Innovation Report

 
report Invest in Basel region

SpiroChem eröffnet Räumlichkeiten für Forschung/Entwicklung und Services in Basel

29.09.2017

Basel - Das Feinchemieunternehmen SpiroChem ist in topmoderne Räumlichkeiten auf dem Basler Rosental-Areal umgezogen. SpiroChem will seine Tätigkeiten nun deutlich ausweiten und hat auch seinen Verwaltungsrat verstärkt.

Bei SpiroChem handelt es sich um eine Ausgliederung aus der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Dort war das Unternehmen bislang auch ansässig, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Demnach wurde der operative Betrieb am neuen Standort bereits aufgenommen. „Wir sind sehr erfreut, unseren Umzug nach Basel in topmoderne Räumlichkeiten anzukündigen. Wir sind nun gut aufgestellt, um mit grossen und kleinen Organisationen zu interagieren und zusammen zu arbeiten. Zudem können wir Herausforderungen unserer Kunden schnell und flexibel lösen, so dass sich diese noch stärker auf die effiziente Entwicklung der Medikamente von morgen fokussieren können“, wird CEO Thomas Fessard in der Mitteilung zitiert.

SpiroChem bietet neuartige Moleküle an, die zur Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente genutzt werden. In diesem Bereich hat sich das Unternehmen nach eigenen Angaben eine weltweite Führungsposition erarbeitet. So kann es innovative Lösungen für die Pharmabranche anbieten. „SpiroChem beabsichtigt, ein Schlüsselunternehmen in Basels dynamischer und innovationsgetriebener Life Sciences-Industrie zu werden. Zudem haben wir die Ambition, das Kundenportfolio zu erweitern und talentierte Mitarbeitende für unser wachsendes, modernes Unternehmen zu gewinnen“, erläutert Fessard.

Für den anstehenden Wachstumskurs hat SpiroChem auch seinen Verwaltungsrat verstärkt. Anthony Baxter kann auf umfassende Erfahrungen in der Pharmabranche zurückblicken. „Seine Branchenerfahrung und sein Netzwerk innerhalb der Life Sciences-Industrie wird bei der Vergrösserung unseres Portfolios an kleinen, mittleren und grossen Pharma-, Agribusiness- und Life Sciences­Kunden weltweit von grossem Vorteil sein“, so Fessard. 

report Life Sciences

Neue Medikamente treiben Roche-Wachstum

19.10.2017

report ICT

BC Platforms verbessert Forschung an Multipler Sklerose

18.10.2017

report Precision Medicine

«In der Schweiz werden gute Technologien oft zu früh verkauft»

05.09.2017

Ulf Claesson ist ein «serial entrepreneur»: Seit 25 Jahren gründet er Firmen, die sich nachhaltig am Markt bewähren. 2012 stieg er als Aktionär und CEO bei Clinerion ein. Inzwischen hat sich das Unternehmen im Bereich medizinische Daten positioniert und ging kürzlich eine Partnerschaft mit dem britischen Unternehmen Cisiv ein. Für Auftraggeber aus Big Pharma findet die Anwendung von Clinerion Patienten für klinische Studien – und zwar in Echtzeit. Aber die Konkurrenz schläft nicht: Insbesondere in den USA treten mehr und mehr Mitbewerber auf, die mit viel Risikokapital ausgestattet werden. Wie das Basler HealthTech-Unternehmen seine führende Rolle behaupten will, erklärt Claesson im Gespräch mit dem Innovation Report.

Interview: Thomas Brenzikofer

Herr Claesson, was hat Sie dazu bewogen, bei Clinerion einzusteigen?

Ulf Claesson: Clinerion war ursprünglich eine IT-Plattform mit einem komplizierten Namen. Die Gründer hatten die Idee, eine grosse Datenschaltzentrale für die Gesundheitsindustrie aufzubauen. Das war ziemlich ambitiös. Ich schätze, die WHO oder die Bill und Melinda Gates-Stiftung könnten das allenfalls stemmen. Aber eine kleine Firma in Basel? Als IT-Mensch habe ich schnell gesehen, wie gut die technologische Basis war. Unklar war dagegen das Problem, das man damit lösen konnte. Also machten wir uns an die Arbeit und haben uns schrittweise an den Use Case Patientenrekrutierung herangetastet. Heute sind wir als einziges Unternehmen weltweit in der Lage, aus Millionen von Patientendaten in Echtzeit jene Patienten zu identifizieren, die sich für eine bestimmte klinische Studie eignen.

Sie haben also das Unternehmen auf eine ganz bestimmt Nische ausgerichtet?

Ja, eindeutig. Eine Firma im Aufbau muss sich fokussieren und ein reales Problem lösen. Mit unserer Technologie verschafft sich der Kunde einen eindeutigen Vorteil. Um Patientinnen und Patienten zu finden, braucht es normalerweise Monate, manchmal Jahre. Wir verkürzen diese Zeit auf Wochen. Wir sorgen dafür, dass eine Pharmafirma, ein Spital oder ein Auftragsforschungsinstitut schon von Studienbeginn an genau weiss, wo sich die betroffenen Patienten befinden und wie viele dies typischerweise sind. Je nach Zielsetzung kann das Studienprotokoll dann beliebig optimiert werden. Weil wir Schätzungen vermeiden und reale, in diesem Moment existierende qualifizierte Patienten präsentieren, wird das Studiendesign solider, das Risiko wird minimiert. Weiter weiss ein Studiensponsor genau, wo er wie viele seiner «Sites» platzieren muss. Hierfür ist die Echtzeitanzeige von grosser Bedeutung. Aktiviere ich ein Studienprotokoll, werden beteiligte Ärztinnen und Ärzte sofort benachrichtigt und können ihre Patienten aufbieten.

Ist es einfach, die Spitäler davon zu überzeugen, mit Clinerion zusammenzuarbeiten?

Anfangs waren wir ziemlich naiv. Aus der IT-Perspektive würde man die Cloud nutzen. Genau das haben wir versucht und sind damit mehrheitlich auf Ablehnung gestossen. Ausserdem stellten wir fest, dass das Verhältnis zum Datenschutz sowie die Regulatorien von Land zu Land völlig verschieden sind. Diese Faktoren machen eine Cloud-Lösung fast unmöglich. Heute installieren wir in der Infrastruktur der Spitäler eine Hardware-Appliance. So bleiben die Daten da, wo sie gesammelt werden und sind so sicher wie alle anderen Patientendaten. Weiter greifen wir nur auf konsolidierte und aggregierte Metainformationen zu. So gewinnen wir das Vertrauen von Entscheidungsträgern und von denjenigen, die das System einsetzen.

Was genau ist die Motivation der Spitäler, ihre Daten preiszugeben?

Im Grunde teilen wir alle das Ziel, den betroffenen Patienten schnellstmöglich Medikamente zur Verfügung zu stellen. Wir helfen dabei. Unikliniken forschen unter anderem aus eigenem Interesse und können ihre internen Studien dank uns schneller durchführen. Zudem werden Spitäler von Pharmafirmen für jeden Patienten, der an einer Studie teilnimmt, vergütet. Für Mediziner ist es wichtig, sich an interessanten Studien beteiligen zu können. Wir stellen fest, dass Spitäler, sobald sie mit uns zusammenarbeiten, deutlich mehr Studien angeboten bekommen als zuvor.

Zu wie vielen Patienten haben Sie derzeit Zugang?

Wir haben durch die Spitäler Zugang zu 35 Millionen Patienten. Das braucht man auch. Denn die Zahlen schrumpfen sehr schnell, je nach Indikation, nach der man sucht.

Sie sind vor allem in Schwellenländern wie Brasilien oder der Türkei aktiv. Warum?

In Europa ist man, ausser in Grossbritannien, zurückhaltender bei klinischen Studien. Die Türkei will die 50 Millionen Euro, die sie 2014 mit klinischen Studien eingenommen hat, bis 2020 auf 1,5 Milliarden vervielfachen. In Brasilien werden sogar Gesetze geändert, damit Pharmafirmen in Zukunft leichter Studien durchführen können. In klinischen Studien ist es wichtig, dass der Pflegestandard aller teilnehmenden Patientinnen und Patienten auf dem gleichen Niveau ist. Studienteilnehmer erhalten dadurch beispielsweise in Osteuropa eine bessere Pflege als üblich. Das kann für manche Patienten ein Anreiz sein.

Fokussieren Sie bei der Datenakquisition also vor allem auf Emerging Markets?

Nein, nicht nur. Wir sind auch in einigen europäischen Ländern gut positioniert. Aber wir können hier sicher noch zulegen. Daneben wollen wir unsere Präsenz beispielsweise in Indien und in Taiwan vergrössern. Auch Grossbritannien haben wir im Fokus. Dabei wird uns die Zusammenarbeit mit Cisiv helfen. Wir sind kürzlich eine Partnerschaft mit dem britischen Unternehmen eingegangen. Cisivs Plattform ergänzt unser Screening optimal.

Das klingt nach einem Datenwettlauf. Wie weit ist Ihre Hauptkonkurrenz?

Es gibt drei Mitbewerber. Wir sind jedoch die einzigen, die Echtzeitergebnisse bieten können. Unserer Konkurrenz in den USA steht jedoch ein Vielfaches an Kapital zur Verfügung. Bei einem der Konkurrenten belief sich die neuste Investitionsrunde auf 32 Millionen Dollar.

Und Sie können nicht nachziehen?

Es ist in der Tat schwierig für ein ICT-Start-up in der Schweiz, derartige Beträge zu erhalten. Aber wir sind nur bedingt darauf angewiesen. Wir haben ein sehr loyales Aktionariat und sind genügend finanziert, auch wenn wir noch weit davon entfernt sind, profitabel zu sein.

Ein Verkauf steht nicht zur Debatte?

Unsere Vision ist es, Patienten mit Medizin zu versorgen. Falls wir sehen, dass wir dieses Ziel auf einem anderen Weg schneller erreichen, sind wir offen. Aber derzeit steht ein Verkauf nicht zur Debatte. Ich habe schon einige Firmen gegründet. Einige wurden zu früh verkauft, obwohl man sie noch ein, zwei Stufen hätte voranbringen können. Ich bin überzeugt, dass uns das mit Clinerion gelingt.

Sehen Sie in der fehlenden Wachstumsfinanzierung ein Problem für die Schweizer Start-up-Szene?

Eindeutig. Tendenziell werden gute Technologien zu früh verkauft, weil sich kein inländisches Geld für den nächsten substanziellen Meilenstein finden lässt.

Was schlagen Sie vor?

Das Silicon Valley zu imitieren bringt nichts. Auch weil die Kosten dort derzeit untragbar hoch sind. Wir sollten uns vielmehr auf unsere Stärken konzentrieren. An der ETH beispielsweise werden  pro Jahr doppelt so viele Start-ups gegründet wie in Berkeley. Wo die Universitäten gut sind, entsteht ganz von selbst eine Start-up-Community. Die Studierenden, die ich an der ETH erlebe, sind voller Ambitionen und Energie. Festzustellen ist aber auch, dass viele Schweizerinnen und Schweizer die Sicherheit eines Arbeitsplatzes in einem Grosskonzern bevorzugen. Es braucht etwas mehr Mut zum Risiko. Daran müssen wir noch arbeiten.

Wie sehen Sie den Innovationsstandort Basel?

Wir haben hier einen guten Zugang zur Branche, zudem können wir auch aus dem benachbarten Deutschland Arbeitskräfte rekrutieren. Der Standort ist somit auf dem Arbeitsmarkt auch weniger kompetitiv als beispielsweise Zürich. Wir fühlen uns pudelwohl in Basel.

Interview: Thomas Brenzikofer and Annett Altvater​

Über Ulf Claesson
Ulf Claesson studierte Produktionstechnologie an der Chalmers Universität in Göteborg und absolvierte zudem ein Managementstudium an der Universität St. Gallen. Er war bei IBM und Hewlett-Packard tätig, gründete Spin-offs für verschiedene Unternehmen und entwickelte eigene Start-ups. Sein Wissen als «serial entrepreneur» vermittelt er Studierenden an der ETH in seiner Vorlesung zu «Technology Entrepreneurship». Er ist im Verwaltungsrat verschiedener Unternehmen tätig, Foundation Board Director der AO Foundation und seit 2012 CEO von Clinerion.

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The European Antibody Congress opens its doors

17.10.2017

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Roche investiert in neuartige Antibiotika

17.10.2017

report BaselArea.swiss

«Ich möchte innovative Forschung in neue Medikamente umsetzen»

04.07.2017

Jährlich erkranken etwa 250´000 Patienten an einer Krebsart, für die es zurzeit keine spezifische Therapie gibt, Krebs, der aufgrund einer fehlgesteuerten Kommunikation zwischen Zellen entsteht. Diese Fehlfunktion entsteht im sogenannten NOTCH-Signalweg. Wirksame Therapiemöglichkeiten fehlen – doch das soll sich ändern. Die Cellestia Biotech AG entwickelt ein neuartiges Medikament gegen diese Krebsart. Der neuartige Wirkstoff greift selektiv nur die fehlgesteuerte Zellkommunikation an. Damit könnten Leukämie, Lymphome und feste Tumore wie zum Beispiel Brustkrebs behandelt werden.

Im Jahr 2014 gründeten Professor Freddy Radtke und Dr. Rajwinder Lehal, der bereits mit seiner Dissertation an diesem Thema gearbeitet hatte, die Firma Cellestia Biotech AG. 2015 kam ein erfahrenes Team von Pharma- und Onkologie-Entwicklungsspezialisten um Michael Bauer hinzu, die sich als Mitgründer bei Cellestia engagierten. Bauer hatte zuvor zusammen mit seinem Team mehrere Jahre lang verschiedene Projekte geprüft, um den Aufbau eines solchen Start-up-Unternehmens mitzugestalten. Wir sprachen mit ihm über Risiken und Nebenwirkungen der Firmengründung.

Interview: Stephan Emmerth

Herr Bauer, wie lange mussten Sie suchen, bevor Sie ein Projekt gefunden haben, bei dem Sie einsteigen wollten?

Michael Bauer: Über viele Jahre hin habe ich zusammen mit Kollegen und neben dem regulären Job – mal mehr und mal weniger intensiv – eine Reihe von Projekten geprüft, evaluiert und wieder verworfen. Zum Teil waren das tolle Projekte, manche waren unglaublich innovativ. Aber immer wieder gab es leider Dinge, die uns bewogen haben, diese Projekte am Ende doch nicht weiter zu verfolgen.

Die Suche hat Sie wohl nicht nur viel Zeit gekostet, sondern auch Geld, immerhin musste ja jedes Mal eine Due Diligence durchgeführt werden?

Diesen Aufwand mussten wir natürlich leisten. Im Prinzip haben wir wie ein kleiner Venture Fund Projekte identifiziert, geprüft und evaluiert. Aufgrund der Zusammensetzung des Teams konnten wir viele Aufgaben selbst erfüllen, teilweise zogen wir Experten hinzu. In vielen Fällen haben uns Spezialisten aus unserem Netzwerk unterstützt, da gab es ein erhebliches Mass an Goodwill. Zum Teil kamen wir für die Kosten auf.

Und warum hatte es vor Cellestia nicht geklappt?

Viele Faktoren müssen stimmen: Als Grundlage natürlich hervorragende, innovative Forschungsergebnisse, die über Patente geschützt sind. Wichtig sind auch geregelte Eigentumsverhältnisse an den Erfindungen und vernünftige Lizenzbedingungen. Zu guter Letzt muss es eine Übereinkunft über die Erwartungen der am Projekt beteiligten Personen geben. Wir haben so ziemlich alles erlebt. In vielen Fällen stellte sich im Verlauf der Prüfung heraus, dass beispielsweise die Forschungsdaten doch nicht so überzeugend waren wie zunächst dargestellt. Oder die Erwartungen hinsichtlich der Lizenzkonditionen lagen zu weit auseinander. Bei einem Projekt wollte man uns Patente verkaufen, die längst verfallen waren. Oft kommt es vor, dass die Wissenschaftler unrealistische Vorstellungen bezüglich des Werts ihres Projekts haben. Ein pensionierter Professor, der schon mehrere Jahre vergeblich versucht hatte, seine Firma zu finanzieren, erwartete von uns, dass wir es für fünf Prozent der Anteile nochmals versuchen. Das ist natürlich keine Basis für eine Partnerschaft.

Forschung und Unternehmertum unter einen Hut zu bringen ist also die grosse Herausforderung?

Es gilt hier, ein Verständnis für die Relationen und den Beitrag der verschiedenen Parteien zu entwickeln, die sich mit sehr unterschiedlichem persönlichem Risiko an einem solchen Projekt engagieren. Hinter Cellestia stehen auf der einen Seite etwa 20 Jahre Grundlagenforschung, elf Jahre davon an der EPFL. Seit etwa neun Jahren leistet Rajwinder Lehal – zunächst im Rahmen seiner Dissertation, dann als Post-Doc und seit 2014 als Chief Scientific Officer – konkrete Arbeit an diesem Projekt. Diese Historie respektieren wir vom Managementteam und sind froh über den Zugang zu dem daraus resultierenden Wissen. Gleichzeitig muss die Erfinderseite den Gesamtaufwand sehen: An der EPFL wurden über die Jahre etwa fünf Millionen an öffentlichen Geldern investiert. Aber bis ein Produkt auf den Markt kommt, braucht es unter Umständen hunderte Millionen. Und der Weg vom ersten erfolgreichen Experiment im Tiermodell bis zu einem für Menschen zugelassenen Medikament ist weit. Insgesamt ist der Aufwand in der Forschung im Vergleich zu den Entwicklungs- und Marketingkosten unter Umständen marginal und beträgt nur noch wenige Prozent. Und die Entwicklungskosten werden von Investoren aufgebracht, für die sich ein Investment lohnen muss. All diese Faktoren müssen in einer Partnerschaft bedacht und respektiert werden. Mit unserem Team hat das geklappt.

Sie verfügen über langjährige Industrieerfahrung. Was hat Sie am Unternehmertum gereizt?

Für mich liegt der Reiz in der Herausforderung, bahnbrechende Erfindungen in Produkte umzusetzen. Ich sehe mich als Produktentwickler und wollte schon als Student eine Firma gründen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich zum Glück erst einmal fast 20 Jahre Berufserfahrung gesammelt habe. Dies ist wichtig, um die Komplexität der Herausforderungen in der Produktentwicklung in Life Sciences und Pharma gut verstehen und einschätzen zu können. Dieser Erfahrungsschatz hilft auch zu wissen, wo das eigene Wissen endet und wann welche Experten hinzugezogen werden müssen, um ein Projekt oder eine Firma erfolgreich voranbringen zu können.

Wie verlief die Inkubation vom ersten Kontakt bis zu Ihrem Einstieg als Mitgründer bei Cellestia?

Der heutige Chief Scientific Officer Rajwinder Lehal und ich waren über einige Jahre hinweg regelmässig miteinander in Kontakt. Zu dieser Zeit war das Projekt aber noch nicht weit genug fortgeschritten für eine Firmengründung. 2014 wurde dann Cellestia gegründet, zunächst von Professor Radtke, Rajwinder Lehal und Maximilien Murone. Im Sommer 2015 trafen wir uns einige Male mit dem Lausanner Forscher- und Gründerteam bei i-net, der Vorgängerorganisation von BaselArea.swiss. Dann ging es recht zügig. In wenigen Treffen konnten wir das Projekt evaluieren und ein gutes persönliches Verhältnis entwickeln, was für mich und meine Partner für einen Einstieg bei Cellestia sehr wichtig war. Wir waren uns schnell einig, es lief quasi per Handschlag. Danach kamen die notwendigen Verträge, und im November waren wir bereits im Handelsregister eingetragen. Unser Anwalt und Mitgründer Ralf Rosenow regelte die Formalitäten. Wir haben uns entschlossen, das Headquarter von Lausanne nach Basel zu verlegen und die Forschungsaktivitäten in Lausanne zu belassen, sozusagen eine transkantonale Partnerschaft.

Warum ist das Headquarter in Basel?

Für uns war das wichtigste Argument für Basel der Zugang zu Talenten und Ressourcen für die Produktentwicklung. Dies ergibt sich aus der Nachbarschaft zu führenden Pharmakonzernen wie Novartis, Roche, Actelion und vielen weiteren Firmen. Dieser Zugang zu erfahrenen Entwicklungsspezialisten ist in Lausanne schwieriger. Hinzu kommt, dass über unseren Mitgründer Roger Meier und weitere Kollegen bereits ein aktives Investoren-Netzwerk in Basel besteht, das Affinität zur Branche und zum Standort Basel mitbringt. Diesen Zugang hatten wir zu Beginn in Zürich oder Genf noch nicht. Mir persönlich gefällt auch die Arbeits- und Lebensqualität in Basel. Die Stadt ist übersichtlich und trotzdem international, mit einem vielfältigen Kulturangebot. Zudem hat der Flughafen Basel hervorragende Verbindungen – man befindet sich in der Mitte Europas und ist in nur ein bis zwei Flugstunden praktisch überall in Europa, in London, Berlin oder Barcelona. Für Lausanne spricht das herausragende akademische Umfeld mit EPFL und dem Swiss Institute für Experimental Cancer Research. Auch hier gibt es ein hervorragendes Umfeld für Start-up-Unternehmen, allerdings aus unserer Sicht eher in ingenieurwissenschaftlichen und technischen Disziplinen oder Medizintechnik. Jedes Jahr werden viele Firmen an der EPLF gegründet, das Innovationspotential ist enorm. Allerdings ist Cellestia die erste Firmengründung aus der EPFL, die ein Medikament in die klinische Entwicklung bringt. Wir sind froh, über den nun etablierten Ansatz mit zwei Standorten die positiven Elemente beider Regionen vereinen zu können.

