Innovation Report

 
report Life Sciences

„Die Region Basel sollte nicht einfach Teil des Wandels sein, sondern den Wandel mitgestal...

07.12.2016

Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz, berät Jungunternehmen in den Life Sciences und betätigte sich selbst als Start-up-Gründer.

In unserem Interview erläutert er, wie sich die HLS FHNW weiterentwickeln möchte, warum die enge Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg so wichtig ist und welche Zukunft er für das Gesundheitswesen sieht.

Sie kommen aus der Industrie und waren bisher auch schon in Start-ups engagiert. Ist es nicht untypisch, jetzt im akademischen Bereich zu arbeiten?
Falko Schlottig*: Wenn es untypisch wäre, würden wir als Fachhochschule etwas falsch machen. Die Mitarbeitenden an der Hochschule für Life Sciences FHNW kommen zu grossen Teilen aus der Industrie. Das ist wichtig, weil wir sonst nicht berufsbefähigend ausbilden könnten und weil wir über dieses Netzwerk die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung vorwärtstreiben können. Mit unserem Wissen und Knowhow können wir signifikant zu Produktentwicklungen und Innovationsprozessen beitragen.

Grenzt sich die FHNW so von der Grundlagenforschung ab, welche an den Universitäten betrieben wird?
Es geht hier nicht um eine politische Abgrenzung, sondern um eine fachliche Differenzierung. Als Fachhochschule sind wir technologie-, entwicklungs- und produktorientiert. Die Universitäten und die ETH orientieren sich in Richtung Grundlagenforschung. Zusammen ergibt sich eine einmalige Wertschöpfungskette, die über den Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz hinausgeht. Dies setzt voraus, dass man gut zusammenarbeitet. Auf Ebene unserer Dozierenden und Forschenden funktioniert diese Zusammenarbeit hervorragend, beispielsweise durch den Austausch von Vorlesungen und durch zahlreiche gemeinsame Projekte. Andererseits gibt es noch viel Potential in der Zusammenarbeit, um den Life Sciences-Cluster weiter zu stärken, beispielsweise in der technologieorientierten Ausbildung oder im Bereich Personalized Health.

„Potential“ bedeutet Anerkennung? Oder geht es um Fördergelder?
Weder noch! Die Differenzierung zwischen angewandter Forschung und Grundlagenforschung darf nicht verwaschen werden – auch aus Sicht der Studierenden nicht. Ein Personalverantwortlicher muss wissen, ob der Bewerber eine praxisorientierte Ausbildung hat oder erst in ein Trainee-Programm gehen muss. Es geht darum, im Sinne unserer Region in technologiegetriebenen Gebieten zielführend und noch besser zusammen zu spannen als heute.

Gibt es denn genügend Studenten? Es heisst oft, es gebe zu wenig Naturwissenschaftler?
Unsere Studierendenzahlen steigen im Moment leicht, wir würden aber gerne noch etwas mehr wachsen. Aber im Vordergrund steht die Qualität der Ausbildung, nicht die Quantität. Wichtig für unsere Studierenden ist, dass sie weiterhin ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Allerdings spüren wir wie alle Einrichtungen das derzeit mangelnde Interesse an den Naturwissenschaften. Daher engagieren wir uns als FHNW in allen Bildungsbereichen für die Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - kurz MINT.

Sie leiten nun die Hochschule für Life Sciences FHNW seit etwas mehr als einem Jahr. Welche Pläne haben Sie?
Wir wollen weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil des Life Sciences-Clusters Nordwestschweiz sein. Zudem möchten wir weiterhin qualitativ so gut ausbilden, dass unsere Studierenden nach Abschluss zu 98 Prozent eine Stelle finden. Konkret heisst das für uns, dass wir die Lehre inhaltlich, didaktisch und strukturell ständig weiterentwickeln und mit Augenmass den Entwicklungen des industriellen Umfeldes und der Individualisierung folgen. In diesem Zusammenhang haben wir für unseren Fachbeirat Vertreter aus dem strategischen Management von Unternehmen des industriellen Umfelds und aus Institutionen des Gesundheits- und Umweltbereiches für eine Mitarbeit gewinnen können.
In der Forschung werden wir uns in Zukunft basierend auf unseren disziplinären Stärken und Fähigkeiten um Technologien organisieren und noch ausgeprägter interdisziplinär arbeiten. Es kommt uns entgegen, dass wir im Herbst 2018 in einen Neubau umziehen dürfen und aus zwei Standorten einen machen können. Inhaltlich werden wir das Thema „digitale Transformation“ viel stärker als heute schon als Querschnittsdisziplin in Lehre und Forschung etablieren. Schliesslich sollten wir nicht einfach Teil dieses Wandels sein, sondern ihn mitgestalten.

Stichwort „digitale Transformation“: Informatik wird auch für die Naturwissenschaften immer wichtiger. Wird die FHNW vermehrt Informatiker ausbilden?
Hier an der HLS setzen wir erfolgreich auf Medizininformatik, die Fachhochschule bildet in Brugg Informatiker und in Basel Wirtschaftsinformatiker aus. Wir müssen uns aber auch fragen, was künftig ein Chemiker, der die HLS FHNW besucht hat, an erweiterten Informatikkenntnissen mitbringen sollte – zum Beispiel in Data Sciences. Dasselbe gilt für unsere Bioanalytiker, Pharmatechnologen oder Verfahrens- und Umwelttechniker. Dennoch muss die Naturwissenschaft die Basis bleiben, angereichert mit einem ausgeprägten Verständnis für Daten und die zugehörigen Prozesse. Umgekehrt muss sich auch ein Informatiker, der bei uns an der HLS studiert, mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Dieses Wissen ist zwingend nötig, wenn man im Life Sciences-Bereich der Region eine Stelle finden möchte.

Schweizweit – aber auch speziell in der Region Basel – ist viel Knowhow in Bioinformatik vorhanden. In der Aussenwahrnehmung gilt die Region allerdings nicht als IT-Standort. Müsste man da nicht Gegensteuer geben?
Tatsächlich haben wir im Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz Nachholbedarf. Die wichtigen Fragen sind, welche Schwerpunkte man setzt und wie man diese verküpft. Ist es Data Mining – was für die Universität Basel und das Universitätsspital wichtig ist? Oder ist es die Verknüpfung von Patientendaten mit verschiedensten Datenbanken, um beispielsweise die Kosteneffizienz in Spitälern zu steigern? Oder liegt die Zukunft in Data Sciences und Datenvisualisierung, um Planungen und Entscheidungen zu vereinfachen und zu unterstützen, was wir unter anderem an der HLS bereits machen? Die zentrale Frage ist, aufgrund welcher Daten in Zukunft im Gesundheitsbereich Entscheidungen getroffen werden. Hier geht es auch um die Frage, wem die Daten gehören und wie sowie durch wen diese genutzt werden dürfen. Dies ist eine der Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Da wir angewandt forschen, sind diese Themen für uns genauso wichtig wie für die Industrie. Diese extrem spannende Diskussion wird uns die nächsten Jahre begleiten.

