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report Precision Medicine

Gesundheitsinnovationen gewinnen mit dem DayOne Accelerator an Dynamik

05.03.2019

Vier innovative Start-ups im Healthcare-Bereich nehmen an der ersten Runde des DayOne Accelerator teil. Faraz Oloumi von Aurteen, Chang Yun von Noul sowie Christian Vogler und Leo Gschwind von Advancience zeugen davon, wie weit Überzeugung tragen kann.

BaselArea.swiss: Faraz, warum hast Du Aurteen gegründet?

Faraz: Während meines Studiums der Elektro- und Computertechnik arbeitete ich an der Netzhautanalyse und begann, mich für das Thema zu interessieren. Nachdem ich meinen Master und dann mein Doktorat beendet hatte, lehnte ich eine sichere Stelle ab, um das Thema weiterzuverfolgen. So wurde Aurteen ins Leben gerufen. Ich bin vollkommen von der Neuartigkeit und Notwendigkeit einer computergestützten Beurteilung der Retina überzeugt, denn die Gefässe im Augenhintergrund sagen eine Menge über die allgemeine Gesundheit von Netzhauterkrankungen bis hin zu Stoffwechsel- und Herz-Kreislaufstörungen aus.

Christian, gab es auch für Dich einen bestimmten Startpunkt?

Christian: Ich habe Psychologie und Genetik studiert. Um Genetik als Werkzeug zur Erforschung des menschlichen Geistes zu nutzen, begannen wir – meine Mitbegründer und ich –, uns mit Psychometrie zu befassen. Das typische Instrumentarium für psychometrische Tests stammt aus den 1940er bis 1970er Jahren. Wir haben psychometrische Tests ins 21. Jahrhundert übertragen, sie um spielerische Elemente ergänzt sowie unterhaltsam und skalierbar gestaltet. Damit sind wir in der Lage, eine hohe Anzahl an Studienteilnehmern zu verarbeiten. Wir möchten die Psychologie vorwärtsbringen. Wir sind überzeugt, dass sich unsere Tools für eine ganze Reihe unterschiedlicher Zwecke nutzen lassen: Sie dienen als Diagnosewerkzeug für die Untersuchung von Aufmerksamkeitsstörungen oder Gedächtnisschwächen ebenso wie als Instrument für den Personalbereich, um eine bessere Zusammenarbeit in Teams zu fördern.

Chang, Du bist vor einem Jahr zu Noul gestossen. Aus welchem Grund?

Chang: Einer der Mitbegründer ist biomedizinischer Techniker. Direkt nach dem Erwerb seines Doktortitels in den USA verbrachte er 1,5 Jahre in Malawi im freiwilligen sozialen Dienst. Er erlebte mit, wie viele Kinder an Malaria starben, und war überrascht, dass sich Gesundheitshelfer nach wie vor auf Tests verliessen, die ungenau und unpraktisch waren. 2015 gründete er Noul, um ein tragbares Gerät zu entwickeln, das eine Bildanalyse und künstliche Intelligenz zur Diagnose von Krankheiten anhand von Blutproben verwendet. Als sein enger Freund war ich von Anfang an an dem Projekt interessiert und stiess vor einem Jahr dazu – in der Gewissheit, dass meine Laufbahn bei den Vereinten Nationen dem Erfolg des Projekts förderlich sein würde. Ich habe Kenntnisse im Unternehmensmanagement und in der öffentlichen Verwaltung. Als Director of Global Business Development bei Noul habe ich jetzt das europäische Büro aufgebaut.

Was war beim Aufbau des Unternehmens am schwierigsten?

Chang: Bei uns war es die Wissenschaft. Wir folgten dem Prinzip «Versuch und Irrtum». Die klinischen Versuche im Labor funktionierten gut, doch die Ergebnisse in der Praxis waren oft unerwartet. Manchmal war es schwierig, genügend hochwertige Proben zu bekommen. Um diese Hürden zu überwinden, arbeiten wir mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel zusammen. Zudem sind für die Zulassung einer neuen Technologie wie der unseren auch neue Kriterien erforderlich. Das erfordert viel Zeit und hinreichend überzeugende Daten von unserer Seite.

Christian: Als Wissenschaftler wird man nicht über Nacht zum Unternehmer. Ich musste lernen, dass nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse zählen. Vielmehr muss ich meine Ergebnisse verkaufen und über spezifische Leistungsversprechen nachdenken. Ich kenne mich in Psychologie, Genetik und Bioinformatik aus – und jetzt muss ich obendrein Business Cases vorlegen. In der Geschäftswelt treffen wir jeden Tag auf neue Probleme. Man braucht immer einen Plan B, C und D. Es ist enorm viel Arbeit, aber es macht auch viel Spass.

Faraz: Es ist nicht einfach, seinen Lebensunterhalt nicht selber sicherstellen zu können. Ich habe mir selbst in den letzten Jahren keinen Cent ausbezahlt. Das Schwierigste für mich war es, Menschen davon zu überzeugen, dass meine Ideen und meine Vision nicht verrückt sind. Ich musste gegen viele Widrigkeiten ankämpfen. Aber ich bereue nichts. Dann gab es noch andere Herausforderungen wie etwa, dass ich als CEO und nicht nur als CTO fungieren musste, was bedeutet, dass man kein Perfektionist mehr sein darf. Diese Herausforderung macht mir Spass.

Was hofft ihr in den nächsten Monaten im DayOne Accelerator zu erreichen?

Faraz: Obwohl Kanada für den telemedizinischen Ansatz gut geeignet ist und meine Mitarbeitenden und potenziellen Kunden dort sind, haben wir rein zahlenmässig keinen guten Business Case in Kanada. Zudem ist der Nachbarmarkt der USA stark fragmentiert und es ist schwierig, dort einzudringen. Die Teilnahme am DayOne Accelerator ist für uns die optimale Chance, den europäischen Markt zu sondieren und zu validieren. Weiterhin möchten wir unsere Liste an Leistungsversprechen bestätigen und Investoren finden.

Chang: Unsere Schweizer Partner haben uns ermutigt, uns für das Programm zu bewerben, und glücklicherweise wurden wir für eine Teilnahme ausgewählt. Ich glaube, dass Noul in den letzten drei Jahren sehr hart daran gearbeitet hat, noch nie dagewesene Diagnoselösungen zu entwickeln. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um auf das bis jetzt Erreichte zurückzublicken und den Input, den wir hier erhalten, zu nutzen, um unser Geschäftsmodell weiter zu konkretisieren. Wir möchten die Menschen kennenlernen, die uns bei der Erreichung dieses Ziels weiterhelfen können, und die Möglichkeiten ausloten.

Leo: Wir möchten lernen, wie wir das Geschäft aufbauen und betreiben können. Darüber hinaus wir möchten dafür gerüstet sein, potenzielle Investoren für uns zu begeistern und nach Startkapital Ausschau halten.

Das Förderprogramm begann im Januar. Welche Erfahrungen habt Ihr bis jetzt gemacht?

Faraz: Alles war eine angenehme Überraschung. Das Ökosystem in Form von Unterstützung für Start-ups ist so völlig anders als das, was ich bisher kannte. Ich spreche mit hochrangigen Vertretern der Pharmabranche und der klinischen Praxis, und die Gesamtförderung erfolgt auf einem sehr hohen Niveau. Dem DayOne-Team ist es ein Anliegen, dass mein Unternehmen und ich Erfolg haben. Ich bin überzeugt, dass wir hier mehr Dynamik gewinnen können. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen spiele ich mit dem Gedanken, mich hier in Basel niederzulassen. Das hier ist wirklich ein Segen für unser Team.

Chang: Ich bin beeindruckt. Die Treffen, die wir bis jetzt hatten, sind extrem nützlich und hilfreich gewesen. Unter strategischen Gesichtspunkten zahlt es sich aus, in Basel und nahe bei unserem Partner, dem Schweizerischen TPH, sowie in leicht überwindbarer Entfernung zu unseren Anspruchsgruppen in Genf zu sein. Bis jetzt erweist sich der Accelerator als äusserst wirksam.

Leo: Der Input ist enorm. Wir profitieren gewaltig und lernen, wie das Geschäft zu strukturieren ist. Es ist genial, sein Handwerk bei Experten zu lernen und unmittelbare Einblicke zu erhalten. Und die Finanzierung lindert die ärgsten Nöte.

Was war der grösste Kulturschock bei der Ankunft in Basel?

Chang: In meiner Kultur sind die Menschen nicht so direkt, während die Leute hier ihre Meinung offener äussern. Ich mag diese Vielfalt und wünschte, wir hätten mehr davon in unserem Team in Südkorea. Ich finde, hier gibt es auch wenig Staus.

Faraz: Es ist der Wahnsinn, dass scheinbar jeder hier Englisch versteht.

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04.07.2019

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Basler Chirurgen feiern Weltpremiere

04.07.2019

report Life Sciences

«Wir sind ein kleines Unternehmen mit einem grossen Portfolio»

05.02.2019

Nachdem Martine und Jean-Paul Clozel mit zwei weiteren Personen Actelion gegründet und in Europas grösstes Biotech-Unternehmen verwandelt hatten, wurden die Gesellschaft und ihre Entwicklungsprojekte in der Spätphase im Jahr 2017 von Johnson & Johnson übernommen. Mit der Entdeckungssparte und den in der Frühphase befindlichen Entwicklungsprojekten von Actelion gründete das Ehepaar das Start-up Idorsia mit dem Ziel, eines der führenden Biopharma-Unternehmen in Europa aufzubauen.

Wir sprachen mit Martine Clozel über ihre Leidenschaft für die Forschung, den medizinischen Gesichtspunkt in der Wissenschaft und was aufstrebende Biotech-Unternehmer brauchen.

BaselArea.swiss: Martine, ist Idorsia die neue Actelion?

Martine Clozel: Zum Teil ja, wir machen immer noch schwierige Sachen. Das hat sich gar nicht geändert. Wir haben die gleiche Kultur und die gleichen Ziele wie früher bei Actelion: Wir wollen innovative neue Arzneimittel entdecken, die möglicherweise bedeutende Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben. Wir freuen uns, weiterhin Medikamente entdecken zu können. Es ist herrlich, dass wir dazu in der Lage sind. Im Unternehmen herrscht helle Begeisterung. Actelion war beinahe ein grosses Biopharma-Unternehmen geworden und war in vielen Ländern vertreten. Idorsia hat ihren Sitz in Allschwil und konzentriert sich auf effiziente Forschung und Entwicklung. Wir denken schon an die Vermarktungsphase. Kürzlich haben wir einen Vertriebsleiter eingestellt und den ersten ausländischen Standort in Japan eröffnet.

Sind Ihre Portfolioentscheidungen ausschliesslich wissenschaftlich begründet? Oder berücksichtigen sie auch wirtschaftliche Faktoren?

Wir alle wissen, dass die Nachfrage nach Medikamenten für Schlaflosigkeit, Lupus oder Hypertonie sehr hoch ist. Die Wahl einer neuen klinischen Indikation hängt vom neuen Molekül ab, von seinem Wirkmechanismus und auch davon, wo das Molekül die grösste therapeutische Wirkung entfalten kann. Wir versuchen, sehr pragmatisch vorzugehen und der Wissenschaft dorthin zu folgen, wo sie uns hinführt. In der Phase II und darüber hinaus, wenn wir mehr verstehen und sehen, dass unsere Annahme sich bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt, können wir ein Arzneimittel in Bezug auf Markteintritt und Vertriebspotenzial positionieren.

Wie gehen Sie bezüglich Ein- und Auslizenzierung vor?

Da wir viele faszinierende interne Aussichten haben, übernehmen wir keine Lizenzen. Derzeit befinden sich zehn Präparate in klinischer Entwicklung. Einige Forschungsprojekte nähern sich der Entwicklungsphase. Wir haben Auslizenzierungsabkommen, aber nicht, weil die Projekte nicht mehr prioritär sind, sondern weil unsere Organisation deutlich kleiner ist als früher. Wir besitzen nur mehr ein Drittel der klinischen Entwicklungskapazität und können uns nicht um alles selbst kümmern. Wir sind ein kleines Unternehmen mit einem grossen Portfolio.

Sie konzentrieren sich also vollständig auf Ihre internen Projekte? Order arbeiten Sie auch mit anderen Firmen zusammen?

Wir suchen nach massgeschneiderten Lösungen. Wenn wir etwas finden, das uns helfen kann, arbeiten wir auch gern mit externen Partnern zusammen, etwa Universitäten, Biotech-Firmen oder anderen. Viele unserer Projekte beginnen mit einem Papier, das wir lesen, oder spannenden neuen Daten, die wir zufällig finden und dann weiter untersuchen.

Auf Ihrer Website konzentrieren Sie sich bei der Beschreibung der Krankheiten zuerst auf die Symptome der Patienten. Erst danach gehen sie auf die wissenschaftlichen Aspekte ein. Wie stellen Sie sicher, dass Sie und die Mitarbeitenden von Idorsia immer nahe am Patienten bleiben?

Wir sind den Menschen nahe, die den Patienten nahe sind, also Ärzte, Pflegefachkräfte usw. Wir hören genau zu und versuchen wirklich, die Patienten zu verstehen. Wir laden auch Patienten ein. Ich bin Ärztin, deshalb vertrete ich bei allen unseren Forschungsarbeiten einen medizinischen Gesichtspunkt. Das gehört zu den Merkmalen von Idorsia.

Wenn wir schon von Personal sprechen: Wie leicht ist es, hier die richtigen Mitarbeitenden zu finden?

Es ist nicht einfach, aber wo ist es schon einfach? Ich bin von der Pharma-Branche begeistert. Es ist fantastisch, Patienten zu helfen, Tausende Menschen behandeln zu können. Pharmazie ist grossartig und doch wissen das nicht alle. Es mangelt an Berichten, was die Pharmabranche macht, sei es nun die Verlängerung der Lebenserwartung, die Revolutionen in der Onkologie, die Verbesserung der Lebensqualität, alle diese Fortschritte! Wir müssen mehr über die Bedeutung der Pharmazie sprechen, um Nachwuchstalente anzuziehen.

Amerikanischen Biotech-Unternehmen scheint es eher zu gelingen, unabhängig zu bleiben. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich weiss nicht, ob das stimmt. Sehen Sie sich doch die jüngsten Übernahmen an: Celgene, Tesaro, Kite und Loxo durch BMS, GSK, Gilead bzw. Eli Lilly. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Heute bleiben Biotech-Unternehmen selten unabhängig, auch in den USA, weil die grossen Konzerne von ihren Entdeckungen abhängen. Bei Actelion hatten wir eine ehrgeizige, langfristige Vision. Es war nie unser Ziel, übernommen zu werden. Wir wollten stattdessen eine Struktur aufbauen, nicht nur ein Molekül oder eine Technik, sondern eine Organisation, die in der Lage ist, viele Arzneimittel zu entdecken. Wir waren ehrgeizig und gingen Risiken ein, das kommt ziemlich selten vor. Vielleicht haben amerikanische Biotech-Unternehmen etwas mehr Ambition, aber Europa besitzt einige Besonderheiten, auf denen die Branche aufbauen sollte. Beispielsweise ist die Chemie in der Schweiz und Deutschland aussergewöhnlich. Aber auch generell ist Europa voller spannender Forschungsprojekte und grossartiger Menschen.

Warum arbeiten Sie lieber in einem Start-up als in einem Grossunternehmen?

Ein kleines Unternehmen sorgt für grössere Freiheit und, was noch wichtiger ist, Nähe zwischen den Fakten und den Risiken. Unser Portfolio ist so klein, dass die Geschäftsleitung alle Projekte kennt. Wir können sehr effizient Entscheide treffen, das wäre in einem Grossunternehmen viel schwieriger.

Was raten Sie Unternehmern, die eine Biotech-Firma gründen wollen?

Sie sollten gleichzeitig an das Überleben und die Rentabilität denken. Sowohl langfristig als auch kurzfristig planen, sich nicht nur auf den nächsten Meilenstein konzentrieren, sondern von Anfang an etwas Großes anstreben. Und Entscheide pragmatisch treffen. Vor allem nicht allein, sondern in einem Team.

In Bezug auf Geschäftspartner: Sie gründeten Actelion und Idorsia mit Ihrem Mann. Wie navigieren Sie zwischen dem Labor und Ihrem Zuhause?

Ich kenne meinen Mann seit langer Zeit. Wir teilen die Leidenschaft für die Forschung und die Behandlung der Patienten. Ich habe es immer geschätzt, dass ich Schwierigkeiten mit Jean-Paul besprechen und auch angenehme Augenblicke mit ihm teilen kann. Natürlich arbeiten wir viel und setzen uns voll ein, so wie alle anderen auch bei Idorsia. Wir versuchen, zwischen Büro und Zuhause eine Grenze zu ziehen, besonders, wenn unsere Kinder und Enkel da sind. Wir wollen für sie da sein. Es ist anstrengend, aber wir denken und sprechen nicht rund um die Uhr über die Arbeit.

Werden Sie in zehn Jahren immer noch auf der Jagd nach neuen Medikamenten sein?

Nein, wohl eher nicht. Ich möchte nicht bis in alle Ewigkeit arbeiten. Irgendwann möchte ich mehr Zeit für die Familie und meinen Freundeskreis habe.

Actelion ist nicht nur für ihre Medikamente, sondern auch für ihr Gebäude bekannt. Idorsia hat ihren Sitz in einem Bauwerk von Herzog & de Meuron. Wie wichtig ist Ihnen Architektur?

Sehr wichtig. Diese Bauten werden noch lange Zeit stehen und gehören zur Kultur und zum Stil von Basel. Die Schweiz und Basel im Besonderen zeichnen sich durch avantgardistische Architektur aus. Wir freuen uns, dass wir daran teilnehmen konnten. Die Architektur stellt die Innovation dar, die wir anstreben. Wir wollen gute Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden, viel Licht und viele Möglichkeiten, zu interagieren, schliesslich verbringen wir viel Zeit im Büro.

Wir haben gehört, dass Idorsia das Akronym für «I do research in Allschwil» ist. Stimmt diese amüsante Geschichte?

Nein, aber sie gefällt mir. In Wirklichkeit hatten wir die Möglichkeit, einen unserer bereits geschützten Produktnamen zu verwenden. Das half uns, unseren Firmennamen von Anfang an abzusichern.

Interview: Annett Altvater und Stephan Emmerth

report Industrial Transformation

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Basel ist ein Hotspot für Innovation

05.06.2019

report

Drei Unternehmer, drei Visionen für die Industrie 4.0

05.11.2018

BaselArea.swiss lud Start-ups und Industrie 4.0-Projekte zur Teilnahme am ersten Industry 4.0 Challenge ein. Eine Jury aus der Branche wählte drei Finalisten aus: Philippe Kapfer von NextDay.Vision, Roy Chikballapur von MachIQ und Dominik Trost von holo|one. In diesem Gespräch erfahren Sie mehr über ihre Beiträge und Ziele. Sie können die Unternehmer am 20. und 21. November 2018 auf der Messe «Industries du Futur» in Mulhouse treffen.

BaselArea.swiss: Welches Problem will Ihr Unternehmen lösen?

Dominik Trost, holo|one: Im Allgemeinen setzen unsere Lösungen «Augmented Reality», d.h. erweiterte Wirklichkeit, ein und bringen das Wissen schnell dahin, wo es gebraucht wird. Das heisst, wir bieten intuitive Wartungsunterstützung an. Dazu zählen holografische Checklisten oder Tools für Rapporte, Remote Assistance in AR für Unternehmen, die elektronische Informationen an Standorte auf der ganzen Welt senden müssen, sowie herkömmliche Videoanrufe. Zudem verwenden wir Hologramme und Animationen als Storytelling-Tools und entwickeln eine App für Design-Zwecke und Präsentationen. Vor allem sind wir bestrebt, alles einfach zu halten: Unsere Apps konzentrieren sich auf einige leistungsfähige Features und können alle über unser browserbasiertes Portal verwaltet werden. Man soll unsere Apps mühelos nutzen können.

Roy Chikballapur, MachIQ: Wir helfen Maschinenbauern und Herstellern, die Performance der Anlagen und Geräte zu steigern. Zu diesem Zweck entwickelte MachIQ eine Software für Maschinenbauer, welche die Kundenbetreuung vereinfacht, die Maschinen überwacht und so die ungeplanten Ausfälle bei den Kunden reduziert. Herstellern bietet MachIQ eine Software an, die den vorausschauenden Support unterstützt sowie nützliche Funktionen für Werksleiter, Kontrolleure und das Wartungsteam kombiniert. Kurz gefasst: Wir erwecken Maschinen zum Leben.

Philippe Kapfer, NextDay.Vision: Next Day Vision vereinfacht die Kommunikation zwischen Herstellern von Maschinen und deren Kunden und macht sie sicherer. Normalerweise sind Verbindungen zwischen zwei Kontakten unsicher und anfällig, denn eine oder sogar beide Seiten müssen die Verbindung öffnen. So werden sie angreifbar. Ausserdem müssen Sie den Workflow in der Regel unterbrechen, um einen Partner zu validieren. Unsere API ist so designt, dass sie Unternehmen dabei hilft, eine integrierte Software zu erstellen. So kann eine Firma ihre Maschine beispielsweise aus der Ferne updaten und den Validierungsworkflow auf Kundenseite direkt integrieren. Dabei muss der Kunde sich auf seinem Smartphone anmelden, indem er von Hand unterschreibt, bevor der Hersteller die Maschine aus der Distanz updaten kann. Das führt zu einem nachvollziehbaren und regelkonformen Prozess.

Wann und warum haben Sie Ihr Unternehmen gegründet?

Philippe Kapfer: NextDay Vision gibt es seit Mitte 2017. Davor habe ich im Rahmen meiner Masterarbeit ein Buch über die Sicherheit von Computersystemen geschrieben. Darin zeige ich, wie sich Windows hacken lässt – Computersysteme von Unternehmen sind leicht von innen angreifbar. Aus Angst vor solchen Angriffen nutzen viele Firmen beispielsweise die Cloud nicht und versuchen, ihre Systeme geschlossen zu halten. In Gesprächen mit Maschinenherstellern und deren Kunden habe ich festgestellt, dass hierfür Lösungen fehlen. Im Zuge der Digitalisierung stellt sich natürlich die Frage, wie wir Verbindungen sicher machen können. Mein Unternehmen liefert Antworten auf diese Frage.

Roy Chikballapur: Als ich bei Schneider Electric in Paris arbeitete, wirkte ich bei der Digitalisierung der industriellen Angebote für verschiedene Unternehmen mit. In Gesprächen mit den Maschinenbauern und Herstellern erfuhr ich, dass sie mit noch viel grundlegenderen Problemen zu kämpfen hatten. So etwa mit der Kundenbetreuung. Es braucht einfach viel zu viel Zeit, die Kunden- und Seriennummern herauszufinden und Sachen zu reparieren. In dieser Zeit stellt die Maschine nichts her und erzielt nur Verluste für das Unternehmen. Die Idee für mein Unternehmen hatte ich 2014, 2016 habe ich dann MachIQ gegründet.

Dominik Trost: Alles begann mit der Präsentation der Microsoft HoloLens: Wir sahen die Präsentation live und wussten, dass AR-Brillen ein grosses Potenzial hatten. Bald erhielten wir das erste Gerät und leiteten viele Workshops mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir erkannten die Vorteile der Technologie sofort. Auch die Unternehmen waren davon überzeugt. Nach der Beurteilung des Marktpotenzials in der Schweiz gründeten wir unser Unternehmen am Ende des Jahres und konzentrierten uns zuerst auf einzelne Vorzeigeprojekte. Wir erkannten schnell, dass ein standardisierter Ansatz den Anforderungen der Unternehmen besser entsprach, aber es gab noch viel zu tun: Dieses Jahr arbeiteten wir fast ausschliesslich an der Entwicklung unserer neuen AR-Plattform, Sphere, die Ende November in Betrieb genommen wird.

Wie haben Sie vom 4 Challenge gehört und warum haben Sie sich beworben?

Dominik Trost: Markus Ettin, Industry 4.0 und Automatization Manager bei der Bell Food Gruppe meinte, wir wären gute Kandidaten für die Industry 4.0 Challenge und sollten uns näher damit befassen. Obwohl wir eher einen internationalen Ausblick haben, war es uns auch wichtig, unsere Technologie in der Region besser bekannt zu machen, deshalb haben wir es gewagt ...

Philippe Kapfer: Für mich war das wie ein Lackmustest. Ich wollte wissen, wie unsere Lösung ankommt. Beim Industry 4.0 Challenge hatte ich die Möglichkeit, mein Projekt von Industrieexperten nochmals bestätigen zu lassen. Gleichzeitig hat mir die Jury bestätigt, dass wir tatsächlich etwas Neues in die Industrie bringen.

Roy Chikballapur: Wie standen mit BaselArea.swiss in Verbindung, weil das Team uns half, aus dem Kanton Waadt nach Basel-Stadt zu ziehen. Sebastien Meunier, der für die Initiative zuständig zeichnet, berichtete darüber auf LinkedIn. So sind wir darauf aufmerksam geworden. Meines Erachtens sind die Diskussionen in der LinkedIn Community von BaselArea.swiss für die Industrie 4.0 relevant, deshalb haben wir uns beworben.

Was bedeutet der Begriff «Industrie 4.0» für Sie und warum halten Sie das Thema für wichtig?

Dominik Trost: Für uns ist Industrie 4.0 die logische Weiterentwicklung der Industrie anhand Tools und Technologien, die verfügbar sind oder entwickelt werden. Wie das 4.0 bereits andeutet, handelt es sich um die industrielle Revolution unserer Generation. Sie steht für Produktivität, Sicherheit und Vernetzung. Unserer Meinung nach bleibt Industrie 4.0 auch in den kommenden Jahrzehnten ein heisses Thema. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, auf den Zug aufzuspringen.

Philippe Kapfer: Ich glaube, dass der Begriff «Industrie 4.0» oft gebraucht wird, um ein neues Produkt oder einen neuen Service zu verkaufen. Oft war die Technologie schon da, wird aber unter dem Titel Industrie 4.0 anders genutzt. Das Label wird global verwendet, wobei jeder darunter verstehen kann, was er will. Für mich bedeutet Industrie 4.0 in erster Linie, dass die Industrie sich weiterentwickelt.

Roy Chikballapur: Ich glaube, da steckt mehr dahinter. Der Fokus scheint heute vor allem auf den Technologien zu liegen, welche die Digitalisierung der Prozesse ermöglichen, auf der Generation nützlicher Daten und Algorithmen, welche die Menschen in verschiedenen Funktionen im Fertigungsbereich ersetzen sollen. Bei MachIQ konzentrieren wir uns jedoch eher auf den Wandel der Geschäftsmodelle, den diese Technologien herbeiführen werden, wenn sie erst einmal grossflächig eingeführt sind. Unseres Erachtens bereiten sich die wenigsten Unternehmen darauf vor. Nehmen wir ein Beispiel: Die meisten Maschinenbauer betrachten den Verkauf von Ersatzteilen und die Erbringung von Wartungs- und Reparaturleistungen als ihr Dienstleistungsgeschäft. Ihre Kunden kaufen aber in Wirklichkeit die Erfahrung von null ungeplanten Ausfällen. Infolge der verbesserten Vernetzung von Maschinen und der Analyse der Betriebsdaten in Echtzeit kann heute Ausfällen vorgebeugt werden.

Maschinenbauer, die das tun, verlieren dann aber einen Teil der Erlöse aus dem Ersatzteilverkauf. Sind sie darauf vorbereitet? Nicht, wenn sie an den herkömmlichen Geschäftsmodellen festhalten. Was wäre, wenn den Kunden ein «Netflix-Vertrag über Ersatzteile und Leistungen» angeboten würde, mit dem sie Betriebszeit kaufen? Was wäre, wenn ein Joghurthersteller seinen Maschinenlieferanten auf der Grundlage der Joghurtbecher bezahlt, die monatlich vom Fliessband laufen? Der Schwerpunkt würde von einem kapitalintensiven Modell auf ein Betriebszeitmodell verlagert werden, auch im Maschinenbau. Das Industrie 4.0-Modell zwingt die Anbieter, mit ihren Kunden, und die Wettbewerber, mit ihren Konkurrenten zusammenzuarbeiten. Unsere Aufgabe besteht darin, alle Parteien in diesem Wandel schrittweise zu begleiten, damit das aktuelle Geschäftsmodell allmählich umgestellt werden kann.

Wo sehen Sie die Entwicklung in der Region?

Roy Chikballapur: Wir haben uns vor allem deshalb für Basel entschieden, weil es im Mittelpunkt der europäischen Maschinenbauindustrie liegt. In einem Radius von 300 km findet sich die grösste Konzentration führender Maschinenbauunternehmen in allen wichtigen Wirtschaftszweigen. Ferner hat uns auch der Fokus des Kantons auf Industrie 4.0 überzeugt. Es gibt noch viele andere Start-up-Hubs in Europa. Sie konzentrieren sich jedoch eher auf Themen wie Fintech, Blockchain oder künstliche Intelligenz. Ich persönlich hoffe, dass sich die Region einem konkreteren, realeren Bereich widmet und sich dabei auf ihre Stärken als Life-Sciences-Hub und als Zentrum der Industrie und Logistik stützt.
Wir würden gern mit mehr Start-ups zusammenarbeiten, die sich dem Thema Industrie 4.0 widmen. So könnten wir unsere Produkte integrieren und umfassendere Angebote bereitstellen. Wir würden auch gern stärker mit grösseren Industrieunternehmen in der Region zusammenarbeiten. Ich bin sicher, dass ein solcher Fokus die Innovation beschleunigen und die Position von Basel als Hub für Industrie 4.0-Hub untermauern würde.

Dominik Trost: Als Softwarehaus mit einem standardisierten Produkt ist unser Ausblick weniger regional als national bzw. von Sprachgrenzen bestimmt. Wenn wir uns die Lage der AR in der Schweiz und in Deutschland ansehen, dann entdecken wir tatsächlich mehr Entwicklungszentren hier als in anderen Ländern, zumeist in Form einzelner Start-ups und Universitätsprogramme. Dennoch gilt AR heute immer noch als experimentelle Technologie, obwohl die Apps einsatzbereit sind und viele Vorteile bringen. Es gibt hier bei Weitem keinen so heftigen Wettbewerb wie in den USA oder in Ostasien. Und das ist sowohl eine Chance als auch eine Warnung.

Welche Pläne haben Sie für Ihr Unternehmen?

Philippe Kapfer: Wir haben aktuell vor allem Kunden im Jura und in der welchen Schweiz. Zusätzlich zu unseren Produkten biete ich auch Trainings und Audits zu Information Security Systemen an. Künftig will ich noch mehr Kapazitäten in die Entwicklung stecken.
Wir peilen sowohl den nationalen als auch den internationalen Markt mit unserer Security Software und API an. Der Cybersecurity-Markt wächst jährlich um zehn Prozent, aber es gibt nicht genügend Leute, die auf diese Entwicklung eingehen können. NextDay.Vision stellt die Software zur Verfügung, die ein Bedürfnis stillt und die es Unternehmen erleichtert, hohe Sicherheitsstandards zu erfüllen. Wir wollen Cybersecurity im Mindset der Industrie verankern. Dazu gehört, dass wir Verbindungen zwischen Kunden und Herstellern ermöglichen, ohne dafür die Datensicherheit zu opfern. Wir sind zuversichtlich, mit unserem Produkt und unserer Vision weiter zu wachsen.

Dominik Trost: Derzeit ist beinahe alles möglich Wir bauen unser Vertriebsnetz aus und werfen auch einen Blick ins Ausland. Wir bewerben unsere Produkte bereits in Deutschland und sehen uns jetzt in anderen Ländern um. Ausländische Wettbewerber werden sicher den europäischen Markt erschliessen, deshalb müssen wir schnell und entschieden handeln. Wir haben ein kompetentes Team aufgebaut und vertrauen der Qualität unserer Produkte, deshalb freuen wir uns darauf, was die Zukunft bringt.

Roy Chikballapur: MachIQ positioniert sich als neutraler, markenunabhängiger Akteur. Unsere Software vernetzt Maschinenbauer mit ihren Endkunden in der Industrie und ermöglicht es, die Leistung deren Anlagen besser zu verwalten. Die Software von MachIQ schafft die Dynamik einer «Daten-Genossenschaft» für Industrie 4.0. Gemeinsame Daten nützen allen im System. Sie werden sicher verwaltet, damit sie nicht die Beziehungen der Unternehmer zu ihren Anbietern und Kunden beeinträchtigen oder die Wettbewerbsdynamik zwischen Konkurrenten verzerren.
Unser Ziel ist es, das «Geschäftsbetriebssystem» einer über Industrie 4.0 vernetzten Welt zu werden. Obwohl viele Firmenchefs noch nicht daran gedacht haben, verstehen sie uns sofort, wenn wir ihnen unsere Vision erklären. Unser Kundenstamm wächst schnell. Deshalb versuchen wir jetzt, unser Team personell zu verstärken und rasch die richtigen Talente einzustellen.

Text: Annett Altvater

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«Prozesse töten Innovation»

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Neues begeistert den Serienunternehmer Neil Goldsmith. Wir haben mit ihm über passende Mitarbeitende für Start-ups und seine Zusammenarbeit mit BaseLaunch gesprochen.

BaselArea.swiss: Sie haben in den letzten 30 Jahren eine Reihe von Unternehmen gegründet und geleitet. Woher wussten Sie, dass das Unternehmertum Ihr Weg ist?

Neil Goldsmith: Das war reiner Zufall. Ich wollte eine Doktorarbeit schreiben, aber ein Problem zwang mich, meine Pläne zu ändern. Ich musste mir etwas anderes überlegen. Mein erstes Unternehmen beschäftigte sich mit der Anwendung der Spieltheorie in der Werbewirtschaft. Ich erkannte aber bald, dass dies nicht ganz meinen Interessen entsprach. Genau dann sah ich in der Sunday Times ein Stellenangebot: Ein Beratungsunternehmen suchte jemanden, der neue Unternehmen im Bereich Life Science startbereit machen und sie beratend unterstützen würde. Eines dieser Unternehmen war in Schweden ansässig und engagierte mich später als Troubleshooter bei der Unternehmensentwicklung. Anschliessend wurde mir eine Position als CEO in einer dänischen Diagnostikfirma angeboten, die später an Roche verkauft wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich 31 Jahre alt. Die Investoren in diesem Unternehmen boten mir wiederum die Rolle als CEO von zwei weiteren ihrer Unternehmen an. So nahm es seinen Lauf, und ich wurde nach und nach proaktiver bei der Gründung von Neuunternehmen. Man könnte sagen, ich habe die Initiative ergriffen, aber eigentlich hat meine Karriere mich gefunden.

Sie haben oft mit Unternehmen zusammengearbeitet, die klein anfingen und stark wuchsen. Wie hat dieser Übergang die Möglichkeit für Innovation beeinflusst?

In meinem Verständnis bedeutet Innovation, dass Sie etwas wahrnehmen, was die anderen noch nicht wahrgenommen haben. Dies ist bei kleinen Unternehmen viel häufiger der Fall. Grosse Unternehmen müssen früher oder später Prozesse entwickeln – und Prozesse töten Innovation. Sie werden immer Ausnahmen finden, und es gibt Möglichkeiten, die Wirkung von Prozessen zu verzögern. Google zum Beispiel hat eine Vielzahl von Entscheidungen an die Mitarbeitenden an der Front abgegeben, um Innovation zu gewährleisten. Trotzdem denke ich, dass Sie schlussendlich immer von Prozessen eingeholt werden.

Was ist der grösste Unterschied zwischen der Verwaltung eines Privatunternehmens und einer Aktiengesellschaft? Was sagt Ihnen mehr zu?

Der Wechsel von einem Privatunternehmen zu einer Aktiengesellschaft bedeutet, dass sich Investoren und Vorstand ändern. In Privatunternehmen neigen Investoren und Vorstand dazu, sich zu durchmischen. Die Vorstandmitglieder selbst haben ein grosses Eigeninteresse. Sobald Sie an der Börse sind, spalten sich diese Rollen meistens auf; die Vorstandsmitglieder werden eher zu «Bewahrern». Obwohl sie tolle Leute sein können, sind sie zum Beispiel zwangsläufig risikoscheuer. Für eine Bank mag das völlig in Ordnung sein, aber ich bin mir unsicher, ob dies für Technologieunternehmen richtig ist. An der Börse zu sein ändert auch die Art der Kommunikation im Unternehmen. In einem privaten Unternehmen können Diskussionen offener stattfinden. Wie Sie wahrscheinlich ahnen, sagt mir ein Privatunternehmen mehr zu.

Was ist Ihrer Meinung nach ein entscheidendes Kriterium, um ein innovatives Unternehmen aufzubauen?

Die einzige und grösste Herausforderung besteht darin, die richtigen Personen zu finden. Es sind nicht so sehr die spezifischen Skills, die schwer zu finden sind, sondern es ist die Fähigkeit, in einer vagen und undefinierten Umgebung zu funktionieren. Sie besitzen nicht alle benötigten Ressourcen oder Informationen, aber Sie werden trotzdem kluge Entscheidungen treffen müssen. Besonders für Führungspersonen aus Grossunternehmen kann es eine Herausforderung sein, sich an ein Start-up anzupassen. Jeder durchläuft anfangs eine Lernkurve. Wenn Sie jedoch merken, wie Personen nach einigen Monaten im Unternehmen mehr Struktur verlangen und ihre Arbeitsbedingungen als chaotisch empfinden, werden sie sich wahrscheinlich nicht anpassen. Ich würde sagen, dass es mindestens in der Hälfte der Fälle aufgeht.

Sie haben entschieden, Ihr letztes Unternehmen, Evolva, in die Schweiz zu verlegen. Sie haben das Kapitel Evolva letztes Jahr abgeschlossen, aber Sie sind noch in der Schweiz...

Evolva war ursprünglich dänisch. Wir waren konfrontiert mit dem Problem, dass wir nur einen begrenzten Pool an Geld und Personen hatten, die wir für die Umsetzung unserer Pläne benötigten. Für uns kamen als mögliche Standorte das Vereinigte Königreich, die USA und die Schweiz in Frage. Letztendlich wählten wir die Schweiz. Basel ist als Life-Science-Drehscheibe ein naheliegender Standort. Zuerst konnten wir keine Labors finden. Dank der Unterstützung durch die Vorgängerorganisation von BaselArea.swiss und die BLKB konnten wir ein altes Lagerhaus kaufen und in Labors umwandeln. Es war eine gute Entscheidung, uns hier niederzulassen, und ich wohne immer noch gerne in Delémont.

Nichtstun ist für Sie ein Fremdwort. Woran arbeiten Sie gerade?

Ich arbeite zurzeit an der Gründung einer neuen Gruppe von Unternehmen, sowohl in den klassischen Gesundheitsbereichen als auch im Verbraucherbereich. Beide Bereiche haben ein unheimliches Potenzial, brauchen aber neue Businessmodelle. Ausserdem bin ich Mitglied im Verwaltungsrat des  Biotechunternehmens Unibio, dem es gelungen ist, den Fermentationsprozess von Methangas in Protein auf ein wirtschaftliches Level zu bringen. Darüber hinaus unterstütze ich Start-ups durch gemeinnützige Organisationen wie BaselArea.swiss und dessen Healthcare Accelerator-Programm BaseLaunch.

Wo sehen Sie das Potenzial für die Start-up-Szene in Basel? Und wie werden Sie in Zusammenarbeit mit BaseLaunch dazu beitragen?

Aufgrund des wissenschaftlichen Talents und der unübertroffenen Führungskompetenz, die von den Grossunternehmen vermittelt wird, sollte Basel eine überaus lebendige Start-up-Szene haben. Dabei schadet es auch nichts, dass es der Schweiz nicht an Geld mangelt. Ich glaube, es könnte durchaus noch dynamischer zugehen. Üblicherweise wird das beste Talent in den Grossunternehmen abgeschöpft. Ausserdem müsste die Verbindung von Geld und Ideen besser sein. BaseLaunch hat in den letzten zwei Jahren angefangen, einige dieser Diskrepanzen in Angriff zu nehmen. Dabei wird auf das Wissen der grossen Pharmaunternehmen gebaut, um die Gründung neuer Unternehmungen zu unterstützen. In der Zukunft wollen wir diesen Ansatz weiter ausbauen.

Wo finden Sie Projekte, bei denen es sich lohnt, sie weiterzuverfolgen?

Wenn Unternehmen wachsen, dann schränken sie zwangsläufig ihren Fokus ein. Ich kann mich nicht erinnern, je das Gegenteil gesehen zu haben. Das heisst, viele interessante Dinge werden heruntergestuft. Ich versuche herauszufiltern, was Unternehmen nicht mehr benötigen. Dies hat den Vorteil, dass ich mit einem Gegenstand beginnen kann, der schon aufgearbeitet wurde und der wirtschaftlich fundiert ist. Innovation entsteht nicht nur in den Universitäten. Manchmal glaube ich, der öffentliche Sektor vergisst das, wenn er seine Unterstützungsangebote aufstellt.

Welche Ziele und Werte haben Ihre Unternehmen gemeinsam? Gibt es einen roten Faden?

Ich möchte Produkte erstellen, die aussagekräftig sind und die mindestens für einen Teil der Welt einen echten Unterschied machen – also keine «mee too»-Produkte. Das ist beispielsweise mit Personal Chemistry gelungen, einem Unternehmen, das ich 1996 mitgegründet habe. Als Vorreiter haben wir die Anwendung von Mikrowellen in der organischen Synthesechemie ermöglicht. Heute hat fast jedes Chemielabor eines oder mehrere solcher Instrumente, die täglich verwendet werden. Ich freue mich, wenn ich diese Geräte sehe, selbst wenn sie von einem Konkurrenten stammen.

Wie leicht ist es für Sie, Finanzmittel für Ihre Unternehmungen zu finden?

Es ist nie einfach. Eines der Probleme besteht darin, dass Investoren gerne in Rudeln jagen. Das führt dazu, dass sie ungewohnte Ideen meiden. Und wenn ihnen eine Idee gefällt, müssen andere ebenfalls davon überzeugt werden. Europa ist zu konservativ, was die Finanzierung von Ideen betrifft. Es ist frustrierend, denn ich denke, dass unkonventionelle Ideen auch Potenzial für Unternehmen haben – wie die Amerikaner immer wieder bewiesen haben.

Wann erkennen Sie, dass es Zeit ist, ein Unternehmen zu verlassen?

Wenn es um Optimierung geht, muss ich weiterziehen. Es ist ein normaler Prozess, den die meisten Organisationen durchlaufen. Sobald ein Unternehmen seinen Sweet Spot gefunden hat, geht es darum, zu optimieren. Das ist nichts für mich. Ich erschaffe gerne Dinge. Und ich gehe niemals den gleichen Weg zweimal.

report BaselArea.swiss

BaseLaunch gehört zu Europas Spitze

21.05.2019

report Invest in Basel region

Grünes Licht für Steuervorlage

20.05.2019

report Life Sciences

«IP-Schutz ist entscheidend für Geschäft und Forschung»

08.05.2018

Die Patent- und Rechtsanwaltskanzlei Vossius & Partner ist seit der Einführung des Healthcare Accelerator-Programms im Jahr 2016 ein wichtiger Partner für BaseLaunch. Sie berät sowohl Start-ups als auch Grosskonzerne zu deren IP-Strategie. Philipp Marchand, Patentanwalt in der Basler Niederlassung, setzt sich dafür ein, dass der IP-Schutz ernst genommen wird.