Welche Voraussetzungen waren denn entscheidend, dass es schliesslich zur Zusammenarbeit und Firmengründung kam?

Es hat eigentlich von Anfang an alles gepasst. Zunächst einmal muss die persönliche Atmosphäre zwischen den beteiligten Persönlichkeiten stimmen. Dies war auch die Grundlage, um eine für alle Mitgründer faire Übereinkunft im Verständnis der Bewertung und Zuteilung der jeweiligen Anteile an der Firma zum Zeitpunkt der Gründung zu finden. Auf der anderen Seite war es natürlich zentral, dass die inhaltliche Prüfung des Projekts – sowohl was die wissenschaftlichen Grundlagen als auch was die Qualität der Daten betrifft – und die Prüfung des Patents sowie die Lizenzbedingungen der EPFL positiv waren. Wichtig war uns auch, dass das Risikoprofil überschaubar ist, also eine gute Balance zwischen Innovation und Bezug zu bereits geleisteter Forschung hält.

Wie wird sich Cellestia operativ weiterentwickeln?

Cellestia hat ja schon eine lange Vorgeschichte, beginnend mit den Forschungsaktivitäten an der EPFL. Mit der Managementerweiterung 2015 kamen neben mir weitere Mitgründer hinzu: Dirk Weber als Chief Medical Officer sowie die bereits erwähnten Mitgründer Ralf Rosenow und Roger Meier. Inzwischen beschäftigt Cellestia insgesamt sechs Mitarbeiter. Hinzu kommen zahlreiche Dienstleistungs- und Beratungsmandate, die je nach Bedarf unsere internen Ressourcen ergänzen. Insgesamt schätze ich, dass inzwischen weit über 100 Personen an Cellestia mitwirken, wenn man die externen Dienstleistungen mitberücksichtigt. Wir rechnen damit, dass wir mit dem Fortschritt unseres ersten Projekts in Richtung klinische Entwicklung weiter wachsen werden und das Team weiter ausbauen. Ausserdem möchten wir möglichst bald weitere Produkte in unserer Pipeline entwickeln. Dies wird sicherlich weitere finanzielle Mittel beanspruchen. Ebenfalls wird sich der Verwaltungsrat weiterentwickeln, der mit jeder Finanzierungsrunde erweitert und angepasst wird, um die neuen Investoren angemessen zu repräsentieren. Die Forschungsarbeiten laufen zunehmend über externe Dienstleister, sowie zum Teil weiterhin im Labor von Professor Freddy Radtke an der EPFL. Derzeit setzen wir mit der EPLF neue Rahmenverträge über die weitere Nutzung ihrer Infrastruktur auf. Die Flexibilität dort ist für uns sehr hilfreich.

Was sind die nächsten Meilensteine?

Ein entscheidender Meilenstein ist die Behandlung der ersten Krebspatienten. Wir hoffen, dass wir im Oktober die ersten Patienten behandeln können.

Wie sind die klinischen Studien aufgebaut?

Der Ablauf der klinischen Prüfung von neuen Wirkstoffen ist streng reglementiert. In der Phase-I-Studie wird zunächst die Verträglichkeit des Wirkstoffs geprüft. Hier werden wir Patienten behandeln, bei denen es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass sie an einer Krebsart leiden, bei denen NOTCH eine Rolle spielt. In der darauffolgenden Phase-II-Studie wird die Wirksamkeit unseres Medikaments in verschiedenen Krebsarten erforscht. Hier werden wir Patienten auswählen, bei denen die Aktivierung des NOTCH-Signalwegs mit einem von Cellestia etablierten Diagnoseverfahren nachgewiesen wird. Damit ist ein therapeutischer Nutzen für diese Patienten sehr wahrscheinlich.

Gab es bisher Überraschungen?

Nein, nicht wirklich, weil wir mit allem rechnen. Oder doch, ja, erfreuliche Überraschungen gab es: Wir waren aufgrund vieler Vorarbeiten schon sehr sicher, was den Wirkmechanismus angeht. Jetzt ist es aber nach langen Versuchen endlich gelungen, den exakten Bindungsmechanismus des Wirkstoffs nachzuweisen, was alle vorherigen Untersuchungen voll bestätigte. Dies ist auch die Grundlage dafür, das Programm deutlich auszudehnen. Wir können nun eine Plattform aufbauen, auf deren Grundlage wir neue Wirkstoffe für neue Indikationen generieren können. Ausserdem war es nicht ganz trivial, den Wirkstoff in grossem Massstab in hoher Qualität herzustellen. Dafür waren innovative Schritte nötig, die letztlich zu einem Patent führen.

Haben Sie schon die nächsten fünf Jahre vor Augen?

Wir sind sehr optimistisch, was unsere Erfolgsaussichten für Cellestia angeht und planen etwa zwei Jahre im Detail voraus. Natürlich haben wir auch einen Plan für die gesamte Entwicklung über fünf Jahre hinaus. Allerdings ändern sich solche Pläne erfahrungsgemäss immer wieder mit den erzielten Resultaten. Das ist auch der Reiz und die Herausforderung in der Medikamentenentwicklung – es lässt sich nicht alles im Detail vorausplanen und man muss flexibel auf neue Ergebnisse reagieren. Dies gilt selbstverständlich auch für eventuelle Rückschläge. Es ist wichtig, hinreichend Reserven zu haben, um diese zu verarbeiten und zu lösen. Dank der erfolgreichen Finanzierungsrunden, die wir im Januar 2017 abschliessen konnten, sind wir in der Lage, schon jetzt mit der Phase I zu beginnen und parallel die weitere Finanzierung in Angriff zu nehmen.

Wer hat bislang in Cellestia investiert?

Die ersten Investoren nach der Einlage des Gründungskapitals waren vor allem viele unserer Berater, also mit der Branche vertraute Experten sowie Privatpersonen, die sich als Investoren im Life-Sciences und Pharma-Sektor engagieren. Etwa ein Drittel der Aktionäre sind Experten aus dem Pharma und Life-Sciences Umfeld. Im Laufe der SEED A-, B- und C-Runde kamen dann auch einige grössere Investments seitens Family Offices hinzu. Der erste institutionelle Investor, die PPF Group, beteiligte sich nach einer ausführlichen Due Diligence, durchgeführt durch Experten der Firma Sotio. Insgesamt konnten wir bislang acht Millionen Franken mobilisieren, um die Produktentwicklung von Cellestia voranzutreiben. In Vorbereitung auf die nächste Finanzierungsrunde sind wir mit privaten Investoren, Venture Funds sowie Pharma-Unternehmen im Gespräch. Wir sind zuversichtlich, gute Partner für die nächste Phase von Cellestia gewinnen zu können. Die richtige Mischung aus Partnerschaft und Finanzierung ist wichtig. Wir brauchen starke Partner an Bord, um unser Medikament Patienten schnell zugänglich zu machen.


Zur Person
Michael Bauer (geboren 1966) ist seit November 2015 CEO bei Cellestia. Er studierte an der Universität Hamburg Chemie und absolvierte von 1994 bis 1997 sein Doktorat in Biotechnologie an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Nach dem Berufseinstieg in der Metabolismus-Forschung bei der Firma Zeneca in England wechselte er 2001 nach Basel zu Syngenta. Dort arbeitete er als Global Regulatory Affairs Manager, im Projekt- und Portfolio-Management. Von 2007 bis 2009 war er als Projektleiter bei Arpida, einer Biotech-Firma im Bereich Antibiotikaentwicklung, tätig. 2009-12 leitete er als Global Program Manager bei Novartis globale Entwicklungsprojekte im Bereich Onkologie und brachte eine Reihe von Produkten in die klinische Entwicklung. 2012-15 war er bei Polyphor Leiter der Klinischen Entwicklung. 

report Life Sciences

Novartis setzt bei Digitalisierung auf Kooperationen

13.10.2017

report ICT

Cloud ist für Digitalisierung entscheidend

10.10.2017

report Invest in Basel region

Roivant sorgt in Basel für Aufsehen

13.06.2017

Mehr als 150 Gäste wollten wissen, wie Vivek Ramaswamy die Zukunft des Gesundheitswesens sieht. Der Gründer von Roivant und fünf anderen Biotech-Unternehmen gab eine pointierte Grundsatzrede und nahm anschliessend an einem lebhaften Podiumsgespräch mit anderen Vertretern von Pharma- und Biotech-Unternehmen teil. Roivant und BaselArea.swiss hatten am 8. Juni gemeinsam Interessierte aus den Life Sciences in die Halle 7 im Basler Gundeldingerfeld geladen. Roivant liess sich kürzlich mit Unterstützung von BaselArea.swiss in Basel nieder.

Das Publikum folgte mit Interesse dem Vortrag des «Wunderkinds», wie das Magazin «Forbes» ihn betitelte. Ramaswamy hat eine Mission. «Wir konzentrieren uns auf vielversprechende Forschung und auf leidenschaftliche Forscher. So verringern wir systematisch Zeit, Kosten und Risiken, bis neue Medikamente auf den Markt kommen», sagte er. Roivant entwickelt Medikamente weiter, die von anderen Pharmafirmen aufgegeben wurden und die irgendwo in der Pipeline steckengeblieben sind. Seine Mittel, um doch noch einen alternativen Weg zum Ziel zu finden: Spitzentalente der Medikamentenentwicklung und aus anderen Wirtschaftszweigen konzentrieren sich in schlanken und dynamischen Strukturen auf die Assets.

Ramaswamy hat nicht nur die Muttergesellschaft Roivant, sondern auch fünf weitere Unternehmen gegründet, die spezifische Medikamente in verschiedenen Therapiegebieten entwickeln: Axovant beschäftigt sich mit Demenz, Dermavant mit der Dermatologie. Myovant konzentriert sich auf die Gesundheit von Frauen, Urovant auf die Urologie, und Enzyvant entwickelt Therapien für Patienten mit seltenen Krankheiten. Diese Unternehmen können auf die gemeinsamen Kapazitäten und Datenbanken zurückgreifen, die Roivant aufgebaut hat. Gleichzeitig entwickeln sie eigene Kapazitäten für ihre spezifischen Themenfelder und Märkte. Ramaswamy ist überzeugt, dass Daten zentral sind, um Medikamente rasch auf den Markt zu bringen.

Ohne Bürokratie in Basel angekommen

Ramaswamy wand in seiner Rede auch ein Kränzchen für Basel. «Hier kommen verschiedene Nationalitäten zusammen, auf der Strasse werden drei verschiedene Sprachen gesprochen.» Basel-Stadt und Basel-Landschaft seien zwar nicht gross, kämpften aber klar in einer Gewichtsklasse über ihrer eigenen. Er verwies auch auf die florierende Biotech-Szene und auf die tief verankerte humanistische Tradition. Ramaswamy dankte zudem den Basler Behörden für die niedrigen Einstiegshürden. «Es gab keine Bürokratie. Es war ein Vergnügen, sich hier anzusiedeln.»

Auf dem Podium diskutierten Vas Narashiman, Global Head of Drug Development und Chief Medical Officer bei Novartis, Jonathan Knowles, Chairman of the board of directors bei Immunocore Ltd, David Hung als CEO von Axovant und Vivek Ramaswamy über die Zukunft des Gesundheitswesens. Die Diskussion wurde von Alethia de Léon von BaselArea.swiss moderiert und vertiefte Themen wie das Sammeln und Teilen von Daten. Dabei wurden auch heikle Fragen zu den Herausforderungen und Chancen angesprochen, denen die Pharma derzeit gegenübersteht. So könnten Big Data und Biomarker der Branche helfen, Fragen rund um die Produktivität von Forschung und Entwicklung zu klären.

report Innovation

Junge Wissenschaftler bringen ihre Themen in die öffentliche Diskussion

09.10.2017

report ICT

Terria Mobile wird Teil von KPMG

05.10.2017

report BaselArea.swiss

Jahresbericht 2016: BaselArea.swiss ist erfolgreich gestartet

08.06.2017

In ihrem ersten Jahresbericht blickt die neuformierte BaselArea.swiss auf ein erfolgreiches 2016 zurück. Die gemeinsame Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura legte in sämtlichen Bereichen zu. So wurden 36 Firmenansiedlungen betreut, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 50 Prozent entspricht. Im Bereich der Innovationsförderungen verzeichnete man über 4000 Teilnehmende an 80 Veranstaltungen und konnte damit das regionale Netzwerk von 8000 auf 13’000 Innovatoren- und Experten vergrössern. Ebenfalls rege in Anspruch genommen wurden die Dienstleistungen von BaselArea.swiss bei der Förderung von Start-up-Projekten, die zu insgesamt 43 Neugründungen beigetragen haben.

Mit einem Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnete die Region Basel schweizweit das grösste Wachstum bei der Ansiedlung neuer Unternehmen. So konnte das Team der Standortpromotion von BaselArea.swiss 31 ausländische und fünf einheimische Unternehmen bei der Ansiedlung in der Region Basel beraten und unterstützen. 14 Unternehmen stammten aus den USA, gleich viele kamen aus Europa sowie drei aus dem asiatischen Raum. 19 der neu angesiedelten Unternehmen sind in den Life Sciences tätig.

«Die Zusammenlegung der Standortpromotion und der Innovations- sowie Start-up-Förderung unter einem Dach zahlt sich aus. Indem wir uns auf die Stärken der Wirtschaftsregion fokussieren, konnte der Standort als bedeutender Innovationshub in den Life Sciences und anverwandten Technologien deutlich an Kontur gewinnen», freut sich Christof Klöpper, CEO von BaselArea.swiss.

Wachsendes Netzwerk von Innovatoren und Experten

BaselArea.swiss konnte 2016 das Innovatoren- und Experten-Netzwerk deutlich vergrössern, von 8’500 Personen Ende 2015 auf mehr als 13’000 Personen Ende 2016. Damit unterstützt BaselArea.swiss Kunden sowohl bei Ansiedlungen wie auch bei Innovations- und Expansionsvorhaben durch gezielte Vermittlung von Wissen und Partnerschaften. Wesentlich zur Expansion des Netzwerks beigetragen haben die über 80 durch BaselArea.swiss organisierten Veranstaltungen. Diese verzeichneten insgesamt über 4000 Teilnehmende. Zudem unterstützte BaselArea.swiss in mehr als 180 Einzelberatungen Start-ups und Unternehmen auf individueller Basis unter anderem bei der Anbahnung von Kooperationen in Forschung und Entwicklung, aber auch bei der Herstellung von Kontakten zu potenziellen Kunden und Investoren. Insgesamt leistete BaselArea.swiss bei 43 Gründungen Beistand.

BaselArea.swiss ging aus der Fusion von i-net innovation networks, der Standortpromotion BaselArea sowie der China Business Platform hervor. Anfang 2016 nahm die Organisation unter der neuen Marke BaselArea.swiss mit vereinheitlichtem Dienstleistungsportfolio sowie neulanciertem Webauftritt ihre operative Tätigkeit auf. Darüber hinaus wurde das unternehmerische Profil gestärkt: So bilden Wirtschaftsvertreter neu die Mehrheit des von Domenico Scala präsidierten und für die strategische Ausrichtung zuständigen Vereinsvorstands von BaselArea.swiss.

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Roivant Sciences recognized with Tell Award for its investment in Basel, Switzerland

03.10.2017

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Myovant-Mittel ist gegen Gebärmuttertumore wirksam

03.10.2017

report BaselArea.swiss

Molekulare Fliessbänder, um den Körper zu heilen

08.06.2017

Stellen Sie sich vor, bestimmte Formen von Blindheit könnten geheilt werden. Oder stellen Sie sich vor, dass der Körper selbst Arzneimittel erzeugen könnte, um Krankheiten zu heilen. Beides könnte das Ergebnis des Sonderforschungsbereichs Entwicklung molekularer Systeme sein, des National Centre of Competence in Research Molecular Systems Engineering (NCCR MSE). Langfristig soll es molekulare Systeme und molekulare Fabriken schaffen, die hochwertige chemische Verbindungen produzieren. Ausserdem soll es Zellsysteme für neue Anwendungen in der medizinischen Diagnostik, der Therapie und der Behandlung entwickeln. NCCR MSE-Direktor Thomas Ward hat die Ziele hoch gesteckt: Er will Basel zum Koordinationszentrum des nächsten Europäischen Flaggschiffprojekts machen. Dabei geht es um eine Milliarde Euro.

Interview: Ralf Dümpelmann

Thomas Ward, Sie sind der Direktor des NCCR MSE. Wie kam es dazu?

Thomas Ward: Während meiner Arbeit an der Universität Neuenburg interessierten wir uns für künstliche Metalloenzyme. Wir brachten Ruthenium, von dem es in der Natur nicht viel gibt, in Proteine ein. Das Ergebnis war ein künstliches Metalloenzym. Aus Neugier haben wir damit weitergemacht und uns in der Forschungsgruppe stärker biologischen Fragen zugewandt. Schliesslich wollte ich mehr mit Molekularbiologen zusammenarbeiten. Das war einer der Hauptgründe, warum ich nach Basel gegangen bin. Als ich vor neun Jahren hier ankam, war das ETH Department of Biosystems Science and Engineering (D-BSSE) gerade nach Basel gezogen. Das veranlasste Professor Wolfgang Meier, damals Leiter des Departements Chemie unserer Universität, dazu, produktive Gespräche mit dem D-BSSE aufzunehmen. Am Ende bemühten sich er und Daniel Müller, der Co-Direktor des D-BSSE, um einen nationalen Sonderforschungsbereich (NCCR), der schliesslich vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert wurde.

Was war das Ziel des NCCR?

Wolfgang Meier und Daniel Müller sahen die Gelegenheit, eine Zusammenarbeit zwischen Biologen und Chemikern aufzubauen. Die Biologen waren stark auf die Chemie angewiesen, und die Chemiker konnten die nötigen chemischen Bausteine liefern, mit denen einige der grössten Herausforderungen der Biologie gelöst werden können. Das ist wissenschaftlich gesehen eine einzigartige Kombination. Aus meiner Sicht spiegelt sich das auch im Aspekt unseres Namens: molecular systems engineering – das System ist zentral.

Wollen Sie mit Hilfe der Chemie künstliche biologische Systeme bauen?

Am Ende unserer Forschungsarbeit wollen wir die Eigenschaften und die Komplexität lebender Systeme reproduzieren. Das kann man auf zwei Wegen erreichen. Die Chemiker nehmen einen Raum, bringen Objekte hinein und schauen zu, was dabei geschieht. Das ist der Ansatz von unten nach oben. In der Biologe wiederum nimmt man ein komplexes System und schliesst eine Komponente nach der anderen aus. Dabei konzentrieren sich Biologen darauf, das System zu berechnen. Und das tun sie gut. Sie können die Dinge kontrollieren, ohne dass sie die Einzelheiten dieser Systeme auf molekularer Ebene verstehen. Diese beiden Ansätze berühren sich an einer bestimmten Stelle – und da kommt unser NCCR ins Spiel.

Wie könnte das potenzielle Endergebnis aussehen? Ein kleiner Golem?

Wir werden ganz sicher nicht versuchen, bestimmte Bestandteile des Lebens zu imitieren. Wir konzentrieren uns stattdessen auf eine künstliche Organelle, etwas, das man in lebende Systeme einfügen kann. Das würde in lebenden Systemen funktionieren, ohne selbst alle Eigenschaften eines lebenden Systems zu haben. Ich nenne solche Komponenten molekulare Prothesen. Sie sind wie künstliche Legobausteine, die in lebende Systeme passen. Auf diesem Weg sind wir schon ziemlich weit vorangekommen.

Wie ist die Arbeit des NCCR strukturiert?

Das Netzwerk arbeitet während zwölf Jahren, eingeteilt in drei Phasen. Rund 30 Gruppen sind mit dem NCCR verbunden, davon sind etwa 20 in Basel. Wenn jemand ausserhalb Basels Kompetenzen hat, die wir brauchen, können er oder sie in das Netzwerk integriert werden. Das können Leute am Paul Scherrer Institut sein oder an der Universität Bern. Wir kommen jetzt ans Ende der ersten vierjährigen Phase. Für uns als Chemiker ist der erste Schritt die Synthese und das Zusammenfügen von Molekülen zu Modulen, also die Verbindung von mehreren Molekülen. So synthetisieren zum Beispiel Sven Panke am D-BSSE und ich künstliche Enzyme. Daniel Müller am D-BSSE manipuliert auf der anderen Seite Porenproteine, die es erlauben, den Transport von Substanzen und Produkten in eine Zelle und wieder heraus zu kontrollieren. Das Ziel ist es, eine künstliche Organelle zu schaffen, die zwei oder drei Enzyme enthält und diese Prothese in eine Zelle einzufügen. Damit können wir den natürlichen Stoffwechsel einer Zelle mit einem künstlichen Stoffwechsel ergänzen, um neue Chemikalien zu produzieren. Am Ende der ersten Phase werden wir idealerweise das Modulproblem gelöst haben. In der zweiten und dritten Phase können wir uns dann darauf konzentrieren, molekulare Fabriken und Zellsysteme zu schaffen.
Am Ende sollte eine solche chemische Fabrik etwas Nützliches produzieren können. Das Zellsystem sollte dazu genutzt werden können, eine Krankheit zu heilen. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es ein molekulares Fliessband, ganz im Geiste dessen, was Henry Ford im frühen 20. Jahrhundert entwickelt hat, aber diesmal auf molekularer Ebene.

