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report BaselArea.swiss

33 neu angesiedelte Firmen schaffen hunderte Arbeitsplätze

28.03.2019

BaselArea.swiss hat 2018 beachtliche Erfolge feiern können. 33 Firmen konnten davon überzeugt werden, in die Wirtschaftsregion Basel zu expandieren. Das sind sieben mehr als im Vorjahr. 16 Firmen sind aus Europa zugezogen, neun davon aus Deutschland. Zudem hat BaselArea.swiss sechs Schweizer Unternehmen bei der Suche nach einem geeigneten Standort in der Region Basel unterstützt. Unter den neu angesiedelten Firmen sind 19 in den Life Sciences und in der Chemiebranche tätig.

Die neu im Wirtschaftsraum Basel ansässigen Firmen haben bereits 139 Arbeitsplätze geschaffen, 296 weitere haben die Unternehmen für die kommenden Jahre in Aussicht gestellt. Das grosse Interesse an der Region Basel als Firmenstandort zeigte sich ausserdem an den über 400 Beratungen im In- und Ausland sowie den 67 Besuchen von Investoren und Unternehmensdelegationen, die BaselArea.swiss 2018 organisiert hat.

Überaus erfreulich entwickelte sich neben der Standortpromotion auch die Innovationsförderung. 72 Start-ups wurden von BaselArea.swiss bei der Gründung unterstützt, womit sich die Zahl der Unternehmensgründungen gegenüber dem Vorjahr um neun erhöhte. Es handelte sich dabei primär um Firmen in den Branchen Life Sciences und ICT.

Eine deutliche Zunahme zeigte sich bei der Nachfrage nach Beratung und Mentoring. 556 Mal haben Unternehmen diese Dienstleistung von BaselArea.swiss in Anspruch genommen, was im Vergleich zum Vorjahr mehr als einer Verdreifachung entspricht. Grosser Beliebtheit erfreuten sich auch die Veranstaltungen von BaselArea.swiss, an denen rund 6’000 Teilnehmenden eine Plattform geboten wurde, um sich zu vernetzen und neue Ideen zu generieren.

Lesen Sie die ganze Medienmitteilung. Den Jahresbericht können Sie hier als PDF herunterladen.

report Life Sciences

Novartis ist auf Erfolgskurs

18.07.2019

report Life Sciences

Basel beheimatet zwei der wertvollsten Konzerne

12.07.2019

report Life Sciences

«Wir sind ein kleines Unternehmen mit einem grossen Portfolio»

05.02.2019

Nachdem Martine und Jean-Paul Clozel mit zwei weiteren Personen Actelion gegründet und in Europas grösstes Biotech-Unternehmen verwandelt hatten, wurden die Gesellschaft und ihre Entwicklungsprojekte in der Spätphase im Jahr 2017 von Johnson & Johnson übernommen. Mit der Entdeckungssparte und den in der Frühphase befindlichen Entwicklungsprojekten von Actelion gründete das Ehepaar das Start-up Idorsia mit dem Ziel, eines der führenden Biopharma-Unternehmen in Europa aufzubauen.

Wir sprachen mit Martine Clozel über ihre Leidenschaft für die Forschung, den medizinischen Gesichtspunkt in der Wissenschaft und was aufstrebende Biotech-Unternehmer brauchen.

BaselArea.swiss: Martine, ist Idorsia die neue Actelion?

Martine Clozel: Zum Teil ja, wir machen immer noch schwierige Sachen. Das hat sich gar nicht geändert. Wir haben die gleiche Kultur und die gleichen Ziele wie früher bei Actelion: Wir wollen innovative neue Arzneimittel entdecken, die möglicherweise bedeutende Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben. Wir freuen uns, weiterhin Medikamente entdecken zu können. Es ist herrlich, dass wir dazu in der Lage sind. Im Unternehmen herrscht helle Begeisterung. Actelion war beinahe ein grosses Biopharma-Unternehmen geworden und war in vielen Ländern vertreten. Idorsia hat ihren Sitz in Allschwil und konzentriert sich auf effiziente Forschung und Entwicklung. Wir denken schon an die Vermarktungsphase. Kürzlich haben wir einen Vertriebsleiter eingestellt und den ersten ausländischen Standort in Japan eröffnet.

Sind Ihre Portfolioentscheidungen ausschliesslich wissenschaftlich begründet? Oder berücksichtigen sie auch wirtschaftliche Faktoren?

Wir alle wissen, dass die Nachfrage nach Medikamenten für Schlaflosigkeit, Lupus oder Hypertonie sehr hoch ist. Die Wahl einer neuen klinischen Indikation hängt vom neuen Molekül ab, von seinem Wirkmechanismus und auch davon, wo das Molekül die grösste therapeutische Wirkung entfalten kann. Wir versuchen, sehr pragmatisch vorzugehen und der Wissenschaft dorthin zu folgen, wo sie uns hinführt. In der Phase II und darüber hinaus, wenn wir mehr verstehen und sehen, dass unsere Annahme sich bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt, können wir ein Arzneimittel in Bezug auf Markteintritt und Vertriebspotenzial positionieren.

Wie gehen Sie bezüglich Ein- und Auslizenzierung vor?

Da wir viele faszinierende interne Aussichten haben, übernehmen wir keine Lizenzen. Derzeit befinden sich zehn Präparate in klinischer Entwicklung. Einige Forschungsprojekte nähern sich der Entwicklungsphase. Wir haben Auslizenzierungsabkommen, aber nicht, weil die Projekte nicht mehr prioritär sind, sondern weil unsere Organisation deutlich kleiner ist als früher. Wir besitzen nur mehr ein Drittel der klinischen Entwicklungskapazität und können uns nicht um alles selbst kümmern. Wir sind ein kleines Unternehmen mit einem grossen Portfolio.

Sie konzentrieren sich also vollständig auf Ihre internen Projekte? Order arbeiten Sie auch mit anderen Firmen zusammen?

Wir suchen nach massgeschneiderten Lösungen. Wenn wir etwas finden, das uns helfen kann, arbeiten wir auch gern mit externen Partnern zusammen, etwa Universitäten, Biotech-Firmen oder anderen. Viele unserer Projekte beginnen mit einem Papier, das wir lesen, oder spannenden neuen Daten, die wir zufällig finden und dann weiter untersuchen.

Auf Ihrer Website konzentrieren Sie sich bei der Beschreibung der Krankheiten zuerst auf die Symptome der Patienten. Erst danach gehen sie auf die wissenschaftlichen Aspekte ein. Wie stellen Sie sicher, dass Sie und die Mitarbeitenden von Idorsia immer nahe am Patienten bleiben?

Wir sind den Menschen nahe, die den Patienten nahe sind, also Ärzte, Pflegefachkräfte usw. Wir hören genau zu und versuchen wirklich, die Patienten zu verstehen. Wir laden auch Patienten ein. Ich bin Ärztin, deshalb vertrete ich bei allen unseren Forschungsarbeiten einen medizinischen Gesichtspunkt. Das gehört zu den Merkmalen von Idorsia.

Wenn wir schon von Personal sprechen: Wie leicht ist es, hier die richtigen Mitarbeitenden zu finden?

Es ist nicht einfach, aber wo ist es schon einfach? Ich bin von der Pharma-Branche begeistert. Es ist fantastisch, Patienten zu helfen, Tausende Menschen behandeln zu können. Pharmazie ist grossartig und doch wissen das nicht alle. Es mangelt an Berichten, was die Pharmabranche macht, sei es nun die Verlängerung der Lebenserwartung, die Revolutionen in der Onkologie, die Verbesserung der Lebensqualität, alle diese Fortschritte! Wir müssen mehr über die Bedeutung der Pharmazie sprechen, um Nachwuchstalente anzuziehen.

Amerikanischen Biotech-Unternehmen scheint es eher zu gelingen, unabhängig zu bleiben. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich weiss nicht, ob das stimmt. Sehen Sie sich doch die jüngsten Übernahmen an: Celgene, Tesaro, Kite und Loxo durch BMS, GSK, Gilead bzw. Eli Lilly. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Heute bleiben Biotech-Unternehmen selten unabhängig, auch in den USA, weil die grossen Konzerne von ihren Entdeckungen abhängen. Bei Actelion hatten wir eine ehrgeizige, langfristige Vision. Es war nie unser Ziel, übernommen zu werden. Wir wollten stattdessen eine Struktur aufbauen, nicht nur ein Molekül oder eine Technik, sondern eine Organisation, die in der Lage ist, viele Arzneimittel zu entdecken. Wir waren ehrgeizig und gingen Risiken ein, das kommt ziemlich selten vor. Vielleicht haben amerikanische Biotech-Unternehmen etwas mehr Ambition, aber Europa besitzt einige Besonderheiten, auf denen die Branche aufbauen sollte. Beispielsweise ist die Chemie in der Schweiz und Deutschland aussergewöhnlich. Aber auch generell ist Europa voller spannender Forschungsprojekte und grossartiger Menschen.

Warum arbeiten Sie lieber in einem Start-up als in einem Grossunternehmen?

Ein kleines Unternehmen sorgt für grössere Freiheit und, was noch wichtiger ist, Nähe zwischen den Fakten und den Risiken. Unser Portfolio ist so klein, dass die Geschäftsleitung alle Projekte kennt. Wir können sehr effizient Entscheide treffen, das wäre in einem Grossunternehmen viel schwieriger.

Was raten Sie Unternehmern, die eine Biotech-Firma gründen wollen?

Sie sollten gleichzeitig an das Überleben und die Rentabilität denken. Sowohl langfristig als auch kurzfristig planen, sich nicht nur auf den nächsten Meilenstein konzentrieren, sondern von Anfang an etwas Großes anstreben. Und Entscheide pragmatisch treffen. Vor allem nicht allein, sondern in einem Team.

In Bezug auf Geschäftspartner: Sie gründeten Actelion und Idorsia mit Ihrem Mann. Wie navigieren Sie zwischen dem Labor und Ihrem Zuhause?

Ich kenne meinen Mann seit langer Zeit. Wir teilen die Leidenschaft für die Forschung und die Behandlung der Patienten. Ich habe es immer geschätzt, dass ich Schwierigkeiten mit Jean-Paul besprechen und auch angenehme Augenblicke mit ihm teilen kann. Natürlich arbeiten wir viel und setzen uns voll ein, so wie alle anderen auch bei Idorsia. Wir versuchen, zwischen Büro und Zuhause eine Grenze zu ziehen, besonders, wenn unsere Kinder und Enkel da sind. Wir wollen für sie da sein. Es ist anstrengend, aber wir denken und sprechen nicht rund um die Uhr über die Arbeit.

Werden Sie in zehn Jahren immer noch auf der Jagd nach neuen Medikamenten sein?

Nein, wohl eher nicht. Ich möchte nicht bis in alle Ewigkeit arbeiten. Irgendwann möchte ich mehr Zeit für die Familie und meinen Freundeskreis habe.

Actelion ist nicht nur für ihre Medikamente, sondern auch für ihr Gebäude bekannt. Idorsia hat ihren Sitz in einem Bauwerk von Herzog & de Meuron. Wie wichtig ist Ihnen Architektur?

Sehr wichtig. Diese Bauten werden noch lange Zeit stehen und gehören zur Kultur und zum Stil von Basel. Die Schweiz und Basel im Besonderen zeichnen sich durch avantgardistische Architektur aus. Wir freuen uns, dass wir daran teilnehmen konnten. Die Architektur stellt die Innovation dar, die wir anstreben. Wir wollen gute Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden, viel Licht und viele Möglichkeiten, zu interagieren, schliesslich verbringen wir viel Zeit im Büro.

Wir haben gehört, dass Idorsia das Akronym für «I do research in Allschwil» ist. Stimmt diese amüsante Geschichte?

Nein, aber sie gefällt mir. In Wirklichkeit hatten wir die Möglichkeit, einen unserer bereits geschützten Produktnamen zu verwenden. Das half uns, unseren Firmennamen von Anfang an abzusichern.

Interview: Annett Altvater und Stephan Emmerth

report Life Sciences

BioVersys erhält Fördergelder

25.06.2019

report Life Sciences

Tropeninstitut beginnt mit Neubau

24.06.2019

report Precision Medicine

«Blockchain im Gesundheitswesen nimmt in Basel Fahrt auf»

03.12.2018

Marco Cuomo und Daniel Fritz von Novartis haben vor zwei Jahren angefangen, sich mit Blockchain zu beschäftigen. Inzwischen haben sie sich hohe Ziele gesetzt: Zusammen mit anderen Pharmaunternehmen haben sie im Rahmen der europäischen Innovative Medicines Initiative das Programm «Blockchain-Enabled Healthcare» ins Leben gerufen, das 2019 starten soll. Das Programm, das die beiden am Blockchain Leadership Summit in Basel – der grössten Schweizer Konferenz zum Thema – vorgestellt haben, hat sich nichts weniger zum Ziel gesetzt, als verbindlich festzulegen, wie Blockchain künftig im Gesundheitswesen eingesetzt werden soll.

BaselArea.swiss: Sie beide arbeiten für den Pharmakonzern Novartis, der weltweit für seine Arzneimittel, aber nicht unbedingt für technologische Lösungen bekannt ist. Wie kamen Sie dazu, sich mit den Möglichkeiten von Blockchain auseinanderzusetzen?

Marco Cuomo: Das Thema Blockchain hat ganz allgemein unser Interesse geweckt, und wir wollten herausfinden, welche Art von Problemen mit dieser Technologie gelöst werden können. Zusammen mit einer Handvoll weiterer Interessenten haben wir uns daher zu einem ersten informellen Gespräch getroffen und danach eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit den wesentlichen Aspekten von Blockchain auseinandersetzen sollte. Das war vor zwei Jahren.

Was ist dabei herausgekommen?