BaselArea.swiss: Vossius & Partner unterhält Niederlassungen in München, Düsseldorf, Berlin und Basel. Wie reihen Sie sich in das Schweizer und Basler Ökosystem ein?

Philipp Marchand: Unsere Kanzlei wurde in den 1960er-Jahren gegründet und ist seit elf Jahren in Basel präsent. Wir haben intern ein umfangreiches, fundiertes Wissen aufgebaut, das sämtliche IP-Themen umfasst und vertreten momentan Kunden jeder Grösse – von Start-up bis Grosskonzern – in der Schweiz und auf der ganzen Welt. Als einer der spannendsten Life-Sciences-Standorte überhaupt ist Basel für unsere Kanzlei, die über eine der grössten Life-Science-Gruppen in Europa verfügt, von besonderem Interesse.

Das klingt ein wenig anspruchsvoll für Start-ups.

Ganz und gar nicht. Unser Know-how, das wir durch die Vertretung von Kunden jeder Grösse erworben haben, ist für den Start-up-Sektor ein riesiger Vorteil. Zudem ist es unser Anspruch, IP-Themen nicht isoliert zu betrachten, sondern im Rahmen unserer Fälle alle möglichen zukünftigen Entwicklungen zu berücksichtigen. Dazu gehören Aspekte aus anderen Rechtssystemen, denn selbst Start-ups müssen sich über die möglichen weltweiten Auswirkungen von Anfang an im Klaren sein. Zudem schützen wir mit unseren Rechtsanwälten nicht nur eine Erfindung, sondern bieten auch Beratung zu damit zusammenhängenden Aspekten an, beispielsweise zum Freedom to operate.

Sie unterstützen BaseLaunch. Weshalb?

Wir sind mit BaseLaunch eine Partnerschaft eingegangen, um näher bei der Start-up-Community in Basel und der Schweiz zu sein. Wir treffen uns mit jedem der ausgewählten Unternehmen, überprüfen deren IP-Situation kostenlos und ermitteln Möglichkeiten, um den Schutz zu optimieren. Wir freuen uns, unser Know-how vermehrt Start-ups anbieten zu können, weil wir überzeugt sind, dass sie von unserem Full-Service-Ansatz wirklich profitieren können. Wenn sie möchten, können sie später eine Kundenbeziehung eingehen und von Beginn an von unserer Erfahrung profitieren. Natürlich müssen wir dann unsere Dienstleistungen verrechnen. Wir bieten jedoch eine sehr vernünftige Preisstruktur für Start-ups und Universitäten an.

Weshalb lohnt es sich, diese Mittel aufzuwenden?

Der IP-Schutz ist in allen Technologiebereichen entscheidend, und das aus mehreren Gründen: Er ist das einzige zuverlässige Mittel, um sicherzustellen, dass Sie langfristig in verschiedenen Märkten weltweit Gewinne erzielen. Für ein Start-up, das im Bereich Life Sciences oder in einem anderen Technologiebereich tätig ist, besteht der wichtigste IP-Schutz zweifellos im Patentrecht. Nur ein Patent gewährt ein Monopol, das Dritte daran hinert, Ihre Erfindung zu nutzen. In einer frühen Phase sind weitere IP-Themen aber ebenfalls relevant. Beispielsweise kann ein eingetragenes Warenzeichen, das den Namen des Unternehmens oder dessen Produkte schützt, von unschätzbarem Wert sein. Ohne Markenschutz kann ein Unternehmen gezwungen werden, seinen Namen oder die Namen der Produkte zu ändern, wodurch erhebliche Kosten entstehen können.

Was, wenn ein Forschender nicht die Absicht hat, seine oder ihre Erfindung sofort zu vermarkten?

Sie denken vielleicht, dass es eine gute Idee ist, Ihre Erfindung geheim zu halten. Aber in der Zwischenzeit hat vielleicht ein anderer schlauer Kopf dieselbe Idee und meldet ein Patent dafür an. Heute richten sich alle Rechtssysteme, einschliesslich der USA, nach dem «Erstanmelderprinzip». Das heisst, dass Sie Ihre Chance möglicherweise verpasst haben und sogar von einer Drittpartei wegen einer Patentrechtsverletzung verklagt werden können, wenn Sie die Erfindung, die Sie für Ihre eigene halten, nutzen. Deshalb empfehlen wir Erfindern und deren Mitarbeitenden dringend, so rasch wie möglich einen IP-Schutz zu beantragen.

Was brauche ich, um eine Erfindung zu schützen?

Wir besprechen zunächst alles mit unseren Kunden persönlich, um das potenzielle Produkt sowie dessen Markt und die Kunden umfassend zu verstehen. Danach formulieren wir die Patentansprüche. Das heisst, wir definieren die Erfindung und das technische Problem, das damit gelöst werden soll. Wir reichen den Antragstext bei einem Patentamt ein, üblicherweise beim Europäischen Patentamt (EPO). Das EPO ist Teil der Europäischen Patentorganisation, bei der die Schweiz ebenfalls Mitglied ist. Ein Jahr nach der ersten Anmeldung können wir eine Nachanmeldung in Angriff nehmen, die über 150 Staaten weltweit abdeckt. Das gesamte Verfahren bis zur Genehmigung des Antrags kann mehr als fünf Jahre dauern.

Gibt es beim Life Sciences-Sektor in Bezug auf die Bedeutung des IP-Schutzes Unterschiede im Vergleich zu anderen Branchen?

Der grösste Unterschied liegt im längeren Produktlebenszyklus von Pharmaprodukten und der strengeren Regulierung im Vergleich beispielsweise zu kurzlebiger Computerhardware. Aufgrund der langen Produktzyklen und der allgemeinen Entwicklungskosten in diesem Sektor ist der Patentschutz der einzige Weg, um sicherzustellen, dass der Patentinhaber als erster von der Erfindung profitiert. Mit besonderem Fokus auf den Pharmasektor ist es auch empfehlenswert, ein IP-Portfolio aufzubauen, das nicht nur ein Medikament schützt, sondern auch dessen Herstellungsverfahren, verschiedene Rezepturen, Dosierungen, Behandlungsregimes usw. Gleichzeitig sollte man die Nutzung zusätzlicher IP-Rechte – etwa eingetragene Warenzeichen – in Betracht ziehen. Nehmen wir als Beispiel die Firma Bayer, die Aspirin erfunden hat. Das Patent für den Wirkstoff Acetylsalicylsäure ist seit Langem abgelaufen, was bedeutet, dass er überall hergestellt und verkauft werden kann. Aber das Warenzeichen garantiert nach wie vor, dass man spezifisch nach Aspirin fragt.

Gibt es auch Gründe, die gegen eine Patentanmeldung sprechen?

Ja, natürlich. Es gibt Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, mit der Patentanmeldung zu warten, bis genügend Daten gesammelt werden konnten. Beispielsweise ist möglicherweise nicht immer empfehlenswert, ein Patent für eine Forschungsplattform anzumelden, um ein Screening-Verfahren für Wirkstoffe zu schützen. Der Grund dafür liegt darin, dass Patentanmeldungen 18 Monate nach der Eingabe veröffentlicht werden und somit alle Zugang zum Verfahren haben. In diesem Szenario kann es sinnvoll sein, zu warten, bis das erste Molekül aus der Plattform hervorgeht, und dann das Produkt zu schützen. Solche strategischen Aspekte sollten jedoch immer von Fall zu Fall besprochen werden.

Welchen falschen Vorstellungen begegnen Sie manchmal im Bereich IP?

Die meisten Forschenden sind sich über den IP-Schutz im Klaren, aber die Umsetzung könnte besser sein. Eine falsche Vorstellung betrifft die sogenannte Gnadenfrist. Im europäischen Patentrecht und in den meisten anderen Rechtssystemen – mit Ausnahme der USA, Japan und Kanada – besteht keine Gnadenfrist. Nachdem Sie Ihre eigene Erfindung öffentlich bekannt gemacht haben, indem Sie darüber schreiben oder sprechen, können Sie möglicherweise keine Patentrechte mehr für Ihre Erfindung geltend machen.

Worüber dürfen Forschende mit ihren Forschungskollegen sprechen?

Eine Erfindung ist neu, wenn sie nicht Teil des Stands der Technik ist. Das heisst, sie darf nicht öffentlich bekannt sein. Also kann jedes Gespräch mit einem Kollegen oder eine Posterpräsentation an einer Konferenz vor der Patentanmeldung die Neuartigkeit der Erfindung zunichtemachen. Sie denken vielleicht, dass es niemand herausfinden wird. Sobald aber Geld im Spiel ist, werden Drittparteien nichts unversucht lassen. Natürlich sind wir uns des Konflikts zwischen Patentanträgen und der Notwendigkeit, wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen oder Präsentationen abzuhalten, bewusst. Wenn Sie nicht sicher sind, was Sie tun sollen, ist es immer besser, zuerst – auch kurzfristig – zu uns zu kommen, bevor Sie etwas veröffentlichen, eine Posterpräsentation abhalten oder auf eine andere Weise irgendetwas bekannt geben.


Über Phillip Marchand
Philipp Marchand leitet die Basler Niederlassung von Vossius & Partner. Nach Abschluss seines Studiums der Biochemie an der Universität Frankfurt am Main und seiner Promotion an einem CNRS-Institut in Paris begann er seine Karriere im Rahmen eines Praktikums als Patentanwalt bei Vossius & Partner in München. Nach Ablegen der Anwaltsprüfung wechselte er Anfang 2017 nach Basel. Vor Kurzem hat er seine Doktorarbeit in Rechtswissenschaft an der Universität Basel in Angriff genommen. Vossius & Partner ist eine führende Patentanwaltskanzlei, die ein Full-Service-Konzept mit der juristischen Kompetenz von Patentanwälten in allen Technologiebereichen anbietet. Zudem sind die Rechtsanwälte der Firma nicht nur berechtigt, in Europa und der Schweiz zu praktizieren, sondern auch in den USA, Japan, Taiwan und Korea. Die Kanzlei beschäftigt 55 Patentanwälte und 20 Rechtsanwälte in ihren Niederlassungen in München, Düsseldorf, Berlin und Basel.

report Invest in Basel region

Salina Raurica kommt voran

16.05.2019

report Innovation

Impact Hub Switzerland etabliert grösste Community für Entrepreneure in der Schweiz

16.05.2019

report BaselArea.swiss

Die Connecting Innovators-App ist da

11.04.2018

Die BaselArea.swiss-App verbindet Innovatoren und unterstützt innovative Ideen.

Einer der wichtigsten Vorteile von BaselArea.swiss ist das weitreichende Netzwerk, was von den Zielgruppen unserer Seminare, Workshops und Konferenzen immer wieder bestätigt wird. Um das Networking während der Veranstaltungen und danach zu vereinfachen, lanciert BaselArea.swiss zusammen mit SAS Papott die App „Connecting Innovators“.

Die Anwendung ist einfach: Laden Sie die App via Google Play oder App Store herunter, melden Sie sich mit Ihrem LinkedIn-Konto an und füllen Sie Ihr Profil aus. Sie sehen die anderen Veranstaltungsteilnehmer in einer Liste mit Name und Bild, gefiltert nach der Nähe zu Ihrem Standort, wodurch Sie leicht mit anderen Teilnehmern in Verbindung treten können. Sie können nicht nur sehen, welche Benutzer an denselben Veranstaltungen teilnehmen, es ist auch einfacher für Spezialisten, Personen zu kontaktieren, die ähnliche Interessen haben, oder für Unternehmer, potenzielle Investoren anzusprechen.

Networking einfach gemacht

Ursprünglich wollte der Entwickler und Gründer von SAS Papott, Maxime Vitrey, unsere Fähigkeit verbessern, mit unseren Mitmenschen in einem allgemeineren Kontext Verbindung aufzunehmen. Deshalb entwarf er eine offene App. Alle, die ein Profil erstellten, konnten sehen, wer sich in der Nähe befindet. „Ich wollte die Kontaktaufnahme für alle vereinfachen.“ Er erkannte auch das Potenzial dieser Technologie für das Networking an Konferenzen. „Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, Kontakte mit Teilnehmern zu knüpfen, die ich noch nicht kenne“, sagt Maxime Vitrey. Die Herausforderungen sind vielfältig: Viele Personen bleiben zusammen, weil sie einander bereits kennen. Oft sind die Namensschilder kaum lesbar. Zudem ist es unhöflich, Personen zu unterbrechen, die in einem Gespräch vertieft sind. Nicht zuletzt ist es schwierig, die Personen zu finden, mit denen man reden sollte, weil sie dieselben Interessen teilen.

Die Welt des Unternehmertums

Nach einem von BaselArea.swiss organisierten Startup-Seminar wandte sich Maxime Vitrey an Sébastien Meunier, Head of Innovation & Entrepreneurship, um ihm die Entwicklung einer Applikation vorzuschlagen, die den Bedürfnissen der Organisation entspricht. „Wir haben rasch entschieden, es auszuprobieren“, sagt Maxime Vitrey. Als erfahrener Projektmanager lernte er während der Implementierung des Projekts neue Techniken kennen und sammelte nützliche Erfahrungen, weil er die gesamte Wertschöpfungskette steuerte. Derzeit will er neue Kunden gewinnen, um Klone der App zu bauen. Er meint, grosse Unternehmen könnten damit die Interaktionen in während Meetings oder unter den Mitarbeitern fördern. Zudem eignet sich die Technologie auch für Spitäler, damit die Patienten mit anderen Patienten in Kontakt treten können. Obwohl Maxime Vitrey immer noch für seinen langfristigen Arbeitgeber Jet Aviation arbeitet, freut er sich trotzdem über seinen erfolgreichen Eintritt in die Welt des Unternehmertums. „Es ist extrem spannend, endlich der Unternehmer zu sein, der ich schon immer sein wollte.“

BaselArea.swiss kann dank der App den Teilnehmern der über 70 Veranstaltungen pro Jahr noch mehr bieten: „Die App trägt dazu bei, eine unserer Kerndisziplinen zu stärken, denn sie ermöglicht eine offene und unterstützende Unternehmenskultur – ein solides Netzwerk mit zugänglichen Mitgliedern“, so Sébastien Meunier. „Wir hoffen, dass viele unserer Teilnehmer die App verwenden werden.“

Schliessen Sie sich uns an, damit Networking einfach, effizient und sinnvoll bleibt. Laden Sie die App „Connecting Innovators“ via Google Play oder App Store herunter und teilen Sie uns mit, was Sie davon halten.

report Innovation

Universität Basel zählt zu innovativsten Hochschulen

14.05.2019

report Life Sciences

Schweizer Biotech-Branche wächst

08.05.2019

report ICT

«Ein gutes Netzwerk ist Power»

03.04.2018

Melanie Kovacs war frustriert von ihrem Informatik-Unterricht – und entwickelte mit Master21 ihr eigenes Angebot. Dass sie damit Erfolg hat, verdankt sie nicht zuletzt ihrem intensiv gepflegten Netzwerk, das in Basel weiter gewachsen ist: Mit dem Netzwerk im Bereich Tech- und Innovation «We Shape Tech» verfolgen Melanie Kovacs und ihre Mitstreiterinnen das Ziel, Frauen, die in Firmen im Tech- und Innovationsbereich arbeiten, sichtbarer zu machen und damit die Diversität zu fördern.

Frau Kovacs, Sie haben mit 28 Jahren Master 21 gegründet. Wie kam es dazu?

Ich hatte als Mit-Initiantin des Gründerinnennetzwerks Aspire viele spannende Frauen kennengelernt. Eine davon war Valérie Vuillerat, die Geschäftsführerin von Ginetta. Sie bot mir einen Job an, den ich akzeptierte. In der Agentur war ich das Bindeglied zwischen Kunden und Entwicklern. Ich arbeitete eng mit den Leuten aus dem technischen Bereich zusammen, sprach aber deren Sprache nicht. Ich habe dann nochmals Kurse an der Uni besucht. Aber das war furchtbar theoretischer, langweiliger Frontalunterricht, der mir keinen Spass machte. Ich war sicher, jeder kann Programmieren lernen, aber ich fand, das muss auch anders gehen.

Was macht Ihre Firma denn besser?

Wir machen genau das, was mir damals fehlte: Wir vermitteln Personen ohne technischen Hintergrund in einer angenehmen Atmosphäre und anhand vieler praktischer Übungen genügend Kompetenzen und Selbstvertrauen im Programmieren. Dabei geht es den meisten wie mir – sie wollen nicht unbedingt eine neue Karriere einschlagen, sondern auf einer soliden Basis mit Entwicklerinnen und Entwicklern zusammenarbeiten. Bei Master21 lernen sie die grundlegenden Begriffe und Konzepte und verstehen, wie Design, Frontend, Backend und Datenbanken zusammenhängen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen HTML, CSS, Javascript, Ruby kennen und probieren selbst aus, wie objektorientiertes Programmieren funktioniert.

Wie lief der Gründungsprozess?

Ich habe neben meinem Job bei Ginetta schon ein Pilotprojekt für Master21 gestartet. Für mich war der fliessende Übergang ideal. Mein Co-Founder ist für den technischen und inhaltlichen Teil zuständig, ich fürs Business. Ich bin ganz froh, dass er mir damals einen Schubs gab, endlich anzufangen. Ich bin nicht sicher, ob ich es mir allein zugetraut hätte, eine Firma auf die Beine zu stellen. Vor einigen Monaten konnten wir eine neue Mitarbeiterin anstellen. Ich finde es sehr motivierend, wenn nicht jede Initiative nur an mir hängt, sondern wenn ich mich mit einem Team austauschen kann.

Was schätzen Sie am meisten daran, Unternehmerin zu sein?

Ich kann meinen Tagesablauf flexibel gestalten, ich lerne viel und ich arbeite jeden Tag mit gescheiten, spannenden Menschen zusammen. Ausserdem stelle ich fest, dass mein Angebot die Kursteilnehmer direkt beeinflusst: Es gab sogar schon zwei Fälle, in denen Leute sich im Kurs trafen und anschliessend ein eigenes Projekt miteinander starteten. Schwieriger ist es, Entwicklerinnen und Entwickler zu finden, die gern und gut unterrichten.

Wie geht es mit Master21 weiter?

Derzeit nehme ich am Accelerator Program von Entrepreneurs’ Organization teil. Zusätzlich arbeite ich mit einem Coach zusammen. Derzeit ist eine Finanzierungsrunde kein Thema für mich, weil ich gern unabhängig von Investoren weiterwachsen möchte. Ich will, dass die Firma sich entwickelt, aber in meinem eigenen Tempo und mit einer langfristigen Perspektive.

Firmensitz ist in Zürich, Sie leben in Basel. Was passiert wo?

In Zürich bin ich, wenn ich im Impact Hub arbeiten und Leute treffen will. Auch die Kurse finden bisher dort statt. In Basel arbeite ich im Homeoffice an der Unternehmensstrategie und schreibe Texte. Wenn es mir zu ruhig wird, gehe ich ins Unternehmen Mitte und arbeite dort oder ich treffe mich in der Markthalle mit jemandem zum Mittagessen. Ich finde, man spürt in Basel dank der vielen Expats eine grosse Offenheit.

Wie wichtig ist Ihr persönliches Netzwerk für den Erfolg von Master21?

Mein Netzwerk ist absolut zentral. Ich habe zu Beginn jeden einzelnen meiner Kontakte per Mail angeschrieben, von meinem neuen Projekt berichtet und zu Feedback eingeladen. Ich pflege mein Netzwerk per LinkedIn und per Mail, ich gehe regelmässig mit Leuten Kaffee trinken. Ich besuche auch Events wie TEDxZürich – und ich bin aktiv bei We Shape Tech.

Sie sind eine begeisterte Netzwerkerin.

Ja, mir fällt das leicht. Networking ist ja bei vielen so negativ besetzt. Mir geht es nicht darum, Kärtchen einzusammeln. Ich möchte Leute kennenlernen. Und ich führe lieber ein Gespräch mit einer Person als vielen schnell meine Karte in die Hand zu drücken. Mir macht Netzwerken richtig Spass, denn ich kann von allen etwas lernen. Vor ein paar Jahren war ich einfach überall dabei, auch, um mein Business zu promoten. Mittlerweile finde ich es langweilig, wenn jeder nur seinen Pitch abliefert und wähle besser aus, wo ich teilnehme. Ich finde Netzwerken besonders bereichernd, wenn man sich mit anderen in kleinen Gruppen über ein gemeinsames Thema austauschen kann.

Sie haben die Initiative für Diversität, das Netzwerk We Shape Tech, das zuvor bereits in Zürich und Bern aktiv war, nach Basel gebracht. Warum hat das in Basel noch gefehlt?

Im Tech- und Innovationsbereich hat Basel noch viel Potenzial. Das haben wir auch daran gemerkt, dass wir mit offenen Armen empfangen wurden. Unser Board-Member Elaine Skapetis ist Entwicklerin bei Adobe. Die Firma hat uns bei unseren ersten zwei Basler Events ohne zu zögern grosszügig unterstützt. Beim Launch-Event war der Raum zum Bersten voll, wir haben unglaublich viel Zuspruch erhalten. Wir bieten Menschen, die im Tech- und Innovationsbereich arbeiten oder die daran interessiert sind die Möglichkeit, sich miteinander auszutauschen und von anderen zu lernen. Dabei setzen wir auf ein spezielles Format, bei dem eine Person ihre persönliche Story erzählt, eine Diskussion angestossen wird und Zeit zum Netzwerken vorhanden ist. Unser Ziel ist es, Menschen zu verbinden, Wissen zu vermitteln und Zugang zu anderen Organisationen und Partnern zu gewährleisten. Wissen und ein gutes Netzwerk sind Power.

Was bringen Netzwerke, die sich hauptsächlich an Frauen richten?

In Basel sind auch Männer bei «We Shape Tech» willkommen. Um Diversity voranzutreiben, braucht es sowohl Männer als auch Frauen. Allerdings machen bis jetzt leider nur wenige Männer von der Möglichkeit Gebrauch. Die wenigen Männer, die an den Treffen dabei sind, erleben den Anlass so, wie ihn Frauen auch oft erleben, nämlich als Teil einer Minderheit. Wenn Frauen unter sich sind, entsteht eine entspanntere Atmosphäre. Das erlebe ich auch in den Kursen speziell für Frauen bei Master21: Sind Frauen unter sich, getrauen sie sich mehr. Dann stellen sie auch die Fragen, die sie sich mit Männern im Raum verkneifen würden und äussern sich mehr und selbstbewusster, als wenn Männer dabei sind.

Über Melanie Kovacs
Melanie Kovacs gründete Master21, wo Interessierte in praxisbezogenen Kursen in die Grundlagen des Programmierens eingeführt werden. Zuvor hatte sie das Gründerinnennetzwerk Aspire gegründet und Start-up-Weekends organisiert. Die Unternehmerin studierte Business Administration an der Zürcher Hochschule für Wirtschaft und an der Universität Madrid und absolvierte einen CAS in Requirements Engineering an der Hochschule für Technik Rapperswil. Zusammen mit Aileen Zumstein und Elaine Skapetis hat Melanie Kovacs das Netzwerk «We Shape Tech» nach Basel geholt. Die Initiative für “Movement in Diversity” bietet eine Plattform und Community für Menschen, die im Tech- und Innovationsbereich etwas bewegen wollen. Parallel fokussiert sich die Organisation auf Wissensvermittlung und fördert den Austausch.

report Invest in Basel region

Basler Wirtschaft ist stark unterwegs

03.05.2019

report Innovation

Basler Lyfegen schliesst Finanzierungsrunde ab

18.04.2019

report Life Sciences

«Ich denke gern über scheinbar unlösbare Probleme nach»

13.03.2018

Andreas Plückthun forscht da weiter, wo andere aufhören: In seinem Labor arbeiten 40 Mitarbeitende im Protein-Engineering. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für drei Biotech-Firmen: Morphosys bei München sowie Molecular Partners und G7 Therapeutics (jetzt Heptares Zürich) in Schlieren. Andreas Plückthun erzählte uns am Rand des Antibody Congress in Basel, warum er der Forschung treu geblieben ist.

Herr Plückthun, Sie haben in drei Jahrzehnten drei Biotech-Firmen mitgegründet. Wie kam es dazu?

Andreas Plückthun: Am Anfang stand immer die Neugier, etwas herauszufinden – nie der Wunsch, eine Firma zu gründen. Nachdem wir künstliche Antikörper hergestellt und gelernt hatten, wie wir das Immunsystem nachahmen können, haben wir die Firma Morphosys gegründet. Dann stellte sich die nächste Frage: Können wir das auch mit anderen Proteinmolekülen machen und damit neue Probleme lösen? Daraus entstanden die Designed Ankyrin Repeat Proteins (DARPins) und eine zweite Firma, Molecular Partners in Schlieren. Die nächste Herausforderung bestand darin, Rezeptoren durch Protein-Engineering zu stabilisieren um für diese Angriffspunkte besser Medikamente entwickeln zu können. Aufgrund dieser Forschung haben wir die dritte Firma gegründet, G7 Therapeutics.

Wer hat die Ausgründungen jeweils vorangetrieben?

Bei der ersten Firma waren das meine Forscherkollegen. Ich war damals der skeptischere von uns dreien. Die beiden anderen Firmen sind klassische Spinoffs meiner Doktoranden und Postdoktoranden.

Wie geht es den Unternehmen heute?

Morphosys hat heute 430 Mitarbeitende. Vor kurzem hat die Firma ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Ausserdem haben wir die erste Zulassung von der FDA für einen Antikörper erhalten, der also jetzt am Markt erhältlich ist. Die Firma ist eine der wenigen, die noch genau das macht, was wir damals in den Businessplan geschrieben haben, und damit erfolgreich ist. Molecular Partners hat 130 Mitarbeitende, mehrere Studien in Phase zwei und drei und ist wie Morphosys an der Börse. G7 Therapeutics wurde vom englischen Unternehmen Heptares gekauft, die wiederum zur japanischen Firma Sosei gehört. Kurz: Es geht allen Firmen gut. Ich halte das Gründen selbst für keine besondere Errungenschaft. Die Errungenschaft ist eher, dass die Firma floriert und Medikamente auf den Markt bringt.

Welche Veränderungen haben Sie im Lauf der Jahrzehnte bei den Gründungen wahrgenommen?

Das Klima hat sich völlig verändert. In Europa war es vor 25 Jahren völlig gegen den Strich, eine Biotechfirma zu gründen. Dafür ging man nach Kalifornien. In Amerika wurde ich als Forscher und Gründer an einem Symposium mal mit den Worten vorgestellt: "He is like us". Dort war es schon viel länger üblich, Forscher und Unternehmer zu sein. Auch bei uns ist die Skepsis inzwischen weg, jetzt werden solche Gründungen positiv beurteilt. Ausserdem gibt es unterdessen eine Venture Capital-Szene. Fairerweise muss ich sagen, dass es Geldgebern gegenüber hilft, wenn man bereits eine erfolgreiche Firma gegründet hat. Der erste Deal ist der schwerste.

Sie scheinen als Gründer recht erfolgreich zu sein. Hat es Sie nie gereizt, in eine Ihrer Firmen zu wechseln?

Für mich stand es nie zur Diskussion, die Hochschule zu verlassen. Es ist ein unglaubliches Privileg, vom Staat dafür bezahlt zu werden, verrückte Sachen zu machen. Ich wollte immer an der Hochschule über die nächste Herausforderung nachdenken. In diesem Rahmen keine Rechenschaft über den Quartalsgewinn ablegen zu müssen, ist die einzige Möglichkeit, wie Fortschritt entstehen kann. In einer Firma, die Geld von Investoren verforscht, kann man die risikoreichen und langfristigen Projekte, die mich interessieren, gar nicht machen. Ich kann aber behaupten, dass ich dank der Firmen, die auf meiner Forschung basieren, meine Dividende zurückbezahlt und viele Arbeitsplätze geschaffen habe.

Sie widmen sich also weiter der Grundlagenforschung. Lässt sich die überhaupt in Richtung Kommerzialisierbarkeit steuern?

Wir wollten immer ein Problem lösen, das uns bedeutend genug erschien. Irgendwann stellt sich in der Forschung die Frage, wie man die Ergebnisse verwendet, was man daraus macht. Hätten wir die Ergebnisse nicht kommerzialisiert, hätten die Projekte an einem interessanten Punkt einfach aufgehört. Wir wären auf halber Strecke stehengeblieben. Das ist vergleichbar mit einem Bauplan für einen Computer, den man dann aber nicht baut. Indem wir die Firmen gegründet haben, konnten wir sicherstellen, dass die Projekte weitergehen.

Gibt es im Rahmen Ihrer Forschung Kollaborationen mit der Industrie?

Die direkte Zusammenarbeit zwischen der Pharmaindustrie und unserem Labor hat noch nie richtig funktioniert. Die Erwartungen und Zeithorizonte sind sehr unterschiedlich. Wir entwickeln neue Ideen und Konzepte – das passt oft nicht recht zur grossindustriellen Pharmaforschung. Ich glaube, ich trete niemandem auf den Schlips, wenn ich sage, dass die Pharmaindustrie sehr konservativ ist. Wir haben zwar viele Kontakte, aber kaum Kollaborationen. Allerdings arbeiten unsere Ausgründungen sehr gut mit der Pharmaindustrie zusammen.

Welchen Themen widmen Sie sich als nächstes?

Wir forschen an künstlichen Viren, die sich nicht vermehren können. Die Viren sollen die Proteine, die man als Therapeutika braucht, gleich im Körper produzieren. Das ist so weit weg von der praktischen Umsetzung, dass ein solches Projekt nur an einer Hochschule möglich ist. Aber ich bin absolut überzeugt, dass es eine enorme Bedeutung hätte, wenn es funktionieren würde. Ich könnte nicht ruhig sitzen, wenn wir es nicht wenigstens versuchen würden. Wir versuchen in meinem Labor also einmal mehr, ein Problem zu lösen, das die meisten im Feld als unlösbar ansehen würden. Das ist das, was mich morgens aufstehen lässt. Ich will zeigen, dass es doch geht.

Erfahren Sie an unserer Veranstaltung am 24. April mehr über Andreas Plückthun und seine Arbeit zwischen Grundlagenforschung und Unternehmertum.


Über Andreas Plückthun
Andreas Plückthun ist Biochemiker und forscht auf dem Gebiet des Protein-Engineering und der gerichteten Evolution von Proteinen, insbesondere von Antikörpern, synthetischen Bindungsmolekülen und Membranproteinen. Seit 1993 ist er Professor am Biochemischen Institut der Universität Zürich. Er studierte Chemie an der Universität Heidelberg und promovierte an der Universität San Diego in Kalifornien. Sein Postdoktorat absolvierte er am Institut für Chemie und Chemische Biologie der Harvard Universität. Nach seinem siebenjährigen Amerikaaufenthalt kehrte Andreas Plückthun nach Deutschland zurück und wurde Gruppenleiter am Genzentrum der Universität München und am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. Er ist Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) und gehört der Leopoldina an, der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Er erhielt zahlreiche internationale Preise und wurde als Pionier des Protein Engineering ausgezeichnet. Andreas Plückthun ist Mitgründer der beiden Spin-Off Firmen Morphosys (heute: 400 Mitarbeiter) und Molecular Partners (heute 40 Mitarbeiter), die an der Börse notiert sind.

Interview: Annett Altvater und Stephan Emmerth, BaselArea.swiss

report Precision Medicine

Basler Start-up setzt sich gegen hundert Firmen durch

03.04.2019

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Event Impressions and some Key Quotes: Perfecting Partnerships for Life Sciences Startup S...

02.04.2019

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Meet the BaseLaunch Startups

11.03.2018

Six of the BaseLaunch startups recently started Phase II. They received either grants up to 250,000 Swiss francs or gained free of charge access to BaseLaunch laboratory and office space at the Switzerland Innovation Park Basel Area. Hear what the startups, the BaseLaunch team and selection committee members experienced in the first year. Find out more about what makes BaseLaunch unique.

The BaseLaunch accelerator is now open for applications for the second cycle. Entrepreneurs with a healthcare based project or a game-changing innovation in diagnostics, medtech or related field at the pre-seed or seed funding stage are invited to submit their applications to the program.

Following the application deadline on 14 May, promising projects will be admitted to the accelerator program for a period of 15 months. In phase I, the startups will benefit from the support of industry experts, office- and laboratory space free of charge and access to healthcare partners. After three months, they will be invited to present their idea to the selection committee. They will determine which promising startups will proceed to Phase II that runs for one year.

BaseLaunch is backed by five industry leaders — Johnson & Johnson Innovation, Novartis Venture Fund, Pfizer, Roche and Roivant Sciences. Other public and private partners such as KPMG and Vossius & Partner also support the initiative.

report Life Sciences

Neu im Switzerland Innovation Park Basel Area: SunRegen

05.03.2019

report Life Sciences

Unitelabs will Labore automatisieren

08.01.2019

report

«Als Unternehmerin muss man Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen»

06.02.2018

Vor fünf Jahren gab Alisée de Tonnac ihre Stelle bei L’Oréal auf und reiste um die Welt, um den Startup-Wettbewerb Seedstars World zu organisieren. Fünf Jahre später ist Seedstars in über 85 Städten weltweit präsent, betreibt eigene Co-Working- und Schulungszentren und plant, bis Ende 2018 15 Seedspaces für Co-Working und Co-Living zu eröffnen. Letzten November trat Alisée de Tonnac beim Swiss Innovation Forum in Basel auf. Anschliessend traf sie sich mit BaselArea.swiss zum Gespräch.

Was war der Hauptgrund für Sie, Ihre Karriere bei einem internationalen Unternehmen aufzugeben und Unternehmerin zu werden?

Ich erinnere mich, wie ich über folgendes Zitat von Eleanor Roosevelt gestolpert bin: «Tue jeden Tag etwas, was dir Angst macht.» Ich dachte, Mensch, ich mache genau das Gegenteil. Ich war selbstzufrieden (ich frage mich, ob dies nicht gleichbedeutend mit «unglücklich» ist), ich war mit meinem beruflichen und privaten Alltag nicht zufrieden oder zumindest wusste ich nicht, wie ich das erreichen sollte. Ich ahnte damals nicht, dass Unternehmertum und der Aufbau von etwas Eigenem die nötige Veränderung bringen würden. Aber genau das ist jetzt ein Teil von mir und hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Was bedeutet Unternehmertum für Sie?

Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass es verschiedene Arten von Unternehmern gibt. Der eine baut alles aus dem Nichts auf und ruht nicht, bis die Idee Realität ist. Andere wie ich nehmen bestehende Ideen auf, die sie gut finden, und setzen sie in grösserem Massstab um. Potenziell kann Unternehmertum also für jeden passen, je nach Persönlichkeitseigenschaften. Und natürlich muss man mit Unsicherheit, Risiken und Selbstmanagement umgehen können. Mir gefällt, dass ich selbst entscheide, wie ich meinen Tag gestalte. Das ist spektakulär. Um ehrlich zu sein, ist einer der wesentlichsten Bestandteile meines beruflichen und persönlichen Erfolgs, dass ich mit einem unglaublichen Team zusammenarbeite. Meine Mitgründer machen den Unterschied aus. Ich weiss nicht, ob ich in der Lage gewesen wäre, ein Unternehmen auf eigene Faust zu gründen. Das Team ist entscheidend – schliesslich verbringt man jeden Tag mit diesen Leuten.

Was ist Ihrer Meinung nach wichtig in einem Team von Mitgründern?

Meine Mitgründer und ich ergänzen einander perfekt. Ich denke operativ, eine Strategin bin ich nicht. Ein Stratege plant die nächsten fünf Jahre, sieht alle Hindernisse und macht trotzdem weiter. Noch wichtiger ist jedoch, dass wir sichergestellt haben, dass unsere Werte übereinstimmen. Wir haben uns gefragt, ob wir in guten und in schlechten Zeiten zueinander stehen können. Gemeinsame Werte haben sich als unsere grösste Stärke herausgestellt und sind einer der Gründe, weshalb wir fünf Jahre später immer noch da sind. Wir wollen Gutes mit guten Menschen aufbauen. Wir glauben, dass wir Gutes tun und dabei profitabel sein können. Das Wichtigste ist dieses Wertefundament, das uns unter allen Belastungen zusammenhält – zumindest bis jetzt ...

Bevor Sie Seedstars mitbegründet haben, waren Sie für L’Oréal tätig. Wie wichtig war diese Erfahrung für Ihre jetzige Arbeit?

Ich lernte viel über die Geschäftswelt, Kultur, Teamwork und sozialen Druck. Ich weiss auch, was ich nicht tun will. Das ist genauso wichtig. Bei L’Oréal lernte ich auch, wie ich die Kultur unserer neuen Struktur aufbauen will. Die Kultur ist grundlegend bei der Führung und Vergrösserung des Unternehmens. Ich würde sagen, man lernt in Konzernen, was sie voneinander unterscheidet und was eine klar definierte und kommunizierte Kultur ausmacht.

Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie Unternehmerin wurden?

Die selbstständige Gestaltung des eigenen Tages und der eigenen Handlungen. Man muss Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen. Man kann es nicht überspielen und man kann sich nicht hinter der Marke oder hinter cc-Mails verstecken. Als ich merkte, dass nur ich die ganze Maschine in Gang bringen konnte, war das beängstigend – und gleichzeitig sehr erfüllend.

Sie arbeiten mit Unternehmern in über 60 Ländern zusammen. Mit welchen Themen beschäftigen sich die?

Im Gesundheitswesen gibt es zahlreiche digitale Plattformen. Mit einer kann man beispielsweise gefälschte Medikamente erkennen. Das ist in Schwellenmärkten wie etwa Nigeria sehr wichtig. Es gibt auch Telemedizinplattformen, über die Patienten aus ländlichen Regionen Fachärzte erreichen. Oder Aufklärungsapps für schwangere Frauen, denn die Entbindung ist in dieser Region immer noch eine häufige Todesursache.

Seedstars hat eigene Schulungen für Unternehmer lanciert. Weshalb war das nötig?

Fähige Menschen gibt es überall, aber nicht jede talentierte Person hat denselben Zugang zu Bildung, Kontakten und Infrastruktur. Mit unseren Schulungen erreichen wir fähige Menschen, zu denen bislang noch kein Kontakt möglich war.

Was haben Sie durch Ihre Erfahrung in Lagos gelernt?

Wir sind in Märkten präsent, die einen grossen Teil der Welt ausmachen. Wenn man sich mit den verschiedenen Konsumgewohnheiten, radikalen Veränderungen und wachsenden Städten auseinandersetzt, kann man die Welt von morgen besser verstehen. Wir leben heute in einer globalen Wirtschaft. Die Welt endet nicht an Staatsgrenzen. Wer das ignoriert, schränkt sich beruflich wie persönlich ein. Nehmen wir Lagos als Beispiel: Dort leben 20 Millionen Menschen, auf den Strassen ist unglaublich viel los, alle sind jung und man spürt diese «Alles ist möglich»-Dynamik. Die Gegensätze sind krass, wenn man nach Genf zurückkehrt. Dort liegen zwischen mir und der nächsten Person ein paar Meter Platz. Nach zwei Wochen beschwere ich mich, wenn der Bus fünf Minuten Verspätung hat. Uns geht es sehr gut, und wir können uns glücklich schätzen – und genau das kann auch Innovationen erschweren. Ein hoher Lebensstandard kann ein Ziel sein, aber in vielerlei Hinsicht hält er den Fortschritt auf.

Ihr Unternehmen ist in Genf eingetragen. Wie wichtig ist der Schweizer Hauptsitz?

Zunächst sind wir sehr stolz auf das «Swiss made». Diese Herkunft hat bei der weltweiten Geschäftsskalierung geholfen. Die Werte, die mit der Flagge assoziiert werden – Qualität, Professionalität und Neutralität –, wollen wir auch vor Ort leben. Da alle Partner in der Schweiz aufgewachsen sind, stehen wir in enger Verbindung unseren privaten und öffentlichen Kontakten. Ausserdem ist die Schweiz eine bedeutende internationale Drehscheibe. Starke öffentliche Institutionen wie die UNO in Genf oder das WEF in Davos spielen in den Märkten, in denen wir mit Seedstars präsent sind, eine wichtige Rolle. Viele multinationale Unternehmen, die ihren Sitz hier haben, sind ebenfalls sehr an diesen Schwellenmärkten interessiert, nicht zuletzt wegen der Talentakquise. Ausserdem stellen sie potenzielle Lösungen bereit. Es ist entscheidend, in der Schweiz sowie in den Ländern, in denen wir unsere Wettbewerbe durchführen, präsent zu sein. Interessanterweise beginnen Innovationen langsam in die umgekehrte Richtung zu fliessen: Safaricom ist der grösste Mobilfunkprovider in Kenia und hat die Zahlungslösung M-Pesa auf den Markt gebracht. Das Unternehmen testet momentan seine Lösung in Rumänien und Albanien. Ich bin sicher, dass in Zukunft Produkte nicht mehr nur im Norden entwickelt und im Süden verkauft werden. Da werden die Trennlinien allmählich verschwimmen.

Über Alisée de Tonnac
Alisée de Tonnac studierte nach ihrem Abschluss an der HEC Lausanne an der Bocconi-Universität in Mailand internationales Management (Master). Die französische Staatsbürgerin lebte in Singapur, im Silicon Valley, in der Schweiz, in Italien sowie in Lagos (Nigeria). Sie war Produktmanagerin für Luxusmarken bei der L’Oréal-Gruppe und arbeitete für Voyage Privé, eines der interessantesten europäischen Start-ups. Nachdem sie 2013 ein Jahr um die Welt gereist war, um die erste Ausgabe des Start-up-Wettbewerbs von Seedstars World zu organisieren, führt Alisée de Tonnac nun das Unternehmen. Ihr Wissen über Technologie-Trends, Social Media und das Konsumentenverhalten in aufstrebenden Märkten ist höchst umfangreich. Alisée de Tonnac ist Verwaltungsratsmitglied der School of Management in Fribourg und Mitglied im Innovationsrat der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung. 2017 wurde sie vom US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» auf die Liste der 30 wichtigsten sozialen Unternehmer unter 30 gesetzt. 2015 war sie Innovation Fellow des britischen Techmagazins «Wired».


Über Seedstars
Seedstars ist eine Schweizer Gruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben von Menschen in Schwellenmärkten mittels Technologie und Unternehmertum positiv zu beeinflussen. Seedstars verbindet Stakeholder, baut mit Hilfe der öffentlichen Hand und privater Partner Unternehmen auf und investiert in wachstumsstarke Start-ups aus diesen Ökosystemen. Seedstars sucht vielversprechende Start-ups, baut Unternehmen auf und betreibt Beschleunigungsprogramme. Durch diese Arbeit hat das Team ein leistungsfähiges Netzwerk aufgebaut, in dem Unternehmern, Investoren, Inkubatoren, Konzerne und Regierungsvertreter aus mehr als 65 rasch wachsenden Volkswirtschaften weltweit vertreten sind. Seedstars ist seit 2013 aktiv, als in 20 Schwellenmärkten der erste Start-up-Wettbewerb veranstaltet wurde. 2018 läuft der Wettbewerb in mehr als 85 Städten. Gleichzeitig ruft die Seedstars Group weltweit 15 strategische Drehscheiben (Seedspaces, Co-Working-Aktivitäten, Beschleunigungsprogramme und Schulungszentren) ins Leben. Das Geschäftsmodell setzt auf wiederkehrende Partnerschaften mit lokalen und internationalen Akteuren, die am sogenannten Impact Investment in den Bereichen Technologie und Innovation beteiligt sein wollen. Ein Teil des Umsatzes wird mit einem hybriden Unternehmensaufbaumodell generiert, innerhalb dessen Seedstars in neuen Märkten Unternehmen gründet, deren bewährten Geschäftsmodelle an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Bisher hat Seedstars in 15 Start-ups investiert. Weitere 10 bis 15 Investitionen sind für das dritte Quartal 2018 vorgesehen.