Können Sie auf diesem Fliessband bereits ein stabiles System erzeugen?

Ja. Die Frage ist nur, wie stabil und für wie lange. Wir haben Systeme, die in einer Zelle während zwei Wochen funktionieren. Ob das ausreicht, um eine Krankheit zu heilen, muss sich noch zeigen.

Welchen Nutzen kann Ihre Arbeit bringen?

Unser Ziel ist es, die Art und Weise zu ändern, in der die Biologie und die Chemie langfristig funktionieren. Das ist eine riskante Strategie, aber der potenzielle Nutzen ist riesig.

Worin könnte dieser Nutzen bestehen?

Sie führen ein molekulares System oder ein Zellsystem in den Körper ein und dieses System heilt eine Krankheit.

Wann wird das möglich sein?

Es gibt bereits zwei sehr fortgeschrittene Systeme, beide initiiert und finanziert von unserem NCCR. Botond Roska vom Friedrich Miescher Institut für biomedizinische Forschung hat ein System entwickelt, dass in das Auge injiziert wird und die Sehkraft wiederherstellt. Die klinischen Tests für dieses System beginnen im Winter 2017. Das System beruht auf Gentechnik, bei der DNA so injiziert wird, dass das Auge wieder selbst Pigmente erzeugt. Das zweite System soll Diabetes heilen. Dabei werden körpereigene Fettzellen so umprogrammiert, dass sie in der Lage sind, Insulin zu produzieren. Dann werden sie in den Körper injiziert und erlauben ihm so, autonom Insulin zu produzieren, wenn er es braucht.

Werden diese Ideen in Start-ups weiterentwickelt?

Ja. In den vergangenen drei Jahren sind bereits zwei Start-ups entstanden. Auch die Diabetesbehandlung ist ein ernsthafter Kandidat für ein Start-up. Der Nationalfonds legt Wert auf diese Dinge. Er will, dass wir unsere Forschung auch anwendungsfähig machen.

Sie organisieren Ende August die International Conference on Molecular Systems Engineering. Was ist das Hauptziel?

Es ist eine Herausforderung, eine solche Konferenz zu organisieren. Denn üblicherweise wollen die Teilnehmer zu den Spezialisten ihres Fachgebiets sprechen. Wir aber wollen unsere Herangehensweise auf eine Reihe von unterschiedlichen Gebieten anwenden. Wir werden herausragende Referenten haben. Aber wir müssen die Leute überzeugen, dass es sich lohnt, das Thema von einer breiteren Perspektive her anzuschauen. Die gute Nachricht ist, dass es ähnliche Projekte in Europa gibt, in den Niederlanden und in Deutschland. Wir werden eine Vorkonferenz durchführen, bei der Doktoranden dieser anderen Projekte ihre Erfahrungen und Ideen mit Studenten unseres NCCR austauschen können.

Ist diese Konferenz ein Schritt des NCCR hin auf die europäische Ebene?

Vor vier Jahren hat die EU so genannte Leuchtturmprojekte finanziert. Das eine war das Graphene-Projekt in Manchester, das andere das Human Brain-Projekt an der ETH Lausanne. Diese Projekte haben ein Budget von einer Milliarde Euro. Es sieht so aus, als werde es in einigen Jahren eine weitere Runde dieser EU-Leuchtturmprojekte geben. Unser Ziel ist es, uns gemeinsam mit unseren Partnern in Deutschland und den Niederlanden dafür zu bewerben, um die Entwicklung der Technologie molekularer Systeme auf dem europäischen Niveau für die Zukunft zu sichern.

Die Konferenz wird in einzigartiger Weise auch Forschung und Kunst verbinden. Was ist die Idee dahinter?

Es geht dabei um Kommunikation und Ethik. Wir haben uns gefragt, wie wir über unsere Forschung sprechen können, obwohl sie für Laien ziemlich komplex ist. Eine Antwort auf diese Frage besteht darin, eng mit Künstlern zusammenzuarbeiten und zu sehen, wie sie interpretieren, was wir tun. Wir hoffen, dass dies die Öffentlichkeit besser ansprechen wird. Wir haben mit Künstlern zusammengearbeitet in der Hoffnung, dass sie das Interesse an unserer Forschung steigern können. Darüber hinaus beziehen wir die Öffentlichkeit in einen Dialog über ethische Fragen ein.

Wann beginnt dieser Dialog?

An unserer Konferenz wird das argovia philharmonic, das Aargauer Symphonie Orchester, eine Komposition vorstellen, die auf Illustrationen und Videos basiert, die wir zur Verfügung gestellt haben. Am gleichen Tag werden wir eine öffentliche Ethikdebatte durchführen. Ein Redaktor von «Science» wird die Debatte moderieren, drei Teilnehmer werden auf dem Podium sein. Wir hoffen, dass der Spezialist für Bioethik von der Päpstlichen Akademie für das Leben an der Debatte teilnehmen wird; die anderen beiden werden Wissenschaftler sein.

Was ist für Sie aus wissenschaftlicher Sicht der aufregendste Aspekt dieses NCCR?

Als wir begonnen haben, wählten wir einen sehr breiten Ansatz und hatten eine ganze Reihe von Forschungsprojekten, die durch unsere Neugier getrieben wurden. Ohne diesen Ansatz wären wir in diesen drei Jahren nicht so weit gekommen. In der zweiten Phase – wir haben gerade die vorbereitenden Unterlagen eingereicht – werden wir uns viel stärker fokussieren.

Was wollen Sie am Ende des NCCR erreicht haben?

Wenn wir auch nur ein einziges Produkt bis zur Anwendung bringen könnten, wäre das schon ein schönes Ergebnis. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass wir sagen könnten: Dieses NCCR hat einige Formen von Blindheit heilen können.


Zur Person:

Professor Thomas Ward, geboren 1964 in Fribourg, ist Direktor des NCCR Molecular Systems Engineering. Er leitet die Ward-Gruppe am Departement für Chemie der Universität Basel. Die Forschung der Gruppe konzentriert sich auf die Nutzung von Proteinen als Träger metallorganischer Komponenten mit Anwendungen in der Katalyse und in der Nanobiotechnologie.
Ward hat organische Chemie an der Universität Fribourg studiert und an der ETH Zürich promoviert. Es folgten ein erstes Postdoc bei Roald Hoffmann an der Cornell Universität in der Theorie und dann ein zweites Postdoc in Lausanne. Er erhielt anschliessend ein A. Werner Stipendium und zog nach Bern, wo er habilitiert wurde. Im Jahr 2000 ging er nach Neuenburg, 2009 nach Basel. Er erhielt 2016 den prestigereichen ERC advanced grant und 2017 den Preis für bioanorganische Chemie der Royal Society of Chemistry.

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„Ich erlebe in Basel ein sehr innovationsfreundliches Klima“

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Am Anfang standen Forschungsressourcen aus einem Vierteljahrhundert. Simon Ittig und seine Kollegen am Departement Biozentrum der Universität Basel haben daraus ein Forschungsprojekt und schliesslich ein Startup gemacht. T3 Pharmaceuticals entwickelt neue Therapien zur Behandlung fester Tumore.

Wie kam es zu T3 Pharma?

Simon Ittig: Ich habe am Biozentrum in der Gruppe von Professor Guy Cornelis doktoriert, die sich hauptsächlich mit einem Nadelsystem von Bakterien beschäftigte. Bakterien brauchen diese Nadeln, um Proteine in Zellen zu schiessen und ihre Pathogenese zu etablieren. Mein Doktorvater hatte diesen Mechanismus 25 Jahre zuvor mitentdeckt und seither auf diesem Gebiet geforscht. Als ich 2012 das Doktorat abschloss und Professor Cornelis emeritierte, konnte ich viele Ressourcen wie Bakterienstämme und Studienprotokolle übernehmen. Als Postdoc in einer anderen Gruppe am Biozentrum beschäftigte ich mich mit der Frage, wie Proteine schnell in Zellen transportiert werden können. Das brachte mich zurück auf meine Sammlung an Bakterienstämmen, da diese von Natur aus genau das machen. In kurzer Zeit gelang es mir zu zeigen, dass ein solcher Proteintransport auch wirklich funktioniert und zwar schnell, effizient und synchron. Dieses Potential hat mich und meine Forschungskollegen gepackt.

Wozu genau kann diese Technologie verwendet werden?

Wenn man Bakterien hat, welche spezifische, beispielsweise humane Proteine in Zellen transportieren, kann man diese Zellen nach Wunsch stimulieren. Schon länger weiss man, dass Bakterien zu festen Tumoren wandern. Entsprechend haben wir uns auf das Gebiet der festen Tumoronkologie fokussiert und konnten überraschend schnell beeindruckende Ergebnisse erzielen. Wir verfügen nunmehr über Bakterien, die über längere Zeit spezifisch im Tumor wachsen. Zudem können wir diese nun auch so programmieren, dass sie bestimmte Wirkstoffe produzieren und in die Zellen abgeben. Und zwar genau dort, wo diese Substanzen wirken können. Unsere Technologie zeigt dabei eine grosse Stabilität.

War es für Sie naheliegend, mit dieser Idee sogleich eine Firma zu gründen?

Ja, diese Idee kam relativ früh. Die erste finanzielle Unterstützung der KTI, der Krebsliga und und kleineren Stiftungen erhielten wir noch als rein akademische Forscher. Dass wir uns mit unserer Technologie für den Proteintransport selbständig machen wollen, war dann bereits klar. Die Gründung einer eigenen Firma war auch eine Voraussetzung für die weiteren Forschungsgelder von KTI. Das Biozentrum hat uns bei der Ausgründung in vielen Bereichen unterstützt. Die Patente gehören zwar nach wie vor der Universität, wir verfügen aber über eine exklusive weltweite Lizenz.

Wie haben Sie T3 Pharma finanziert?

Zum Start und auch in der Folge haben wir substantielle Beträge an Forschungsgeldern erhalten. Die Mittel sind allerdings in der Regel an Löhne und Verbrauchsmaterial gebunden. Stiftungen wollen in erster Linie die eigentliche Forschungsarbeit finanzieren. Irgendwann kommt man damit an Grenzen, weshalb wir begannen, aktiv nach Investoren für unsere Firma zu suchen.

Mit grossem Erfolg, was war ausschlaggebend?

Zuerst einmal muss natürlich die Geschäftsidee stimmen. Zweitens braucht es ein grosses und gegenseitiges Vertrauen. Das ganze Setup sollte geeignet sein, die Firma einige Jahre zu begleiten. Wenn man alle zwei Jahre wieder Monate braucht, um eine nächste Finanzierungsrunde zu sichern, bindet das zu viele Ressourcen, bringt viel Unsicherheit und lenkt von den Forschungstätigkeiten ab. Aus diesem Grund haben wir Investoren gesucht und gefunden, welche die finanziellen Möglichkeiten und das notwendige Verständnis haben, an uns glauben und bereit sind, mit uns einen langen Weg zu gehen.

Sie waren also in einer privilegierten Lage und konnten Investments auch ausschlagen?

Vielleicht. Ich bin überzeugt, dass man nicht jedes Angebot annehmen sollte, wenn man nicht muss. Wir prüfen sorgfältig, an welche Bedingungen eine Finanzierung geknüpft ist und wollen auch ein Gefühl für die Absichten der Investoren erhalten. Empfehlenswert ist es auch, sich Optionen offen zu halten. Wer sich zu früh mit etwas zufrieden gibt, dem kann dies später sehr teuer zu stehen kommen.

Sie haben über 2 Millionen von Stiftungen erhalten. Das ist ungewöhnlich viel für ein Startup?

Der Aufwand für eine solche Finanzierung ist natürlich auch sehr hoch, besonders am Anfang, wenn man noch keinen Leistungsausweis vorweisen kann und noch keine Forschungsgelder erhalten hat. Entscheidend ist, frühzeitig erfahrene Leute an Bord zu holen. Das gibt den Stiftungen die nötige Sicherheit bezüglich der Umsetzbarkeit des Projekts. Wichtig ist auch, kleinere Beträge wert zu schätzen. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich von einem sehr erfahrenen und erfolgreichen Wissenschaftler, Prof. Nigg, viel über die Kunst des Antragschreibens lernen konnte. Mit den Professoren Nigg vom Biozentrum und Christofori vom Departement Biomedizin hatten wir schon früh ein fachlich stimmiges und interdisziplinäres Konsortium gebildet. Ohne diese beiden erfahrenen Professoren gäbe es unsere Firma in dieser Form nicht.

Wie hoch war denn die Erfolgsquote?

Ich schätze, dass wir bisher auf die Hälfte unserer Gesuche eine positive Antwort erhalten haben.

Mit diesem Stiftungsgeld sind Sie weit gekommen, aber die nächsten Schritte machen sie mit Unterstützung von Privatinvestoren. Ist das besser, als auf Risikokapitalgesellschaften zu setzen?

Selbstverständlich haben wir beide Alternativen geprüft. Private und institutionelle Investoren schliessen sich ja gegenseitig nicht aus. Wir haben nun jedoch Privatpersonen bevorzugt, weil sie in der Regel selber oder in kleinen Gremien und somit schneller entscheiden, ob sie investieren wollen oder nicht. Ein zweiter Punkt: Es ist mir persönlich auch wichtig, dass wir gemeinsam eine Vorstellung der nächsten Jahre entwickeln und auf diese Ziele hinarbeiten. Die Interaktionen, die gemeinsame Vision und das Gefühl einer ähnlichen Wertehaltung bringen viel Freude und Zuversicht. Es muss einfach stimmen, fachlich und menschlich.

Wie findet man private Investoren?

Eigentlich geht das nur über ein gutes Netzwerk und unsere erfahrenen Berater. Denn im Unterschied zu Risikokapitalgesellschaften halten sich Privatinvestoren eher diskret im Hintergrund. Es ist deshalb wichtig, sich schon früh Gedanken über die Positionierung des eigenen Unternehmens, des Teams und seiner Technologien zu machen. Eine gut geplante Kommunikation hilft. Sind die Ideen erst einmal bekannt, kommt man leichter in Kontakt mit den richtigen Leuten. Wer in einem Gespräch überzeugt, hat gute Chancen, dass sich ein Privatinvestor engagiert.

Was sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Die Finanzierung von T3 Pharma ist vorerst gesichert. Wir können uns somit auf unsere Forschung konzentrieren und darauf, unsere Technologie zu validieren und die präklinische Entwicklung vorzubereiten. Mittlerweile beschäftige ich mich als CEO mit Arbeiten ausserhalb des Labors, während sich meine vier Kollegen voll auf die Forschung konzentrieren.

Was ist Ihre langfristige Vision?

Wir wollen unsere Technologie bis zur Anwendung im Patienten bringen. Das ist unser grosser Treiber in der täglichen Arbeit. Wie und wann wir dieses Ziel erreichen werden, kann ich heute noch nicht sagen, auch nicht, ob es dann T3 Pharma noch als selbständiges Unternehmen gibt. Wer weiss schon, was die Zukunft bringt. Wir sind deshalb offen und fokussieren uns zuerst auf unsere Forschung.

Wie nehmen Sie das hiesige Ökosystem für Jungunternehmer wahr?

Wir haben eine gute Anbindung an die Universität und schätzen die offenen Türen. Wer sich traut und auf die Leute zugeht, erhält viel Unterstützung. Ich erlebe in Basel ein sehr innovationsfreundliches Klima. Natürlich bildet der grosse Life-Sciences-Cluster ein unheimlich positives Umfeld für Startups wie wir. Auch die Innovationsförderung von BaselArea.swiss hilft auf unkomplizierte Art, wenn es darum geht, die richtigen Leute zu treffen.

Dennoch: punkto Startups hinkt Basel anderen Standorten hinterher. Was müsste unternommen werden?

Ohne Eigeninitiative und Durchhaltewillen läuft gar nichts. Wer beides hat, findet hier in Basel und der Schweiz beste Voraussetzungen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich den informellen Austausch an der Universität stärker institutionalisieren. Früher Input von erfahrenen Fachspezialisten zu einer Startup-Idee könnte jungen Forschern dabei helfen, Selbstvertrauen für die nächsten Schritte zu tanken und die eigenen Ideen erfolgreicher vor einem Gremium zu präsentieren. Eine Absage kann manchmal ganz schön entmutigend sein.

Gibt es denn viele Ideen, die so ungeboren begraben werden?

Ja, es gibt sie und ich finde das sehr schade. Es ist für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit, sich vor andere hinzustellen und zu sagen „Ich will das, ich kann das und ich mache das.“ Nur wenige Jungforscher trauen sich zu, eine derart grosse Hürde zu nehmen und auch mal ein Projekt gegen Widerstände zu verfolgen. Viele talentierte junge Wissenschaftler bleiben so auf der akademischen Schiene und publizieren weiter, bis irgendwann der Zug für ein Startup abgefahren ist. Es würde helfen, wenn sie ihre Ideen informell diskutieren könnten, ohne gleich alles an die grosse Glocke hängen zu müssen. Ich bin überzeugt, es gäbe noch mehr innovative Startups. Denn ist diese Hürde erst einmal überwunden, erhält man unglaublich viel Unterstützung auch von fachfremden Professoren, die zum Weitermachen ermutigen. So ist es mir ergangen.

Und was sagt Ihr Doktorvater zu T3?

Er hat eine Riesenfreude an uns. Guy Cornelis berät uns auch wissenschaftlich und hilft uns, wo er kann. Das Verhältnis hat sich inzwischen auch verändert und ist sehr freundschaftlich. geworden.

Zur Person:

Dr. Simon Ittig hat an den Universitäten Bern, Wien und Strassburg Biochemie und Biotechnologie studiert und am Biozentrum der Universität Basel in Mikrobiologie promoviert. Aus einem Forschungsprojekt zum Thema Typ 3-Technologien – Bakterien als vielseitige Werkzeuge für den Proteintransport wurde das Startup T3 Pharmaceuticals.

report Life Sciences

Narasimhan will klinische Studien revolutionieren

27.09.2017

report Life Sciences

Roche erhält drei wichtige Zulassungen

25.09.2017

report Invest in Basel region

Schweiz bleibt für Firmen attraktiv

05.04.2017

Bern - Im vergangenen Jahr haben sich in der Schweiz ebenso viele ausländische Firmen niedergelassen wie im Jahr zuvor. Die Standortpromotion warb dabei vor allem um innovative Unternehmen mit hoher Wertschöpfung.

Einer Mitteilung der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz (VDK) zufolge haben sich im vergangenen Jahr 265 neue ausländische Firmen in der Schweiz niedergelassen. Dadurch wurden insgesamt 1005 neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Jahr zuvor waren 264 Ansiedlungen und 1082 zusätzliche Arbeitsplätze verzeichnet worden

„Mit Blick auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld“ spricht die VDK in der Mitteilung von einem „soliden Ergebnis“. Trotz starkem Franken und Unsicherheiten bei den steuerlichen und politischen Rahmenbedingungen könne sich „der Standort Schweiz im internationalen Umfeld offensichtlich behaupten“.

Der gleichzeitig veröffentlichten Übersicht zufolge bildeten die Life Sciences mit 60 Unternehmen den Spitzenreiter bei den Neuansiedlungen, gefolgt von 52 Unternehmen aus der ICT-Branche. Jeweils 23 Neuansiedlungen kamen aus den Bereichen Handel und Rohstoffe sowie Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Insgesamt 18 der neuen Firmen sind in der Finanzbranche tätig, zwölf arbeiten im Bereich Cleantech und Greentech.

In diesem und den nächsten Jahren will die von der Steuerungsgruppe Landesmarketing (SG LM) geführte Standortpromotion des Bundes und der Gemeinden Switzerland Global Enterprise vermehrt um Firmen in Schlüsselindustrien werben. In den wichtigen Märkten Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, USA, Japan, Indien, China, Grossbritannien und Brasilien kann sich die Schweiz dabei auf die Zusammenarbeit mit den Swiss Business Hubs (SBH) an den Schweizer Botschaften stützen. hs

report Life Sciences

Roivant Sciences gründet Datavant

21.09.2017

report Production Technologies

The Swiss Conference on Printed Electronics and Functional Materials

21.09.2017

report Invest in Basel region

Schweizer zählen zu den glücklichsten Menschen

20.03.2017

Die Schweiz gehört laut dem neuesten Weltglücksbericht zu den vier glücklichsten Ländern weltweit. Bei der Studie werden unter anderem das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und das Vertrauen in die Regierung und Unternehmen berücksichtigt.

Die Schweiz hat es beim diesjährigen Weltglücksbericht auf den Platz vier geschafft. Sie zählt damit zusammen mit Norwegen (Platz eins), Dänemark (Platz zwei) und Island (Platz drei) zu den Ländern mit den glücklichsten Menschen weltweit. Die Autoren des Berichts weisen jedoch darauf hin, dass der Unterschied zwischen den vier Ländern an der Spitze sehr gering ist. Somit ändert sich die Reihenfolge bei den Spitzenplätzen jedes Jahr ein bisschen. Im Jahr 2015 lag die Schweiz etwa auf Platz eins.

