Life Sciences

Therapeutic gene editing is taking off – and Basel is right in the middle

28.01.2015

Very rarely can a scientist claim to have had a fundamental and game-changing impact in his field and beyond. But Jennifer Doudna from University of California, Berkeley, and Emmanuelle Charpentier, who was working at the University of Umeå in Sweden at the time, can claim just that. In mid-2012, when they published their discovery of an RNA-programmable tool (termed CRISPR for Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) which allowed DNA to be cleaved in a very targeted and extremely efficient manner, they created a stir, because this tool could potentially also be used for RNA-programmable genome editing. And only months later, this is exactly what George Church from Harvard and Feng Zhang from the Broad Institute of MIT and Harvard showed in two independent publications: CRISPR could be used to edit the genome of potentially any organism, from yeast to man, whether to introduce new mutations, to correct disease-causing mutations or to insert or remove whole sections of DNA in the genome, and all of this in no time at all. After this the biomedical community was jumping with excitement, and scientists were describing CRISPR as the “holy grail” of genetic engineering and a «jaw-dropping» breakthrough in the fight against genetic disease.

A new era in gene editing
It was not that genomes had not been editable until then. But for higher eukaryotes, such as mice, monkeys, dogs or also human cells, it was a slow, painstaking and expensive process that could potentially take months if not years. But with CRISPR it was possible for the first time to edit the genome very precisely and at unprecedented speed and very little cost. The research community quickly embraced CRISPR as a research tool to engineer custom transgenic lab animals in a matter of weeks—saving about a year's worth of work. This not only enables new model organisms to be established in a very short time for many hitherto hard to treat diseases, such as Alzheimer’s, multiple sclerosis, autism, certain forms of cancer, but also allows cell lines to be edited for drug screening or new approaches to be explored for treating HIV. It might also be possible to for example correct the chromosomal abnormality associated with Down syndrome early in a pregnancy, to reintroduce susceptibility to herbicides in resistant weeds, to bring back extinct animal species and very much more.

On the road to commercialization
From the outset, of course, it was clear that CRISPR would also attract a lot of interest from the biotech world, which is also where Basel enters into the story. So far, three therapeutic biotech companies have been formed around CRISPR, two of them having links to Basel. The first of these was Editas Medicine from Boston, which was launched in late 2013 with $43 million in venture capital from Flagship Ventures, Thirdrock Ventures, Polaris Partners and the Partners Innovation Fund. A few months later, the Basel office of Versant Ventures announced a Series A investment of $25 million to start up CRISPR Therapeutics with headquarters in Basel. And in late 2014, Atlas Ventures and Novartis announced the formation of Intellia Therapeutics (although it had already existed in stealth mode for almost two years) with a Series A investment round of $15 million.

And just recently Novartis also concluded the first biotech-pharma licensing deal in this area with Intelllia, for exclusive rights for ex vivo engineering of chimeric antigen receptor (CAR) T cells (another hot topic in biotech/pharma research these days) and the right to develop a number of targets for ex vivo editing of hematopoietic stem cells. Ex vivo applications, in which cells are extracted from patients and manipulated outside the patient’s body and then re-infused, will very likely be among the first treatments to be developed for Editas Medicine and CRISPR Therapeutics, as this can be addressed with the technology as it stands today. The companies expect clinical trials to begin in as little as three years.

Challenges ahead
One of the big challenges, however, will be to make CRISPR a technology to treat genetic diseases of any kind with a one-time fix that can «edit» out genetic abnormalities and cure disease at the genetic level, potentially in a single treatment, in vivo. But for this to happen, ways have to be figured out for safely and effectively delivering a gene-editing drug into the body, which is still a very big hill to climb.

And there is another issue: The patent situation is in a state of some confusion. The first patent issued went to the Broad Institute of Harvard and MIT and was licensed by Editas Medicine. However, after that patent was granted, Jenifer Doudna, originally one of the co-founders of Editas Medicine, broke off her relationship with the company, and licensed her intellectual property - in the form of her own pending patent - to Intellia Therapeutics. And to confuse the issue further, Emmanuelle Charpentier, who claims that «the fundamental discovery comes from my laboratory», licensed her own rights in the same patent application to CRISPR Therapeutics.

So there appears to be a lot of work for patent lawyers to sort out in the next few months. But despite all the legal wrangling, CRISPR will without doubt continue to transform biomedical research in a way very seldom seen before and be transformative in the way we treat genetic diseases.

More information
General
Youtube Video «Genome Editing with CRISPR-Cas9»
New York Times article «A Powerful New Way to Edit DNA»
The Independent article «The more we looked into the mystery of Crispr, the more interesting it seemed»

Companies
Editas Medecine
CRISPR Theraeputics
i-net article «$25 million in series A financing for Basel-based CRISPR Therapeutics»
Intellia Therapeutics
collaboration with Novartis:
FierceBiotech article «Novartis adopts a CRISPR-Cas9 partner and jumps into the hot new R&D field»
FierceBiotech article «Novartis joins Atlas in launching a CRISPR Cas biotech with a $15M bankroll»
Xconomy article «CART + CRISPR = 1st-Of-Its-Kind Biotech Deal From Novartis, Intellia»

Patents
MIT Technology Review article «Who Owns the Biggest Biotech Discovery of the Century?»
Independent article «Scientific split - the human genome breakthrough dividing former colleagues»
Fiercebiotech article «A biotech war is brewing over control of the revolutionary CRISPR-Cas9 tech»

report Precision Medicine

Patient Data – Faster but with Respect and Trust

14.09.2017

report Life Sciences

Ascensia Diabetes Care erleichtert Insulinmanagement

12.09.2017

report ICT

Torsten Schwede: «Seit 2007 läuft das Datenwachstum in der Wissenschaft der Rechenleistung...

05.11.2014

Genomics, Peronalised Medicine, Molecular Modelling: Informatik und Life Sciences kommen sich immer näher. Dabei gehört die Schweiz, anders als in der Enterprise- und Consumer-IT, zu den führenden Wissensstandorten der Computational Life Sciences.
Dennoch rechnet Torsten Schwede nicht mit einer überbordenden Bioinformatik-Startup-Welle. Warum, erklärt der Professor für Struktur- Bioinformatik am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands des SIB Schweizerischen Institut für Bioinformatik im Interview mit i-net.

Zunächst ganz konkret, was alles subsumiert sich unter dem Begriff Bioinformatik?
Torsten Schwede*: Ich verwende den Begriff Bioinformatik nur noch selten. Wir sprechen meistens von «Computational Life Sciences» oder «Computational Biology». Bioinformatik hat zwar einmal mit der Organisation von Sequenzdaten und Sequenzanalyse begonnen, aber eine enge Definition macht eigentlichen keinen Sinn mehr - dafür ist der Bereich zu interdisziplinär geworden. Heute haben fast alle Bereiche der Life Sciences einen «computational» Ableger, und die Themen reichen von Molecular Modelling, über Big Data und Systembiologie, Clinical Bioinformatics bis hin zu Anwendungen im Bereich der personalisierten Medizin. Am SIB Schweizer Institut für Bioinformatik ist eigentlich jede Arbeitsgruppe willkommen, die computergestützte Methoden zur Anwendung in den Life Sciences entwickelt.