Marco Cuomo: Als Erstes haben wir eine Reihe von Anwendungsfällen analysiert, um uns mit der Technologie vertraut zu machen. Dabei haben sich manche Querverbindungen zum Thema Lieferkette ergeben, da sich Blockchain zum Beispiel für die exakte Überwachung und Rückverfolgung von Warenwegen (Tracking & Tracing) anbietet. So nahmen wir Dan mit ins Boot, der bei Novartis als Supply Chain Domain Architect arbeitet, und stellten ihm die Aufgabe, eine solche Lieferkette vom Hersteller bis zur Apotheke gleich einmal mit Hilfe von Lego-Robotern nachzubauen …

Daniel Fritz: … wobei wir IoT-Sensoren für Temperatur und Feuchtigkeit sowie eine Prüfung auf Produktfälschung integriert haben. Dabei erfuhren wir einiges über das immense Potenzial der Blockchain-Technologie und ihre zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten.

Marco Cuomo: Mit unserem Lego-Modell konnten wir auf effektvolle Weise unsere Ideen kommunizieren, und zwar intern wie extern. Dabei ist uns schnell klar geworden, dass ähnliche Diskussionen auch in anderen Pharmaunternehmen stattfinden müssen. Deshalb haben wir diese schliesslich direkt zum Gespräch eingeladen.

Weshalb haben Sie nicht einfach eine eigene Lösung entwickelt?

Marco Cuomo: Natürlich könnte man schon so etwas wie eine eigene Kryptowährung ins Leben rufen – doch was dann? Um diese austauschen zu können, benötigt man andere, die dieselbe Währung benutzen. Nein, bei Blockchain handelt es sich nicht bloss um eine weitere neue Technologie, die man anwendet, um einen besonderen Nutzen daraus zu ziehen.
Der entscheidende Aspekt von Blockchain ist, dass bei dieser Technologie etwas von Wert zwischen mehreren Parteien ausgetauscht wird. Betrachten wir zum Beispiel die Lieferkette von Pharmaprodukten, an der Hersteller, Vertriebszentrum, Grosshandel, Apotheken, Ärzte und Spitäler beteiligt sind. In solch einem Kontext lässt sich Blockchain sinnvoll anwenden. 

Wie das?

Marco Cuomo: Mit Hilfe von Blockchain entfällt zum Beispiel die Notwendigkeit, das eigene Supply-Management-System in irgendeiner Weise anzupassen. Stattdessen lässt sich eine gemeinsame Basis für den Austausch zwischen mehreren Parteien legen. Auf Intermediäre jeglicher Art kann dabei gänzlich verzichtet werden, da Blockchain deren Funktion übernimmt. Wir bezeichnen das Ganze gerne als «Mannschaftssport», da sich alle Beteiligten an dieselben Regeln halten müssen.

Welcher Nutzen ergibt sich hieraus insbesondere für die Life Sciences Industrie?

Daniel Fritz: Wenn wir den Leuten das Thema Blockchain nahebringen wollen, sprechen wir nicht einfach nur über die Basics. Wir befassen uns auch mit Anspruchsvollerem, etwa der Frage, wie eine Anwendung auszusehen hat, die auf dem aktuellen Regulierungsrahmen aufbaut. Dabei wird den Leuten schnell klar, dass sich ganz neue Möglichkeiten der Wertschöpfung bieten, indem man gesetzliche Vorgaben noch übertrifft. Die meisten begreifen schnell, dass die Blockchain-Technologie eine Vielzahl von Vorteilen besitzt, die sie gegenüber bisher eingesetzten Technologien auszeichnet.

Marco Cuomo: Zum Nutzen, den Blockchain bietet, gehören Aspekte wie Kosteneffizienz, Schnelligkeit und erhöhte Sicherheit. So lassen sich elektronische Aufzeichnungen mit Blockchain völlig transparent machen. Sollte zum Beispiel eine Kühlkette irgendwo unterbrochen werden, wird dies für alle daran Beteiligten sofort ersichtlich. Heutzutage muss man dagegen erst die Ankunft eines Produkts am Zielort abwarten, um herausfinden, ob dieses eventuell schadhaft ist und retourniert werden muss. Setzt man Blockchain ein, verlässt ein solches Produkt den Hersteller gar nicht erst.

Daniel Fritz: Bei den Lieferketten in anderen Branchen verhält es sich ähnlich. Immer mehr Menschen setzen zum Beispiel auf Bioprodukte. Wie weiss man aber, ob dort, wo «Bio» draufsteht, auch wirklich «Bio» drin ist? Mit Blockchain lässt sich die Herkunft eines Produkts garantieren, so dass falsch deklarierte Waren ganz oder zumindest teilweise aus der Lieferkette entfernt werden können. Dies kommt der Branche ebenso zugute wie den Abnehmern, in unserem Fall also den Patienten.

Marco Cuomo: Wo wir von Patienten sprechen: Hier besteht das oberste Ziel, gewissermassen der «Heilige Gral», darin, den Patienten die vollständige Kontrolle über die eigenen Daten zu übertragen. Heute sind diese Daten noch auf verschiedene Stellen verteilt, werden etwa in Spitälern oder Arztpraxen aufbewahrt. Mit Blockchain lässt sich dies von Grund auf ändern, so dass am Ende die Patienten alleine entscheiden, wer ihre Daten einsehen darf und wer nicht.

Bietet eine Gesundheitsversorgung auf Basis von Blockchain noch weitere Vorteile?

Marco Cuomo: Unser CEO, Vas Narasimhan, verfolgt die Vision einer Medizin, die allein auf verlässlichen, empirisch erhobenen Daten basiert. Blockchain kann für eine lückenlose Überwachung und Rückverfolgung dieser Daten sorgen, so dass deren einwandfreie Herkunft jederzeit garantiert ist. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Einrichtung von speziellen Datenmarktplätzen, auf denen man seine persönlichen Daten Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen anbieten kann. Blockchain könnte auch hier die Abläufe vereinfachen. Denn der zeitraubende Aufbau einer Vertrauensbasis, die die Voraussetzung für den Austausch solch sensibler und wertvoller Daten bildet, ist beim Einsatz dieser Technologie nicht mehr nötig. Novartis selbst hegt die Hoffnung, mit Hilfe solcher Daten künftig neuartige Arzneimittel entwickeln zu können.
Auch das Thema Third-Party-Risikomanagement spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Wie können wir bei Novartis sicherstellen, dass sich unsere Lieferanten jederzeit an unsere internen Arbeits- und Sicherheitsbestimmungen halten? Wieso sollten wir dieselbe Überprüfung zehn Mal im Jahr durchführen statt nur ein einziges Mal? Und wieso sollte diese Überprüfung nicht in der Zuständigkeit des Lieferanten selbst liegen – vorausgesetzt, es ist garantiert, dass es dabei zu keinerlei Manipulationen kommt?

Sie haben vor zwei Jahren als kleines Grüppchen begonnen. Wo stehen Sie jetzt?

Marco Cuomo: Wir haben realisiert, dass zuerst bestimmte Standards festgelegt werden müssen, ehe Blockchain im Gesundheitssektor auf breiter Basis eingesetzt werden kann. Deshalb haben wir jüngst bei der europäischen Innovative Medicine Initiative, an der sich Novartis mit über 100 Projekten bereits intensiv beteiligt, das Programm «Blockchain-Enabled Healthcare» eingereicht.
Dabei ist es uns gelungen, acht weitere Pharmaunternehmen für die Teilnahme zu gewinnen: J&J, Bayer, Sanofi, AstraZeneca, UCB, Pfizer, Novo Nordisk und AbbVie sind alle mit von der Partie. Finanziert wird das Programm – das bei drei Jahren Laufzeit 18 Mio. Euro kosten soll – zur einen Hälfte durch die beteiligten Branchenvertreter und zur anderen Hälfte durch die EU. Die Anmeldefrist für das Projekt, bei dem Spitäler, Forschungslabore, Patienten, KMU und Universitäten mit uns zusammenarbeiten sollen, ist im Oktober 2018 abgelaufen. Als Nächstes werden die genauen Abläufe festgelegt, so dass mit der Arbeit gegen Ende 2019 begonnen werden kann.

Worum geht es bei «Blockchain-Enabled Healthcare» im Einzelnen?

Marco Cuomo: Das Hauptziel besteht darin, verbindliche Standards zu definieren, auf deren Basis ein Konsortium eingerichtet werden soll, das auch nach Programmende weiterbesteht. Wie das W3C, das World Wide Web Consortium, das die technischen Standards im Internet festlegt, soll unser Gremium über die Anwendung von Blockchain im Gesundheitswesen wachen. Dabei ist das Internet ein gutes Beispiel: Auch hier musste jemand zuerst für einheitliche Standards sorgen, ehe das Ganze seine rasante Entwicklung nehmen konnte. Dasselbe soll, so unsere Hoffnung, auch im Gesundheitssektor erfolgen.
Man stelle sich vor: Novartis schafft seine eigene Blockchain-Anwendung – und müsste danach Tausende von Lieferanten erst überzeugen, diese ebenfalls zu benutzen. Wenn alle so ihr eigenes Süppchen kochten, wäre so etwas wie ein durchgehendes Tracking von Pharmaprodukten schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Und wieso sollten die Ärzte überhaupt unser System als das gültige akzeptieren? Zudem erhalten die Patienten ihre Medikamente ja meist aus mehreren Quellen, nicht nur von Novartis allein. Deshalb sind hier verbindliche Standards einfach unerlässlich.

Wie einfach war es, die übrigen Firmen zur Teilnahme zu bewegen?

Daniel Fritz: Einige von ihnen sagten bei unserer Anfrage auf der Stelle zu. Andere mussten wir von unserer Vision erst überzeugen. Aus diesem Grund haben wir zahlreiche Gespräche geführt, die allesamt sehr positiv verlaufen sind – denn es ist uns offenbar gelungen, eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens aufzubauen. Und um Vertrauen geht es bei Blockchain ja.

War es hilfreich, dass diese Reise in Basel ihren Anfang nahm?

Marco Cuomo: Basel ist der Ausgangspunkt des Projekts, bei Novartis laufen alle Fäden zusammen. Da war es natürlich schon günstig, dass sämtliche Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen, mit denen wir das Projekt besprechen wollten, ganz in unserer Nähe sind. Ebenfalls von Vorteil war die Tatsache, dass sowohl unser CEO wie unser CDO digitale Initiativen grundsätzlich befürworten und von deren Potenzial überzeugt sind.

Daniel Fritz: Das Thema Blockchain im Gesundheitswesen nimmt in Basel, bei Novartis und auch global zunehmend Fahrt auf. Die Technologie wird sowohl Patienten wie Pharmaunternehmen zugutekommen. Doch bevor es soweit ist, müssen wir zusammen mit unseren öffentlichen Partnern noch jede Menge harte Arbeit leisten.


Zur Person

Marco Cuomo ist als Manager of Applied Technology Innovation und als Senior Digital Solutions Architect für Novartis tätig. Er stiess 2005 als Ingenieur für Wirtschaftsinformatik zum Unternehmen und verfügt über einen Bachelor of Science in Business Administration.

Daniel Fritz ist Supply Chain Domain Architect bei Novartis. Davor war er als technischer Offizier für die US-Armee und als Materials Manager tätig. Er absolvierte die United States Military Academy in West Point (New York) und hält einen Master of Business Administration von der Duke University (North Carolina).

report Life Sciences

Axovant vereinbart Produktionspartnerschaft

21.06.2019

report Life Sciences

Polyphor beginnt mit Brustkrebs-Studie

19.06.2019

report Life Sciences

„Unser Business ist das schönste der Welt“

04.09.2018

Giacomo di Nepi fungiert nach einer Reihe von Führungspositionen in grossen Konzernen derzeit als CEO von Polyphor, einem Biotech-Unternehmen, das er im Mai 2018 zum Börsengang geführt hat. Wir haben mit Giacomo di Nepi über den Dienst am Patienten, das richtige Timing für einen Börsengang und die in einem Biotech-Unternehmen benötigten Personalressourcen gesprochen.

BaselArea.swiss: Was checken Sie zuerst – Ihre E-Mails oder die Aktienkurse?

Giacomo di Nepi: E-Mails und Meetings nehmen im Alltag noch immer den ersten Platz ein. Natürlich verfolge ich die Entwicklung am Aktienmarkt, aber der ist so volatil, dass ich es aufgegeben habe, den Markt kurzfristig interpretieren zu wollen. Natürlich befasse ich mich aber mit seiner Entwicklung und engagiere mich ganz klar dafür, dass die Aktie Wertzuwächse verzeichnet und sich für die Aktionäre auszahlt, ihr Vertrauen und ihr Geld in unsere Ideen, Technologien und unser Team gesteckt haben.

Sie haben in grossen Konzernen gearbeitet, McKinsey, Novartis ... Wie kamen Sie dazu, zu einem Startup wie Polyphor zu wechseln?

Sicher, ich komme von multinationalen Grosskonzernen, aber ich habe auch anderswo gearbeitet, zuletzt bei InterMune, einer kalifornischen Biotech-Firma. Den Betrieb in Europa habe ich aus dem Nichts aufgebaut und das von zuhause. Bei schönem Wetter verlegten wir die Meetings vom Esszimmer in den Garten. Daraus entwickelte sich ein Betrieb mit 200 Mitarbeitenden, der Patienten, die an idiopathischer pulmonaler Fibrose leiden, mit dem notwendigen Arzneimittel versorgt. Bei einem Startup haben Sie die Möglichkeit, alle Dimensionen eines Unternehmens aus einer viel breiteren Perspektive zu betrachten. Deshalb war Polyphor für mich so interessant, aber es gab noch weitere Gründe.

Zum Beispiel ...?

... die grandiose Forschung, die mit Sicherheit grundlegend ist. Polyphor hat die erste neue Klasse von Antibiotika gegen gram-negative Bakterien seit 50 Jahren entdeckt. Das ist eine bahnbrechende Innovation. Antibiotikaresistenz entwickelt sich zu einem Riesenproblem. Es gibt Patienten, die eine Infektion bekommen, mit 20 unterschiedlichen Präparaten behandelt werden und trotzdem sterben. Das darf einfach nicht sein. Bei Lungenentzündungen durch Pseudomonas aeruginosa liegt die Sterberate heutzutage bei 30 bis 40 Prozent. Oder wenn eine Frau an metastasierendem Brustkrebs leidet und schon ihre dritte Chemotherapie durchläuft, dann hat sie nur sehr wenige Therapieoptionen und eine niederschmetternde Prognose. Wir wollen Leben retten und den Patienten mehr Zeit verschaffen. Das macht unser Geschäft für mich zum schönsten Geschäft der Welt. Diese Patienten zu sehen, ist unglaublich berührend.