Die HLS FHNW hat sehr unterschiedliche Bereiche wie Chemie, Umwelttechnologie, Nanowissenschaften oder Data Visualisation – wie passt das zusammen?
Diese Bereiche sind nur auf den ersten Blick unterschiedlich – ihre Basis ist immer die Naturwissenschaft – häufig in Verbindung mit den Ingenieurwissenschaften. Unsere Fachdisziplinen werden spätestens mit dem Zusammenzug 2018 noch besser gebündelt. Das sieht man heute schon beispielsweise in der Umwelttechnik: Auf den ersten Blick fragt man sich, was sie mit Bioanalytik, Nanowissenschaften oder Informatik zu tun hat. Aber die HLS FHNW ist stark im Bereich der Wasser- und Bioanalytik, und eines der grössten Probleme momentan ist die Antibiotikaresistenz. Um hier Lösungen zu finden, braucht man Wissen aus der Chemie, der Biologie, der Analytik, der Informatik und verfahrenstechnisches Knowhow. Ab 2018/19 werden wir im Neubau über ein einmaliges Prozess- und Technologiezentrum verfügen, in welchem wir alle Prozessketten darstellen können, welche die Life Sciences-Industrie heute und in Zukunft bewegt – beginnend bei Chemie, über Pharmatechnologie und Umwelttechnologie bis zur Biotechnologie inklusive Analytik und Automatisierung.

Sie waren und sind an Start-ups beteiligt. Sollen Neugründungen aus der HLS FHNW künftig gefördert werden?
Im Grunde sind wir heute nicht schlecht unterwegs, wenn man die Anzahl der Studierenden und Mitarbeitenden mit der Anzahl Start-ups vergleicht. Aber tatsächlich möchten wir Neugründungen verstärken, bei uns entstehen Start-ups eher aus den Ideen der Mitarbeitenden heraus. Unsere Bachelor-Studierenden haben kaum Zeit, sich einer Unternehmensgründung zu widmen. Andererseits ist an der HLS FHNW unternehmerisches Denken und Handeln Teil der Ausbildung. Schliesslich sollen unsere Studierenden auch ihr Verständnis für die Funktionsweise einer Firma weiterentwickeln. Ein zweiter Aspekt ist unternehmerisches Denken in Bezug auf eine Unternehmensgründung. Die Gründung eines Start-ups verlangt Flexibilität und Offenheit von unserer Seite: Wie gehen wir mit einer Patentanmeldung um? Wem gehört sie? Wie gestalten sich Lizenzzahlungen? Unsere Mitarbeitenden haben die Freiheit, eigene Projekte anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu definieren. Schon heute bieten wir die Möglichkeit, dass ein Start-up in unseren Räumlichkeiten bleibt und sie weiter nutzen darf. Im Neubau haben wir dafür extra Platz reserviert. Zudem nutzen wir alle Möglichkeiten, welche der Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz heute bietet. Das sind zum Beispiel die Life Sciences-Start-up-Agentur EVA, der Incubator, die Swiss Biotech, Swissbiolabs, der Switzerland Innovation Park Basel Area, BaselArea.swiss oder auch die Venture Capitalists, um nur einige zu nennen. Wir sind gut vernetzt und versuchen auch hier einen Beitrag zur Entwicklung unserer Region zu leisten

Warum ist es Ihrer Meinung nach in der Schweiz offenbar so schwierig, ein Start-up erfolgreich aufzubauen?
In der Nordwestschweiz gibt es zwei Punkte, die hineinspielen: Durch eine sehr erfolgreiche mittelständische und grosse Life Sciences-Industrie ist die Hürde, sich selbständig zu machen, viel höher. Wenn man ein Start-up gründet, verzichtet man auf einen gutbezahlten und sicheren Job und setzt sich möglichen finanziellen Risiken aus, die mit der Gründung verbunden sind. Die zweite grosse Hürde ist die Finanzierung, insbesondere die Überwindung des sogenannten „Valley of Death“. Es ist im Vergleich zum zweiten Schritt einfach, Gründungskapital zu erhalten. Das Durchhalten bis zur Marktreife bei einem Kapitalbedarf zwischen einer und fünf Millionen Franken, ist sehr schwierig.

Das soll sich mit dem Zukunftsfonds ändern.
Es wäre natürlich super, wenn es einen solchen Zukunftsfonds geben würde, um Tickets zwischen einer und zwei Millionen Franken zu lösen. So wären Start-up-Projekte für zwei oder drei Jahre finanziert. In diesem Zusammenhang ist es extrem spannend, anspruchsvoll und bewegend die ganze Wertschöpfungskette von der Forschung bis zum Produkt in der Anwendung zu sehen, die Netzwerke zu kennen und uns einbringen zu dürfen. Heute ist dies fast nur noch bei einem Start-up oder einem kleinen Mittelständler möglich. Am Ende muss sich aber jeder potentielle Gründer entscheiden, ob er lieber Rad oder Rädchen sein möchte.

Wird der Gesundheitsbereich in fünf oder zehn Jahren dramatisch anders aussehen?
Prognosen sind immer schwierig und häufig falsch. Die grossen Player werden wahrscheinlich abwarten und beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Das Gesundheitswesen wird in fünf bis zehn Jahren möglicherweise anders aussehen, jedoch nicht disruptiv anders. Wir werden neue Geschäftsmodelle erleben, Versicherungen werden versuchen, neue Wege zu gehen. Dies kann zu Verschiebungen führen. Wir erleben momentan den Wechsel vom Patienten zum Konsumenten. Produktseitig ist der Sektor extrem reguliert, neue innovative Produkt auf den Markt zu bringen, ist daher nicht einfach. Viele Regulierungen sind aus meiner Sicht innovationshemmend und führen nicht immer zu einer höheren Sicherheit für den Patienten, was sie eigentlich sollten.

Wie könnte dieser Wandel angestossen werden?
Ich glaube, wir als Fachhochschule Nordwestschweiz können hier einen grossen Beitrag leisten. Beispielsweise arbeiten wir basierend auf unseren disziplinären Kompetenzen innerhalb von strategischen Initiativen an Fragestellungen aus der Gesellschaft und der Wirtschaft interdisziplinär und hochschulübergreifend zusammen. So versuchen wir, einen Teil zur Lösung oder der Antwort beizutragen. Die Schweiz und besonders unsere Region haben in dieser gebündelten Zusammenarbeit ein sehr grosses Potenzial. Dies gilt es nun zu schöpfen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Prof. Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Forschung und Produktentwicklung und hatte diverse Management-Positionen in international tätigen, führenden Medizin-Produkt-Firmen inne. Falko Schlottig hat zudem ein Start-up der Biotechnologie- und Medizin-Produkt-Branche mitbegründet.

Er studierte Chemie und Analytische Chemie und verfügt über einen EMBA der Universität St. Gallen.

 

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„Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen erfolgreich zu sein“

02.11.2016

Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Schweiz AG, einem Anbieter für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation mit Sitz in Basel und fünf weiteren Standorten in der Schweiz.

In unserem Interview erzählt der gebürtige Belgier, was ihn in die Schweiz gebracht hat, welche Ziele Actemium Schweiz verfolgt und warum er glaubt, dass „Industrie 4.0“ zwar eine Revolution verursachen wird, von der Technologie her jedoch nur eine Evolution ist.