Was unterscheidet einen Bioinformatiker von einem Informatiker?
Etwas überspitzt formuliert, bei uns treibt die wissenschaftliche Fragestellung im Gebiet der Lebenswissenschaft die Methodik. Wenn ich eine Frage mit dem einfachsten Algorithmus beantworten kann, dann bin ich glücklich und kümmere mich nicht mehr weiter um die Informatik, sondern um die Fragestellung. In den Computerwissenschaften sind Innovationen in Algorithmen und Technik Ziel der Forschung, und oft finden sich im Nachhinein Anwendungen in verschiedensten Arbeitsbereichen.

Ein Bioinformatiker ist also eher ein Biologe?
Ja, das kann man so sehen, und an der Universität Basel ist die Bioinformatik auch ein Teil des Biozentrums. Früher hatten die meisten Bioinformatiker einen naturwissenschaftlichen Hintergrund wie Physik, Biologie oder Chemie. Vor ein paar Jahren haben wir an der Universität Basel einen Bacherlorstudiengang in Computational Sciences eingeführt. Diese Ausbildung wurde durch eine Zusammenarbeit von Mathematik, Informatik, Physik, Chemie und Biologie entwickelt und bietet ein breites Grundlagenstudium, wobei im zweiten Jahr eine Spezialisierung auf eine der Hauptrichtungen erfolgt. Ziel ist, dass Bachelor-Absolventen dann immer noch die Wahl haben zwischen einem Master in Informatik oder in der gewählten naturwissenschaftlichen Vertiefung Biologie, Chemie, Numerik oder Physik. Wichtig aber ist, dass der Bioinformatiker etwas von beiden Welten kennt.

Das klingt sehr anspruchsvoll – sind das nicht sozusagen zwei Studiengänge in einem?
Der Brückenschlag ist in der Tat äusserst anspruchsvoll und die Absolventen dieses Studiengangs sind absolute Spitze.

Das heisst wohl auch, Sie werden nicht gerade von den Studenten überrannt?
Es gibt ganz klar einen «War for Talents». Gute Studenten können sich heute aussuchen, wo auf der Welt sie studieren wollen. Auf PhD-Ebene rekrutieren wir denn auch international. Die Schweiz und Basel haben dabei weltweit eine sehr gute Ausstrahlung, und in der Bioinformatik gehört die Schweiz zu den drei top Destinationen weltweit. Global gesehen hat die Schweiz die höchste Dichte von Bioinformatikern.

Dennoch haben wir das Problem, dass es in den sogenannten Mintfächern an Nachwuchs fehlt?
Man müsste in der Schule ansetzen: Die wenigsten Maturanden haben eine klare Vorstellung, was ein Wissenschaftler im Alltag so macht und was genau hinter der Informatik steckt. Das Bild vom Biologen, der auf der Wiese sitzt und den Kaninchen beim hoppeln zusieht, trifft einfach nicht zu und muss sich ändern. Zudem sollte man auch vermitteln, dass Naturwissenschaftler gesuchte Leute sind. Soweit ich weiss, haben wir bisher noch keine arbeitslosen Bioinformatiker produziert.

Viele Bioinformatiker arbeiten in der Westschweiz – warum?
Das SIB Schweizerische Institut für Bioinformatik wurde ursprünglich in Genf gegründet, und Swiss-Prot, die weltweit grösste Wissens-Datenbank im Life Sciences-Bereich, hat ihren Sitz in Genf und Lausanne. Diese Datenbank wird vom Bund und von den US National Institutes of Health (NIH) unterstützt und ist für Wissenschaftler der ganzen Welt die Referenzdatenbank für Proteine. Swiss-Prot ist auch der Grund, dass 1998 das SIB gegründet wurde als der Schweizerische Nationalfonds beschloss, die Pflege von Datenbanken nicht mehr zu unterstützen. Daraufhin erhielten wir tausende von Zuschriften aus der ganzen Welt, die sich dafür einsetzten, dass Swiss-Prot bestehen bleibt - auch grosse Pharmafirmen boten Geld an. Durch die Gründung des SIB wurde dafür gesorgt, dass die Datenbank öffentlich blieb. Heute sind mehr als 50 wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus der gesamten Schweiz Mitglied im SIB, und über 600 Wissenschaftler arbeiten an Schweizer Universitäten und ETHs im Bereich der Bioinformatik.

Die Datenberge in den Life Sciences steigen exponentiell an, was ist der Auslöser?
Die Anforderungen an die IT Infrastruktur sind praktisch in sämtlichen Gebieten der Life Sciences massiv angestiegen. So haben zum Beispiel unsere Kollegen am Biozentrum jüngst ein neues Mikroskop gekauft – dieses kann pro Tag zwei Terabyte Daten erzeugen. Wir sehen ähnliche Entwicklungen im Bereich der Genomics und anderer Hochdurchsatzverfahren. Moore’s Law besagt, dass sich die Rechenleistung der Prozessoren alle 18 Monate verdoppelt. Seit ungefähr 2007 reicht dies nicht mehr aus, um mit der Datenproduktion in der Wissenschaft Schritt halten - das Datenwachstum in der Lebenswissenschaft läuft der Rechenleistung davon. Deshalb brauchen wir neben einem Ausbau der IT Infrastrukturen auch schlauere Konzepte und Algorithmen. Und genau da kommen die Bioinformatiker ins Spiel, von der Planung der Experimente über die Analyse der Daten bis zur Modellierung der Systeme basierend auf den Ergebnissen.

Das heisst auch, hier gibt es ein grosses Feld für Innovationen. Warum gibt es dann nicht mehr Bioinformatik-Startups?
Unsere Studenten beschäftigen sich hauptsächlich mit wissenschaftlichen Problemen und möchten auf dieser Ebene ihren Beitrag leisten. Und wenn unsere Studenten Startup-Ideen haben, dann liegen diese häufiger im wissenschaftlichen Bereich und weniger in der Informatik, also etwa in der Molekularbiologie oder in medizinischen Anwendungen.

Wird es irgendwann einen Hersteller einer Bioinformatik-Standardsoftware geben?
Ich sehe momentan keine Anzeichen für eine kommerzielle «Standardsoftware» für Bioinformatik - in vielen Fällen sind wir noch weit von «Standard Workflows» in der Interpretation der Daten entfernt. Die experimentellen Technologien entwickeln sich sehr schnell, und die Entwicklung neuer Methoden und Algorithmen ist ein spannendes Forschungsgebiet. Ich glaube, wir werden auch in Zukunft ein Biotop verschiedener Lösungen und Tools einsetzten. Die wichtigsten Programme in der Bioinformatik sind heute Open Source. In meinem eigenen Arbeitsgebiet sind die akademisch entwickelten Software Tools innovativer und leistungsfähiger als kommerzielle Lösungen. Wichtig sind dabei Standards, die einen reibungslosen Datenaustausch ermöglichen.