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Belles rencontres pour nos 3 gagnants du concours i4Challenge 2018 au salon Industrie du F...

13.12.2018

report BaselArea.swiss

Baselland unterstützt verstärkt Start-ups

15.11.2018

report

«Wir versetzen Basel ins Impact Hub-Fieber»

09.01.2018

Impact Hubs sind eine Erfolgsgeschichte: 2005 in London ins Leben gerufen, gibt es unterdessen über 100 Impact Hubs in aller Welt, denen über 15'000 Mitglieder angehören. Nach Bern, Zürich, Genf und Lausanne soll auch Basel seinen Impact Hub bekommen. Dafür engagiert sich der Verein Hubbasel, den der Unternehmer André Moeri, die Nachhaltigkeitsexpertin Connie Low sowie die Anwältin Hanna Byland gründeten. Warum ein Impact Hub mehr ist als ein Coworking-Space und wie nicht nur Entrepreneurs, sondern auch Investoren und Unternehmen davon profitieren, erklärt Hanna Byland im Interview.

Frau Byland, Sie engagieren sich seit Anfang 2017 ehrenamtlich bei Hubbasel. Wie kam es dazu?

Ich war zur Eröffnung des Impact Hubs in Bern eingeladen und war begeistert vom Konzept. Also habe ich herumgefragt, ob es auch in Basel Bestrebungen für einen Impact Hub gibt und kam so mit Connie Low und André Moeri zusammen. Wir teilen die gleichen Werte, von der respektvollen Zusammenarbeit über eine positive Zukunftsvision bis hin zur Bereitschaft, uns aktiv dafür einzusetzen. Gleichzeitig bringt jeder von uns unterschiedliche Fähigkeiten ein. Connie ist sattelfest im Nachhaltigkeitsbereich und eine stetige treibende positive Kraft. André kümmert sich um die Unternehmenskomponente und sieht das Potenzial in Ideen und Menschen. Ich bin eher praktisch veranlagt und behalte die rechtliche Komponente und Durchführbarkeit im Blick – eine ideale Kombination. Den Verein Hubbasel haben wir Anfang 2017 zu dritt gegründet. Inzwischen sind wir bereits zu acht. Alle haben unermüdlich an der Realisation dieses Vorhabens gearbeitet und dazu beigetragen, dass wir im globalen Netzwerk bereits für den Status «Impact Hub Candidate» nominiert wurden.

Wann wird der Impact Hub Basel eröffnet?

Wir würden gerne in der zweiten Hälfte 2018 eröffnen. Derzeit sind wir in den Launchlabs bei Andreas Erbe zu Gast. Der Ort ist ideal, sehr inspirierend. Aber wir suchen nach eigenen Räumlichkeiten, die 1'000 bis 2'000 Quadratmeter Platz bieten. Die Räume sollen so ausgelegt sein, dass Unternehmen flexibel wachsen und schrumpfen können.

Inwiefern unterscheidet sich der Impact Hub von einem Co-Working-Space?

Ein Impact Hub besteht immer aus drei Komponenten: Inspire - Connect - Enable. Bei uns sollen Unternehmer, Investoren und Kreative zusammenkommen und Inspiration und Unterstützung für ihre Vorhaben finden. Wir wollen nicht nur einen Arbeits-, sondern einen Vernetzungsort schaffen. Jeder Impact Hub bezieht sich auf seinen Standort, bietet aber gleichzeitig die Möglichkeit, in anderen Impact Hubs überall auf der Welt Zugang zu Gleichgesinnten zu finden und so eine lokale Idee mit globalem Impact zu generieren. Bei uns finden all jene zusammen, die durch ihre Arbeit, ihr Unternehmen oder ihre Innovation die Welt ein Stück verbessern möchten. Das sind grosse Ziele, aber irgendwo müssen wir ja anfangen.

Es gibt bereits in Zürich, Bern, Genf und Lausanne Impact Hubs. Warum braucht es in Basel einen weiteren?

Genf pflegt den Austausch zu internationalen Organisationen, Bern eher zur Regierung. Zürich ist näher an der Wirtschaft dran. Ich bin der Meinung, dass Basel einen idealen Nährboden für einen Impact Hub bietet. Wir haben hier weltweit agierende Unternehmen. Gleichzeitig ist das Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung sehr gross. Diese Basler Kombination ist einzigartig.

Wie äussert sich dieses Verantwortungsbewusstsein in Basel?

In verschiedenen kleinen Initiativen, im Tätigkeitsbereich von Stiftungen, aber auch in einem Ort wie der Markthalle oder dem Gundeldingerfeld. In Basel hat die nachhaltige Stadt- und Raumentwicklung einen hohen Stellenwert. Die Lebensmittelproduktion, Ernährung und Foodwaste, aber auch soziale Gerechtigkeit im Sinn von Chancengleichheit in der Bildung und Gleichstellung sind wichtige Themen für die Basler Gemeinschaft. Es gibt viele Akteure und Projekte, die in eine ähnliche Richtung gehen. Dennoch sind viele Initiativen momentan Einzelprojekte. Wir glauben, dass wir diese Kräfte besser bündeln können – durch das Impact Hub Netzwerk sogar weltweit.

An wen richtet sich der Impact Hub Basel?

Wir wollen Unternehmen abholen, die ein Interesse an Nachhaltigkeit haben, ihnen ein Zuhause geben und zeigen, dass sie nicht die Einzigen sind. Für Unternehmen ist der Impact Hub auch eine Quelle für neue Talente. Für Investoren gibt es noch keine vergleichbare Plattform. Man muss bedenken, dass es für Investoren Arbeit ist, gute Firmen zu finden, in die sie investieren können. Da können wir helfen. Auch Unis und Hochschulen sind an einem Ort der Zusammenarbeit interessiert. Sie haben das Wissen und die ausgebildeten Leute und finden über uns den Zugang zur Praxis.

Welches Feedback erhalten Sie bis jetzt?

Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv. Unsere Kommunikationskanäle wie Newsletter, Meetup und Facebook werden rege genutzt. Einmal monatlich veranstalten wir Events, um herauszufinden, wie unsere Gemeinschaft aussieht. An unseren Veranstaltungen nehmen je zwischen 40 und 60 Leute teil. Der Austausch ist lebendig, und das Feedback ist sehr motivierend. In Zukunft wollen wir noch viel mehr Veranstaltungen anbieten, von Workshops und Eventserien über Hackathons bis zu Accelerators, Incubators und Fellowships. Gerade in diesen letztgenannten Bereichen ist uns die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren sehr wichtig. Ferner konnten wir die Christoph Merian Stiftung, die Gebert Rüf Stiftung und die Fondation Botnar davon überzeugen, uns bei der Initialzündung zu unterstützen. Darüber haben wir uns natürlich unglaublich gefreut.

Worum geht es an den Veranstaltungen?

Wir haben immer wieder Unternehmerinnen und Unternehmer zu Gast, die wir mit Investoren und Coaches zusammenbringen. In der Regel steht ein Thema oder eine Problematik im Mittelpunkt. Wir stellen fest, dass viele ihre Fähigkeiten und Hilfe gerne anbieten und einsetzen. Bisher fehlt ein Ort, der einen solchen Austausch möglich macht und wo diese Ideen zur Projekten und Geschäftsideen werden. Der nächste öffentliche Event, bei dem wir mit Studierenden der FHNW zusammenarbeiten, wird am 13. Februar 2017 stattfinden.

Über Hanna Byland
Hanna Byland ist juristische Mitarbeiterin bei der Advokatur und Notariat Neidhardt/Vollenweider/Jost/Stoll/Gysin/Tschopp in Basel. Sie studierte Recht an den Universitäten Luzern und Neuchâtel. Hanna Byland war Mitglied der Jungliberalen im Aargau und engagiert sich seit Anfang 2017 ehrenamtlich beim Verein Hubbasel.

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BaseLaunch’s second round – 10 projects enter Phase I

18.09.2018

report Invest in Basel region

Welcome to Basel: MachIQ

04.09.2018

report Precision Medicine

«Präzisionsmedizin ist die beste Möglichkeit, das Gesundheitswesen umzugestalten»

04.12.2017

Nach 20 Jahren beim Pharmaunternehmen Eli Lilly wollte Bernard Munos Innovation in der Pharmabranche besser verstehen. Ihn interessiert insbesondere, wie Innovationen ermöglicht werden und wie sie sich vervielfältigen lassen. Im Oktober kam er auf Einladung der HKBB und von DayOne nach Basel.

Herr Munos, Präzisionsmedizin gibt es schon seit Jahren. Heute ist sie in aller Munde. Warum?

Das Gesundheitswesen wird durch mächtige Kräfte auseinandergerissen. Auf der einen Seite haben die Wissenschaften so hervorragende Dinge hervorgebracht wie Proteintherapien (Peptide, monoklonale Antikörper), Zelltherapien (CAR-T), Genomeditierung (CRISPR) und eine wachsende Zahl von Technologien, die auf dem molekularen Verständnis von Krankheiten beruhen. Das einzige Problem: All das ist sehr teuer. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung altert, und ältere Menschen neigen zu Krankheiten, deren Therapien teuer sind. Das führt zu einer fast unendlichen Nachfrage nach kostspieligen Behandlungen bei begrenzten Mitteln. Präzisionsmedizin ist der vielversprechendste Weg, um die Wirtschaftlichkeit der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung zu verbessern, das Gesundheitswesen umzugestalten und bezahlbare Behandlungen für alle zu ermöglichen.

Heisst das, das gegenwärtige System ist nicht geeignet, den Nutzen neuer Technologien für alle zugänglich zu machen?

Während Jahrzehnten liefen Forschung und Entwicklung ungefähr nach diesem Schema: Wir wählten eine Krankheit aus, die wir typischerweise nicht völlig verstanden, probierten eine Reihe von Präparaten und warteten ab, ob etwas davon wirkte. Wenn es wirkte, dann hatten wir ein Medikament. Das war zwar plump, aber die Strategie war nicht schlecht. Immerhin gab sie uns Medikamente, lange bevor wir die Krankheiten verstanden, die wir damit behandeln wollten. Manchmal freilich wirkt dieser Ansatz nicht. So haben wir über 350 Präparate gegen Alzheimer getestet, aber keines davon hat gewirkt. Nach wie vor haben wir keine Ahnung, was diese Krankheit verursacht. Es muss einen besseren Weg geben, und das ist die Präzisionsmedizin.

Was wird sich mit der Präzisionsmedizin ändern?

Wenn wir erstmal verstehen, wie Krankheiten funktionieren, dann sind wir so mächtig, dass wir buchstäblich innerhalb von Monaten Moleküle entwickeln können, um diese Krankheiten zu verändern. Präzisionsmedizin gibt uns zusammen mit den Technologien, die sie ermöglichen, das Verständnis dafür, wie wir solche Medikamente entwickeln können. Und sie zeigt uns einen besseren – und am Ende billigeren – Weg auf, um Forschung zu betreiben und Medikamente zu entwickeln. Deshalb wird sie sich auch durchsetzen.

Was braucht es, um die Entwicklung der Präzisionsmedizin zu beschleunigen?

Laut der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) bildet der Mangel an Kenntnissen über den natürlichen Verlauf der meisten Krankheiten das grösste Hindernis für Innovation. Wir verfügen nicht über die Grundlagendaten, die den Verlauf der Krankheit beschreiben. Daher können wir die Verbesserung auch nicht messen, die eine bestimmte Therapie bringen würde. Das schränkt unsere Innovationsfähigkeit ein. Viele Krankheiten bilden sich still und leise über viele Jahre heraus, bevor sie diagnostiziert werden. Nehmen Sie Alzheimer oder Bauchspeicheldüsenkrebs: Wenn sich die Symptome zeigen, ist es für die Behandlung schon zu spät. Die Präzisionsmedizin wird das ändern, weil sie die Daten bereits erhebt, während die Krankheit entsteht, aber der Patient noch keine Symptome zeigt. Das wird die Entdeckung von Krankheiten voranbringen. Und es gibt uns das nötige Wissen, um bessere Therapien zu entwickeln. Vieles wird durch neue und kostengünstige Technologien ermöglicht, mit denen Daten gesammelt werden. Dazu gehören Biosensoren, Apps und andere Hilfsmittel, deren Entwicklung rasche Fortschritte macht.

Das braucht zunächst neue Investitionen. Wer zahlt das?

Derzeit geben börsenkotierte Unternehmen 110 Milliarden Dollar für klinische Forschung aus. Ein grosser Teil davon fliesst in die Datensammlung. Das ist eine riesige Summe, und die Unternehmen sammeln in der Tat riesige Datenmengen. Aber diese Daten haben nur eine beschränkte Reichweite und sind oft von mittelmässiger Qualität. Das Unternehmen Medidata Solutions hat 2014 ein Experiment durchgeführt, um die Fähigkeiten von Biosensoren zu testen. Es holte sich dafür mehrere hundert Patienten und rüstete sie mit ein paar billigen Biosensoren aus, die etwa die körperlichen Aktivitäten der Träger und ihre Herztätigkeit beobachteten. Diese Sensoren sammelten über mehrere Monate bis zu 18 Millionen Datenpunkte pro Patient und Tag. Die Zulassungsbehörden haben diese Daten später überprüft und sie als FDA-kompatibel eingestuft. Ein Kernpunkt dabei: Die Kosten dieser Datensammlung waren unerheblich. Andere Indizien legen nahe, dass wir die Kosten der Datensammlung um bis zu 80 Prozent senken können, wenn wir die Studien so gestalten, dass wir digitale Technologien einsetzen können. Das reicht aus, um die Wirtschaftlichkeit der klinischen Forschung zu verändern. Aber mehr noch: Die Forschung selbst wird verbessert. Heute müssen Medikamententests an homogenen Patientenpopulationen durchgeführt werden, um Fehlerquellen zu vermeiden. Das führt dazu, dass diese Tests die Patientenpopulationen, die wir eigentlich behandeln wollen, nicht angemessen repräsentieren. Biosensoren dagegen können eine Menge Daten von einer grösseren Patientenpopulation erheben, und ihre statistische Bedeutung ist dabei normalerweise kein Thema. Auch die Möglichkeit, hochfrequente Langzeitdaten zu erheben, gibt uns ein viel besseres Bild davon, was mit den Patienten geschieht.

Wie wird das die Medizin verändern?

Wenn heute jemand Alzheimer hat, dann wissen wir weder, wann es begonnen hat, noch warum. Daher können wir erst zu spät in den Krankheitsverlauf eingreifen. Wenn wir Daten von Patienten hätten, bevor die Symptome auftreten, dann können die Forscher zurückschauen und feststellen, wann die Krankheit begonnen und wie sie sich entwickelt hat. Mit solchen Informationen können wir bessere Medikamente entwickeln und früher eingreifen, wenn die Krankheitsprognose besser und die Behandlungskosten niedriger sind. Damit könnte die Medizin sich von der Intervention hin zur Prävention bewegen. Aber die Umsetzung wird nicht einfach sein. Denn unser ganzes Gesundheitswesen ist auf Behandlung ausgerichtet, nicht auf Prävention. Um das zu ändern, müssen wir alle umlernen. Aber es ist der richtige Weg.

Zentral dabei ist, wem die Daten gehören und wer Zugang zu ihnen hat.

Eine der Grundanforderungen der Präzisionsmedizin besteht darin, dass die Daten vernetzt sein müssen. Sie werden über hunderte Datenbanken verteilt sein, aber sie müssen über Schnittstellen verbunden sein, so dass sie leicht untersucht werden können. Einige dieser Daten werden öffentlich sein, aber viele werden von den Patienten selbst gesammelt und kontrolliert. Eine Mehrheit der Patienten hat signalisiert, dass sie bereit sind, ihre Daten für seriöse Forschungsvorhaben zur Verfügung zu stellen. Wer die Daten kontrolliert, wird auch die Innovation kontrollieren. Patienten haben Werte, die ihnen wichtig sind, wie Transparenz, Offenheit, Bezahlbarkeit. Sie werden höchstwahrscheinlich von den Empfängern ihrer Daten erwarten, dass sie sich an diese Werte halten. Das wird einen grossen Wandel in der Kultur von Forschung und Entwicklung auslösen und gewichtige Folgen für die Gestaltung der klinischen Forschung haben.

Das wird auch die Wertschöpfungskette verändern. Wer wird gewinnen, wer verlieren?

Präzisionsmedizin wird einige erwünschte Änderungen bringen: Traditionell haben Pharmaunternehmen ihre eigenen Daten hervorgebracht und darauf ihren Wettbewerb aufgebaut. Doch Daten werden zunehmend zu Massengütern. So werden etwa die Daten der eine Million Patienten, die im Rahmen des Programms All-of-Us des amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstituts erhoben werden, öffentlich zugänglich sein. Es wird zahlreiche andere grosse Patientenkohorten weltweit geben, deren Daten öffentlich sein werden. Das wird die Grundlage des Wettbewerbs verändern. Forscher werden zunehmend mit geteilten, öffentlichen Daten arbeiten. Ihre Leistung wird von ihrer Fähigkeit abhängen, inwiefern sie aus den gleichen Daten besseres Wissen ziehen können als ihre Kollegen.

Was heisst das für das Life Sciences Cluster in Basel?

Grosse Unternehmen haben Mühe, intern genug Innovation hervorzubringen. Je grösser sie werden, desto umfangreicher die Bürokratie und desto reglementierter werden sie. Das schafft ein Klima, das weniger offen für Innovation ist – genau zu der Zeit, in der Unternehmen mehr Innovation bräuchten. Um dennoch den Umsatz zu halten, müssen Firmen ihre eigene Innovationsquelle mit externen ergänzen. Lizenzierungen, Zusammenschlüsse oder Übernahmen funktionieren nicht so gut, da die Unternehmen das, was sie wollen, selten zu dem Preis finden, den sie zu zahlen bereit sind. Innovationshubs wie BaseLaunch oder DayOne sind die bessere Lösung. Sie erlauben der Innovationsgemeinschaft vor Ort, eine gemeinsame Infrastruktur zu schaffen, die zu einem globalen Magneten für Unternehmer wird – etwa Inkubatoren und unterstützende Dienstleistungen. Sie geben grossen Unternehmen vor Ort auch die Möglichkeit, Start-ups zu begleiten und ihnen wissenschaftliche Unterstützung anzubieten. Damit können sie vor Ort ein Ökosystem für Innovationen schaffen, von dem sie später profitieren. Basel ist dafür besonders geeignet, weil Innovation dort blüht, wo Kulturen überlappen. Das war ein Faktor beim Erfolg der Stadt in der Vergangenheit, und es ist ein Trumpf, der erneut ausgespielt werden kann.

Haben wir genug Datenwissenschaftler?

Sie haben sicherlich genug in der Schweiz. Datenwissenschaften sind seit langem eine Stärke des Schweizer Bildungswesens. Sie gehen Hand in Hand mit den Ingenieurwissenschaften, der Physik und anderen Wissenschaften, in denen die Schweiz stark ist. Das ist ein wichtiger Vorteil, da Datenwissenschaftler weltweit Mangelware sind. Um den Fluss riesiger Datenmengen zu verarbeiten, über den wir vorhin gesprochen haben, braucht es viel mehr Datenwissenschaftler, als heute ausgebildet werden. In den USA wurde das bereits als ein wichtiges Thema identifiziert. Die Schweiz ist da in einer stärkeren Position.

Könnte eine Open Data-Plattform einen Katalysator bilden?

Forscher werden von Daten magnetisch angezogen. In allen wissenschaftlichen Projekten wird ein riesiger Anteil der Mittel – bis zu 80 Prozent – für die Sammlung und Ordnung der Daten verwendet. Das macht selten den interessantesten Teil eines Projekts aus. Wenn Basel das reiche Datenvolumen zur Verfügung stellt, das es bereits angesammelt hat, dann können die Forscher wesentlich mehr erreichen, indem sie sich auf den Teil ihrer Arbeit konzentrieren, der den wirklichen Mehrwert bietet. Wenn Daten frei zugänglich sind, können damit auch Forscher aus anderen Wissensbereichen angezogen werden, die derzeit nicht in der biomedizinischen Forschung tätig sind, etwa Mathematiker oder Experten der künstlichen Intelligenz. Eine solche gegenseitige Befruchtung ist ein mächtiger Katalysator für Innovation. 

Über Bernard Munos
Munos ist Senior Fellow am FasterCures-Zentrum, das zum Milken Institute gehört. Er gründete InnoThink, ein Beratungsunternehmen für biomedizinische Forschungsorganisationen. Er schreibt für Forbes und ist im Verwaltungsrat verschiedener innovativer Unternehmen im Gesundheitsbereich.

Interview: Thomas Brenzikofer, Annett Altvater

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Impact Hub Basel has successfully launched

13.08.2018

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So bringt uns die Technologie 4.0 weiter

06.08.2018

report Innovation

«Wir wollen Start-ups an der Universität Basel sichtbarer machen»

06.11.2017

Seit acht Monaten ist Christian Schneider als Head of Innovation der Universität Basel tätig. Seine Aufgabe: Fördern von Entrepreneurship und Projekten mit der Industrie.

Herr Schneider, Sie haben an der Universität Basel eine neu geschaffene Stelle angetreten: Die Innovation soll an der Hochschule ein Gesicht bekommen. Was ist Ihre Aufgabe?

Wir haben uns zwei Schwerpunkte gesetzt: Zum einen soll das Thema «Entrepreneurship» an der Universität sichtbar gemacht werden. Forschende mit guten Ideen sollen motiviert werden, diese Idee kommerziell zu verwerten. Und jene, die bereits auf diesem Weg sind, sollen besser unterstützt werden. Der zweite Schwerpunkt liegt bei Kooperationen mit der Wirtschaft. Hier geht es darum, mehr Projekte mit der Industrie umzusetzen.

Wie gehen Sie diese Aufgabe an?

In den vielen Gesprächen, die ich in den vergangenen Monaten mit Start-ups der Universität geführt habe, hat sich beispielsweise gezeigt, dass diese Szene kaum vernetzt ist, dass sich viele Gründer untereinander gar nicht kennen. Interessant ist ja, dass viele Jungunternehmerinnen und Jungunternehmen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Also haben wir diese Leute zusammengebracht, den Entrepreneurs Club gegründet und ihnen so die Möglichkeit zum Austausch gegeben. Wir möchten, dass sich die Gründerinnen und Gründer als Team sehen – als eine Gruppe, die von der Universität und der Gesellschaft wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Wir können ihnen Zugang zu Persönlichkeiten schaffen, die sie einzeln nur schwer erreichen würden.

Was können Sie den Gründerinnen und Gründern anbieten? Worauf haben diese gewartet, was hat ihnen gefehlt?

Auf der einen Seite hat den Start-ups der Universität die Sichtbarkeit gefehlt: Man kannte sie nicht, sie waren oft auf sich gestellt. Unsere Rolle sehen wir darin, ihnen auf der einen Seite mehr Visibilität zu ermöglichen – nach innen und nach aussen. Weiter unterstützen wir sie beim Aufbau von Verbindungen zu Partnern in der Industrie oder in der Finanzbranche und anderen Dienstleistern. Geplant ist auch, zukünftige Start-ups früh mit einem Coaching und Mentoring von Experten zu unterstützen.

Seit ein paar Monaten bieten Sie Kurse an, in denen Studierende und Mitarbeiter der Universität Basel die wichtigsten Skills erlernen können – Erstellen von Business-Plänen, Umgang mit IP-Rechten und vieles mehr. Wie ist das Echo auf dieses neue Angebot?

Die Nachfrage ist riesig, wir wurden regelrecht überrannt und sind überwältigt vom Erfolg. Wir prüfen daher einen Ausbau dieses Angebots mit dem Ziel, Studierende schon früh auf diese wichtigen Themen anzusprechen. Je früher sich die Unternehmerinnen und Unternehmer mit diesen Themen auseinandersetzen, desto weniger Fehler machen sie später. So ist es zum Beispiel wichtig, dass man die Forschenden sehr früh für das Thema des geistigen Eigentums – also der IP-Rechte – sensibilisiert, weil man sonst Gefahr läuft, dass sie wichtige Erkenntnisse zu früh preisgeben und sich diese dann nicht mehr schützen lassen. Mit diesen Kursen können wir in einer frühen Phase unterstützend wirken, und diese Unterstützung kann dann fliessend in ein Coaching übergehen.

Sie sind seit acht Monaten als Head of Innovation der Universität Basel im Einsatz – welche Reaktionen haben Sie bisher erlebt?

Wo immer ich in den letzten Monaten aufgetaucht bin: Unsere Innovations-Initiative und die bisher aufgebauten Angebote werden durchwegs positiv, ja enthusiastisch gewertet. Offensichtlich war die Zeit reif, dass sich die Universität Basel aktiv in dieser Thematik engagiert und damit eine Lücke füllt.

Am 10. November findet in Allschwil der erste Innovation Day der Universität Basel statt – was dürfen wir erwarten?

Am Innovation Day zeigen wir, was uns wichtig ist: Menschen zusammenbringen, über Innovation debattieren, neue Ideen entwickeln – dies in einer anregenden Umgebung, in einer unkomplizierten Atmosphäre. Wir haben über 200 Anmeldungen, eine lange Warteliste und freuen uns, dass dieser neue Event auf Anhieb so grossen Anklang findet.

Was möchten Sie in den kommenden zwei Jahren erreichen?

Start-ups sollen sich an der Universität Basel zu Hause fühlen. Die vielen Einzelkämpfer sollen sich vernetzen, es soll sich eine aktive, dynamische Szene entwickeln, die auch für Start-ups aus der erweiterten Region interessant wird. Langfristig könnten wir uns durchaus zu einem Hub mit internationaler Ausstrahlung entwickeln, der Gründer und Jungunternehmer anzieht. Wir wollen dazu beitragen, dass Basel zu einem Standort wird, an dem möglichst viele Start-ups ihre visionären Ideen umsetzen wollen. Dies können wir nur erreichen, wenn wir mit allen Partnern eng zusammenarbeiten: Mit den ansässigen Hochschulen, mit Institutionen wie BaselArea.swiss, vor allem aber mit Partnern in der Industrie. Gerade die Gespräche mit der Wirtschaft zeigen, dass wir dort offene Türen einrennen.

Interview: Matthias Geering, Head of Communications & Marketing an der Universität Basel

report ICT

JELLIX IIoT Plateform, un pas de plus dans l’industrie connectée

03.07.2018

report Micro, Nano & Materials

Basler Start-up QNAMI gewinnt Startkapital

14.06.2018

report BaselArea.swiss

13 Startup-Projekte qualifizieren sich für die erste Phase von BaseLaunch

18.09.2017

Am 14. September startete das Healthcare Accelerator-Programm BaseLaunch von BaselArea.swiss. Aus über 100 Bewerbungen aus mehr als 30 Ländern wählte das Selection Committee 13 Projekte für Phase I aus. Diese werden nun während drei Monaten zusammen mit Industrieexperten ihren Business Case schärfen.

Über 100 Projekte aus mehr als 30 Ländern haben sich für das Accelerator-Programm BaseLaunch von BaselArea.swiss beworben. Die Bandbreite der eingereichten Projekte reichte von Therapeutika sowie Diagnostik über Digital Healthcare bis hin zu Medtech. Statt der vorgesehenen 10 nominierte das Auswahlkomitee dreizehn vielversprechende Projekte für die erste Phase. «Die hohe Innovationskraft der Bewerbungen war beeindruckend», sagt Trudi Haemmerli, CEO von PerioC Ltd sowie Managing Director bei TruStep Consulting GmbH, die dem Gremium vorsteht. «Wir sind gespannt, wie die ausgewählten Projekte die Phase I nutzen werden, um ihren Business Case weiter zu schärfen.»

Gemäss Stephan Emmerth, bei BaselArea.swiss Business Developement Manager für BaseLaunch widmen sich die ausgewählten Projekte den verschiedensten Zielen: Verfolgt werden neue Ansätze zur Behandlung von Erkrankungen wie Alzheimer, neuartige Immuntherapien, innovative Delivery Methoden oder die nächste Generation von Gentherapien für die Krebsbehandlung. Andere Projekte zielen auf die Entwicklung neuer diagnostische Verfahren, um Biomarker für Krebserkrankungen zu finden oder mittels digitaler Messmethoden die Erkennung von neurologischen Erkrankungen zu revolutionieren.

Ebenso breit präsentierte sich das Entwicklungsstadium der Projekte: Eingereicht wurden sowohl Projekte, die im Rahmen von BaseLaunch ein Unternehmen gründen wollen sowie existierende Startups, die bereits erste erfolgreiche Finanzierungsrunden hinter sich haben und mit BaseLaunch Ihre Firma erfolgreich weiterentwickeln möchten. Auch der berufliche Werdegang der Gründer ist unterschiedlich. Einerseits haben die Bewerber langjährige Forschungs- und Entwicklungserfahrung in der Industrie, andererseits wurden Gründer aus dem universitären Umfeld für Phase I ausgewählt.

«Wir haben die vielversprechendsten Projekte ausgewählt. Zudem sollen die Projekte möglichst viel von BaseLaunch und dem regionalen Life Sciences-Ökosystem profitieren», betont Alethia de León, Managing Director bei BaseLaunch. Geachtet wurde vor allem auf eine solide wissenschaftliche und technische Basis, einen hohen Grad an Innovation sowie auf das unternehmerische Potenzial des Gründerteams. De León hob auch den produktiven Auswahlprozess hervor. Dem Auswahlgremium gehören unter anderen Vertreter der Healthcare-Partner Johnson & Johnson Innovation, Novartis Venture Fund, Pfizer sowie Roche an: «Wir hatten während des Auswahlprozesses sehr konstruktive Diskussionen.»

Die dreizehn ausgewählten Startups haben ab dem 14. September drei Monate Zeit, um ihre Geschäftsidee weiterzuentwickeln. Dabei werden sie vom BaseLaunch-Team sowie von erfahrenen Unternehmern und Beratern unterstützt. In dieser ersten Phase stehen den Projekten jeweils bis zu 10'000 Franken zur Verfügung. Anschliessend wählt das Selection Committee unter den Projekten der Phase I drei für die Phase II aus. Diese dauert zwölf Monate, wobei die Projekte mit je bis zu 250'000 Franken unterstützt werden. Zudem erhalten sie Zugang zum BaseLaunch-Lab im Switzerland Innovation Park Basel Area, um wichtige Meilensteine in der Forschung zu erreichen und ihren Business Cases weiterzuentwickeln.

Die ausgewählten Projekte im Überblick:

ABBA Therapeutics entwickelt neue therapeutische Antikörper für die Krebsimmuntherapie.

Das β-catenin-Projekt soll neue Therapieansätze für Dickdarm-, Lungen-, Leber-, Brust-, Gehirn und Eierstockkrebs entwickeln, mit denen der menschliche Körper von pathologischen Proteinen befreit werden soll.

CellSpring analysiert menschliche Zellen, die in einem besonderen dreidimensionalen Milieu gezüchtet werden, um neue Instrumente zur Früherkennung von Krebs zu entwickeln.

Eyemove versucht, neurologische Krankheiten im Frühstadium durch Eye-Tracking zu erkennen.

Polyneuron Pharmaceuticals hat sich der Entwicklung einer vielversprechenden neuen Arzneimittelklasse zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten verpflichtet.

Das SERI Projekt entwickelt neue Arzneimittel zur Behandlung von Angststörungen und Stress. Diese modulieren die Aktivität der Cannabinoide im menschlichen Körper.

SunRegen entwickelt neue Arzneimittel für neurodegenerative Krankheiten.

T3 Pharma entwickelt die nächste Generation von bakterien-basierenden Krebstherapien.

T-CURX ist bestrebt, mit der «UltraModularCAR»-Plattform die nächste Generation  von CAR-T basierten Immuntherapien zu entwickeln.

TEPTHERA hat sich zum Ziel gesetzt, neue therapeutische Krebsimpfungen zu entwickeln.

TheraNASH entwickelt individuell abgestimmte Arzneimittel für die Behandlung der nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH), die weltweit auf dem Vormarsch ist und zu Leberkrebs führt.

VERSAMEB entwickelt neue Ansätze im Bereich der regenerativen Medizin.

Ein Biotech-Unternehmen, das nicht genannt werden möchte, entwickelt neue Arzneimittel für Immuntherapien gegen Krebs.

report ICT

Basler Start-up erhält europaweite Anerkennung

04.06.2018

report BaselArea.swiss

BaselArea.swiss Presents the DayOne Acceleration Program Supported by Fondation Botnar

29.05.2018

report Precision Medicine

«In der Schweiz werden gute Technologien oft zu früh verkauft»

05.09.2017

Ulf Claesson ist ein «serial entrepreneur»: Seit 25 Jahren gründet er Firmen, die sich nachhaltig am Markt bewähren. 2012 stieg er als Aktionär und CEO bei Clinerion ein. Inzwischen hat sich das Unternehmen im Bereich medizinische Daten positioniert und ging kürzlich eine Partnerschaft mit dem britischen Unternehmen Cisiv ein. Für Auftraggeber aus Big Pharma findet die Anwendung von Clinerion Patienten für klinische Studien – und zwar in Echtzeit. Aber die Konkurrenz schläft nicht: Insbesondere in den USA treten mehr und mehr Mitbewerber auf, die mit viel Risikokapital ausgestattet werden. Wie das Basler HealthTech-Unternehmen seine führende Rolle behaupten will, erklärt Claesson im Gespräch mit dem Innovation Report.

Interview: Thomas Brenzikofer

Herr Claesson, was hat Sie dazu bewogen, bei Clinerion einzusteigen?

Ulf Claesson: Clinerion war ursprünglich eine IT-Plattform mit einem komplizierten Namen. Die Gründer hatten die Idee, eine grosse Datenschaltzentrale für die Gesundheitsindustrie aufzubauen. Das war ziemlich ambitiös. Ich schätze, die WHO oder die Bill und Melinda Gates-Stiftung könnten das allenfalls stemmen. Aber eine kleine Firma in Basel? Als IT-Mensch habe ich schnell gesehen, wie gut die technologische Basis war. Unklar war dagegen das Problem, das man damit lösen konnte. Also machten wir uns an die Arbeit und haben uns schrittweise an den Use Case Patientenrekrutierung herangetastet. Heute sind wir als einziges Unternehmen weltweit in der Lage, aus Millionen von Patientendaten in Echtzeit jene Patienten zu identifizieren, die sich für eine bestimmte klinische Studie eignen.

Sie haben also das Unternehmen auf eine ganz bestimmt Nische ausgerichtet?

Ja, eindeutig. Eine Firma im Aufbau muss sich fokussieren und ein reales Problem lösen. Mit unserer Technologie verschafft sich der Kunde einen eindeutigen Vorteil. Um Patientinnen und Patienten zu finden, braucht es normalerweise Monate, manchmal Jahre. Wir verkürzen diese Zeit auf Wochen. Wir sorgen dafür, dass eine Pharmafirma, ein Spital oder ein Auftragsforschungsinstitut schon von Studienbeginn an genau weiss, wo sich die betroffenen Patienten befinden und wie viele dies typischerweise sind. Je nach Zielsetzung kann das Studienprotokoll dann beliebig optimiert werden. Weil wir Schätzungen vermeiden und reale, in diesem Moment existierende qualifizierte Patienten präsentieren, wird das Studiendesign solider, das Risiko wird minimiert. Weiter weiss ein Studiensponsor genau, wo er wie viele seiner «Sites» platzieren muss. Hierfür ist die Echtzeitanzeige von grosser Bedeutung. Aktiviere ich ein Studienprotokoll, werden beteiligte Ärztinnen und Ärzte sofort benachrichtigt und können ihre Patienten aufbieten.

Ist es einfach, die Spitäler davon zu überzeugen, mit Clinerion zusammenzuarbeiten?

Anfangs waren wir ziemlich naiv. Aus der IT-Perspektive würde man die Cloud nutzen. Genau das haben wir versucht und sind damit mehrheitlich auf Ablehnung gestossen. Ausserdem stellten wir fest, dass das Verhältnis zum Datenschutz sowie die Regulatorien von Land zu Land völlig verschieden sind. Diese Faktoren machen eine Cloud-Lösung fast unmöglich. Heute installieren wir in der Infrastruktur der Spitäler eine Hardware-Appliance. So bleiben die Daten da, wo sie gesammelt werden und sind so sicher wie alle anderen Patientendaten. Weiter greifen wir nur auf konsolidierte und aggregierte Metainformationen zu. So gewinnen wir das Vertrauen von Entscheidungsträgern und von denjenigen, die das System einsetzen.

Was genau ist die Motivation der Spitäler, ihre Daten preiszugeben?

Im Grunde teilen wir alle das Ziel, den betroffenen Patienten schnellstmöglich Medikamente zur Verfügung zu stellen. Wir helfen dabei. Unikliniken forschen unter anderem aus eigenem Interesse und können ihre internen Studien dank uns schneller durchführen. Zudem werden Spitäler von Pharmafirmen für jeden Patienten, der an einer Studie teilnimmt, vergütet. Für Mediziner ist es wichtig, sich an interessanten Studien beteiligen zu können. Wir stellen fest, dass Spitäler, sobald sie mit uns zusammenarbeiten, deutlich mehr Studien angeboten bekommen als zuvor.

Zu wie vielen Patienten haben Sie derzeit Zugang?

Wir haben durch die Spitäler Zugang zu 35 Millionen Patienten. Das braucht man auch. Denn die Zahlen schrumpfen sehr schnell, je nach Indikation, nach der man sucht.

Sie sind vor allem in Schwellenländern wie Brasilien oder der Türkei aktiv. Warum?

In Europa ist man, ausser in Grossbritannien, zurückhaltender bei klinischen Studien. Die Türkei will die 50 Millionen Euro, die sie 2014 mit klinischen Studien eingenommen hat, bis 2020 auf 1,5 Milliarden vervielfachen. In Brasilien werden sogar Gesetze geändert, damit Pharmafirmen in Zukunft leichter Studien durchführen können. In klinischen Studien ist es wichtig, dass der Pflegestandard aller teilnehmenden Patientinnen und Patienten auf dem gleichen Niveau ist. Studienteilnehmer erhalten dadurch beispielsweise in Osteuropa eine bessere Pflege als üblich. Das kann für manche Patienten ein Anreiz sein.

Fokussieren Sie bei der Datenakquisition also vor allem auf Emerging Markets?

Nein, nicht nur. Wir sind auch in einigen europäischen Ländern gut positioniert. Aber wir können hier sicher noch zulegen. Daneben wollen wir unsere Präsenz beispielsweise in Indien und in Taiwan vergrössern. Auch Grossbritannien haben wir im Fokus. Dabei wird uns die Zusammenarbeit mit Cisiv helfen. Wir sind kürzlich eine Partnerschaft mit dem britischen Unternehmen eingegangen. Cisivs Plattform ergänzt unser Screening optimal.

Das klingt nach einem Datenwettlauf. Wie weit ist Ihre Hauptkonkurrenz?

Es gibt drei Mitbewerber. Wir sind jedoch die einzigen, die Echtzeitergebnisse bieten können. Unserer Konkurrenz in den USA steht jedoch ein Vielfaches an Kapital zur Verfügung. Bei einem der Konkurrenten belief sich die neuste Investitionsrunde auf 32 Millionen Dollar.

Und Sie können nicht nachziehen?

Es ist in der Tat schwierig für ein ICT-Start-up in der Schweiz, derartige Beträge zu erhalten. Aber wir sind nur bedingt darauf angewiesen. Wir haben ein sehr loyales Aktionariat und sind genügend finanziert, auch wenn wir noch weit davon entfernt sind, profitabel zu sein.

Ein Verkauf steht nicht zur Debatte?

Unsere Vision ist es, Patienten mit Medizin zu versorgen. Falls wir sehen, dass wir dieses Ziel auf einem anderen Weg schneller erreichen, sind wir offen. Aber derzeit steht ein Verkauf nicht zur Debatte. Ich habe schon einige Firmen gegründet. Einige wurden zu früh verkauft, obwohl man sie noch ein, zwei Stufen hätte voranbringen können. Ich bin überzeugt, dass uns das mit Clinerion gelingt.

Sehen Sie in der fehlenden Wachstumsfinanzierung ein Problem für die Schweizer Start-up-Szene?

Eindeutig. Tendenziell werden gute Technologien zu früh verkauft, weil sich kein inländisches Geld für den nächsten substanziellen Meilenstein finden lässt.

Was schlagen Sie vor?

Das Silicon Valley zu imitieren bringt nichts. Auch weil die Kosten dort derzeit untragbar hoch sind. Wir sollten uns vielmehr auf unsere Stärken konzentrieren. An der ETH beispielsweise werden  pro Jahr doppelt so viele Start-ups gegründet wie in Berkeley. Wo die Universitäten gut sind, entsteht ganz von selbst eine Start-up-Community. Die Studierenden, die ich an der ETH erlebe, sind voller Ambitionen und Energie. Festzustellen ist aber auch, dass viele Schweizerinnen und Schweizer die Sicherheit eines Arbeitsplatzes in einem Grosskonzern bevorzugen. Es braucht etwas mehr Mut zum Risiko. Daran müssen wir noch arbeiten.

Wie sehen Sie den Innovationsstandort Basel?

Wir haben hier einen guten Zugang zur Branche, zudem können wir auch aus dem benachbarten Deutschland Arbeitskräfte rekrutieren. Der Standort ist somit auf dem Arbeitsmarkt auch weniger kompetitiv als beispielsweise Zürich. Wir fühlen uns pudelwohl in Basel.

Interview: Thomas Brenzikofer and Annett Altvater​

Über Ulf Claesson
Ulf Claesson studierte Produktionstechnologie an der Chalmers Universität in Göteborg und absolvierte zudem ein Managementstudium an der Universität St. Gallen. Er war bei IBM und Hewlett-Packard tätig, gründete Spin-offs für verschiedene Unternehmen und entwickelte eigene Start-ups. Sein Wissen als «serial entrepreneur» vermittelt er Studierenden an der ETH in seiner Vorlesung zu «Technology Entrepreneurship». Er ist im Verwaltungsrat verschiedener Unternehmen tätig, Foundation Board Director der AO Foundation und seit 2012 CEO von Clinerion.

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«Ich möchte innovative Forschung in neue Medikamente umsetzen»

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Jährlich erkranken etwa 250´000 Patienten an einer Krebsart, für die es zurzeit keine spezifische Therapie gibt, Krebs, der aufgrund einer fehlgesteuerten Kommunikation zwischen Zellen entsteht. Diese Fehlfunktion entsteht im sogenannten NOTCH-Signalweg. Wirksame Therapiemöglichkeiten fehlen – doch das soll sich ändern. Die Cellestia Biotech AG entwickelt ein neuartiges Medikament gegen diese Krebsart. Der neuartige Wirkstoff greift selektiv nur die fehlgesteuerte Zellkommunikation an. Damit könnten Leukämie, Lymphome und feste Tumore wie zum Beispiel Brustkrebs behandelt werden.

Im Jahr 2014 gründeten Professor Freddy Radtke und Dr. Rajwinder Lehal, der bereits mit seiner Dissertation an diesem Thema gearbeitet hatte, die Firma Cellestia Biotech AG. 2015 kam ein erfahrenes Team von Pharma- und Onkologie-Entwicklungsspezialisten um Michael Bauer hinzu, die sich als Mitgründer bei Cellestia engagierten. Bauer hatte zuvor zusammen mit seinem Team mehrere Jahre lang verschiedene Projekte geprüft, um den Aufbau eines solchen Start-up-Unternehmens mitzugestalten. Wir sprachen mit ihm über Risiken und Nebenwirkungen der Firmengründung.