Also begegnen Sie den Patienten auch?

Natürlich. Vor kurzem nahm ich eine Patientin mit zu Polyphor: eine tolle Frau mit Pseudomonas-Befall, die an den früheren Studien teilgenommen hatte. Sie ist sehr mutig und bereit, um ihr Leben zu kämpfen. Das bewegt und inspiriert uns alle sehr. Sie hat uns von ihren Erfahrungen berichtet, denn ich finde, dass jeder ein Gefühl dafür bekommen sollte, was wir zu erreichen versuchen. Das schliesst auch Mitarbeitende ein, die nicht direkt an der Entwicklung mitwirken und beispielsweise in Abteilungen wie der Buchhaltung arbeiten, wo sie in der Regel nur die Rechnungen für die Studie zu Gesicht bekommen.

Polyphor hat in den letzten Jahren einen Wandel von einem rein forschungsorientierten zu einem forschungs- und entwicklungsorientierten Biopharmaunternehmen durchgemacht. Wie hat die Organisation den Wandel verdaut?

Wenn man von einer Phase in die nächste vorrückt, legt man die Messlatte höher, denn in der Entwicklung dauern Projekte mehrere Jahre, sind sehr komplex und verursachen hohe Kosten. Da gewinnt man eine ganz neue Perspektive. Ich persönlich mag Veränderungen. Für administrative Dinge interessiere ich mich nicht so sehr. Und diese besondere Veränderung war notwendig. Doch noch laufen die Forschungsarbeiten mit dem Schwerpunkt Antibiotika und Immunonkologika auf Hochtouren. Hier wollen wir weiterforschen, um herausragende Verbindungen zu entdecken und aufzubauen.

Basel hat sich in letzter Zeit offenbar zu einem Hotspot für Antibiotika entwickelt.

Viele grosse Unternehmen haben die Antibiotikaforschung vernachlässigt. Doch wie schon das Pascalsche Gesetz sagt: Solche Lücken werden irgendwann geschlossen. Kleinere, unternehmergeführte Unternehmen übernehmen nun weltweit die Führung – und Basel ist hier einer der wichtigsten Standorte. Wir haben ganz eindeutig eine sehr starke Forscherbasis in Basel. Für eine Karriere in der F&E ist Basel meiner Ansicht nach der beste Ort. Und es würde mich nicht überraschen, wenn auch grosse Unternehmen zurückkehren...

Polyphor ist im Mai 2018 an die Börse gegangen, hat 165 Millionen Schweizer Franken eingesammelt und ist an der SIX Swiss Exchange kotiert. Warum war der Börsengang für Polyphor die richtige Lösung?

Wenn man Glück hat, findet man ein Biotech-Unternehmen mit einem Produkt, das nur einen Schritt von der Markteinführung entfernt ist. Wir haben gleich zwei Produkte, die in der Pipeline so weit vorne stehen: Unser Antibiotikum Murepavadin befindet sich nunmehr in Phase III. Daneben haben wir mit der FDA ein Programm ausgehandelt, das uns erlaubt, unser Immunonkologikum Balixafortide mit nur einer einzigen Zulassungsstudie auf den Markt zu bringen. Das versetzt uns in eine einzigartige Lage. Doch diese Studien erfordern eine Menge Kapital. Dank des Börsengangs verfügen wir über die Ressourcen, unsere Produkte zu entwickeln und im Erfolgsfall den Patienten zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen. Der Börsengang war ein notwendiges Mittel, betrachtet man das Stadium, in dem sich das Unternehmen befindet.

Welche Bedingungen mussten für den Börsengang erfüllt werden?

Ein IPO ist ein interessantes Unterfangen, in etwa wie eine vollständige körperliche Untersuchung. Die Anleger kennen das Unternehmen nicht und doch wünschen wir uns, dass sie unsere Ideen, unsere Vision und unser Team unterstützen. Also müssen sie uns vertrauen. Um dieses Vertrauen zu gewinnen, müssen wir absolut transparent sein und detailliert erläutern, worum es bei dem Unternehmen geht und welche Chancen und Risiken bestehen. Letztlich waren die Resultate grandios, da unser Börsengang der grösste eines Biotech-Unternehmens in der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren war. Und wir zählten zu den Top 3 der letzten drei Jahre in Europa.

Wieviel Einfluss hatte das Timing?

Das Timing ist wichtig, aber nicht entscheidend. Das erste Quartal 2018 war ein sehr gutes für Börsengänge, das zweite war dafür weniger brillant. Im zweiten Quartal wurden ein Dutzend Börsengänge vollzogen. Es kann passieren, dass man einen ausgereiften Börsengang in der Tasche hat, ihn aber nicht realisiert, weil das Timing nicht stimmt. Niemals aber liegt ein unausgereifter Börsengang in der Schreibtischschublade, den man nur realisiert, weil das Timing stimmt.

Wie waren die Reaktionen auf den Börsengang von Polyphor?

Intern sind wir total happy, dass wir darauf hin arbeiten können, den Patienten unsere Arzneimittel zur Verfügung zu stellen. Zugleich sind wir uns sehr dessen bewusst, dass wir eine hohe Verantwortung tragen und sind daher sehr engagiert. Nach aussen hin ist unser Börsengang eine Demonstration der Schweizer – und speziell der Baseler – Fertigkeiten im Pharmabereich. Der Börsengang war ein Moment der Sichtbarkeit, in dem wir die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf uns gezogen haben. Insofern zeigt ein Börsengang, wie investitionsträchtig dieses Geschäft ist. Ich hoffe, es ist ein gutes Zeichen für die gesamte Branche, dass wir in der Lage sind, neue Unternehmen zu gründen, sie zum Erfolg zu führen und den Patienten neue Behandlungsansätze zu bieten.

Warum haben Sie sich für die Schweizer Börse entschieden?

Wir verfügten bereits über einen grossen Stamm an Anteilseignern in der Schweiz, sodass die Entscheidung für den Schweizer Aktienmarkt naheliegend war. Wir waren bekannt. Die Schweiz ist ein grossartiger Markt, ich bin mit der Wahl sehr zufrieden. Ehrlich gesagt frage ich mich sogar, warum die Wahl nicht häufiger darauf fällt. Das Geld ist da, es gibt Investoren, die sich mit Pharmazeutika auskennen und bereit sind, das Risiko auf sich zu nehmen.

Welche Pläne haben Sie für Polyphor in den nächsten paar Jahren?

Unsere Vision ist klar: Wir möchten führend auf dem Gebiet der Antibiotika werden und dazu beitragen, die von multiresistenten Keimen ausgehenden Risiken zu bekämpfen und zu reduzieren. Zugleich möchten wir eine neue Klasse von Immunonkologika voranbringen. Wir entwickeln Third-Line-Therapien für metastasierenden Brustkrebs. Die davon betroffenen Frauen haben nur sehr wenige Behandlungsoptionen. Wir glauben jedoch, dass dieses Arzneimittel das Potenzial hat, noch über diese Patientenpopulation hinaus zu greifen, beispielsweise in früheren Phasen der Brustkrebstherapie und für andere Kombinationen und Indikationen. Damit wären wir sehr viel wettbewerbsfähiger.

Wie gelangen Sie dorthin?

Wir müssen sicherstellen, dass wir über die Organisation und Unternehmenskultur verfügen, die uns ermöglichen, unsere Studien effektiv durchzuführen. Wir möchten sicherstellen, dass die Räder der Unternehmensmaschinerie richtig ineinander greifen und wir über alle benötigten Kompetenzen verfügen.

Was tun Sie, um das zu erreichen?

Die Personalpolitik ist für mich einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein Unternehmen – wenn nicht der wichtigste. Daher stecke ich auch einiges an Mühe und Engagement in diese Aufgabe. Ich führe mit Bewerbern durchaus auch zwei oder drei Gespräche. Ich lasse sie auch von ihren zukünftigen Kollegen interviewen. In meiner Zeit bei Novartis habe ich hervorragende Erfahrungen mit jungen Nachwuchstalenten gemacht. Warum? Weil sie über die nötige Veranlagung und Kompetenzen verfügen. Wenig Erfahrung ist vernachlässigbar, denn innerhalb der Organisation gibt es davon genug. In der Biotech-Branche ist das ganz anders. Hier ist es absolut notwendig, Mitarbeitende mit entsprechender Erfahrung einzustellen, da innerhalb des Unternehmens kein anderer darüber verfügt.

Und wie sieht es erst mit dem Kulturwandel aus, wenn man von einem Pharmariesen zu einem kleinen Biotech-Unternehmen wechselt?

Erfahrung allein ist nicht die ganze Wahrheit. Ich habe viele Menschen getroffen, die Erfahrung haben, aber nicht in der Lage sind, eine Fotokopie zu machen, und drei Leute benötigen, die ihnen zuarbeiten, um Ergebnisse zu erzielen. Diese Art von Mitarbeitenden sind auch nicht gut. Ich suche also eher eine Art „schizophrenes Profil“: In der Biotech-Branche brauchen wir Menschen, die über Erfahrung, Kompetenzen und Visionen verfügen, aber zugleich in der Lage sind, die Ärmel hochzukrempeln, praktische Entscheidungen zu treffen und selbstständig zu arbeiten.

report Precision Medicine

Basler Erkenntnisse ermöglichen bessere Brustkrebs-Behandlung

18.06.2019

report Life Sciences

Basler Forscher ermöglichen neue Bibliothek für Wirkstoffsuche

13.06.2019

report Invest in Basel region

Basler Pharmafirmen investieren am stärksten in Forschung

15.07.2018

Die 24 Interpharma-Mitglieder haben 2017 weltweit insgesamt 96 Milliarden Franken für Forschung und Entwicklung ausgegeben. In die Schweiz flossen davon 7 Milliarden Franken. Damit übersteigen ihre Schweizer Forschungsinvestition den Umsatz, den sie in der Schweiz erzielen, um mehr als das Doppelte. Dies belegt laut dem Verband die grosse Bedeutung des Forschungsstandorts Schweiz und den Innovationsgedanken innerhalb der Firmen.

Insbesondere Firmen in der Schweiz wie Roche und Novartis haben viel für Forschung und Entwicklung am Standort Schweiz ausgegeben. Aber auch Firmen ohne Schweizer Hauptsitz wie Johnson & Johnson tätigten den Angaben zufolge grosse Investitionen. Zusätzlich zu den Investitionen in die Forschung haben die Unternehmen rund eine halbe Milliarde Franken für Anlagen wie technische Geräte, Maschinen, Gebäude- und Betriebsausstattung ausgegeben.

Interpharma betont in einer Medienmitteilung zur Studie auch die wichtige Rolle der Pharmabranche für die Schweizer Exportwirtschaft. Ausserdem hebt der Verband hervor, dass zwischen 2012 und 2016 aus der Schweiz über 86 Patente pro Million Erwerbstätige in der pharmazeutischen Forschung angemeldet wurden. Das sind doppelt so viele wie in Dänemark und fast fünfmal so viele wie in Deutschland.

In der Studie sind auch die Umsätze der untersuchten Firmen aufgeführt worden. Hinter Pfizer (47,4 Milliarden Dollar) folgt bereits Novartis (46,6 Milliarden Dollar). Roche (39,9 Milliarden Dollar) belegt hinter Johnson & Johnson und Sanofi den fünften Rang.

report BaselArea.swiss

BaseLaunch gehört zu den weltweit führenden Acceleratoren

06.06.2019

report Life Sciences

Polyphor entwickelt neue Antibiotika

03.06.2019

report Life Sciences

«Prozesse töten Innovation»

03.07.2018

Neues begeistert den Serienunternehmer Neil Goldsmith. Wir haben mit ihm über passende Mitarbeitende für Start-ups und seine Zusammenarbeit mit BaseLaunch gesprochen.

BaselArea.swiss: Sie haben in den letzten 30 Jahren eine Reihe von Unternehmen gegründet und geleitet. Woher wussten Sie, dass das Unternehmertum Ihr Weg ist?

Neil Goldsmith: Das war reiner Zufall. Ich wollte eine Doktorarbeit schreiben, aber ein Problem zwang mich, meine Pläne zu ändern. Ich musste mir etwas anderes überlegen. Mein erstes Unternehmen beschäftigte sich mit der Anwendung der Spieltheorie in der Werbewirtschaft. Ich erkannte aber bald, dass dies nicht ganz meinen Interessen entsprach. Genau dann sah ich in der Sunday Times ein Stellenangebot: Ein Beratungsunternehmen suchte jemanden, der neue Unternehmen im Bereich Life Science startbereit machen und sie beratend unterstützen würde. Eines dieser Unternehmen war in Schweden ansässig und engagierte mich später als Troubleshooter bei der Unternehmensentwicklung. Anschliessend wurde mir eine Position als CEO in einer dänischen Diagnostikfirma angeboten, die später an Roche verkauft wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich 31 Jahre alt. Die Investoren in diesem Unternehmen boten mir wiederum die Rolle als CEO von zwei weiteren ihrer Unternehmen an. So nahm es seinen Lauf, und ich wurde nach und nach proaktiver bei der Gründung von Neuunternehmen. Man könnte sagen, ich habe die Initiative ergriffen, aber eigentlich hat meine Karriere mich gefunden.

Sie haben oft mit Unternehmen zusammengearbeitet, die klein anfingen und stark wuchsen. Wie hat dieser Übergang die Möglichkeit für Innovation beeinflusst?

In meinem Verständnis bedeutet Innovation, dass Sie etwas wahrnehmen, was die anderen noch nicht wahrgenommen haben. Dies ist bei kleinen Unternehmen viel häufiger der Fall. Grosse Unternehmen müssen früher oder später Prozesse entwickeln – und Prozesse töten Innovation. Sie werden immer Ausnahmen finden, und es gibt Möglichkeiten, die Wirkung von Prozessen zu verzögern. Google zum Beispiel hat eine Vielzahl von Entscheidungen an die Mitarbeitenden an der Front abgegeben, um Innovation zu gewährleisten. Trotzdem denke ich, dass Sie schlussendlich immer von Prozessen eingeholt werden.