Bioinformatik lässt sich also gar nicht kommerzialisieren?
Doch, aber in den meisten Fällen kommt der «added value» in unserem Bereich eher aus Knowhow und Services als dem Verkauf von Software. Es gibt eine ganze Reihe erfolgreicher kommerzieller Anwendungen, wie zum Beispiel der erste nicht-invasive pränatale Test für verschiedene Trisomien in der Schweiz, für den die Bioinformatik von unseren Kollegen am SIB Lausanne entwickelt wurde. Und mit Genedata haben ja eines der erfolgreichsten Bioinformatik Unternehmen direkt vor Ort hier in Basel.

Könnte das Potenzial nicht grösser sein?
Ich denke es gibt ein sehr grosses Potential in diesem Bereich und der Markt entwickelt sich schnell. Aber gerade bei den daten-getriebenen Projekten - etwa im Umfeld von personalised health - spielt die Regulierung keine unwesentliche Rolle. In Ländern wie der Schweiz mit etablierten rechtlichen Strukturen ist der Einstieg für neue innovative Lösungen oft nicht ganz so einfach. In sogenannten «Emerging Markets» dagegen sind die Eintrittshürden sehr viel geringer, und wir sehen in diesen Ländern eine regelrechte Goldgräberstimmung. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Ideen sich am Ende als echte Innovationen im Gesundheitsmarkt durchsetzen werden.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Torsten Schwede ist Professor für «Structural Bioinformatics» am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands am SIB Swiss Institute of Bioinformatics. Als Leiter von «sciCORE» ist er für die Organisation der wissenschaftlichen IT Infrastruktur an der Universität Basel verantwortlich.

 

report Life Sciences

Evolva erhält Auftrag von US-Regierung

11.09.2017

report BaseLaunch

Weiterer Healthcare-Partner beim BaseLaunch Accelerator

08.09.2017

report Supporting Entrepreneurs

«Europe is very much about stakeholders, Silicon Valley about shareholders»

21.08.2014

Michael Dillhyon is a US entrepreneur and investor living in Zug. Originally, he moved to Switzerland and only wanted to accompany the exit of a US spin-off company. But a growing family and new plans made him stay – he even discovered he has roots in this small country.

In our interview, Michael Dillhyon talks about his past and latest projects and explains what Swiss entrepreneurs do differently from US entrepreneurs.

What brought you to Switzerland and how did you end up staying in Zug?
Michael Dillhyon*: In 2003, I founded a company in the United States called «Netelligent». And we had an opportunity at Netelligent to spin-off a software company called «ActiveObjects» in Europe. The original plan was to be in Switzerland only for a short time until the exit took place and also to enjoy Europe. But in 2004, about two weeks before we were to leave Switzerland, I came home from the office and my wife said: «I’m pregnant.» We already thought that moving to Switzerland was a big change but on top of that, we were even going to have a child in this country.

Originally, you planned to return to the US afterwards. What was your reason to stay?
We liked our life in Switzerland a lot and saw that it was a good place for our children to grow up, but there is also another side to the story. As you may have noticed, I have quite a unique last name. My father discovered that his grandfather’s original name was «Jaeger-Blützinger» – and he was from Glarus. So you see, we moved to Zug firstly for economic reasons, then we stayed for the family and in the end it turned out that I have my roots in this country!

And the European expansion worked out for Netelligent?
Yes, it just evolved! In the end, ActiveObjects was acquired.

What made you become an investor in Swiss companies?
When I sold my stake in Netelligent and we sold ActiveObjects around 2010, I held some board roles and small jobs. Until then, I was not really involved with Switzerland business wise. I thought this was an interesting country and therefore decided to use my entrepreneurial skills. I travelled around Switzerland and realised that the Swiss do not think of themselves as entrepreneurs. But I can see that the idea of entrepreneurship is very strong in Switzerland; however, most of the people are more «lifestyle entrepreneurs». There is a big difference between this and «growth entrepreneurship». Risk capital doesn’t usually get invested in lifestyle entrepreneurship.

What projects are you following now?
When I travelled around Switzerland to make investments, I found that there weren’t enough companies that were ready that I could invest in. So I wanted to change the whole environment to create more investable alternatives. The idea was to change people’s mind-set. The difference between Europe and America is: The European community is all about stakeholders; but in America, in particular, Silicon Valley, it is about shareholders. The workforce here in Europe is not as flexible as it is in the United States.

There are many who think that Switzerland should be imitating Silicon Valley – what is your opinion?
The conservative market economy and the liberal market economy are very different and Switzerland should not try to be Silicon Valley. What’s missing in Silicon Valley is building sustainable long-term businesses. Everybody expects things to happen in three to five year increments. But a Raiffeisen or a Nestlé in Switzerland has a different approach. That’s why healthcare represents an unbelievable opportunity for Switzerland. These companies need long-term planning. The top 100 health software companies with 50 million or more revenue, aren’t fast-burners. Most of them take some time to reach 50 million in revenue and by that time, they are strong and solid.

So what should Swiss entrepreneurs do better?
I talked to many people here and invested in several small companies in Europe and the US between 2008 and 2012. If I approached a company in Switzerland and wanted to know plausible value-enhancing steps about how they were going to return my invested money, I usually got nice product descriptions but no business idea. It seems that for the engineering type of entrepreneurs in Switzerland, talking about figures and future steps are very difficult. They can tell you everything about their product, but they don’t know how to sell, how much money they need as an investment or when they will be able to return my investment.

But they have a business plan, don’t they?
The problem is that you get a cost-curve that goes up and an investment curve that goes down. But nobody can tell you at which steps you are getting to the break-even. I need to hear whom they will be calling to sell their product to.

So what you are saying is that we need more sales people in Switzerland?
Yes! Switzerland has a great history of micro engineering and bioinformatics; it’s the life sciences Mecca! It has the highest number of Nobel Prize winners per capita. But if you ignore Novartis and Roche, there are not many innovative companies left. The Swiss Government is very brave. It puts a lot of money on the table for early stage life sciences research. The problem is, the companies receiving the money need to sell their ideas to investors, to clients and to the media, etc.

But how can innovation be fuelled then?
Clusters of innovation are driving the innovation and building ecosystems. Rather than taking Swiss entrepreneurs to boot camps in Silicon Valley, we need more people who want to be part of this environment like lawyers, designers or marketing people. Because that’s the great thing about Silicon Valley, you can be in any room and create a team overnight because you have all the experts there.

So there aren’t enough talented people in the startup environment?
In the US, everybody is eager to work for equity and wants to be part of the next Facebook. But in Switzerland, nobody wants to be paid in shares and the most talented people take high-level jobs in large pharma companies and in the financial industry.

The big Swiss companies that make up for the innovation index were not built with venture money but with bootstrap money i.e. private people financing them. Is that still a good approach?
I totally believe in this. It shouldn’t be your goal to sell the company; you should rather see if you can sell your stuff. In Switzerland, we have far too many accelerators and incubators where companies easily get seed money! That is not enough; we need to build an ecosystem!