Ihre Geschichte klingt spannend: Sie sind Belgier, kamen 1991 für das Cern in die Schweiz und arbeiten nun als Geschäftsführer von Actemium Schweiz – wie kam es dazu?
Patrick Vergult*: 1991 kam ich durch einen Auftrag von ABB als Freelance Software-Ingenieur zum Cern in Genf. Dort habe ich Kryogenie-Anlagen programmiert, welche auf minus 269 Grad Celsius kühlen können. Mit diesen Anlagen werden die Magnete im langen Ring des Teilchenbeschleunigers gekühlt bis sie supraleitend werden. Diese Magnete, die so gross sind wie ein 10-stöckiges Hochhaus, detektieren die Teilchen, die durch den Zusammenprall der beschleunigten Positronen und Elektronen entstehen. Eigentlich wollte ich nach einem halben Jahr zurück nach Belgien, bin dann aber in der Schweiz geblieben und habe mein Netzwerk laufend ausgebaut. Ich war damals auch Mitbegründer der Firma Iproco in Belgien, Der Geschäftsgang hier in der Schweiz lief sehr gut und wir beschlossen deswegen im Jahr 1998, in der Schweiz eine Niederlassung der Iproco zu gründen. 2001 entstand daraus Else Automation. Actemium entstand 2013 durch die Fusion von Etavis Engineering, Controlmatic und unserer Firma, der Else Automation.

Was macht Actemium Schweiz genau?
Im Grunde ist Actemium eine produktneutrale Automationsfirma. Wir entwickeln selbst keine eigenen Produkte, sondern wir integrieren verschiedene Automations- und IT-Systeme für unsere Kunden. Kurz gesagt bieten wir mit unseren sechs Business Units Elektro-, Automatisierungs- und IT-Technik für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation, sowie das übergeordnete Produktionsmanagement an. Unser Ziel ist es, von der Beratung, Planung und Umsetzung eines Projektes bis hin zur Wartung der Anlagen beim Kunden bleiben zu können. Schliesslich haben wir einen starken Bezug zu den Produkten, die wir einsetzen und kennen die Prozesse unsere Kunden gut.

Was reizt Sie an der Arbeit für Actemium?
Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen und gemeinsam erfolgreich zu sein. Actemium ermöglicht es Leuten wie mir, die sehr unternehmerisch geprägt sind, Unternehmer bleiben zu können, obwohl wir zum grossen Vinci-Konzern gehören. Actemium ist ein Netzwerk mit einer dezentralen Führungsstruktur. Das heisst, in diesem grossen Gebilde gibt es verschiedene kleine Unternehmen – sogenannte Business-Units –, die autonom und agil am Markt tätig sind. Alle unsere BUs sind stark segmentiert, damit es keinen Wettbewerb zwischen ihnen gibt.

Warum fiel die Wahl für den Hauptsitz auf Basel?
Die Firmen, aus denen 2013 Actemium Schweiz entstand, waren bereits in der Region. So kam 2013 schliesslich alles in Basel-Stadt zusammen. Ursprünglich waren wir eher Konkurrenten, was bedeutete, dass wir unsere Business Units gut segmentieren mussten. Für uns war und sind die Pharma- und Chemieindustrie eminent wichtig. Gerade die Pharmaindustrie investiert viel, der Standort Schweiz ist attraktiv und vor allem die Region Basel hat einen sehr stabilen Markt.

Ist es nicht schwierig, sich im Pharma-Hub Basel gegenüber der Konkurrenz zu behaupten?
Die Mitbewerber haben natürlich eine ähnliche Strategie. Wir versuchen, uns durch andere Faktoren abzuheben: Die Actemium University bietet Kunden und Mitarbeitern Schulungen an und mit „Young at Actemium“ pflegen wir ein internes Nachwuchsnetzwerk für Mitarbeiter unter 30 Jahren. Unsere jungen Mitarbeiter präsentieren die Firma an Absolventenmessen oder Hochschulen aus ihrer Sicht – ohne, dass ein Geschäftsleitungsmitglied dabei wäre. Vertrauen ist für uns sehr wichtig. Seit diesem Jahr haben wir zusätzlich einen Talent Award, für den einmal jährlich Abschlussarbeiten von Technikern und Ingenieuren eingereicht werden können. Diese werden von uns und externen Juroren aus unserem Kundenstamm – beispielsweise von Roche, Novartis oder Endress+Hauser – prämiert. Wir wollen somit den Kontakt mit den Hochschulen intensiver pflegen und vermehrt eigenen Nachwuchs generieren. Dazu gehört auch, dass wir jährlich 20 Lehrlinge ausbilden und das duale Studium für jeweils fünf bis sechs Studenten anbieten.

Ist der starke Franken ein Problem für Actemium?
Wir sind zum Glück stark im Pharmabereich tätig, wo der starke Franken nur eine geringe Rolle spielt. Viele Pharmakonzerne exportieren auch im Dollar, der sich aufgewertet hat – das gab einen gewissen Ausgleich gegenüber des schwachen Euros. Tatsächlich sind wir in den letzten Jahren trotz allem kontinuierlich über 10 Prozent gewachsen.

Neben der Schweiz hat Actemium auch Standorte im Elsass und im süddeutschen Raum – gibt es dadurch auch einen trinationalen Austausch?
Es ist uns sehr wichtig, unser regionales Netzwerk zu pflegen. Was es unseren Kunden und Mitarbeitern bringt, hängt jedoch stark von ihrer eigenen Persönlichkeit ab. Einige nutzen die Möglichkeiten intensiv, andere sind vielleicht etwas introvertierter und setzen weniger auf Networking. Über das Dreiländereck hinaus hat Actemium in weiteren 35 Ländern Business Units. Damit wir unsere Kunden bestens bedienen können, gibt es internationale Arbeitsgruppen, die sich zu verschiedenen Themen austauschen. Kürzlich fand zum Beispiel ein Treffen in Paris zum Thema „Industrie 4.0“ statt. In der Region Basel haben wir ein Dreiländereck-Netzwerk gegründet, das sich dreimal pro Jahr trifft um die Kräfte zu bündeln. Wir verzeichnen bereits erste Erfolge: Ein Projekt in der Romandie konnte zum Beispiel erst durch die Bündelung von Mechatronik-Experten aus Frankreich und Automations-Experten aus der Schweiz überhaupt angegangen werden. Dies bedeutet natürlich für unsere Kunden einen grossen Mehrwert, da er alles aus einer Hand geliefert bekommt. Actemium in der Schweiz geht einen Schritt weiter: Wir haben eine eigene CV-Datenbank entwickelt, in der jeder unserer 215 Mitarbeiter seinen Lebenslauf und seine Kompetenzen hinterlegt hat. Die Daten werden einmal jährlich beim Mitarbeitergespräch aktualisiert. So können wir intern ganz einfach nach Experten suchen – egal, ob es um Sprachkenntnisse oder andere Fähigkeiten geht. Tatsächlich finden wir auch meist die gesuchten Fähigkeiten. Jetzt zeigt das globale Actemium-Netzwerk starkes Interesse an dieser Lösung.

Die Digitalisierung schreitet voran, Industrie 4.0 ist in aller Munde. Wie wirkt sich das auf die Arbeit von Actemium aus?
Wir merken, dass das Thema „Industrie 4.0“ unsere Kunden eher verwirrt, da die meisten nicht wissen, was es genau bedeutet. Industrie 4.0 ist keine fixfertige Lösung, die man aus der Schublade holt – sie unterscheidet sich von Kunde zu Kunde. Deshalb lassen wir meist erst den Kunden erklären, was „Industrie 4.0“ für ihn bedeutet – um danach zu erklären, was wir darunter verstehen. So bekommen wir ein gemeinsames Verständnis und eine gute Ausgangslage für erfolgreiche Projekte. Es geht nicht nur darum, Objekte miteinander zu vernetzen und Daten in einer Cloud zu sammeln – das ist erst der Anfang! Wenn die Daten in der Cloud sind, müssen sie intelligent für den Kunden konvertiert werden, um zum Beispiel die interne Wertschöpfungskette zu verbessern. „Industrie 4.0“ an sich ist keine Revolution: Man benutzt Technologien, die bereits seit vielen Jahren vorhanden sind. Aber es wird eine Revolution verursachen.