Was ist der grösste Unterschied zwischen der Verwaltung eines Privatunternehmens und einer Aktiengesellschaft? Was sagt Ihnen mehr zu?

Der Wechsel von einem Privatunternehmen zu einer Aktiengesellschaft bedeutet, dass sich Investoren und Vorstand ändern. In Privatunternehmen neigen Investoren und Vorstand dazu, sich zu durchmischen. Die Vorstandmitglieder selbst haben ein grosses Eigeninteresse. Sobald Sie an der Börse sind, spalten sich diese Rollen meistens auf; die Vorstandsmitglieder werden eher zu «Bewahrern». Obwohl sie tolle Leute sein können, sind sie zum Beispiel zwangsläufig risikoscheuer. Für eine Bank mag das völlig in Ordnung sein, aber ich bin mir unsicher, ob dies für Technologieunternehmen richtig ist. An der Börse zu sein ändert auch die Art der Kommunikation im Unternehmen. In einem privaten Unternehmen können Diskussionen offener stattfinden. Wie Sie wahrscheinlich ahnen, sagt mir ein Privatunternehmen mehr zu.

Was ist Ihrer Meinung nach ein entscheidendes Kriterium, um ein innovatives Unternehmen aufzubauen?

Die einzige und grösste Herausforderung besteht darin, die richtigen Personen zu finden. Es sind nicht so sehr die spezifischen Skills, die schwer zu finden sind, sondern es ist die Fähigkeit, in einer vagen und undefinierten Umgebung zu funktionieren. Sie besitzen nicht alle benötigten Ressourcen oder Informationen, aber Sie werden trotzdem kluge Entscheidungen treffen müssen. Besonders für Führungspersonen aus Grossunternehmen kann es eine Herausforderung sein, sich an ein Start-up anzupassen. Jeder durchläuft anfangs eine Lernkurve. Wenn Sie jedoch merken, wie Personen nach einigen Monaten im Unternehmen mehr Struktur verlangen und ihre Arbeitsbedingungen als chaotisch empfinden, werden sie sich wahrscheinlich nicht anpassen. Ich würde sagen, dass es mindestens in der Hälfte der Fälle aufgeht.

Sie haben entschieden, Ihr letztes Unternehmen, Evolva, in die Schweiz zu verlegen. Sie haben das Kapitel Evolva letztes Jahr abgeschlossen, aber Sie sind noch in der Schweiz...

Evolva war ursprünglich dänisch. Wir waren konfrontiert mit dem Problem, dass wir nur einen begrenzten Pool an Geld und Personen hatten, die wir für die Umsetzung unserer Pläne benötigten. Für uns kamen als mögliche Standorte das Vereinigte Königreich, die USA und die Schweiz in Frage. Letztendlich wählten wir die Schweiz. Basel ist als Life-Science-Drehscheibe ein naheliegender Standort. Zuerst konnten wir keine Labors finden. Dank der Unterstützung durch die Vorgängerorganisation von BaselArea.swiss und die BLKB konnten wir ein altes Lagerhaus kaufen und in Labors umwandeln. Es war eine gute Entscheidung, uns hier niederzulassen, und ich wohne immer noch gerne in Delémont.

Nichtstun ist für Sie ein Fremdwort. Woran arbeiten Sie gerade?

Ich arbeite zurzeit an der Gründung einer neuen Gruppe von Unternehmen, sowohl in den klassischen Gesundheitsbereichen als auch im Verbraucherbereich. Beide Bereiche haben ein unheimliches Potenzial, brauchen aber neue Businessmodelle. Ausserdem bin ich Mitglied im Verwaltungsrat des  Biotechunternehmens Unibio, dem es gelungen ist, den Fermentationsprozess von Methangas in Protein auf ein wirtschaftliches Level zu bringen. Darüber hinaus unterstütze ich Start-ups durch gemeinnützige Organisationen wie BaselArea.swiss und dessen Healthcare Accelerator-Programm BaseLaunch.

Wo sehen Sie das Potenzial für die Start-up-Szene in Basel? Und wie werden Sie in Zusammenarbeit mit BaseLaunch dazu beitragen?

Aufgrund des wissenschaftlichen Talents und der unübertroffenen Führungskompetenz, die von den Grossunternehmen vermittelt wird, sollte Basel eine überaus lebendige Start-up-Szene haben. Dabei schadet es auch nichts, dass es der Schweiz nicht an Geld mangelt. Ich glaube, es könnte durchaus noch dynamischer zugehen. Üblicherweise wird das beste Talent in den Grossunternehmen abgeschöpft. Ausserdem müsste die Verbindung von Geld und Ideen besser sein. BaseLaunch hat in den letzten zwei Jahren angefangen, einige dieser Diskrepanzen in Angriff zu nehmen. Dabei wird auf das Wissen der grossen Pharmaunternehmen gebaut, um die Gründung neuer Unternehmungen zu unterstützen. In der Zukunft wollen wir diesen Ansatz weiter ausbauen.

Wo finden Sie Projekte, bei denen es sich lohnt, sie weiterzuverfolgen?

Wenn Unternehmen wachsen, dann schränken sie zwangsläufig ihren Fokus ein. Ich kann mich nicht erinnern, je das Gegenteil gesehen zu haben. Das heisst, viele interessante Dinge werden heruntergestuft. Ich versuche herauszufiltern, was Unternehmen nicht mehr benötigen. Dies hat den Vorteil, dass ich mit einem Gegenstand beginnen kann, der schon aufgearbeitet wurde und der wirtschaftlich fundiert ist. Innovation entsteht nicht nur in den Universitäten. Manchmal glaube ich, der öffentliche Sektor vergisst das, wenn er seine Unterstützungsangebote aufstellt.

Welche Ziele und Werte haben Ihre Unternehmen gemeinsam? Gibt es einen roten Faden?

Ich möchte Produkte erstellen, die aussagekräftig sind und die mindestens für einen Teil der Welt einen echten Unterschied machen – also keine «mee too»-Produkte. Das ist beispielsweise mit Personal Chemistry gelungen, einem Unternehmen, das ich 1996 mitgegründet habe. Als Vorreiter haben wir die Anwendung von Mikrowellen in der organischen Synthesechemie ermöglicht. Heute hat fast jedes Chemielabor eines oder mehrere solcher Instrumente, die täglich verwendet werden. Ich freue mich, wenn ich diese Geräte sehe, selbst wenn sie von einem Konkurrenten stammen.

Wie leicht ist es für Sie, Finanzmittel für Ihre Unternehmungen zu finden?

Es ist nie einfach. Eines der Probleme besteht darin, dass Investoren gerne in Rudeln jagen. Das führt dazu, dass sie ungewohnte Ideen meiden. Und wenn ihnen eine Idee gefällt, müssen andere ebenfalls davon überzeugt werden. Europa ist zu konservativ, was die Finanzierung von Ideen betrifft. Es ist frustrierend, denn ich denke, dass unkonventionelle Ideen auch Potenzial für Unternehmen haben – wie die Amerikaner immer wieder bewiesen haben.

Wann erkennen Sie, dass es Zeit ist, ein Unternehmen zu verlassen?

Wenn es um Optimierung geht, muss ich weiterziehen. Es ist ein normaler Prozess, den die meisten Organisationen durchlaufen. Sobald ein Unternehmen seinen Sweet Spot gefunden hat, geht es darum, zu optimieren. Das ist nichts für mich. Ich erschaffe gerne Dinge. Und ich gehe niemals den gleichen Weg zweimal.

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T3 Pharmaceuticals gewinnt W.A. de Vigier Preis

28.05.2019

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Basel wird globales Zentrum für Nanopharmazie

27.05.2019

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Basel ist Heimat der interessantesten Biotechs

17.06.2018

Die Branchenplattform labiotech.eu hat Basel in ihre Liste der europäischen Biotech-Hubs mit den interessantesten Unternehmen aufgenommen. Hervorgehoben werden dabei Firmen wie Actelion und Polyphor.

labiotech.eu stellt die Zentren mit den „interessantesten Biotech-Firmen“ vor. Basel habe sich zu einem „Hotspot für Pharma und Biotech“ entwickelt, so die Plattform. In einer Beschreibung zu Basel wird dabei unter anderem Actelion hervorgehoben, „eines der grössten Unternehmen in der europäischen Biotech-Geschichte“. Das Biopharmaunternehmen wurde im vergangenen Jahr für knapp 30 Milliarden Dollar vom US-Konzern Johnson & Johnson übernommen.

Erwähnt werden weiter auch das aus Actelion ausgegliederte Forschungsunternehmen Idorsia.

Um Basel seien auch interessante Unternehmen ansässig, welche sich mit Innovationen rund um Antibiotika beschäftigen. Hervorgehoben werden unter anderem Basilea, Allecra, Santhera Pharmaceuticals und Polyphor. Letzteres Unternehmen ist erst in der vergangenen Woche an der Schweizer Börse SIX gestartet.

„Die Nachbarschaft der Pharmariesen Novartis und Roche, Vorzeige-Unternehmen wie Actelion und Idorsia sowie die zunehmende Anzahl an kleinen und mittleren Biotech-Firmen macht die Region zu einem Brutkasten für Erfolgsgeschichten“, wird Thomas Meier, CEO von Santhera Pharmaceuticals, im Bericht zitiert. Er lobt insbesondere die Möglichkeiten zur Vernetzung zwischen jungen und etablierten Firmen.

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Santhera nimmt bis zu 105 Millionen Franken ein

23.05.2019

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BaseLaunch gehört zu Europas Spitze

21.05.2019

report Life Sciences

«Basel verfügt über alle Voraussetzungen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu beherbergen»

11.06.2018

Die Ärztin und Pharmakologin Nicole Onetto ist seit 2017 Mitglied des Verwaltungsrats der Basilea Pharmaceutica AG. Im Interview, das im Geschäftsbericht von Basilea erschien, sprach sie über Herausforderungen in der Onkologie.

In der Langzeitbehandlung von Krebspatienten wurden grosse Fortschritte erzielt. Was waren für Sie als Onkologie-Expertin die wichtigsten Entwicklungen?

Nicole Onetto: Wir sind Zeuge spektakulärer Resultate im Hinblick auf das langfristige Überleben von Patienten in einer ganzen Reihe von Indikationen, für die es vor nicht einmal zehn Jahren überhaupt keine neuen Behandlungsoptionen gab. Und für viele andere Krebsarten, für die bisher nur konventionelle Behandlungsoptionen wie Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zur Verfügung standen, profitieren wir heute von neuen Erkenntnissen über die molekularen Grundlagen von Krebs, dank derer wir in der Lage sind, die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten abzustimmen. Dies hat die Entwicklung und Anwendung zielgerichteter Therapien erleichtert, die gegenüber traditionellen Behandlungsmethoden sowohl wirksamer als auch weniger toxisch sind. Und schliesslich ist es in den letzten Jahren gelungen, das Potenzial des Immunsystems zu nutzen, um neue Therapieansätze zu entwickeln, die unsere eigene Immunabwehr gegen das Krebswachstum mobilisieren.

Welche weiteren grossen Fortschritte in der Behandlung erwarten sie kurz- bis langfristig?

Die Entwicklung neuer Immuntherapien für die Behandlung von Krebspatienten wird immer wichtiger. Diese neuen Formen müssen ihren Platz im Patientenmanagement erst noch finden, auch im Hinblick auf Kombinationen mit eher traditionellen Behandlungsformen. Auch muss die Wirtschaftlichkeit dieser innovativen Therapien bewertet werden. Ein weiteres sehr wichtiges Thema ist die Frage, wie man die Toxizität der Behandlung verringern und eine Überbehandlung vermeiden kann.

Wie können Unternehmen in der klinischen Entwicklung erfolgreich sein?

Mit einem stärker personalisierten Ansatz für die Krebstherapie ergeben sich neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Medikamenten mit hoher Wirksamkeit in klar definierten Patientenpopulationen. Weiterhin gilt jedoch, dass die Entwicklung neuer Medikamente Geduld, Ausdauer und wissenschaftliche Exaktheit erfordert. Bei der Behandlung von Krebspatienten sind trotz grosser Fortschritte noch viele Herausforderungen zu bewältigen. Unter anderem stellt die Arzneimittelresistenz eine grosse Hürde dar und steht unverändert im Fokus von Basilea. Für Patienten mit resistenten Erkrankungen gab es vor nicht allzu langer Zeit nur die Option, auf ein neues Medikament zu wechseln, oft eine neue Chemotherapie. Inzwischen haben wir mehr Einblicke in die Mechanismen der Resistenzentwicklung gewonnen. Darüber hinaus suchen Forscher auf der ganzen Welt nach den besten Wegen, um Behandlungsresistenzen zu vermeiden. Kooperationen zwischen Hochschulen und der Privatwirtschaft, beispielsweise mit Unternehmen wie Basilea, sind ein weiterer wichtiger Faktor für die Entwicklung neuer innovativer Medikamente zum Wohle der Patienten.

Womit liesse sich das unterstützen?

Die Verwendung von Biomarkern, um die Wahl der bestmöglichen Behandlungsoption zu erleichtern und die Patienten mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eines Ansprechens auf die Behandlung auszuwählen, wird die Entwicklung neuer Krebsmedikamente weiterhin stark beeinflussen. Biomarker-Daten sind der Schlüssel für das Design von Entwicklungsplänen und für Go/No-Go-Entscheidungen. Diese Daten fliessen heute häufig in das Zulassungsverfahren und die nachfolgende Vermarktung neuer Medikamente ein. Dieser Ansatz zur Auswahl neuer Wirkstoffe, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, ist einer der wichtigsten Fortschritte, die zurzeit den Forschungs- und Entwicklungsprozess sowie die Methodik klinischer Studien transformieren.