Interview: Stephan Emmerth

Herr Bauer, wie lange mussten Sie suchen, bevor Sie ein Projekt gefunden haben, bei dem Sie einsteigen wollten?

Michael Bauer: Über viele Jahre hin habe ich zusammen mit Kollegen und neben dem regulären Job – mal mehr und mal weniger intensiv – eine Reihe von Projekten geprüft, evaluiert und wieder verworfen. Zum Teil waren das tolle Projekte, manche waren unglaublich innovativ. Aber immer wieder gab es leider Dinge, die uns bewogen haben, diese Projekte am Ende doch nicht weiter zu verfolgen.

Die Suche hat Sie wohl nicht nur viel Zeit gekostet, sondern auch Geld, immerhin musste ja jedes Mal eine Due Diligence durchgeführt werden?

Diesen Aufwand mussten wir natürlich leisten. Im Prinzip haben wir wie ein kleiner Venture Fund Projekte identifiziert, geprüft und evaluiert. Aufgrund der Zusammensetzung des Teams konnten wir viele Aufgaben selbst erfüllen, teilweise zogen wir Experten hinzu. In vielen Fällen haben uns Spezialisten aus unserem Netzwerk unterstützt, da gab es ein erhebliches Mass an Goodwill. Zum Teil kamen wir für die Kosten auf.

Und warum hatte es vor Cellestia nicht geklappt?

Viele Faktoren müssen stimmen: Als Grundlage natürlich hervorragende, innovative Forschungsergebnisse, die über Patente geschützt sind. Wichtig sind auch geregelte Eigentumsverhältnisse an den Erfindungen und vernünftige Lizenzbedingungen. Zu guter Letzt muss es eine Übereinkunft über die Erwartungen der am Projekt beteiligten Personen geben. Wir haben so ziemlich alles erlebt. In vielen Fällen stellte sich im Verlauf der Prüfung heraus, dass beispielsweise die Forschungsdaten doch nicht so überzeugend waren wie zunächst dargestellt. Oder die Erwartungen hinsichtlich der Lizenzkonditionen lagen zu weit auseinander. Bei einem Projekt wollte man uns Patente verkaufen, die längst verfallen waren. Oft kommt es vor, dass die Wissenschaftler unrealistische Vorstellungen bezüglich des Werts ihres Projekts haben. Ein pensionierter Professor, der schon mehrere Jahre vergeblich versucht hatte, seine Firma zu finanzieren, erwartete von uns, dass wir es für fünf Prozent der Anteile nochmals versuchen. Das ist natürlich keine Basis für eine Partnerschaft.

Forschung und Unternehmertum unter einen Hut zu bringen ist also die grosse Herausforderung?

Es gilt hier, ein Verständnis für die Relationen und den Beitrag der verschiedenen Parteien zu entwickeln, die sich mit sehr unterschiedlichem persönlichem Risiko an einem solchen Projekt engagieren. Hinter Cellestia stehen auf der einen Seite etwa 20 Jahre Grundlagenforschung, elf Jahre davon an der EPFL. Seit etwa neun Jahren leistet Rajwinder Lehal – zunächst im Rahmen seiner Dissertation, dann als Post-Doc und seit 2014 als Chief Scientific Officer – konkrete Arbeit an diesem Projekt. Diese Historie respektieren wir vom Managementteam und sind froh über den Zugang zu dem daraus resultierenden Wissen. Gleichzeitig muss die Erfinderseite den Gesamtaufwand sehen: An der EPFL wurden über die Jahre etwa fünf Millionen an öffentlichen Geldern investiert. Aber bis ein Produkt auf den Markt kommt, braucht es unter Umständen hunderte Millionen. Und der Weg vom ersten erfolgreichen Experiment im Tiermodell bis zu einem für Menschen zugelassenen Medikament ist weit. Insgesamt ist der Aufwand in der Forschung im Vergleich zu den Entwicklungs- und Marketingkosten unter Umständen marginal und beträgt nur noch wenige Prozent. Und die Entwicklungskosten werden von Investoren aufgebracht, für die sich ein Investment lohnen muss. All diese Faktoren müssen in einer Partnerschaft bedacht und respektiert werden. Mit unserem Team hat das geklappt.

Sie verfügen über langjährige Industrieerfahrung. Was hat Sie am Unternehmertum gereizt?

Für mich liegt der Reiz in der Herausforderung, bahnbrechende Erfindungen in Produkte umzusetzen. Ich sehe mich als Produktentwickler und wollte schon als Student eine Firma gründen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich zum Glück erst einmal fast 20 Jahre Berufserfahrung gesammelt habe. Dies ist wichtig, um die Komplexität der Herausforderungen in der Produktentwicklung in Life Sciences und Pharma gut verstehen und einschätzen zu können. Dieser Erfahrungsschatz hilft auch zu wissen, wo das eigene Wissen endet und wann welche Experten hinzugezogen werden müssen, um ein Projekt oder eine Firma erfolgreich voranbringen zu können.

Wie verlief die Inkubation vom ersten Kontakt bis zu Ihrem Einstieg als Mitgründer bei Cellestia?

Der heutige Chief Scientific Officer Rajwinder Lehal und ich waren über einige Jahre hinweg regelmässig miteinander in Kontakt. Zu dieser Zeit war das Projekt aber noch nicht weit genug fortgeschritten für eine Firmengründung. 2014 wurde dann Cellestia gegründet, zunächst von Professor Radtke, Rajwinder Lehal und Maximilien Murone. Im Sommer 2015 trafen wir uns einige Male mit dem Lausanner Forscher- und Gründerteam bei i-net, der Vorgängerorganisation von BaselArea.swiss. Dann ging es recht zügig. In wenigen Treffen konnten wir das Projekt evaluieren und ein gutes persönliches Verhältnis entwickeln, was für mich und meine Partner für einen Einstieg bei Cellestia sehr wichtig war. Wir waren uns schnell einig, es lief quasi per Handschlag. Danach kamen die notwendigen Verträge, und im November waren wir bereits im Handelsregister eingetragen. Unser Anwalt und Mitgründer Ralf Rosenow regelte die Formalitäten. Wir haben uns entschlossen, das Headquarter von Lausanne nach Basel zu verlegen und die Forschungsaktivitäten in Lausanne zu belassen, sozusagen eine transkantonale Partnerschaft.

Warum ist das Headquarter in Basel?

Für uns war das wichtigste Argument für Basel der Zugang zu Talenten und Ressourcen für die Produktentwicklung. Dies ergibt sich aus der Nachbarschaft zu führenden Pharmakonzernen wie Novartis, Roche, Actelion und vielen weiteren Firmen. Dieser Zugang zu erfahrenen Entwicklungsspezialisten ist in Lausanne schwieriger. Hinzu kommt, dass über unseren Mitgründer Roger Meier und weitere Kollegen bereits ein aktives Investoren-Netzwerk in Basel besteht, das Affinität zur Branche und zum Standort Basel mitbringt. Diesen Zugang hatten wir zu Beginn in Zürich oder Genf noch nicht. Mir persönlich gefällt auch die Arbeits- und Lebensqualität in Basel. Die Stadt ist übersichtlich und trotzdem international, mit einem vielfältigen Kulturangebot. Zudem hat der Flughafen Basel hervorragende Verbindungen – man befindet sich in der Mitte Europas und ist in nur ein bis zwei Flugstunden praktisch überall in Europa, in London, Berlin oder Barcelona. Für Lausanne spricht das herausragende akademische Umfeld mit EPFL und dem Swiss Institute für Experimental Cancer Research. Auch hier gibt es ein hervorragendes Umfeld für Start-up-Unternehmen, allerdings aus unserer Sicht eher in ingenieurwissenschaftlichen und technischen Disziplinen oder Medizintechnik. Jedes Jahr werden viele Firmen an der EPLF gegründet, das Innovationspotential ist enorm. Allerdings ist Cellestia die erste Firmengründung aus der EPFL, die ein Medikament in die klinische Entwicklung bringt. Wir sind froh, über den nun etablierten Ansatz mit zwei Standorten die positiven Elemente beider Regionen vereinen zu können.

Welche Voraussetzungen waren denn entscheidend, dass es schliesslich zur Zusammenarbeit und Firmengründung kam?

Es hat eigentlich von Anfang an alles gepasst. Zunächst einmal muss die persönliche Atmosphäre zwischen den beteiligten Persönlichkeiten stimmen. Dies war auch die Grundlage, um eine für alle Mitgründer faire Übereinkunft im Verständnis der Bewertung und Zuteilung der jeweiligen Anteile an der Firma zum Zeitpunkt der Gründung zu finden. Auf der anderen Seite war es natürlich zentral, dass die inhaltliche Prüfung des Projekts – sowohl was die wissenschaftlichen Grundlagen als auch was die Qualität der Daten betrifft – und die Prüfung des Patents sowie die Lizenzbedingungen der EPFL positiv waren. Wichtig war uns auch, dass das Risikoprofil überschaubar ist, also eine gute Balance zwischen Innovation und Bezug zu bereits geleisteter Forschung hält.

Wie wird sich Cellestia operativ weiterentwickeln?

Cellestia hat ja schon eine lange Vorgeschichte, beginnend mit den Forschungsaktivitäten an der EPFL. Mit der Managementerweiterung 2015 kamen neben mir weitere Mitgründer hinzu: Dirk Weber als Chief Medical Officer sowie die bereits erwähnten Mitgründer Ralf Rosenow und Roger Meier. Inzwischen beschäftigt Cellestia insgesamt sechs Mitarbeiter. Hinzu kommen zahlreiche Dienstleistungs- und Beratungsmandate, die je nach Bedarf unsere internen Ressourcen ergänzen. Insgesamt schätze ich, dass inzwischen weit über 100 Personen an Cellestia mitwirken, wenn man die externen Dienstleistungen mitberücksichtigt. Wir rechnen damit, dass wir mit dem Fortschritt unseres ersten Projekts in Richtung klinische Entwicklung weiter wachsen werden und das Team weiter ausbauen. Ausserdem möchten wir möglichst bald weitere Produkte in unserer Pipeline entwickeln. Dies wird sicherlich weitere finanzielle Mittel beanspruchen. Ebenfalls wird sich der Verwaltungsrat weiterentwickeln, der mit jeder Finanzierungsrunde erweitert und angepasst wird, um die neuen Investoren angemessen zu repräsentieren. Die Forschungsarbeiten laufen zunehmend über externe Dienstleister, sowie zum Teil weiterhin im Labor von Professor Freddy Radtke an der EPFL. Derzeit setzen wir mit der EPLF neue Rahmenverträge über die weitere Nutzung ihrer Infrastruktur auf. Die Flexibilität dort ist für uns sehr hilfreich.

Was sind die nächsten Meilensteine?

Ein entscheidender Meilenstein ist die Behandlung der ersten Krebspatienten. Wir hoffen, dass wir im Oktober die ersten Patienten behandeln können.

Wie sind die klinischen Studien aufgebaut?

Der Ablauf der klinischen Prüfung von neuen Wirkstoffen ist streng reglementiert. In der Phase-I-Studie wird zunächst die Verträglichkeit des Wirkstoffs geprüft. Hier werden wir Patienten behandeln, bei denen es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass sie an einer Krebsart leiden, bei denen NOTCH eine Rolle spielt. In der darauffolgenden Phase-II-Studie wird die Wirksamkeit unseres Medikaments in verschiedenen Krebsarten erforscht. Hier werden wir Patienten auswählen, bei denen die Aktivierung des NOTCH-Signalwegs mit einem von Cellestia etablierten Diagnoseverfahren nachgewiesen wird. Damit ist ein therapeutischer Nutzen für diese Patienten sehr wahrscheinlich.

Gab es bisher Überraschungen?

Nein, nicht wirklich, weil wir mit allem rechnen. Oder doch, ja, erfreuliche Überraschungen gab es: Wir waren aufgrund vieler Vorarbeiten schon sehr sicher, was den Wirkmechanismus angeht. Jetzt ist es aber nach langen Versuchen endlich gelungen, den exakten Bindungsmechanismus des Wirkstoffs nachzuweisen, was alle vorherigen Untersuchungen voll bestätigte. Dies ist auch die Grundlage dafür, das Programm deutlich auszudehnen. Wir können nun eine Plattform aufbauen, auf deren Grundlage wir neue Wirkstoffe für neue Indikationen generieren können. Ausserdem war es nicht ganz trivial, den Wirkstoff in grossem Massstab in hoher Qualität herzustellen. Dafür waren innovative Schritte nötig, die letztlich zu einem Patent führen.

Haben Sie schon die nächsten fünf Jahre vor Augen?

Wir sind sehr optimistisch, was unsere Erfolgsaussichten für Cellestia angeht und planen etwa zwei Jahre im Detail voraus. Natürlich haben wir auch einen Plan für die gesamte Entwicklung über fünf Jahre hinaus. Allerdings ändern sich solche Pläne erfahrungsgemäss immer wieder mit den erzielten Resultaten. Das ist auch der Reiz und die Herausforderung in der Medikamentenentwicklung – es lässt sich nicht alles im Detail vorausplanen und man muss flexibel auf neue Ergebnisse reagieren. Dies gilt selbstverständlich auch für eventuelle Rückschläge. Es ist wichtig, hinreichend Reserven zu haben, um diese zu verarbeiten und zu lösen. Dank der erfolgreichen Finanzierungsrunden, die wir im Januar 2017 abschliessen konnten, sind wir in der Lage, schon jetzt mit der Phase I zu beginnen und parallel die weitere Finanzierung in Angriff zu nehmen.

Wer hat bislang in Cellestia investiert?

Die ersten Investoren nach der Einlage des Gründungskapitals waren vor allem viele unserer Berater, also mit der Branche vertraute Experten sowie Privatpersonen, die sich als Investoren im Life-Sciences und Pharma-Sektor engagieren. Etwa ein Drittel der Aktionäre sind Experten aus dem Pharma und Life-Sciences Umfeld. Im Laufe der SEED A-, B- und C-Runde kamen dann auch einige grössere Investments seitens Family Offices hinzu. Der erste institutionelle Investor, die PPF Group, beteiligte sich nach einer ausführlichen Due Diligence, durchgeführt durch Experten der Firma Sotio. Insgesamt konnten wir bislang acht Millionen Franken mobilisieren, um die Produktentwicklung von Cellestia voranzutreiben. In Vorbereitung auf die nächste Finanzierungsrunde sind wir mit privaten Investoren, Venture Funds sowie Pharma-Unternehmen im Gespräch. Wir sind zuversichtlich, gute Partner für die nächste Phase von Cellestia gewinnen zu können. Die richtige Mischung aus Partnerschaft und Finanzierung ist wichtig. Wir brauchen starke Partner an Bord, um unser Medikament Patienten schnell zugänglich zu machen.


Zur Person
Michael Bauer (geboren 1966) ist seit November 2015 CEO bei Cellestia. Er studierte an der Universität Hamburg Chemie und absolvierte von 1994 bis 1997 sein Doktorat in Biotechnologie an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Nach dem Berufseinstieg in der Metabolismus-Forschung bei der Firma Zeneca in England wechselte er 2001 nach Basel zu Syngenta. Dort arbeitete er als Global Regulatory Affairs Manager, im Projekt- und Portfolio-Management. Von 2007 bis 2009 war er als Projektleiter bei Arpida, einer Biotech-Firma im Bereich Antibiotikaentwicklung, tätig. 2009-12 leitete er als Global Program Manager bei Novartis globale Entwicklungsprojekte im Bereich Onkologie und brachte eine Reihe von Produkten in die klinische Entwicklung. 2012-15 war er bei Polyphor Leiter der Klinischen Entwicklung. 

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26.04.2018

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Digital Nudges in healthcare - still to be explored

13.04.2018

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Roivant sorgt in Basel für Aufsehen

13.06.2017

Mehr als 150 Gäste wollten wissen, wie Vivek Ramaswamy die Zukunft des Gesundheitswesens sieht. Der Gründer von Roivant und fünf anderen Biotech-Unternehmen gab eine pointierte Grundsatzrede und nahm anschliessend an einem lebhaften Podiumsgespräch mit anderen Vertretern von Pharma- und Biotech-Unternehmen teil. Roivant und BaselArea.swiss hatten am 8. Juni gemeinsam Interessierte aus den Life Sciences in die Halle 7 im Basler Gundeldingerfeld geladen. Roivant liess sich kürzlich mit Unterstützung von BaselArea.swiss in Basel nieder.

Das Publikum folgte mit Interesse dem Vortrag des «Wunderkinds», wie das Magazin «Forbes» ihn betitelte. Ramaswamy hat eine Mission. «Wir konzentrieren uns auf vielversprechende Forschung und auf leidenschaftliche Forscher. So verringern wir systematisch Zeit, Kosten und Risiken, bis neue Medikamente auf den Markt kommen», sagte er. Roivant entwickelt Medikamente weiter, die von anderen Pharmafirmen aufgegeben wurden und die irgendwo in der Pipeline steckengeblieben sind. Seine Mittel, um doch noch einen alternativen Weg zum Ziel zu finden: Spitzentalente der Medikamentenentwicklung und aus anderen Wirtschaftszweigen konzentrieren sich in schlanken und dynamischen Strukturen auf die Assets.

Ramaswamy hat nicht nur die Muttergesellschaft Roivant, sondern auch fünf weitere Unternehmen gegründet, die spezifische Medikamente in verschiedenen Therapiegebieten entwickeln: Axovant beschäftigt sich mit Demenz, Dermavant mit der Dermatologie. Myovant konzentriert sich auf die Gesundheit von Frauen, Urovant auf die Urologie, und Enzyvant entwickelt Therapien für Patienten mit seltenen Krankheiten. Diese Unternehmen können auf die gemeinsamen Kapazitäten und Datenbanken zurückgreifen, die Roivant aufgebaut hat. Gleichzeitig entwickeln sie eigene Kapazitäten für ihre spezifischen Themenfelder und Märkte. Ramaswamy ist überzeugt, dass Daten zentral sind, um Medikamente rasch auf den Markt zu bringen.

Ohne Bürokratie in Basel angekommen

Ramaswamy wand in seiner Rede auch ein Kränzchen für Basel. «Hier kommen verschiedene Nationalitäten zusammen, auf der Strasse werden drei verschiedene Sprachen gesprochen.» Basel-Stadt und Basel-Landschaft seien zwar nicht gross, kämpften aber klar in einer Gewichtsklasse über ihrer eigenen. Er verwies auch auf die florierende Biotech-Szene und auf die tief verankerte humanistische Tradition. Ramaswamy dankte zudem den Basler Behörden für die niedrigen Einstiegshürden. «Es gab keine Bürokratie. Es war ein Vergnügen, sich hier anzusiedeln.»

Auf dem Podium diskutierten Vas Narashiman, Global Head of Drug Development und Chief Medical Officer bei Novartis, Jonathan Knowles, Chairman of the board of directors bei Immunocore Ltd, David Hung als CEO von Axovant und Vivek Ramaswamy über die Zukunft des Gesundheitswesens. Die Diskussion wurde von Alethia de Léon von BaselArea.swiss moderiert und vertiefte Themen wie das Sammeln und Teilen von Daten. Dabei wurden auch heikle Fragen zu den Herausforderungen und Chancen angesprochen, denen die Pharma derzeit gegenübersteht. So könnten Big Data und Biomarker der Branche helfen, Fragen rund um die Produktivität von Forschung und Entwicklung zu klären.

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Industrie 4.0 am südlichen Oberrhein

03.04.2018

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Speed Dating 4.0 in Gaggenau

02.04.2018

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In Stärke investieren – Schweizer Leadership in den Life Sciences

15.05.2017

Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre internationale Leadership-Rolle in den Life Sciences behaupten? Im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung sowie von Start-ups über aktuelle Trends und Herausforderungen zu diskutieren.

Die Bedeutung der Life Sciences für die Schweizer Wirtschaft ist enorm. Der Anteil dieser Branche an den gesamten Schweizer Exporten lag im letzten Jahr bei 45%. Ebenso sind die meisten Neuansiedlungen im Healthcare-Bereich tätig. Die Schweiz gilt denn auch als weltweit führender Life-Sciences-Standort mit der Region Basel als ihrem Motor. Vor diesem Hintergrund besuchte heute Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» auf Einladung von BaselArea.swiss und digitalswitzerland die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung über aktuelle Trends und Herausforderungen in den Life Sciences zu diskutieren.

Der Anlass fand bei der Actelion Pharmaceuticals und im Switzerland Innovation Park Basel Area in Allschwil/BL statt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hob die grosse Bedeutung der Region und der Life-Science-Branche hervor: «Die beiden Basel verfügen über eine hohe Dichte an innovativen und erfolgreichen Unternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen. Das erfüllt mich mit Stolz und Zuversicht. Pharma und Chemie gelten zu Recht als Innovationsmotoren.» Um zukünftig ebenso erfolgreich zu sein, dürfe sich die Schweiz aber nicht ausruhen; Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Gesellschaft müssten den digitalen Wandel als Chance nutzen, appellierte er.

Organisiert wurde die Veranstaltung von BaselArea.swiss, der Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, sowie digitalswitzerland, der gemeinsamen Initiative von Wirtschaft, öffentlicher Hand und Wissenschaft, welche die Schweiz zum international führenden digitalen Innovationsstandort gestalten will.

Bundesrat Schneider-Ammann stattet zurzeit führenden Regionen der Schweiz einen Besuch ab, um sich ein Bild über die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Wirtschaftsbranchen zu machen und über erfolgsversprechende Zukunftsrezepte zu sprechen.

Förderung von Biotech-Start-ups

Die Life Sciences gelten als Zukunftsbranche mit grossem Wachstumspotenzial. Doch der Standortwettbewerb wird aggressiver: Andere Regionen in der Welt investieren massiv in die Standortförderung und locken grosse Firmen an. Eine zentrale Frage der heutigen Veranstaltung war denn auch: Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre Leadership-Rolle im internationalen Wettbewerb behaupten?
So verfügt die Schweiz gemessen an der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Life Sciences und verglichen mit anderen führenden Standorten der Welt über vergleichsweise wenige Start-up-Firmen in diesem Industriesektor. Mit der Lancierung von BaseLaunch, dem neuen Accelerator für Healthcare-Start-ups, hat BaselArea.swiss in Zusammenarbeit mit dem Kickstart Accelerator von digitalswitzerland einen ersten Schritt getan. Dennoch fehlt es neben dem Startkapital in der Frühphase der Unternehmensentwicklung insbesondere auch am Zugang zu grossem Kapital, das ein etabliertes Start-up-Unternehmen für die Expansion benötigt. Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss und Member of the Steering Committee digitalswitzerland, meint: «Wir müssen in unsere Stärke investieren. Deshalb brauchen wir Initiativen wie der Zukunftsfonds Schweiz, der es institutionellen Anlegern ermöglichen soll, in innovative Jungunternehmen zu investieren.»

Die Bedeutung einer innovativen Start-up-Szene für den Life-Sciences-Standort Schweiz war dann auch Thema im Roundtable-Gespräch, das Bundesrat Johann Schneider-Ammann unter anderem mit Severin Schwan, CEO der Roche Group, Jean-Paul Clozel, CEO von Actelion Pharmaceuticals, und Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel, führte.

Digitalisierung als Innovationstreiber

Das zweite Thema des Biotech und Digitization Day galt der Digitalisierung in den Life Sciences. Diese stellt laut Thomas Weber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, einen wichtigen Innovationstreiber für die gesamte Branche dar und ist für die Stärkung des Forschungsstandortes Schweiz entscheidend.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann fokussierte in seiner Ansprache auf drei Aspekte: Erstens die Schaffung einer neuen, mutigen Pionier-Kultur, in der Unternehmertum gefördert und belohnt wird, wer etwas wagt. Zweitens mehr Schub für Start-ups durch die Verwirklichung der Initiative für einen privat finanzierten Start-up-Fonds. Und drittens die Ausgestaltung der Rolle des Staates als Ermöglicher, der Freiräume schafft, statt Verbote und Hürden zu erlassen.

In der öffentlichen Diskussionsrunde, an der Vertreter aus Forschung und Wirtschaft sowie Unternehmer teilnahmen, wurde deutlich, dass die Digitalisierung die Life Sciences verändern wird. Man war sich einig, dass die Schweiz über die besten Voraussetzungen verfügt, um eine führende Rolle in diesem Veränderungsprozess zu spielen. Die Grundlage dafür bilden leistungsstarke und global tätige Pharmafirmen, weltweit anerkannte Hochschulen sowie ein innovationsfreudiges Ökosystem mit digital getriebenen Start-ups aus den Bereichen Healthcare und Life Sciences.
Dafür will sich auch digitalswitzerland einsetzen. Healthcare und Life Sciences sind laut Nicolas Bürer, CEO von digitalswitzerland, Schlüsselindustrien, um die Schweiz zum führenden digitalen Innovationsstandort zu machen.

Einen weiteren Beitrag dazu leistet der von BaselArea.swiss in enger Kooperation mit dem Kanton Basel-Stadt lancierten Innovationshub für Precision Medicine, DayOne, der regelmässig eine wachsende Community von derzeit über 500 Experten und Innovatoren zusammenbringt, um Ideen auszutauschen und Projekte voranzutreiben.

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Non-dilutive fundings – great offers of Innosuisse and European Programs

29.03.2018

report Invest in Basel region

Technologiepark Basel verdoppelt seine Fläche

19.03.2018

report BaselArea.swiss

BaseLaunch kann das Potential des Life Sciences Ökosystems Basel voll ausschöpfen

15.03.2017

Der neue Accellerator für Healthcare Ventures, BaseLaunch, will die besten Startups anziehen und damit auch Impulse für etablierte Player geben. Dabei setzt das Projekt gemäss Managing Director Alethia de Léon konsequent auf Qualität und das konzentrierte Know-how in der Region.

Was macht BaseLaunch einzigartig?

Der fortwährende Austausch mit ansässigen Branchengrössen, die in der Projektauswahl mitwirken und überdies auch selbst Kapital zur Verfügung stellen können, ist zentral für das Konzept von BaseLaunch. Wir richten uns sehr konsequent an den individuellen Bedürfnisse von Gründern aus und können das konzentrierte Knowhow sowie die vielseitigen Partnering-Potenziale im Life-Sciences-Ökosystem Basel voll ausschöpfen. Damit kann sich BaseLaunch auch an Startups richten, die für andere Programme zu wenig weit entwickelt sind.

Für welche Art von Projekten ist BaseLaunch besonders geeignet?

BaseLaunch ist offen für alle Projekte im Bereich Healthcare. Geografisch liegt der Fokus auf der Schweiz und Europa. Unsere Labors im Switzerland Innovation Park Basel Area sind auf Therapeutics spezialisiert. Aber innovative Konzepte in den Bereichen Diagnostics und Medtech sind ebenfalls eingeladen, am Accelerator zu partizipieren.

Operativ wird das Projekt von BaselArea.swiss geführt, unter einem separaten Brand. Warum dieses Setup?

BaseLaunch will die innovativsten und vielversprechendsten Healthcare-finden, sie unterstützen und in das hiesige Healthcare-Ökosystem einbetten. Damit ist BaseLaunch ein wichtiger Teil der Kerntätigkeit von BaselArea.swiss. Aufgrund der unterschiedlichen Finanzierungs- und Entscheidungsstruktur und im Sinne eines fokussierten Marktauftrittes macht es aber Sinn, mit dem Accelerator eine separate Marke aufzubauen.

Ist es denn Aufgabe des Staates, in Startups zu investieren?

Es werden keine öffentlichen Mittel in Projekte investiert. Die Kantone finanzieren den operativen Betrieb von BaseLaunch. Was direkt in die Startups fliesst, kommt von privater Hand. Mit BaseLaunch sorgt also BaselArea.swiss für die richtigen Rahmenbedingungen, indem sie als neutraler Partner der Industrie mit entsprechenden Programmen das Entstehen von neuen Firmen begünstigt. Und man darf nicht vergessen, dass man anderenorts viel offensiver vorgeht mit staatlichen Mitteln. Es ist wichtig, hierbei nicht ins Hintertreffen zu gelangen und im hart umkämpften Standortwettbewerb dran zu bleiben - ohne freilich unsere liberale Wirtschaftsordnung zu verzerren.

Warum braucht es denn überhaupt mehr Startups?

Startups braucht es in erster Linie, damit aus Wissen auch Wertschöpfung entsteht. Wenn wir Milliarden in die akademische Forschung investieren, braucht es auch entsprechende Strukturen, um aus Erfindungen Innovationen zu machen. Es hat sich gezeigt, dass Startups hierfür mehr und mehr eine entscheidende Rolle übernehmen. Darüber hinaus haben Startups das Potential, bei Erfolg sehr schnell zu wachsen und dadurch sehr viele hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. Actelion, das ja auch mal als Startup angefangen hat, ist das beste Beispiel hierfür. Indem es BaseLaunch gelinngt, mit den besten Startup-Projekte zu arbeiten, generiert dies auch Impulse für etablierte Unternehmen sowie für das gesamte Ökosystem..

Ist das hiesige Umfeld für Startups überhaupt interessant, die Lebenshaltungskosten dürften Gründer zunächst mal eher abschrecken?

Das Silicon Valley, London oder Boston sind nicht günstiger. Die einzigartigen Vorteile des lokalen Life-Sciences-Ökosystems mit einer in Europa nicht zu übertreffenden Dichte an Talent, Pharma-Entscheidern und Kapital geben bei unseren Gründern letztlich den Ausschlag. Wir machen die Erfahrung, dass wir in diesen wirklich entscheidenden Bereichen, die ja gerade für junge Unternehmen „Must-Haves“ sind, so viele Punkte sammeln kann, dass unter dem Strich das Gesamtpaket mehr als stimmt. Nicht umsonst haben wir in den vergangenen Jahren einen steten Zuwachs an Gründungen von ausserhalb der Region gesehen.

Alethia de Léon

Die gebürtige Mexikanerin Alethia de Léon hat am Massachusetts Institute of Technology und an der Harvard Business School studiert. Nach Stationen im Healthcare Investment und im Product Developement war sie bis 2015 bei Novartis Global Head of Search and Evaluation, Business Development and Licensing für das Neuroscience Business. Neben der Führung von BaseLaunch ist Alethia de Léon zudem CEO und Gründerin des Startups Senes Sciences GmbH.

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Jura erhält Ableger des Innovationsparks

14.03.2018

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New Venture Assessment macht Junggründer zu Experten

13.03.2018

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Bloggen, twittern, sharen und liken: BaselArea.swiss goes Social Media

09.02.2017

BaselArea.swiss hat einen neuen Social Media-Auftritt. Im Zentrum steht der Innovation Report, der als Blog regelmässig über wichtige Themen aus unseren Service-Bereichen und Technologiefeldern informiert sowie wichtige Informationen für die Innovationslandschaft Nordwestschweiz liefert. Der Innovation Report bietet die Möglichkeit, Neuigkeiten zu filtern, zu teilen und zu kommentieren.

BaselArea.swiss auf LinkedIn
Auf LinkedIn sind wir nicht nur mit einer allgemeinen Firmenseite präsent, sondern wir haben auch vier sogenannte Fokusseiten zu unseren Servicebereichen Invest in Basel Region, Connecting Innovators, Supporting Entrepreneurs und Accessing China. Diese werden von unseren Experten betreut und eröffnen einen breiteren Blick auf die Aktivitäten und Geschehnisse innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz. Wir freuen uns über Follower – auch auf der generellen Firmenseite, die in erster Linie Events oder regionale Neuigkeiten verbreitet.

Noch mehr Interaktion sowie aktuelle Informationen aus den Innovationsbereichen versprechen unsere LinkedIn-Gruppen Life Sciences by BaselArea.swiss, Medtech by BaselArea.swiss, Micro, Nano & Materials by BaselArea.swiss sowie Production Technologies by BaselArea.swiss, die durch die jeweiligen Technologiefeldmanager betreut werden. Sie halten Interessierte über die neuesten Entwicklungen in den Technologien innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz auf dem Laufenden.

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Ausserdem betreibt BaselArea.swiss drei weitere LinkedIn-Gruppen: 3D Printing Schweiz, Entrepreneurs in Northwestern Switzerland und Precision Medicine Group Basel Area. In der Precision Medicine-Gruppe bilden Industrie-Experten von Novartis, Actelion und Roche gemeinsam mit BaselArea.swiss eine offene und hochspezialisierte Gemeinschaft von Experten, Forschern und Unternehmern. Ziel ist es, aus der wachsenden Digitalisierung neue Chancen und Möglichkeiten für die Life Sciences- und Healthcare-Industrie zu entwickeln.

Die 3D-Printing-Gruppe möchte die rapide Entwicklung der Technologie weltweit dokumentieren und Interessierte dazu einladen, ihre Gedanken und Kommentare zu teilen. Mit der Entrepreneurs-Gruppe sprechen wir sowohl Personen an, die bereits von unseren Services profitiert haben, als auch Investoren, erfahrene Unternehmer oder KMUs, die erfahren möchten, was Jungunternehmer in der Region benötigen und was sie bewegt.

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Artikel von Nadine Nikulski, BaselArea.swiss 

report Innovation

La deuxième édition de l’Innovation Lounge s’est penché sur l’industrie 4.0

12.03.2018

report Invest in Basel region

Indian biotechnology firm to build plant in the Canton of Jura

12.03.2018

report Life Sciences

„Die Region Basel sollte nicht einfach Teil des Wandels sein, sondern den Wandel mitgestal...

07.12.2016

Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz, berät Jungunternehmen in den Life Sciences und betätigte sich selbst als Start-up-Gründer.

In unserem Interview erläutert er, wie sich die HLS FHNW weiterentwickeln möchte, warum die enge Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg so wichtig ist und welche Zukunft er für das Gesundheitswesen sieht.

Sie kommen aus der Industrie und waren bisher auch schon in Start-ups engagiert. Ist es nicht untypisch, jetzt im akademischen Bereich zu arbeiten?
Falko Schlottig*: Wenn es untypisch wäre, würden wir als Fachhochschule etwas falsch machen. Die Mitarbeitenden an der Hochschule für Life Sciences FHNW kommen zu grossen Teilen aus der Industrie. Das ist wichtig, weil wir sonst nicht berufsbefähigend ausbilden könnten und weil wir über dieses Netzwerk die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung vorwärtstreiben können. Mit unserem Wissen und Knowhow können wir signifikant zu Produktentwicklungen und Innovationsprozessen beitragen.

Grenzt sich die FHNW so von der Grundlagenforschung ab, welche an den Universitäten betrieben wird?
Es geht hier nicht um eine politische Abgrenzung, sondern um eine fachliche Differenzierung. Als Fachhochschule sind wir technologie-, entwicklungs- und produktorientiert. Die Universitäten und die ETH orientieren sich in Richtung Grundlagenforschung. Zusammen ergibt sich eine einmalige Wertschöpfungskette, die über den Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz hinausgeht. Dies setzt voraus, dass man gut zusammenarbeitet. Auf Ebene unserer Dozierenden und Forschenden funktioniert diese Zusammenarbeit hervorragend, beispielsweise durch den Austausch von Vorlesungen und durch zahlreiche gemeinsame Projekte. Andererseits gibt es noch viel Potential in der Zusammenarbeit, um den Life Sciences-Cluster weiter zu stärken, beispielsweise in der technologieorientierten Ausbildung oder im Bereich Personalized Health.

„Potential“ bedeutet Anerkennung? Oder geht es um Fördergelder?
Weder noch! Die Differenzierung zwischen angewandter Forschung und Grundlagenforschung darf nicht verwaschen werden – auch aus Sicht der Studierenden nicht. Ein Personalverantwortlicher muss wissen, ob der Bewerber eine praxisorientierte Ausbildung hat oder erst in ein Trainee-Programm gehen muss. Es geht darum, im Sinne unserer Region in technologiegetriebenen Gebieten zielführend und noch besser zusammen zu spannen als heute.

Gibt es denn genügend Studenten? Es heisst oft, es gebe zu wenig Naturwissenschaftler?
Unsere Studierendenzahlen steigen im Moment leicht, wir würden aber gerne noch etwas mehr wachsen. Aber im Vordergrund steht die Qualität der Ausbildung, nicht die Quantität. Wichtig für unsere Studierenden ist, dass sie weiterhin ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Allerdings spüren wir wie alle Einrichtungen das derzeit mangelnde Interesse an den Naturwissenschaften. Daher engagieren wir uns als FHNW in allen Bildungsbereichen für die Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - kurz MINT.

Sie leiten nun die Hochschule für Life Sciences FHNW seit etwas mehr als einem Jahr. Welche Pläne haben Sie?
Wir wollen weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil des Life Sciences-Clusters Nordwestschweiz sein. Zudem möchten wir weiterhin qualitativ so gut ausbilden, dass unsere Studierenden nach Abschluss zu 98 Prozent eine Stelle finden. Konkret heisst das für uns, dass wir die Lehre inhaltlich, didaktisch und strukturell ständig weiterentwickeln und mit Augenmass den Entwicklungen des industriellen Umfeldes und der Individualisierung folgen. In diesem Zusammenhang haben wir für unseren Fachbeirat Vertreter aus dem strategischen Management von Unternehmen des industriellen Umfelds und aus Institutionen des Gesundheits- und Umweltbereiches für eine Mitarbeit gewinnen können.
In der Forschung werden wir uns in Zukunft basierend auf unseren disziplinären Stärken und Fähigkeiten um Technologien organisieren und noch ausgeprägter interdisziplinär arbeiten. Es kommt uns entgegen, dass wir im Herbst 2018 in einen Neubau umziehen dürfen und aus zwei Standorten einen machen können. Inhaltlich werden wir das Thema „digitale Transformation“ viel stärker als heute schon als Querschnittsdisziplin in Lehre und Forschung etablieren. Schliesslich sollten wir nicht einfach Teil dieses Wandels sein, sondern ihn mitgestalten.

Stichwort „digitale Transformation“: Informatik wird auch für die Naturwissenschaften immer wichtiger. Wird die FHNW vermehrt Informatiker ausbilden?
Hier an der HLS setzen wir erfolgreich auf Medizininformatik, die Fachhochschule bildet in Brugg Informatiker und in Basel Wirtschaftsinformatiker aus. Wir müssen uns aber auch fragen, was künftig ein Chemiker, der die HLS FHNW besucht hat, an erweiterten Informatikkenntnissen mitbringen sollte – zum Beispiel in Data Sciences. Dasselbe gilt für unsere Bioanalytiker, Pharmatechnologen oder Verfahrens- und Umwelttechniker. Dennoch muss die Naturwissenschaft die Basis bleiben, angereichert mit einem ausgeprägten Verständnis für Daten und die zugehörigen Prozesse. Umgekehrt muss sich auch ein Informatiker, der bei uns an der HLS studiert, mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Dieses Wissen ist zwingend nötig, wenn man im Life Sciences-Bereich der Region eine Stelle finden möchte.

Schweizweit – aber auch speziell in der Region Basel – ist viel Knowhow in Bioinformatik vorhanden. In der Aussenwahrnehmung gilt die Region allerdings nicht als IT-Standort. Müsste man da nicht Gegensteuer geben?
Tatsächlich haben wir im Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz Nachholbedarf. Die wichtigen Fragen sind, welche Schwerpunkte man setzt und wie man diese verküpft. Ist es Data Mining – was für die Universität Basel und das Universitätsspital wichtig ist? Oder ist es die Verknüpfung von Patientendaten mit verschiedensten Datenbanken, um beispielsweise die Kosteneffizienz in Spitälern zu steigern? Oder liegt die Zukunft in Data Sciences und Datenvisualisierung, um Planungen und Entscheidungen zu vereinfachen und zu unterstützen, was wir unter anderem an der HLS bereits machen? Die zentrale Frage ist, aufgrund welcher Daten in Zukunft im Gesundheitsbereich Entscheidungen getroffen werden. Hier geht es auch um die Frage, wem die Daten gehören und wie sowie durch wen diese genutzt werden dürfen. Dies ist eine der Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Da wir angewandt forschen, sind diese Themen für uns genauso wichtig wie für die Industrie. Diese extrem spannende Diskussion wird uns die nächsten Jahre begleiten.

Die HLS FHNW hat sehr unterschiedliche Bereiche wie Chemie, Umwelttechnologie, Nanowissenschaften oder Data Visualisation – wie passt das zusammen?
Diese Bereiche sind nur auf den ersten Blick unterschiedlich – ihre Basis ist immer die Naturwissenschaft – häufig in Verbindung mit den Ingenieurwissenschaften. Unsere Fachdisziplinen werden spätestens mit dem Zusammenzug 2018 noch besser gebündelt. Das sieht man heute schon beispielsweise in der Umwelttechnik: Auf den ersten Blick fragt man sich, was sie mit Bioanalytik, Nanowissenschaften oder Informatik zu tun hat. Aber die HLS FHNW ist stark im Bereich der Wasser- und Bioanalytik, und eines der grössten Probleme momentan ist die Antibiotikaresistenz. Um hier Lösungen zu finden, braucht man Wissen aus der Chemie, der Biologie, der Analytik, der Informatik und verfahrenstechnisches Knowhow. Ab 2018/19 werden wir im Neubau über ein einmaliges Prozess- und Technologiezentrum verfügen, in welchem wir alle Prozessketten darstellen können, welche die Life Sciences-Industrie heute und in Zukunft bewegt – beginnend bei Chemie, über Pharmatechnologie und Umwelttechnologie bis zur Biotechnologie inklusive Analytik und Automatisierung.

Sie waren und sind an Start-ups beteiligt. Sollen Neugründungen aus der HLS FHNW künftig gefördert werden?
Im Grunde sind wir heute nicht schlecht unterwegs, wenn man die Anzahl der Studierenden und Mitarbeitenden mit der Anzahl Start-ups vergleicht. Aber tatsächlich möchten wir Neugründungen verstärken, bei uns entstehen Start-ups eher aus den Ideen der Mitarbeitenden heraus. Unsere Bachelor-Studierenden haben kaum Zeit, sich einer Unternehmensgründung zu widmen. Andererseits ist an der HLS FHNW unternehmerisches Denken und Handeln Teil der Ausbildung. Schliesslich sollen unsere Studierenden auch ihr Verständnis für die Funktionsweise einer Firma weiterentwickeln. Ein zweiter Aspekt ist unternehmerisches Denken in Bezug auf eine Unternehmensgründung. Die Gründung eines Start-ups verlangt Flexibilität und Offenheit von unserer Seite: Wie gehen wir mit einer Patentanmeldung um? Wem gehört sie? Wie gestalten sich Lizenzzahlungen? Unsere Mitarbeitenden haben die Freiheit, eigene Projekte anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu definieren. Schon heute bieten wir die Möglichkeit, dass ein Start-up in unseren Räumlichkeiten bleibt und sie weiter nutzen darf. Im Neubau haben wir dafür extra Platz reserviert. Zudem nutzen wir alle Möglichkeiten, welche der Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz heute bietet. Das sind zum Beispiel die Life Sciences-Start-up-Agentur EVA, der Incubator, die Swiss Biotech, Swissbiolabs, der Switzerland Innovation Park Basel Area, BaselArea.swiss oder auch die Venture Capitalists, um nur einige zu nennen. Wir sind gut vernetzt und versuchen auch hier einen Beitrag zur Entwicklung unserer Region zu leisten

Warum ist es Ihrer Meinung nach in der Schweiz offenbar so schwierig, ein Start-up erfolgreich aufzubauen?
In der Nordwestschweiz gibt es zwei Punkte, die hineinspielen: Durch eine sehr erfolgreiche mittelständische und grosse Life Sciences-Industrie ist die Hürde, sich selbständig zu machen, viel höher. Wenn man ein Start-up gründet, verzichtet man auf einen gutbezahlten und sicheren Job und setzt sich möglichen finanziellen Risiken aus, die mit der Gründung verbunden sind. Die zweite grosse Hürde ist die Finanzierung, insbesondere die Überwindung des sogenannten „Valley of Death“. Es ist im Vergleich zum zweiten Schritt einfach, Gründungskapital zu erhalten. Das Durchhalten bis zur Marktreife bei einem Kapitalbedarf zwischen einer und fünf Millionen Franken, ist sehr schwierig.