Zu den besten 20 Ländern gehören unter anderem auch Finnland (Platz fünf), Kanada (Platz sieben), Israel (Platz elf), Costa Rica (Platz zwölf), die USA (Platz 14) und Deutschland (Platz 16). Am untersten Ende der Skala befindet sich die Zentralafrikanische Republik.

Für den Bericht haben internationale Forscher insgesamt 155 Länder untersucht. Bei der Auswertung werden sowohl Länderdaten als auch die Ergebnisse von Befragungen zur Selbstwahrnehmung der Einwohner berücksichtigt. Verglichen werden beispielsweise Faktoren wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, die durchschnittliche Lebenserwartung sowie das Vertrauen in die Regierung und Unternehmen bezüglich Korruption. Es wird jedoch auch in Betracht gezogen, wie frei sich Menschen bei grundlegenden Entscheidungen bezüglich ihres eigenen Lebens fühlen oder wie grosszügig sie bei Spenden sind.

 

report Life Sciences

Keith A. Katkin übernimmt bei Urovant

19.09.2017

report Life Sciences

Ascensia Diabetes Care erleichtert Insulinmanagement

12.09.2017

report Invest in Basel region

Basel besticht mit Lebensqualität

14.03.2017

Basel gehört zu den zehn Städten, die weltweit die höchste Lebensqualität aufweisen. Dies zeigt die neue Städterangliste vom Beratungsunternehmen Mercer, bei der Basel 2017 zum ersten Mal bewertet wurde.

Der Einstieg von Basel beim weltweiten Index für Lebensqualität von Mercer war ein Erfolg. Ausländische Arbeitnehmer haben der Stadt hervorragende Noten gegeben. So teilt sich Basel gemeinsam mit Sydney den Platz zehn auf der Rangliste. Den ersten Platz belegt in diesem Jahr erneut die Stadt Wien, gefolgt von Zürich. Platz drei erhält das neuseeländische Auckland und Platz vier München. Mit Genf (Platz acht) und Bern (Platz 14) schaffen es auch zwei weitere Schweizer Städte unter die besten 20.

Insgesamt wurden im Rahmen der Studie 231 Grossstädte miteinander verglichen. Zur Beurteilung der Lebensqualität in den einzelnen Städten wurden 39 Kriterien in Betracht gezogen. Zu diesen zählen unter anderem politische, soziale, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte. Beachtet werden jedoch auch Faktoren wie Gesundheit oder Bildungsangebote.

Eine wichtige Bedeutung wird weiter der Infrastruktur zugemessen. Dazu zählen beispielsweise die Wasserversorgung, Kommunikations- und Postdienstleistungen, der öffentliche Nahverkehr und die Verfügbarkeit von internationalen Flügen. Diesem Kriterium wurde ein eigenes Ranking gewidmet. Hier belegt Basel zusammen mit Bern den Platz 23. Zürich belegt gemeinsam mit Vancouver den Platz neun. Angeführt wird die Rangliste von Singapur.

Die jährliche Städterangliste von Mercer soll unter anderem multinationalen Unternehmen beim Vergleich von unterschiedlichen Standorten helfen.

report BaseLaunch

Weiterer Healthcare-Partner beim BaseLaunch Accelerator

08.09.2017

report Life Sciences

Michael N. Hall erhält Lasker-Award

07.09.2017

report BaselArea.swiss

Startup-Accelerator BaseLaunch will vielversprechende Healthcare-Jungunternehmen an den eu...

22.02.2017

BaseLaunch, das neue Schweizer Beschleunigungsprogramm für Healthcare-Startups, bietet ausgesuchten Jungunternehmen Zugang zur Life-Sciences-Wertschöpfungskette der Region Basel. Das von BaselArea.swiss initiierte und operativ geführte BaseLaunch geniesst die Unterstützung von Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation sowie Pfizer und ist Healthcare-Partner des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland.

BaselArea.swiss, die Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, lancierte heute den neuen Schweizer Healthcare-Startup-Accelerator BaseLaunch. BaseLaunch soll die einzigartige Position der Region Basel als globale Drehscheibe der Life-Sciences-Branche und deren steigende Popularität bei Investoren nutzen, um die nächste Generation erfolgreicher Firmen mit einem auf Healthcare-Unternehmer zugeschnittenen Angebot anzuziehen.

“Eine gesunde und gut abgestützte Startup-Szene ist eine Voraussetzung, um den absoluten Spitzenplatz der Schweizer Life-Sciences-Wirtschaft zu stärken und weiter auszubauen”, hielt Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss, fest. “Es besteht viel Nachholbedarf für die Schweiz in diesem Bereich und BaseLaunch ist ein strategisches Verbindungsstück, um diese Lücke zu schliessen.” “Die Erfahrung von BaselArea.swiss im Vernetzen von Innovatoren und in der Förderung von Unternehmern erlaubt es BaseLaunch, sich spezifisch auf die Bedürfnisse von Healthcare-Startups zu konzentrieren. Gleichzeitig bereichert BaselArea.swiss auf diesem Weg die herausragende Innovationslandschaft der Schweiz, besonders im Gebiet der Life-Sciences”, bemerkte Dr. Christof Klöpper, CEO von BaselArea.swiss. BaseLaunch ist das designierte Healthcare-Programm im Rahmen des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland und pflegt Partnerschaften mit weiteren etablierten öffentlichen sowie privatwirtschaftlichen Organisationen. Es ist somit eng an wichtigen nationalen und regionalen Initiativen ausgerichtet. Bereits heute geniesst BaseLaunch die Unterstützung weltweit tätiger bio-pharmazeutischer Unternehmen und Innovationsführer wie Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation und Pfizer. Als Healthcare-Partner bringen sie sich in BaseLaunch ein, um bahnbrechende und förderungswürdige Innovationen zu finden, die dringenden medizinischen Herausforderungen begegnen. „BaseLaunch will die besten Innovatoren im Healthcare-Bereich unterstützen, indem es ihnen direkten Zugang zu gründerfreundlichen Geldmitteln, Knowhow, Branchenkontakten und einer hochmodernen Infrastruktur verschafft. Wir möchten die Startups individuell anleiten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, vollends in der Life-Sciences-Wertschöpfungskette aufzugehen“, erklärte Alethia de Léon, CEO von BaseLaunch.

Ein Programmzyklus erstreckt sich über zwei Phasen und insgesamt 15 Monate. In der ersten Phase, die drei Monate dauert, arbeiten die Firmengründer eng mit dem Team von BaseLaunch und einem Netzwerk erfahrener Unternehmer und Berater an der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee. Die finanziellen Beiträge von BaseLaunch hierfür reichen bis 10 000 Franken pro Projekt. Bis zu drei Startups werden für die zweite Phase ausgewählt und erhalten dort die Chance, in den Labors des Switzerland Innovation Park Basel Area innerhalb eines Jahres Forschungsdaten zu generieren und Meilensteine ihres Businessplans zu erreichen. Hierfür werden ihnen bis zu 250 000 Franken an Fördergeldern zugesprochen.

Bewerbungen für den ersten Zyklus des Programms nimmt BaseLaunch bis zum 30. Juni 2017 entgegen. Weitere Programmzyklen beginnen in der zweiten Hälfte 2018 und 2019. Ein Auswahlkomitee bestehend aus Branchenexperten wählt unter den Bewerbern die Startups aus, die in das Programm aufgenommen werden.

 

Statements der Healthcare-Partner von BaseLaunch

Richard Mason, Head, Johnson & Johnson London Innovation Centre:
„Dieses Programm stellt ausgewählten Startups Fördergelder und Laborplätze zur Verfügung, ohne eine Beteiligung am Firmenerfolg als Gegenleistung zu fordern. Dies macht deutlich: Wir wollen hier für Startups eine optimale Umgebung schaffen, die sich darauf konzentriert, bahnbrechende Wissenschaftsleistungen und grossartige Ideen im Schweizer Kontext zu unterstützen.“

Dr. Anja König, Managing Director, Novartis Venture Fund:
„Wir helfen gerne dabei, der Anziehungskraft der Region Basel für europäische Healthcare-Jungunternehmen weitere Energie zuzuführen, indem wir Startups die Unterstützung zukommen lassen, die sie zur Beschleunigung ihrer Entwicklung benötigen.“

Uwe Schoenbeck, Chief Scientific Officer, External Research and Development Innovation & Senior Vice President, Worldwide Research and Development, Pfizer:
„Durch Pfizers Unterstützung von BaseLaunch hoffen wir, das Tempo zu beschleunigen, in dem verheissungsvollen wissenschaftlichen Errungenschaften in potenzielle Arzneimittel umgewandelt werden.“

 

report Invest in Basel region

Halozyme Therapeutics opens European headquarters

05.09.2017

report ICT

Der erste BaselHack: Schnell und kreativ

05.09.2017

report BaselArea.swiss

Bloggen, twittern, sharen und liken: BaselArea.swiss goes Social Media

09.02.2017

BaselArea.swiss hat einen neuen Social Media-Auftritt. Im Zentrum steht der Innovation Report, der als Blog regelmässig über wichtige Themen aus unseren Service-Bereichen und Technologiefeldern informiert sowie wichtige Informationen für die Innovationslandschaft Nordwestschweiz liefert. Der Innovation Report bietet die Möglichkeit, Neuigkeiten zu filtern, zu teilen und zu kommentieren.

BaselArea.swiss auf LinkedIn
Auf LinkedIn sind wir nicht nur mit einer allgemeinen Firmenseite präsent, sondern wir haben auch vier sogenannte Fokusseiten zu unseren Servicebereichen Invest in Basel Region, Connecting Innovators, Supporting Entrepreneurs und Accessing China. Diese werden von unseren Experten betreut und eröffnen einen breiteren Blick auf die Aktivitäten und Geschehnisse innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz. Wir freuen uns über Follower – auch auf der generellen Firmenseite, die in erster Linie Events oder regionale Neuigkeiten verbreitet.

Noch mehr Interaktion sowie aktuelle Informationen aus den Innovationsbereichen versprechen unsere LinkedIn-Gruppen Life Sciences by BaselArea.swiss, Medtech by BaselArea.swiss, Micro, Nano & Materials by BaselArea.swiss sowie Production Technologies by BaselArea.swiss, die durch die jeweiligen Technologiefeldmanager betreut werden. Sie halten Interessierte über die neuesten Entwicklungen in den Technologien innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz auf dem Laufenden.

Spezialgruppen auf LinkedIn
Ausserdem betreibt BaselArea.swiss drei weitere LinkedIn-Gruppen: 3D Printing Schweiz, Entrepreneurs in Northwestern Switzerland und Precision Medicine Group Basel Area. In der Precision Medicine-Gruppe bilden Industrie-Experten von Novartis, Actelion und Roche gemeinsam mit BaselArea.swiss eine offene und hochspezialisierte Gemeinschaft von Experten, Forschern und Unternehmern. Ziel ist es, aus der wachsenden Digitalisierung neue Chancen und Möglichkeiten für die Life Sciences- und Healthcare-Industrie zu entwickeln.

Die 3D-Printing-Gruppe möchte die rapide Entwicklung der Technologie weltweit dokumentieren und Interessierte dazu einladen, ihre Gedanken und Kommentare zu teilen. Mit der Entrepreneurs-Gruppe sprechen wir sowohl Personen an, die bereits von unseren Services profitiert haben, als auch Investoren, erfahrene Unternehmer oder KMUs, die erfahren möchten, was Jungunternehmer in der Region benötigen und was sie bewegt.

BaselArea.swiss auch auf Twitter und Xing
@BaselAreaSwiss zwitschert auf Twitter. Ob Veranstaltungshinweise, neueste Nachrichten, Hinweise auf interessante Neuigkeiten von Partnern oder auch einfach mal eine Schmunzelstory: BaselArea.swiss hält Sie hier mit eigenen Beiträgen, Retweets und Favoriten auf dem Laufenden.

Auch auf Xing ist BaselArea.swiss mit einer Firmenseite vertreten. Hier informieren wir regelmässig über spannende Events oder thematisch breiter gefasste Neuigkeiten aus der Region Nordwestschweiz.

Finden Sie uns auf den Social Media-Kanälen und treten Sie mit uns in Kontakt!
Wir freuen uns über einen regen Austausch und hoffen, zahlreiche neue Follower zu finden.

Link-Liste

Innovation Report: Link
Twitter: Link
Xing: Link
LinkedIn BaselArea.swiss
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LinkedIn Fokusseiten: Invest in Basel Region
Connecting Innovators
Supporting Entrepreneurs
Accessing China
LinkedIn Technologie-Gruppen: Life Sciences by BaselArea.swiss
Medtech by BaselArea.swiss
Micro, Nano & Materials by BaselArea.swiss
Production Technologies by BaselArea.swiss
Andere LinkedIn-Gruppen:

3D Printing Schweiz
Entrepreneurs in Northwestern Switzerland
Precision Medicine Group Basel Area

 

Artikel von Nadine Nikulski, BaselArea.swiss 

report Life Sciences

Der Kongress «Basel Life» verbindet Wissenschaft und Business

05.09.2017

report Medtech

«Medtech & Pharma Platform» erneut in Basel

04.09.2017

report BaselArea.swiss

Basler Initiative fördert Life-Science-Jungunternehmen

01.02.2017

Die vom Standortförderer BaselArea.swiss initiierte und durchgeführte Accelerator-Initiative BaseLaunch ist neuer Partner des Förderprogramms für Jungunternehmen Kickstart. Dadurch werden im zweiten Programm von Kickstart auch Life-Science-Start-ups gefördert.

BaseLaunch wird am 22. Februar lanciert, wie BaselArea.swiss in einer Ankündigung bekanntmacht. Die Initiative will die nächste Generation von Life-Science-Unternehmen in der Region Basel hervorbringen. Dazu dient auch die Zusammenarbeit mit Kickstart, einem der grössten firmenübergreifenden Förderprogramme für Jungunternehmen in Europa und der wichtigsten Initiative von digitalswitzerland. Kickstart startet nun sein zweites Programm.

„Mit der zweiten Edition in Zürich und Ausweitung nach Basel erreicht digitalswitzerland ein wichtiges Etappenziel: die Durchführung des grössten europäischen Start-up-Accelerators“, wird Nicolas Bürer, Managing Director bei digitalswitzerland, in einer Medienmitteilung von digitalswitzerland und Kickstart zitiert. In Basel, „dem Life Sciences Hotspot der Schweiz“, könne somit „bisher unentdecktes Innovationspotenzial erschlossen werden“, heisst es ergänzend in der Mitteilung.

Für den Kickstart Accelerator werden maximal 30 Jungunternehmen ausgewählt, die ihre Ideen in einem elfwöchigen Programm im Impact Hub Zürich weiterentwickeln können. Neben den Life Sciences werden die Start-ups aus den Branchen Nahrungsmittel, Finanztechnologie, intelligente Städte und Robotersysteme kommen. Die Start-ups werden dabei von hochkarätigen Mentoren und Partnerfirmen unterstützt. Sie können bis zu 25.000 Franken gewinnen und erhalten monatliche Stipendien. „Durch die Zusammenarbeit mit Grossunternehmen profitieren die Jungunternehmer vom Know-how der Grossfirmen, dem Zugang zu einem grossen Kundennetzwerk und der Möglichkeit gemeinsamer Produktentwicklungen“, heisst es von Carola Wahl, Head of Transformation & Market Management bei AXA Winterthur, einer der Partnerfirmen.

Interessierte Jungunternehmen können sich bei Kickstart Accelerator bewerben.

 

report Life Sciences

Vas Narasimhan übernimmt bei Novartis

04.09.2017

report Life Sciences

Novartis erhält grünes Licht für Gentherapie

31.08.2017

report BaselArea.swiss

In Basel ensteht ein Innovationshub für Precision Medicine

24.01.2017

Eine von BaselArea.swiss initierte Interessensgruppe von Healthcare-Experten aus der Life Science Industrie und der Forschung lanciert in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt DayOne.

Am Montag, 16. Januar 2017, fanden sich Entscheidungsträger aus Industrie, Universität und Gesundheitswesen auf Einladung von Christoph Brutschin im Basler Volkshaus ein, um der Lancierung von Day One - the innovation Hub for Precision Medicine - beizuwohnen. Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements des Kanton Basel-Stadt machte in seinem Eröffnungsstatement klar, worum es bei der von der Innovation und Standortförderung BaselArea.swiss zusammen mit einem Core Team von Industrieexperten aufgesetzten Initiative geht, nämlich um die nächste Entwicklungsstufe in den Life Sciences, in der sich der Standort Basel weiterhin behaupt soll. Dass die zunehmende Digitalisierung in der Healthcare Industrie nicht nur für Disruptionen sorgen wird, sondern eben auch ein grosses Potenzial birgt, sofern die richtigen Weichen gestellt werden, war dann auch das Leitthema des Abends.

Die Einführung in das Thema kam von Peter Groenen, Head of Translational Science bei Actelion und gemeinsam mit anderen Industrieexperten einer der Initiatoren von Day One. Groenen führte auf, weshalb das lineare Innovationsparadigma, bei dem meist erst spät im Prozess auf klinische Relevanz getestet wird, in Bezug auf Precision Medicine zwangsläufig oft im berühmt-berüchtigten „Valley of Death“ endet. Der Patient, so Groenen, müsse mehr ins Zentrum der Forschung und Entwicklung rücken, und bei sämtlichen Interaktionen mit einbezogen werden. Groenen schloss seinen Beitrag mit der Feststellung, dass in der Region Basel eigentlich sämtliche Komponenten vorhanden seien, um ein neuartiges Innovationsökosystem aufzubauen, bei dem die verschiedenen Kompetenzen und Disziplinen einander nicht nachgelagert sind sondern sich in steter Kollaboration zuarbeiten.

Genau dies ist denn auch Haupttreiber der Initiative DayOne. In der Folge wurden drei Projekte vorgestellt, welche derzeit in der Region Basel umgesetzt werden und durch den Innovation Hub in Precision Medicine zusätzlichen Schub erfahren dürften. Torsten Schwede von der Universität Basel und dem SIB Swiss Institute of Bioinformatics berichtet über das Data Coordination Centre des Swiss Personalized Health Network (SPHN), welche zum Ziel hat, Gesundheitsdaten in der Schweiz  interoperabel und für Forschungszwecke zugänglich zu machen. Christof Kloepper, Managing Director von BaselArea.swiss, stellte BaseLaunch vor. Der Accelerator für Healthcare Ventures wird offiziell Ende Februar lanciert. Laurenz Baltzer von Karger, präsentierte ein ambitioniertes wissenschaftliches Publikationsprojekt zum Thema Digital Biomarkers.

Im Anschluss daran war es an Frank Kumli von Ernst & Young und Mitinitiant von DayOne zu zeigen, was der Hub beinhaltet und wie sich dieser in die Innovationslandschaft der Region einfügt sowie zusätzlich unterstützt.

report Medtech

Basler Apotheke integriert innovative Miniklinik

30.08.2017

report ICT

Novartis ernennt Bertrand Bodson zum Digitalchef

29.08.2017

report Invest in Basel region

Roivant Sciences gründet Hauptsitz in Basel

19.12.2016

Basel - Das Biopharmazie-Unternehmen Roivant Sciences wird zukünftig weltweit von Basel als neuem Hauptsitz aus operieren. Gleichzeitig ziehen auch Partnerunternehmen nach Basel. Roivant und seine Partnerunternehmen wurden von BaselArea.swiss unterstützt.

BaselArea.swiss hat Roivant und seine Partnerunternehmen bei der Standortevaluierung und Ansiedlung unterstützt. Die Standortpromotionsorganisation der Nordwestschweiz begrüsst die neuen Unternehmen in der Region. Sie freut sich, dass solche spannenden und schnell wachsenden Firmen Basel für ihren Hauptsitz gewählt haben. „Die Zielsetzung von Roivant besteht darin, bei der Entwicklung neuer Medikamente für Patienten Zeit und Kosten zu reduzieren“, wird Vivek Ramaswamy, Gründer der Firmengruppe Roivant, in der Ankündigung zur Etablierung des neuen Hauptsitzes zitiert. „Wir sind der Überzeugung, dass dieser Standort im Zentrum der Talente und Pharmainnovationen Europas zu diesem Ziel beiträgt.“ Roivant Sciences hat sich auf den Abschluss der Spätphase der Entwicklung von Medikamenten spezialisiert. Dazu arbeitet Roviant unter anderem mit Eisai, GlaxoSmithKline und Takeda Pharmaceuticals zusammen. Zu den Interessensbereichen von Roivant zählen Neurologie, Onkologie, Endokrinologie, Dermatologie und Hepatologie.