Sehen sie Vorteile für Basilea, die sich aus dem Standort in Basel, einem bekannten internationalen Zentrum der Life-Sciences-Industrie, ergeben?

Basel verfügt über alle Voraussetzungen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu beherbergen: eine lebendige Forschungsgemeinschaft, einen international anerkannten Ruf als Pharmastandort, einen Pool von talentierten Mitarbeitern und eine starke und stabile Wirtschaft. Basel ist eines der führenden Life Sciences-Zentren; ich sehe Gemeinsamkeiten zwischen Basel und den wenigen anderen etablierten Biotechnologiezentren in Europa und Nordamerika. Die Stadt verfügt über eine exzellente Universität und ist Standort etablierter grosser Pharmafirmen sowie vieler Start-ups und innovativer Unternehmen. Dieses vorteilhafte Umfeld hat Basilea bereits geholfen, ein starkes Unternehmen aufzubauen und sollte auch die erfolgreiche weitere Entwicklung unterstützen. Ich freue mich daher sehr, von den Aktionären von Basilea in den Verwaltungsrat gewählt worden zu sein und freue mich darauf, eine aktive Rolle in der Basler Biotech-Gemeinschaft zu spielen.

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Pfizer übernimmt Basler Therachon

09.05.2019

report Life Sciences

Schweizer Biotech-Branche wächst

08.05.2019

report Invest in Basel region

«Wir werden nicht vor Risiken zurückscheuen»

05.06.2018

2016 eröffnete Roivant Sciences ihr globales Headquarter in Basel. Der Gründer und CEO von Roivant, Vivek Ramaswamy, sprach mit uns über sein schnell wachsendes Unternehmen, seine Prioritäten und über die Rolle, die Roivant im Basler Life Sciences-Ökosystem spielen will.

BaselArea.swiss: Sie haben ein Unternehmen gegründet und aufgebaut. Welche Elemente waren dabei ausschlaggebend?

Vivek Ramaswamy: In der Biotech-Branche braucht man drei wesentliche Elemente, um ein grossartiges Unternehmen aufzubauen: wirksame Arzneimittel, gute Mitarbeitende und ausreichend Kapital. Natürlich ist es schwierig, vor den klinischen Versuchen zu wissen, welche Medikamente bestehen werden. Deswegen strebe ich seit der Gründung von Roivant ein breit gefächertes Portfolio an. Mein Ziel war ein Unternehmen, dessen Erfolg sich an der Anzahl und der Qualität der Produkte, die wir auf den Markt bringen, messen lässt. Es soll nicht allein vom Erfolg oder Misserfolg eines bestimmten Arzneimittels abhängen. Ich bin davon überzeugt, dass die Qualität unserer Mitarbeitenden und unsere kulturellen Grundsätze, die sich insbesondere auf die Wertschöpfung und die Innovation in allen Bereichen unserer Geschäftstätigkeit fokussieren, den langfristigen Erfolg des Unternehmens ausmachen. Wir sind in einer teuren und riskanten Branche unterwegs. Man muss hohe Investitionen tätigen, bevor man Ergebnisse erzielt. Deshalb bin ich unseren Investoren für ihre Unterstützung sehr dankbar. Letztlich ist jedoch das Geld, das wir aufgebracht haben, keine Leistung als solche, sondern nur ein wesentlicher Faktor. 

Roivant ist enorm schnell gewachsen. Wie halten Sie den Unternehmergeist in der Firma aufrecht?

Für unser Modell ist der Unternehmergeist unabdingbar. Unsere Firma fusst auf dem Grundsatz, dass kleiner meistens besser ist. Aus diesem Grund wird Roivant nicht zentral gesteuert. Stattdessen skalieren wir das Geschäft über die Gründung von Tochtergesellschaften, die wir vollständig oder mehrheitlich halten und «Vants» nennen. Heute beschäftigen wir in unserer Unternehmensfamilie mehr als 600 Personen. Man kann zu Recht sagen, dass es zu meinen wichtigsten Prioritäten gehört, den Unternehmergeists aufrechtzuerhalten.

Inwieweit dürfen die Vants ihren eigenen Unternehmergeist entwickeln?

Betrachten Sie Roivant als Elternteil, der allen Vants einen Teil seiner DNA vererbt. Wir suchen auch die Führungskräfte sorgfältig aus, die wiederum ihre eigene DNA beisteuern. Obwohl jedes Vant Roivant stark ähnelt, besitzt es doch seinen eigenen einzigartigen Genotyp. Es gibt gemeinsame kulturelle Prinzipien, aber auch wichtige Unterscheidungsmerkmale. Wir betrachten Verschiedenartigkeit als Wettbewerbsvorteil.

Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?

Wir haben Glück, dass wir bereits relativ früh in unserer Geschichte sowohl Erfolge als auch Misserfolge verzeichnet haben. Wir könnten keine gute Arbeit leisten, wenn wir nur erfolgreich wären, denn das würde darauf hindeuten, dass wir nicht genügend Risiken eingehen, um Patienten zu helfen. Misserfolgen begegnen wir auf drei Arten. Erstens anerkennen wir sie als nötige Folge unserer allgemeinen Strategie. Zweitens bauen wir ein vielfältiges Portfolio auf, statt den Erfolg unseres Unternehmens auf ein einziges Arzneimittel zu setzen. Schliesslich bekennen wir uns offen zu unseren Misserfolgen und nutzen sie, um aus ihnen zu lernen. Als unser Medikament für Alzheimer, Intepirdine, die Phase III nicht bestand, beschönigten wir das Ergebnis nicht. Wir reagierten aber auch nicht über. Vor Risiken in ähnlichen Bereichen, in denen ein hoher ungedeckter Bedarf besteht, werden wir auch künftig nicht zurückscheuen. Wir treffen gut durchdachte Entscheide in allen Therapiebereichen und akzeptieren dabei die Möglichkeit eines Misserfolgs.

Sie haben Basel als Standort für den internationalen Sitz Ihres Unternehmens gewählt. Welche Aspekte haben Sie überzeugt?

Zuerst einmal die Talente. Wir glauben an Vielfalt, deshalb rekrutieren wir sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Pharmabranche. Basel ist in diesem Sinn sinnbildhaft, weil die Region viele Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen vereint. Sie sprechen verschiedene Sprachen und bringen unterschiedliche Erfahrungen und Ausbildungen mit. Diese Mischung sorgt für ein warmherziges, gastfreundliches und innovatives Umfeld, das der Kultur entspricht, die wir bei Roivant anstreben. Ferner zeichnet sich der Standort Basel durch das Erbe der erfolgreichen pharmazeutischen Produkte aus, die hier entwickelt wurden. Deshalb wollten wir unser Unternehmen schon möglichst früh in der Region etablieren. Neben den grossen multinationalen Konzernen, für die Basel bekannt ist, gibt es viele junge, aktive Unternehmen, die sich auf diese Tradition stützen. Wir wollen ein Teil davon sein.

Wie hat sich Roivant in Basel eingelebt? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, allerdings mit einer Einschränkung: Basel scheint nicht an Klimaanlagen zu glauben! Spass beiseite, unsere Erwartungen wurden in vielen Belangen sogar übertroffen. Ich finde die Community sehr entgegenkommend. Wir haben uns sofort wohl gefühlt. Wir konnten talentierte Mitarbeitende gewinnen und einen positiven Dialog mit mehreren Unternehmen in der Umgebung aufbauen. Wir suchen weiterhin nach neuen Chancen in der Region und freuen uns darüber, wie das Ökosystem uns aufgenommen hat und unser Wachstum ermöglicht. Die Partnerschaften, die wir geschlossen haben, sind für uns wesentlich. Dazu gehören natürlich auch BaselArea.swiss und der BaseLaunch Accelerator.

Wir freuen uns, dass Sie dabei sind. Wie tragen Sie zum Accelerator Programm bei?

Mit unserem Geschäftsmodell sind wir bestrebt, die Gründung neuer Unternehmen zu beschleunigen, deshalb war es nur logisch, dass wir auch BaseLaunch unterstützen. Wir können unsere Erfahrung nutzen, um anderen Unternehmen zu helfen, ihre eigenen Start-ups zu lancieren und auszubauen. Wir unterstützen BaseLaunch bei der Projektauswahl. Zudem stehen wir mit Beratern und Mentoren zur Verfügung. Wir finden es grossartig, die lokalen Start-ups auf diese Weise zu unterstützen und unsere Beziehungen zu anderen Unternehmen in Basel auszubauen. Wir freuen uns, dass wir dazugehören.

Wie sehen die Aussichten für den Firmenhauptsitz in Basel aus?

Kurz gesagt, wir werden weiterwachsen. Alle Vants werden Basel als Business Hub benutzen, um ihre Partnerschaften in Europa zu entwickeln und zu pflegen. Wir haben als Unternehmen begonnen, das sich auf Wirkstoffe konzentriert, die aufgegeben wurden. Wir wollen aber auch die Entwicklung in den Pipelines anderer Unternehmen beschleunigen. Basel ist ideal gelegen, um diesen Plan mit europäischen Unternehmen umzusetzen.

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Schweiz glänzt mit Biotech-Start-ups

06.05.2019

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Alentis nimmt 12,5 Millionen Franken ein

30.04.2019

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«IP-Schutz ist entscheidend für Geschäft und Forschung»

08.05.2018

Die Patent- und Rechtsanwaltskanzlei Vossius & Partner ist seit der Einführung des Healthcare Accelerator-Programms im Jahr 2016 ein wichtiger Partner für BaseLaunch. Sie berät sowohl Start-ups als auch Grosskonzerne zu deren IP-Strategie. Philipp Marchand, Patentanwalt in der Basler Niederlassung, setzt sich dafür ein, dass der IP-Schutz ernst genommen wird.

BaselArea.swiss: Vossius & Partner unterhält Niederlassungen in München, Düsseldorf, Berlin und Basel. Wie reihen Sie sich in das Schweizer und Basler Ökosystem ein?

Philipp Marchand: Unsere Kanzlei wurde in den 1960er-Jahren gegründet und ist seit elf Jahren in Basel präsent. Wir haben intern ein umfangreiches, fundiertes Wissen aufgebaut, das sämtliche IP-Themen umfasst und vertreten momentan Kunden jeder Grösse – von Start-up bis Grosskonzern – in der Schweiz und auf der ganzen Welt. Als einer der spannendsten Life-Sciences-Standorte überhaupt ist Basel für unsere Kanzlei, die über eine der grössten Life-Science-Gruppen in Europa verfügt, von besonderem Interesse.

Das klingt ein wenig anspruchsvoll für Start-ups.

Ganz und gar nicht. Unser Know-how, das wir durch die Vertretung von Kunden jeder Grösse erworben haben, ist für den Start-up-Sektor ein riesiger Vorteil. Zudem ist es unser Anspruch, IP-Themen nicht isoliert zu betrachten, sondern im Rahmen unserer Fälle alle möglichen zukünftigen Entwicklungen zu berücksichtigen. Dazu gehören Aspekte aus anderen Rechtssystemen, denn selbst Start-ups müssen sich über die möglichen weltweiten Auswirkungen von Anfang an im Klaren sein. Zudem schützen wir mit unseren Rechtsanwälten nicht nur eine Erfindung, sondern bieten auch Beratung zu damit zusammenhängenden Aspekten an, beispielsweise zum Freedom to operate.

Sie unterstützen BaseLaunch. Weshalb?

Wir sind mit BaseLaunch eine Partnerschaft eingegangen, um näher bei der Start-up-Community in Basel und der Schweiz zu sein. Wir treffen uns mit jedem der ausgewählten Unternehmen, überprüfen deren IP-Situation kostenlos und ermitteln Möglichkeiten, um den Schutz zu optimieren. Wir freuen uns, unser Know-how vermehrt Start-ups anbieten zu können, weil wir überzeugt sind, dass sie von unserem Full-Service-Ansatz wirklich profitieren können. Wenn sie möchten, können sie später eine Kundenbeziehung eingehen und von Beginn an von unserer Erfahrung profitieren. Natürlich müssen wir dann unsere Dienstleistungen verrechnen. Wir bieten jedoch eine sehr vernünftige Preisstruktur für Start-ups und Universitäten an.

Weshalb lohnt es sich, diese Mittel aufzuwenden?

Der IP-Schutz ist in allen Technologiebereichen entscheidend, und das aus mehreren Gründen: Er ist das einzige zuverlässige Mittel, um sicherzustellen, dass Sie langfristig in verschiedenen Märkten weltweit Gewinne erzielen. Für ein Start-up, das im Bereich Life Sciences oder in einem anderen Technologiebereich tätig ist, besteht der wichtigste IP-Schutz zweifellos im Patentrecht. Nur ein Patent gewährt ein Monopol, das Dritte daran hinert, Ihre Erfindung zu nutzen. In einer frühen Phase sind weitere IP-Themen aber ebenfalls relevant. Beispielsweise kann ein eingetragenes Warenzeichen, das den Namen des Unternehmens oder dessen Produkte schützt, von unschätzbarem Wert sein. Ohne Markenschutz kann ein Unternehmen gezwungen werden, seinen Namen oder die Namen der Produkte zu ändern, wodurch erhebliche Kosten entstehen können.

Was, wenn ein Forschender nicht die Absicht hat, seine oder ihre Erfindung sofort zu vermarkten?

Sie denken vielleicht, dass es eine gute Idee ist, Ihre Erfindung geheim zu halten. Aber in der Zwischenzeit hat vielleicht ein anderer schlauer Kopf dieselbe Idee und meldet ein Patent dafür an. Heute richten sich alle Rechtssysteme, einschliesslich der USA, nach dem «Erstanmelderprinzip». Das heisst, dass Sie Ihre Chance möglicherweise verpasst haben und sogar von einer Drittpartei wegen einer Patentrechtsverletzung verklagt werden können, wenn Sie die Erfindung, die Sie für Ihre eigene halten, nutzen. Deshalb empfehlen wir Erfindern und deren Mitarbeitenden dringend, so rasch wie möglich einen IP-Schutz zu beantragen.

Was brauche ich, um eine Erfindung zu schützen?