Das soll sich mit dem Zukunftsfonds ändern.
Es wäre natürlich super, wenn es einen solchen Zukunftsfonds geben würde, um Tickets zwischen einer und zwei Millionen Franken zu lösen. So wären Start-up-Projekte für zwei oder drei Jahre finanziert. In diesem Zusammenhang ist es extrem spannend, anspruchsvoll und bewegend die ganze Wertschöpfungskette von der Forschung bis zum Produkt in der Anwendung zu sehen, die Netzwerke zu kennen und uns einbringen zu dürfen. Heute ist dies fast nur noch bei einem Start-up oder einem kleinen Mittelständler möglich. Am Ende muss sich aber jeder potentielle Gründer entscheiden, ob er lieber Rad oder Rädchen sein möchte.

Wird der Gesundheitsbereich in fünf oder zehn Jahren dramatisch anders aussehen?
Prognosen sind immer schwierig und häufig falsch. Die grossen Player werden wahrscheinlich abwarten und beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Das Gesundheitswesen wird in fünf bis zehn Jahren möglicherweise anders aussehen, jedoch nicht disruptiv anders. Wir werden neue Geschäftsmodelle erleben, Versicherungen werden versuchen, neue Wege zu gehen. Dies kann zu Verschiebungen führen. Wir erleben momentan den Wechsel vom Patienten zum Konsumenten. Produktseitig ist der Sektor extrem reguliert, neue innovative Produkt auf den Markt zu bringen, ist daher nicht einfach. Viele Regulierungen sind aus meiner Sicht innovationshemmend und führen nicht immer zu einer höheren Sicherheit für den Patienten, was sie eigentlich sollten.

Wie könnte dieser Wandel angestossen werden?
Ich glaube, wir als Fachhochschule Nordwestschweiz können hier einen grossen Beitrag leisten. Beispielsweise arbeiten wir basierend auf unseren disziplinären Kompetenzen innerhalb von strategischen Initiativen an Fragestellungen aus der Gesellschaft und der Wirtschaft interdisziplinär und hochschulübergreifend zusammen. So versuchen wir, einen Teil zur Lösung oder der Antwort beizutragen. Die Schweiz und besonders unsere Region haben in dieser gebündelten Zusammenarbeit ein sehr grosses Potenzial. Dies gilt es nun zu schöpfen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Prof. Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Forschung und Produktentwicklung und hatte diverse Management-Positionen in international tätigen, führenden Medizin-Produkt-Firmen inne. Falko Schlottig hat zudem ein Start-up der Biotechnologie- und Medizin-Produkt-Branche mitbegründet.

Er studierte Chemie und Analytische Chemie und verfügt über einen EMBA der Universität St. Gallen.

 

report

Call for the Swissbiolabs Challenge at the 2nd Swiss Diagnostics Start-Up Day in Olten

01.03.2018

report

Hacks für gesunde Ernährung und gegen Foodwaste

26.02.2018

report ICT

Dr. med. App – Digitale Transformation in den Life Sciences

30.11.2016

Die Zukunft gehört den datengetriebenen Therapieformen. Der Standort Basel nimmt die Herausforderung an und investiert in die sogenannte Precision Medicine.
Ein Text von Fabian Streiff* und Thomas Brenzikofer, erstmals erschienen am Freitag, 14. Oktober 2016 in der NZZ Verlagsbeilage „Swiss Innovation Forum“

Nun also auch die Life Sciences: Google, Apple und andere Technologie-Giganten haben den Gesundheitsmarkt entdeckt und bringen neben ihrer IT-Expertise viele Milliarden an Risikokapital mit. Völlig neue, datengetriebene und personalisierte Therapieformen – in einem Wort: Precision Medicine oder kurz PM – versprechen den Gesundheitssektor auf den Kopf zu stellen. Und wo es Veränderung gibt, da gibt es viel zu gewinnen. Zumindest aus Sicht der Investoren.

Anders sieht dies aus Sicht von Big Pharma aus. Für sie steht einiges auf dem Spiel. Gemäss Frank Kumli von Ernst & Young sind die Eintrittshürden bisher relativ hoch: «Wir bewegen uns in einem stark regulierten Markt, da dauert es länger bis Innovationen aufgenommen und durchgesetzt werden können.» Aber auch Kumli ist überzeugt, dass die Richtung vorgegeben ist und die Digitalisierung voranschreitet. Doch sieht er mehr Chancen als Gefahren: Die Schweiz und insbesondere Basel sei hervorragend positioniert, hier eine führende Rolle zu übernehmen. Mit der Universität Basel, dem D-BSSE der ETH, der FHNW, dem FMI und dem Universitätsspital Basel verfüge der Standort über starke Forschungsakteure. Zudem wird die gesamte Wertschöpfungskette in der Region abgedeckt, von der Grundlagenforschung, angewandten Forschung und Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb bis hin zu den Regulatory Affairs sowie entsprechenden IT-Kompetenzen. Zu den wichtigsten Treibern der digitalen Transformation hin zur Precision Medicine gehören digitale Tools, die ein Echt- zeit-Monitoring von Patienten – sogenannte Feedback Loops – ermöglichen. Die Kombination solcher Daten mit Informationen aus klinischen Tests und Genanalysen sind der Schlüssel zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen und damit zu Innovationen.

Landesweit einheitliche Datenorganisation
Ähnlich wie im 16. Jahrhundert die Erfindung des Mikroskops das Feld zur modernen Medizin eröffnete, werden Daten und Algorithmen die Basis liefern, den künftigen Patienten sehr viel präzisere und kostengünstigere medizinische Lösungen und Therapien anbieten zu können. Derzeit besteht die Krux jedoch noch darin, dass die Daten an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Formaten und meist in geschlossenen Systemen vorhanden sind. An diesem Punkt setzt das Projekt unter Leitung von Professor Torsten Schwede am Swiss Inrecistitute of Bioinformatics (SIB) an.

Im Rahmen der nationalen Initiative «Swiss Personalized Health Network» soll von der Leitungszentrale im Stücki Science Park Basel aus eine landesweit einheitliche Datenorganisation zwischen Universitätsspitälern und Hochschulen aufgebaut werden. Der Kanton Basel-Stadt hat eine Anschubfinanzierung für das Projekt bereits beschlossen. Durch die Standardisierung von Datenstrukturen, Semantik und Formaten zum Datenaustausch dürfte die klinische Forschung in der Schweiz – sowohl an Hochschulen sowie in der Industrie – deutlich an Qualität und Attraktivität gewinnen. An Interesse auf der Basis solcher klinischer Daten zu forschen und neue Geschäftsideen zu entwickeln, mangelt es nicht. Dieses zeigte sich anlässlich von Day One, einer von der Innovationsförderung und Standortpromotion BaselArea.swiss mitgetragenen und von der Precision Medicine Group Basel Area organisierten Workshop-Veranstaltung anlässlich der Basler Life Science Week.

Über 100 Experten fanden sich ein, um über zukünftige Geschäftsmodelle zu brüten. Insgesamt 14 Projekt- und Geschäftsideen wurden dabei näher in Betracht gezogen. Diese reichten von der Automatisierung der bildgestützten Diagnose über die Entwicklung von Sensoren in Wearables bis hin zu Smartphone-Apps zur besseren Involvierung von Patienten in den Therapieprozess.

Auch Big Pharma ist dabei
«Die Diversität der Projektideen war erstaunlich und zeigt, dass die Schweiz ein guter Nährboden sein kann für den nächsten Innovations- schritt in der Biomedizin», sagt Michael Rebhan von der Novartis und Founding-Mitglied der Precision Medicine Group Basel Area über- zeugt. Darauf will die Precision-Medicine-Initiative jetzt aufbauen: «Trotz der Innovations- kraft, die wir in den einzelnen Disziplinen sehen, kommt Precision Medicine insgesamt nur lang- sam voran. Die Fortschritte sind in ihrer Gesamtheit noch unzureichend, weshalb wir enger zusammenarbeiten und unsere Anstrengungen integrieren müssen. Es braucht deshalb eine Plattform, wo Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen», ist Peter Groenen von Actelion, ebenfalls Mitglied der Precision Medicine Group Basel, überzeugt.

Das Interesse der Industrievertreter an einem Open Innovation Hub mit einem Precision Medicine Lab als zentralem Bestandteil ist denn auch gross. Hier sollen die Projekte der Stake- holder in einem offenen und kollaborativen Umfeld vorangetrieben werden können. Darüber hinaus soll der Hub Talente und Projektideen von ausserhalb der Region Basel anziehen. Das neuartige Innovationsökosystem rund um Precision Medicine steht noch am Anfang. In einer Pilotphase sollen anhand erster konkreter Anwendungsfälle die Funktionen und Dimensionen des PM Hubs präzisiert werden, um danach die richtigen Partner für den Aufbau des gesamten Hubs zu identifizieren.

Die digitale Transformation voran mitgestalten
Die vielversprechendsten Projekte finden schliesslich Zugang zu einem Accelerator-Programm, wo sie weiter beschleunigt werden und in den bestehenden Innovationsinfrastrukturen wie Basel Inkubator, Technologiepark Basel oder Switzerland Innovation Park Basel Area zu einem Unternehmen reifen können.

Fazit: Die Region Basel schafft die Voraussetzungen, die digitale Transformation in den Life Sciences an vorderster Front mitzugestalten und damit diesen wichtigen Industriezweig für die Schweiz weiter auszubauen sowie für die Ansiedlung neuer Unternehmen attraktiv zu halten.

 

* Dr. Fabian Streiff leitet die Standortförderung des Kantons Basel-Stadt.

report Life Sciences

Idorsia treibt Entwicklung von Produktkandidaten voran

06.02.2018

report Innovation

Innovation Lounge, un événement unique au Jura

05.02.2018

report

„Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen erfolgreich zu sein“

02.11.2016

Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Schweiz AG, einem Anbieter für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation mit Sitz in Basel und fünf weiteren Standorten in der Schweiz.

In unserem Interview erzählt der gebürtige Belgier, was ihn in die Schweiz gebracht hat, welche Ziele Actemium Schweiz verfolgt und warum er glaubt, dass „Industrie 4.0“ zwar eine Revolution verursachen wird, von der Technologie her jedoch nur eine Evolution ist.

Ihre Geschichte klingt spannend: Sie sind Belgier, kamen 1991 für das Cern in die Schweiz und arbeiten nun als Geschäftsführer von Actemium Schweiz – wie kam es dazu?
Patrick Vergult*: 1991 kam ich durch einen Auftrag von ABB als Freelance Software-Ingenieur zum Cern in Genf. Dort habe ich Kryogenie-Anlagen programmiert, welche auf minus 269 Grad Celsius kühlen können. Mit diesen Anlagen werden die Magnete im langen Ring des Teilchenbeschleunigers gekühlt bis sie supraleitend werden. Diese Magnete, die so gross sind wie ein 10-stöckiges Hochhaus, detektieren die Teilchen, die durch den Zusammenprall der beschleunigten Positronen und Elektronen entstehen. Eigentlich wollte ich nach einem halben Jahr zurück nach Belgien, bin dann aber in der Schweiz geblieben und habe mein Netzwerk laufend ausgebaut. Ich war damals auch Mitbegründer der Firma Iproco in Belgien, Der Geschäftsgang hier in der Schweiz lief sehr gut und wir beschlossen deswegen im Jahr 1998, in der Schweiz eine Niederlassung der Iproco zu gründen. 2001 entstand daraus Else Automation. Actemium entstand 2013 durch die Fusion von Etavis Engineering, Controlmatic und unserer Firma, der Else Automation.

Was macht Actemium Schweiz genau?
Im Grunde ist Actemium eine produktneutrale Automationsfirma. Wir entwickeln selbst keine eigenen Produkte, sondern wir integrieren verschiedene Automations- und IT-Systeme für unsere Kunden. Kurz gesagt bieten wir mit unseren sechs Business Units Elektro-, Automatisierungs- und IT-Technik für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation, sowie das übergeordnete Produktionsmanagement an. Unser Ziel ist es, von der Beratung, Planung und Umsetzung eines Projektes bis hin zur Wartung der Anlagen beim Kunden bleiben zu können. Schliesslich haben wir einen starken Bezug zu den Produkten, die wir einsetzen und kennen die Prozesse unsere Kunden gut.

Was reizt Sie an der Arbeit für Actemium?
Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen und gemeinsam erfolgreich zu sein. Actemium ermöglicht es Leuten wie mir, die sehr unternehmerisch geprägt sind, Unternehmer bleiben zu können, obwohl wir zum grossen Vinci-Konzern gehören. Actemium ist ein Netzwerk mit einer dezentralen Führungsstruktur. Das heisst, in diesem grossen Gebilde gibt es verschiedene kleine Unternehmen – sogenannte Business-Units –, die autonom und agil am Markt tätig sind. Alle unsere BUs sind stark segmentiert, damit es keinen Wettbewerb zwischen ihnen gibt.

Warum fiel die Wahl für den Hauptsitz auf Basel?
Die Firmen, aus denen 2013 Actemium Schweiz entstand, waren bereits in der Region. So kam 2013 schliesslich alles in Basel-Stadt zusammen. Ursprünglich waren wir eher Konkurrenten, was bedeutete, dass wir unsere Business Units gut segmentieren mussten. Für uns war und sind die Pharma- und Chemieindustrie eminent wichtig. Gerade die Pharmaindustrie investiert viel, der Standort Schweiz ist attraktiv und vor allem die Region Basel hat einen sehr stabilen Markt.

Ist es nicht schwierig, sich im Pharma-Hub Basel gegenüber der Konkurrenz zu behaupten?
Die Mitbewerber haben natürlich eine ähnliche Strategie. Wir versuchen, uns durch andere Faktoren abzuheben: Die Actemium University bietet Kunden und Mitarbeitern Schulungen an und mit „Young at Actemium“ pflegen wir ein internes Nachwuchsnetzwerk für Mitarbeiter unter 30 Jahren. Unsere jungen Mitarbeiter präsentieren die Firma an Absolventenmessen oder Hochschulen aus ihrer Sicht – ohne, dass ein Geschäftsleitungsmitglied dabei wäre. Vertrauen ist für uns sehr wichtig. Seit diesem Jahr haben wir zusätzlich einen Talent Award, für den einmal jährlich Abschlussarbeiten von Technikern und Ingenieuren eingereicht werden können. Diese werden von uns und externen Juroren aus unserem Kundenstamm – beispielsweise von Roche, Novartis oder Endress+Hauser – prämiert. Wir wollen somit den Kontakt mit den Hochschulen intensiver pflegen und vermehrt eigenen Nachwuchs generieren. Dazu gehört auch, dass wir jährlich 20 Lehrlinge ausbilden und das duale Studium für jeweils fünf bis sechs Studenten anbieten.

Ist der starke Franken ein Problem für Actemium?
Wir sind zum Glück stark im Pharmabereich tätig, wo der starke Franken nur eine geringe Rolle spielt. Viele Pharmakonzerne exportieren auch im Dollar, der sich aufgewertet hat – das gab einen gewissen Ausgleich gegenüber des schwachen Euros. Tatsächlich sind wir in den letzten Jahren trotz allem kontinuierlich über 10 Prozent gewachsen.

Neben der Schweiz hat Actemium auch Standorte im Elsass und im süddeutschen Raum – gibt es dadurch auch einen trinationalen Austausch?
Es ist uns sehr wichtig, unser regionales Netzwerk zu pflegen. Was es unseren Kunden und Mitarbeitern bringt, hängt jedoch stark von ihrer eigenen Persönlichkeit ab. Einige nutzen die Möglichkeiten intensiv, andere sind vielleicht etwas introvertierter und setzen weniger auf Networking. Über das Dreiländereck hinaus hat Actemium in weiteren 35 Ländern Business Units. Damit wir unsere Kunden bestens bedienen können, gibt es internationale Arbeitsgruppen, die sich zu verschiedenen Themen austauschen. Kürzlich fand zum Beispiel ein Treffen in Paris zum Thema „Industrie 4.0“ statt. In der Region Basel haben wir ein Dreiländereck-Netzwerk gegründet, das sich dreimal pro Jahr trifft um die Kräfte zu bündeln. Wir verzeichnen bereits erste Erfolge: Ein Projekt in der Romandie konnte zum Beispiel erst durch die Bündelung von Mechatronik-Experten aus Frankreich und Automations-Experten aus der Schweiz überhaupt angegangen werden. Dies bedeutet natürlich für unsere Kunden einen grossen Mehrwert, da er alles aus einer Hand geliefert bekommt. Actemium in der Schweiz geht einen Schritt weiter: Wir haben eine eigene CV-Datenbank entwickelt, in der jeder unserer 215 Mitarbeiter seinen Lebenslauf und seine Kompetenzen hinterlegt hat. Die Daten werden einmal jährlich beim Mitarbeitergespräch aktualisiert. So können wir intern ganz einfach nach Experten suchen – egal, ob es um Sprachkenntnisse oder andere Fähigkeiten geht. Tatsächlich finden wir auch meist die gesuchten Fähigkeiten. Jetzt zeigt das globale Actemium-Netzwerk starkes Interesse an dieser Lösung.

Die Digitalisierung schreitet voran, Industrie 4.0 ist in aller Munde. Wie wirkt sich das auf die Arbeit von Actemium aus?
Wir merken, dass das Thema „Industrie 4.0“ unsere Kunden eher verwirrt, da die meisten nicht wissen, was es genau bedeutet. Industrie 4.0 ist keine fixfertige Lösung, die man aus der Schublade holt – sie unterscheidet sich von Kunde zu Kunde. Deshalb lassen wir meist erst den Kunden erklären, was „Industrie 4.0“ für ihn bedeutet – um danach zu erklären, was wir darunter verstehen. So bekommen wir ein gemeinsames Verständnis und eine gute Ausgangslage für erfolgreiche Projekte. Es geht nicht nur darum, Objekte miteinander zu vernetzen und Daten in einer Cloud zu sammeln – das ist erst der Anfang! Wenn die Daten in der Cloud sind, müssen sie intelligent für den Kunden konvertiert werden, um zum Beispiel die interne Wertschöpfungskette zu verbessern. „Industrie 4.0“ an sich ist keine Revolution: Man benutzt Technologien, die bereits seit vielen Jahren vorhanden sind. Aber es wird eine Revolution verursachen.

Das dauert noch?
Ich glaube schon, denn viele Kunden scheinen noch nicht bereit dafür, völlig in das Thema einzutauchen. Nehmen wir einen Fleischproduzenten, der einen Workshop zu „Industrie 4.0“ veranstaltet hat. Dort wurde fast ausschliesslich über SAP gesprochen. Dass das Wetter zum Beispiel die Fleischkonsumation der Leute beeinflussen kann und man dadurch frühzeitig seine Produktion neuplanen könnte wurde nicht gesehen. Visionäre, die den Kunden im Bereich „Industrie 4.0“ Geschäftsmöglichkeiten aufzeigen, werden in Zukunft gefragt sein – da sehe ich grosses Potential. Ausserdem werden die Stärken der benutzten Systeme und Technologien noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Da ist in den nächsten zwanzig Jahren noch viel Luft nach oben.

Welche anderen Trends sehen Sie neben „Industrie 4.0“?
Wir setzen auf Robotics, Manufacturing Execution Systems und Energieeffizienz. Gerade bei letzterem Thema stehen wir noch am Anfang. Unsere Kunden haben bisher wenig Anreiz, in Energieeffizienz zu investieren – das wird wohl erst kommen, wenn gesetzliche Vorgaben existieren. Ich glaube fest daran, dass man immer wieder aus der Komfortzone heraustreten und sich neu erfinden und anpassen muss, um in Zukunft zu überleben. Und diese Philosophie versuche ich bei Actemium einzubringen – damit die Mitarbeiter und damit auch die Firma nicht zu lange in der Komfortzone sitzen bleiben.

Was erwarten Sie von BaselArea.swiss und was wünschen Sie sich von einer Standortpromotion und Innovationsförderung?
Ich finde es super, dass es neutrale Plattformen wie BaselArea.swiss gibt. Denn wenn Firmen selbst solche Veranstaltungen organisieren, dann geschieht das immer aus einem konkreten Nutzen, den sich das Unternehmen davon verspricht. Daher sind neutrale Plattformen ein Vorteil, weil sie auch verschiedene Netzwerke verknüpfen können.

Was möchte Actemium erreichen?
Die Grundwerte des Actemium-Netzwerks stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Für unsere Mitarbeiter investieren wir jährlich drei bis fünf Prozent der Lohnsumme in die Weiterbildung. Wir pflegen das Netzwerk und generieren unseren eigenen Nachwuchs durch Lehrlingsausbildung und ein duales Studium. Aber natürlich wollen auch wir weiter wachsen – um längerfristig Schweizweit präsent zu sein. Damit wir zukunftsfähig bleiben, soll jede Business Unit nebst ihrer Kernkompetenzen ein innovatives und zukunftsorientiertes Geschäftsfeld besetzen. Aber egal, ob Mitarbeiter, Kunden oder Shareholder: Alle sollen glücklich sein. Wir versuchen, dies durch ein gesundes, stabiles und profitables Wachstum zu erreichen.

Und wenn Sie sich für Ihr Unternehmen etwas wünschen könnten?
Dann würde ich mir wünschen, dass wir Schweizweit die beste Automationsfirma und der beste Arbeitgeber im Bereich Automation werden. Und wir sind auf gutem Wege. Wenn wir das erreichen, können wir alles erreichen – und wir arbeiten jeden Tag mit Spass hart daran.

Interview: Sébastien Meunier und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Switzerland Ltd., einer Firma, welche Lösungen und Engineering Services im Bereich der Industrie- und Gebäudeautomation anbietet. Actemium sieht ihren Auftrag darin, ihren industriellen Kunden dabei zu helfen, ihre Fabriken und Gebäude zu modernisieren und die Rentabilität zu steigern.
2001 war Patrick Vergult Mitbegründer und Grossaktionär der ELSE Automation Ltd. Die Firma sties im Mai 2011 zur VINCI Gruppe hinzu und wurde 2013 Teil des Actemium Netzwerks von VINCI. Zusätzlich ist er Gründer von curaVer, Business Support, einer Treuhandfirma, welche vorwiegend ausländische Betriebe bei einer Ansiedlung in der Schweiz berät und unterstützt. Des Weiteren war er erfolgreich in der Restrukturierung der Reiseagentur Venture Europe involviert, wo er das finanzielle Risiko übernahm.

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Andreas Manz gilt als einer der Pioniere im Bereich der Mikrofluidik und ist gegenwärtig Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes.

In unserem Interview erläutert der erfolgreiche Wissenschaftler, mit welcher Motivation er forscht und wie es ist, vom Europäischen Patentamt für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden.

Sie werden als Pionier der Mikrofluidik bezeichnet. Wie kam es, dass Sie angefangen haben, auf einem völlig neuen Feld zu forschen?
Andreas Manz*:
Schon als Kind interessierten mich die kleinen Dinge sehr. Meist waren das Steine, Insekten oder Käfer, die ich heimgetragen habe. Das Interesse am Kleinen blieb, so dass ich schliesslich an der ETH Zürich Chemie studierte. In meiner Doktorarbeit beleuchtete ich das Naturgesetz der Diffusion von Molekülen. Wenn man zwei Moleküle in ein sehr kleines Volumen einsperrt – ähnlich wie zwei Vögel in den Käfig –, dann können sie nicht weg und finden sich schneller. Diese Beschleunigung hat mich sofort fasziniert. Schon mein Professor Willy Simon, ein Experte in chemischen Sensoren und Chromatographie, erzählte in seinen Vorlesungen, dass Prozesse bei einer Verkleinerung auch sehr schnell werden können. Das hat mich sofort fasziniert.

Bisher sprechen Sie aber von reiner Chemie – wann entstand die Idee, Chips einzusetzen?
Ich konnte ab 1987 in Japan bei der Firma Hitachi arbeiten. Dort kam ich zum ersten Mal mit der Chip-Technologie in Berührung. Selbst gehörte ich zur Forschungsabteilung, sah aber immer wieder Kollegen in Reinräumen verschwinden und mit kleinen Chips zurückkommen. Das inspirierte mich und ich überlegte, ob man nicht anstelle von Elektronik auch Chemie auf diese Chips packen könnte. Schliesslich wird auch im Inneren eines noch so kleinen Insekts Flüssigkeit transportiert, also müsste das doch auch auf einem kleinen Chip funktionieren. Bei Hitachi durfte ich schliesslich zu Testzwecken meinen ersten Mikrofluidik-Chip herstellen lassen.

Von Japan führte der Weg dann zu Ciba-Geigy in Basel. Was gab den Ausschlag dazu?
Michael Widmer war damals Leiter der Forschung Analytik bei der Ciba-Geigy in Basel. Dieser geniale Mann hat mich sofort fasziniert: Er hatte den Weitblick, dass man auch verrückte Dinge in die Forschung integrieren und nicht nur auf den kurzfristigen finanziellen Erfolg schauen sollte. Die Industrie sollte es sich leisten, auf Qualität zu setzen und auch in der Forschung eines Konzerns neue Methoden zu entwickeln oder zu fördern, wenn sie dem Unternehmen von Nutzen sein könnten. Professor Widmer holte mich also nach Basel, wo ich laut seinen Aussagen „die ganze Chemie“ auf den Chip bringen sollte. Zwar wusste Michael Widmer noch nicht, was ihn erwartete, aber er hatte ein Gefühl dafür, dass es sich lohnen könnte.

Wie gingen Sie vor?
Damals waren Chips für die Pharmawelt sehr neu und nicht unbedingt passend. Auch Ciba Geigy war nicht von Beginn an begeistert von der neuen Anwendung. Das Interesse, an bestehenden, funktionierenden Technologien und Prozessen etwas zu ändern, war nicht so gross. Im Rahmen meiner Forschung konnte ich aber ausprobieren, was möglich wäre. Ich fand heraus, dass zum Beispiel die Elektrophorese – eine Methode, mit der man Moleküle trennt – funktionieren könnte. Man konnte diese Methode relativ einfach miniaturisieren und prüfen, ob dadurch auch die Schnelligkeit des Prozesses steigt. Und die Resultate waren sehr gut: Wir konnten zeigen, dass der Prozess bei 10-facher Verkleinerung der Elektrophorese 100-mal schneller wird, ohne an Informationsqualität einzubüssen. Diese Erkenntnis war für die klinische Diagnostik oder der Drug Discovery für die Suche nach wirksamen Molekülen sehr hilfreich. Gleichzeitig testeten wir auch verschiedene Chip-Arten, die wir von den unterschiedlichsten Herstellern bezogen.

Wann kam der Schritt an die Öffentlichkeit mit der neuen Technologie?
An der ILMAC in Basel 1996 hat Michael Widmer eine Konferenz im Bereich der Mikrofluidik organisiert – die schlug ein wie eine Bombe. Wir hatten diesen Effekt ein stückweit geplant, denn im Vorfeld haben wir bereits gezielt Forscher eingeladen und ihnen unsere Arbeit gezeigt. Dies führte dazu, dass ein kleiner Hype entstand und wir schliesslich an der Konferenz Forscher aus Kanada, den USA, den Niederlanden, Japan und anderen Ländern aufbieten konnten, welche die neue Technologie der Mikrofluidik vorstellten.

Die Aufmerksamkeit war da, dennoch beendete Ciba-Geigy später die Forschung auf diesem Gebiet. Weshalb?
Im Grunde fehlten uns innerhalb der Firma die Interessengruppen oder eine konkrete Produktanbindung. Unsere Forschung war etwas zu technisch und ihrer Zeit weit voraus und man hat innerhalb von Ciba-Geigy einfach das Potential der Technologie noch nicht auswerten können. Zudem haben wir uns auch keine konkreten Überlegungen zu Anwendungen gemacht, uns ging es eher um die Technologie und um Experimente als um die kommerzielle Nutzung. Als dann noch in einem Magazin ein grosses Bild von mir zu einem Bericht über die Mikrofluidik erschien und die Zeitschrift in Eigenregie darauf hinwies, dass Ciba-Geigy sie ungenügend umsetze, stoppte man die Forschung. Ich hatte Glück im Unglück: Da die Firma das Projekt geschlossen hatte, konnte ich trotz Konkurrenzverbot innerhalb kürzester Zeit dem Ruf ans Imperial College in London folgen, wo ich mit Studenten die Mikrofluidik weiter erforschen durfte. Zudem bin ich bei einer Firma im Silicon Valley als Berater eingestiegen.

Ist es nicht typisch, dass es eine grosse Firma nicht schafft, eine Perle im Portfolio in eine neue Zeit zu transformieren?
So negativ darf man das nicht sehen, denn die Mikrofluidik war keine Perle für die Pharmaindustrie, sondern eher für die Umweltanalytik, die Forschung oder die klinische Diagnostik. Die Pharmaindustrie tickt da anders. Sie kauft lieber das fertige Mikroskop zu einem höheren Preis, als es selbst für relativ wenig Geld selbst zusammen zu bauen. Michael Widmer und sein Team haben in der Forschung und Analytik bei Ciba-Geigy viele Dinge in den verschiedensten Bereichen entwickelt – und waren so ihrer Zeit weit voraus.

Heute ist die Mikrofluidik etabliert. Was sind nun die treibenden Kräfte?
In meinen Augen gibt es zwei treibende Kräfte: Die Anwendung und die Anwender sowie zweitens die universitäre Neugier an der Technologie und die Ausbildung. Stärker ist die erste Kraft: Es gibt Fälle, in denen die Anwendung einer mikrofluidischen Lösung unbedingt nötig ist, um der Anwendung gerecht zu werden. Nehmen wir zum Beispiel das Stichwort «Point of Care». Ziel ist es, einen Patienten direkt an dem Ort zu analysieren, wo er behandelt wird – also zum Beispiel auf der Intensivstation. Er wird am Ort ausgemessen, seine Blut- und Atemluftwerte werden analysiert und man kann direkt überprüfen, ob die eingeleiteten Massnahmen beim Patienten wirken. Eine andere Möglichkeit ist es, in Smartphones unterschiedlichste analytische Möglichkeiten zu integrieren – ähnlich wie beim Tricoder aus Star Trek. Ich bin ziemlich sicher, dass so etwas machbar ist. Doch momentan ist das heisseste Thema im kommerziellen Sektor die klinische Diagnostik. Das hat mich etwas überrascht, denn man kann einen Chip, der mit dem Blut eines Patienten in Kontakt gekommen ist, nicht wiederverwenden. Man benötigt viel Verbrauchsmaterial, was sich auch auf den Preis niederschlägt. Vielleicht findet man hier aber neue Finanzierungsmodelle, bei denen man beispielsweise das Gerät zur Verfügung stellt, aber das Verbrauchsmaterial – also die Chips – bezahlt wird, ähnlich wie beim Rasierer und den Klingen.

Wo sehen Sie in diesem Umfeld die Chance der Schweiz?
Die Ausbildung von qualifizierten Leuten ist wichtig. Da spielen vor allem die ETH und die EPFL eine grosse Rolle für die Schweiz, denn sie ziehen Studierende aus aller Welt an. Sie verlassen die Schweiz hoffentlich mit guten Erinnerungen und könnten sich möglicherweise später für Kommerzialisierungen stark machen. Das könnte eine grosse Chance sein. Natürlich gibt es auch innerhalb der Schweiz grosszügige Personen, aber in der Tendenz spart man hier eher und überlegt zweimal, ob und wo man sein Geld einsetzt. Das ist eine Mentalitätsfrage und nicht zwingend typisch Schweizerisch. Es ist auch nicht schlecht, denn zum Beispiel in der Präzisionsmechanik ist Zuverlässigkeit und Präzision zwingend – und damit passt diese Technologie zu unserer Mentalität. „Quick and dirty“ funktioniert im Silicon Valley oder in Korea besser – doch die Produkte entsprechen dann oft nicht den hiesigen Qualitätsstandards. Das Hochpreisland Schweiz bietet kaum Chancen für eine günstige Produktion, deshalb liegt der Fokus auf der Ausbildung und auf bestehenden Technologien. Auch das ist sehr wichtig und hat eine gute Zukunft.

Wird die Mikrofluidik eines Tages so gross werden wie die Mikroelektronik heute?
Das glaube ich nicht, denn sie beschränkt sich auf chemische oder zellbiologische Anwendungen und ist auch nicht so flexibel wie die Mikroelektronik. Ich sehe höchstens, dass man die neue Technologie auf bestehende Gerätschaften oder Prozesse anwendet.

Aber die heutigen Systeme am Markt sind meist stark geschlossen, es ist schwierig, hier neue Technologien einzubauen.
Ja, aber das stimmt nur teilweise, dann auch die bestehenden Geräte müssen ein Upgrade erhalten. Nehmen wir ein Massenspektrometer. Den kann man kaufen und es gibt sicherlich viele Firmen, welche diese Geräte verkaufen. Wenn aber zehn Firmen etwas gleichwertiges anbieten, muss man sich von der Masse abheben. Schaltet man also beispielsweise ein „Lab on a Chip“ vornedran, kann sich daraus ein klarer Vorteil für dieses Massenspektrometer ergeben. Die Firma verdient zwar durch den Verkauf des Geräts, aber der mikrofluidische Chip gibt den Kaufanreiz – und da kann sicherlich viel Geld geholt werden. Sehen Sie, wir befinden uns im Jahrhundert der Biologie und der Medizin und beginnen gerade damit, Zellen aus dem eigenen Körper zu nehmen, sie zu regenerieren und sie dann vielleicht als fertiges Organ wieder zu verpflanzen. Wenn man sieht, was im letzten Jahrhundert in Physik und Electrical Engineering geschehen ist, und man das ummünzt auf Biologie und Medizin, dann kommt ganz viel auf uns zu. Um diesen Umbruch zu unterstützen, braucht es die Technologie. Gerade KMU können ihre Produkte sehr gut in die Forschung verkaufen, das ist eine Nische. Meist nehmen die kleinen Unternehmen eine alte Technik und modifizieren sie – wie zum Beispiel einen Chip in eine Spritze, der dann direkt beim Aufziehen der Flüssigkeit analysiert, was die Bestandteile sind. Das eröffnet viele Möglichkeiten.

Sie waren auch Mitbegründer von Firmen, bezeichnen sich selbst aber meist als Forscher. Wie geht das zusammen?
Tatsächlich war ich nie ein Unternehmer, sondern immer nur Scientific Advisor. Ich zog es vor, die Hochschulwelt zu erfahren, anstatt in eine Firma voll einzusteigen. In meinem Innersten bin ich ein Abenteurer, der mit wilden Ideen in ein Unternehmen kommt. Geld stand für mich auch nie im Vordergrund, ich wollte immer die Qualität des Lebens verbessern oder den Menschen etwas geben. Die Neugier treibt mich an. Wenn ich Käfer sehe, die fliegen, dann treibt es mich, herauszufinden, wie das funktioniert. Es gibt in den kleinsten Tieren geniale Sensoren und so lange wir als Ingenieure dies nicht nachbauen können, haben wir noch etwas zu tun. Das begeistert mich viel mehr als Quartalsumsatz und Gewinn.

Geld ist aber auch für die Forschung ein wichtiger Treiber.
Ja, bis hinein in die universitäre Forschung geht es um Geld. Forschungsgruppen erhalten Aufträge von Firmen wegen des Profits, den man sich verspricht. Sogar die öffentlich geförderte Forschung muss immer eine kommerzielle Anwendung vorweisen. Neugier oder das Ziel, etwas mit einem ethischen Wert zu erreichen, ist eigentlich in den Ingenieurwissenschaften kaum ein Thema. Natürlich ist es wichtig, dass unsere Studenten auch in die Industrie gehen, schliesslich stammen die Steuergelder grösstenteils aus der Industrie. Aber wenn ich persönlich die Freiheit habe, dann arbeite ich gerne spielerisch – und daraus kann durchaus Ernst entstehen. Nehmen Sie die Elektrophorese auf einem Chip: Auch das war zu Beginn eher eine absurde Idee, aus welcher sich etwas wirklich Spannendes entwickelt hat! So haben viele meiner Arbeiten einen spielerischen, unernsten Aspekt – für mich genau richtig. Sehen Sie, ich kann einen Chip herstellen, der zwar im Innersten die Temperatur der Sonnenoberfläche hat, den man aber in der Hand halten kann. Das ist verrückt, aber es funktioniert, weil nur die Elektronen eine Temperatur von 20'000 Kelvin haben. Das Glas aussenherum erwärmt sich dadurch nicht sehr stark und der Chip schmilzt nicht. Und plötzlich erhält man durch eine verrückte Idee die Plasma-Immissions-Spektroskopie auf einem Chip. Ich finde, es braucht etwas Witz in der Forschung und ich sage gerne, dass wir durch die Mikrofluidik-Forschung grosse Probleme nehmen und sie so klein machen, dass man sie „nicht mehr sieht“.

Sie haben so viele Bereiche in der Mikrofluidik selbst angepackt – können andere Forscher Sie mit ihrer Arbeit noch überraschen?
Zugegeben, heute bin ich durch all die mikrofluidischen Beispiele, die ich bereits gesehen habe, verwöhnt. Manchmal langweilt es mich, wenn ich an eine mikrofluidische Konferenz gehe und sehe, was da «Neues» entstanden ist – irgendwie war das alles schon einmal da. Die Pionierzeit, in der auch eine gewisse Unsicherheit mitspielte, ist wohl definitiv vorbei. Man kann die Mikrofluidik heute mit einer Werkstatt vergleichen, aus der man sich die nötigen Werkzeuge holt, die man gerade braucht. Damit wurde natürlich auch das Wissen weiter verbreitet: Zu Beginn besass ich selbst vielleicht einen Drittel des Wissens weltweit über die Mikrofluidik, heute ist es viel weniger. Dementsprechend schaue ich nun gern etwas über den Tellerrand hinaus.

Sie wurden letztes Jahr vom Europäischen Patentamt für Ihr Lebenswerk geehrt. Was bedeutet dieser Preis für Sie?
Einen Preis kann man nicht planen – man kann vielleicht darauf hoffen. Wenn man ihn dann verliehen bekommt, ist das eine grosse Freude. Auch der Ablauf der Preisverleihung war spannend: Es gab wie bei den Oscars drei Nominierte: Ein Niederländer, der den bis heute verwendeten Codierungsstandard für CD, DVD und Blu-ray Disc entwickelt hat sowie ein Forscher aus Lettland, der mit über 900 Patenten und Patentanmeldungen einer der erfolgreichsten Wissenschaftler und Erfinder in der medizinischen Biochemie ist. Bei dieser Konkurrenz rechnete ich mir sehr geringe Chancen auf den Gewinn aus und war äusserst erstaunt, dass man mich gewählt hatte. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem Lawineneffekt: Zitate zeigen so gut wie immer auf meine damaligen Patente bei Ciba-Geigy.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Andreas Manz ist Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes. Er gilt heute als einer der Pioniere in der Mikrochip-Technologie für chemische Anwendungen.

Nach Stationen im Forschungslabor von Hitachi in Japan und der Tätigkeit bei Ciba-Geigy in Basel nahm er eine Professur am Imperial College in London an, wo er das Zeneca-SmithKline Beecham Centre for Analytical Chemistry leitete. Währenddessen war er zudem als wissenschaftlicher Berater für drei Unternehmen aus der Chiplabortechnologie tätig, von denen er eines selbst gegründet hatte. Im Jahr 2003 wechselte Manz nach Deutschland und leitete bis 2008 das Leibniz Institut für analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund.

Rund 40 Patente gehen im Wesentlichen auf ihn zurück und er hat mehr als 250 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, die bisher über 20'000 Mal zitiert wurden.


 

report

BaseLaunch startet Phase II

30.01.2018

report Invest in Basel region

US-Studie kürt Schweiz zum besten Land der Welt

24.01.2018

report Invest in Basel region

BaselArea.swiss welcomes Biopharmaceutical Company Ultragenyx

06.07.2016

BaselArea.swiss Economic Promotion is pleased to announce that Ultragenyx, a biopharmaceutical company focused on the development of novel products for rare and ultra-rare diseases based in the San Francisco Bay Area, California, is opening their European headquarters in the city of Basel, Switzerland. Stefano Portolano, M.D., has been appointed Senior Vice President and head of Ultragenyx Europe. In this role, Dr. Portolano will be responsible for building and leading the Ultragenyx commercialization efforts across Europe and developing the company's European organization.

«Ultragenyx selected Basel as our European headquarters because of the area’s thriving life sciences community, accessibility to the rest of Europe, business-friendly environment and strong international talent pool,» said Dr. Portolano. «On behalf of Ultragenyx, I would like to thank the team at BaselArea.swiss for their partnership throughout this process, as they have been invaluable as we look to establish our European presence and help bring promising therapies to patients throughout the region. We are focusing on key hires to establish necessary capabilities so that we are ready to launch if we receive approval, and we are confident we will be able to find and attract key talents in Basel».

Dr. Portolano brings over 20 years of experience in the biopharmaceutical industry, in medical, commercial and general management roles in both Europe and the United States. He has worked both on pre-launch and launches of products for rare diseases, both at Genzyme and Celgene. Before joining Ultragenyx, he spent ten years at Celgene Corporation in increasing leadership roles, most recently as Vice President of Strategy & Commercial Operations, EMEA. Prior to Celgene, he worked at Genzyme for eight years. Dr. Portolano received his M.D. degree from Federico II University in Napoli, Italy. He completed his postdoctoral fellowship and served as Adjunct Assistant Professor of Medicine at the University of California at San Francisco.

About Ultragenyx
Ultragenyx is a clinical-stage biopharmaceutical company committed to bringing to market novel products for the treatment of rare and ultra-rare diseases, with a focus on serious, debilitating genetic diseases. Founded in 2010, the company has rapidly built a diverse portfolio of product candidates with the potential to address diseases for which the unmet medical need is high, the biology for treatment is clear, and for which there are no approved therapies.

The company is led by a management team experienced in the development and commercialization of rare disease therapeutics. Ultragenyx’s strategy is predicated upon time and cost-efficient drug development, with the goal of delivering safe and effective therapies to patients with the utmost urgency.

The company's website for more information on Ultragenyx

About BaselArea.swiss
BaselArea.swiss is responsible for the international promotion of the economic region of Basel, Switzerland. In a joint effort, the economic promotion agencies of the Swiss cantons of Basel-Stadt, Basel-Landschaft, and the Jura support expansion and relocation projects of foreign companies, and offer consulting services to entrepreneurs and startups. The identification and procurement of suitable real estate and properties for international and national companies is an important service of BaselArea. BaselArea’s consulting services for interested parties are provided free of charge.

report Innovation

Universität Basel will Innovation stärker fördern

03.10.2017

report Invest in Basel region

Un atout opérationnel pour le soutien de l’innovation dans le Jura

03.10.2017

report Micro, Nano & Materials

«If a scientist doesn’t know how to recognise commercial potential, he won’t found a busin...