Das dauert noch?
Ich glaube schon, denn viele Kunden scheinen noch nicht bereit dafür, völlig in das Thema einzutauchen. Nehmen wir einen Fleischproduzenten, der einen Workshop zu „Industrie 4.0“ veranstaltet hat. Dort wurde fast ausschliesslich über SAP gesprochen. Dass das Wetter zum Beispiel die Fleischkonsumation der Leute beeinflussen kann und man dadurch frühzeitig seine Produktion neuplanen könnte wurde nicht gesehen. Visionäre, die den Kunden im Bereich „Industrie 4.0“ Geschäftsmöglichkeiten aufzeigen, werden in Zukunft gefragt sein – da sehe ich grosses Potential. Ausserdem werden die Stärken der benutzten Systeme und Technologien noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Da ist in den nächsten zwanzig Jahren noch viel Luft nach oben.

Welche anderen Trends sehen Sie neben „Industrie 4.0“?
Wir setzen auf Robotics, Manufacturing Execution Systems und Energieeffizienz. Gerade bei letzterem Thema stehen wir noch am Anfang. Unsere Kunden haben bisher wenig Anreiz, in Energieeffizienz zu investieren – das wird wohl erst kommen, wenn gesetzliche Vorgaben existieren. Ich glaube fest daran, dass man immer wieder aus der Komfortzone heraustreten und sich neu erfinden und anpassen muss, um in Zukunft zu überleben. Und diese Philosophie versuche ich bei Actemium einzubringen – damit die Mitarbeiter und damit auch die Firma nicht zu lange in der Komfortzone sitzen bleiben.

Was erwarten Sie von BaselArea.swiss und was wünschen Sie sich von einer Standortpromotion und Innovationsförderung?
Ich finde es super, dass es neutrale Plattformen wie BaselArea.swiss gibt. Denn wenn Firmen selbst solche Veranstaltungen organisieren, dann geschieht das immer aus einem konkreten Nutzen, den sich das Unternehmen davon verspricht. Daher sind neutrale Plattformen ein Vorteil, weil sie auch verschiedene Netzwerke verknüpfen können.

Was möchte Actemium erreichen?
Die Grundwerte des Actemium-Netzwerks stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Für unsere Mitarbeiter investieren wir jährlich drei bis fünf Prozent der Lohnsumme in die Weiterbildung. Wir pflegen das Netzwerk und generieren unseren eigenen Nachwuchs durch Lehrlingsausbildung und ein duales Studium. Aber natürlich wollen auch wir weiter wachsen – um längerfristig Schweizweit präsent zu sein. Damit wir zukunftsfähig bleiben, soll jede Business Unit nebst ihrer Kernkompetenzen ein innovatives und zukunftsorientiertes Geschäftsfeld besetzen. Aber egal, ob Mitarbeiter, Kunden oder Shareholder: Alle sollen glücklich sein. Wir versuchen, dies durch ein gesundes, stabiles und profitables Wachstum zu erreichen.

Und wenn Sie sich für Ihr Unternehmen etwas wünschen könnten?
Dann würde ich mir wünschen, dass wir Schweizweit die beste Automationsfirma und der beste Arbeitgeber im Bereich Automation werden. Und wir sind auf gutem Wege. Wenn wir das erreichen, können wir alles erreichen – und wir arbeiten jeden Tag mit Spass hart daran.

Interview: Sébastien Meunier und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Switzerland Ltd., einer Firma, welche Lösungen und Engineering Services im Bereich der Industrie- und Gebäudeautomation anbietet. Actemium sieht ihren Auftrag darin, ihren industriellen Kunden dabei zu helfen, ihre Fabriken und Gebäude zu modernisieren und die Rentabilität zu steigern.
2001 war Patrick Vergult Mitbegründer und Grossaktionär der ELSE Automation Ltd. Die Firma sties im Mai 2011 zur VINCI Gruppe hinzu und wurde 2013 Teil des Actemium Netzwerks von VINCI. Zusätzlich ist er Gründer von curaVer, Business Support, einer Treuhandfirma, welche vorwiegend ausländische Betriebe bei einer Ansiedlung in der Schweiz berät und unterstützt. Des Weiteren war er erfolgreich in der Restrukturierung der Reiseagentur Venture Europe involviert, wo er das finanzielle Risiko übernahm.

Actemium Schweiz entdecken

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Production Technologies – der neue Bereich von BaselArea.swiss

02.11.2016

Derzeit reicht es nicht aus, einfach zu produzieren. Unternehmen müssen zu geringeren Kosten produzieren, sparsam mit Ressourcen umgehen, die Wünsche der Kunden berücksichtigen – alles in kürzester Zeit und möglichst ohne Lagerbestand. Neue Produktionstechnologien versprechen Lösungen. Additive Fertigung, Robotik oder Internet of Things: Die Produktion von Gütern wird sich in den nächsten Jahren stark verändern.

Neu bearbeitet BaselArea.swiss den Fachbereich „Production Technologies“. Die Region Basel ist gekennzeichnet durch die Präsenz von High-Tech-Unternehmen, die komplexe, qualitativ hochwertige Produkte zu hohen Lohnkosten herstellen. Die Lage Basels an der Grenze zum Elsass und zu Baden bietet ihnen eine echte Chance für den Austausch und die Zusammenarbeit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Im Zentrum des Technologiefelds Production Technologies steht der sorgfältige Umgang mit Ressourcen und der Einsatz von sauberen Technologien. Der Fokus liegt dabei auf den folgenden 6 Bereichen:

  • 3D-Druck, additive Fertigung: BaselArea.swiss organisiert Informations- und Networking-Veranstaltungen sowie Workshops zu diesem Thema und den neuen Geschäftsmodellen. Darüber hinaus existiert eine LinkedIn-Gruppe mit rund 100 Forschern und Themenbegeisterten. 
     
  • Industrie 4.0: In Zusammenarbeit mit Schulen und Forschungszentren bietet BaselArea.swiss Informationsveranstaltungen und technologieorientierte Networking-Veranstaltungen auf regionaler und internationaler Ebene. Darüber hinaus bringt der Technology Circle „Industrie 4.0“ Unternehmen zusammen, um sich zu informieren und das Know-how in der Region weiter zu entwickeln.
     
  • Organische und gedruckte Elektronik: Die druckfähige Elektronik hat das Auftauchen neuer Produkte ermöglicht, beispielsweise OPV, OLED oder Anwendungen in den Bereichen Gesundheit oder Sensoren. BaselArea.swiss initiiert die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungszentren bei technischen Projekten sowie im Vertrieb und entwickelt zusammen mit der Industrie ein Netzwerk von Kompetenzen im Rahmen des Technology Circles „Printed Electronics“.
     