Wir besprechen zunächst alles mit unseren Kunden persönlich, um das potenzielle Produkt sowie dessen Markt und die Kunden umfassend zu verstehen. Danach formulieren wir die Patentansprüche. Das heisst, wir definieren die Erfindung und das technische Problem, das damit gelöst werden soll. Wir reichen den Antragstext bei einem Patentamt ein, üblicherweise beim Europäischen Patentamt (EPO). Das EPO ist Teil der Europäischen Patentorganisation, bei der die Schweiz ebenfalls Mitglied ist. Ein Jahr nach der ersten Anmeldung können wir eine Nachanmeldung in Angriff nehmen, die über 150 Staaten weltweit abdeckt. Das gesamte Verfahren bis zur Genehmigung des Antrags kann mehr als fünf Jahre dauern.

Gibt es beim Life Sciences-Sektor in Bezug auf die Bedeutung des IP-Schutzes Unterschiede im Vergleich zu anderen Branchen?

Der grösste Unterschied liegt im längeren Produktlebenszyklus von Pharmaprodukten und der strengeren Regulierung im Vergleich beispielsweise zu kurzlebiger Computerhardware. Aufgrund der langen Produktzyklen und der allgemeinen Entwicklungskosten in diesem Sektor ist der Patentschutz der einzige Weg, um sicherzustellen, dass der Patentinhaber als erster von der Erfindung profitiert. Mit besonderem Fokus auf den Pharmasektor ist es auch empfehlenswert, ein IP-Portfolio aufzubauen, das nicht nur ein Medikament schützt, sondern auch dessen Herstellungsverfahren, verschiedene Rezepturen, Dosierungen, Behandlungsregimes usw. Gleichzeitig sollte man die Nutzung zusätzlicher IP-Rechte – etwa eingetragene Warenzeichen – in Betracht ziehen. Nehmen wir als Beispiel die Firma Bayer, die Aspirin erfunden hat. Das Patent für den Wirkstoff Acetylsalicylsäure ist seit Langem abgelaufen, was bedeutet, dass er überall hergestellt und verkauft werden kann. Aber das Warenzeichen garantiert nach wie vor, dass man spezifisch nach Aspirin fragt.

Gibt es auch Gründe, die gegen eine Patentanmeldung sprechen?

Ja, natürlich. Es gibt Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, mit der Patentanmeldung zu warten, bis genügend Daten gesammelt werden konnten. Beispielsweise ist möglicherweise nicht immer empfehlenswert, ein Patent für eine Forschungsplattform anzumelden, um ein Screening-Verfahren für Wirkstoffe zu schützen. Der Grund dafür liegt darin, dass Patentanmeldungen 18 Monate nach der Eingabe veröffentlicht werden und somit alle Zugang zum Verfahren haben. In diesem Szenario kann es sinnvoll sein, zu warten, bis das erste Molekül aus der Plattform hervorgeht, und dann das Produkt zu schützen. Solche strategischen Aspekte sollten jedoch immer von Fall zu Fall besprochen werden.

Welchen falschen Vorstellungen begegnen Sie manchmal im Bereich IP?

Die meisten Forschenden sind sich über den IP-Schutz im Klaren, aber die Umsetzung könnte besser sein. Eine falsche Vorstellung betrifft die sogenannte Gnadenfrist. Im europäischen Patentrecht und in den meisten anderen Rechtssystemen – mit Ausnahme der USA, Japan und Kanada – besteht keine Gnadenfrist. Nachdem Sie Ihre eigene Erfindung öffentlich bekannt gemacht haben, indem Sie darüber schreiben oder sprechen, können Sie möglicherweise keine Patentrechte mehr für Ihre Erfindung geltend machen.

Worüber dürfen Forschende mit ihren Forschungskollegen sprechen?

Eine Erfindung ist neu, wenn sie nicht Teil des Stands der Technik ist. Das heisst, sie darf nicht öffentlich bekannt sein. Also kann jedes Gespräch mit einem Kollegen oder eine Posterpräsentation an einer Konferenz vor der Patentanmeldung die Neuartigkeit der Erfindung zunichtemachen. Sie denken vielleicht, dass es niemand herausfinden wird. Sobald aber Geld im Spiel ist, werden Drittparteien nichts unversucht lassen. Natürlich sind wir uns des Konflikts zwischen Patentanträgen und der Notwendigkeit, wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen oder Präsentationen abzuhalten, bewusst. Wenn Sie nicht sicher sind, was Sie tun sollen, ist es immer besser, zuerst – auch kurzfristig – zu uns zu kommen, bevor Sie etwas veröffentlichen, eine Posterpräsentation abhalten oder auf eine andere Weise irgendetwas bekannt geben.


Über Phillip Marchand
Philipp Marchand leitet die Basler Niederlassung von Vossius & Partner. Nach Abschluss seines Studiums der Biochemie an der Universität Frankfurt am Main und seiner Promotion an einem CNRS-Institut in Paris begann er seine Karriere im Rahmen eines Praktikums als Patentanwalt bei Vossius & Partner in München. Nach Ablegen der Anwaltsprüfung wechselte er Anfang 2017 nach Basel. Vor Kurzem hat er seine Doktorarbeit in Rechtswissenschaft an der Universität Basel in Angriff genommen. Vossius & Partner ist eine führende Patentanwaltskanzlei, die ein Full-Service-Konzept mit der juristischen Kompetenz von Patentanwälten in allen Technologiebereichen anbietet. Zudem sind die Rechtsanwälte der Firma nicht nur berechtigt, in Europa und der Schweiz zu praktizieren, sondern auch in den USA, Japan, Taiwan und Korea. Die Kanzlei beschäftigt 55 Patentanwälte und 20 Rechtsanwälte in ihren Niederlassungen in München, Düsseldorf, Berlin und Basel.

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Fully equipped lab spaces at the Switzerland Innovation Park Basel Area

29.04.2019

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Basler Forscher beschleunigt Wirkstoffsuche

29.04.2019

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«Ich denke gern über scheinbar unlösbare Probleme nach»

13.03.2018

Andreas Plückthun forscht da weiter, wo andere aufhören: In seinem Labor arbeiten 40 Mitarbeitende im Protein-Engineering. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für drei Biotech-Firmen: Morphosys bei München sowie Molecular Partners und G7 Therapeutics (jetzt Heptares Zürich) in Schlieren. Andreas Plückthun erzählte uns am Rand des Antibody Congress in Basel, warum er der Forschung treu geblieben ist.

Herr Plückthun, Sie haben in drei Jahrzehnten drei Biotech-Firmen mitgegründet. Wie kam es dazu?

Andreas Plückthun: Am Anfang stand immer die Neugier, etwas herauszufinden – nie der Wunsch, eine Firma zu gründen. Nachdem wir künstliche Antikörper hergestellt und gelernt hatten, wie wir das Immunsystem nachahmen können, haben wir die Firma Morphosys gegründet. Dann stellte sich die nächste Frage: Können wir das auch mit anderen Proteinmolekülen machen und damit neue Probleme lösen? Daraus entstanden die Designed Ankyrin Repeat Proteins (DARPins) und eine zweite Firma, Molecular Partners in Schlieren. Die nächste Herausforderung bestand darin, Rezeptoren durch Protein-Engineering zu stabilisieren um für diese Angriffspunkte besser Medikamente entwickeln zu können. Aufgrund dieser Forschung haben wir die dritte Firma gegründet, G7 Therapeutics.

Wer hat die Ausgründungen jeweils vorangetrieben?

Bei der ersten Firma waren das meine Forscherkollegen. Ich war damals der skeptischere von uns dreien. Die beiden anderen Firmen sind klassische Spinoffs meiner Doktoranden und Postdoktoranden.

Wie geht es den Unternehmen heute?

Morphosys hat heute 430 Mitarbeitende. Vor kurzem hat die Firma ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Ausserdem haben wir die erste Zulassung von der FDA für einen Antikörper erhalten, der also jetzt am Markt erhältlich ist. Die Firma ist eine der wenigen, die noch genau das macht, was wir damals in den Businessplan geschrieben haben, und damit erfolgreich ist. Molecular Partners hat 130 Mitarbeitende, mehrere Studien in Phase zwei und drei und ist wie Morphosys an der Börse. G7 Therapeutics wurde vom englischen Unternehmen Heptares gekauft, die wiederum zur japanischen Firma Sosei gehört. Kurz: Es geht allen Firmen gut. Ich halte das Gründen selbst für keine besondere Errungenschaft. Die Errungenschaft ist eher, dass die Firma floriert und Medikamente auf den Markt bringt.

Welche Veränderungen haben Sie im Lauf der Jahrzehnte bei den Gründungen wahrgenommen?

Das Klima hat sich völlig verändert. In Europa war es vor 25 Jahren völlig gegen den Strich, eine Biotechfirma zu gründen. Dafür ging man nach Kalifornien. In Amerika wurde ich als Forscher und Gründer an einem Symposium mal mit den Worten vorgestellt: "He is like us". Dort war es schon viel länger üblich, Forscher und Unternehmer zu sein. Auch bei uns ist die Skepsis inzwischen weg, jetzt werden solche Gründungen positiv beurteilt. Ausserdem gibt es unterdessen eine Venture Capital-Szene. Fairerweise muss ich sagen, dass es Geldgebern gegenüber hilft, wenn man bereits eine erfolgreiche Firma gegründet hat. Der erste Deal ist der schwerste.

Sie scheinen als Gründer recht erfolgreich zu sein. Hat es Sie nie gereizt, in eine Ihrer Firmen zu wechseln?

Für mich stand es nie zur Diskussion, die Hochschule zu verlassen. Es ist ein unglaubliches Privileg, vom Staat dafür bezahlt zu werden, verrückte Sachen zu machen. Ich wollte immer an der Hochschule über die nächste Herausforderung nachdenken. In diesem Rahmen keine Rechenschaft über den Quartalsgewinn ablegen zu müssen, ist die einzige Möglichkeit, wie Fortschritt entstehen kann. In einer Firma, die Geld von Investoren verforscht, kann man die risikoreichen und langfristigen Projekte, die mich interessieren, gar nicht machen. Ich kann aber behaupten, dass ich dank der Firmen, die auf meiner Forschung basieren, meine Dividende zurückbezahlt und viele Arbeitsplätze geschaffen habe.

Sie widmen sich also weiter der Grundlagenforschung. Lässt sich die überhaupt in Richtung Kommerzialisierbarkeit steuern?

Wir wollten immer ein Problem lösen, das uns bedeutend genug erschien. Irgendwann stellt sich in der Forschung die Frage, wie man die Ergebnisse verwendet, was man daraus macht. Hätten wir die Ergebnisse nicht kommerzialisiert, hätten die Projekte an einem interessanten Punkt einfach aufgehört. Wir wären auf halber Strecke stehengeblieben. Das ist vergleichbar mit einem Bauplan für einen Computer, den man dann aber nicht baut. Indem wir die Firmen gegründet haben, konnten wir sicherstellen, dass die Projekte weitergehen.

Gibt es im Rahmen Ihrer Forschung Kollaborationen mit der Industrie?

Die direkte Zusammenarbeit zwischen der Pharmaindustrie und unserem Labor hat noch nie richtig funktioniert. Die Erwartungen und Zeithorizonte sind sehr unterschiedlich. Wir entwickeln neue Ideen und Konzepte – das passt oft nicht recht zur grossindustriellen Pharmaforschung. Ich glaube, ich trete niemandem auf den Schlips, wenn ich sage, dass die Pharmaindustrie sehr konservativ ist. Wir haben zwar viele Kontakte, aber kaum Kollaborationen. Allerdings arbeiten unsere Ausgründungen sehr gut mit der Pharmaindustrie zusammen.

Welchen Themen widmen Sie sich als nächstes?

Wir forschen an künstlichen Viren, die sich nicht vermehren können. Die Viren sollen die Proteine, die man als Therapeutika braucht, gleich im Körper produzieren. Das ist so weit weg von der praktischen Umsetzung, dass ein solches Projekt nur an einer Hochschule möglich ist. Aber ich bin absolut überzeugt, dass es eine enorme Bedeutung hätte, wenn es funktionieren würde. Ich könnte nicht ruhig sitzen, wenn wir es nicht wenigstens versuchen würden. Wir versuchen in meinem Labor also einmal mehr, ein Problem zu lösen, das die meisten im Feld als unlösbar ansehen würden. Das ist das, was mich morgens aufstehen lässt. Ich will zeigen, dass es doch geht.

Erfahren Sie an unserer Veranstaltung am 24. April mehr über Andreas Plückthun und seine Arbeit zwischen Grundlagenforschung und Unternehmertum.


Über Andreas Plückthun
Andreas Plückthun ist Biochemiker und forscht auf dem Gebiet des Protein-Engineering und der gerichteten Evolution von Proteinen, insbesondere von Antikörpern, synthetischen Bindungsmolekülen und Membranproteinen. Seit 1993 ist er Professor am Biochemischen Institut der Universität Zürich. Er studierte Chemie an der Universität Heidelberg und promovierte an der Universität San Diego in Kalifornien. Sein Postdoktorat absolvierte er am Institut für Chemie und Chemische Biologie der Harvard Universität. Nach seinem siebenjährigen Amerikaaufenthalt kehrte Andreas Plückthun nach Deutschland zurück und wurde Gruppenleiter am Genzentrum der Universität München und am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. Er ist Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) und gehört der Leopoldina an, der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Er erhielt zahlreiche internationale Preise und wurde als Pionier des Protein Engineering ausgezeichnet. Andreas Plückthun ist Mitgründer der beiden Spin-Off Firmen Morphosys (heute: 400 Mitarbeiter) und Molecular Partners (heute 40 Mitarbeiter), die an der Börse notiert sind.

Interview: Annett Altvater und Stephan Emmerth, BaselArea.swiss

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Genedata erhält Auszeichnung

26.04.2019

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Virtuelle Realität zeigt den Körper von innen

24.04.2019

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Meet the BaseLaunch Startups

11.03.2018

Six of the BaseLaunch startups recently started Phase II. They received either grants up to 250,000 Swiss francs or gained free of charge access to BaseLaunch laboratory and office space at the Switzerland Innovation Park Basel Area. Hear what the startups, the BaseLaunch team and selection committee members experienced in the first year. Find out more about what makes BaseLaunch unique.