Doesn’t an ecosystem build itself? There is no agency of Silicon Valley.
No it doesn’t build itself; you need to seed the ecosystem. I believe that Silicon Valley got started because of the success of one company called «Fairchild Semiconductors» that triggered the development of the area. Here in Switzerland, we have the pharma business, but none of the big players has a real pipeline. Facebook for example has a serious, game-changing plan underneath the hood but I don’t see this in pharma. Switzerland is a great country to start something in - it is small and has a great setup to build a company. I think we would have a Fairchild in Switzerland if the key players were not so closed and so large. A very innovative company in the healthcare space is needed.

So your big bet on the future is «Healthbank». What is this?
«Healthbank» started in June 2012 and we have a long-term plan. The idea behind it is a platform to hopefully create the next Fairchild. In healthcare, it is still very difficult to trade data back and forth. There are many platforms to have data on, but you can’t trade it. Without a central platform, there is no open healthcare data and therefore, there is no collaboration. A company like Google can’t trade your data, because another big player like Microsoft will never plug into that. A middle ground is needed and our system, Healthbank, is completely unbiased. It’s self-sustainable and we have deep trust and complete interoperability. We started it as a Genossenschaft because this legal form has a long-standing tradition in Switzerland. The idea is that if you give us your personal health data, you become a member of the Genossenschaft.

What is Healthbank doing with my data?
Healthbank is not storing the data, but instead the transactions happening with your data – like credit cards. As a Genossenschaft, we have the trust of people. We are interoperable because the data can be shared through our platform and it acts as an intermediary. It is scalable because health data means a lot of money, as there is a very long supply chain and there are a lot of cross-sectional data. If a pharma company needs data for a study, we can tell you that and you can make the decision. You tell us if you would like to provide your data and then pharma receives it. Plus you receive a bit of money for your participation – it’s very simple.

How has this idea been developed so far?
Healthbank is still going through funding, as it was a bit difficult to find risk capital for a Genossenschaft. Personally, I’m leaving Healthbank as CEO for my next venture, which is to kick off a disruptive biosensor company in Europe. But I believe so strongly in the idea of healthbank, that upon my decision to step down as CEO, I made sure the reigns would be passed to a strong Swiss leader in eHealth. Mr. Reto Schegg is the new CEO of healthbank.

Interview: Thomas Brenzikofer and Nadine Nikulski, i-net

*Michael Dillhyon was until mid-2014 the Founder/CEO of Geneva-based Healthbank, a citizen-owned, global open health data cooperative. In 2013, he was the first Entrepreneur-in-Residence (EIR) for SystemsX, Switzerland’s largest (800M CHF) early stage life sciences fund, and served as a mentor for the ETH Entrepreneurship Lab. Prior to 2013, Mr. Dillhyon served as Chairman of Genebio, a bioinformatics software firm, and sat on the Strategic Advisory Committee for HealthTIES, an EU-backed consortium of four of Europe’s top regions in biosciences, medical technology and health entrepreneurship.

Previous to his move to Switzerland in 2004, Michael Dillhyon co-founded two US-based firms: Netelligent Corporation and ActiveObjects, where he held the roles of President, Chairman and CEO respectively. Mr. Dillhyon holds degrees in Biochemistry and Anthropology, as well as a MBA from the Olin School of Business.

 

report Medtech

«Medtech & Pharma Platform» erneut in Basel

04.09.2017

report Medtech

Basler Apotheke integriert innovative Miniklinik

30.08.2017

report Life Sciences

«Mit dem Innovationspark sichert sich der Life Science-Standort Nordwestschweiz seine Zuku...

09.07.2014

Professor Joachim Seelig ist seit Anfang des Biozentrums Professor für Biophysik an der Universität Basel und forscht noch immer. Zudem ist er im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) und Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences. Im Interview mit i-net spricht er über die Zukunft der Life Sciences und erklärt, warum der SIP NWCH für die Zukunft des Standorts Basel wichtig ist.

Der Pharmastandort Basel, respektive Nordwestschweiz ist heute unbestritten. Wird dies auch in 30 Jahren noch so sein?
Joachim Seelig*: Natürlich fragt man sich, was in 30 Jahren sein wird. Als ich vor 40 Jahren nach Basel kam, gab es hier nur Chemiefirmen. In den vier grossen Firmen Ciba, Geigy, Sandoz und Roche waren die Forschungsleiter ausgebildete Chemiker. Heute sind diese Positionen von Molekularbiologen oder Medizinern besetzt. Aus der Chemieindustrie ist in den vergangenen Jahrzehnten eine Pharmaindustrie entstanden. Clariant ist noch eine Chemiefirma, und auch Syngenta als Agrokonzern hat das Hauptquartier hier, sie sind aber weit weniger intensiv in der Region verankert als Roche oder Novartis. Wenn wir also zurückblicken sehen wir, dass sich der Standort Basel sehr verändert hat, und diese Veränderung wird auch in den nächsten 30 Jahren weitergehen.

Welche Rolle spielte das Biozentrum der Universität Basel bei dieser Entwicklung?
Das Biozentrum brachte verschiedene Wissenschaften wie Chemie, Physik, Biochemie, Strukturbiologie, Mikrobiologie und Pharmakologie zusammen. Die revolutionären Änderungen durch Biophysik und Molekularbiologie wurden von den Gründungsvätern des Biozentrums geahnt, und man hoffte, dass durch die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Disziplinen etwas ganz Neues entstehen könnte. Ich glaube, es war sehr klug diese verschiedenen Gebiete zusammen zu bringen, und es hat tatsächlich auch zu bedeutenden Ergebnissen geführt.

Und wo steht das Biozentrum heute?
Heute fokussiert man sich sehr stark auf Gebiete wie Neurobiologie und Mikrobiologie, während Biophysik oder Pharmakologie eher in den Hintergrund getreten sind. Das kann sinnvoll sein und grosse Erfolge bringen. Mein persönliches Interesse geht aber in andere Richtungen.

Auf was sollte man denn stattdessen fokussieren?
Für die Eingabe zum Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz wurde mit rund 30 Personen aus dem Life Sciences-Bereich Interviews geführt mit dem Ziel herauszufinden, welche Themen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Dabei zeigten sich drei Themenschwerpunkte. Zum einen das «Biosensing», also die Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Sogenannte «Electroceuticals» sind etwa Pillen, die ihren Wirkstoff erst absondern, sobald sie an einem festgelegten Ort im Körper angekommen sind. Das zweite Thema ist «Biomaterials». Hier könnte man z.B. an Saatgut denken, bei dem jedes Korn in ein Energiepaket verpackt wird, das es auch dann ernährt und zur Entfaltung bringt, wenn es bei Trockenheit gesät wird. Die dritte Thematik ist «Large Number Crunching». Als Folge der mehr und mehr «personalisierten Medizin» werden riesige Datenmengen anfallen. Da gilt es Methoden zu entwickeln, die den Arzt darin unterstützen, sie effizient zu analysieren und zu bewerten.