  • Effizienz bei der Nutzung von Ressourcen und Energie in der Produktion: Im Rahmen eines Technolgy Circles hat BaselArea.swiss ein Netzwerk von Unternehmern aufgebaut, das diesen regelmässigen Austausch pflegt.
     
  • Wassertechnologien: Die effiziente Nutzung von Ressourcen steht im Mittelpunkt. Die Forschung konzentriert sich auf Problemstellungen wie Mikroverunreinigungen, die Rückgewinnung von Phosphor oder auch die im Wasser vorhandenen antibiotikaresistenten Gene. Einmal pro Jahr veranstaltet BaselArea.swiss eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).
     
  • Biotechnologien für die Umwelt: Die Nutzung von lebenden Organismen in industriellen Prozessen ist nicht neu, gewinnt aber an Bedeutung, zum Beispiel bei der Behandlung von Ölunfällen. Dank Biokunststoffen aus erneuerbaren Rohstoffen (wie Lignin) bieten ökologischere Lösungen echte Alternativen zu den herkömmlichen chemischen Prozessen. BaselArea.swiss organisiert regelmässig Veranstaltungen zu diesem Thema und schafft Verbindungen zwischen Forschern, Industrie und Verwaltung.

Die gemeinsame LinkedIn-Gruppe „Production Technologies by BaselArea.swiss“ zählt heute bereits 46 Mitglieder, die sich gegenseitig über die neuesten Entwicklungen in den oben genannten Gebieten austauschen. Die Gruppe ist offen für neue Teilnehmer – melden Sie sich an!

Wenn Sie Interesse am Austausch mit Unternehmern und Forschern zum Thema „Production Technologies“ haben oder weitere Informationen über unsere Services wünschen, dann kontaktieren Sie einfach Sébastien Meunier (siehe Kontaktdaten links).

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Evolva kann mit Patent für Stevia-Süssstoff rechnen

20.12.2016

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Workshop on solid state lighting in Muttenz

05.12.2016

report Production Technologies

Keime und Antibiotikaresistenzen – ein Eventthema, das uns alle betrifft

05.10.2016

Bereits zum siebten Mal findet am 25. Oktober 2016 der eintägige Event aus der Reihe der Wassertechnologie statt, den BaselArea.swiss gemeinsam mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (HLS FHNW) organisiert. Am diesjährigen Event dreht sich im „Gare du Nord“ in Basel alles um „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“.

Die Teilnehmer erleben Vorträge und Diskussionen, Institutionen können sich in der Fachausstellung mit Postern zeigen und so zu vertieften Diskussionen anregen. Ein Schlüssel für den langjährigen Erfolg der Veranstaltungsreihe ist die Kooperation der beiden Partner. Thomas Wintgens vom Institut für Ecopreneurship der HLS FHNW betont: „Uns ist die Zusammenarbeit mit BaselArea.swiss sehr wichtig, weil die Organisation ein regional stark vernetzter Akteur im Bereich von Innovationsthemen ist.“

Man habe eine gute Symbiose zwischen spezifischen, fachlichen Kompetenzen und dem Wissen über Themen und Akteure gefunden. „Auch in diesem Jahr ist es uns wieder gelungen, ein komplett neues Thema aufzunehmen“, sagt er. Die Forschungsaktivitäten der Gruppe um Philippe Corvini von der Hochschule für Life Sciences FHNW gaben den ersten Impuls zur diesjährigen Themenwahl.

Philippe Corvini, warum ist das Thema „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ spannend für eine grosse Veranstaltung?
Philippe Corvini: Das Thema ist in den letzten Jahren stärker in den Bereich der Umweltforschung vorgedrungen, immer mehr Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit dem Verhalten und Vorkommen von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt. Zudem haben auch auf nationaler Ebene die Aktivitäten zugenommen, es gibt ein nationales Forschungsprogramm und eine nationale Strategie zum Umgang mit Antibiotikaresistenzen. In den nächsten Jahren wollen wir intensiver untersuchen, wie sich diese Resistenzen zum Beispiel in biologischen Kläranlagen verhalten und welche Faktoren die Weitergabe von genetischen Informationen, die zu Antibiotikaresistenzen führen, beeinflussen.

Welche neuen Erkenntnisse erwarten die Besucher?
Philippe Corvini:
Wir werden am Event die neuesten Ergebnisse unserer Forschung vorstellen. Bisher wurde eine Resistenz relativ simpel erklärt: In der Umwelt existiert ein Antibiotikum, wodurch sich Resistenz-Gene bilden. Diese werden übertragen, die Resistenz verbreitet sich. Wir haben nun entdeckt, dass resistente Bakterien ein Genom besitzen, das sich weiterentwickelt, so dass sie sich am Ende sogar von Antibiotika ernähren können. Diese resistenten Bakterien bauen also die Antibiotika-Konzentration ab, so dass Bakterien, die sonst empfindlich auf den Wirkstoff reagiert haben, nun im Medium überleben und sogar ihrerseits eine Resistenz entwickeln können. Wir hoffen, künftig die Ausbreitung der Resistenzen bremsen zu können.

Wie könnte man dies schaffen?
Thomas Wintgens:
Wir werden demnächst im Pilotmasstab verschiedene Betriebsweisen von biologischen Kläranlagen untersuchen, um herauszufinden, wie diese Verbreitungswege durch Betriebseinstellungen in den Anlagen beeinflusst werden können. Ausserdem forschen wir an Filtern, welche die antibiotikaresistenten Keime zurückhalten und so die Keimzahl stark reduzieren können.

Warum ist die diesjährige Veranstaltung auch für Laien interessant?
Philippe Corvini:
Ich glaube, fast jeder hat eine Meinung zum Thema Antibiotikaresistenz und viele Leute haben eine Ahnung, wie dringend das Thema ist. Schliesslich betrifft das Thema Gesundheit uns alle.

Ein Fachevent – auch für Laien
Laut Thomas Wintgens dürfen die Teilnehmer viele kompetente Redner erwarten: „Wir freuen uns zudem sehr, dass Helmut Brügmann von der Eawag die nationale Strategie und deren Bedeutung für den Umweltbereich vorstellen wird.“

Generell berührt das Thema Wasser uns alle, weil es unser wichtigstes Lebensmittel ist. Wir konsumieren es als Trinkwasser, über Nahrungsmittel oder nutzen es für unsere persönliche Pflege. Gerade deswegen die Wassertechnologie laut Wintgens ein spannendes Thema für eine öffentliche Veranstaltung: „Wasserqualität ist jedem von uns wichtig und es besteht in der Öffentlichkeit ein grosses Interesse an diesem Thema.“ Gleichzeitig würden die Wassertechnologien aber auch Firmen die Möglichkeit bieten, innovative Produkte zu entwickeln und Stellen zu schaffen.

Seit 2009 Plattform für das regionale Netzwerk
Die HLS FHNW veranstaltet seit 2009 gemeinsam mit i-net/BaselArea.swiss die Veranstaltungsreihe im Bereich Wassertechnologie, welche jährlich rund 120 Teilnehmer anzieht. Die Idee, eine Eventreihe zu starten, entstand aus der Überzeugung heraus, dass Wasser in der Region ein wichtiges Thema ist und hier die Wertschöpfungskette vorhanden ist», so Thomas Wintgens. Jedes Jahr setzten die Verantwortlichen neue Themenschwerpunkte, zum Beispiel Mikroverunreinigungen im Wasserkreislauf, Membranverfahren oder Phosphor-Rückgewinnung. Wintgens erklärt: „Jedes Jahr machen Akteure aus der Forschung, der Technologie oder dem Bereich der Anwendungen mit und präsentieren sich vor Ort“.