The BaseLaunch accelerator is now open for applications for the second cycle. Entrepreneurs with a healthcare based project or a game-changing innovation in diagnostics, medtech or related field at the pre-seed or seed funding stage are invited to submit their applications to the program.

Following the application deadline on 14 May, promising projects will be admitted to the accelerator program for a period of 15 months. In phase I, the startups will benefit from the support of industry experts, office- and laboratory space free of charge and access to healthcare partners. After three months, they will be invited to present their idea to the selection committee. They will determine which promising startups will proceed to Phase II that runs for one year.

BaseLaunch is backed by five industry leaders — Johnson & Johnson Innovation, Novartis Venture Fund, Pfizer, Roche and Roivant Sciences. Other public and private partners such as KPMG and Vossius & Partner also support the initiative.

report Innovation

Basler Lyfegen schliesst Finanzierungsrunde ab

18.04.2019

report Life Sciences

Basler Forscher entwickeln neuartigen Zellcomputer

16.04.2019

report Life Sciences

«Man sollte immer etwas Verrücktes im Köcher haben»

03.10.2017

Als Jennifer Doudna im September an der Basel Life auftrat, war das Auditorium im Congress Center gut besucht. Susan Gasser, Ordinaria für Molekularbiologie an der Universität Basel, hob in ihrer Einleitung zu Doudnas Vortrag den Pioniergeist und die Innovationskraft der Professorin für Chemie sowie Molekular- und Zellbiologie an der University of California, Berkeley, hervor. Doudna sei eine ihrer Wunsch-Rednerinnen gewesen. Die Gallionsfigur der CRISPR-Revolution, wie Wissenschaftler diesen bahnbrechenden neuen Ansatz in der Gentechnik bezeichnen, sprach mit BaselArea.swiss über ihr Labor, flexible Karrierewege und verriet, was erstklassige Forscherinnen und Forscher ausmacht.

Grundlagenforschung war immer ein wichtiger Bestandteil Ihrer Arbeit. Was hat sich für Sie und Ihr Labor seit Ihren CRISPR-Veröffentlichungen verändert?

Jennifer Doudna: Wir befassen uns nach wie vor stark mit der CRISPR-Technologie. Dabei besteht ein grosser Teil unserer Arbeit darin, neue Systeme zu entdecken und RNA-Targeting und -Integration zu erforschen. Dies ist unsere Hauptmotivation, hat aber nicht zwangsläufig etwas mit Genome Editing zu tun. Aber es hat sich einiges verändert. Beispielsweise befassen wir uns viel mehr mit angewandter Wissenschaft als früher. Dies führte zu zahlreichen interessanten Kooperationen mit Personen, mit denen ich früher nie in Kontakt gekommen wäre. Wir hatten die grossartige Chance, unsere Aktivitäten gleichzeitig zu vertiefen und auszuweiten.

Wie schaffen Sie es, Ihre Studenten und Postdoktoranden in Ihrem wachsenden Labor zu betreuen?

Ich hole tolle Leute an Bord, die gleichzeitig innovative Initiativen und Projekte mit klarer prognostizierbaren Ergebnissen verfolgen können. Anfänglich gebe ich den Rahmen vor, dann lasse ich sie von der Leine. Zudem bilden wir innerhalb des Labors Teams, was sich als sehr wirksam erwiesen hat. Ich mache nicht immer alles richtig, aber wenn alles wie gewünscht läuft, entstehen erstaunliche wissenschaftliche Erkenntnisse.

Sie leben in einer Region, in der Unternehmertum ein Lebensstil zu sein scheint. Wie beurteilen Sie das Umfeld für Forschung und Start-ups in Europa im Vergleich zur Benchmark Kalifornien?

Es gibt einige interessante – wahrscheinlich kulturelle – Unterschiede bei der Herangehensweise an Forschung und Wissenschaft. In Berkeley planen viele unserer Studenten eine Zukunft in der Wissenschaft. Wer in Kalifornien Karriere in der Industrie machen will, denkt meist daran, selbst ein Start-up zu gründen oder in eines einzusteigen. Aus Gesprächen mit meinen Schweizer Kollegen schliesse ich, dass so ein Schritt vielen Studenten in der Schweiz nicht ganz geheuer ist. Sie wollen lieber zu einem guten Lohn für ein grosses Unternehmen arbeiten. Daran ist nichts auszusetzen. Trotzdem denke ich, dass man Studenten ermutigen sollte, das Risiko einzugehen und den Schritt aus ihrer Komfortzone hinaus zu wagen.

Wie gut funktioniert das in Berkeley?

Zwei meiner Studenten haben ausgehend von ihrer Laborarbeit gemeinsam mit mir Unternehmen gegründet. Das eine entwickelt neue Technologien mit einem therapeutischen oder landwirtschaftlichen Nutzen. Das andere befasst sich mit Wegen zur Nutzung von Genome Editing in der Neurologie. Beide Studenten arbeiten als CEO und konnten alle erforderlichen Schritte zum Aufbau des Unternehmens selbst durchführen – von allen rechtlichen Fragen über die Finanzierung bis zur Entwicklung des Businessplans und der Wissenschaft selbst. Sie mussten Mitarbeiter anstellen, ein Team aufbauen und Verträge abschliessen. Ich sage ihnen immer, dass ich ihren Job nie bewältigen könnte.

Wie motivieren Sie Ihre Studenten dennoch zu einem solchen Schritt?

Ich glaube, dass die Nähe zum Silicon Valley viel zur unternehmerischen Einstellung in der Bay Area beiträgt. Diese Haltung schlägt sich überall nieder. Mein Sohn sieht junge Unternehmer – kaum älter als ein Teenager–, die die nächsten Robotik- oder AI-Unternehmen aufbauen. Natürlich kommen auf jede erfolgreiche Unternehmensgründung zahlreiche Misserfolge. Aber wenn Teenager erfolgreiche Unternehmer sehen, sind sie motiviert, es selbst zu versuchen.

Wie schafft man eine solche Kultur?

Die Kultur im Silicon Valley kann man nicht kopieren. Aber man kann eine Kultur schaffen, die Risikofreude und unkonventionelles Handeln fördert. Wenn jemand mit dem eigenen Start-up Schiffbruch erleidet, sollte er nicht dafür bestraft werden. Vielmehr sollte es möglich sein, anschliessend beim Grosskonzern einzusteigen. Wenn wir unsere Studenten ermutigen, alle Möglichkeiten – von der Karriere in der Wissenschaft, über die Industrie bis zum eigenen Unternehmen – zu prüfen, realisieren sie, dass sie nicht unbedingt ihr ganzes Arbeitsleben lang denselben Karrierepfad verfolgen müssen.

Waren Sie schon einmal versucht, die Seiten zu wechseln?

Ich habe es ausprobiert. 2009 gab ich meine Stelle an der Berkeley University auf und stiess als Vice President des Bereichs Grundlagenforschung zu Genentech. Ich habe nur ein paar Monate durchgehalten.

Warum?

Von aussen betrachtet schien sich mir dort die spannende Möglichkeit zu bieten, meine Forschung in einer deutlich anwendungsorientierteren Richtung weiterzuverfolgen. Nach dem Stellenantritt merkte ich aber, dass ich dort meine Stärken nicht ausspielen konnte. Stattdessen wurde mir klar, worin ich gut bin und was mir wirklich Spass macht – kreative, ungebundene Forschung. Ich liebe es, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und ein Umfeld zu schaffen, in dem sie einer interessanten Arbeit nachgehen können. Das wäre grundsätzlich auch bei Genentech möglich gewesen, aber in einem anderen Rahmen. Der Prozess war ziemlich schmerzhaft, aber auch wertvoll. Ich kehrte an die UC Berkeley zurück, um das zu tun, weshalb ich ursprünglich in die Wissenschaft gegangen war: Ich wollte verrückte, kreative Projekte verfolgen, die zwar nicht zwingend klinisch relevant, aber von wissenschaftlichem Interesse sind. Damals entschied ich, meine Arbeit an CRISPR auszudehnen. Ohne den Ausflug zu Genentech zurück zur Berkeley University wäre ich vielleicht nie zu den CRISPR-Ergebnissen gekommen.

Ein Thema, mit dem Sie sich herumschlagen müssen, ist der ungelöste Patentstreit um CRISPR Cas9. Hat dies einen Einfluss auf Ihre Arbeit?

Ich versuche, die Sache pragmatisch zu betrachten. Ich bin eine Lehrperson – und in dieser Angelegenheit habe ich selbst unheimlich viel gelernt, zum Beispiel über Patentrecht und juristische Prozesse. Einiges davon war unerfreulich. Irgendwann werde ich ein Buch darüber schreiben.

Eine andere Jury könnte sich eindeutiger zu Ihren Leistungen äussern: Sie sind eine heisse Kandidatin für den Nobelpreis. Was denken Sie darüber?

Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken. Natürlich macht mich der Gedanke daran demütig. Ich habe mich gefragt, was der Sinn solcher Auszeichnungen ist? Ich denke, damit werden wissenschaftliche Fortschritte und ihre möglichen positiven Auswirkungen gewürdigt. Aber ich habe diesen Job nicht gewählt, um Preise zu gewinnen. Ich bin einfach mit Leib und Seele Wissenschaftlerin.

Brauchen erstklassige Forscherinnen und Forscher diesen Enthusiasmus – oder kennen Sie irgendeine magische Formel?

Wichtig ist wohl eine Kombination: Es braucht die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und den Willen, anderen zuzuhören. Ich kenne eigenwillige, kreative Studenten, die nicht in der Lage sind, ein Protokoll zu befolgen. Ein solches Verhalten führt nicht unbedingt zu guten Forschungsergebnissen. Aber auch das Gegenteil funktioniert nicht: Wer sich nur ans Protokoll hält und nie von den Abläufen abweicht, wird ebenfalls keine spannenden Forschungsergebnisse erzielen. Meist lassen wir die Studierenden eine Serie von Experimenten mit fixen Abläufen machen, die mit Sicherheit einige interessante Daten liefern. Das zweite Projekt ist für die Studenten selbst von Interesse. Diese Mischung führt oft zu den besten Ergebnissen. Seien wir ehrlich: Mit akademischer Forschung wird man nicht reich. Der Lohn für die Arbeit besteht im Erkenntnisgewinn und in der Freiheit, Entdeckungen zu machen. Ich sage meinen Studenten immer: «Wenn du in der akademischen Forschung bleiben willst, mach was draus.» Man sollte immer etwas Verrücktes im Köcher haben. Das sorgt für den nötigen Spass.

Interview: Alethia de Léon und Annett Altvater

report Life Sciences

Zulassungsbereich von Polyphor-Antibiotikum wird erweitert

12.04.2019

report Invest in Basel region

Mirum Pharmaceuticals makes an entrance to Basel

09.04.2019

report BaselArea.swiss

13 Startup-Projekte qualifizieren sich für die erste Phase von BaseLaunch

18.09.2017

Am 14. September startete das Healthcare Accelerator-Programm BaseLaunch von BaselArea.swiss. Aus über 100 Bewerbungen aus mehr als 30 Ländern wählte das Selection Committee 13 Projekte für Phase I aus. Diese werden nun während drei Monaten zusammen mit Industrieexperten ihren Business Case schärfen.

Über 100 Projekte aus mehr als 30 Ländern haben sich für das Accelerator-Programm BaseLaunch von BaselArea.swiss beworben. Die Bandbreite der eingereichten Projekte reichte von Therapeutika sowie Diagnostik über Digital Healthcare bis hin zu Medtech. Statt der vorgesehenen 10 nominierte das Auswahlkomitee dreizehn vielversprechende Projekte für die erste Phase. «Die hohe Innovationskraft der Bewerbungen war beeindruckend», sagt Trudi Haemmerli, CEO von PerioC Ltd sowie Managing Director bei TruStep Consulting GmbH, die dem Gremium vorsteht. «Wir sind gespannt, wie die ausgewählten Projekte die Phase I nutzen werden, um ihren Business Case weiter zu schärfen.»

Gemäss Stephan Emmerth, bei BaselArea.swiss Business Developement Manager für BaseLaunch widmen sich die ausgewählten Projekte den verschiedensten Zielen: Verfolgt werden neue Ansätze zur Behandlung von Erkrankungen wie Alzheimer, neuartige Immuntherapien, innovative Delivery Methoden oder die nächste Generation von Gentherapien für die Krebsbehandlung. Andere Projekte zielen auf die Entwicklung neuer diagnostische Verfahren, um Biomarker für Krebserkrankungen zu finden oder mittels digitaler Messmethoden die Erkennung von neurologischen Erkrankungen zu revolutionieren.

Ebenso breit präsentierte sich das Entwicklungsstadium der Projekte: Eingereicht wurden sowohl Projekte, die im Rahmen von BaseLaunch ein Unternehmen gründen wollen sowie existierende Startups, die bereits erste erfolgreiche Finanzierungsrunden hinter sich haben und mit BaseLaunch Ihre Firma erfolgreich weiterentwickeln möchten. Auch der berufliche Werdegang der Gründer ist unterschiedlich. Einerseits haben die Bewerber langjährige Forschungs- und Entwicklungserfahrung in der Industrie, andererseits wurden Gründer aus dem universitären Umfeld für Phase I ausgewählt.

«Wir haben die vielversprechendsten Projekte ausgewählt. Zudem sollen die Projekte möglichst viel von BaseLaunch und dem regionalen Life Sciences-Ökosystem profitieren», betont Alethia de León, Managing Director bei BaseLaunch. Geachtet wurde vor allem auf eine solide wissenschaftliche und technische Basis, einen hohen Grad an Innovation sowie auf das unternehmerische Potenzial des Gründerteams. De León hob auch den produktiven Auswahlprozess hervor. Dem Auswahlgremium gehören unter anderen Vertreter der Healthcare-Partner Johnson & Johnson Innovation, Novartis Venture Fund, Pfizer sowie Roche an: «Wir hatten während des Auswahlprozesses sehr konstruktive Diskussionen.»