Wie gut ist die Region Nordwestschweiz in diesen drei Megatrends aufgestellt?
Man muss nüchtern feststellen das wir in praktisch allen drei Gebieten nicht sehr stark sind. Genau dies soll der Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz ändern, der per Anfang 2015 in Allschwil den Betrieb aufnehmen wird. Gibt es denn bereits konkrete Projekte? Ja, das Forschungsprojekt Miracle von Hans-Florian Zeilhofer und Philippe Cattin vom Department Biomedical Engineering der Medizinischen Fakultät der Universität Basel wird erster Untermieter sein. Die Werner Siemens-Stiftung mit Sitz in Zug wird dieses Projekt während fünf Jahren mit insgesamt 15,2 Millionen Franken unterstützen. Es geht dabei um eine Miniaturisierung der Lasertechnologie für die Chirurgie auf eine endoskopische Ebene. Viele Bereiche wie Robotik, Bildgebung und Diagnostik, Sensorik oder Mikromechanik spielen bei diesem Projekt eine Rolle. Grob betrachtet ist es ein Projekt aus der Medizintechnik, in dem Elektronik, Robotik, Bildgebung und Medizin zusammen kommen.

Wie gross soll denn der Innovationspark dereinst werden?
Es ist von mindestens 1000 und später vielleicht 2000 Beschäftigten auszugehen. Diese kritische Grösse ist unabdingbar. Vorbild könnte der Technologiepark in Eindhoven sein. Vor 10 Jahren öffnete Philips dort sein Forschungszentrum mit etwa 2000 Mitarbeitenden für Zusammenarbeit mit externen Gruppen und Firmen. Heute arbeiten dort rund 8000 Leute, und es wird ein Umsatz von rund einer Milliarde Franken generiert. Viele neue Firmen haben sich angesiedelt. Entscheidend für den SIP NWCH wird das Engagement von Firmen wie Roche, Novartis, Actelion oder Syngenta sein. Aber natürlich gilt es auch auswärtige Firmen und Start-ups anzuziehen.

Die Universität Basel gilt nicht als sehr innovationsfreudig, muss nicht auch da etwas geschehen?
Ich kann diese Aussage so nicht stehen lassen. Erst kürzlich wurde untersucht, wie effizient eine Universität arbeitet – und die Universität Basel kam dabei sehr gut weg. Die Universität Basel ist eine Volluniversität. Die Naturwissenschaften stellen nur einen kleinen Anteil, also maximal rund 2000 der insgesamt 12‘000 Studierenden. Deshalb kann man die Zahlen der Uni Basel schlecht mit einer ETH oder EPFL vergleichen, die sich ganz auf Technologien konzentrieren können. Am Biozentrum betreiben wir vor allem Grundlagenforschung, während die angewandte Forschung anderen überlassen wird. Trotzdem haben wir einige Spin-offs generiert. So hatten etwa die Firmen Santhera und 4-Antibodies ihre ersten Labors im Biozentrum.

Was könnte man tun, um mehr Spin-offs in der Region zu erhalten?
Im Innovationspark müssen attraktive Bedingungen geschaffen werden, und ein Scouting an der Universität wäre zu institutionalisieren, damit mehr Projekte entstehen. Ich denke, wir haben hier in der Nordwestschweiz ideale Voraussetzungen. Das Innovationspotential in Basel ist jedenfalls riesig, und es gibt hier bereits viele Start-ups, die hervorragend arbeiten.

Gibt es Themen, welche die Nordwestschweiz verpassen könnte?
Ein Punkt, den man in Basel etwas unterschätzt, ist der Einfluss der Informatik sowie des Internets auf die Biologie und die Life Sciences. In Sachen Informationstechnologie haben wir sicher Aufholbedarf. Persönlich glaube ich an eine stärkere Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Ich hatte schon vor Jahren angestrebt an der Universität ein Department für Bioelektronik zu schaffen, bin aber damit nicht durchgekommen. Im Innovationspark sollten wir aber diese Verknüpfung unbedingt herstellen. Wichtig ist es, die richtigen Talente anzuziehen. Nicht nur Google sollte künftig für die wirklich guten Informatiker attraktiv sein, sondern auch Unternehmen wie Roche oder Novartis.

Sie sind schon länger bei i-net als Leiter Technologiefeld Life Sciences involviert –welche Rolle sollte, kann, müsste i-net in diesem Feld vermehrt wahrnehmen?
Grundsätzlich sind die Leute dankbar, und vielfach auch begeistert, von dem, was i-net für sie macht. Als neutrales Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren kann und wird i-net auch beim Swiss Innovation Park künftig eine starke Rolle spielen. In den Life Science Firmen erlebt man häufige personelle Veränderungen, bedingt vielfach durch die globalen Aktivitäten dieser Firmen. Es wird immer schwieriger, Ansprechpartner zu finden, die kompetent entscheiden können und gleichzeitig eine fundierte Kenntnis unserer Region haben. Die Entscheidungsträger der Privatwirtschaft sind zu sehr in berufliche Anforderungen eingebunden, um Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten in wichtigen Gremien unserer Region zu finden. Das Berufsleben ist schnelllebiger, globaler geworden, worunter die lokalen und regionalen Vernetzungen leiden. Deshalb ist es wichtig, dass mit i-net eine professionelle Organisation diese Rolle übernimmt und institutionalisiert.

Interview: Stephan Emmerth und Nadine Nikulski, i-net

*Professor Joachim Seelig ist einer der ersten Forscher des Biozentrums der Universität Basel und war zwischen 1997 und 1999 sowie von 2000 bis 2009 Leiter dieses Departements. Er ist im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) sowie ehrenamtlicher Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences.

report Life Sciences

Novartis nutzt Smartphone für MS-Studie

22.08.2017

report Life Sciences

Cellestia nimmt klinische Entwicklung auf

15.08.2017

report Micro, Nano & Materials

«Nanomedizin ist ein zentrales Standbein der Medizin der Zukunft»

05.06.2014

Notfälle, Pikettdienst, lange Arbeitszeiten: Trotz einem herausfordernden klinischen Umfeld ist es für Professor Patrick Hunziker (im Bild links) sehr wichtig, seine ärztliche Aufgabe am Patienten mit dem akademischen Auftrag einer Uniklinik, der Weiterentwicklung der Medizin, zu kombinieren. Deshalb widmet er sich in ruhigeren Momenten mit seiner Forschungsgruppe der Erforschung neuer Diagnostik- und Therapiemethoden der Nanomedizin. Der Kardiologe arbeitet als stellvertretender Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsspitals Basel und gilt als ein Pionier der Nanomedizin. Neben seinem anspruchsvollen Pensum als Arzt und Forscher ist Hunziker ausserdem Mitbegründer der CLINAM-Stiftung und des Start-ups «Speroidals GmbH».

Beat Löffler (Bild rechts) arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen. Er leitet die CLINAM-Stiftung und betreibt intensiv Öffentlichkeitsarbeit für die Nanomedizin. Gemeinsam haben die beiden den jährlich in Basel stattfindenden CLINAM-Summit zu einem international beachteten Kongress für Nanomedizin gemacht. Im Interview erklärt Patrick Hunziker, warum der Begriff Nanomedizin wohl bald verschwindet und Beat Löffler zeigt auf, warum zehn Minuten Redezeit an einem Kongress ausreichen.