Der Plattform-Gedanke war den Initianten von Anfang an wichtig, der Event sollte das regionale Netzwerk stärken und Innovationsvorhaben ermöglichen. Diese Strategie hat sich laut Thomas Wintgens bewährt: „Der Anlass ist ein wichtiger Baustein in unserer Öffentlichkeitsarbeit und wurde zu einem festen Treffpunkt der Interessenten und Kooperationspartnern aus der Region“. Viele Teilnehmer würden den Event schon seit Jahren verfolgen und seien jeweils neugierig auf das Thema im nächsten Jahr.

BaselArea.swiss und die Hochschule für Life Sciences FHNW  (HLS) führen am 25. Oktober im „Gare du Nord“ in Basel ein Symposium unter dem Titel „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ mit Referenten aus den Bereichen Forschung, Verwaltung, Wasserversorgung und Technologieanbieter durch. Eine Anmeldung bis 19.10.2016 ist erforderlich.

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01.12.2016

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«It would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology –...

11.06.2015

Neil Goldsmith and two colleagues started working on Evolva in 2001, moving its headquarters from Denmark to Reinach in Switzerland in 2004. The «Brewers of 21st Century» discover and provide ingredients produced with the help of biologically engineered yeast. CEO Neil Goldsmith explains in the i-net interview how this works and why, initially, they received their seed money for another business model.

You call yourselves the «Brewers of 21st Century». What does that mean?
Neil Goldsmith*: We make ingredients for food or cosmetics by genetically engineering baker’s yeast and brewing it. If we want to make Stevia for example, we take the genes the plant uses to make that molecule and put those genes into the yeast so the yeast can make the molecule. We then ferment the yeast by brewing, just like with beer. The yeast takes up the sugar, turns it into Stevia and pumps it out; we filter off the yeast and have Stevia in the «broth» which we can purify out.

Why should biosynthetically brewed Stevia be better than the grown one?
The Stevia plant makes a lot of sweet molecules. However most of these molecules start to taste bitter when you use a lot of them – that is why the current Stevia-based soft drinks only have about a one-third reduction in the level of sugar or high-fructose corn syrup. Now, the plant also makes some molecules that do not give a bitter taste, but it makes very small amounts of them. Therefore it’s not economic and sustainable to grow the plant to produce these molecules. But creating Stevia by brewing it is a very promising alternative.

So with yeast, you can make almost anything?
In principle, we can make anything that occurs in nature. The key is combinatorial genetics. For the yeast to turn sugar into Stevia it needs 32 genes that have to work together: Finding what those genes are and optimizing them so they all work well together is what we are founded around. It’s in principle more complex than making an antibody or an enzyme, because that’s just one gene or one protein. We were intrigued by the idea of taking the combinatorial thinking of chemistry and applying it to genetics. You can use our approach to make old molecules in better ways – which is what we do now – or you can use it to make new molecules, which was the original idea. You would get new structures that have never been seen before and they might cure diseases.

Evolva has pivoted from pharmaceuticals to the nutrition sector – how did this come about?
We pivoted because we weren’t finding interest from the pharma companies for our technology. Instead, food and cosmetic companies were approaching us. We initially agreed to work for some of these companies just to bring some money in. After a while, we started to understand that the business itself looked interesting. Then we had to persuade our investors, who invested in us because we were going to develop a new diabetes drug, that switching to food and other ingredients made sense.

A completely different market?
Yes and with lower margins. But also less risky, with lower development costs and much less competition compared to pharma. Today we’re actually a network business; our analogy is a railway company. Two molecules that might be very, very different – take vanillin and benzocaine, an anaesthetic – are actually on the same railway track from the yeast point of view. So we want to build and own this track and own that network. If we invest in making vanillin well, that also gets us towards benzocaine. It was interesting to realise that there are many different products by simply pursuing the same track. Maybe they’re not all so big in market terms, but they are built on the same research and can be produced with the same infrastructure: Everything is brewing. So you can produce one product this week and another one next week. Also it is possible to respond very quickly to market demand.

Pharma start-ups are mostly being exited through a trade sale. Will Evolva be a different story?
The food and personal care industries have seen very little transformative innovation. Companies typically spend only very little on R&D and that gives the opportunity to build something transformative. In pharmaceuticals you can’t do that because the big pharma companies will spot you and adapt pretty quickly. In a way it’s a problem for the biotech industry that it has stayed so reliant on pharmaceuticals and not innovated its business models for 30 years. In the ingredients business everyone collaborates with everyone, and by partnering and building a network you can get the resources you need. Using the railway analogy: If you want to build a track from Basel to Geneva and you want to fund this track, you fund it by selling off Yverdon-les-Bains to someone who wants this station, meaning this product. In pharma, this way of thinking is not possible. So I really believe we can grow our business organically and remain an independent company.

What is your business strategy with Evolva?
We want to make products where there is a clear benefit, not just that we can make it cheaper but also that we can make it better, like Stevia. We don’t want to compete with the big companies. Instead we are looking to develop products which have a new market or can open up a new market. In a nutshell, we focus on «high priced, small volume» in the health, wellness and nutrition industry. One of our latest products is Nootkatone, a grapefruit fragrance that turned out to be very good at killing and repelling the ticks that transmit Lyme disease. There is an unmet need for that and we have a product that is very safe, it smells nice and it’s very good at both repelling and killing the ticks.

Will you do the production yourself or enter into a partnership for the production?
At the moment, all we have is labs. In some cases we have a partner who does it, and in other cases we pay someone on a contract basis. But in the long term we want our own brewery, because it’s a business with constant improvement and ultimately, you need to have the bug and the brewery integrated. If you want to be flexible in manufacturing, it needs to be your facility. But this is a long-term plan that costs many tens of millions of dollars. We don’t want to do that too quickly and then find that we can’t sell enough products quickly enough to justify that.

Would you do that in Switzerland or somewhere else in the world?
I wouldn’t completely rule out Switzerland; it’s obviously a high-cost location for manufacture, but it’s possible to run these facilities pretty lean and there is a value in this market to being Swiss. If you’re selling a food ingredient and it’s a Swiss food ingredient you get a certain quality association. We don’t know the answer yet, but I think there will be something in the States and something in Europe.

Let’s talk more about the buzz around high-tech food, which is sustainable and healthier. There seems to be a lot of attention surrounding this issue that suggest you may be in the right place at the right time.
It’s clear that a lot of megatrends in society converge in the space we occupy at present. It started about four to five years ago, and it has taken a few years to build a momentum. But we don’t know how it will play out in reality. What’s going to be interesting is that food is fundamentally a very conservative culture, and innovation– by definition – is not. So how do you marry these cultures? If you look at the big food companies and if you take brewing beer, it’s a very conservative industry. But the rise of craft brewing is really challenging that. There are people experimenting with different flavours of beer made from different ingredients. The same could happen with synthetic biology: Innovation happens in small companies.