Gleichzeitig mit Roivant planen auch Partnerunternehmen, ihren Hauptsitz nach Basel zu verlegen. In der Mitteilung wird darunter die Axovant Sciences Ltd. genannt. Das Biopharmazie-Unternehmen ist auf die klinische Phase bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Demenzkrankheiten spezialisiert. Das Unternehmen beabsichtige, in Basel „eine vollständig integrierte Organisation aufzubauen, welche weltweit wirtschaftliche und medizinische Strategien, Herstellung und Lieferkette, geistiges Eigentum und weitere Firmenfunktionen verwaltet“, wird Mark Altmeyer, Präsident und Chief Commercial Officer von Axovant Sciences, in der Mitteilung zitiert. „Unsere Präsenz in Basel bedeutet den Zugang zu einem erstklassigen Talentpool, der für unseren weiteren Erfolg entscheidend sein wird.“ hs

report Life Sciences

Aurealis Pharma AG nimmt frisches Kapital auf

28.08.2017

report Life Sciences

Novartis nutzt Smartphone für MS-Studie

22.08.2017

report ICT

Dr. med. App – Digitale Transformation in den Life Sciences

30.11.2016

Die Zukunft gehört den datengetriebenen Therapieformen. Der Standort Basel nimmt die Herausforderung an und investiert in die sogenannte Precision Medicine.
Ein Text von Fabian Streiff* und Thomas Brenzikofer, erstmals erschienen am Freitag, 14. Oktober 2016 in der NZZ Verlagsbeilage „Swiss Innovation Forum“

Nun also auch die Life Sciences: Google, Apple und andere Technologie-Giganten haben den Gesundheitsmarkt entdeckt und bringen neben ihrer IT-Expertise viele Milliarden an Risikokapital mit. Völlig neue, datengetriebene und personalisierte Therapieformen – in einem Wort: Precision Medicine oder kurz PM – versprechen den Gesundheitssektor auf den Kopf zu stellen. Und wo es Veränderung gibt, da gibt es viel zu gewinnen. Zumindest aus Sicht der Investoren.

Anders sieht dies aus Sicht von Big Pharma aus. Für sie steht einiges auf dem Spiel. Gemäss Frank Kumli von Ernst & Young sind die Eintrittshürden bisher relativ hoch: «Wir bewegen uns in einem stark regulierten Markt, da dauert es länger bis Innovationen aufgenommen und durchgesetzt werden können.» Aber auch Kumli ist überzeugt, dass die Richtung vorgegeben ist und die Digitalisierung voranschreitet. Doch sieht er mehr Chancen als Gefahren: Die Schweiz und insbesondere Basel sei hervorragend positioniert, hier eine führende Rolle zu übernehmen. Mit der Universität Basel, dem D-BSSE der ETH, der FHNW, dem FMI und dem Universitätsspital Basel verfüge der Standort über starke Forschungsakteure. Zudem wird die gesamte Wertschöpfungskette in der Region abgedeckt, von der Grundlagenforschung, angewandten Forschung und Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb bis hin zu den Regulatory Affairs sowie entsprechenden IT-Kompetenzen. Zu den wichtigsten Treibern der digitalen Transformation hin zur Precision Medicine gehören digitale Tools, die ein Echt- zeit-Monitoring von Patienten – sogenannte Feedback Loops – ermöglichen. Die Kombination solcher Daten mit Informationen aus klinischen Tests und Genanalysen sind der Schlüssel zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen und damit zu Innovationen.

Landesweit einheitliche Datenorganisation
Ähnlich wie im 16. Jahrhundert die Erfindung des Mikroskops das Feld zur modernen Medizin eröffnete, werden Daten und Algorithmen die Basis liefern, den künftigen Patienten sehr viel präzisere und kostengünstigere medizinische Lösungen und Therapien anbieten zu können. Derzeit besteht die Krux jedoch noch darin, dass die Daten an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Formaten und meist in geschlossenen Systemen vorhanden sind. An diesem Punkt setzt das Projekt unter Leitung von Professor Torsten Schwede am Swiss Inrecistitute of Bioinformatics (SIB) an.

Im Rahmen der nationalen Initiative «Swiss Personalized Health Network» soll von der Leitungszentrale im Stücki Science Park Basel aus eine landesweit einheitliche Datenorganisation zwischen Universitätsspitälern und Hochschulen aufgebaut werden. Der Kanton Basel-Stadt hat eine Anschubfinanzierung für das Projekt bereits beschlossen. Durch die Standardisierung von Datenstrukturen, Semantik und Formaten zum Datenaustausch dürfte die klinische Forschung in der Schweiz – sowohl an Hochschulen sowie in der Industrie – deutlich an Qualität und Attraktivität gewinnen. An Interesse auf der Basis solcher klinischer Daten zu forschen und neue Geschäftsideen zu entwickeln, mangelt es nicht. Dieses zeigte sich anlässlich von Day One, einer von der Innovationsförderung und Standortpromotion BaselArea.swiss mitgetragenen und von der Precision Medicine Group Basel Area organisierten Workshop-Veranstaltung anlässlich der Basler Life Science Week.

Über 100 Experten fanden sich ein, um über zukünftige Geschäftsmodelle zu brüten. Insgesamt 14 Projekt- und Geschäftsideen wurden dabei näher in Betracht gezogen. Diese reichten von der Automatisierung der bildgestützten Diagnose über die Entwicklung von Sensoren in Wearables bis hin zu Smartphone-Apps zur besseren Involvierung von Patienten in den Therapieprozess.

Auch Big Pharma ist dabei
«Die Diversität der Projektideen war erstaunlich und zeigt, dass die Schweiz ein guter Nährboden sein kann für den nächsten Innovations- schritt in der Biomedizin», sagt Michael Rebhan von der Novartis und Founding-Mitglied der Precision Medicine Group Basel Area über- zeugt. Darauf will die Precision-Medicine-Initiative jetzt aufbauen: «Trotz der Innovations- kraft, die wir in den einzelnen Disziplinen sehen, kommt Precision Medicine insgesamt nur lang- sam voran. Die Fortschritte sind in ihrer Gesamtheit noch unzureichend, weshalb wir enger zusammenarbeiten und unsere Anstrengungen integrieren müssen. Es braucht deshalb eine Plattform, wo Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen», ist Peter Groenen von Actelion, ebenfalls Mitglied der Precision Medicine Group Basel, überzeugt.

Das Interesse der Industrievertreter an einem Open Innovation Hub mit einem Precision Medicine Lab als zentralem Bestandteil ist denn auch gross. Hier sollen die Projekte der Stake- holder in einem offenen und kollaborativen Umfeld vorangetrieben werden können. Darüber hinaus soll der Hub Talente und Projektideen von ausserhalb der Region Basel anziehen. Das neuartige Innovationsökosystem rund um Precision Medicine steht noch am Anfang. In einer Pilotphase sollen anhand erster konkreter Anwendungsfälle die Funktionen und Dimensionen des PM Hubs präzisiert werden, um danach die richtigen Partner für den Aufbau des gesamten Hubs zu identifizieren.

Die digitale Transformation voran mitgestalten
Die vielversprechendsten Projekte finden schliesslich Zugang zu einem Accelerator-Programm, wo sie weiter beschleunigt werden und in den bestehenden Innovationsinfrastrukturen wie Basel Inkubator, Technologiepark Basel oder Switzerland Innovation Park Basel Area zu einem Unternehmen reifen können.

Fazit: Die Region Basel schafft die Voraussetzungen, die digitale Transformation in den Life Sciences an vorderster Front mitzugestalten und damit diesen wichtigen Industriezweig für die Schweiz weiter auszubauen sowie für die Ansiedlung neuer Unternehmen attraktiv zu halten.

 

* Dr. Fabian Streiff leitet die Standortförderung des Kantons Basel-Stadt.

report Precision Medicine

Clinerion entwickelt Datenschutzlösung

17.08.2017

report Life Sciences

Cellestia nimmt klinische Entwicklung auf

15.08.2017

report Production Technologies

„Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen erfolgreich zu sein“

02.11.2016

Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Schweiz AG, einem Anbieter für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation mit Sitz in Basel und fünf weiteren Standorten in der Schweiz.

In unserem Interview erzählt der gebürtige Belgier, was ihn in die Schweiz gebracht hat, welche Ziele Actemium Schweiz verfolgt und warum er glaubt, dass „Industrie 4.0“ zwar eine Revolution verursachen wird, von der Technologie her jedoch nur eine Evolution ist.

Ihre Geschichte klingt spannend: Sie sind Belgier, kamen 1991 für das Cern in die Schweiz und arbeiten nun als Geschäftsführer von Actemium Schweiz – wie kam es dazu?
Patrick Vergult*: 1991 kam ich durch einen Auftrag von ABB als Freelance Software-Ingenieur zum Cern in Genf. Dort habe ich Kryogenie-Anlagen programmiert, welche auf minus 269 Grad Celsius kühlen können. Mit diesen Anlagen werden die Magnete im langen Ring des Teilchenbeschleunigers gekühlt bis sie supraleitend werden. Diese Magnete, die so gross sind wie ein 10-stöckiges Hochhaus, detektieren die Teilchen, die durch den Zusammenprall der beschleunigten Positronen und Elektronen entstehen. Eigentlich wollte ich nach einem halben Jahr zurück nach Belgien, bin dann aber in der Schweiz geblieben und habe mein Netzwerk laufend ausgebaut. Ich war damals auch Mitbegründer der Firma Iproco in Belgien, Der Geschäftsgang hier in der Schweiz lief sehr gut und wir beschlossen deswegen im Jahr 1998, in der Schweiz eine Niederlassung der Iproco zu gründen. 2001 entstand daraus Else Automation. Actemium entstand 2013 durch die Fusion von Etavis Engineering, Controlmatic und unserer Firma, der Else Automation.

Was macht Actemium Schweiz genau?
Im Grunde ist Actemium eine produktneutrale Automationsfirma. Wir entwickeln selbst keine eigenen Produkte, sondern wir integrieren verschiedene Automations- und IT-Systeme für unsere Kunden. Kurz gesagt bieten wir mit unseren sechs Business Units Elektro-, Automatisierungs- und IT-Technik für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation, sowie das übergeordnete Produktionsmanagement an. Unser Ziel ist es, von der Beratung, Planung und Umsetzung eines Projektes bis hin zur Wartung der Anlagen beim Kunden bleiben zu können. Schliesslich haben wir einen starken Bezug zu den Produkten, die wir einsetzen und kennen die Prozesse unsere Kunden gut.

Was reizt Sie an der Arbeit für Actemium?
Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen und gemeinsam erfolgreich zu sein. Actemium ermöglicht es Leuten wie mir, die sehr unternehmerisch geprägt sind, Unternehmer bleiben zu können, obwohl wir zum grossen Vinci-Konzern gehören. Actemium ist ein Netzwerk mit einer dezentralen Führungsstruktur. Das heisst, in diesem grossen Gebilde gibt es verschiedene kleine Unternehmen – sogenannte Business-Units –, die autonom und agil am Markt tätig sind. Alle unsere BUs sind stark segmentiert, damit es keinen Wettbewerb zwischen ihnen gibt.

Warum fiel die Wahl für den Hauptsitz auf Basel?
Die Firmen, aus denen 2013 Actemium Schweiz entstand, waren bereits in der Region. So kam 2013 schliesslich alles in Basel-Stadt zusammen. Ursprünglich waren wir eher Konkurrenten, was bedeutete, dass wir unsere Business Units gut segmentieren mussten. Für uns war und sind die Pharma- und Chemieindustrie eminent wichtig. Gerade die Pharmaindustrie investiert viel, der Standort Schweiz ist attraktiv und vor allem die Region Basel hat einen sehr stabilen Markt.

Ist es nicht schwierig, sich im Pharma-Hub Basel gegenüber der Konkurrenz zu behaupten?
Die Mitbewerber haben natürlich eine ähnliche Strategie. Wir versuchen, uns durch andere Faktoren abzuheben: Die Actemium University bietet Kunden und Mitarbeitern Schulungen an und mit „Young at Actemium“ pflegen wir ein internes Nachwuchsnetzwerk für Mitarbeiter unter 30 Jahren. Unsere jungen Mitarbeiter präsentieren die Firma an Absolventenmessen oder Hochschulen aus ihrer Sicht – ohne, dass ein Geschäftsleitungsmitglied dabei wäre. Vertrauen ist für uns sehr wichtig. Seit diesem Jahr haben wir zusätzlich einen Talent Award, für den einmal jährlich Abschlussarbeiten von Technikern und Ingenieuren eingereicht werden können. Diese werden von uns und externen Juroren aus unserem Kundenstamm – beispielsweise von Roche, Novartis oder Endress+Hauser – prämiert. Wir wollen somit den Kontakt mit den Hochschulen intensiver pflegen und vermehrt eigenen Nachwuchs generieren. Dazu gehört auch, dass wir jährlich 20 Lehrlinge ausbilden und das duale Studium für jeweils fünf bis sechs Studenten anbieten.

Ist der starke Franken ein Problem für Actemium?
Wir sind zum Glück stark im Pharmabereich tätig, wo der starke Franken nur eine geringe Rolle spielt. Viele Pharmakonzerne exportieren auch im Dollar, der sich aufgewertet hat – das gab einen gewissen Ausgleich gegenüber des schwachen Euros. Tatsächlich sind wir in den letzten Jahren trotz allem kontinuierlich über 10 Prozent gewachsen.

Neben der Schweiz hat Actemium auch Standorte im Elsass und im süddeutschen Raum – gibt es dadurch auch einen trinationalen Austausch?
Es ist uns sehr wichtig, unser regionales Netzwerk zu pflegen. Was es unseren Kunden und Mitarbeitern bringt, hängt jedoch stark von ihrer eigenen Persönlichkeit ab. Einige nutzen die Möglichkeiten intensiv, andere sind vielleicht etwas introvertierter und setzen weniger auf Networking. Über das Dreiländereck hinaus hat Actemium in weiteren 35 Ländern Business Units. Damit wir unsere Kunden bestens bedienen können, gibt es internationale Arbeitsgruppen, die sich zu verschiedenen Themen austauschen. Kürzlich fand zum Beispiel ein Treffen in Paris zum Thema „Industrie 4.0“ statt. In der Region Basel haben wir ein Dreiländereck-Netzwerk gegründet, das sich dreimal pro Jahr trifft um die Kräfte zu bündeln. Wir verzeichnen bereits erste Erfolge: Ein Projekt in der Romandie konnte zum Beispiel erst durch die Bündelung von Mechatronik-Experten aus Frankreich und Automations-Experten aus der Schweiz überhaupt angegangen werden. Dies bedeutet natürlich für unsere Kunden einen grossen Mehrwert, da er alles aus einer Hand geliefert bekommt. Actemium in der Schweiz geht einen Schritt weiter: Wir haben eine eigene CV-Datenbank entwickelt, in der jeder unserer 215 Mitarbeiter seinen Lebenslauf und seine Kompetenzen hinterlegt hat. Die Daten werden einmal jährlich beim Mitarbeitergespräch aktualisiert. So können wir intern ganz einfach nach Experten suchen – egal, ob es um Sprachkenntnisse oder andere Fähigkeiten geht. Tatsächlich finden wir auch meist die gesuchten Fähigkeiten. Jetzt zeigt das globale Actemium-Netzwerk starkes Interesse an dieser Lösung.

Die Digitalisierung schreitet voran, Industrie 4.0 ist in aller Munde. Wie wirkt sich das auf die Arbeit von Actemium aus?
Wir merken, dass das Thema „Industrie 4.0“ unsere Kunden eher verwirrt, da die meisten nicht wissen, was es genau bedeutet. Industrie 4.0 ist keine fixfertige Lösung, die man aus der Schublade holt – sie unterscheidet sich von Kunde zu Kunde. Deshalb lassen wir meist erst den Kunden erklären, was „Industrie 4.0“ für ihn bedeutet – um danach zu erklären, was wir darunter verstehen. So bekommen wir ein gemeinsames Verständnis und eine gute Ausgangslage für erfolgreiche Projekte. Es geht nicht nur darum, Objekte miteinander zu vernetzen und Daten in einer Cloud zu sammeln – das ist erst der Anfang! Wenn die Daten in der Cloud sind, müssen sie intelligent für den Kunden konvertiert werden, um zum Beispiel die interne Wertschöpfungskette zu verbessern. „Industrie 4.0“ an sich ist keine Revolution: Man benutzt Technologien, die bereits seit vielen Jahren vorhanden sind. Aber es wird eine Revolution verursachen.

Das dauert noch?
Ich glaube schon, denn viele Kunden scheinen noch nicht bereit dafür, völlig in das Thema einzutauchen. Nehmen wir einen Fleischproduzenten, der einen Workshop zu „Industrie 4.0“ veranstaltet hat. Dort wurde fast ausschliesslich über SAP gesprochen. Dass das Wetter zum Beispiel die Fleischkonsumation der Leute beeinflussen kann und man dadurch frühzeitig seine Produktion neuplanen könnte wurde nicht gesehen. Visionäre, die den Kunden im Bereich „Industrie 4.0“ Geschäftsmöglichkeiten aufzeigen, werden in Zukunft gefragt sein – da sehe ich grosses Potential. Ausserdem werden die Stärken der benutzten Systeme und Technologien noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Da ist in den nächsten zwanzig Jahren noch viel Luft nach oben.

Welche anderen Trends sehen Sie neben „Industrie 4.0“?
Wir setzen auf Robotics, Manufacturing Execution Systems und Energieeffizienz. Gerade bei letzterem Thema stehen wir noch am Anfang. Unsere Kunden haben bisher wenig Anreiz, in Energieeffizienz zu investieren – das wird wohl erst kommen, wenn gesetzliche Vorgaben existieren. Ich glaube fest daran, dass man immer wieder aus der Komfortzone heraustreten und sich neu erfinden und anpassen muss, um in Zukunft zu überleben. Und diese Philosophie versuche ich bei Actemium einzubringen – damit die Mitarbeiter und damit auch die Firma nicht zu lange in der Komfortzone sitzen bleiben.

Was erwarten Sie von BaselArea.swiss und was wünschen Sie sich von einer Standortpromotion und Innovationsförderung?
Ich finde es super, dass es neutrale Plattformen wie BaselArea.swiss gibt. Denn wenn Firmen selbst solche Veranstaltungen organisieren, dann geschieht das immer aus einem konkreten Nutzen, den sich das Unternehmen davon verspricht. Daher sind neutrale Plattformen ein Vorteil, weil sie auch verschiedene Netzwerke verknüpfen können.

Was möchte Actemium erreichen?
Die Grundwerte des Actemium-Netzwerks stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Für unsere Mitarbeiter investieren wir jährlich drei bis fünf Prozent der Lohnsumme in die Weiterbildung. Wir pflegen das Netzwerk und generieren unseren eigenen Nachwuchs durch Lehrlingsausbildung und ein duales Studium. Aber natürlich wollen auch wir weiter wachsen – um längerfristig Schweizweit präsent zu sein. Damit wir zukunftsfähig bleiben, soll jede Business Unit nebst ihrer Kernkompetenzen ein innovatives und zukunftsorientiertes Geschäftsfeld besetzen. Aber egal, ob Mitarbeiter, Kunden oder Shareholder: Alle sollen glücklich sein. Wir versuchen, dies durch ein gesundes, stabiles und profitables Wachstum zu erreichen.

Und wenn Sie sich für Ihr Unternehmen etwas wünschen könnten?
Dann würde ich mir wünschen, dass wir Schweizweit die beste Automationsfirma und der beste Arbeitgeber im Bereich Automation werden. Und wir sind auf gutem Wege. Wenn wir das erreichen, können wir alles erreichen – und wir arbeiten jeden Tag mit Spass hart daran.

Interview: Sébastien Meunier und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Switzerland Ltd., einer Firma, welche Lösungen und Engineering Services im Bereich der Industrie- und Gebäudeautomation anbietet. Actemium sieht ihren Auftrag darin, ihren industriellen Kunden dabei zu helfen, ihre Fabriken und Gebäude zu modernisieren und die Rentabilität zu steigern.
2001 war Patrick Vergult Mitbegründer und Grossaktionär der ELSE Automation Ltd. Die Firma sties im Mai 2011 zur VINCI Gruppe hinzu und wurde 2013 Teil des Actemium Netzwerks von VINCI. Zusätzlich ist er Gründer von curaVer, Business Support, einer Treuhandfirma, welche vorwiegend ausländische Betriebe bei einer Ansiedlung in der Schweiz berät und unterstützt. Des Weiteren war er erfolgreich in der Restrukturierung der Reiseagentur Venture Europe involviert, wo er das finanzielle Risiko übernahm.

Actemium Schweiz entdecken

report Life Sciences

Unterschiedliche Zulassungsanforderungen erhöhen Kosten

14.08.2017

report Life Sciences

Roivant Sciences sichert sich Milliarden-Investition

10.08.2017

report Production Technologies

Production Technologies – der neue Bereich von BaselArea.swiss

02.11.2016

Derzeit reicht es nicht aus, einfach zu produzieren. Unternehmen müssen zu geringeren Kosten produzieren, sparsam mit Ressourcen umgehen, die Wünsche der Kunden berücksichtigen – alles in kürzester Zeit und möglichst ohne Lagerbestand. Neue Produktionstechnologien versprechen Lösungen. Additive Fertigung, Robotik oder Internet of Things: Die Produktion von Gütern wird sich in den nächsten Jahren stark verändern.

Neu bearbeitet BaselArea.swiss den Fachbereich „Production Technologies“. Die Region Basel ist gekennzeichnet durch die Präsenz von High-Tech-Unternehmen, die komplexe, qualitativ hochwertige Produkte zu hohen Lohnkosten herstellen. Die Lage Basels an der Grenze zum Elsass und zu Baden bietet ihnen eine echte Chance für den Austausch und die Zusammenarbeit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Im Zentrum des Technologiefelds Production Technologies steht der sorgfältige Umgang mit Ressourcen und der Einsatz von sauberen Technologien. Der Fokus liegt dabei auf den folgenden 6 Bereichen:

  • 3D-Druck, additive Fertigung: BaselArea.swiss organisiert Informations- und Networking-Veranstaltungen sowie Workshops zu diesem Thema und den neuen Geschäftsmodellen. Darüber hinaus existiert eine LinkedIn-Gruppe mit rund 100 Forschern und Themenbegeisterten. 
     