Herr Professor Hunziker, wie sind Sie zur Nanomedizin gekommen, gab es da ein besonderes Schlüsselerlebnis?
Patrick Hunziker*:
Ich arbeitete in den späten 90er-Jahren in der Kardiologie und da wurde mir einmal die Frage gestellt, ob ich wisse, was Nanotechnologie sei. Ich hatte ehrlich gesagt wenig Ahnung von diesem jungen Feld und nahm deshalb die Einladung zu einer Tagung von Nanowissenschaftlern in Bern an. Ich habe dort viel über die wissenschaftlichen Grundlagen gehört, aber mich interessierte vor allem, wie die Nanomedizin einen Beitrag zur Entwicklung der Medizin und letztlich zum Wohlergehen der Patienten leisten kann. Nanomedizin war zu diesem Zeitpunkt noch ein völlig unerforschtes Feld. Wenn man 1998 nach Nanomedizin gesucht hat, fand man vielleicht 200 Referenzen in der Fachliteratur, die praktisch ausschliesslich als «Science Fiction» einzustufen waren.

Und das hat Sie nicht stutzig gemacht?
Hunziker: Ich fragte mich, was davon Realität werden könnte. Nach einigen Jahren der Forschung auf diesem Gebiet traf ich Beat Löffler, der in Basel eine Konferenz über Nanomedizin machen wollte. So gründeten wir 2007 die CLINAM-Stiftung. Beats primäres Interesse war, die Nanomedizin interdisziplinär vorwärts zu bringen, ihm schwebte ein internationales Expertennetzwerk vor. Wir initiierten die Gründung der Europäischen Gesellschaft für Nanomedizin, bauten das European Journal of Nanomedicine auf und fingen unsere Kongressreihe an. Dank der CLINAM-Stiftung konnten wir von Industrie bis Akademie alle Aspekte der Nanomedizin Stück für Stück abdecken und den Dialog fördern.

Wie hat sich das Thema Nanomedizin in Tagungen entwickelt?
Beat Löffler*: Als wir im Jahr 2007 in Griechenland an einer Tagung der European Technology Platform on Nanomedicine teilnahmen, kamen etwa 100 Teilnehmer, aber der einzige anwesende Mediziner war Patrick Hunziker – er war ein Pionier. Alle anderen waren Biologen, Pharmakologen, Ingenieure und Chemiker. Wir fragten uns, wo die Mediziner geblieben waren und entwarfen daraufhin eine eigene Konferenz, die 2008 erstmals in Basel stattfand. Bis heute beginnt sie mit Klinikern, welche über ungelöste Probleme in der Medizin sprechen. Danach kommen Experten der Nanotechnologie zum Zug, die berichten, wie man diese Krankheiten mit nanotechnologischen Lösungsansätzen angehen kann. Mit den Jahren kamen Fragen der Gesetzgebung, Diskussionsrunden über die Risiken und Chancen sowie erste Ergebnisse für Medikamente und Geräte in präklinischen und klinischen Studien hinzu. Von Beginn an waren auch die Themen Ethik, Toxizität und Armutserkrankungen wichtig – das hatte in diesem Gebiet Pioniercharakter.

Was ist denn Nanomedizin genau?
Hunziker: Nanowissenschaften beschäftigen sich mit einer Lücke. Von der Makroebene führte die Miniaturisierung zu Objekten der Mikrotechnologie; auf der anderen Seite beschäftigen sich Chemiker mit molekularen Strukturen. Dazwischen, also zwischen der Mikroebene und der Welt der Atome und Moleküle, liegt der Nanometer-Bereich. Allerdings war das Verständnis hierfür mangels guter Untersuchungsmethoden bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts sehr beschränkt. Dies gilt auch für die Medizin: Körperzellen bestehen aus Nanostrukturen, die das Leben überhaupt ermöglichen. Dank der Nanomedizin hat man heute ein grösseres Verständnis für die Lebensprozesse und wir haben gute Fortschritte bei der Diagnose und der Therapie von Krankheiten erzielt. Es wird immer offensichtlicher, dass die Nanomedizin eines der ganz zentralen Standbeine der Medizin der Zukunft ist.

Wie reagieren Sie auf die Ängste, die es in der Bevölkerung zum Beispiel vor Nano-Robotern im Gehirn gibt?
Hunziker: Die Frage von Nutzen und Risiken war von Anfang an ein Thema. Es ist wichtig, dass man auch in der Nanomedizin wie für alle Technologien die Möglichkeiten und Gefahren genau untersucht und abwägt. Ich verwende Nanotechnologien nur dort, wo ich nach Prüfung aller Risiken einen echten Mehrwert für den Patienten sehe. Da bin ich sehr kritisch. Aber wenn ich das nicht wäre, würde ich ja mein Berufsziel verfehlen. Es ist sehr wichtig, dass die Forschung von allen Verantwortlichen, also den Forschern, den Gutachtern und den Regulierungsbehörden so geprüft wird, dass Risiken für die Patienten praktisch ausgeschlossen werden können.

Was ist die Rolle der CLINAM-Stiftung und welche Aufgaben hat diese?
Hunziker: Das Ziel der Stiftung ist es, die Anwendung der Nanowissenschaften in der Medizin zu fördern, ihre Chancen und Risiken zu erkennen und sie zum Vorteil für den Patienten einzusetzen.
Löffler: Die Stiftung möchte ein Netzwerk von Fachleuten der Nanowissenschaften aufbauen. Dies ist uns weitgehend gelungen, die Stiftung hat heute internationale Kontaktpunkte und es herrscht ein reger Austausch. Fast ein Drittel der 500 Teilnehmer des Kongresses sind Mediziner und Kliniker. Aber auch der Anteil von Teilnehmern aus der Industrie wächst stetig. Der jährlich in Basel stattfindende CLINAM-Summit für Nanomedizin und «Targeted Medicine» ist eine weltweite Plattform für Experten. Nun steht der 7. Kongress bevor und wir freuen uns, dass die internationalen Regulierungsbehörden den CLINAM-Summit als neutrale wissenschaftliche Plattform ausgewählt haben um das «International Regulators Meeting on Nanotechnology» durchzuführen. Neben diesem Meeting an welchem ausschließlich Regulierungsverantwortliche zugelassen sind, werden die Regulierungsverantwortlichen aus allen fünf Kontinenten unter der Leitung der Generaldirektion der EU auch eine öffentliche Debatte über die weltweite Harmonisierung der Gesetzgebung sowie die einheitliche Definition von Nanomedizin führen.