02.12.2015

Robert Sum and Marko Loparic are both entrepreneurs with a scientific background. In the i-net interview, they tell the stories of Nanosurf and Nuomedis, explain why the Basel region is a great place for their startups and what could be done to foster an entrepreneurial spirit in the scientific environment.

Robert Sum, you co-founded Nanosurf in 1997, just shortly after completing your thesis. What motivated you to create your own startup?
Robert Sum*: I was motivated by the possibility of using my knowledge from university in a practical way. Towards the end of my thesis in 1995, I had the good fortune that Hans-Joachim Güntherodt was the rector, and together with the department of economic sciences he created a seminar for PhD students. The seminar was called «Start-up into your own company». My friend Dominik Braendlin and I registered for this innovative format. We had already worked together on research projects and we felt the need for a concrete application. Another good friend, Lukas Howald, approached us with the idea of Professor Güntherodt to design a simple and easy-to-use Scanning Tunnelling Microscope for schools. We liked the project and started to work on it. Luckily, the Commission for Technology and Innovation (CTI) launched its startup initiative shortly after this. Thanks to the coaching, we were able to write our first real business plan and CTI decided it was worthy of support. Nanosurf is the only company from the first CTI support round which survived. I stayed with the company until 2014, but in 2009, I stepped back from operational management.

The next project followed immediately: Nuomedis.
Robert Sum: After Nanosurf, I started to work intensively with universities on scientific projects. This is how I met Marko Loparic. We worked together on two projects for a specific application in tissue diagnostics, which again was supported by CTI. In the end, we decided to found a «spin-out/start-off» company from Nanosurf plus the University of Basel, which became Nuomedis.

Marko Loparic, did you have any entrepreneurial background?
Marko Loparic*: I’m a medical doctor by profession. During my PhD at the Biozentrum, University of Basel, I worked with atomic force microscopy, AFM, and immediately realised that this nanotechnological device had very high potential for resolving crucial clinical questions. We saw not only great scientific potential - for example for understanding not only the mechanisms of tissue engineering, cancer development and metastasis, as well as drug activity, but also the diagnostic applications, such as early detection of osteoarthritis or cancer diagnosis. AFM helped us to explain biological functions because at the very first phase of a disease, the alterations in tissue are occurring at the nanometre scale. However, it was time consuming and very complicated using the microscope. So we developed little innovative algorithms which automated, simplified and enabled AFM applications in life sciences and clinics. At the end of my PhD studies, I spoke with my supervisors about how to commercialise all the simplifications when the collaboration with Nanosurf was initiated and the creation of the easy-to-use, AFM «Automated and Reliable Tissue Diagnostic», «Artidis», began.

What steps are planned next for Nuomedis?
Marko Loparic: We plan to take «Artidis» to the next level. From its use in physics, biology, chemistry and science, our next step is rather a big jump: to be the first company to introduce AFM technology into clinics.

This almost sounds like you had no choice but to found a company.
Robert Sum: We found an ideal situation: I had the experience to build up a company, combined with experience in technology development and knowledge of the startup environment; and Marko brought vast scientific and clinical experience at a high level. We started by thinking about the possible need and how to do business with it. Out of these ideas, we created a deck of PowerPoint slides – a lean business plan so to speak. It was clear to us that there was huge business potential which we wanted to realize.

Marko Loparic: From the start in 2005, working on the project was great, as the whole team was fully motivated. Everything developed very smoothly and nicely. Supporters even became investors, and we still enjoy a strong scientific collaboration with the Biozentrum. It’s great that the main patents are now granted worldwide – this is very important and will help us to attract further investors. Currently we are focusing on the transformation of the «Artidis» device into a clinical in-vitro medical device.

In fact, you have to create a demand among doctors and oncologists, don’t you?
Marko Loparic: At the moment, our main focus is on introducing to clinicians the breakthrough technology of nanomechanical profiling and the benefits which it brings to clinicians, hospital and patients. Our prototype is currently being evaluated and used in ongoing clinical studies at the Pathology Department of the University Hospital Basel. In the near future, we aim to confirm its effectiveness for breast cancer prognostics in order to reduce the problem of chemotherapy overtreatment. Nowadays, markers are not specific enough to distinguish with a high degree of probability which patients will benefit from chemotherapy and which will not. If we could reduce chemotherapy treatment just a fraction, we could make a big difference. Our main hurdles to entering the market are now regulatory obstacles, which we plan to overcome in the next two to three years.

How does your experience in founding Nuomedis compare with founding Nanosurf 18 years ago?
Robert Sum: Many things have changed regarding the environment. When we founded Nanosurf, the university was not focused on commercialising an idea. Business was perceived as something strange, and science was sacrosanct. This has changed dramatically. The word startup is almost a must nowadays for PhDs. Additionally, through TV shows and articles in the media, people are more aware that startups are a culture which needs to be fostered. However, starting a business is a lot of work, which has to be done with care. It is easier for me today, as I have some experience and won’t make the same mistakes again.

You support a lean startup approach – are business plans not needed anymore?
Robert Sum: I think there is a big misapprehension regarding the idea of the lean startup. A business plan is still needed - it’s essential that you know what your plans are. You need a concept, but it doesn’t have to be a book. You still need to know the basics at the very least, for example what the product is, who the customers are, where you see risks, how you produce or how you finance – to mention only a few. What lean startup means to me is that you should focus on the market and keep the customer in the centre.

Is it at all possible to use the lean startup method in the complex healthcare environment of Nuomedis?
Robert Sum: The problem in healthcare is that you don’t simply have a customer and sell a product. We are facing a complex health insurance environment based on a solidarity principle, and we have many stakeholders influencing the system, such as the hospital, the clinicians, other healthcare institutions, society or the company itself. It is indeed much more difficult to use the lean startup approach here.

Marko Loparic: Our major focus is on clinicians, and we use the experience we have in science and clinics to create awareness. Nevertheless, we are actively cooperating with other key stakeholders, such as hospitals, patient organisations, health insurers, clinical societies or government bodies, to facilitate accelerated development and keep the time to market as short as possible. Finally, at our demo site in the Pathology Department of the University Hospital Basel, we learn how the clinicians and hospital system operate, which is important to help us shape the device to match their needs. Hence, proximity to measurement site is key for the successful development and acceptance of technology, and our plan is to relocate in order to be as close as possible to the hospital.

Robert Sum: This is the typical process of understanding the market – and I think this is where Nuomedis has benefited from the lean startup approach.

How important was it for you to be in the Basel region? How does it foster your business?
Marko Loparic: Basel is a centre of nanotechnology and especially AFM, since Professor Christoph Gerber, who built the first AFM, is still active here together with many distinguished professors who are making great use of the technology to boost their scientific output. For us, Basel has all the ingredients for success: We have a city where technology is well supported and hospitals which are open-minded and ready for new technologies. Not to mention the Biozentrum and the Swiss Nanoscience Institute, which offer great expertise and facilities for innovative projects.

Robert Sum: Another aspect is the economic environment of Basel with many pharma and medical technology companies. There is an entrepreneurial environment here with investments available. Not to mention the role of government: Basel-Stadt and Baselland collaborate very closely and, if we need some support for administrative issues, they are extremely open-minded and helpful.

What makes Basel a startup-friendly environment?
Marko Loparic: Positive factors in the region are its good infrastructure, both a national and international network, and its spirit of entrepreneurship. If you work in Basel, there are many options for learning how to commercialise your idea. This is true for the whole of Switzerland by the way. There are dedicated organisations and funds for each step you have to take in developing a business, ranging from CTI to investors and incubators. The i-net Business Plan Seminar was very important for me. In only one day, I learned a lot about how to construct a business. In my opinion, there is still a big gap between basic research and translational science.

Robert Sum: Either you are a good scientist or an experienced business person – it’s difficult to be both. This is an art that is nicely managed in Silicon Valley, and successful entrepreneurs become investors. And I guess something could be done here. Organisations like i-net are very important for networking ideas, and you can also find support at EVA or business parks. Not to mention Unitectra, which provides workshops for students on how to exploit intellectual property created at university. Indeed there are many supportive organisations, which can make you feel a little lost. CTI Start-up helped us to get an overview of the whole support landscape.

Marko Loparic: In my opinion, it’s all about education: If a scientist doesn’t know how to recognise commercial potential, he won’t make it. There are seminars to help, but you need an incentive to go to such seminars. What about scientists being approached from the business side? When you apply for a grant, you always need to stress the long-term outcome of your project and sometimes its commercial purpose. It would be great to have an organisation with the skills to read those grant applications and search for business potential. A person or organisation that could offer this could help create a great start-up environment.

Interview: Ralf Dümpelmann and Nadine Nikulski, i-net

*Robert Sum is one of the co-founders of Nanosurf AG and has served in different management positions as CEO, Head of Sales & Marketing and Business Development. During his time working in business development he managed the research collaboration with the Biozentrum for the project «Artidis», which is now the prime project of Nuomedis AG. After 17 years of management experience at Nanosurf Dr. Sum left to found Nuomedis AG with members of the Biozentrum team. Now Dr. Sum serves as CEO and member of the board.

*Marko Loparic, MD, is the key inventor of «Artidis» technology from the Biozentrum University of Basel. He managed the collaboration with Nanosurf for the «Artidis» project, which is now the prime project of Nuomedis AG. Now Dr. Loparic serves as the Chief Medical Officer and member of the board at Nuomedis AG. He is responsible for medical related concerns of the project and its implementation in the clinical setting.

report

Visionarity setzt sich gegen europäische Start-ups durch

05.07.2017

report Medtech

Le Jura en force au 16e Salon EPHJ-EPMT-SMT

04.07.2017

report Medtech

«We will be certificating the world’s first autonomous robotic surgical device»

04.11.2015

The laser physicist and entrepreneur Alfredo E. Bruno is co-founder and CEO of the medtech start-up Advanced Osteotomy Tools (AOT) in Basel. Their surgical robot «Carlo» (acronym for Computer Assisted, Robot-guided Laser Osteotome) is an award-winning project (Pionierpreis 2014 and CTI MedTech 2015). The company will exhibit «Carlo» at the Swiss Innovation Forum 2015 on 19th November.

In the i-net interview, Alfredo E. Bruno explained his roadmap for AOT and what drives him to be an entrepreneur.

You are a laser physicist – what brought you to medtech?
Alfredo E. Bruno*: My younger daughter needed difficult orthognathic surgery to correct conditions of the jaw and face. This brought me into contact with Professor Hans-Florian Zeilhofer and Dr. Philipp Jürgens from the Department of Oral and Maxillofacial Surgery at the University Hospital Basel. I was worried about my child, but the surgeons devoted a lot of time to explain the procedure to us. Their pre-operative approach to surgery fascinated me more and more. I asked the surgeons why they were not cutting bones with a miniaturized laser instead of mechanical tools to best reproduce the software-planned intervention. In another project, I had developed a laser of this kind to cut and drill through nails. At this point, we all realized that we could create something very useful together.

How did you gain your knowledge in surgery?
I had absolutely no idea about surgery until I met the surgeons – despite the fact that my father was a rural medical doctor. Indeed, when I see a drop of blood, I panic. But I wanted to know more about this new type of planned and navigated surgery the surgeons were talking about. I managed to find a good 160 publications and about 20 patents in the field, read them during vacations and became a «theoretical» surgeon. Reading these documents, I noticed that Professor Zeilhofer appeared as co-author in many of these publications and realized that he knew a lot about pre-operative planning and navigation. I started to design «Carlo» from scratch using all available state-of-the-art technology, and trying not to be biased by the robotic surgery products already on the market. What worried me most was the software, which is crucial to integrating the whole system. Hans-Florian Zeilhofer introduced me to Professor Philippe Cattin, an expert in navigation who liked the idea from the outset. He was the «missing link» to the realization of «Carlo».

Was it always clear that «Carlo» would be the goal of AOT?
As an entrepreneur, I made it very clear from the beginning that I wanted to have a product rather than a nice academic idea. Instead of writing a business plan, we first applied for patent protection of the innovations. The business plan came afterwards with a business model in which we at AOT would only focus on core technologies and would outsource the technologies mastered by other companies under contractual partnerships in order to reduce development time.

Were you ever afraid that AOT might fail?
While writing the business plan, I clearly saw that there was a need for our product. We had the right founder’s team, but I was worried about the funding, because there was a global economic crisis and investors had become cautious. Therefore, I decided to talk to a few experts I knew in the start-up media in Switzerland before launching the initiative. They reviewed the AOT case and encouraged me to pursue the project, because it was truly innovative and, for this kind of project, they argued that there are always funds available in Switzerland. And indeed, with our first pitch in BioBAC, we gained a lead investor. Shortly afterwards, we won the three stages of Venture Kick and I was then asked to participate in the Swiss Venture Day of CTI Invest to make a pitch. Despite some doubts I had about the completely new surgical device, many potential private and institutional investors were literally queuing right after my presentation to talk to me about the «Carlo» device and AOT as an investment opportunity.

Why do you think your pitch attracted potential investors?
I think the every one of the technical founder’s team had a remarkable technical record which inspired trust, and I also have a good entrepreneurial record, all of which make up the ingredients investors are looking for to fund new projects. The pitch is key to convincing investors. We cannot afford to devote much time to making «professional» slides, but the audience realizes that we have an unbeatable project and know what we are doing; and they can see during the Q&A sessions that we are very authentic.

In the beginning, you faced some criticism with regard to the feasibility of a complex medical device such as «Carlo». Do you still face negative reactions?
No, not anymore! When I started speaking of «cold» laser ablation, many physicists questioned this paradoxical term. Today, after we assessed the remaining surfaces of the bones and captured the ablation process with thermal cameras showing that this cutting method is even cooler than mechanical cuts, nobody has any doubts about our assertion anymore. Another critical issue raised by some experts was depth control. Some argued that we would never be able to have depth control working in real time. Again, this is no longer an issue.

You recently presented this depth measurement system for the first time. How does it work?
With the help of external academic partners we developed a laser interferometric method suitable for our device that provides not only the depth of the cut but also its width right after every laser shot so its entire profile can be reconstructed in real time. This «probing» laser beam is co-axially mixed with other visible pointing laser beams to ensure that the surgeon can observe the cut on the monitor. There are many computer-controlled processes such as the depth control running in parallel during some of the tasks. They are processed by a microprocessor which sends values that are already calculated to the «Carlo brain» to decide what to do next. With this software technology, we are pushing the envelope in three disciplines: laser physics, data processing and synchronization.

Could this know-how be used for other applications in or beyond surgery?
As pioneers in this field, we encounter many new problems to solve. But on the other hand, once we have found the solution, we file for patent protection and, in this way, we’re strengthening our patent protection. Some of these innovations could be used for other applications, but we have to remain focused on one thing: getting device certification. Once we «put our foot on the moon», we could follow up on other options with the technology we have discovered.

It sounds as if you are not facing any difficult situations anymore with AOT?
Problems are constantly arising, but we have a very professional and courageous team that brainstorms the problems at hand in complete transparency and always comes up with one or more solutions. Although scientists are trained to present nice results in conferences while leaving the bad results aside, we are upfront with the bad news. If a problem appears, it’s immediately brought to the attention of the team so we can find a solution together.

What in your opinion are the key factors for an innovative company?
Everyone knows what the main ingredients for innovation are: You have to have a product that addresses a need, a unique proprietary technology, the right people and the financial means. However these ingredients do not guarantee success, and many start-ups that have these ingredients fail. The causes of failure are often underestimated, but should be addressed in the risk analysis of the business plan. A classical killer of technological innovation is when investors strategically decide to sell the start-up to an established competitor. But the buyer wants to get rid of a potential competitor! A possible antidote is to have a good legal adviser. A lawyer can help you to set clear goals for the steps after the acquisition and implement penalties in the contract. Also, it is good to keep the founders of the company in-house, because these people are part of the success and often the «engine» of a start-up.

What makes Switzerland a good place for you to launch a medtech start-up?
I have worked with people and projects in a few countries. What I find unique in Switzerland is the scientific family: Everybody knows each other and has close relationships. For instance, when the issue of a suitable depth control appeared, we spoke to other scientists who had solved similar problems for eye surgery. They came up with friendly and open advice without speculating on what the benefit would be for them. This is by no means the rule in other countries, where often knowledge is seen as power. But the free flow of information in this country is crucial in ambitious high-tech projects.

Where do you see room for improvement of entrepreneurship in Switzerland?
Switzerland already ranks as leader when it comes to innovation, but I see there are three things that could be changed to foster even more innovation – namely, the no-risk mentality, the fear of failure and the loss of reputation. The Swiss education system teaches students to avoid risks instead of focusing on the possible reward associated with a risk. Indeed, the word risk has a negative connotation in Switzerland, but entrepreneurship without risk is as hypothetical as perpetual motion.
How can we overcome our fear of failure? One recipe for passing an exam is «to do the homework in time to get a good sleep the night before». In a high-tech start-up, this recipe means firstly drafting a comprehensive and realistic business plan and strong IP protection. Failure is part of the game, and the question needs to be how fast you can get back up after getting knocked down, not whether you are going get knocked down.
Regarding the loss of reputation, people look at you with suspicion when you’re trying to build your own company based on an unusual idea. And your employer may think you’re not happy with the job. But large established companies don’t have the framework for promoting new ideas. They should support their employees to pursue their own ideas and get trained on founding a new company.

What drives you as an entrepreneur?
I have always tried to do things I like and am capable of realizing. I have always been a curious person. As a child, I built rockets and blew the fuses in our house with my experiments – for example – to split water into O2 and H2 with 240 volts! My grandfather, who was a full-blooded entrepreneur, also taught me the basics of entrepreneurship. I guess the ideal situation for high-tech entrepreneurship is a «born scientist» with a flair for entrepreneurship, as management skills can be acquired.

Do you have any entrepreneurial role models?
Columbus has always fascinated me since childhood. Only later did I realize that he was an incredible entrepreneur who first had to convince the queen to get funds and had to overcome many odds. He definitely had the intelligence, the passion and the courage required to literally embark on such a project. And although pirates are not exactly good role models, they were excellent start-up entrepreneurs. Pirates planned their attacks rigorously in advance, had to get funding or develop advanced boats with higher masts to sail faster. Their structure was similar to a start-up nowadays, and they even had the equivalent to stock option plans, where the loot was distributed among all the hierarchies in proportion to their performance.

Interview: Fabian Käser and Nadine Nikulski, i-net

*Alfredo E. Bruno holds an M.Sc in Quantum Chemistry and a PhD in Laser Physics from the University of Saskatchewan (Canada). Alfredo came to Munich in 1985 as an Alexander-von-Humboldt fellow followed by a teaching position at the University of Zürich. In 1988 he joined Ciba-Geigy and later Novartis where he accumulated more than 25 years of experience in biomedical, preclinical and clinical research in joint projects with Spectra Physics and Chiron Diagnostics.

At Novartis, Alfredo Bruno invented Transungual Laser Therapy for nail diseases, which was the basis for the spin-off of TLT Medical Ltd in 2004, where he was the sole founder and CTO. After three years of successful operation under his leadership, TLT Medical was sold to Arpida Ltd in 2007, where he became the Head of Antifungals. In 2009, he co-founded FreiBiotics in Freiburg (Germany), where he was CEO until mid-2011. In 2011, he co-founded Advanced Osteotomy Tools (AOT), where he is the CEO. He has published over 35 peer-reviewed publications and holds more than 15 patents and has been on the editorial board of three international scientific journals.

report Innovation

Basler Start-up züchtet nachhaltige Edelpilze

29.06.2017

report ICT

Baloise kauft Umzugsplattform MOVU

28.06.2017

report ICT

«Als Unternehmer muss man ein stückweit paranoid sein»

07.10.2015

Der Basler Privatinvestor und Multi-Verwaltungsrat Adrian Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. Seit März 2013 engagiert er sich ehrenamtlich als Leiter des i-net Technologiefeldes ICT.

Im Interview erläutert er, was Unternehmertypen ausmacht und warum er überzeugt ist dass die Schweiz durchaus das nächste Google hervorbringen könnte.

Wie lebt es sich als Business Angel in der Schweiz?
Adrian Bult*:
Grundsätzlich ist mein Leben spannend. Ständig werde ich mit neuen Ideen und Impulsen konfrontiert. Ich habe mit jungen Unternehmern zu tun, das ist für mich sehr bereichernd.

Meinen Sie das auch wörtlich?
Sicher, denn in erster Linie interessieren mich der Inhalt und Menschen. Daher sehe ich mich auch nicht als Investor sondern als interessierten Entwickler von Unternehmen.

Sie investieren vor allem in ICT - gibt es da genügend interessante Cases?
Ja, in der Schweiz gibt es meiner Meinung nach sehr viele gute Ideen und ein ausgeprägtes Unternehmertum. Das meiste ist aber privat finanziert. Da ist die Schweiz einzigartig. Es gibt wohl weltweit kein anderes Land, wo so viele finanzielle Mittel von Privatinvestoren oder Unternehmen in die Innovation fliessen. Dies auch im Unterschied zum Silicon Valley, wo das Unternehmertum von einer hochprofessionellen VC-Industrie angetrieben wird.

Entsprechend muss man in der Schweiz dann auch die kleineren Brötchen backen?
Ja und ausserdem hat die Schweiz einen kleinen Heimmarkt. Damit stellt sich schon bei der Gründung die Frage nach der Ambition. Wer im B-to-C-Bereich nicht mit einer globalen Vision antritt, hat meist von Anbeginn an wenig Chancen. Darum ist die Schweiz vor allem ein Land mit vielen interessanten Nischenanbietern - insbesondere im B-to-B-Bereich.

Was fehlt den meisten Cases, denen Sie begegnen?
Die Schweiz hat eine ausgeprägte Pharma-, Ingenieurs- und Chemiekultur. Für den Erfolg eines Start-ups ist aber auch eine gute Vertriebs- und Marketingkultur wichtig. Da haben andere Nationen, gerade etwa die USA, einen Vorsprung. Sie rücken das Marketing viel stärker in den Vordergrund. Gerade technologiegetriebene Jungunternehmer glauben, dass das beste Produkt Erfolg hat. Das ist aber oft eben gerade nicht der Fall. Es setzt sich meist durch, was sich am besten vermarktet.

Aber im Silicon Valley werden die Firmen doch auch von Techies und Nerds gegründet und nicht von Marketing-Leuten?
Das stimmt, aber das Marketing hat denselben Stellenwert wie die Ingenieurstätigkeit. Wenn man an einer Party sagt, man sei ein Verkäufer, dann ist die Reaktion meist sehr verhalten. Dies hat damit zu tun, dass in der Schweiz Understatement als grosse Tugend angeschaut wird. Eigenvermarktung ist bei weitem nicht so wichtig wie in anderen Kulturen. Das ist etwas, was wir Schweizer lernen müssen.

Ein Startup-Gründer ohne Verkäufer-Qualitäten hat keine Chance?
Unbedingt, wie will er sonst Investoren für sein Vorhaben gewinnen? Hier fängt es schon an. Und dann braucht es auch eine gewisse Ambition. Es gibt Gründer, die von Beginn an den Weltmarkt im Fokus haben. In der Schweiz wird man dafür sofort belächelt. Aber im Grunde ist dies die richtige Einstellung, um später auch den ersten Kunden zu akquirieren. Auch dies ist ein typische Haltung vieler technologiegetriebener Start-up-Gründer in der Schweiz: Zum Telefon zu greifen und eine Liste von Leads abzuarbeiten, dafür sind sich die meisten zu schade.  

Gibt es weitere Muster, auf die sie bei Schweizer Jungunternehmern immer wieder stossen?
Etwas, das ich besonders bei Start-ups immer sehe, ist die Unterschätzung der Zeit, die gebraucht wird, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Wenn man die Zeit falsch einschätzt und die Finanzierung an diese Zeitachse knüpft, muss man rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass man länger braucht. Sonst geht einem die Puste aus.

Man sollte also immer doppelt so viel Zeit und Geld einplanen als man denkt?
Nein, das wäre falsch. Ich bin dafür, dass man die Zeit eng und die Mittel knapp ansetzt. Aber man muss rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass es knapp wird. Es braucht den Druck, sonst bewegt man sich nicht.
Können die Schweiz und Europa jemals ein ICT-Giganten hervorbringen?
Warum nicht? Man hört immer nur von Google, Airbnb oder Uber. Aber es gibt auch Unternehmen, die sehr erfolgreich eine bis zwei Stufen unter diesem Radar arbeiten. Es gibt manchen Bereich, wo in der Schweiz technologisch sehr fortgeschrittene Lösungen entwickelt werden. So etwa das «Over The Top»-Internet-TV.

Macht die Schweiz nicht einfach zu wenig aus ihren Opportunitäten? Nicht Zürich sondern London ist heute das Fintech-Zentrum der Welt. 
In der Schweiz gab es durchaus Entwicklungen in diese Richtung, man hat beispielsweise früh ins E-Private-Banking investiert und Apps von grossen Schweizer Banken sind heute führend. Aber drum herum hat sich nicht ein Cluster gebildet wie in London. Warum? Um im Fintech-Bereich erfolgreich zu sein, müssen Banken ihr eigenes Geschäft kannibalisieren. Unter dieser Vorgabe ist es einfach schwierig, innerhalb der eigenen Organisation Innovation voranzutreiben. Deshalb plädiere ich für Kooperationen. Twint von Postfinance ist ein gutes Bespiel dafür, dass dies erfolgreich ist.

Mit der Verschmelzung von ICT und Life Science bietet sich der Schweiz und insbesondere der NWCH die nächste Chance an. Was ist zu tun, dass man diese nicht verpasst?
Innovation entsteht durch Zusammenarbeit. Kleinen Firmen fehlen oft das Knowhow sowie die Ressourcen für die grossen Roll-outs. Etablierte Unternehmen dagegen fehlt die Agilität, um mit wenigen Mitteln das bestmögliche Resultat zu erzielen. Mein Vorschlag wäre deshalb, solche Themen verstärkt in Projektnetzwerken anzugehen. Typischerweise befinden in der Geschäftsleitung grosser Unternehmen wenige Leute darüber, ob eine Idee gut oder schlecht ist. Im Silicon Valley macht man das völlig anders. Dort gibt es einen Sponsor für eine Idee. Dieser setzt sich mit Finanzinvestoren und Fachexperten zusammen und interagiert. Wenn die Idee ankommt und es Verbesserungspotential gibt, ist er auf dem richtigen Weg. Wenn die Kommentare ständig negativ sind, ist es wohl der falsche Weg. Fazit ist, dass im Silicon Valley die kompetenten Personen mit kompetenter Meinung ausschlaggebend sind, nicht ein Einzelner in der Geschäftsleitung. Festzustellen ist, dass dieses Modell langsam auch in der Schweiz ankommt.

Dennoch ist die Schweiz Innovationsweltmeister?
Die Aussage «die Schweiz ist Innovationsweltmeister» würde ich mit äusserster Vorsicht geniessen. Solche Aussagen machen nur bequem. Wenn eine Innovation einen Markt neu am Definieren ist, dann kann man dies nie früh genug merken. Als Unternehmer sollte man diesbezüglich geradezu paranoid sein und ständig überlegen, ob man gut genug ist und was verbessert werden könnte.

Man sagt oft, das Unternehmertum sei in der Schweiz nicht hoch angesehen und die Risikobereitschaft zu gering.
Meine Wahrnehmung ist, dass sich dies sehr geändert hat. Tatsächlich erlebe ich viele junge Menschen, die mit hoher Risikobereitschaft neue Projekte anpacken. Das Scheitern ist heute auch nicht mehr so gravierend. Auch für die Persönlichkeitsentwicklung ist es sehr wertvoll, wenn man einmal ein eigenes Unternehmen aufgebaut hat. Ich sehe heute junge Unternehmer, die viel weiter sind als ich es im gleichen Alter war, weil sie eine eigene Firma aufgebaut haben.

Sie haben es eingangs gesagt: In der Schweiz investieren vor allem Privatpersonen. Was könnten getan werden, damit noch mehr investiert wird?
Fördern könnte man es dadurch, dass man den Leuten die Möglichkeit gibt, selbst diese Erfahrung zu machen. Grosse Unternehmen könnten sich zum Beispiel anstelle von grossen Investitionen in Aus- und Weiterbildungen den Kadermitarbeitern die Möglichkeit geben, Ausbildungsgeld auch in ein Start-up zu investieren. Kostet ein MBA beispielsweise 20‘000 Franken, könnte das Unternehmen den Kadermitarbeiter dazu bringen, selbst 20‘000 Franken draufzulegen, um mit diesem Kapital ein kleines Unternehmen zu begleiten. Ich bin überzeugt, dass der Lerneffekt bezüglich Bilanzen-lesen, Erfolgsrechnungen oder dem Vorwärtstreiben von Projekten mindestens so gross ist, wie beim Verfassen einer Case-Study an einer renommierten Universität. Wenn man das in einem Jobinterview glaubwürdig vermitteln kann, dann ist diese Erfahrung genau so wertvoll wie ein Titel.    

Was halten Sie von Steuer-Incentives für Unternehmen, die Wertschöpfung betreiben?
Grundsätzlich finde ich es immer positiv, wenn Anreize für Personen geschaffen werden, die bereit sind, ein Risiko einzugehen. Wenn jemand ein grosses Risiko eingeht, sollte er auch eine grössere Belohnung dafür erhalten. Steueranreize sind dafür eine Möglichkeit.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Adrian Bult engagiert sich seit März 2013 ehrenamtlich als Leiter des Technologiefeldes ICT für i-net. Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. So war er von 1998 bis 2007 Mitglied der Gruppenleitung von Swisscom und von 2007 bis April 2012 COO des Schweizer Bankensoftwareanbieters Avaloq. Heute ist Adrian Bult als Berater und Investor tätig. Er ist Verwaltungsratspräsident von Swissgrid sowie der Enkom Gruppe und Verwaltungsrat bei Adnovum, Swissquote, Regent Beleuchtungskörper sowie Alfred Müller AG.
Adrian Bult (Jahrgang 1959) studierte Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (HSG).

report Life Sciences

Versant Ventures fördert Repare Therapeutics

23.06.2017

report ICT

Basler Versicherungen kooperieren mit Gründerportal

15.06.2017

report Micro, Nano & Materials

«Meine Erfahrungen im Umgang mit Nanomaterialien sind in Bern willkommen»

10.09.2015

Die Firma Polycompound aus Sissach ist Spezialist in der Einarbeitung von Nanopartikeln in Kunststoffe. Jährlich werden unter anderem über 1000 Kilogramm Carbon Nanotubes (CNT) verarbeitet, das sind längliche Hohlkörper mit einem Durchmesser von weniger als 10 Nanometern. Die Sicherheit bei der Verarbeitung dieser Kleinst-Partikel ist äusserst wichtig, zumal die Wirkungen von CNTs  im menschlichen Körper noch nicht abschliessend untersucht sind.

Peter Imhof, Verkaufsleiter bei Polycompound, arbeitet selbst seit rund 10 Jahren mit Nanomaterialien, er ist nicht nur regelmässiger Gast im i-net Technology Circle «NanoSaftey», sondern auch Ratgeber für die Bundesämter für Umwelt (BAFU) und Gesundheit (BAG). Im Interview erläutert er, welche Massnahmen die Arbeit mit Nanopartikeln benötigt und welche Bestimmungen noch präzisiert werden müssen.

Wie kam Polycompound dazu, Nanomaterialien zu verarbeiten?
Peter Imhof: Das hat zu einem gewissen Grad mit meiner Person zu tun. 2004 arbeitete ich als Product-Manager bei einer namhaften Handelsfirma für Polymere, Rohstoffe und Feinchemikalien in Basel, wo ich im Bereich Schichtsilikate zum ersten Mal mit Nanoprodukten in Berührung kam. 2008 durfte ich die erste Version des Sicherheitsrasters für Nanomaterialien in Bern präsentieren und meine praktischen Erfahrungen als einer der Ersten aus der Industrie einbringen. 2009 wechselte ich zu Polycompound und blieb der Nanotechnologie treu. Neben Schichtsilikaten und CNTs war auch Nanosilber ein Thema. Weitere Additive im Nanobereich, wie zum Beispiel Flammschutzmittel, kamen später dazu.

Warum setzt man Carbon-Nanotubes überhaupt ein?
CNTs können ein Material verstärken oder seine elektrische Leitfähigkeit erhöhen. Kabeln wird üblicherweise Russ zugesetzt, um sie leitfähig zu machen. Doch der Russ reduziert auch die Flexibilität und macht Kabel brüchiger. Wenn CNTs beigemischt werden, kann die gleiche Leitfähigkeit mit deutlich geringerer Konzentration erreicht werden ohne die mechanischen Eigenschaften wesentlich zu verändern, dadurch können diese Kabel stärker belastet werden. CNTs werden bei verschiedenen Anwendungen eingesetzt, speziell wenn erhöhte Anforderungen an das Produkt gestellt werden, ohne Verlust der guten Eigenschaften des Grundmaterials. Das Problem ist, dass Zusätze mit Nanotubes noch sehr teuer sind. Dies ist eine Hemmschwelle – genau wie die offenen Sicherheitsfragen und die Unsicherheit im Umgang mit Nanomaterialien.

report ICT

Allthings ist auf Wachstumskurs

09.06.2017

report BaselArea.swiss

Mehr Geld für Start-ups und mit einem Moonshot in die digitale Zukunft

08.06.2017

report Medtech

«Erst durch den Austausch im Team wird eine Idee konkret»

03.09.2015

Hans-Florian Zeilhofer ist Chirurg, Innovator, Wissenschaftler und Unternehmer. Auf vielen Gebieten der Wiederherstellenden Gesichtschirurgie hat er Pionierarbeit geleistet. Stets getrieben vom Ziel, die Situation für seine Patienten zu verbessern, stösst Zeilhofer immer wieder neue Projekte an, die international Beachtung finden. So auch sein jüngstes Projekt «MIRACLE», das sein Team an der Lift Basel Conference 2015 vorstellt.

Im Interview erläutert er, warum für ihn die Arbeit im interdisziplinären Team so wichtig ist und warum er überzeugt davon ist, dass von der Nordwestschweiz ausgehend global neue Impulse gesetzt werden.

Sie sind Chirurg mit einem ausserordentlichen Werdegang – wie würden Sie sich selber beschreiben?
Hans-Florian Zeilhofer*:
Vor allem bin ich bin ein neugieriger Mensch, der gerne neue Wege geht. Auch dorthin, wo noch kein Weg führt, auch, wenn ich nicht weiss, ob und wie ich ankommen werde. , Es ist eine bereichernde Erfahrung, unterwegs immer neue Partner zu treffen und gemeinsam die hoffentlich zielführenden Lösungen zu finden. Es ist sehr beflügelnd, wenn man sich so einem Ziel nähern kann und ankommt.

Sie operieren, gründen Unternehmen, sind vielfältig wissenschaftlich engagiert. Wie halten Sie es mit der Work-Life-Balance?
Ich lehne den Ausdruck «Work-Life-Balance» ab. Ich lege Berufs- und Privatleben nicht auf eine Waage, die es dann auszugleichen gilt. Man sollte seine Arbeit immer mit Freude und Leidenschaft machen und darin eine Sinnerfüllung finden. Dann spricht man auch nicht mehr von Work-Life-Balance. Wenn Arbeit ohne Blick auf einen dahinterstehenden Gesamtzusammenhang verrichtet wird oder werden muss, dann findet keine Sinnstiftung satt. Es ist also wichtig, dass Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die diese Sinnstiftung unterstützen – und zwar in allen Berufsgattungen.

Sie haben in Ihrem Leben bereits viel gemacht: Medizin und Zahnmedizin, Philosophie, Wissenschaft und Management – wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?
Meine verschiedenen Tätigkeiten sind für mich kein Widerspruch, vielmehr ergänzen sie sich gegenseitig. Heute kann ich viele Dinge, die ich vor fünf oder zehn Jahren noch nicht konnte und versuche mir immer wieder bewusst zu werden, welche neuen Perspektiven es gibt und was ich weitermachen möchte.  Man hört nie auf zu lernen und ich lerne viel von jüngeren Kollegen. Das ist für mich, in der Spätphase meiner beruflichen Karriere, sehr bereichernd.

Leben wir in einer Zeit, wo es mehr Leonardo Da Vincis braucht? Sollten sich Mediziner ein breiteres Wissen aneignen?
Man muss nicht unbedingt dem Universalgenie nacheifern, aber ein breite Wissensbasis ist ausserordentlich wichtig. Der Mund-Kiefer- Gesichtschirurg muss obligat Medizin und Zahnmedizin studieren. Das reicht aber heute bei weitem nicht mehr aus. Ein angehender Facharzt sollte sich verschiedenste Kenntnisse aneignen, zum Beispiel in Engineering, im Umgang mit Computern oder Medien, aber auch ökonomische und ethische Kenntnisse werden zusehends wichtig. Ich meine auch, dass die Ausbildungen sich ändern müssen. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich auf die Entwicklung Einfluss nehmen und die Jungen anleiten kann. Das ist eine sehr schöne Erfahrung.

Sie sind in vielen Bereichen der Medizintechnik ein Pionier. Wie entstehen die berühmten Heureka-Momente?
Meine Innovationen gehen immer von einem Alltagsproblem aus, für das ich eine Lösung suche. Wenn ich eine herkömmliche Lösung für unsere Patienten nicht mehr als ausreichend oder zufriedenstellend empfinde, dann fange ich mit der Suche an. Oft stellen sich Lösungen ganz plötzlich ein oder entspringen einem Moment meditativer Ruhe.
Die Idee kommt dann zum Beispiel, wenn ich mit geschlossenen Augen im Zug sitze oder morgens unter der Dusche stehe. Irgendwo im Unterbewusstsein arbeitet es und plötzlich ist ein Lösungsansatz da. Meist noch nicht in klaren Konturen, aber so, dass man sie stichwortartig festhalten kann. Dann ist es wichtig, Freunde und Partner zu haben, mit denen ich mich austauschen kann. Denn erst durch den Austausch kommt die Idee ins Sein und wird konkretisiert. Wenn ein Partner dann die richtigen Fragen stellt, bringt einen das schnell vorwärts und man erkennt, was an einer Idee noch unvollkommen ist, wo etwas hakt, was noch für eine runde Lösung bedacht sein will.

Sie gelten als Macher, viele Ihrer Ideen werden umgesetzt und Sie waren an vielen Ausgründungen beteiligt. Was bedeutet für Sie das Risiko des Scheiterns?
Das Risiko des Scheiterns ist eine sehr ernste Sache und man trägt es immer mit sich – gerade für einen Chirurgen ist dies eine tägliche, grosse Herausforderung. Wenn sich ein Patient mir anvertraut, möchte er gut operiert werden. Das heisst für mich, dass ich viel planen muss, um den Eingriff so sicher wie möglich zu gestalten. Daneben muss ich aber auch gewärtig sein, dass Plan A im Verlauf einer Operation vielleicht hinfällig werden und ein unkalkulierbares Moment spontan einen neuen Plan B erforderlich machen kann.
Im Laufe meiner Berufserfahrung habe ich gelernt, damit umzugehen. Wir haben oft versucht, von anderen Berufsgruppen wie Musikern, die auch improvisieren müssen, zu lernen. Es kann uns alle nur bereichern, über den Tellerrand zu blicken und von den jeweils anderen Disziplinen zu lernen; in meinem Fall sind das vor allem die Kunst und die Geisteswissenschaften.

Und was bedeutet für Sie das unternehmerische Risiko?
Auch dazu braucht es Mut. Ich brauchte lange, um diesen Schritt ein erstes Mal zu wagen. Ich musste oft die Erfahrung machen, dass herausragende und besonders innovative medizinische Ideen von der Industrie kaum aufgegriffen wurden. Das hat verschiedenste Gründe: Manchmal sind es die Produktionsprozesse, die nicht passen, oder es gibt logistische Probleme und oft sind auch die Zulassungsprozesse zu langwierig. Ich musste einsehen, dass wir Mediziner und Wissenschaftler den Mut zur Unternehmensgründung selber aufbringen müssen, wenn wir nicht wollen, dass die gute Idee in der Schublade landet. Allerdings gehen wir dann ein unternehmerisches Risiko ein, das weitreichende Handlungsstrategien nach sich zieht. So muss Ich beispielsweise meine Idee zuerst schützen, bevor ich mit ihr an die Öffentlichkeit trete. Nach Patent und Firmengründung gilt es dann, das Produkt zur Marktreife zu entwickeln und die damit verbundenen Probleme zu lösen. Nicht zuletzt, und darin liegt ein komplexerer Teil des Unterfangens, muss man Investoren finden, die bereit sind, sich für eine Neuentwicklung finanziell zu engagieren. Doch auch solche Investoren wollen natürlich bei einer Einlage von mehreren hunderttausend bis zu einer Million Franken das Risiko möglichst gering halten. Aber letztlich sind doch gerade die risikoreicheren Ideen die eigentlich spannenden Projekte.

Woher kommt Ihre Begeisterung für das unternehmerische Risiko?
Wissen Sie, als junger Mediziner entwickelte ich in Deutschland meine erste Idee für eine Produktinnovation. Und als ich diese in Fachkreisen vorstellte, sagte man mir, das brauche doch niemand. Bald darauf besuchte ich einen Kongress für medizinische Bildgebung im Silicon Valley. Dort haben mir alle gratuliert und Mut gemacht, die Idee weiter zu verfolgen. Schliesslich habe ich in verwandten Fächern wie Mathematik und Ingenieurwissenschaften meine Partner gefunden. Spitzenforschung und Spitzentechnologien können heute nicht mehr in einer Monokultur entwickelt werden. Es braucht kleine und flexible, interdisziplinäre Teams mit Physikern, Informatikern, Biologen, Ingenieuren und Medizinern für kreative und schnelle Lösungen. Darin liegen eine enorme Dynamik und Kraft. Das ist eine Kultur, die wir in Basel entwickelt und fast zur Perfektion getrieben haben. Genau das ist das Geheimnis von und der Schlüssel zu unserem Erfolg in der Regio. Solch eine Kultur braucht genügend Raum und Zeit, um sich zu entfalten, und funktioniert auch nicht im Alleingang – es braucht immer ein Team.
Ich sehe meine Rolle zunehmend darin, andere zu ermutigen, Sicherheit und Vertrauen zu geben oder auch einfach nur anwesend zu sein. Vertrauen hängt immer an Personen und man muss sich als ganzer Mensch darauf einlassen. Das spüren die Partner. Ich werde gern als Türöffner beschrieben, aber eigentlich unterstütze ich nur die Teams – die Türen öffnen sie selber.