  • Industrie 4.0: In Zusammenarbeit mit Schulen und Forschungszentren bietet BaselArea.swiss Informationsveranstaltungen und technologieorientierte Networking-Veranstaltungen auf regionaler und internationaler Ebene. Darüber hinaus bringt der Technology Circle „Industrie 4.0“ Unternehmen zusammen, um sich zu informieren und das Know-how in der Region weiter zu entwickeln.
     
  • Organische und gedruckte Elektronik: Die druckfähige Elektronik hat das Auftauchen neuer Produkte ermöglicht, beispielsweise OPV, OLED oder Anwendungen in den Bereichen Gesundheit oder Sensoren. BaselArea.swiss initiiert die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungszentren bei technischen Projekten sowie im Vertrieb und entwickelt zusammen mit der Industrie ein Netzwerk von Kompetenzen im Rahmen des Technology Circles „Printed Electronics“.
     
  • Effizienz bei der Nutzung von Ressourcen und Energie in der Produktion: Im Rahmen eines Technolgy Circles hat BaselArea.swiss ein Netzwerk von Unternehmern aufgebaut, das diesen regelmässigen Austausch pflegt.
     
  • Wassertechnologien: Die effiziente Nutzung von Ressourcen steht im Mittelpunkt. Die Forschung konzentriert sich auf Problemstellungen wie Mikroverunreinigungen, die Rückgewinnung von Phosphor oder auch die im Wasser vorhandenen antibiotikaresistenten Gene. Einmal pro Jahr veranstaltet BaselArea.swiss eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).
     
  • Biotechnologien für die Umwelt: Die Nutzung von lebenden Organismen in industriellen Prozessen ist nicht neu, gewinnt aber an Bedeutung, zum Beispiel bei der Behandlung von Ölunfällen. Dank Biokunststoffen aus erneuerbaren Rohstoffen (wie Lignin) bieten ökologischere Lösungen echte Alternativen zu den herkömmlichen chemischen Prozessen. BaselArea.swiss organisiert regelmässig Veranstaltungen zu diesem Thema und schafft Verbindungen zwischen Forschern, Industrie und Verwaltung.

Die gemeinsame LinkedIn-Gruppe „Production Technologies by BaselArea.swiss“ zählt heute bereits 46 Mitglieder, die sich gegenseitig über die neuesten Entwicklungen in den oben genannten Gebieten austauschen. Die Gruppe ist offen für neue Teilnehmer – melden Sie sich an!

Wenn Sie Interesse am Austausch mit Unternehmern und Forschern zum Thema „Production Technologies“ haben oder weitere Informationen über unsere Services wünschen, dann kontaktieren Sie einfach Sébastien Meunier (siehe Kontaktdaten links).

report Life Sciences

Roche entwickelt Datenplattform für Diabetes

09.08.2017

report Precision Medicine

Basler Forscher verbessern Analyse von Krankheitserregern

08.08.2017

report ICT

«Als Unternehmer muss man ein stückweit paranoid sein»

07.10.2015

Der Basler Privatinvestor und Multi-Verwaltungsrat Adrian Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. Seit März 2013 engagiert er sich ehrenamtlich als Leiter des i-net Technologiefeldes ICT.

Im Interview erläutert er, was Unternehmertypen ausmacht und warum er überzeugt ist dass die Schweiz durchaus das nächste Google hervorbringen könnte.

Wie lebt es sich als Business Angel in der Schweiz?
Adrian Bult*:
Grundsätzlich ist mein Leben spannend. Ständig werde ich mit neuen Ideen und Impulsen konfrontiert. Ich habe mit jungen Unternehmern zu tun, das ist für mich sehr bereichernd.

Meinen Sie das auch wörtlich?
Sicher, denn in erster Linie interessieren mich der Inhalt und Menschen. Daher sehe ich mich auch nicht als Investor sondern als interessierten Entwickler von Unternehmen.

Sie investieren vor allem in ICT - gibt es da genügend interessante Cases?
Ja, in der Schweiz gibt es meiner Meinung nach sehr viele gute Ideen und ein ausgeprägtes Unternehmertum. Das meiste ist aber privat finanziert. Da ist die Schweiz einzigartig. Es gibt wohl weltweit kein anderes Land, wo so viele finanzielle Mittel von Privatinvestoren oder Unternehmen in die Innovation fliessen. Dies auch im Unterschied zum Silicon Valley, wo das Unternehmertum von einer hochprofessionellen VC-Industrie angetrieben wird.

Entsprechend muss man in der Schweiz dann auch die kleineren Brötchen backen?
Ja und ausserdem hat die Schweiz einen kleinen Heimmarkt. Damit stellt sich schon bei der Gründung die Frage nach der Ambition. Wer im B-to-C-Bereich nicht mit einer globalen Vision antritt, hat meist von Anbeginn an wenig Chancen. Darum ist die Schweiz vor allem ein Land mit vielen interessanten Nischenanbietern - insbesondere im B-to-B-Bereich.

Was fehlt den meisten Cases, denen Sie begegnen?
Die Schweiz hat eine ausgeprägte Pharma-, Ingenieurs- und Chemiekultur. Für den Erfolg eines Start-ups ist aber auch eine gute Vertriebs- und Marketingkultur wichtig. Da haben andere Nationen, gerade etwa die USA, einen Vorsprung. Sie rücken das Marketing viel stärker in den Vordergrund. Gerade technologiegetriebene Jungunternehmer glauben, dass das beste Produkt Erfolg hat. Das ist aber oft eben gerade nicht der Fall. Es setzt sich meist durch, was sich am besten vermarktet.

Aber im Silicon Valley werden die Firmen doch auch von Techies und Nerds gegründet und nicht von Marketing-Leuten?
Das stimmt, aber das Marketing hat denselben Stellenwert wie die Ingenieurstätigkeit. Wenn man an einer Party sagt, man sei ein Verkäufer, dann ist die Reaktion meist sehr verhalten. Dies hat damit zu tun, dass in der Schweiz Understatement als grosse Tugend angeschaut wird. Eigenvermarktung ist bei weitem nicht so wichtig wie in anderen Kulturen. Das ist etwas, was wir Schweizer lernen müssen.

Ein Startup-Gründer ohne Verkäufer-Qualitäten hat keine Chance?
Unbedingt, wie will er sonst Investoren für sein Vorhaben gewinnen? Hier fängt es schon an. Und dann braucht es auch eine gewisse Ambition. Es gibt Gründer, die von Beginn an den Weltmarkt im Fokus haben. In der Schweiz wird man dafür sofort belächelt. Aber im Grunde ist dies die richtige Einstellung, um später auch den ersten Kunden zu akquirieren. Auch dies ist ein typische Haltung vieler technologiegetriebener Start-up-Gründer in der Schweiz: Zum Telefon zu greifen und eine Liste von Leads abzuarbeiten, dafür sind sich die meisten zu schade.  

Gibt es weitere Muster, auf die sie bei Schweizer Jungunternehmern immer wieder stossen?
Etwas, das ich besonders bei Start-ups immer sehe, ist die Unterschätzung der Zeit, die gebraucht wird, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Wenn man die Zeit falsch einschätzt und die Finanzierung an diese Zeitachse knüpft, muss man rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass man länger braucht. Sonst geht einem die Puste aus.

Man sollte also immer doppelt so viel Zeit und Geld einplanen als man denkt?
Nein, das wäre falsch. Ich bin dafür, dass man die Zeit eng und die Mittel knapp ansetzt. Aber man muss rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass es knapp wird. Es braucht den Druck, sonst bewegt man sich nicht.
Können die Schweiz und Europa jemals ein ICT-Giganten hervorbringen?
Warum nicht? Man hört immer nur von Google, Airbnb oder Uber. Aber es gibt auch Unternehmen, die sehr erfolgreich eine bis zwei Stufen unter diesem Radar arbeiten. Es gibt manchen Bereich, wo in der Schweiz technologisch sehr fortgeschrittene Lösungen entwickelt werden. So etwa das «Over The Top»-Internet-TV.

Macht die Schweiz nicht einfach zu wenig aus ihren Opportunitäten? Nicht Zürich sondern London ist heute das Fintech-Zentrum der Welt. 
In der Schweiz gab es durchaus Entwicklungen in diese Richtung, man hat beispielsweise früh ins E-Private-Banking investiert und Apps von grossen Schweizer Banken sind heute führend. Aber drum herum hat sich nicht ein Cluster gebildet wie in London. Warum? Um im Fintech-Bereich erfolgreich zu sein, müssen Banken ihr eigenes Geschäft kannibalisieren. Unter dieser Vorgabe ist es einfach schwierig, innerhalb der eigenen Organisation Innovation voranzutreiben. Deshalb plädiere ich für Kooperationen. Twint von Postfinance ist ein gutes Bespiel dafür, dass dies erfolgreich ist.

Mit der Verschmelzung von ICT und Life Science bietet sich der Schweiz und insbesondere der NWCH die nächste Chance an. Was ist zu tun, dass man diese nicht verpasst?
Innovation entsteht durch Zusammenarbeit. Kleinen Firmen fehlen oft das Knowhow sowie die Ressourcen für die grossen Roll-outs. Etablierte Unternehmen dagegen fehlt die Agilität, um mit wenigen Mitteln das bestmögliche Resultat zu erzielen. Mein Vorschlag wäre deshalb, solche Themen verstärkt in Projektnetzwerken anzugehen. Typischerweise befinden in der Geschäftsleitung grosser Unternehmen wenige Leute darüber, ob eine Idee gut oder schlecht ist. Im Silicon Valley macht man das völlig anders. Dort gibt es einen Sponsor für eine Idee. Dieser setzt sich mit Finanzinvestoren und Fachexperten zusammen und interagiert. Wenn die Idee ankommt und es Verbesserungspotential gibt, ist er auf dem richtigen Weg. Wenn die Kommentare ständig negativ sind, ist es wohl der falsche Weg. Fazit ist, dass im Silicon Valley die kompetenten Personen mit kompetenter Meinung ausschlaggebend sind, nicht ein Einzelner in der Geschäftsleitung. Festzustellen ist, dass dieses Modell langsam auch in der Schweiz ankommt.

Dennoch ist die Schweiz Innovationsweltmeister?
Die Aussage «die Schweiz ist Innovationsweltmeister» würde ich mit äusserster Vorsicht geniessen. Solche Aussagen machen nur bequem. Wenn eine Innovation einen Markt neu am Definieren ist, dann kann man dies nie früh genug merken. Als Unternehmer sollte man diesbezüglich geradezu paranoid sein und ständig überlegen, ob man gut genug ist und was verbessert werden könnte.

Man sagt oft, das Unternehmertum sei in der Schweiz nicht hoch angesehen und die Risikobereitschaft zu gering.
Meine Wahrnehmung ist, dass sich dies sehr geändert hat. Tatsächlich erlebe ich viele junge Menschen, die mit hoher Risikobereitschaft neue Projekte anpacken. Das Scheitern ist heute auch nicht mehr so gravierend. Auch für die Persönlichkeitsentwicklung ist es sehr wertvoll, wenn man einmal ein eigenes Unternehmen aufgebaut hat. Ich sehe heute junge Unternehmer, die viel weiter sind als ich es im gleichen Alter war, weil sie eine eigene Firma aufgebaut haben.

Sie haben es eingangs gesagt: In der Schweiz investieren vor allem Privatpersonen. Was könnten getan werden, damit noch mehr investiert wird?
Fördern könnte man es dadurch, dass man den Leuten die Möglichkeit gibt, selbst diese Erfahrung zu machen. Grosse Unternehmen könnten sich zum Beispiel anstelle von grossen Investitionen in Aus- und Weiterbildungen den Kadermitarbeitern die Möglichkeit geben, Ausbildungsgeld auch in ein Start-up zu investieren. Kostet ein MBA beispielsweise 20‘000 Franken, könnte das Unternehmen den Kadermitarbeiter dazu bringen, selbst 20‘000 Franken draufzulegen, um mit diesem Kapital ein kleines Unternehmen zu begleiten. Ich bin überzeugt, dass der Lerneffekt bezüglich Bilanzen-lesen, Erfolgsrechnungen oder dem Vorwärtstreiben von Projekten mindestens so gross ist, wie beim Verfassen einer Case-Study an einer renommierten Universität. Wenn man das in einem Jobinterview glaubwürdig vermitteln kann, dann ist diese Erfahrung genau so wertvoll wie ein Titel.    

Was halten Sie von Steuer-Incentives für Unternehmen, die Wertschöpfung betreiben?
Grundsätzlich finde ich es immer positiv, wenn Anreize für Personen geschaffen werden, die bereit sind, ein Risiko einzugehen. Wenn jemand ein grosses Risiko eingeht, sollte er auch eine grössere Belohnung dafür erhalten. Steueranreize sind dafür eine Möglichkeit.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Adrian Bult engagiert sich seit März 2013 ehrenamtlich als Leiter des Technologiefeldes ICT für i-net. Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. So war er von 1998 bis 2007 Mitglied der Gruppenleitung von Swisscom und von 2007 bis April 2012 COO des Schweizer Bankensoftwareanbieters Avaloq. Heute ist Adrian Bult als Berater und Investor tätig. Er ist Verwaltungsratspräsident von Swissgrid sowie der Enkom Gruppe und Verwaltungsrat bei Adnovum, Swissquote, Regent Beleuchtungskörper sowie Alfred Müller AG.
Adrian Bult (Jahrgang 1959) studierte Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (HSG).

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11.07.2017

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«Open Data ist auch ein Innovationsimpuls»

05.03.2015

Mit der «Open Government Data Strategie Schweiz» ist der erste Schritt getan. Mehr Offenheit vom Staat wünscht sich Opendata.ch-Mitgründer Hannes Gassert nun auch bei der Beschaffung und findet: «Die grössten Cracks sollten an den grössten Herausforderungen arbeiten – und solche hat der Staat.»

Inwiefern hat das öffentlich zugänglich machen von Daten wirklich etwas mit Innovation zu tun? Geht es nicht primär um Transparenz?
Hannes Gassert: Daten sind der Treibstoff der Wissensgesellschaft. Und die öffentliche Hand hat viele wertvolle, aber nicht personenbezogene Daten. Es ist wichtig, dass diese für alle zugänglich gemacht werden. Doch nicht nur «draussen» bei den Start-ups, KMU und NGO kann dies innovative neue Ansätze möglich machen. Auch verwaltungsintern wirkt Open Data. Wir stellen immer wieder fest, dass Open-Data-Projekte zum Nachdenken zwingen: Welche Daten haben wir überhaupt, woher kommen sie und warum sind sie wertvoll?

Besteht für die öffentliche Hand bezüglich Offenheit der Daten eine Verpflichtung?
Nein. Wichtig ist zuerst einmal, staatlichen Stellen überhaupt die Möglichkeit zu geben, mit der Open Data Community zusammenzuarbeiten, bevor es um Zwänge oder Verpflichtungen geht. Aber natürlich: Die Daten der öffentlichen Hand sollen offene Daten sein und der Öffentlichkeit in geeigneter Form auch zugänglich gemacht werden. Es sei denn, übergeordnete Interessen wie etwa der Persönlichkeitsschutz haben Vorrang. Wohlgemerkt, wir sprechen hier immer von Daten im engeren Sinn, von maschinenlesbaren, nicht personenbezogenen Sammlungen – dazu gehören Karten, Fahrpläne oder Wetterdaten, nicht aber Bundesratsprotokolle und andere Dokumente aus dem Entscheidungsprozess. Die Transparenzfrage stellt sich dort ganz anders. Das Anliegen von Opendata.ch ist es, auf Basis der Daten von Bund, Kantonen und Gemeinden ein faires Innovationsökosystem zu schaffen, indem alle gleich lange Spiesse haben.
Jüngst hat beispielsweise Google bei der SBB nach den Plänen der Bahnhöfe nachgefragt. Damit will Google die Indoor-Navigation ausbauen. Die SBB hat die Daten nicht herausgerückt. Für ein Start-up wäre dies dann auch schon das Ende der Fahnenstange. Google dagegen kann die Bahnhöfe auch selbst erfassen.

Wie macht sich die Schweiz im internationalen Vergleich bezüglich Open Data?
Die Schweiz befindet sich in Europa im hinteren Mittelfeld. Das hat auch mit unserer föderalen Struktur zu tun. Wenn in den USA oder in Grossbritannien ein neuer Präsident oder Premierminister an die Macht kommt, kann er einfach mal proklamieren: «Wir machen jetzt Open Data!» In der Schweiz geht vieles langsamer, dafür sind die Errungenschaften umso stabiler. Derzeit werden gerade eine Reihe von Gesetzgebungen in Bezug auf die Open-Data-Möglichkeiten unter die Lupe genommen. Grundsätzlich geht es aber nicht nur um Gesetze – wichtiger ist der Kulturwandel.

Und der findet allmählich statt?
Ein Anfang ist gemacht. Es gibt nun die «Open Government Data Strategie Schweiz» und ein zuständiges Team innerhalb der Bundesverwaltung. Die Rede ist hier notabene nicht von «Open Data Bund», sondern von «Open Data Schweiz». Will heissen, dass der Bund die Datenplattform betreibt, die dann auch von den Kantonen und Gemeinden für die Offenlegung von Daten genutzt werden kann.

Und warum sollten die Behörden dies tun?
Transparenz schafft Vertrauen. Wer so gut, so genau und korrekt arbeitet wie die Schweizer Behörden, hat viel mehr Chancen als Risiken. Oft wird aber leider davon ausgegangen, dass mehr Transparenz bloss zu mehr Behörden-Bashing führt.

Rankings zu Ärzten oder Spitalleistungen sind aber schon auch problematisch?
Nein, das ist durchaus im Sinne des Bürgers. In Grossbritannien haben solche Rankings zu einer drastischen Reduktion von Spitalinfektionen geführt. Auch für die Schweiz sind entsprechende offene Daten kein Ding der Unmöglichkeit. Wichtig ist, dass wir immer anonymisierte Daten meinen, wenn wir von Open Data sprechen. Von daher sind Ärzteratings oder Lehrerranglisten nicht das Ziel.

Open Data ist ja stark gekoppelt an Open Innovation. Wäre der Staat nicht dafür prädestiniert, über neue Formen der Zusammenarbeit auch neue Ideen zu kreieren?
Sicher, Partizipation und Innovation gehen Hand in Hand. Hackdays, wie wir sie von Opendata.ch organisieren, sind ein Paradebeispiel für Open Innovation und sehr erfolgreich. Indem verschiedene Leute aus allen möglichen Disziplinen zusammenkommen – darunter Designer, Programmierer, Berater, Journalisten oder hoch spezialisierte Fachleute und Forscher –, um während einer kurzen Zeit intensiv an einer Idee zu arbeiten, entstehen viele neue Einsichten, Ideen, Projekte und manchmal gar Produkte. Das ist für alle Beteiligten sehr produktiv.

Dafür braucht es die Offenheit der Behörden, und zwar über das Datenformat hinaus. Wird das auch als Risiko empfunden?
Nun, die IT-Beschaffung des Bundes ist nach diversen Fehlschlägen ja in aller Munde: Das Risiko aber lag dort kaum je in zu viel Innovation oder zu viel Offenheit. Im Gegenteil. Es geht darum, die besten Ideen und die besten Köpfe ins Boot zu holen. Ein gutes Beispiel ist «Obamacare». So hat man die zentrale Plattform, healthcare.gov, zunächst genau so umgesetzt, wie man dies auch hierzulande machen würde. Grosse Spezifikation, viele Berater, klassische IT-Grossdienstleister. Dies führte – wie so oft – zu einem Debakel. Doch jetzt läuft die Sache. Und warum? Weil Obama seine Hacker mit den Kapuzenpullis, die ihn schon im Wahlkampf unterstützt haben, ins Weisse Haus geholt und ihnen volle Unterstützung gegeben hat.

Hat der Staat Angst vor den Geeks?
Aber ja, und nicht nur der Staat. Geeks, wie Sie sie nennen, haben nun mal spezielle Fähigkeiten, und diese wollen sie nicht nur für die Entwicklung von trivialen Games und noch mehr Social-Media-Plattformen einsetzen, sondern auch im Dienste des Gemeinwesens. Der Begriff der Community ist ja nicht umsonst sehr wichtig in diesen Szenen. Bei der öffentlichen Hand gibt es grosse Herausforderungen zu lösen, und dazu sind die Fähigkeiten von Geeks gefragt. In den USA jedenfalls ist zu beobachten, dass die Start-up-Szene sich immer mehr in sogenannte Govware-Projekte involviert. Die Verwaltungs-EDV gilt bei jungen Talenten ja sonst eher als langweilig. Viele halten sich an das durch Leute wie Steve Jobs oder Tim O’Reilly genährte Mantra: Arbeitet an Dingen, die wirklich wichtig sind – «work on stuff that matters!» Und da muss unser Gemeinwesen natürlich weit oben auf der Liste stehen. Wir sollten es hinkriegen, dass die grössten Cracks auch an den grössten Herausforderungen arbeiten.