Neben Ihrer Aufgabe als Chefarzt leiten Sie eine Forschungsgruppe aus der sogar das Start-up «Speroidals GmbH» hervorging. Wie funktioniert das?
Hunziker: Ich erhoffe mir, dass durch die Nanowissenschaften Einsichten gewonnen und zum Wohle der Patienten umgesetzt werden können. Aber der Sprung von der akademischen in die industrielle und dann in die klinische Phase ist schwierig, die regulatorischen Hürden sind sehr hoch. Die Nanomedizin dringt deshalb nur sehr langsam bis zu den Patienten vor. Das heisst, dass es in dieser Phase sehr wichtig ist, dass sich Forscher frühzeitig Gedanken machen, wie aus ihrer Idee ein umsetzbares Produkt wird, und sich die Kliniker überlegen, wie sie die neuen Möglichkeiten in die Behandlungsstrategien integrieren. Ich möchte eigentlich nicht sehen, dass eine Schweizer Innovation wegen fehlender Entwicklungsmöglichkeiten in die USA verkauft werden muss. Diese Arbeitsplätze würde ich lieber in der Schweiz behalten.

Existiert eine Zusammenarbeit mit «Big Pharma»?
Löffler: Pharmafirmen sind natürlich mit Begriffen wie «Nanotechnologie» vorsichtig und beobachten das Technologieumfeld genau, um nicht aufgrund eines Technologie-Labels eine falsche Botschaft zu vermitteln. In den USA und in England ist der Terminus Nanomedizin als «Anwendung der Nanotechnologie in der Medizin» heute bereits gut akzeptiert. Der Begriff «Nanomedizin» braucht noch etwas Zeit, bis alle Stakeholder ihn unbeschwert nutzen. Dass der Begriff immer klarer definiert wird und die Regulierungs-Behörden eine internationale Definition anstreben, hilft stark.
Hunziker: Die Entwicklung neuer Medikamente wird immer teurer. Deshalb müssen auch Pharmafirmen verstehen, welche neuen Geschäftsmodelle realistisch sind. Bereits heute ist die personalisierte Medizin ein starkes Schlagwort. Die Nanomedizin ermöglicht es, verschiedene Aspekte wie zum Beispiel Medikamententransport im Körper, Rezeptorbindung und die zelluläre Wirkung in einem Objekt zu kombinieren. Es ist also möglich, durch unterschiedliche Kombination dieser Aspekte ein riesiges Spektrum an massgeschneiderten Therapien anzubieten, welche für bestimmte Patienten optimiert werden. Gleichzeitig bedeutet dies aber für die Industrie und für die regulatorischen Behörden auch in vieler Hinsicht ein Umdenken.

Vielen ist noch nicht bewusst, dass die CLINAM, ein weltweit beachteter Summit über Nanomedizin mit mehr als 500 Teilnehmern, in Basel stattfindet. Wie bekannt ist CLINAM und was macht das Besondere aus?
Hunziker: Tatsächlich ist unsere Konferenz in der Region noch immer relativ unbekannt, was im Gegensatz steht zur Bedeutung, die der Anlass weltweit gewonnen hat. Mit der Konferenz wollen wir etwas tun, was gut für die Menschen und für den Standort Basel ist. Heute können wir immerhin sagen, dass unsere Konferenz in der Region Basel bei der siebten Durchführung vielen Fachleuten bekannt ist und die internationalen Opinion Leaders in diesem Gebiet zusammenbringt. Wir möchten sie auch ganz gern in der Region behalten. Vor allem, weil uns am Anfang viele alt eingesessene Basler geholfen haben, unser Projekt in die Realität umzusetzen.
Löffler: Wir haben dieses Jahr internationale Referenten aus 29 Ländern am CLINAM-Summit. Das CLINAM-Konzept ist als «Debate Conference» strukturiert – eine Methode, die ich 2005 entwickelt habe. Jeder Redner hat zehn oder fünfzehn Minuten Zeit, um sein Thema vorzustellen. Das ist wenig, die Speaker müssen den Vortrag sehr gut erarbeiten, um anzukommen. Die Diskussion der Themen in die Tiefe findet im Anschluss an mehrere Kurzvorträge statt und wird später in den Lounges im Foyer vertieft. Das macht CLINAM zu einem sehr lebendigen Anlass.

Wie wichtig ist Öffentlichkeitsarbeit für Sie und CLINAM?
Löffler: Es wäre sehr gut, wenn wir nicht nur Fachkräfte, sondern auch die Öffentlichkeit für unser Thema interessieren könnten. Wir hatten dazu bisher einfach zu wenig Zeit und Kapazität. Patrick Hunziker hat schon öfter Vorträge auch für Laien durchgeführt, um zu erklären, was die Nanowissenschaften sind und was die Nanomedizin genau beinhaltet. Er war auch an Schulen und konnte dieses komplexe Thema den Schülern einfach und verständlich näherbringen. Natürlich würde es uns freuen, wenn unser international ausgerichteter Kongress auch regional bekannter würde. Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, einen Anschlusstag für die breite Öffentlichkeit zu organisieren.
Wie könnte man die Stiftung und den Kongress besser unterstützen?
Hunziker: Wir hoffen natürlich, von der Universität noch mehr Rückenwind zu spüren. Es wäre auch schön, wenn die Finanzierung eines Tages einfacher werden könnte, indem sich der Standort Basel längerfristig für das Projekt CLINAM engagiert und anerkennt, dass es als Unikat förderungswürdig ist. Basel ist ein guter Standort und ich bin sicher, dass die Region von unserem Kongress und der Stiftung profitiert.

Wo sehen Sie die Nanomedizin in 10 Jahren?
Hunziker: Die Nanomedizin wird zu einer Grundlagentechnologie der Medizin der Zukunft. Dies wird so normal sein, dass der Begriff «Nanomedizin» vielleicht sogar verschwindet. Bei den heutigen Smartphones spricht auch keiner mehr von Mikrotechnologie, obwohl dies faktisch der Fall ist – und genau das wünsche ich mir für die Nanowissenschaften. In der medizinischen Diagnostik wird meines Erachtens die Technologie bald angewendet und die personalisierte Medizin wird in 15 bis 20 Jahren Standard sein.

Interview: Ralf Dümpelmann und Nadine Aregger, i-net

*Patrick Hunziker hat in Zürich Medizin studiert und liess sich zum Facharzt für innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin ausbilden. Ende der 1990er Jahre begann Patrick Hunziker sich als erster Arzt in der Schweiz für die Einführung der Nanotechnologie in die Medizin zu interessieren. Neben seiner Tätigkeit als stellvertretender Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsspital Basel ist Hunziker Gründungspräsident der Europäischen Gesellschaft für Nanomedizin (CLINAM).

*Beat Löffler hat in Basel und Berlin Kommunikationswissenschaften, Recht, Philosophie und Politikwissenschaften studiert und war Generalsekretär bei BioValley Upper Rhine. Heute ist Beat Löffler CEO bei der Europäischen Gesellschaft für Nanomedizin (CLINAM) und Inhaber der Loeffler & Associates GmbH.

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Helmut Kessmann: «Biotech can be a real roller coaster ride»

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Helmut Kessmann has been involved in the life science startup scene on the Rhine from the beginning. Today, the native from North Germany is Head of Business Development at Polyphor. Previously, he was co-founder of Discovery Technologies and a member of the executive management of Santhera, both IPO companies.

In the interview with i-net he talks about the development of the Life-Sciences-Standorts Basel and the success factors for biotech startups.