Is there a technological driver behind this trend?
I don’t see the development as technology driven; it’s rather about adapting technology to these needs because technology sort of arises for other purposes. Look at the smart farming movement: It’s just applying sensors; now you can image every single corn plant in the field and data mine. I think it’s more that various technologies have matured to the point where they can start to be used here, because they need to be robust and relatively affordable, and then you start to assemble them together. Now you can set up a biotech lab in your garage and start to do stuff – this is new for biotech. And it does raise important questions as to how we control it. There is no way you can track every single garage around the world.

What is the potential in this region; should there be more attention for this field?
I think it would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology, because it’s not just cancer drugs. I think the limiting factor is investors, and that’s really why there are so few people in this space currently. Traditional biotech investors are investing in medical stuff – we only got our money because we started off doing that. We would never have got the money if we started off doing what we now do. I think you need new kinds of investors.

They are mostly likely to be found in Silicon Valley.
Yes, we need people that really think hard and deep about where trends will be and start playing there. Europe is not so good at doing that; it only follows. We need a different mindset. If you look at Silicon Valley, most of the people who are in the nutrition area come from the IT sector, whereas the biomedical guys find it very hard to get out of their way of thinking. The UK investment in food and agricultural research has declined, and you don’t have equivalents in Europe to the movement in the US of teaching farmer’s kids technology.

Next year will be a big year for you with Stevia hitting the market, will that be a booster? What do you expect?
We have a product we are very confident of in terms of taste and competiveness. Potentially, it’s very big. It’s clearly got the possibility of being a billion-dollar product in terms of revenue. But will it get there? We don’t know. It will take some years to get into the market. These products typically have 5 to 10 years to achieve peak sales, because we’re in a slow-moving industry. Unlike a pharmaceutical product that gets picked up immediately by the healthcare industry, market incumbents in the nutrition sector don’t change their flagship products and brands overnight. They normally extend their product lines gradually.

Interview: Thomas Brenzikofer and Nadine Nikulski, i-net

*Neil Goldsmith is co-founder and CEO of Evolva SA in Reinach. He has a 25-year track record in building successful biotech companies, among them TopoTarget A/S and Personal Chemistry AB. Earlier in his career, he was Chief Executive Officer of Auda Pharmaceuticals, GX Biosystems and PNA Diagnostics.
He received a first-class BA Honours degree in Zoology from Balliol College, University of Oxford, and is a graduate of the New Enterprise Programme at the Scottish Enterprise Foundation, University of Stirling.

About Evolva
Evolva was founded by three people, Neil Goldsmith and two others as a spin-off of the US company Phytera, that was doing plant cell culture, had a lot of plant genes and was trying to find a way to put them in a host that was more robust than plant cells. Phytera IPO failed and the company needed to cut costs. It was clear that the project of putting the genes into yeast was going to be one of the things to be cut. Neil Goldsmith wanted to take this out and found a company around it. So in 2001 they set up Evolva – initially in Denmark – and raised some seed money just before 9/11. In 2003, they thought they had enough to raise a proper round as the market had improved. At this point the three partners already wanted to change our headquarters to another location than Denmark, as the country «wasn’t world class» in the field of small molecule pharmaceutics. In addition, they wanted to be where there was more money available. They looked at the States, Canada, UK but ended up choosing Switzerland.


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«Ungenutzte Biomasse hat ökonomisches Potenzial - dieses Bewusstsein ist enorm gewachsen»

09.04.2015

«Biotechnological use of untapped biomass for the future bioeconomy of Switzerland» heisst der i-net Cleantech Technology Event, der am 21. April 2015 an der Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS) in Muttenz stattfindet. Philippe Corvini, Professor für «Environmental Biotechnology» und Leiter des Institutes für Ecopreneurship an der HLS, erklärt im i-net-Interview, warum der Anlass einen Besuch wert ist und welche Chancen die Biotechnologie für die Nordwestschweiz birgt.

Sie leiten das Institut für Ecopreneurship an der Hochschule für Life Sciences an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Was heisst Ecopreneurship genau?
Philippe Corvini: Der Begriff «Ecopreneurship» verweist auf die Tatsache, dass Umwelttechnologie auch zur effizienteren Ressourcennutzung sowie zu weniger Energieverbrauch beitragen kann und damit auch ökonomisch sinnvoll ist. Das heisst, neben Forschung zu betreiben möchten wir auch zum unternehmerischen Handeln beim Einsatz von Umwelttechnologien anregen. Wir tun dies in drei Bereichen: Bei der Umweltbiotechnologie und Umwelttechnik geht es um den biologischen Abbau und den physikalisch-chemischen Rückhalt von Schadstoffen wie auch um die Rückgewinnung von wertvollen Stoffen. In der Ökotoxikologie untersuchen wir die Effekte von Chemikalien oder neuen Materialien auf Organismen und in der Gruppe für nachhaltiges Ressourcenmanagement geht es um Gesamtbetrachtungen die zu ressourceneffizienter und umweltfreundlicher Produktion führen.

Wie kann Biotechnologie unsere Umweltprobleme lösen?
In der Umweltbiotechnologie macht man sich lebendige Organismen zunutze, die Schadstoffe entweder zurückhalten beziehungsweise akkumulieren oder aber als Nahrung aufnehmen und in weniger toxische Stoffe umwandeln können. Dabei kommen nicht nur Bakterien zum Einsatz, sondern auch Pilze, Algen und andere Pflanzen. Ein gutes Beispiel ist die Abwasserreinigung: Bakterien werden dem Abwasser zugesetzt und ernähren sich, indem sie gewisse Stoffe aus dem Abwasser abbauen. An einem bestimmten Punkt gibt es dann zu viele Bakterien und es entsteht überschüssiger Schlamm. In einem Faulturm wird dieser Schlamm dann von anderen Mikroorganismen verdaut und dabei entsteht Biogas. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Biotechnologie Umweltprobleme lösen kann, sind Biofilter: In diesen wirken Bakterien, die sich von Lösungsmitteln aus der Abluft ernähren und so Schadstoffe abbauen.

Durch Biotechnologie versucht man also biochemische Prozesse so zu steuern, dass sie für die Umwelt keine ungünstigen Auswirkungen mehr haben?
Tatsächlich dominieren die Themen «Minimierung der Auswirkungen» und «Sanierung» im Umwelttechnologie-Bereich. Es geht darum, den Schaden, der durch menschliche Aktivitäten entstanden ist, zu minimieren oder rückgängig zu machen. Die Forschung an der Hochschule für Life Sciences FHNW geht aber darüber hinaus. So untersuchen wir auch, wie neue Substanzen, die etwa über Medikamente in die Umwelt gelangen, abgebaut werden können. Von daher haben wir viele Schnittstellen zur pharmazeutischen Biotechnologie. Denn wenn man weiss, wie Bakterien einen Stoff abbauen können, ist das auch für die pharmazeutische Industrie interessant. Ein Beispiel ist das Antibiotikum Sulfamethoxazol. Wir haben ein neues Bakterium gefunden, das infolge einer Genmutation gegenüber Sulfamethoxazol resistent ist und sich sogar von diesem ernähren kann.