Sind der öffentlichen Hand nicht die Hände gebunden? So muss man sich ja an die WTO halten.
Um etwas mehr Innovation hineinzubringen, müssen wir nicht die Regeln des Welthandels umkrempeln. Vorschläge dafür gibt es bereits zur Genüge. Ein wichtiger Punkt ist auch hier Transparenz. Dank offengelegten Beschaffungsdaten können disfunktionale Muster erkannt und durchbrochen werden.

Hannes Gassert ist Unternehmer sowie Aktivist und Kurator an der Schnittstelle von Technologie, Medien und Kultur. Er ist im Editorial Board der Lift Conference, Vorstandsmitglied von Opendata.ch und /ch/open, im Verwaltungsrat von Liip sowie Partner bei der Crowdfunding-Plattform wemakeit.com und Mitgründer von skim.com.
Hannes Gassert studierte Informatik und Medienwissenschaften an der Universität Fribourg. Noch während des Studiums gründete er 2003 den Webdienstleister Liip mit, dessen Wachstum er als Geschäftsleitungsmitglied bis 2010 mitprägte.

Interview: swiss made software, geführt von Thomas Brenzikofer
Erschienen in der Publikation «swiss made software – Public Innovation»

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Torsten Schwede: «Seit 2007 läuft das Datenwachstum in der Wissenschaft der Rechenleistung...

05.11.2014

Genomics, Peronalised Medicine, Molecular Modelling: Informatik und Life Sciences kommen sich immer näher. Dabei gehört die Schweiz, anders als in der Enterprise- und Consumer-IT, zu den führenden Wissensstandorten der Computational Life Sciences.
Dennoch rechnet Torsten Schwede nicht mit einer überbordenden Bioinformatik-Startup-Welle. Warum, erklärt der Professor für Struktur- Bioinformatik am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands des SIB Schweizerischen Institut für Bioinformatik im Interview mit i-net.

Zunächst ganz konkret, was alles subsumiert sich unter dem Begriff Bioinformatik?
Torsten Schwede*: Ich verwende den Begriff Bioinformatik nur noch selten. Wir sprechen meistens von «Computational Life Sciences» oder «Computational Biology». Bioinformatik hat zwar einmal mit der Organisation von Sequenzdaten und Sequenzanalyse begonnen, aber eine enge Definition macht eigentlichen keinen Sinn mehr - dafür ist der Bereich zu interdisziplinär geworden. Heute haben fast alle Bereiche der Life Sciences einen «computational» Ableger, und die Themen reichen von Molecular Modelling, über Big Data und Systembiologie, Clinical Bioinformatics bis hin zu Anwendungen im Bereich der personalisierten Medizin. Am SIB Schweizer Institut für Bioinformatik ist eigentlich jede Arbeitsgruppe willkommen, die computergestützte Methoden zur Anwendung in den Life Sciences entwickelt.

Was unterscheidet einen Bioinformatiker von einem Informatiker?
Etwas überspitzt formuliert, bei uns treibt die wissenschaftliche Fragestellung im Gebiet der Lebenswissenschaft die Methodik. Wenn ich eine Frage mit dem einfachsten Algorithmus beantworten kann, dann bin ich glücklich und kümmere mich nicht mehr weiter um die Informatik, sondern um die Fragestellung. In den Computerwissenschaften sind Innovationen in Algorithmen und Technik Ziel der Forschung, und oft finden sich im Nachhinein Anwendungen in verschiedensten Arbeitsbereichen.

Ein Bioinformatiker ist also eher ein Biologe?
Ja, das kann man so sehen, und an der Universität Basel ist die Bioinformatik auch ein Teil des Biozentrums. Früher hatten die meisten Bioinformatiker einen naturwissenschaftlichen Hintergrund wie Physik, Biologie oder Chemie. Vor ein paar Jahren haben wir an der Universität Basel einen Bacherlorstudiengang in Computational Sciences eingeführt. Diese Ausbildung wurde durch eine Zusammenarbeit von Mathematik, Informatik, Physik, Chemie und Biologie entwickelt und bietet ein breites Grundlagenstudium, wobei im zweiten Jahr eine Spezialisierung auf eine der Hauptrichtungen erfolgt. Ziel ist, dass Bachelor-Absolventen dann immer noch die Wahl haben zwischen einem Master in Informatik oder in der gewählten naturwissenschaftlichen Vertiefung Biologie, Chemie, Numerik oder Physik. Wichtig aber ist, dass der Bioinformatiker etwas von beiden Welten kennt.

Das klingt sehr anspruchsvoll – sind das nicht sozusagen zwei Studiengänge in einem?
Der Brückenschlag ist in der Tat äusserst anspruchsvoll und die Absolventen dieses Studiengangs sind absolute Spitze.

Das heisst wohl auch, Sie werden nicht gerade von den Studenten überrannt?
Es gibt ganz klar einen «War for Talents». Gute Studenten können sich heute aussuchen, wo auf der Welt sie studieren wollen. Auf PhD-Ebene rekrutieren wir denn auch international. Die Schweiz und Basel haben dabei weltweit eine sehr gute Ausstrahlung, und in der Bioinformatik gehört die Schweiz zu den drei top Destinationen weltweit. Global gesehen hat die Schweiz die höchste Dichte von Bioinformatikern.

Dennoch haben wir das Problem, dass es in den sogenannten Mintfächern an Nachwuchs fehlt?
Man müsste in der Schule ansetzen: Die wenigsten Maturanden haben eine klare Vorstellung, was ein Wissenschaftler im Alltag so macht und was genau hinter der Informatik steckt. Das Bild vom Biologen, der auf der Wiese sitzt und den Kaninchen beim hoppeln zusieht, trifft einfach nicht zu und muss sich ändern. Zudem sollte man auch vermitteln, dass Naturwissenschaftler gesuchte Leute sind. Soweit ich weiss, haben wir bisher noch keine arbeitslosen Bioinformatiker produziert.

Viele Bioinformatiker arbeiten in der Westschweiz – warum?
Das SIB Schweizerische Institut für Bioinformatik wurde ursprünglich in Genf gegründet, und Swiss-Prot, die weltweit grösste Wissens-Datenbank im Life Sciences-Bereich, hat ihren Sitz in Genf und Lausanne. Diese Datenbank wird vom Bund und von den US National Institutes of Health (NIH) unterstützt und ist für Wissenschaftler der ganzen Welt die Referenzdatenbank für Proteine. Swiss-Prot ist auch der Grund, dass 1998 das SIB gegründet wurde als der Schweizerische Nationalfonds beschloss, die Pflege von Datenbanken nicht mehr zu unterstützen. Daraufhin erhielten wir tausende von Zuschriften aus der ganzen Welt, die sich dafür einsetzten, dass Swiss-Prot bestehen bleibt - auch grosse Pharmafirmen boten Geld an. Durch die Gründung des SIB wurde dafür gesorgt, dass die Datenbank öffentlich blieb. Heute sind mehr als 50 wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus der gesamten Schweiz Mitglied im SIB, und über 600 Wissenschaftler arbeiten an Schweizer Universitäten und ETHs im Bereich der Bioinformatik.

Die Datenberge in den Life Sciences steigen exponentiell an, was ist der Auslöser?
Die Anforderungen an die IT Infrastruktur sind praktisch in sämtlichen Gebieten der Life Sciences massiv angestiegen. So haben zum Beispiel unsere Kollegen am Biozentrum jüngst ein neues Mikroskop gekauft – dieses kann pro Tag zwei Terabyte Daten erzeugen. Wir sehen ähnliche Entwicklungen im Bereich der Genomics und anderer Hochdurchsatzverfahren. Moore’s Law besagt, dass sich die Rechenleistung der Prozessoren alle 18 Monate verdoppelt. Seit ungefähr 2007 reicht dies nicht mehr aus, um mit der Datenproduktion in der Wissenschaft Schritt halten - das Datenwachstum in der Lebenswissenschaft läuft der Rechenleistung davon. Deshalb brauchen wir neben einem Ausbau der IT Infrastrukturen auch schlauere Konzepte und Algorithmen. Und genau da kommen die Bioinformatiker ins Spiel, von der Planung der Experimente über die Analyse der Daten bis zur Modellierung der Systeme basierend auf den Ergebnissen.

Das heisst auch, hier gibt es ein grosses Feld für Innovationen. Warum gibt es dann nicht mehr Bioinformatik-Startups?
Unsere Studenten beschäftigen sich hauptsächlich mit wissenschaftlichen Problemen und möchten auf dieser Ebene ihren Beitrag leisten. Und wenn unsere Studenten Startup-Ideen haben, dann liegen diese häufiger im wissenschaftlichen Bereich und weniger in der Informatik, also etwa in der Molekularbiologie oder in medizinischen Anwendungen.

Wird es irgendwann einen Hersteller einer Bioinformatik-Standardsoftware geben?
Ich sehe momentan keine Anzeichen für eine kommerzielle «Standardsoftware» für Bioinformatik - in vielen Fällen sind wir noch weit von «Standard Workflows» in der Interpretation der Daten entfernt. Die experimentellen Technologien entwickeln sich sehr schnell, und die Entwicklung neuer Methoden und Algorithmen ist ein spannendes Forschungsgebiet. Ich glaube, wir werden auch in Zukunft ein Biotop verschiedener Lösungen und Tools einsetzten. Die wichtigsten Programme in der Bioinformatik sind heute Open Source. In meinem eigenen Arbeitsgebiet sind die akademisch entwickelten Software Tools innovativer und leistungsfähiger als kommerzielle Lösungen. Wichtig sind dabei Standards, die einen reibungslosen Datenaustausch ermöglichen.

Bioinformatik lässt sich also gar nicht kommerzialisieren?
Doch, aber in den meisten Fällen kommt der «added value» in unserem Bereich eher aus Knowhow und Services als dem Verkauf von Software. Es gibt eine ganze Reihe erfolgreicher kommerzieller Anwendungen, wie zum Beispiel der erste nicht-invasive pränatale Test für verschiedene Trisomien in der Schweiz, für den die Bioinformatik von unseren Kollegen am SIB Lausanne entwickelt wurde. Und mit Genedata haben ja eines der erfolgreichsten Bioinformatik Unternehmen direkt vor Ort hier in Basel.

Könnte das Potenzial nicht grösser sein?
Ich denke es gibt ein sehr grosses Potential in diesem Bereich und der Markt entwickelt sich schnell. Aber gerade bei den daten-getriebenen Projekten - etwa im Umfeld von personalised health - spielt die Regulierung keine unwesentliche Rolle. In Ländern wie der Schweiz mit etablierten rechtlichen Strukturen ist der Einstieg für neue innovative Lösungen oft nicht ganz so einfach. In sogenannten «Emerging Markets» dagegen sind die Eintrittshürden sehr viel geringer, und wir sehen in diesen Ländern eine regelrechte Goldgräberstimmung. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Ideen sich am Ende als echte Innovationen im Gesundheitsmarkt durchsetzen werden.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Torsten Schwede ist Professor für «Structural Bioinformatics» am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands am SIB Swiss Institute of Bioinformatics. Als Leiter von «sciCORE» ist er für die Organisation der wissenschaftlichen IT Infrastruktur an der Universität Basel verantwortlich.

 

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Nach Obtree (heute Open Text) und Day Software (heute Adobe) führt Magnolia die Web Content Management-Tradition am ICT-Standort Basel fort. Mit 70 Mitarbeitenden und Kunden in aller Welt holen die Gründer Boris Kraft und Pascal Mangold inzwischen zu den nächsten Expansionschritten aus. In welche Richtung diese führen, verrät Chief Visionary Officer, Boris Kraft, im Interview mit i-net.

Versteht sich Magnolia eigentlich noch als Startup?
Boris Kraft*: Das ist eine interessante Frage und ich habe sie mir in letzter Zeit auch oft gestellt. Für mich persönlich hat ein Startup viel damit zu tun, rauszukriegen, was man selbst machen will und was der Kunde möchte, um dann den Bereich zu finden, in welchem das Unternehmen funktionieren kann. Hierfür braucht man ein paar Jahre und eine gewisse kritische Grösse. In der Schweiz liegt diese Grenze etwa bei zehn bis fünfzehn Mitarbeitenden. In den USA ist das natürlich anders. Dort kriegt man Millionen-Investments, die man erst mal verbrennen darf. Deshalb gelten in den USA Jungfirmen mit 100 Mitarbeitenden durchaus noch als Startups.

Magnolia ist also kein Startup mehr?
So gesehen nicht. Wir sind 70 Mitarbeitende in Basel, den USA, China, Spanien, Tschechien und Vietnam. Wir verbrennen auch kein Investorengeld, sondern finanzieren uns aus dem Cashflow. Trotzdem möchte wir möglichst viel von der Startup-Kultur beibehalten. Wir ziehen nächstes Jahr in den Dreispitz, wo rund um die Fachhochschule für Kunst und Gestaltung Basels Kreativ-Cluster am Entstehen ist. Hiervon und zusammen mit einer komplett neu nach unseren Bedürfnissen ausgebauten Location versprechen wir uns einige Impulse. Nichtsdestotrotz hat sich Magnolia natürlich auch verändert. Inzwischen haben wir eine zweite Führungsebene eingeführt. Pascal Mangold und ich sind als Gründer immer weniger im Tagesgeschäft involviert und können uns auf die strategische Entwicklung des Unternehmens fokussieren.

Und wo soll die Reise mit Magnolia hingehen?
Bildlich gesprochen haben wir in den letzten zehn Jahren die Geleise gelegt, die Loks und die Wagen gebaut, ein paar Bahnhöfe hingestellt und den Fahrplan bestimmt. Nun können wir mit der Eisenbahn richtig losfahren. Dabei entdeckt man viel Neues. Wir können den Betrieb optimieren, das Angebot erweitern oder auch völlig neue Wege gehen.

Was bedeutet dies in Umsatzfranken?
Wir haben uns keine quantitativen Ziele gesetzt. Bislang haben wir Umsatz und Mitarbeitende alle zwei bis zweieinhalb Jahre verdoppelt, und wir werden sicher weiter wachsen, wenn auch nicht mehr ganz in diesem Tempo. Unser Markt wächst um rund 10 Prozent pro Jahr. Heute haben wir 200 Kunden. Diese Basis würden wir gerne verzehnfachen. Ziel ist es, einen grösseren Footprint in den Markt zu bekommen. Hierfür müssen wir die Komplexität unseres Produktes reduzieren. Um kundenspezifische Anwendungen zu machen, muss man unsere Software sehr gut kennen. In Zukunft sollte auch ein Webentwickler mit geringen Java-Kenntnissen mit Magnolia komplexe Websites bauen können.

Könnte Magnolia mit Venture Capital nicht noch schneller wachsen?
Das könnten wir sicher, vor allem in den USA oder in für uns neuen Märkten wie Brasilien; oder auch im Mittleren Osten. Nur: Geld allein bringt nicht all zu viel. Man muss vor allem die richtigen Leute finden. Und das funktioniert bei uns derzeit auch ohne Investor sehr gut.

Das heisst bei Magnolia herrscht kein IT-Fachkräftemangel?
Wir haben einen guten Namen als Arbeitgeber. Unsere Mitarbeitenden sind sehr international. Das ist wichtig, weil wir global agieren. Die Leute kommen gerne nach Basel um zu arbeiten. Und es hilft, dass es hier aufgrund der Pharmaindustrie viele Expats gibt. Unser Marketingchef z.B. ist mitsamt Familie aus Austin, Texas nach Basel übersiedelt und fühlt sich wohl hier, weil er schnell Anschluss gefunden hat an die englischsprachige Community.

Ansonsten hinkt der ICT-Standort Basel sicher Zürich und der Westschweiz hinterher?
Ich sehe grosse Chancen für den ICT-Standort Basel. Doch um diese zu nutzen, braucht es auch den politischen Willen. Man müsste trinational denken und insbesondere in die Hochschulausbildung im Bereich ICT investieren. Der Nachwuchs ist heute entscheidend. Wenn jemand nach Zürich gehen muss für die Ausbildung, dann kommt er danach nicht wieder nach Basel. Er bleibt in Zürich. Daher ist die Chance eher gering, in Basel als Startup Fahrt aufzunehmen. Dass wir als Magnolia hier in Basel so weit gekommen sind, ist letztlich wohl eher Zufall.

Damit ist Basel nicht allein. Warum tut sich Europa eigentlich so schwer, ein eigenes ICT-Ökosystem aufzuziehen?
Es fehlt der Exit-Markt. Jeder US-Investor, der signifikant in ein Europäisches ICT-Startup investiert, wird dieses früher oder später dazu drängen, ins Silicon Valley umzuziehen. Denn dort sind seine Käufer.

Ist nicht auch Magnolia irgendwann ein Verkaufskandidat?
Man lebt nur einmal. Deshalb kann ich auch nicht behaupten, wir würden nie verkaufen. Vielleicht kommt einmal ein Angebot, das so gut ist, dass wir es nicht ausschlagen können. Von daher bleibt ein Verkauf immer eine Option. Aber es ist sicher nicht unser erklärtes Ziel.

Derzeit richten Sie Ihr Blick stark nach Asien, warum?
Stimmt, Magnolia gibt es inzwischen auch in Chinesisch und wir sind mit einem Büro in Peking präsent. Unser Fokus liegt zunächst auf westlichen Unternehmen, die in China tätig sind. Das Web wird in China noch anders genutzt als hier. Vertrauen in Marken und Produkte wird über Social Media und nicht über Webseiten gebildet. Aber das wird sich ändern und wir möchten von Anfang an dabei sein, auch weil Magnolia im Bereich E-Commerce sehr stark ist, und dies auch in China ein massiver Wachstumsmarkt ist.

Und was tun Sie in Vietnam?
Wir sind dabei in Saigon ein Dienstleistungszentrum aufzubauen. Wir haben gemerkt, dass es bei vielen unserer Kunden an Fachkräften fehlt, um die Projekte voranzutreiben. Deshalb bilden wir in Vietnam Spezialisten aus; diese werden unseren Kunden sowie Magnolia-Partnern zur Verfügung gestellt, um Engpässe

Offshoring ist also auch bei Magnolia ein Thema?
Als Entwicklungsstandort und -zentrale ist und bleibt Basel unbestritten. Aber als Softwareunternehmen muss man global agieren und die Ressourcen dort rekrutieren, wo sie vorhanden sind. Es geht dabei weniger darum, günstige Arbeitskräfte zu vermitteln, sondern den Projektstau zu lösen, der sich bei unseren Kunden aufgrund fehlender Fachkräfte immer wieder bildet. Davon versprechen wir uns einen grossen Wachstumsimpuls in unserem primären Geschäft, dem Verkauf von Software-Lizenzen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Boris Kraft ist Chief Visionary Officer (CVO) und Mitbegründer von Magnolia. Seit 2003 befasst er sich mit der Entwicklung von Content Management Systems Magnolia CMS und betrachtet diese von einem strategischen und marketingtechnischen Standpunkt aus. Zu den Stationen seiner IT-Karriere zählen die objektorientierte Softwareentwicklung für NeXTSTEP, eine mehrjährige aktive Beteiligung an einem führenden Unternehmen für Internetsicherheit sowie die Programmierung der ersten Intranet-Lösung für die Roche Vitamins AG. Kraft ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er verbringt seine Freizeit im Sommer am liebsten beim Segeln auf dem Vierwaldstättersee und im Winter auf den Ski in den Alpen.

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Professor Joachim Seelig ist seit Anfang des Biozentrums Professor für Biophysik an der Universität Basel und forscht noch immer. Zudem ist er im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) und Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences. Im Interview mit i-net spricht er über die Zukunft der Life Sciences und erklärt, warum der SIP NWCH für die Zukunft des Standorts Basel wichtig ist.

Der Pharmastandort Basel, respektive Nordwestschweiz ist heute unbestritten. Wird dies auch in 30 Jahren noch so sein?
Joachim Seelig*: Natürlich fragt man sich, was in 30 Jahren sein wird. Als ich vor 40 Jahren nach Basel kam, gab es hier nur Chemiefirmen. In den vier grossen Firmen Ciba, Geigy, Sandoz und Roche waren die Forschungsleiter ausgebildete Chemiker. Heute sind diese Positionen von Molekularbiologen oder Medizinern besetzt. Aus der Chemieindustrie ist in den vergangenen Jahrzehnten eine Pharmaindustrie entstanden. Clariant ist noch eine Chemiefirma, und auch Syngenta als Agrokonzern hat das Hauptquartier hier, sie sind aber weit weniger intensiv in der Region verankert als Roche oder Novartis. Wenn wir also zurückblicken sehen wir, dass sich der Standort Basel sehr verändert hat, und diese Veränderung wird auch in den nächsten 30 Jahren weitergehen.

Welche Rolle spielte das Biozentrum der Universität Basel bei dieser Entwicklung?
Das Biozentrum brachte verschiedene Wissenschaften wie Chemie, Physik, Biochemie, Strukturbiologie, Mikrobiologie und Pharmakologie zusammen. Die revolutionären Änderungen durch Biophysik und Molekularbiologie wurden von den Gründungsvätern des Biozentrums geahnt, und man hoffte, dass durch die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Disziplinen etwas ganz Neues entstehen könnte. Ich glaube, es war sehr klug diese verschiedenen Gebiete zusammen zu bringen, und es hat tatsächlich auch zu bedeutenden Ergebnissen geführt.

Und wo steht das Biozentrum heute?
Heute fokussiert man sich sehr stark auf Gebiete wie Neurobiologie und Mikrobiologie, während Biophysik oder Pharmakologie eher in den Hintergrund getreten sind. Das kann sinnvoll sein und grosse Erfolge bringen. Mein persönliches Interesse geht aber in andere Richtungen.