Mr. Kessmann, how do you rank Basel as a location for biotech companies?
North Western Switzerland is one of the best locations for biotech startups globally and in Europe amongst the top three. However, we must not rest on our laurels; otherwise we risk ending up back where we were in the early 90s.

Wasn’t Basel already a pharmaceutical and chemical city at that time?
Yes, but no one wanted or could establish a biotech startup company here. The normal career path of people was that they joined one of the large corporations like Ciba, Sandoz, Roche, after studying and remained there until they retired. Then, in 1996, the merger of Ciba and Sandoz to form Novartis happened and suddenly there was a very active and successful biotech scene. This transpired within a few years - an experience that still fascinates me today.

Did you immediately jump on the bandwagon?
I was employed by Ciba-Geigy, but I have already played with the idea for a few years to start my own business. At that stage no one was willing to finance projects in Basel. This changed immediately after the merger of Ciba and Sandoz in 1996 when the Novartis Venture Fund was founded. Suddenly we were in the game. Discovery Technologies was among the first startups in which they invested. Our advantage was that we had a complete business plan in our pocket.

The Novartis merger was therefore the trigger for the startup scene in Basel?
Yes, but that alone was of course not enough. A fund needs to be managed by the right people. Jürg Meier and Ruedi Gygax were exactly the right people. In addition, there were many more important initiatives in the regions. If you summarize you’ll see that, in just two years, more than 20 companies were in the starting blocks, ready to move. Since then, a lot has happened and now there are extremely successful companies such as Actelion, Basilea, Evolva and Polyphor. More have since been acquired such as Speedel or Glycart. Today, there are not only many ways to gain access to funding, but also support networks such as that of i-net innovation networks. Without the positive environment for Biotech startups the establishment of a new company is very difficult. Also, one should not forget that globally there is active competition for new companies.

But Discovery Technologies, co-founded by you, then relocated to the USA?
Not quite, we opted for the IPO to go to the US, but the operational activities remained and continued unchanged in Allschwil. For this purpose we merged in 2000 with a US chemical company and created Discovery Partners Ltd. headquartered in San Diego. I think our company was one of the last with a successful IPO before the crash in the fall of 2000. Then the market lost 75 percent of its value in just a few months. Fortunately, Discovery Partners was profitable before the IPO and did not have to rely on further funding. Later, Discovery Partners became Infinity Pharmaceuticals through another merger, which is still successful today, especially in drugs for oncology.

Your next venture, Graffinity, did not proceed exactly as planned?
I had learned that investing in the life sciences sector is done in waves and the preferred areas for investors can quickly change. With Discovery Technologies, we were able to ride on the height of the investment wave in the late `90s. However, Graffinity in Heidelberg, found itself at the end of this cycle, even though the technology was very innovative and actually fitted the needs of the "genomic era" perfectly. Thereby, we could record 30 million euros in April 2001, which was at least the second biggest round of funding in Germany that year. But only months later, and as a result of the biotech market crash, the interest of the investors in "platform companies" decreased to zero and people wanted to see clinical products.

How did you continue with Graffinity?
We had to be creative. After some searching we found an ideal partner namely MyoContract located in Basel. MyoContract was the first spin-off of the Biozuntrum in Basel and was established due to the great vision and initiative of the founder and CEO, Thomas Meier. The company had a product candidate but no money, and we had money but no product candidates. The result was Santhera. Graffinity was leached out of the new company through a management buyout and now supplies the old technology to the service business. Thereby Graffinity could survive without further venture capital.

But after the great start Santhera is still waiting for the breakthrough?
Biotech is rarely straightforward, but I am convinced that Santhera will also be commercially successful. Their focus on rare diseases, for which there is virtually no treatment, was correct in any case. In 2006 the company made a successful IPO and we received outstanding support from investors, researchers and patient organizations. Unfortunately, the most important product demonstrated later in the clinical Phase III that it did not have the effectiveness we hoped it would have. At one stage over 80 percent of the goodwill was gone. But that is how it is in biotech - a real roller coaster ride.

Was there a Plan B?
Yes, the company is currently trying to obtain the European market approval for the treatment of sudden blindness, a rare hereditary disease. The decision will probably be made in 2015. For me, personally, there was not much to do at Santhera in 2011 and I accepted an offer from my present employer, Polyphor. I have been the Head of Business Development since 2011.

How do you see the local biotech startup scene today?
We have already achieved a lot, but I would like to see many more young companies. Basically, Biotech is one of the most profitable investments, but there are big ups and downs. Many investors show interest - but there is also uncertainty. This is manifested in the new financing models. Private capital plays an increasingly important role. In Polyphor, investments were made almost exclusively by individuals. These are usually wealthy individuals from the surrounding area with a great affinity for pharma.

What is the most difficult phase for a startup?
Once the effect of a drug in humans is demonstrated, the financing is often easier, although you then really need large amounts of money. At this time good deals with interested pharmaceutical companies are also usually possible. It is very difficult earlier, as well as between the early pre-clinical development and proof of concept phases. Here more money needs to flow and this is where the private investor plays a key role - not only in Switzerland. In Germany, for example, a large part of all biotech investments were made by three individuals: SAP founder Dietmar Hopp, and the brothers Thomas and Andreas Strüngmann who sold Hexal to Novartis. Nevertheless, another early-phase innovative fund with an investment strategy similar to the Novartis Venture Fund of the `90s would be very helpful.

What alternative funding models are currently becoming important?
Non-dilutive financing, which means you acquire financing without relinquishing shares in the company, is making its mark. These include, for example, the US Department of Defense and the National Institutes of Health, which are no longer bound to their investments in the United States. Local companies such as Evolva, Santhera and Basilea have already benefited. Patient organizations also play an increasingly important role as they have lots of money. The French Association for muscle diseases, the Association Française Contre Les Myopathies, has an annual budget of nearly 100 million Euros as a result of their famous Telethon. Also joining are organizations such as the Cystic Fibrosis Foundation in the US or the Bill & Melinda Gates Foundation, which has already invested billions, especially in the research of drugs for tropical diseases. The extent of these investments did not exist 10 years ago.

So, is the philanthropic sector strengthening?
Yes, the trend towards alternative financing models, including the Venture Philanthropy (VP) model, is clear. However, little is known about the latter in the biotech scene. Although it is profit-oriented work, in this financing model the profits are reinvested in non-profit organizations for research. In other words, the donors of these funds aim to keep their assets, but not to increase it such as has been customary, but to support a charitable cause. The European VP Association recently had a meeting in Geneva with 700 participants and I was impressed by the professionalism and presence of many bankers and venture capitalists who wanted to learn about this concept or are already active with VP models.

Would Venture Philanthropy also be an approach for North Western Switzerland?
Why not, after all there are already many biotechs that have received funding from such alternative models. It will however not be sufficient for the next wave of startups here in Basel. It also requires an intelligent infrastructure, better early-stage financing, and support organizations and networks such as i-net. It would be a shame if we now just await the next crisis; if it happens we must be one step ahead. Today we can operate from a position of strength and we must exploit it.

Interview by Christian Walter and Thomas Brenzikofer

A short CV of Helmut Kessmann can be found here

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