Und war dies auch bei Ihren letzten beiden Coups der Fall: Dem «MIRACLE»-Projekt sowie dem MedTech-Fonds MTIP?
Beim Projekt «MIRACLE» geht es einfach gesagt um minimalinvasives, computerassistiertes, robotergeführtes Knochenschneiden. Das Projekt ist fast wie ein Wunder. Wir sind bereits weltweit darin führend, mit Lasertechnologie Hartgewebe zu bearbeiten. In einer nächsten Generation möchten wir mit flexiblen Werkzeugen direkt im Körper arbeiten, um die Eingriffe weniger belastend zu machen. Ich bin mir ganz sicher, dass das Projekt «MIRACLE» für unsere Gesellschaft um das Jahr 2050 eine grosse Bedeutung haben wird. Dann werden in der Schweiz fast zwei Millionen Menschen über 65 Jahre alt sein. Mit der höheren Lebenserwartung nehmen die altersbedingten Verschleisserkrankungen zu. Die Therapie dieser Erkrankungen erfordern einen hohen technischen Aufwand und sollen die Lebensqualität der Patienten nicht beeinträchtigen. Deshalb müssen wir Technologien mit speziellen Lösungen für ältere Menschen entwickeln, die möglichst wenig invasiv sind und ein schnelle Heilung ermöglichen. Mit «MIRACLE» werden wir das Spektrum für operative Eingriffe erweitern und Therapiemassnahmen auch für ältere Patienten in schlechterem Allgemeinzustand zugänglich machen. Gleichzeitig kann die Hospitalisationsdauer und die nachfolgende Rehabilitationsphase verkürzt werden.
Es ist unsere Aufgabe, heute die Grundlagen zu erforschen, die in 30 oder 40 Jahren befriedigende Resultate für die Bevölkerung liefern können.
Das Spezielle bei MTIP ist, dass die Universität und das Universitätsspital Basel als Partner mit dabei sind. Beide teilen mit uns das unternehmerische Wagnis. Dies deute ich als ein Commitment, das uns in der Wissenschaft Mut und Vertrauen gibt, diesen Weg mit der Industrie weiter zu gehen.

Sie haben letztes Jahr an der Lift Basel Conference einen vielbeachteten Auftritt gehabt, der den Wunsch nach mehr geweckt hat. Was können die Besucher in diesem Jahr zum Thema Surgeon Superpowers erwarten?
Wir werden an der Lift Basel Conference 2015 das «MIRACLE»-Projekt vorstellen und den Roboter in Aktion zeigen. Ich hoffe sehr, dass auch Mediziner dabei sein werden und wir ihnen eventuelle Vorbehalte vor dieser Technologie nehmen können. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir Technologien aus unserem Fach heraus entwickeln, selber gestalten und unter unserer Kontrolle halten und  sie nicht uneingeschränkt in die Hände der Industrie legen. Auch den neuesten 3D-Druck werden wir an der Lift vorstellen. Mit dieser Technologie haben wir bereits vor vielen Jahren gearbeitet, als sie in der Automobilindustrie zur Anwendung kam. Als einer der ersten durfte ich den 3D-Druck für die Medizin nutzen. Heute können wir aus Titanpulver individuelle Implantate herstellen, die vom Körper besser aufgenommen werden und an die Bedürfnisse des Patienten angepasst sind. Ein drittes wichtiges Thema ist Big Data in der Medizin. Wir brauchen für die Diagnostik Schnittbilder durch den Körper. In diesen Bildern stecken sehr viele Informationen und wir nutzen – wenn überhaupt – nur ein paar Prozent davon. Diese Daten könnten wir mit der heutigen Rechenleistung aufbereiten und zum Beispiel für die Prophylaxe verwenden. Wir haben uns daher vorgenommen, Big Data hier in Basel noch mehr Beachtung zu schenken.

Welche Visionen haben Sie sonst noch für die Region?
Meine Vision ist es, dass die Strukturen die wir jetzt aufbauen, Bestand haben. Ich nenne die Umgebung hier bewusst «Medtech Innovation Hive». Seit über 30 Jahren ist die Bienenzucht mein Hobby und ich bin fasziniert davon, wie 40‘000 Individuen in einem Superorganismus zusammenleben und hochkomplex organisiert sind. Für mich ist der Bienenstock eine Quelle der Inspiration und der Problemlösung. Und genau deswegen nenne ich unsere Umgebung Bienenstock oder eben Hive, denn wir müssen wie ein Bienenvolk sensibel und flexibel auf die Umgebung reagieren. Die Forschungsstrukturen sind wie ein Organismus, der sich ständig im Wandel befindet, sich teilen und wachsen kann, aber auch verletzlich ist. Aufgrund der starken Interdisziplinarität müssen wir neue Strukturen der Zusammenarbeit entwickeln. Diese werden nicht ohne Einfluss bleiben auf die Industrie, darauf, wie ein Unternehmen organisiert ist. Und ich bin sicher, dass diese Strukturen Auswirkungen auf die Universitäten haben werden. Es gibt Strukturen wie die Einteilung in Fakultäten, die schwer zu überwinden sind. In Basel hat man uns geholfen, dieses Problem mit der Einrichtung von Departementen zu lösen. Aber das ist meiner Meinung nach erst eine Zwischenlösung. Wir müssen auf universitärer Ebene neue Wege finden, um dieser Form der Forschung Struktur und Halt  zu geben und nachhaltige Entwicklung für die Zukunft zu ermöglichen. Und ich freue mich darauf, daran noch gestalterisch mitwirken zu dürfen.

2002 sind Sie aus München nach Basel gekommen. Sicher ein Glücksfall für die Nordwestschweiz, für Sie auch?
Ich finde in Basel sehr viele offene Menschen, mit denen ich meine Ideen diskutieren kann. Und ich schätze es, dass Basel eine Volluniversität hat. Denn ich glaube, dass darin ein gar nicht hoch genug zu schätzender Vorteil liegt. In der Region Basel haben wir darüber hinaus neben der starken Universität Fachhochschulen, an denen sehr gute, anwendungsorientierte Forschung betrieben wird. Gleichzeitig haben wir kurze Wege zu ETH Zürich und EPFL, der EMPA und dem CSEM. Die triregionale Metropolitanregion verleiht dem Raum Basel eine kulturelle Vielfalt, die wir für die Umsetzung unserer Ideen  brauchen. Ich kenne viele Standorte der Welt, in denen Innovation betrieben wird. Und ich bin überzeugt, dass hier etwas wie ein Silicon Valley für Europa entstehen kann – mit Impulsen für die Welt und von ähnlicher Tragweite.  Und wenn Sie von Glücksfall sprechen:  Ja, ich empfinde es als wirklichen Glücksfall, einen solchen Prozess mit zu initiieren und begleiten zu können, gemeinsam mit mit i-net, dem Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz, der Universität und den Universitätsspitälern – so eine Chance gibt es nicht noch einmal.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, i-net

*Professor Hans-Florian Zeilhofer leitet die Kliniken für Mund-, Kiefer– und Gesichtschirurgie am Universitätsspital Basel und am Kantonsspital Aarau, sowie das Hightech-Forschungs-Zentrum am Departement Biomedical Engineering der Medizinischen Fakultät Basel. Nach dem Studium der Humanmedizin, Zahnmedizin und Philosophie, Weiterbildung zum Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Habilitation am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Im Juni 2002 Ruf an die Universität Basel. 2004 Aufbau und Leitung des Hightech-Forschungs-Zentrums am Universitätsspitals Basel. 2005 Gründungspräsident des jährlichen „International Bernd-Spiessl-Symposium for Innovative and Visionary Technologies in Cranio-Maxillofacial Surgery“. Seit 2013 Aufbau des „Med-Tech Innovation Hive“ in Zusammenarbeit mit i-Net und dem Swiss Innovation Park (SIP) Basel. Er ist seit 2007 Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Für seine innovativen Forschungsarbeiten erhielt er zahlreiche Ehrungen und Preise. Er ist Inhaber einer Reihe von internationalen Patenten und hat in den letzten Jahren mehrere Hochtechnologien aus der universitären Forschung zu Firmengründungen gebracht. Zuletzt gründete er im Private Public Partnership Modell gemeinsam mit dem Unternehmer Felix Grisard und dem Manager Christoph Kausch unter Beteiligung der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel die neue Innovations-Plattform Med-Tech Innovation Partners (MTIP).

Link zum Projekt «MIRACLE» 
Link zu MTIP 
Link zum Department Biomedical Engineering:

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Mit der preisgekrönten Erlenapp hat das Unternehmen qipp sich national und international einen Namen gemacht. Der Erfolg kam für das Internet of Things-Startup mit seiner «Allthings»-Plattform kam allerdings in einem anderen Markt als zunächst gedacht.

Im Interview erzählt Stefan Zanetti, Gründer und CEO von qipp, welche Hürden das Basler Startup nehmen musste und wagt einen Blick in die Zukunft von qipp.

qipp konnte in den vergangen Monaten eine Menge Startup-Preise einheimsen. Bringt das auch geschäftlich etwas, oder tun die Auszeichnungen einfach nur dem Ego gut?
Stefan Zanetti*:
Wir hätten natürlich nicht an den Wettbewerben mitgemacht, wenn wir nicht überzeugt gewesen wären, dass diese uns weiterbringen. Es gibt dazu zwei Überlegungen. Erstens ist unsere Geschäftsidee ziemlich abstrakt. Um Erfolg zu haben, müssen wir diese in eine gute Story verpacken. Wettbewerbe zwingen einen dazu, die eigene Geschichte auf den Punkt zu bringen. Zweitens schaffen Preise nebst Publicity vor allem auch Vertrauen. Es ist wie eine Drittmeinung, die attestiert, dass wir mit einer vielversprechenden Geschäftsidee unterwegs sind. Besonders bei Investoren haben uns die Auszeichnungen Türen geöffnet.

Dabei ist die Idee von qipp über die Zeit auch gereift. Was hat sich geändert?
Ich würde das anders formulieren. Die Grundidee ist immer noch die gleiche: Wir wollen mit unserer «Allthings»-Plattform die physische Welt mit digitalen Diensten ausrüsten. Was sich stark verändert hat ist der Marktfokus. Wir dachten zuerst, dass qipp vor allem für Hersteller hochwertiger Güter interessant sein könnte. So erlaubt es unsere Technologie, Produkte wie Uhren, Fahrräder oder Küchengeräte mit digitalen Services auszustatten, so dass die Anbieter ihre Produkte direkt mit Mehrwertdienstleistungen ausliefern können. Diese Idee ist weiterhin zielführend und wurde von Herstellern auch gut aufgenommen. Nur leider bewegt sich dieser Markt zu langsam und die Verkaufszyklen sind viel zu lange für ein Startup wie wir, das sehr schnell konkrete Ergebnisse vorweisen muss.

Man hatte also zwar das richtige Produkt, war aber zu früh am Markt?
Ja, die zuerst anvisierten Hersteller waren schlicht nicht reif für unsere Story. Aber zum Glück bekam eine andere Branche Wind von unserem Produkt: Die Immobilienbranche. Dabei war es vor allem die Initiative eines Partners, nämlich des Totalunternehmers Losinger Marazzi, welcher für die Erlenmatt-Siedlung neue Wege gehen wollte. Und so entwickelten wir auf «Allthings» die Erlenapp. Jeder, der in der Erlenmatt eine Wohnung bezieht, erhält Zugang zu dieser App. Darin sind alle Services zur Wohnung und Siedlung enthalten: Von der Dokumentation der Wohnung, über ein lokales soziales Netzwerk zum Austausch unter Nutzern, von Schadenmeldemasken bis zur Energiedaten-Visualisierung. Bisher haben 92 Prozent der Wohnungen die App geladen und benutzen sie im Schnitt jeden zweiten Tag. Das ist natürlich ein grossartiger Wert.

Das ist also jetzt der Durchbruch?
Seit wir die Erlenapp lanciert haben, können wir uns tatsächlich vor lauter Anfragen kaum mehr wehren. Diese kommen einerseits aus dem Immobiliensektor, andererseits aber auch aus anderen Branchen.

Wie gehen Sie mit dem Ansturm um?
Im Moment arbeiten wir auf zwei Ebenen. Neben dem weiteren Rollout von Immobilien-Apps arbeiten wir mit Hochdruck an der Veröffentlichung der API, welche die «Allthings»-Plattform dann für Drittanbieter auch ausserhalb der Immobilienbranche öffnet.

Funktioniert dieser Spagat auf Dauer? Wird man sich nicht irgendwann entscheiden müssen: «World Leading Immo-App» oder horizontale Plattform für Internet of Things-Anwendungen?
Das ist eine berechtigte Frage. Tatsächlich ist der Immobilienmarkt riesig. Dabei geht es ja nicht nur um den Wohnungsmarkt, sehr attraktiv ist natürlich auch der Office-Bereich, nicht zuletzt aufgrund neuer Arbeitsformen wie Shared Desk oder Co-Working, die mehr und mehr Einzug halten. Es gibt im Immobilienbereich ein riesiges Potenzial für Mikroapplikationen, die dann von Drittparteien über unsere Plattform angeboten werden können. Dabei zeigt sich, wie entscheidend der lokale Graph ist. Sei es, dass man überzählige Nahrungsmittel im Kühlschrank loswerden will, bevor man in die Ferien geht, oder dass die Quartierbeiz zum Grillspass einlädt.

qipp positioniert sich also so gesehen als Verkaufs- und Servicekanal?
Ich könnte mir gut vorstellen, dass vergleichbare Apps wie die Erlenapp künftig von Städten, Gemeinden oder Quartieren als Grundinfrastruktur angeboten wird. Gleichzeitig muss man aber auch aufpassen, sich nicht zu sehr in die Breite treiben zu lassen. Denn möglich ist vieles, aber nicht alles ist wirklich sinnvoll. Deshalb wird es wichtig sein, den skalierbaren Kern in den kommenden Monaten zusammen mit unseren Partnern noch genauer herauszuschälen.

Sie waren verschiedentlich im Silicon Valley. Wird qipp irgendwann ins ICT-Mekka übersiedeln müssen? Oder anders gefragt: Können Sie ihre Ambitionen auch in Basel ausleben?
Sofern der Erfolg anhält, wird der Tag kommen, an dem wir ins Silicon Valley müssen. Aber wir können und wollen diesen Schritt nicht sofort machen. Es ist uns auch bewusst, dass es Hotspots wie London oder Berlin gibt, wo derzeit die Post abgeht und ein europäisches Startup-Ökosystem entstanden ist. Aber von diesem kann man auch profitieren, wenn man ab und zu dahin reist und sich aktiv vernetzt. Man braucht nicht unbedingt den Hauptsitz dort zu haben. Ein ICT-Off-Standort wie Basel hat umgekehrt auch Vorteile. Wenn man zum Beispiel sieht, wie sich in London und Berlin die Firmen gegenseitig Entwickler-Talente abjagen, dann möchte man da nicht unbedingt mitmischen müssen. Ich kann hier auf Mitarbeitende zählen, die vor allem von der qipp-Idee überzeugt sind und es spannend finden, diese weiterzuentwickeln. Es gibt auch Top-Entwickler, die nicht zwingend am hipsten Ort der Welt leben wollen.

Ist das nicht etwas zu defensiv gedacht?
Wenn man auf grosse ICT-Investments in zweistelliger Millionenhöhe aus ist, dann wird es in Europa immer sehr eng bleiben und man wird sein Glück auch im Silicon Valley suchen. Nur wartet dort niemand auf ein Unternehmen aus Europa und umgekehrt investiert kein US-Venture-Capitalist massgeblich ausserhalb der USA. Der Aufbau eines Startups in Europa unterscheidet sich fundamental vom Aufbau eines Startups in den USA. Nehmen Sie Nextdoor. Dieses Startup macht in den USA etwas Ähnliches wie wir, aber die Vorgehensweise ist ganz anders. Es geht zunächst darum, Gebiete zu erobern. Geschäftsmodell und Umsatz spielen keine Rolle. Denn sobald man die Massen auf der Plattform hat, entwickeln sich diese dann von alleine. In Europa kann man nicht so vorgehen. Man muss von Anfang an Geld verdienen. Das funktioniert aber nur, wenn man seinen Markt kennt, und den kennt man nun mal dort am besten, wo man auch zu Hause ist.

Sie können also qipp selber finanzieren?
Ich habe bereits zwei Firmen aufgebaut, die komplett organisch finanziert waren. Auch qipp ist bis heute selbstfinanziert und liesse sich auch organisch weiter entwickeln. Die Frage aber, ob wir dann nicht riskieren, ein grosses Potenzial zu verpassen. Aus diesem Grund werden wir im Herbst unsere erste externe Finanzierungsrunde machen.

Wie hoch ist denn der Kapitalbedarf?
Wir werden eine erste Runde unter Business Angels, Freunden und Mitarbeitern durchführen und uns erst dann öffnen. Und wir brauchen zusätzliche Mitarbeiter, um die derzeit stark wachsende Nachfrage zu bedienen. Damit können wir dann aber schon bald neue Umsätze generieren, die wir für den Ausbau unserer Plattform einsetzten wollen, um Drittanbieter einbinden zu können.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Stefan Zanetti ist Gründer und CEO von qipp, dem dritten Unternehmen, das er nach synesix (2005) und careware (2006) gegründet hat. Bei qipp konzentriert sich Zanetti aufs Business Development und das Key Account Management. Alle von ihm gegründeten Firmen sind profitabel und kommen gänzlich ohne externe Finanzierung aus. Sie erwirtschaften Umsätze von 2 bis 6 Millionen Franken pro Jahr und beschäftigen zwischen 8 und 20 Personen.
Webseite von qipp

Video zu quipps Erlenapp 

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Von der Idee zum BaseLaunch: Der Countdown für Bewerbungen läuft

09.05.2017

report Life Sciences

Novartis und Roche investieren in Start-up

05.05.2017

report Medtech

«Wir profitieren von jahrelanger Forschung aus Basel»

08.07.2015

Die Schweiz ist Innovations-Weltmeister in vielen Rankings, doch aussichtsreichen Innovationen im Bereich Medizintechnik fehlen in der Schweiz oft die Finanzierungsmittel bis zur Marktreife. Der Start-up Investor MedTech Innovation Partners AG (MTIP) schliesst diese Lücke.

CEO Christoph Kausch erklärt im i-net Interview, was MTIP anders macht als andere Investoren und führt aus, welche Start-up-Projekte für sein Unternehmen besonders interessant sind.

MedTech Innovation Partners ist seit kurzem am Markt präsent. Wie kam es dazu und warum taten Sie diesen Schritt nicht schon früher?
Christoph Kausch*: Vor etwa zweieinhalb Jahren entstand die Idee, die Arbeit und Forschung von Prof. Dr. Dr. Hans-Florian Zeilhofer in ein Geschäftsmodell unter der Marke MTIP zu bündeln. Das heisst, MTIP profitiert von jahrelanger Forschung aus Basel. Seither hat sich die Organisation entwickelt und das Konzept wurde verfeinert. Kurz gesagt: Wir sind von unserer Geschichte her stark in Basel verankert und fördern hier Innovationen. Unser Wirken kann mitverhindern, dass Start-ups mit guten Ideen ins Ausland abwandern, weil sie hier nicht die nötigen Finanzierungsmittel und Wege finden.

Und wer sind die Personen hinter MTIP?
Zum Kernteam gehören neben mir Herr Professor Zeilhofer, Leiter des Hightech-Forschungs-Zentrums am Universitätsspital Basel und sein Leben lang im Bereich Medizintechnik tätig. Ausserdem der Unternehmer und Investor Dr. Felix Grisard, welcher seit über zehn Jahren im Bereich Medizintechnik investiert. Der Verwaltungsrat ist stark besetzt und ebenso hochkarätig ist das Advisory Board. Unsere Kompetenzen reichen von Medizintechnik- und Forschungsexpertise, über Investoren- und Unternehmer-Know-how bis hin zu Wissen im Bereich des Managements von Innovationsprojekten.

Der Verwaltungsrat der MTIP besteht aus sehr namhaften Persönlichkeiten. Wie konnten Sie diese Personen motivieren?
Bisher gab es schweizweit kein Geschäftskonzept mit einer solch starken Vernetzung zu Forschungsinstitutionen. Diese Marktlücke schliessen wir, um in der Schweiz Innovationen zu fördern. Die Aufgabe daran mitzuwirken ist reizvoll.

MTIP verspricht, dass man Wert auf nachhaltige Entwicklung lege. Was wollen Sie anders machen als andere Funds?
Unser integriertes Geschäftsmodell ist langfristig ausgelegt, das schnelle Geld ist nicht unser Ziel. Wir leisten auch einen gesellschaftlichen Beitrag, in dem wir die Innovationskraft am Standort Basel stärken. Was kein anderer Venture Capital Fonds in diesem Bereich besitzt, ist unser einzigartiges Schweizer Netzwerk und unseren exzellenten Zugang zu Forschungseinrichtungen. Auf internationaler Ebene entwickeln wir einen «Innovationsring». Wenn wir zum Beispiel eine klinische Studie für ein Start-up durchführen, können wir diese in gleicher Qualität viel schneller in Zusammenarbeit mit international hochkarätigen Partnern realisieren. Dies verkürzt die Zeit zum Markteintritt enorm.

Was für eine Gegenleistung erwartet MTIP von den Unternehmen, die sie unterstützen?
Für uns sind eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und damit die Personen sehr wichtig. Schutzrechte am Geistigen Eigentum wie Patente oder Marken müssen klar geregelt sein, bevor man die Technologie weiterentwickeln kann. Wir selbst sind ein Minderheitsinvestor und streben jeweils eine Beteiligung von mindestens 10 Prozent an einem Start-up an. Unser Ziel ist es, den Unternehmer hinter der Firma zu unterstützen und ihm dabei zu helfen, die Stolperfallen während einer Unternehmensgründung zu umgehen.

Sie schreiben auf der Website, dass MTIP möglichst frühzeitig einsteigen und die Firmen lang begleiten möchte. Wie lange wollen Sie die Start-ups unterstützen?
Hier in der Schweiz ist es etwas einfacher als anderswo, Seed Capital von 100‘000 Franken bis zu einer Million für die erste Finanzierungsrunde zu erhalten. Unheimlich schwer wird aber die Folgefinanzierung. Dies führt dazu, dass viele Start-ups abwandern müssen. Daher unterstützen wir nach der Seed-Finanzierung auch die Folgefinanzierung. Um dies zu ermöglichen, schliessen wir uns mit anderen Kapitalgebern zusammen.

Die Medizintechnologie ist ein sehr breiter Begriff. Er beinhaltet alles von Mullbinden über Implantate, roboterunterstützte Chirurgie bis hin zu Therapie und Krankenpflege. Worauf legt MTIP bei dieser riesigen Palette den Fokus?
Wir haben fünf Fokus-Bereiche: Imaging, Robotics/Navigation, IT/Big Data Management, Medtech meets Pharma und Smart Materials. Dort liegen unsere Kernkompetenzen, was aber nicht heisst, dass wir andere Bereiche ausschliessen würden. Zudem ist Interdisziplinarität sehr wichtig. Ein Vorbild ist das Hightech-Forschung-Zentrum von Herrn Professor Zeilhofer, wo unterschiedliche Fachrichtungen wie IT, Biologie, Ingenieurswissenschaften, Geisteswissenschaften, Kunst oder Medizin gemeinsam an der besten Lösung für ein medizinisches Problem arbeiten. Denn in Isolation kann man heute nichts Innovatives entwickeln.

Sie haben selbst Erfahrung als Jungunternehmer. Was sind die grössten Herausforderungen für Start-ups und wie kann MTIP helfen, diese zu bewältigen?
Bei Start-ups im Medizintechnikbereich sehe ich zwei grosse Herausforderungen. Zum einen ist es wichtig, dass man sich frühzeitig um eine Zertifizierung oder die regulatorische Zulassung kümmert. Zum anderen müssen die Jungunternehmer von Anfang an darauf achten, dass sie beim Aufbau bereits eine Patentstrategie festlegen. Wir können mit ausgewiesenen Experten in diesem Gebiet aushelfen.

MTIP ist seit kurzer Zeit am Schweizerischen Innovationspark Region Nordwestschweiz in Allschwil domiziliert. Will man so mit dem Technologie- und Innovationsökosystem zusammenarbeiten und Kräfte zu bündeln?
Gerade sind das gesamte Departement Biomedical Engineering und das High-Tech-Forschungszentrum der Universität Basel in das Provisorium in Allschwil gezogen. Um die partnerschaftliche Zusammenarbeit effizient zu gestalten, sind auch wir vorerst dort eingezogen und managen in diesem Umfeld Innovationen und Start-ups. Wo wir zukünftig sein werden, ist noch nicht entschieden, wir sind aber offen für eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Innovationspark der Region Nordwestschweiz.

Die Suche nach Risikokapital ist in der Schweiz anspruchsvoll und zeitintensiv, MTIP verspricht, dies zu erleichtern. Werden Sie heute überrannt von Finanzierungsanfragen?
Die Zahl der Anfragen seit unserem Gang an die Öffentlichkeit hat sich verdoppelt. Nun müssen wir die besten Projekte evaluieren.

Was muss ein Projekt mitbringen, um von MTIP unterstützt zu werden?
Ein wichtiger Punkt ist die Innovation: Wir wollen wissen, was sie vom bisherigen Stand der Technik unterscheidet. Es ist auch wichtig, ob es eine durch ein Patent oder ein Trade Secret schützbare Technologie ist und welches Marktpotenzial das Projekt birgt. Wir legen speziell viel Wert auf ein gutes Management-Team: Sollten Kompetenzen fehlen, helfen wir gerne bei der Suche nach passenden Mitarbeitern. Traditionelle Venture Capital Firmen investieren ihr Geld und warten auf den Exit des Unternehmens.

Wo sehen Sie MTIP in fünf Jahren?
Ziel ist es, in der Schweiz mit einem sehr guten Portfolio an Start-ups präsent zu sein. Eine Organisation wie i-net kann für MTIP eine wichtige Rolle spielen und es wäre toll, wenn der gemeinsame Netzwerkgedanke zu neuen Projekten führen könnte.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, i-net

*Christoph Kausch ist Mitbegründer und CEO von MTIP. Er besitzt fundierte Kenntnisse im Strategiemanagement und darin, Innovationen auf den Markteintritt vorzubereiten. Vor der Gründung von MTIP leitete er während mehreren Jahren die globale Strategieabteilung von Syngenta.
Ausserdem war er Managing Director der Hafiba AG, einer Boutique Investment Firma, bei welcher Christoph Kausch noch immer im Verwaltungsrat mitwirkt. Seine Karriere begann er bei McKinsey & Company, wo er sich in den Bereichen Private Equity und Life Sciences spezialisiert hat.

Christoph Kausch hat an der TU München und am Massachusetts Institute of Technology Management (MIT) in Boston Maschinenbau studiert. Seinen PhD in Innovation & Technology Management machte er an der Universität St. Gallen und der Harvard Business School.

Über MedTech Innovation Partners AG
MedTech Innovation Partners (MTIP) mit Sitz in Basel ist ein Start-up Investor, der sich auf die Medizintechnikbranche spezialisiert. Start-ups, die mit MTIP zusammenarbeiten, profitieren von einer gezielten Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung, einem systematischen Ansatz beim Intellectual Property-Management sowie von einer einzigartigen interdisziplinären Kultur.
Ein lokales Netzwerk, bestehend aus renommierten Schweizer Universitäten und Forschungszentren mit Stärken im Bereich Medizintechnik ermöglicht MTIP den frühen Zugang zu Forschungsergebnissen. Ein internationaler proprietärer «Innovationsring» bietet Forschern und Unternehmern ideale Voraussetzungen, um Innovationen einen effizienten Markteintritt zu ermöglichen.
Webesite von MTIP

 

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Unternehmer diskutieren Energieeffizienz

28.03.2017

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Starthilfe für Innovatoren von morgen

15.03.2017

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«It would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology –...

11.06.2015

Neil Goldsmith and two colleagues started working on Evolva in 2001, moving its headquarters from Denmark to Reinach in Switzerland in 2004. The «Brewers of 21st Century» discover and provide ingredients produced with the help of biologically engineered yeast. CEO Neil Goldsmith explains in the i-net interview how this works and why, initially, they received their seed money for another business model.

You call yourselves the «Brewers of 21st Century». What does that mean?
Neil Goldsmith*: We make ingredients for food or cosmetics by genetically engineering baker’s yeast and brewing it. If we want to make Stevia for example, we take the genes the plant uses to make that molecule and put those genes into the yeast so the yeast can make the molecule. We then ferment the yeast by brewing, just like with beer. The yeast takes up the sugar, turns it into Stevia and pumps it out; we filter off the yeast and have Stevia in the «broth» which we can purify out.

Why should biosynthetically brewed Stevia be better than the grown one?
The Stevia plant makes a lot of sweet molecules. However most of these molecules start to taste bitter when you use a lot of them – that is why the current Stevia-based soft drinks only have about a one-third reduction in the level of sugar or high-fructose corn syrup. Now, the plant also makes some molecules that do not give a bitter taste, but it makes very small amounts of them. Therefore it’s not economic and sustainable to grow the plant to produce these molecules. But creating Stevia by brewing it is a very promising alternative.

So with yeast, you can make almost anything?
In principle, we can make anything that occurs in nature. The key is combinatorial genetics. For the yeast to turn sugar into Stevia it needs 32 genes that have to work together: Finding what those genes are and optimizing them so they all work well together is what we are founded around. It’s in principle more complex than making an antibody or an enzyme, because that’s just one gene or one protein. We were intrigued by the idea of taking the combinatorial thinking of chemistry and applying it to genetics. You can use our approach to make old molecules in better ways – which is what we do now – or you can use it to make new molecules, which was the original idea. You would get new structures that have never been seen before and they might cure diseases.

Evolva has pivoted from pharmaceuticals to the nutrition sector – how did this come about?
We pivoted because we weren’t finding interest from the pharma companies for our technology. Instead, food and cosmetic companies were approaching us. We initially agreed to work for some of these companies just to bring some money in. After a while, we started to understand that the business itself looked interesting. Then we had to persuade our investors, who invested in us because we were going to develop a new diabetes drug, that switching to food and other ingredients made sense.

A completely different market?
Yes and with lower margins. But also less risky, with lower development costs and much less competition compared to pharma. Today we’re actually a network business; our analogy is a railway company. Two molecules that might be very, very different – take vanillin and benzocaine, an anaesthetic – are actually on the same railway track from the yeast point of view. So we want to build and own this track and own that network. If we invest in making vanillin well, that also gets us towards benzocaine. It was interesting to realise that there are many different products by simply pursuing the same track. Maybe they’re not all so big in market terms, but they are built on the same research and can be produced with the same infrastructure: Everything is brewing. So you can produce one product this week and another one next week. Also it is possible to respond very quickly to market demand.

Pharma start-ups are mostly being exited through a trade sale. Will Evolva be a different story?
The food and personal care industries have seen very little transformative innovation. Companies typically spend only very little on R&D and that gives the opportunity to build something transformative. In pharmaceuticals you can’t do that because the big pharma companies will spot you and adapt pretty quickly. In a way it’s a problem for the biotech industry that it has stayed so reliant on pharmaceuticals and not innovated its business models for 30 years. In the ingredients business everyone collaborates with everyone, and by partnering and building a network you can get the resources you need. Using the railway analogy: If you want to build a track from Basel to Geneva and you want to fund this track, you fund it by selling off Yverdon-les-Bains to someone who wants this station, meaning this product. In pharma, this way of thinking is not possible. So I really believe we can grow our business organically and remain an independent company.

What is your business strategy with Evolva?
We want to make products where there is a clear benefit, not just that we can make it cheaper but also that we can make it better, like Stevia. We don’t want to compete with the big companies. Instead we are looking to develop products which have a new market or can open up a new market. In a nutshell, we focus on «high priced, small volume» in the health, wellness and nutrition industry. One of our latest products is Nootkatone, a grapefruit fragrance that turned out to be very good at killing and repelling the ticks that transmit Lyme disease. There is an unmet need for that and we have a product that is very safe, it smells nice and it’s very good at both repelling and killing the ticks.

Will you do the production yourself or enter into a partnership for the production?
At the moment, all we have is labs. In some cases we have a partner who does it, and in other cases we pay someone on a contract basis. But in the long term we want our own brewery, because it’s a business with constant improvement and ultimately, you need to have the bug and the brewery integrated. If you want to be flexible in manufacturing, it needs to be your facility. But this is a long-term plan that costs many tens of millions of dollars. We don’t want to do that too quickly and then find that we can’t sell enough products quickly enough to justify that.

Would you do that in Switzerland or somewhere else in the world?
I wouldn’t completely rule out Switzerland; it’s obviously a high-cost location for manufacture, but it’s possible to run these facilities pretty lean and there is a value in this market to being Swiss. If you’re selling a food ingredient and it’s a Swiss food ingredient you get a certain quality association. We don’t know the answer yet, but I think there will be something in the States and something in Europe.

Let’s talk more about the buzz around high-tech food, which is sustainable and healthier. There seems to be a lot of attention surrounding this issue that suggest you may be in the right place at the right time.
It’s clear that a lot of megatrends in society converge in the space we occupy at present. It started about four to five years ago, and it has taken a few years to build a momentum. But we don’t know how it will play out in reality. What’s going to be interesting is that food is fundamentally a very conservative culture, and innovation– by definition – is not. So how do you marry these cultures? If you look at the big food companies and if you take brewing beer, it’s a very conservative industry. But the rise of craft brewing is really challenging that. There are people experimenting with different flavours of beer made from different ingredients. The same could happen with synthetic biology: Innovation happens in small companies.

Is there a technological driver behind this trend?
I don’t see the development as technology driven; it’s rather about adapting technology to these needs because technology sort of arises for other purposes. Look at the smart farming movement: It’s just applying sensors; now you can image every single corn plant in the field and data mine. I think it’s more that various technologies have matured to the point where they can start to be used here, because they need to be robust and relatively affordable, and then you start to assemble them together. Now you can set up a biotech lab in your garage and start to do stuff – this is new for biotech. And it does raise important questions as to how we control it. There is no way you can track every single garage around the world.

What is the potential in this region; should there be more attention for this field?
I think it would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology, because it’s not just cancer drugs. I think the limiting factor is investors, and that’s really why there are so few people in this space currently. Traditional biotech investors are investing in medical stuff – we only got our money because we started off doing that. We would never have got the money if we started off doing what we now do. I think you need new kinds of investors.

They are mostly likely to be found in Silicon Valley.
Yes, we need people that really think hard and deep about where trends will be and start playing there. Europe is not so good at doing that; it only follows. We need a different mindset. If you look at Silicon Valley, most of the people who are in the nutrition area come from the IT sector, whereas the biomedical guys find it very hard to get out of their way of thinking. The UK investment in food and agricultural research has declined, and you don’t have equivalents in Europe to the movement in the US of teaching farmer’s kids technology.

Next year will be a big year for you with Stevia hitting the market, will that be a booster? What do you expect?
We have a product we are very confident of in terms of taste and competiveness. Potentially, it’s very big. It’s clearly got the possibility of being a billion-dollar product in terms of revenue. But will it get there? We don’t know. It will take some years to get into the market. These products typically have 5 to 10 years to achieve peak sales, because we’re in a slow-moving industry. Unlike a pharmaceutical product that gets picked up immediately by the healthcare industry, market incumbents in the nutrition sector don’t change their flagship products and brands overnight. They normally extend their product lines gradually.

Interview: Thomas Brenzikofer and Nadine Nikulski, i-net

*Neil Goldsmith is co-founder and CEO of Evolva SA in Reinach. He has a 25-year track record in building successful biotech companies, among them TopoTarget A/S and Personal Chemistry AB. Earlier in his career, he was Chief Executive Officer of Auda Pharmaceuticals, GX Biosystems and PNA Diagnostics.
He received a first-class BA Honours degree in Zoology from Balliol College, University of Oxford, and is a graduate of the New Enterprise Programme at the Scottish Enterprise Foundation, University of Stirling.

About Evolva
Evolva was founded by three people, Neil Goldsmith and two others as a spin-off of the US company Phytera, that was doing plant cell culture, had a lot of plant genes and was trying to find a way to put them in a host that was more robust than plant cells. Phytera IPO failed and the company needed to cut costs. It was clear that the project of putting the genes into yeast was going to be one of the things to be cut. Neil Goldsmith wanted to take this out and found a company around it. So in 2001 they set up Evolva – initially in Denmark – and raised some seed money just before 9/11. In 2003, they thought they had enough to raise a proper round as the market had improved. At this point the three partners already wanted to change our headquarters to another location than Denmark, as the country «wasn’t world class» in the field of small molecule pharmaceutics. In addition, they wanted to be where there was more money available. They looked at the States, Canada, UK but ended up choosing Switzerland.


Video explaining the fermentation process

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Pascal Bourquard: «Es muss wieder mehr Freiräume geben, damit Kreativität möglich ist»

07.05.2015

Am Rand der Veranstaltung «Out-of-the-Box» gewährte Pascal Bourquard i-net innovation networks kürzlich ein langes Interview in seinem Unternehmen Biwi in Glovelier, bevor wir ihn in seinem Zuhause in einem Nachbardorf besuchen durften. Er bewohnt ein Herrenhaus, das einiges über seine Person – als Sohn, Bruder und Vater von Unternehmern – verrät. Was man rasch spürt, sind eine grosse Liebe zum Detail und eine ausgesprochene Vorliebe für zeitlose Kreationen.

Der Kapitän mehrerer Unternehmen erzählt vor allem von seinen Erfahrungen und seinen Visionen im Hinblick auf Innovationen. Mit 58 Jahren macht Pascal Bourquard klar Schiff, um zu neuen Ufern aufzubrechen, die andere «Ruhestand» nennen. Nicht so Bourquard: Es sieht so aus, als ob ihn diese Reise zurück zu seinen Wurzeln führen würde, sie gleicht einer Hinwendung zu einer Welt, die er von klein auf kennt. Es ist eine Seefahrt, die auch einem existenziellen Freiheitsdrang entspricht, der für die Kreativität so unentbehrlich ist. Auszüge aus dem Interview:

Muss man den konventionellen Rahmen verlassen, um Unternehmergeist entwickeln zu können?
Pascal Bourquard*:
Nicht unbedingt, auch wenn ich bereits seit meiner Kindheit das schwarze Schaf in der Familie bin. Auch heute noch steige ich gleich auf die Barrikaden, wenn ich mich in einem standardisierten Denkschema gefangen fühle. Ich bin ein Freigeist. Ausserdem habe ich mir die Seele eines Kindes bewahrt, die neugierig und leidenschaftlich ist. Ich kann mich immer wieder aufs Neue für Entdeckungen begeistern. Meine Mutter nannte mich «Mister Gadget».

Gibt es noch weitere Eigenschaften, die Ihren Unternehmergeist ausmachen?
Ich bin der Ansicht, dass man grosszügig und nicht allzu profitorientiert sein sollte. Man darf nicht andauernd rechnen. Auf jeden Fall sollte man Visionen haben. Man muss fähig sein, sich mit anderen zusammenzuschliessen und zu teilen.

Konnten Sie all dies schon immer oder haben Sie es im Verlauf Ihrer Karriere gelernt?
Zu Beginn war ich eher rebellisch und nonkonformistisch. Ich brauchte ein wenig Zeit, um zu erkennen, dass man nie ausgelernt hat, wie es Jean Gabin in seinem Lied so schön ausdrückte.

Kann man lernen, Unternehmer zu werden?
Das kann man leider nicht lernen. Man wird entweder als Unternehmer geboren oder nicht. Aber mit der Zeit sammeln sich doch so einige Beziehungen, Erfahrungen und Begegnungen an.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation der Schweizer Wirtschaft?
Leider mit einem gewissen Defätismus. Die Ursprünge und die Vielfalt der Lebenswege, die – wie in meinem Fall – schliesslich zum Unternehmertum führen können, werden von eindimensionalem Denken verdrängt. Die Politiker sind nicht mit den wirtschaftlichen Realitäten vertraut.

Wir hatten vor, Sie zu fragen, woran Sie sich am meisten stören, und wir fanden ...
Wir denken viel zu oft an Zwänge, anstatt mehr Gedankenfreiheit und Kreativität zuzulassen. Die kommunistischen Regimes waren gezwungen, sich zu öffnen. Die Demokratien ziehen sich weiterhin in sich selbst zurück und mauern sich mit einschränkenden Dogmen ein.

Meinen Sie, dass diese Zwänge die Kreativität behindern?
Davon bin ich überzeugt. Mein zwölfjähriger Sohn beispielsweise ist total von seinen Videospielen und Bildschirmen geprägt. Wenn ich mit ihm in den Zirkus gehe, ist er völlig passiv, denn auf seinen Bildschirmen hat er schon viel eindrücklichere Bilder gesehen. Wenn man permanent mit dem Aussergewöhnlichen konfrontiert ist, dann hat man Mühe, in der Normalität zu leben.

Wie kann man denn wieder eine Form von kreativer Freiheit fördern?
Glücklicherweise verfügen wir über einige Freiheiten. Man muss diese nutzen und damit beginnen, richtig abzustimmen. Es braucht ein von Grund auf neues Modell mit Rahmenbedingungen, die es jungen Leuten, die keinen Universitätsabschluss, dafür einen Lehrabschluss in der Tasche haben, ermöglichen, sich selbstständig zu machen. Und zwar ohne steuerliche Hürden. Ich fände es eine gute Idee, Weiterbildungen für Lehrabgänger anzubieten, in denen sie lernen, wie ein Unternehmen geführt wird. Ich habe meine liebe Mühe, den Politikern zu vertrauen, hingegen vertraue ich auf die Jugend, ich finde, man sollte ihr wieder mehr Freiräume zugestehen.

Wie sieht ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben aus?
Das ist eine gute Frage, und ich finde es schwierig, eine allgemeingültige Antwort darauf zu geben. Jedenfalls habe ich mit der Zeit erkannt, dass es mir sehr gut tut, Zeit mit mir allein zu verbringen.

Was sind weitere unverzichtbare Faktoren, die es bei der Gründung eines Unternehmens zu beachten gilt?
Die grossen internationalen Banken würden gut daran tun, die Spekulation sein zu lassen und zu ihren Wurzeln zurückzukehren, das heisst, das Risiko zu tragen und Jungunternehmer zu unterstützen. Die Spekulation ist destruktiv und die Banken wissen nicht mehr, wie sie die nötigen Risiken tragen sollen. Die meisten Unternehmer möchten sofort einen Hype auslösen, um verkaufen zu können. Wie ich es sehe, so zeigt sich der Erfolg eines Unternehmens jedoch in seiner Beständigkeit. Um dauerhaft bestehen zu können, muss man fähig sein, sich immer wieder infrage zu stellen.

Ist es das, was Sie Jungunternehmern mit auf den Weg geben?
Wenn ein Jungunternehmer mit einem Projekt zu mir kommt, rate ich ihm, langfristig zu denken, das ist eine zentrale Botschaft.

Hauchen Sie Ihren Unternehmen einen besonders innovativen Geist ein?
Wir haben vielleicht sehr gutes Wasser, aber solange die Flasche nicht geöffnet wird, gibt es keine Luftblasen. Dasselbe gilt für Mitarbeiterteams.

Und wie gehen Sie vor?
Ich höre zu, fördere den Dialog und die Weiterbildung.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Innovationslandschaft der Zukunft aus?
Sie wird zwangsläufig mit Energiequellen und natürlichen Ressourcen, die sich immer weiter erschöpfen, in Zusammenhang stehen. Ich glaube an den menschlichen Erfindungsgeist, trotz des Pessimismus einiger meiner vorherigen Äusserungen.

Wird die dritte Bourquard-Generation, die Sie bald ablösen wird, diese Richtung einschlagen?
Ich habe Vertrauen in meine Kinder, ich habe sie gut erzogen ... nämlich zur Freiheit (lacht).

Interview: i-net

*Pascal Bourquard ist ein self-made Entrepreneur der in der Uhren-Zulieferer-Industrie, der Elektronik- und Mikroelektronik-Industrie, im Sicherheits-Bereich sowie dem Energie- und dem Car-sharing-Sektor tätig ist. Pascal Bourquard hat einen Handels- und Wirtschaftshintergrund und ist so etwas wie der Richard Branson des Jura.

 

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Mit Domenico Scala, ehemals CEO Nobel Biocare, CFO Syngenta und Group Treasurer von Roche, ist seit Anfang 2015 ein erfahrener Topmanager aus der Life Sciences-Industrie Präsident von i-net.