Auf was sollte man denn stattdessen fokussieren?
Für die Eingabe zum Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz wurde mit rund 30 Personen aus dem Life Sciences-Bereich Interviews geführt mit dem Ziel herauszufinden, welche Themen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Dabei zeigten sich drei Themenschwerpunkte. Zum einen das «Biosensing», also die Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Sogenannte «Electroceuticals» sind etwa Pillen, die ihren Wirkstoff erst absondern, sobald sie an einem festgelegten Ort im Körper angekommen sind. Das zweite Thema ist «Biomaterials». Hier könnte man z.B. an Saatgut denken, bei dem jedes Korn in ein Energiepaket verpackt wird, das es auch dann ernährt und zur Entfaltung bringt, wenn es bei Trockenheit gesät wird. Die dritte Thematik ist «Large Number Crunching». Als Folge der mehr und mehr «personalisierten Medizin» werden riesige Datenmengen anfallen. Da gilt es Methoden zu entwickeln, die den Arzt darin unterstützen, sie effizient zu analysieren und zu bewerten.

Wie gut ist die Region Nordwestschweiz in diesen drei Megatrends aufgestellt?
Man muss nüchtern feststellen das wir in praktisch allen drei Gebieten nicht sehr stark sind. Genau dies soll der Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz ändern, der per Anfang 2015 in Allschwil den Betrieb aufnehmen wird. Gibt es denn bereits konkrete Projekte? Ja, das Forschungsprojekt Miracle von Hans-Florian Zeilhofer und Philippe Cattin vom Department Biomedical Engineering der Medizinischen Fakultät der Universität Basel wird erster Untermieter sein. Die Werner Siemens-Stiftung mit Sitz in Zug wird dieses Projekt während fünf Jahren mit insgesamt 15,2 Millionen Franken unterstützen. Es geht dabei um eine Miniaturisierung der Lasertechnologie für die Chirurgie auf eine endoskopische Ebene. Viele Bereiche wie Robotik, Bildgebung und Diagnostik, Sensorik oder Mikromechanik spielen bei diesem Projekt eine Rolle. Grob betrachtet ist es ein Projekt aus der Medizintechnik, in dem Elektronik, Robotik, Bildgebung und Medizin zusammen kommen.

Wie gross soll denn der Innovationspark dereinst werden?
Es ist von mindestens 1000 und später vielleicht 2000 Beschäftigten auszugehen. Diese kritische Grösse ist unabdingbar. Vorbild könnte der Technologiepark in Eindhoven sein. Vor 10 Jahren öffnete Philips dort sein Forschungszentrum mit etwa 2000 Mitarbeitenden für Zusammenarbeit mit externen Gruppen und Firmen. Heute arbeiten dort rund 8000 Leute, und es wird ein Umsatz von rund einer Milliarde Franken generiert. Viele neue Firmen haben sich angesiedelt. Entscheidend für den SIP NWCH wird das Engagement von Firmen wie Roche, Novartis, Actelion oder Syngenta sein. Aber natürlich gilt es auch auswärtige Firmen und Start-ups anzuziehen.

Die Universität Basel gilt nicht als sehr innovationsfreudig, muss nicht auch da etwas geschehen?
Ich kann diese Aussage so nicht stehen lassen. Erst kürzlich wurde untersucht, wie effizient eine Universität arbeitet – und die Universität Basel kam dabei sehr gut weg. Die Universität Basel ist eine Volluniversität. Die Naturwissenschaften stellen nur einen kleinen Anteil, also maximal rund 2000 der insgesamt 12‘000 Studierenden. Deshalb kann man die Zahlen der Uni Basel schlecht mit einer ETH oder EPFL vergleichen, die sich ganz auf Technologien konzentrieren können. Am Biozentrum betreiben wir vor allem Grundlagenforschung, während die angewandte Forschung anderen überlassen wird. Trotzdem haben wir einige Spin-offs generiert. So hatten etwa die Firmen Santhera und 4-Antibodies ihre ersten Labors im Biozentrum.

Was könnte man tun, um mehr Spin-offs in der Region zu erhalten?
Im Innovationspark müssen attraktive Bedingungen geschaffen werden, und ein Scouting an der Universität wäre zu institutionalisieren, damit mehr Projekte entstehen. Ich denke, wir haben hier in der Nordwestschweiz ideale Voraussetzungen. Das Innovationspotential in Basel ist jedenfalls riesig, und es gibt hier bereits viele Start-ups, die hervorragend arbeiten.

Gibt es Themen, welche die Nordwestschweiz verpassen könnte?
Ein Punkt, den man in Basel etwas unterschätzt, ist der Einfluss der Informatik sowie des Internets auf die Biologie und die Life Sciences. In Sachen Informationstechnologie haben wir sicher Aufholbedarf. Persönlich glaube ich an eine stärkere Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Ich hatte schon vor Jahren angestrebt an der Universität ein Department für Bioelektronik zu schaffen, bin aber damit nicht durchgekommen. Im Innovationspark sollten wir aber diese Verknüpfung unbedingt herstellen. Wichtig ist es, die richtigen Talente anzuziehen. Nicht nur Google sollte künftig für die wirklich guten Informatiker attraktiv sein, sondern auch Unternehmen wie Roche oder Novartis.

Sie sind schon länger bei i-net als Leiter Technologiefeld Life Sciences involviert –welche Rolle sollte, kann, müsste i-net in diesem Feld vermehrt wahrnehmen?
Grundsätzlich sind die Leute dankbar, und vielfach auch begeistert, von dem, was i-net für sie macht. Als neutrales Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren kann und wird i-net auch beim Swiss Innovation Park künftig eine starke Rolle spielen. In den Life Science Firmen erlebt man häufige personelle Veränderungen, bedingt vielfach durch die globalen Aktivitäten dieser Firmen. Es wird immer schwieriger, Ansprechpartner zu finden, die kompetent entscheiden können und gleichzeitig eine fundierte Kenntnis unserer Region haben. Die Entscheidungsträger der Privatwirtschaft sind zu sehr in berufliche Anforderungen eingebunden, um Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten in wichtigen Gremien unserer Region zu finden. Das Berufsleben ist schnelllebiger, globaler geworden, worunter die lokalen und regionalen Vernetzungen leiden. Deshalb ist es wichtig, dass mit i-net eine professionelle Organisation diese Rolle übernimmt und institutionalisiert.

Interview: Stephan Emmerth und Nadine Nikulski, i-net

*Professor Joachim Seelig ist einer der ersten Forscher des Biozentrums der Universität Basel und war zwischen 1997 und 1999 sowie von 2000 bis 2009 Leiter dieses Departements. Er ist im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) sowie ehrenamtlicher Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences.

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«Nanomedizin ist ein zentrales Standbein der Medizin der Zukunft»

05.06.2014

Notfälle, Pikettdienst, lange Arbeitszeiten: Trotz einem herausfordernden klinischen Umfeld ist es für Professor Patrick Hunziker (im Bild links) sehr wichtig, seine ärztliche Aufgabe am Patienten mit dem akademischen Auftrag einer Uniklinik, der Weiterentwicklung der Medizin, zu kombinieren. Deshalb widmet er sich in ruhigeren Momenten mit seiner Forschungsgruppe der Erforschung neuer Diagnostik- und Therapiemethoden der Nanomedizin. Der Kardiologe arbeitet als stellvertretender Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsspitals Basel und gilt als ein Pionier der Nanomedizin. Neben seinem anspruchsvollen Pensum als Arzt und Forscher ist Hunziker ausserdem Mitbegründer der CLINAM-Stiftung und des Start-ups «Speroidals GmbH».

Beat Löffler (Bild rechts) arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen. Er leitet die CLINAM-Stiftung und betreibt intensiv Öffentlichkeitsarbeit für die Nanomedizin. Gemeinsam haben die beiden den jährlich in Basel stattfindenden CLINAM-Summit zu einem international beachteten Kongress für Nanomedizin gemacht. Im Interview erklärt Patrick Hunziker, warum der Begriff Nanomedizin wohl bald verschwindet und Beat Löffler zeigt auf, warum zehn Minuten Redezeit an einem Kongress ausreichen.

Herr Professor Hunziker, wie sind Sie zur Nanomedizin gekommen, gab es da ein besonderes Schlüsselerlebnis?
Patrick Hunziker*:
Ich arbeitete in den späten 90er-Jahren in der Kardiologie und da wurde mir einmal die Frage gestellt, ob ich wisse, was Nanotechnologie sei. Ich hatte ehrlich gesagt wenig Ahnung von diesem jungen Feld und nahm deshalb die Einladung zu einer Tagung von Nanowissenschaftlern in Bern an. Ich habe dort viel über die wissenschaftlichen Grundlagen gehört, aber mich interessierte vor allem, wie die Nanomedizin einen Beitrag zur Entwicklung der Medizin und letztlich zum Wohlergehen der Patienten leisten kann. Nanomedizin war zu diesem Zeitpunkt noch ein völlig unerforschtes Feld. Wenn man 1998 nach Nanomedizin gesucht hat, fand man vielleicht 200 Referenzen in der Fachliteratur, die praktisch ausschliesslich als «Science Fiction» einzustufen waren.

Und das hat Sie nicht stutzig gemacht?
Hunziker: Ich fragte mich, was davon Realität werden könnte. Nach einigen Jahren der Forschung auf diesem Gebiet traf ich Beat Löffler, der in Basel eine Konferenz über Nanomedizin machen wollte. So gründeten wir 2007 die CLINAM-Stiftung. Beats primäres Interesse war, die Nanomedizin interdisziplinär vorwärts zu bringen, ihm schwebte ein internationales Expertennetzwerk vor. Wir initiierten die Gründung der Europäischen Gesellschaft für Nanomedizin, bauten das European Journal of Nanomedicine auf und fingen unsere Kongressreihe an. Dank der CLINAM-Stiftung konnten wir von Industrie bis Akademie alle Aspekte der Nanomedizin Stück für Stück abdecken und den Dialog fördern.

Wie hat sich das Thema Nanomedizin in Tagungen entwickelt?
Beat Löffler*: Als wir im Jahr 2007 in Griechenland an einer Tagung der European Technology Platform on Nanomedicine teilnahmen, kamen etwa 100 Teilnehmer, aber der einzige anwesende Mediziner war Patrick Hunziker – er war ein Pionier. Alle anderen waren Biologen, Pharmakologen, Ingenieure und Chemiker. Wir fragten uns, wo die Mediziner geblieben waren und entwarfen daraufhin eine eigene Konferenz, die 2008 erstmals in Basel stattfand. Bis heute beginnt sie mit Klinikern, welche über ungelöste Probleme in der Medizin sprechen. Danach kommen Experten der Nanotechnologie zum Zug, die berichten, wie man diese Krankheiten mit nanotechnologischen Lösungsansätzen angehen kann. Mit den Jahren kamen Fragen der Gesetzgebung, Diskussionsrunden über die Risiken und Chancen sowie erste Ergebnisse für Medikamente und Geräte in präklinischen und klinischen Studien hinzu. Von Beginn an waren auch die Themen Ethik, Toxizität und Armutserkrankungen wichtig – das hatte in diesem Gebiet Pioniercharakter.

Was ist denn Nanomedizin genau?
Hunziker: Nanowissenschaften beschäftigen sich mit einer Lücke. Von der Makroebene führte die Miniaturisierung zu Objekten der Mikrotechnologie; auf der anderen Seite beschäftigen sich Chemiker mit molekularen Strukturen. Dazwischen, also zwischen der Mikroebene und der Welt der Atome und Moleküle, liegt der Nanometer-Bereich. Allerdings war das Verständnis hierfür mangels guter Untersuchungsmethoden bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts sehr beschränkt. Dies gilt auch für die Medizin: Körperzellen bestehen aus Nanostrukturen, die das Leben überhaupt ermöglichen. Dank der Nanomedizin hat man heute ein grösseres Verständnis für die Lebensprozesse und wir haben gute Fortschritte bei der Diagnose und der Therapie von Krankheiten erzielt. Es wird immer offensichtlicher, dass die Nanomedizin eines der ganz zentralen Standbeine der Medizin der Zukunft ist.

Wie reagieren Sie auf die Ängste, die es in der Bevölkerung zum Beispiel vor Nano-Robotern im Gehirn gibt?
Hunziker: Die Frage von Nutzen und Risiken war von Anfang an ein Thema. Es ist wichtig, dass man auch in der Nanomedizin wie für alle Technologien die Möglichkeiten und Gefahren genau untersucht und abwägt. Ich verwende Nanotechnologien nur dort, wo ich nach Prüfung aller Risiken einen echten Mehrwert für den Patienten sehe. Da bin ich sehr kritisch. Aber wenn ich das nicht wäre, würde ich ja mein Berufsziel verfehlen. Es ist sehr wichtig, dass die Forschung von allen Verantwortlichen, also den Forschern, den Gutachtern und den Regulierungsbehörden so geprüft wird, dass Risiken für die Patienten praktisch ausgeschlossen werden können.

Was ist die Rolle der CLINAM-Stiftung und welche Aufgaben hat diese?
Hunziker: Das Ziel der Stiftung ist es, die Anwendung der Nanowissenschaften in der Medizin zu fördern, ihre Chancen und Risiken zu erkennen und sie zum Vorteil für den Patienten einzusetzen.
Löffler: Die Stiftung möchte ein Netzwerk von Fachleuten der Nanowissenschaften aufbauen. Dies ist uns weitgehend gelungen, die Stiftung hat heute internationale Kontaktpunkte und es herrscht ein reger Austausch. Fast ein Drittel der 500 Teilnehmer des Kongresses sind Mediziner und Kliniker. Aber auch der Anteil von Teilnehmern aus der Industrie wächst stetig. Der jährlich in Basel stattfindende CLINAM-Summit für Nanomedizin und «Targeted Medicine» ist eine weltweite Plattform für Experten. Nun steht der 7. Kongress bevor und wir freuen uns, dass die internationalen Regulierungsbehörden den CLINAM-Summit als neutrale wissenschaftliche Plattform ausgewählt haben um das «International Regulators Meeting on Nanotechnology» durchzuführen. Neben diesem Meeting an welchem ausschließlich Regulierungsverantwortliche zugelassen sind, werden die Regulierungsverantwortlichen aus allen fünf Kontinenten unter der Leitung der Generaldirektion der EU auch eine öffentliche Debatte über die weltweite Harmonisierung der Gesetzgebung sowie die einheitliche Definition von Nanomedizin führen.

Neben Ihrer Aufgabe als Chefarzt leiten Sie eine Forschungsgruppe aus der sogar das Start-up «Speroidals GmbH» hervorging. Wie funktioniert das?
Hunziker: Ich erhoffe mir, dass durch die Nanowissenschaften Einsichten gewonnen und zum Wohle der Patienten umgesetzt werden können. Aber der Sprung von der akademischen in die industrielle und dann in die klinische Phase ist schwierig, die regulatorischen Hürden sind sehr hoch. Die Nanomedizin dringt deshalb nur sehr langsam bis zu den Patienten vor. Das heisst, dass es in dieser Phase sehr wichtig ist, dass sich Forscher frühzeitig Gedanken machen, wie aus ihrer Idee ein umsetzbares Produkt wird, und sich die Kliniker überlegen, wie sie die neuen Möglichkeiten in die Behandlungsstrategien integrieren. Ich möchte eigentlich nicht sehen, dass eine Schweizer Innovation wegen fehlender Entwicklungsmöglichkeiten in die USA verkauft werden muss. Diese Arbeitsplätze würde ich lieber in der Schweiz behalten.

Existiert eine Zusammenarbeit mit «Big Pharma»?
Löffler: Pharmafirmen sind natürlich mit Begriffen wie «Nanotechnologie» vorsichtig und beobachten das Technologieumfeld genau, um nicht aufgrund eines Technologie-Labels eine falsche Botschaft zu vermitteln. In den USA und in England ist der Terminus Nanomedizin als «Anwendung der Nanotechnologie in der Medizin» heute bereits gut akzeptiert. Der Begriff «Nanomedizin» braucht noch etwas Zeit, bis alle Stakeholder ihn unbeschwert nutzen. Dass der Begriff immer klarer definiert wird und die Regulierungs-Behörden eine internationale Definition anstreben, hilft stark.
Hunziker: Die Entwicklung neuer Medikamente wird immer teurer. Deshalb müssen auch Pharmafirmen verstehen, welche neuen Geschäftsmodelle realistisch sind. Bereits heute ist die personalisierte Medizin ein starkes Schlagwort. Die Nanomedizin ermöglicht es, verschiedene Aspekte wie zum Beispiel Medikamententransport im Körper, Rezeptorbindung und die zelluläre Wirkung in einem Objekt zu kombinieren. Es ist also möglich, durch unterschiedliche Kombination dieser Aspekte ein riesiges Spektrum an massgeschneiderten Therapien anzubieten, welche für bestimmte Patienten optimiert werden. Gleichzeitig bedeutet dies aber für die Industrie und für die regulatorischen Behörden auch in vieler Hinsicht ein Umdenken.

Vielen ist noch nicht bewusst, dass die CLINAM, ein weltweit beachteter Summit über Nanomedizin mit mehr als 500 Teilnehmern, in Basel stattfindet. Wie bekannt ist CLINAM und was macht das Besondere aus?
Hunziker: Tatsächlich ist unsere Konferenz in der Region noch immer relativ unbekannt, was im Gegensatz steht zur Bedeutung, die der Anlass weltweit gewonnen hat. Mit der Konferenz wollen wir etwas tun, was gut für die Menschen und für den Standort Basel ist. Heute können wir immerhin sagen, dass unsere Konferenz in der Region Basel bei der siebten Durchführung vielen Fachleuten bekannt ist und die internationalen Opinion Leaders in diesem Gebiet zusammenbringt. Wir möchten sie auch ganz gern in der Region behalten. Vor allem, weil uns am Anfang viele alt eingesessene Basler geholfen haben, unser Projekt in die Realität umzusetzen.
Löffler: Wir haben dieses Jahr internationale Referenten aus 29 Ländern am CLINAM-Summit. Das CLINAM-Konzept ist als «Debate Conference» strukturiert – eine Methode, die ich 2005 entwickelt habe. Jeder Redner hat zehn oder fünfzehn Minuten Zeit, um sein Thema vorzustellen. Das ist wenig, die Speaker müssen den Vortrag sehr gut erarbeiten, um anzukommen. Die Diskussion der Themen in die Tiefe findet im Anschluss an mehrere Kurzvorträge statt und wird später in den Lounges im Foyer vertieft. Das macht CLINAM zu einem sehr lebendigen Anlass.

Wie wichtig ist Öffentlichkeitsarbeit für Sie und CLINAM?
Löffler: Es wäre sehr gut, wenn wir nicht nur Fachkräfte, sondern auch die Öffentlichkeit für unser Thema interessieren könnten. Wir hatten dazu bisher einfach zu wenig Zeit und Kapazität. Patrick Hunziker hat schon öfter Vorträge auch für Laien durchgeführt, um zu erklären, was die Nanowissenschaften sind und was die Nanomedizin genau beinhaltet. Er war auch an Schulen und konnte dieses komplexe Thema den Schülern einfach und verständlich näherbringen. Natürlich würde es uns freuen, wenn unser international ausgerichteter Kongress auch regional bekannter würde. Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, einen Anschlusstag für die breite Öffentlichkeit zu organisieren.
Wie könnte man die Stiftung und den Kongress besser unterstützen?
Hunziker: Wir hoffen natürlich, von der Universität noch mehr Rückenwind zu spüren. Es wäre auch schön, wenn die Finanzierung eines Tages einfacher werden könnte, indem sich der Standort Basel längerfristig für das Projekt CLINAM engagiert und anerkennt, dass es als Unikat förderungswürdig ist. Basel ist ein guter Standort und ich bin sicher, dass die Region von unserem Kongress und der Stiftung profitiert.

Wo sehen Sie die Nanomedizin in 10 Jahren?
Hunziker: Die Nanomedizin wird zu einer Grundlagentechnologie der Medizin der Zukunft. Dies wird so normal sein, dass der Begriff «Nanomedizin» vielleicht sogar verschwindet. Bei den heutigen Smartphones spricht auch keiner mehr von Mikrotechnologie, obwohl dies faktisch der Fall ist – und genau das wünsche ich mir für die Nanowissenschaften. In der medizinischen Diagnostik wird meines Erachtens die Technologie bald angewendet und die personalisierte Medizin wird in 15 bis 20 Jahren Standard sein.

Interview: Ralf Dümpelmann und Nadine Aregger, i-net

*Patrick Hunziker hat in Zürich Medizin studiert und liess sich zum Facharzt für innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin ausbilden. Ende der 1990er Jahre begann Patrick Hunziker sich als erster Arzt in der Schweiz für die Einführung der Nanotechnologie in die Medizin zu interessieren. Neben seiner Tätigkeit als stellvertretender Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsspital Basel ist Hunziker Gründungspräsident der Europäischen Gesellschaft für Nanomedizin (CLINAM).

*Beat Löffler hat in Basel und Berlin Kommunikationswissenschaften, Recht, Philosophie und Politikwissenschaften studiert und war Generalsekretär bei BioValley Upper Rhine. Heute ist Beat Löffler CEO bei der Europäischen Gesellschaft für Nanomedizin (CLINAM) und Inhaber der Loeffler & Associates GmbH.

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