Wo sehen Sie derzeit das grösste Potenzial für Umweltbiotechnologie?
Neben den oben erwähnten Einsatzmöglichkeiten bietet die Nutzung von lebenden Mikroorganismen aber noch viel mehr. Sie sind auch wichtige Hilfsmittel, um ungenutzte Ressourcen weiter zu verwerten. Abwasser und Bioabfälle aus agro-industriellen und kommunalen Quellen werden gereinigt, beziehungsweise «hygienisiert», verbrannt oder noch in Biogas umgewandelt. Für die Schweiz am Relevantesten ist sicherlich Holz. Diese Biomassequelle sollte noch besser verwertet werden. Altholz oder Holzabfälle zu verbrennen bedeutet, die stofflichen Verwertungsmöglichkeiten nicht zu nutzen. Im Holz stecken wertvolle Moleküle und chemische Verbindungen, die man extrahieren kann. Neben Zellulose für die Produktion von Bioethanol ist besonders Lignin von grossem Interesse. Dabei handelt es sich um ringförmige Strukturen, die zur Herstellung von Chemikalien für die Industrie sehr wichtig sind. Bis heute werden diese ringförmigen Verbindungen ausschliesslich aus fossilen Quellen gewonnen. Holz wäre hierfür die sehr viel nachhaltigere Ressource.
Vielversprechend ist auch die Konvergenz von Umweltbiotechnologie und neuen Technologien wie die Nanotechnologie. Zum Beispiel kann der Einsatz von Nanomaterialien die biologische Sanierung von ausgelaufenem Öl effizienter machen. Zwar existieren im Meer natürlicherweise Mikroorganismen, die Öl abbauen können. Doch dafür brauchen sie viel Zeit, weil ihr Wachstum durch die Verfügbarkeit von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor limitiert ist. Durch gezielte Zufuhr der limitierenden Nährstoffe kann die Abbaurate beschleunigen werden. Dies geschieht in der Regel durch Beigabe von herkömmlichem Dünger. Allerdings verdünnt sich dieser im Meer ziemlich schnell. Mit dem HLS-Kollegen Dr. Patrick Shahgaldian haben wir sehr poröse Silica-Partikel, deren Oberfläche wasserabweisend ist, mit Stickstoff und Phosphor gefüllt. Wegen der Eigenschaften dieser Partikel kleben diese dann förmlich am Öl und stellen dort gezielt Stickstoff und Phosphor für das bakterielle Wachstum bereit, was die Abbaurate des Rohöls signifikant erhöht.

Sind solche Anwendungen schon marktreif?
Einige Technologien werden bereits zur Dekontamination von Abwässern im Bergbaubereich, zur Rückgewinnung von Metallen oder für die Fermentierung von Bioabfällen eingesetzt. Zudem springen traditionelle Chemiefirmen hinsichtlich Bioabfallverwertungen auf den Zug auf, und es gibt auch interessante Chancen für Startup-Unternehmen. Generell ist festzustellen, dass derzeit unter dem Begriff Bioökonomie eine sehr diversifizierte Szene mit viel Wachstumspotenzial am Entstehen ist.

Und welche Rolle spielt dabei die Nordwestschweiz?
Es gibt schweizweit, aber auch global gesehen, noch kein etabliertes Bioökonomie-Zentrum. Europa scheint aktuell eine führende Rolle einzunehmen, wobei Asien stark aufholt. Für mich und mein Institut ist die Region Nordwestschweiz sehr interessant, weil wir hier neue Begeisterung für diesen Bereich entfachen können. Das Bewusstsein darüber, dass ungenutzte Biomasse ein ökonomisches Potenzial darstellt, ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen.

Am 21. April 2015 findet an der Hochschule für Life Sciences in Muttenz der i-net Cleantech Technology Event «Biotechnological use of untapped biomass for the future bioeconomy of Switzerland» statt. Was erwartet die Teilnehmer?
Die Veranstaltung, welche die HLS und i-net in Zusammenarbeit mit Swiss Biotech gemeinsam in unserem Haus durchführen, bietet eine tolle Übersicht über die Themen Biotechnologie und Bioökonomie. In den Englischen und Deutschen Referaten geht es um das Potential von Bioökonomie in Europa. Man erfährt von konkreten Beispielen und lernt Zulieferer, Anwendungen oder Forschungsprojekte kennen. Wir hoffen, dass wir interessierte und neugierige Teilnehmer mobilisieren können. Immerhin ist es der erste Anlass in der Region, der sich spezifisch diesem Thema widmet.

Interview: Sébastien Meunier und Nadine Nikulski, i-net

Philippe Corvini ist Professor für «Environmental Biotechnology» und Leiter des Institutes für Ecopreneurship an der Hochschule für Life Sciences FHNW. Er arbeitet an verschiedenen wissenschaftlichen internationalen und nationalen Projekten. Er ist Vize-Präsident der European Federation of Biotechnology und repräsentiert und leitet die Sektion «Environmental Biotechnology». Daneben ist er Scientific Advisor und Mitbegründer der Inofea AG und gehört einem Beratungsgremium des Bundesamtes für Umwelt an. Weiter ist er Co-Leiter der Plattform «Bioresource Technology» des KTI F&E Konsortiums Swiss Biotech und hält zwei Professuren am Yancheng Institute of Environmental Technology and Engineering der Nanjing University.

Philippe Corvini hat in Nancy Biotechnologie studiert und erforschte nach seinem PhD in einem interdisziplinären Projekt in Deutschland, wie Bakterien Schadstoffe abbauen. Er hat die Habilitation an der RWTH Aachen bekommen und hat sich nun an die Universität Basel umhabilitiert.

report ICT

Städte intelligenter gestalten

13.10.2016

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Industrietag „Sensorik für Industrie 4.0“ in Freiburg i.Br.

07.10.2016

report Medtech

Industry 4.0 – what’s the impact on other sectors?

28.01.2015

On January 22, 2015, NZZ published a very interesting set of articles about the silent revolution in industry and production: industry 4.0 is the digital interlinking of production and value chains (see links below).

The revolutionary phases in industrial production were the introduction of the steam engine and water power, which allowed mechanized fabrication (industry 1.0), the invention of the conveyor-belt, which allowed mass production (industry 2.0), and computers and robots, which enabled automated production (industry 3.0). And today, the next industrial revolution is enabling the physical and virtual systems to be merged through the internet of everything (industry 4.0). The results of digital production are the vertical interlinking of intelligent production systems (smart factories) and the horizontal integration of global value chains, including suppliers and customers.

The sensing of everything becomes reality – not only in production, but also in mobility (self-driving car), in health (quantified self), in logistics (real-time tracking) or in finance (high-frequency trading). But this is only the tip of the iceberg. Sensing and listening (in terms of data exchange) will inform every aspect of what we do. But how do we get the essentials from the vast, unstructured data and how can we benefit from this becoming more effective, more sustainable, more innovative, improving safety, reducing risks and finally improving our habits?

Apart of sensors and data storage, we also require smart brains and emulation power, such as lateral thinking, lean management (bad processes remain bad, even if they become smart through the latest technology) and expert systems (smart and self-learning algorithms based on large data sets, which make decisions without human interaction). The future is bright; some potential advantages include the prediction of failure and conflicts (and thus hopefully their prevention), the personalization of products, services and therapies, automatic maintenance, self-organized logistics, the share economy, energy efficiency in all aspects of our life and so on.

The threats and challenges are also enormous: Data privacy, protection against industrial espionage, data security measures, data banking and so on. Sound solutions are required. We have a lot of opportunities in Switzerland from the internet of everything and expert systems, not only in industry, but in all manner of applications for our daily life. Swiss data banking and Swiss secure cloud are two such potential opportunities. Learn about more the opportunities from the i-net Technology Trend Forum and the i-net technology and business related events.

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