Im Interview mit «i-net innovation report» erklärt Scala, warum die Nordwestschweiz als Life-Science-Innovation-Hub nicht nur kommunikativ mehr aus sich machen müsste.

In Sachen Innovation hängen US-Firmen und -Startups den Rest der Welt ab. Warum ist das so?
Domenico Scala: Ist das wirklich so? Ich bin kein Freund von Pauschalisierungen. Ich glaube auch nicht, dass wir in der Schweiz oder in Europa weniger innovativ sind als die USA. Fakt ist jedoch, dass die USA in der Kommerzialisierung von Innovationen und vor allem auch in der Selbstdarstellung sehr viel erfolgreicher sind. Die Liste an technischen Errungenschaften, die in Europa entwickelt, in den USA aber erfolgreich auf den Markt gebracht wurden, ist lang. Denken Sie etwa ans World Wide Web. Auch in der Medizinaltechnik dominieren heute weitgehend amerikanische Unternehmen. Dies sah vor zehn Jahren noch ganz anders aus. Auch Pflanzen-Gentechnologie ist in Europa heute kein Thema mehr, obwohl man hier einst führend war.
    
Letzteres Beispiel hat vor allem mit strikteren Regulatorien zu tun. Ein Innovationskiller?
Regulatorien spielen natürlich eine Rolle. Pflanzen-Gentechnik hat man in Europa abgelehnt. Heute sind über 80 Prozent der weltweiten Soja- und Maisproduktion gentechnisch verändert. Konsumiert werden diese Produkte auch von Europäern. So betrachtet hat man sich ganz klar ins eigene Fleisch geschnitten. Aber der Hauptunterschied zwischen den USA und Europa ist ein anderer: Historisch bedingt ist Europas Wirtschaft seit dem zweiten Weltkrieg auf Schulden gebaut. Die USA dagegen haben immer schon auf Unternehmertum und Risikokapital gesetzt.

Können Sie dies ausführen?
Die Kantonalbanken in der Schweiz wurden im 19. Jahrhundert gegründet, um den Aufbau von Infrastruktur zu finanzieren. Was machen die Kantonalbanken heute? Sie geben Hypotheken und sonst nichts. Die Risikokapitalfunktion gibt es praktisch nicht mehr. Bei den Pensionskassen geht das Geld zu 60 Prozent in Obligationen und zu 40 Prozent in Aktien von börsenkotierten Firmen. In den USA dagegen wird ein deutlich höherer Teil der Vermögen über Venture Funds in den Aufbau von neuen Unternehmen investiert.

Die Konsequenz dieses Systems ist, dass in Europa die strukturerhaltenden Kräfte gestützt werden, wovon vor allem etablierte Anbieter profitieren. Und diese sind nun mal weniger innovativ. Sehen Sie das auch so?
Dass Grossunternehmen nicht innovativ seien, höre ich immer wieder. Doch stimmt das? Die Wahrnehmung in Basel müsste eigentlich eine ganz andere sein. Noch heute haben wir hier zwei Megakonzerne, die seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten weil innovativsten Pharmaunternehmen der Welt gehören. Die meisten Innovationen in der Chemie wurden von europäischen und darunter auch bedeutenden Nordwestschweizer Grossunternehmen vorangetrieben. Ich glaube nicht, dass die Grösse eines Unternehmens allein entscheidend ist – Apple und Google sind ja auch Grossunternehmen. Es ist vielmehr eine Frage der Mentalität. Grossunternehmen sind zudem auch risikofähiger.

Das heisst, in Europa haben wir die Innovationskultur verloren?
Ja, und diese wird einem schon sehr früh mit auf den Weg gegeben. In den USA beginnt dies bereits bei der Ausbildung: Der Amerikaner muss seine Ausbildung weitgehend selber bezahlen. Somit stellt für ihn bereits der Universitätsabschluss eine Investition dar, die er irgendwie finanzieren muss und die sich letztlich auch ausbezahlen soll. Das zieht sich dann weiter. Auch die Universitäten sind dauernd auf der Suche nach Mitteln, um ihre Projekte zu finanzieren. Jeder Präsident einer US-Privatuniversität steht morgens auf und sagt sich: «Heute muss ich zehn Millionen Dollar beschaffen.» Es gibt keine Blanko-Checks. Dies kreiert natürlich Druck und führt letztlich dazu, dass Innovatoren in der kommerziellen Ausrichtung ihrer Projekte sehr viel konsequenter vorgehen müssen. Dies fehlt bei uns. Die ETH oder das Biozentrum der Universität Basel können akademisch mit den besten der Welt mithalten. Wenn es aber um die Anzahl Spin-offs geht, dann ist man höchstens Mittelmass. Beide Systeme haben ihre Pros und Kontras. Fakt ist einfach, dass auf diese Weise in den USA mehr Start-ups aus den Universitäten entstehen als bei uns.

Universitäten sind nicht die einzige Ressource von Neuunternehmen. Basilea oder auch Actelion sind Bespiele für sehr erfolgreiche Spin-offs von Grossunternehmen. Sollte man nicht vielmehr dort ansetzen?
Dies ist sicher ein interessanter Gedanke. Innovationen in etablierten Strukturen haben tatsächlich einen schweren Stand. Es gilt der Ratschlag, wenn man in einer Big Corporation eine wirklich innovative Idee hat, sollte man diese möglichst lange unbemerkt vorantreiben. In vielen Grossunternehmen werden mehr Innovationen abgeschossen als vorwärtsgetrieben. Kodak ist für mich das treffendste Beispiel: So besass man sämtliche Patente für die digitale Fotografie und liess sich dann trotzdem auf dem falschen Fuss erwischen.

Wie lässt sich dies verhindern? Was kann eine staatliche Innovationsförderung wie i-net tun?
Die Frage ist, ob ein Grossunternehmen überhaupt ein Spin-off einer Idee, die es nicht weiterverfolgen will, zulässt oder nicht. Schliesslich weiss man nie, ob das Projekt nicht vielleicht doch noch von Nutzen sein könnte und zudem will man nicht einen potenziellen Konkurrenten kreieren. Es gibt deshalb weit weniger Spin-offs aus Grossunternehmen als man eigentlich erwarten könnte und dies wohl auch möglich wäre. Letztlich müssen solche Ausgründungen ja auch top-down entschieden und umgesetzt werden. Bei Actelion und Basilea war genau dies der Fall. Bottom-up ist dies viel weniger möglich.

Es sei denn, es gibt genügend Risikokapital und eine geeignete Infrastruktur sowie weitere Unterstützungsdienstleistungen für Unternehmer wie Coaching. Genau dies hat ja die Start-up-Förderung unter anderem zum Ziel. Sehen Sie da einen Interessenskonflikt mit der Grossindustrie?
Als Ökonom würde man sagen: Der Staat sollte sich raushalten und solche Entwicklungen dem Markt überlassen. Es gibt allerdings auch eine Einschränkung: Der Markt ist kurzfristig orientiert, Innovationen dagegen brauchen die Langzeitperspektive. Neues entsteht nicht von heute auf morgen. Von der Idee über das Proof-of-Concept und die Finanzierung bis hin zur Markteinführung braucht es nicht selten mehr als ein Jahrzehnt. Von daher ist es sicher nicht falsch, wenn staatliche Institutionen hier mit geeigneten Mitteln und Strukturen an der richtigen Stelle einspringen.

Und wo werden Sie künftig als Präsident von i-net die Hebel ansetzen?
Grundsätzlich ist i-net gut aufgestellt. So finde ich es richtig, dass man auf die thematische Innovationsförderung setzt. Auch die Wahl der Technologiefelder stimmt. Im Zentrum von i-net steht die Vernetzung von Leuten und Themen, dies ist eine wichtige Leistung, die so von der Privatwirtschaft nicht erbracht werden kann. Viele Innovationen finden heute an der Schnittstelle zwischen den einzelnen Technologiefeldern statt. Indem i-net hier eine neutrale Plattform für den Ideenaustausch bietet und zu Kooperationen anregt, kann ein wichtiger Beitrag für die künftige Entwicklung unserer Wirtschaftsregion erbracht werden.

Basel ist ja gewissermassen ein «One-Trick-Pony» und zu einem grossen Teil von Life Science abhängig. Wie wichtig ist es ihrer Meinung nach, dass man diesbezüglich als Wirtschaftsstandort eine gewisse Diversifizierung anstrebt?
Man kann die Fokussierung als Fluch oder als Segen anschauen. Einerseits absorbieren die beiden Grosskonzerne viele Ressourcen und Talente. Andererseits schaffen sie auch viele Werte und grosses Renommée, von der unsere Wirtschaftsregion profitieren kann. Ich denke man sollte auf diese Stärke setzen und dann von da in neue Felder vordringen. So beschäftigt Roche alleine in der Region über tausend ICT-Spezialisten. Das ist schon mal eine hervorragende Basis für eine weitere Entwicklung an der Schnittstelle zwischen Life Science und ICT. Ich denke es gibt dutzende von solchen interessanten Themengebiete, die es vorwärts zu treiben lohnt.

Und wie sehen Sie die Nordwestschweiz im globalen Standortwettstreit positioniert?
Die Region ist eindeutig unterverkauft. Basel wird vielerorts nicht als Life Science-Innovations-Hotspot wahrgenommen. Dass wir dies sind, müsste viel besser kommuniziert werden. Auch darin sind uns die Amerikaner leider einen Schritt voraus. Aber das muss nicht so bleiben.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

report Life Sciences

Evolva kann mit Patent für Stevia-Süssstoff rechnen

20.12.2016

report BaselArea.swiss

Bult leitet Bankrat

14.12.2016

report ICT

«Geld allein bringt uns nicht weiter – man muss vor allem die richtigen Leute finden»

24.09.2014

Nach Obtree (heute Open Text) und Day Software (heute Adobe) führt Magnolia die Web Content Management-Tradition am ICT-Standort Basel fort. Mit 70 Mitarbeitenden und Kunden in aller Welt holen die Gründer Boris Kraft und Pascal Mangold inzwischen zu den nächsten Expansionschritten aus. In welche Richtung diese führen, verrät Chief Visionary Officer, Boris Kraft, im Interview mit i-net.

Versteht sich Magnolia eigentlich noch als Startup?
Boris Kraft*: Das ist eine interessante Frage und ich habe sie mir in letzter Zeit auch oft gestellt. Für mich persönlich hat ein Startup viel damit zu tun, rauszukriegen, was man selbst machen will und was der Kunde möchte, um dann den Bereich zu finden, in welchem das Unternehmen funktionieren kann. Hierfür braucht man ein paar Jahre und eine gewisse kritische Grösse. In der Schweiz liegt diese Grenze etwa bei zehn bis fünfzehn Mitarbeitenden. In den USA ist das natürlich anders. Dort kriegt man Millionen-Investments, die man erst mal verbrennen darf. Deshalb gelten in den USA Jungfirmen mit 100 Mitarbeitenden durchaus noch als Startups.

Magnolia ist also kein Startup mehr?
So gesehen nicht. Wir sind 70 Mitarbeitende in Basel, den USA, China, Spanien, Tschechien und Vietnam. Wir verbrennen auch kein Investorengeld, sondern finanzieren uns aus dem Cashflow. Trotzdem möchte wir möglichst viel von der Startup-Kultur beibehalten. Wir ziehen nächstes Jahr in den Dreispitz, wo rund um die Fachhochschule für Kunst und Gestaltung Basels Kreativ-Cluster am Entstehen ist. Hiervon und zusammen mit einer komplett neu nach unseren Bedürfnissen ausgebauten Location versprechen wir uns einige Impulse. Nichtsdestotrotz hat sich Magnolia natürlich auch verändert. Inzwischen haben wir eine zweite Führungsebene eingeführt. Pascal Mangold und ich sind als Gründer immer weniger im Tagesgeschäft involviert und können uns auf die strategische Entwicklung des Unternehmens fokussieren.

Und wo soll die Reise mit Magnolia hingehen?
Bildlich gesprochen haben wir in den letzten zehn Jahren die Geleise gelegt, die Loks und die Wagen gebaut, ein paar Bahnhöfe hingestellt und den Fahrplan bestimmt. Nun können wir mit der Eisenbahn richtig losfahren. Dabei entdeckt man viel Neues. Wir können den Betrieb optimieren, das Angebot erweitern oder auch völlig neue Wege gehen.

Was bedeutet dies in Umsatzfranken?
Wir haben uns keine quantitativen Ziele gesetzt. Bislang haben wir Umsatz und Mitarbeitende alle zwei bis zweieinhalb Jahre verdoppelt, und wir werden sicher weiter wachsen, wenn auch nicht mehr ganz in diesem Tempo. Unser Markt wächst um rund 10 Prozent pro Jahr. Heute haben wir 200 Kunden. Diese Basis würden wir gerne verzehnfachen. Ziel ist es, einen grösseren Footprint in den Markt zu bekommen. Hierfür müssen wir die Komplexität unseres Produktes reduzieren. Um kundenspezifische Anwendungen zu machen, muss man unsere Software sehr gut kennen. In Zukunft sollte auch ein Webentwickler mit geringen Java-Kenntnissen mit Magnolia komplexe Websites bauen können.

Könnte Magnolia mit Venture Capital nicht noch schneller wachsen?
Das könnten wir sicher, vor allem in den USA oder in für uns neuen Märkten wie Brasilien; oder auch im Mittleren Osten. Nur: Geld allein bringt nicht all zu viel. Man muss vor allem die richtigen Leute finden. Und das funktioniert bei uns derzeit auch ohne Investor sehr gut.

Das heisst bei Magnolia herrscht kein IT-Fachkräftemangel?
Wir haben einen guten Namen als Arbeitgeber. Unsere Mitarbeitenden sind sehr international. Das ist wichtig, weil wir global agieren. Die Leute kommen gerne nach Basel um zu arbeiten. Und es hilft, dass es hier aufgrund der Pharmaindustrie viele Expats gibt. Unser Marketingchef z.B. ist mitsamt Familie aus Austin, Texas nach Basel übersiedelt und fühlt sich wohl hier, weil er schnell Anschluss gefunden hat an die englischsprachige Community.

Ansonsten hinkt der ICT-Standort Basel sicher Zürich und der Westschweiz hinterher?
Ich sehe grosse Chancen für den ICT-Standort Basel. Doch um diese zu nutzen, braucht es auch den politischen Willen. Man müsste trinational denken und insbesondere in die Hochschulausbildung im Bereich ICT investieren. Der Nachwuchs ist heute entscheidend. Wenn jemand nach Zürich gehen muss für die Ausbildung, dann kommt er danach nicht wieder nach Basel. Er bleibt in Zürich. Daher ist die Chance eher gering, in Basel als Startup Fahrt aufzunehmen. Dass wir als Magnolia hier in Basel so weit gekommen sind, ist letztlich wohl eher Zufall.

Damit ist Basel nicht allein. Warum tut sich Europa eigentlich so schwer, ein eigenes ICT-Ökosystem aufzuziehen?
Es fehlt der Exit-Markt. Jeder US-Investor, der signifikant in ein Europäisches ICT-Startup investiert, wird dieses früher oder später dazu drängen, ins Silicon Valley umzuziehen. Denn dort sind seine Käufer.

Ist nicht auch Magnolia irgendwann ein Verkaufskandidat?
Man lebt nur einmal. Deshalb kann ich auch nicht behaupten, wir würden nie verkaufen. Vielleicht kommt einmal ein Angebot, das so gut ist, dass wir es nicht ausschlagen können. Von daher bleibt ein Verkauf immer eine Option. Aber es ist sicher nicht unser erklärtes Ziel.

Derzeit richten Sie Ihr Blick stark nach Asien, warum?
Stimmt, Magnolia gibt es inzwischen auch in Chinesisch und wir sind mit einem Büro in Peking präsent. Unser Fokus liegt zunächst auf westlichen Unternehmen, die in China tätig sind. Das Web wird in China noch anders genutzt als hier. Vertrauen in Marken und Produkte wird über Social Media und nicht über Webseiten gebildet. Aber das wird sich ändern und wir möchten von Anfang an dabei sein, auch weil Magnolia im Bereich E-Commerce sehr stark ist, und dies auch in China ein massiver Wachstumsmarkt ist.

Und was tun Sie in Vietnam?
Wir sind dabei in Saigon ein Dienstleistungszentrum aufzubauen. Wir haben gemerkt, dass es bei vielen unserer Kunden an Fachkräften fehlt, um die Projekte voranzutreiben. Deshalb bilden wir in Vietnam Spezialisten aus; diese werden unseren Kunden sowie Magnolia-Partnern zur Verfügung gestellt, um Engpässe

Offshoring ist also auch bei Magnolia ein Thema?
Als Entwicklungsstandort und -zentrale ist und bleibt Basel unbestritten. Aber als Softwareunternehmen muss man global agieren und die Ressourcen dort rekrutieren, wo sie vorhanden sind. Es geht dabei weniger darum, günstige Arbeitskräfte zu vermitteln, sondern den Projektstau zu lösen, der sich bei unseren Kunden aufgrund fehlender Fachkräfte immer wieder bildet. Davon versprechen wir uns einen grossen Wachstumsimpuls in unserem primären Geschäft, dem Verkauf von Software-Lizenzen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Boris Kraft ist Chief Visionary Officer (CVO) und Mitbegründer von Magnolia. Seit 2003 befasst er sich mit der Entwicklung von Content Management Systems Magnolia CMS und betrachtet diese von einem strategischen und marketingtechnischen Standpunkt aus. Zu den Stationen seiner IT-Karriere zählen die objektorientierte Softwareentwicklung für NeXTSTEP, eine mehrjährige aktive Beteiligung an einem führenden Unternehmen für Internetsicherheit sowie die Programmierung der ersten Intranet-Lösung für die Roche Vitamins AG. Kraft ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er verbringt seine Freizeit im Sommer am liebsten beim Segeln auf dem Vierwaldstättersee und im Winter auf den Ski in den Alpen.

report

The start-up competition venture is looking for participants

07.12.2016

report Medtech

Medgate gewinnt mit Telemedizin

06.12.2016

report

«Europe is very much about stakeholders, Silicon Valley about shareholders»

21.08.2014

Michael Dillhyon is a US entrepreneur and investor living in Zug. Originally, he moved to Switzerland and only wanted to accompany the exit of a US spin-off company. But a growing family and new plans made him stay – he even discovered he has roots in this small country.

In our interview, Michael Dillhyon talks about his past and latest projects and explains what Swiss entrepreneurs do differently from US entrepreneurs.

What brought you to Switzerland and how did you end up staying in Zug?
Michael Dillhyon*: In 2003, I founded a company in the United States called «Netelligent». And we had an opportunity at Netelligent to spin-off a software company called «ActiveObjects» in Europe. The original plan was to be in Switzerland only for a short time until the exit took place and also to enjoy Europe. But in 2004, about two weeks before we were to leave Switzerland, I came home from the office and my wife said: «I’m pregnant.» We already thought that moving to Switzerland was a big change but on top of that, we were even going to have a child in this country.

Originally, you planned to return to the US afterwards. What was your reason to stay?
We liked our life in Switzerland a lot and saw that it was a good place for our children to grow up, but there is also another side to the story. As you may have noticed, I have quite a unique last name. My father discovered that his grandfather’s original name was «Jaeger-Blützinger» – and he was from Glarus. So you see, we moved to Zug firstly for economic reasons, then we stayed for the family and in the end it turned out that I have my roots in this country!

And the European expansion worked out for Netelligent?
Yes, it just evolved! In the end, ActiveObjects was acquired.

What made you become an investor in Swiss companies?
When I sold my stake in Netelligent and we sold ActiveObjects around 2010, I held some board roles and small jobs. Until then, I was not really involved with Switzerland business wise. I thought this was an interesting country and therefore decided to use my entrepreneurial skills. I travelled around Switzerland and realised that the Swiss do not think of themselves as entrepreneurs. But I can see that the idea of entrepreneurship is very strong in Switzerland; however, most of the people are more «lifestyle entrepreneurs». There is a big difference between this and «growth entrepreneurship». Risk capital doesn’t usually get invested in lifestyle entrepreneurship.

What projects are you following now?
When I travelled around Switzerland to make investments, I found that there weren’t enough companies that were ready that I could invest in. So I wanted to change the whole environment to create more investable alternatives. The idea was to change people’s mind-set. The difference between Europe and America is: The European community is all about stakeholders; but in America, in particular, Silicon Valley, it is about shareholders. The workforce here in Europe is not as flexible as it is in the United States.

There are many who think that Switzerland should be imitating Silicon Valley – what is your opinion?
The conservative market economy and the liberal market economy are very different and Switzerland should not try to be Silicon Valley. What’s missing in Silicon Valley is building sustainable long-term businesses. Everybody expects things to happen in three to five year increments. But a Raiffeisen or a Nestlé in Switzerland has a different approach. That’s why healthcare represents an unbelievable opportunity for Switzerland. These companies need long-term planning. The top 100 health software companies with 50 million or more revenue, aren’t fast-burners. Most of them take some time to reach 50 million in revenue and by that time, they are strong and solid.

So what should Swiss entrepreneurs do better?
I talked to many people here and invested in several small companies in Europe and the US between 2008 and 2012. If I approached a company in Switzerland and wanted to know plausible value-enhancing steps about how they were going to return my invested money, I usually got nice product descriptions but no business idea. It seems that for the engineering type of entrepreneurs in Switzerland, talking about figures and future steps are very difficult. They can tell you everything about their product, but they don’t know how to sell, how much money they need as an investment or when they will be able to return my investment.

But they have a business plan, don’t they?
The problem is that you get a cost-curve that goes up and an investment curve that goes down. But nobody can tell you at which steps you are getting to the break-even. I need to hear whom they will be calling to sell their product to.

So what you are saying is that we need more sales people in Switzerland?
Yes! Switzerland has a great history of micro engineering and bioinformatics; it’s the life sciences Mecca! It has the highest number of Nobel Prize winners per capita. But if you ignore Novartis and Roche, there are not many innovative companies left. The Swiss Government is very brave. It puts a lot of money on the table for early stage life sciences research. The problem is, the companies receiving the money need to sell their ideas to investors, to clients and to the media, etc.

But how can innovation be fuelled then?
Clusters of innovation are driving the innovation and building ecosystems. Rather than taking Swiss entrepreneurs to boot camps in Silicon Valley, we need more people who want to be part of this environment like lawyers, designers or marketing people. Because that’s the great thing about Silicon Valley, you can be in any room and create a team overnight because you have all the experts there.

So there aren’t enough talented people in the startup environment?
In the US, everybody is eager to work for equity and wants to be part of the next Facebook. But in Switzerland, nobody wants to be paid in shares and the most talented people take high-level jobs in large pharma companies and in the financial industry.

The big Swiss companies that make up for the innovation index were not built with venture money but with bootstrap money i.e. private people financing them. Is that still a good approach?
I totally believe in this. It shouldn’t be your goal to sell the company; you should rather see if you can sell your stuff. In Switzerland, we have far too many accelerators and incubators where companies easily get seed money! That is not enough; we need to build an ecosystem!

Doesn’t an ecosystem build itself? There is no agency of Silicon Valley.
No it doesn’t build itself; you need to seed the ecosystem. I believe that Silicon Valley got started because of the success of one company called «Fairchild Semiconductors» that triggered the development of the area. Here in Switzerland, we have the pharma business, but none of the big players has a real pipeline. Facebook for example has a serious, game-changing plan underneath the hood but I don’t see this in pharma. Switzerland is a great country to start something in - it is small and has a great setup to build a company. I think we would have a Fairchild in Switzerland if the key players were not so closed and so large. A very innovative company in the healthcare space is needed.

So your big bet on the future is «Healthbank». What is this?
«Healthbank» started in June 2012 and we have a long-term plan. The idea behind it is a platform to hopefully create the next Fairchild. In healthcare, it is still very difficult to trade data back and forth. There are many platforms to have data on, but you can’t trade it. Without a central platform, there is no open healthcare data and therefore, there is no collaboration. A company like Google can’t trade your data, because another big player like Microsoft will never plug into that. A middle ground is needed and our system, Healthbank, is completely unbiased. It’s self-sustainable and we have deep trust and complete interoperability. We started it as a Genossenschaft because this legal form has a long-standing tradition in Switzerland. The idea is that if you give us your personal health data, you become a member of the Genossenschaft.

What is Healthbank doing with my data?
Healthbank is not storing the data, but instead the transactions happening with your data – like credit cards. As a Genossenschaft, we have the trust of people. We are interoperable because the data can be shared through our platform and it acts as an intermediary. It is scalable because health data means a lot of money, as there is a very long supply chain and there are a lot of cross-sectional data. If a pharma company needs data for a study, we can tell you that and you can make the decision. You tell us if you would like to provide your data and then pharma receives it. Plus you receive a bit of money for your participation – it’s very simple.

How has this idea been developed so far?
Healthbank is still going through funding, as it was a bit difficult to find risk capital for a Genossenschaft. Personally, I’m leaving Healthbank as CEO for my next venture, which is to kick off a disruptive biosensor company in Europe. But I believe so strongly in the idea of healthbank, that upon my decision to step down as CEO, I made sure the reigns would be passed to a strong Swiss leader in eHealth. Mr. Reto Schegg is the new CEO of healthbank.

Interview: Thomas Brenzikofer and Nadine Nikulski, i-net

*Michael Dillhyon was until mid-2014 the Founder/CEO of Geneva-based Healthbank, a citizen-owned, global open health data cooperative. In 2013, he was the first Entrepreneur-in-Residence (EIR) for SystemsX, Switzerland’s largest (800M CHF) early stage life sciences fund, and served as a mentor for the ETH Entrepreneurship Lab. Prior to 2013, Mr. Dillhyon served as Chairman of Genebio, a bioinformatics software firm, and sat on the Strategic Advisory Committee for HealthTIES, an EU-backed consortium of four of Europe’s top regions in biosciences, medical technology and health entrepreneurship.

Previous to his move to Switzerland in 2004, Michael Dillhyon co-founded two US-based firms: Netelligent Corporation and ActiveObjects, where he held the roles of President, Chairman and CEO respectively. Mr. Dillhyon holds degrees in Biochemistry and Anthropology, as well as a MBA from the Olin School of Business.

 

report Life Sciences

Piqur erhält speziellen Zulassungsstatus

05.12.2016

report

Endress+Hauser ergänzt Produktlinie

02.12.2016

report BaselArea.swiss

Michael Bornhäusser: «Schweizer Start-ups werkeln zu lange in der Comfort-Zone vor sich he...

03.04.2014

Als Gründungspräsident war Michael Bornhäusser der Spiritus Rector von i-net. Nach seinem Rücktritt im Februar 2014 wird sich der Serial Entrepreneur als ehrenamtliche Leiter auf den i-net Bereich Finance & Partner Netzwerk konzentrieren.

Im Interview erklärt Michael Bornhäusser, warum die Schweiz in vielen Bereichen vom internationalen Venture Capital gemieden wird und was in der Startup-Förderung zu tun ist, damit sich dies ändert. Michael Bornhäusser ist Mitinhaber der Basler Sallfort Privatbank und leitet dort den Bereich Private Equity, Products & Service.

Herr Bornhäusser, als zurücktretender Gründungs-Präsident von i-net überlassen Sie ihr Kind nun seinem Lauf. Wie sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?
Michael Bornhäusser: Im grossen und ganzen können wir sehr zufrieden sein mit dem erreichten. Operativ sind wir gut aufgestellt, das Team funktioniert. Wir haben innerhalb von knapp zwei Jahren unser Netzwerk auf über 5500 Personen verdoppelt und mit rund 50 Veranstaltungen im vergangen Jahr 2500 Teilnehmende erreicht. i-net wird heute in der gesamten Region Nordwestschweiz wahrgenommen. Wo wir uns sicher noch verstärken müssen, ist in der Startup-und Investorenszene.

Wo sehen sie künftig die Schwerpunkte von i-net?
Es muss uns nun gelingen, noch mehr Multiplikatoren an Board zu holen, indem wir den Kreis von Ehrenamtlichen, die in unserem Netzwerk tatkräftig mitwirken wollen, vergrössern. Auch bei der Gründung neuer Unternehmen muss i-net eine noch wichtigere Rolle spielen als bislang.

Als Vielreisender haben Sie den Vergleich: Wo sehen Sie die Stärken in der Region Nordwestschweiz?
Biotech und Life Sciences sind ganz klar unser USP. Allerdings gewinnt die Interdisziplinarität zu unseren anderen Technologiefeldern, ICT, Cleantech, Medtech oder Nanotechnologien an Bedeutung.

Und wo sehen Sie die Schwächen der Region?
Die grosse Schwäche in der Nordwestschweiz sind die Universitäten und Forschungseinrichtungen. Es werden einfach zu wenige Spin-offs generiert, weil man im Bereich Company Building kaum Kompetenzen hat. i-net müsste hier unbedingt in die Bresche springen und aktiver auf diese Institutionen zugehen. Umgekehrt müssen sich die Universitäten und Fachhochschulen gegenüber diesem Thema öffnen. Im Zweifelsfall geht dies halt nicht ohne politischen Druck.

Was meinen Sie damit genau?
In Extremis müsste man halt den Geldhahn abstellen. Neben der Bildung und Forschung gehört es doch ganz klar mit zum Leistungsauftrag einer Universität, im Innovationsbereich Wertschöpfung zu schaffen. Nun sind Universitätsprofessoren in der Regel keine Unternehmer und das ist bis zu einem bestimmten Grad ja auch richtig so. Aber es braucht eben auch die Einsicht seitens dieser Institutionen, dass dem so ist, und dass es Partnerorganisationen braucht, die diesen Teil ihres Leistungsauftrages - nämlich das Unternehmertum zu fördern - besser machen.

An den Universitäten in den USA ist das aber anders, dort spielt Entrepreneurship eine gewichtige Rolle und man ist auch erfolgreich darin?
Das liegt daran, dass diese Universitäten sehr stark auf Fremdfinanzierung und damit von Spenden ehemaliger Studenten angewiesen sind. Deshalb hat eine amerikanische Hochschule auch ein grosses Selbstinteresse daran, dass aus Absolventen erfolgreiche Unternehmer werden. Denn diese werden später aus Dankbarkeit für die Ausbildung und aus gesellschaftlicher Verpflichtung, einen Teil ihres Erfolges an die Uni zurückgeben. Bei uns hingegen bekommt es schnell einmal ein «Geschmäckle», wenn etwa eine Bank einer Hochschule Geld zur Verfügung stellen.

Sie finden also das US-Modell besser. Immerhin gilt die Schweiz in allen Rankings punkto Ausbildungsstand ihrer Arbeitskräfte als Spitzenreiter?
Schon, aber laut diversester Ranking befinden sich die besten Universitäten der Welt in den USA sowie in England. Das angelsächsische Prinzip funktioniert also. Und es ist auch so, dass die angelsächsischen Länder die erfolgreichsten Neugründungen hervorbringen. Es ist schwierig hierzulande einen qualitativ hochwertigen Deal Flow für Investoren aufzubauen. Ganz anderes in den USA und England. Dort gibt es professionelle Setups, vielversprechende Cases mit grossem Gewinnpotenzial.

Aber Start-ups werden doch nicht ausschliesslich an Universitäten generiert?
Deshalb ist es in meinen Augen auch ein grosser Fehler, dass man hierzulande in der Startup-Förderung so eindeutig auf Universitäten fokussiert. Wir haben bereits festgestellt, dass - den Biotech-Bereich mal ausgenommen - die Erfolgsaussichten von Schweizer Start-ups, die direkt an Universitäten inkubiert wurden, relativ gering sind. Die Universitäten spielen in Relation zu dem, was sie an Förderungsmitteln von der Regierung bekommen, nur eine ganz kleine Rolle. Die erfolgreichsten Startups gemessen am Unternehmenswert beim Exit sind universitätsunabhängig als Spin-offs von Grossunternehmen entstehen. Typische Beispiel aus der Region Basel sind etwa Actelion oder Polyphor.

Fehlt es nicht einfach an Entrepreneurial Spirit?
Eindeutig. Die Ambitionen sind meist zu tief und die Unternehmen werden zu früh verkauft. Man gibt sich zufrieden, wenn man mit einem Startup ein paar Millionen Franken Umsatz erzielt und beim Verkauf einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag löst. Deshalb ist die Schweizer Startup-Szene für global agierende Venture Capitalists nicht interessant. Diese steigen erst ein, wenn ein Exil dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht steht. Schweizer Startups sollten ihre Ziele höher stecken. Doch dazu braucht es die entsprechenden Vorgaben der Investoren. Leider muss ich immer wieder beobachten, dass viele Startups hierzulande zu lange in der Comfort-Zone vor sich her werkeln können, weil die Business Angels zu viel Geld geben und zu wenig Druck machen.

Ist es nicht gar kontraproduktiv, wenn in der Schweiz einfach nur Unternehmen produziert werden, um sie später ins Ausland zu verkaufen. Dadurch wird doch keine nachhaltige Wertschöpfung generiert?
Das kann man auch anders sehen. Wenn wir in der Schweiz 10 Exits für 100 Millionen schaffen, dann sind das 1 Milliarde Wertschöpfung, die generiert werden und von dem ein grosser Teil in unserem Land bleibt. Als CH-Hightech KMU muss man sich sowie so von Anfang an global aufstellen. Hier hat die Schweiz aufgrund der existierenden Strukturen einen riesigen Vorteil.

Es gibt aber viele Unternehmer, die gar nicht mit VC-Geld aufgepumpt werden wollen um dann verkauft zu werden, sondern auf organisches Wachstum setzen. Ist das nicht auch legitim?
Natürlich. Als Gründer muss man sich einfach überlegen, was man will. i-net versteht sich ja keineswegs nur als Start-up-Plattform, wir bieten unsere Services ja auch dem klassischen KMU. Hierbei gilt es, Unternehmern ihre Wachstums- und Innovationspotentiale aufzuzeigen und sie mit unserem Netzwerk darin zu unterstützen, diese zu realisieren.

Dennoch, braucht es auch da Fremdfinanzierung. Gibt es denn keine Alternative zu Private Equity?
Die aktuelle Regulierungsvorgabe, Basel III, macht es tatsächlich sehr schwierig für eine Bank, Wachstumsvorhaben zu finanzieren, da sie in der Pflicht stehen, sehr viel mehr Eigenkapital hinterlegen zu müssen. Im Prinzip erhält ein Unternehmen nur noch dann Kredit, wenn es das Geld sowieso schon hat. Die Politik hat da im Prinzip einen Investitionsstopp veranlasst, mit dem Effekt, dass Expansionsvorhaben nur noch über Private Equity finanziert werden können. Gerade dies stellt die Schweiz vor grosse Herausforderungen. Deshalb müssen wir auch dringend attraktiver werden für das global agierenden Venture Capital. Und nochmals: dies gelingt nur, wenn unsere Unternehmen und ihre Business Angels aggressiver werden.
Ich habe kürzlich gelesen, dass 80 bis 90 Prozent aller Angel Investments hierzulande verloren gehen. Bei professionellen Investoren ist es gerade umgekehrt.

Hat das nicht auch damit zu tun, dass VCs später einsteigen, wenn das Risiko geringer ist?
Das sehe ich anders. Es wird meist falsch investiert und die Unternehmer werden nicht richtig unterstützt. Wir müssen dringen professionelle Strukturen schaffen, wie Accelerators und Innovationsparks. Besonders in den Life Sciences könnte man sehr viel mehr tun. In deinem Bereich gibt es zwei Städte die einem einfallen: Boston und Basel. Und ich bin sicher, dass Novartis, Roche oder Actelion sich beteiligen würden an einem entsprechenden Programm. Denn ein solches bringt auch für sie noch mehr Know-How in die Region, von dem sie wiederum profitieren können.

Und die anderen Technologiefelder?
Auch in den Nanotechnologien sehe grosses unmittelbares Potenzial. Bei den anderen Bereichen wird der Aufbau sehr viel länger dauern. Aber nichtsdestotrotz sollte man das machen. Zudem gibt es zwischen den Bereichen interessante Berührungspunkte, die man ausschöpfen sollte. Und hierzu können wir mit i-net die ideale Plattform bieten.

Interview: Thomas Brenzikofer

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02.12.2016

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Diagnosis more valued than therapy? Not for a long time….

01.12.2016

report Life Sciences

Helmut Kessmann: «Biotech can be a real roller coaster ride»

06.03.2014

Helmut Kessmann has been involved in the life science startup scene on the Rhine from the beginning. Today, the native from North Germany is Head of Business Development at Polyphor. Previously, he was co-founder of Discovery Technologies and a member of the executive management of Santhera, both IPO companies.

In the interview with i-net he talks about the development of the Life-Sciences-Standorts Basel and the success factors for biotech startups.

Mr. Kessmann, how do you rank Basel as a location for biotech companies?
North Western Switzerland is one of the best locations for biotech startups globally and in Europe amongst the top three. However, we must not rest on our laurels; otherwise we risk ending up back where we were in the early 90s.

Wasn’t Basel already a pharmaceutical and chemical city at that time?
Yes, but no one wanted or could establish a biotech startup company here. The normal career path of people was that they joined one of the large corporations like Ciba, Sandoz, Roche, after studying and remained there until they retired. Then, in 1996, the merger of Ciba and Sandoz to form Novartis happened and suddenly there was a very active and successful biotech scene. This transpired within a few years - an experience that still fascinates me today.

Did you immediately jump on the bandwagon?
I was employed by Ciba-Geigy, but I have already played with the idea for a few years to start my own business. At that stage no one was willing to finance projects in Basel. This changed immediately after the merger of Ciba and Sandoz in 1996 when the Novartis Venture Fund was founded. Suddenly we were in the game. Discovery Technologies was among the first startups in which they invested. Our advantage was that we had a complete business plan in our pocket.

The Novartis merger was therefore the trigger for the startup scene in Basel?
Yes, but that alone was of course not enough. A fund needs to be managed by the right people. Jürg Meier and Ruedi Gygax were exactly the right people. In addition, there were many more important initiatives in the regions. If you summarize you’ll see that, in just two years, more than 20 companies were in the starting blocks, ready to move. Since then, a lot has happened and now there are extremely successful companies such as Actelion, Basilea, Evolva and Polyphor. More have since been acquired such as Speedel or Glycart. Today, there are not only many ways to gain access to funding, but also support networks such as that of i-net innovation networks. Without the positive environment for Biotech startups the establishment of a new company is very difficult. Also, one should not forget that globally there is active competition for new companies.

But Discovery Technologies, co-founded by you, then relocated to the USA?
Not quite, we opted for the IPO to go to the US, but the operational activities remained and continued unchanged in Allschwil. For this purpose we merged in 2000 with a US chemical company and created Discovery Partners Ltd. headquartered in San Diego. I think our company was one of the last with a successful IPO before the crash in the fall of 2000. Then the market lost 75 percent of its value in just a few months. Fortunately, Discovery Partners was profitable before the IPO and did not have to rely on further funding. Later, Discovery Partners became Infinity Pharmaceuticals through another merger, which is still successful today, especially in drugs for oncology.

Your next venture, Graffinity, did not proceed exactly as planned?
I had learned that investing in the life sciences sector is done in waves and the preferred areas for investors can quickly change. With Discovery Technologies, we were able to ride on the height of the investment wave in the late `90s. However, Graffinity in Heidelberg, found itself at the end of this cycle, even though the technology was very innovative and actually fitted the needs of the "genomic era" perfectly. Thereby, we could record 30 million euros in April 2001, which was at least the second biggest round of funding in Germany that year. But only months later, and as a result of the biotech market crash, the interest of the investors in "platform companies" decreased to zero and people wanted to see clinical products.

How did you continue with Graffinity?
We had to be creative. After some searching we found an ideal partner namely MyoContract located in Basel. MyoContract was the first spin-off of the Biozuntrum in Basel and was established due to the great vision and initiative of the founder and CEO, Thomas Meier. The company had a product candidate but no money, and we had money but no product candidates. The result was Santhera. Graffinity was leached out of the new company through a management buyout and now supplies the old technology to the service business. Thereby Graffinity could survive without further venture capital.

But after the great start Santhera is still waiting for the breakthrough?
Biotech is rarely straightforward, but I am convinced that Santhera will also be commercially successful. Their focus on rare diseases, for which there is virtually no treatment, was correct in any case. In 2006 the company made a successful IPO and we received outstanding support from investors, researchers and patient organizations. Unfortunately, the most important product demonstrated later in the clinical Phase III that it did not have the effectiveness we hoped it would have. At one stage over 80 percent of the goodwill was gone. But that is how it is in biotech - a real roller coaster ride.

Was there a Plan B?
Yes, the company is currently trying to obtain the European market approval for the treatment of sudden blindness, a rare hereditary disease. The decision will probably be made in 2015. For me, personally, there was not much to do at Santhera in 2011 and I accepted an offer from my present employer, Polyphor. I have been the Head of Business Development since 2011.

How do you see the local biotech startup scene today?
We have already achieved a lot, but I would like to see many more young companies. Basically, Biotech is one of the most profitable investments, but there are big ups and downs. Many investors show interest - but there is also uncertainty. This is manifested in the new financing models. Private capital plays an increasingly important role. In Polyphor, investments were made almost exclusively by individuals. These are usually wealthy individuals from the surrounding area with a great affinity for pharma.

What is the most difficult phase for a startup?
Once the effect of a drug in humans is demonstrated, the financing is often easier, although you then really need large amounts of money. At this time good deals with interested pharmaceutical companies are also usually possible. It is very difficult earlier, as well as between the early pre-clinical development and proof of concept phases. Here more money needs to flow and this is where the private investor plays a key role - not only in Switzerland. In Germany, for example, a large part of all biotech investments were made by three individuals: SAP founder Dietmar Hopp, and the brothers Thomas and Andreas Strüngmann who sold Hexal to Novartis. Nevertheless, another early-phase innovative fund with an investment strategy similar to the Novartis Venture Fund of the `90s would be very helpful.

What alternative funding models are currently becoming important?
Non-dilutive financing, which means you acquire financing without relinquishing shares in the company, is making its mark. These include, for example, the US Department of Defense and the National Institutes of Health, which are no longer bound to their investments in the United States. Local companies such as Evolva, Santhera and Basilea have already benefited. Patient organizations also play an increasingly important role as they have lots of money. The French Association for muscle diseases, the Association Française Contre Les Myopathies, has an annual budget of nearly 100 million Euros as a result of their famous Telethon. Also joining are organizations such as the Cystic Fibrosis Foundation in the US or the Bill & Melinda Gates Foundation, which has already invested billions, especially in the research of drugs for tropical diseases. The extent of these investments did not exist 10 years ago.

So, is the philanthropic sector strengthening?
Yes, the trend towards alternative financing models, including the Venture Philanthropy (VP) model, is clear. However, little is known about the latter in the biotech scene. Although it is profit-oriented work, in this financing model the profits are reinvested in non-profit organizations for research. In other words, the donors of these funds aim to keep their assets, but not to increase it such as has been customary, but to support a charitable cause. The European VP Association recently had a meeting in Geneva with 700 participants and I was impressed by the professionalism and presence of many bankers and venture capitalists who wanted to learn about this concept or are already active with VP models.

Would Venture Philanthropy also be an approach for North Western Switzerland?
Why not, after all there are already many biotechs that have received funding from such alternative models. It will however not be sufficient for the next wave of startups here in Basel. It also requires an intelligent infrastructure, better early-stage financing, and support organizations and networks such as i-net. It would be a shame if we now just await the next crisis; if it happens we must be one step ahead. Today we can operate from a position of strength and we must exploit it.

Interview by Christian Walter and Thomas Brenzikofer

A short CV of Helmut Kessmann can be found here

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