Die dreizehn ausgewählten Startups haben ab dem 14. September drei Monate Zeit, um ihre Geschäftsidee weiterzuentwickeln. Dabei werden sie vom BaseLaunch-Team sowie von erfahrenen Unternehmern und Beratern unterstützt. In dieser ersten Phase stehen den Projekten jeweils bis zu 10'000 Franken zur Verfügung. Anschliessend wählt das Selection Committee unter den Projekten der Phase I drei für die Phase II aus. Diese dauert zwölf Monate, wobei die Projekte mit je bis zu 250'000 Franken unterstützt werden. Zudem erhalten sie Zugang zum BaseLaunch-Lab im Switzerland Innovation Park Basel Area, um wichtige Meilensteine in der Forschung zu erreichen und ihren Business Cases weiterzuentwickeln.

Die ausgewählten Projekte im Überblick:

ABBA Therapeutics entwickelt neue therapeutische Antikörper für die Krebsimmuntherapie.

Das β-catenin-Projekt soll neue Therapieansätze für Dickdarm-, Lungen-, Leber-, Brust-, Gehirn und Eierstockkrebs entwickeln, mit denen der menschliche Körper von pathologischen Proteinen befreit werden soll.

CellSpring analysiert menschliche Zellen, die in einem besonderen dreidimensionalen Milieu gezüchtet werden, um neue Instrumente zur Früherkennung von Krebs zu entwickeln.

Eyemove versucht, neurologische Krankheiten im Frühstadium durch Eye-Tracking zu erkennen.

Polyneuron Pharmaceuticals hat sich der Entwicklung einer vielversprechenden neuen Arzneimittelklasse zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten verpflichtet.

Das SERI Projekt entwickelt neue Arzneimittel zur Behandlung von Angststörungen und Stress. Diese modulieren die Aktivität der Cannabinoide im menschlichen Körper.

SunRegen entwickelt neue Arzneimittel für neurodegenerative Krankheiten.

T3 Pharma entwickelt die nächste Generation von bakterien-basierenden Krebstherapien.

T-CURX ist bestrebt, mit der «UltraModularCAR»-Plattform die nächste Generation  von CAR-T basierten Immuntherapien zu entwickeln.

TEPTHERA hat sich zum Ziel gesetzt, neue therapeutische Krebsimpfungen zu entwickeln.

TheraNASH entwickelt individuell abgestimmte Arzneimittel für die Behandlung der nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH), die weltweit auf dem Vormarsch ist und zu Leberkrebs führt.

VERSAMEB entwickelt neue Ansätze im Bereich der regenerativen Medizin.

Ein Biotech-Unternehmen, das nicht genannt werden möchte, entwickelt neue Arzneimittel für Immuntherapien gegen Krebs.

report Life Sciences

Novartis-Tochter Alcon ist jetzt selbständige Firma

09.04.2019

report Innovation

Universität Basel stellt sich internationalem Wettbewerb

08.04.2019

report BaselArea.swiss

In Stärke investieren – Schweizer Leadership in den Life Sciences

15.05.2017

Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre internationale Leadership-Rolle in den Life Sciences behaupten? Im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung sowie von Start-ups über aktuelle Trends und Herausforderungen zu diskutieren.

Die Bedeutung der Life Sciences für die Schweizer Wirtschaft ist enorm. Der Anteil dieser Branche an den gesamten Schweizer Exporten lag im letzten Jahr bei 45%. Ebenso sind die meisten Neuansiedlungen im Healthcare-Bereich tätig. Die Schweiz gilt denn auch als weltweit führender Life-Sciences-Standort mit der Region Basel als ihrem Motor. Vor diesem Hintergrund besuchte heute Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, im Rahmen des «Biotech und Digitization Day» auf Einladung von BaselArea.swiss und digitalswitzerland die Region Basel, um mit einer hochrangigen Delegation aus Politik, Wirtschaft und Forschung über aktuelle Trends und Herausforderungen in den Life Sciences zu diskutieren.

Der Anlass fand bei der Actelion Pharmaceuticals und im Switzerland Innovation Park Basel Area in Allschwil/BL statt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hob die grosse Bedeutung der Region und der Life-Science-Branche hervor: «Die beiden Basel verfügen über eine hohe Dichte an innovativen und erfolgreichen Unternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen. Das erfüllt mich mit Stolz und Zuversicht. Pharma und Chemie gelten zu Recht als Innovationsmotoren.» Um zukünftig ebenso erfolgreich zu sein, dürfe sich die Schweiz aber nicht ausruhen; Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Gesellschaft müssten den digitalen Wandel als Chance nutzen, appellierte er.

Organisiert wurde die Veranstaltung von BaselArea.swiss, der Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, sowie digitalswitzerland, der gemeinsamen Initiative von Wirtschaft, öffentlicher Hand und Wissenschaft, welche die Schweiz zum international führenden digitalen Innovationsstandort gestalten will.

Bundesrat Schneider-Ammann stattet zurzeit führenden Regionen der Schweiz einen Besuch ab, um sich ein Bild über die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Wirtschaftsbranchen zu machen und über erfolgsversprechende Zukunftsrezepte zu sprechen.

Förderung von Biotech-Start-ups

Die Life Sciences gelten als Zukunftsbranche mit grossem Wachstumspotenzial. Doch der Standortwettbewerb wird aggressiver: Andere Regionen in der Welt investieren massiv in die Standortförderung und locken grosse Firmen an. Eine zentrale Frage der heutigen Veranstaltung war denn auch: Wie können die Schweiz und die Region Basel ihre Leadership-Rolle im internationalen Wettbewerb behaupten?
So verfügt die Schweiz gemessen an der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Life Sciences und verglichen mit anderen führenden Standorten der Welt über vergleichsweise wenige Start-up-Firmen in diesem Industriesektor. Mit der Lancierung von BaseLaunch, dem neuen Accelerator für Healthcare-Start-ups, hat BaselArea.swiss in Zusammenarbeit mit dem Kickstart Accelerator von digitalswitzerland einen ersten Schritt getan. Dennoch fehlt es neben dem Startkapital in der Frühphase der Unternehmensentwicklung insbesondere auch am Zugang zu grossem Kapital, das ein etabliertes Start-up-Unternehmen für die Expansion benötigt. Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss und Member of the Steering Committee digitalswitzerland, meint: «Wir müssen in unsere Stärke investieren. Deshalb brauchen wir Initiativen wie der Zukunftsfonds Schweiz, der es institutionellen Anlegern ermöglichen soll, in innovative Jungunternehmen zu investieren.»

Die Bedeutung einer innovativen Start-up-Szene für den Life-Sciences-Standort Schweiz war dann auch Thema im Roundtable-Gespräch, das Bundesrat Johann Schneider-Ammann unter anderem mit Severin Schwan, CEO der Roche Group, Jean-Paul Clozel, CEO von Actelion Pharmaceuticals, und Andrea Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel, führte.

Digitalisierung als Innovationstreiber

Das zweite Thema des Biotech und Digitization Day galt der Digitalisierung in den Life Sciences. Diese stellt laut Thomas Weber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, einen wichtigen Innovationstreiber für die gesamte Branche dar und ist für die Stärkung des Forschungsstandortes Schweiz entscheidend.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann fokussierte in seiner Ansprache auf drei Aspekte: Erstens die Schaffung einer neuen, mutigen Pionier-Kultur, in der Unternehmertum gefördert und belohnt wird, wer etwas wagt. Zweitens mehr Schub für Start-ups durch die Verwirklichung der Initiative für einen privat finanzierten Start-up-Fonds. Und drittens die Ausgestaltung der Rolle des Staates als Ermöglicher, der Freiräume schafft, statt Verbote und Hürden zu erlassen.

In der öffentlichen Diskussionsrunde, an der Vertreter aus Forschung und Wirtschaft sowie Unternehmer teilnahmen, wurde deutlich, dass die Digitalisierung die Life Sciences verändern wird. Man war sich einig, dass die Schweiz über die besten Voraussetzungen verfügt, um eine führende Rolle in diesem Veränderungsprozess zu spielen. Die Grundlage dafür bilden leistungsstarke und global tätige Pharmafirmen, weltweit anerkannte Hochschulen sowie ein innovationsfreudiges Ökosystem mit digital getriebenen Start-ups aus den Bereichen Healthcare und Life Sciences.
Dafür will sich auch digitalswitzerland einsetzen. Healthcare und Life Sciences sind laut Nicolas Bürer, CEO von digitalswitzerland, Schlüsselindustrien, um die Schweiz zum führenden digitalen Innovationsstandort zu machen.

Einen weiteren Beitrag dazu leistet der von BaselArea.swiss in enger Kooperation mit dem Kanton Basel-Stadt lancierten Innovationshub für Precision Medicine, DayOne, der regelmässig eine wachsende Community von derzeit über 500 Experten und Innovatoren zusammenbringt, um Ideen auszutauschen und Projekte voranzutreiben.

report Life Sciences

Polyneuron nimmt 22,5 Millionen Franken ein

28.03.2019

report Life Sciences

Shanghai Biotalk: Digital Transformation in Healthcare

27.03.2019

report BaselArea.swiss

„Ich erlebe in Basel ein sehr innovationsfreundliches Klima“

12.04.2017

Am Anfang standen Forschungsressourcen aus einem Vierteljahrhundert. Simon Ittig und seine Kollegen am Departement Biozentrum der Universität Basel haben daraus ein Forschungsprojekt und schliesslich ein Startup gemacht. T3 Pharmaceuticals entwickelt neue Therapien zur Behandlung fester Tumore.

Wie kam es zu T3 Pharma?

Simon Ittig: Ich habe am Biozentrum in der Gruppe von Professor Guy Cornelis doktoriert, die sich hauptsächlich mit einem Nadelsystem von Bakterien beschäftigte. Bakterien brauchen diese Nadeln, um Proteine in Zellen zu schiessen und ihre Pathogenese zu etablieren. Mein Doktorvater hatte diesen Mechanismus 25 Jahre zuvor mitentdeckt und seither auf diesem Gebiet geforscht. Als ich 2012 das Doktorat abschloss und Professor Cornelis emeritierte, konnte ich viele Ressourcen wie Bakterienstämme und Studienprotokolle übernehmen. Als Postdoc in einer anderen Gruppe am Biozentrum beschäftigte ich mich mit der Frage, wie Proteine schnell in Zellen transportiert werden können. Das brachte mich zurück auf meine Sammlung an Bakterienstämmen, da diese von Natur aus genau das machen. In kurzer Zeit gelang es mir zu zeigen, dass ein solcher Proteintransport auch wirklich funktioniert und zwar schnell, effizient und synchron. Dieses Potential hat mich und meine Forschungskollegen gepackt.

Wozu genau kann diese Technologie verwendet werden?

Wenn man Bakterien hat, welche spezifische, beispielsweise humane Proteine in Zellen transportieren, kann man diese Zellen nach Wunsch stimulieren. Schon länger weiss man, dass Bakterien zu festen Tumoren wandern. Entsprechend haben wir uns auf das Gebiet der festen Tumoronkologie fokussiert und konnten überraschend schnell beeindruckende Ergebnisse erzielen. Wir verfügen nunmehr über Bakterien, die über längere Zeit spezifisch im Tumor wachsen. Zudem können wir diese nun auch so programmieren, dass sie bestimmte Wirkstoffe produzieren und in die Zellen abgeben. Und zwar genau dort, wo diese Substanzen wirken können. Unsere Technologie zeigt dabei eine grosse Stabilität.

War es für Sie naheliegend, mit dieser Idee sogleich eine Firma zu gründen?

Ja, diese Idee kam relativ früh. Die erste finanzielle Unterstützung der KTI, der Krebsliga und und kleineren Stiftungen erhielten wir noch als rein akademische Forscher. Dass wir uns mit unserer Technologie für den Proteintransport selbständig machen wollen, war dann bereits klar. Die Gründung einer eigenen Firma war auch eine Voraussetzung für die weiteren Forschungsgelder von KTI. Das Biozentrum hat uns bei der Ausgründung in vielen Bereichen unterstützt. Die Patente gehören zwar nach wie vor der Universität, wir verfügen aber über eine exklusive weltweite Lizenz.

Wie haben Sie T3 Pharma finanziert?

Zum Start und auch in der Folge haben wir substantielle Beträge an Forschungsgeldern erhalten. Die Mittel sind allerdings in der Regel an Löhne und Verbrauchsmaterial gebunden. Stiftungen wollen in erster Linie die eigentliche Forschungsarbeit finanzieren. Irgendwann kommt man damit an Grenzen, weshalb wir begannen, aktiv nach Investoren für unsere Firma zu suchen.

Mit grossem Erfolg, was war ausschlaggebend?

Zuerst einmal muss natürlich die Geschäftsidee stimmen. Zweitens braucht es ein grosses und gegenseitiges Vertrauen. Das ganze Setup sollte geeignet sein, die Firma einige Jahre zu begleiten. Wenn man alle zwei Jahre wieder Monate braucht, um eine nächste Finanzierungsrunde zu sichern, bindet das zu viele Ressourcen, bringt viel Unsicherheit und lenkt von den Forschungstätigkeiten ab. Aus diesem Grund haben wir Investoren gesucht und gefunden, welche die finanziellen Möglichkeiten und das notwendige Verständnis haben, an uns glauben und bereit sind, mit uns einen langen Weg zu gehen.

Sie waren also in einer privilegierten Lage und konnten Investments auch ausschlagen?

Vielleicht. Ich bin überzeugt, dass man nicht jedes Angebot annehmen sollte, wenn man nicht muss. Wir prüfen sorgfältig, an welche Bedingungen eine Finanzierung geknüpft ist und wollen auch ein Gefühl für die Absichten der Investoren erhalten. Empfehlenswert ist es auch, sich Optionen offen zu halten. Wer sich zu früh mit etwas zufrieden gibt, dem kann dies später sehr teuer zu stehen kommen.

Sie haben über 2 Millionen von Stiftungen erhalten. Das ist ungewöhnlich viel für ein Startup?

Der Aufwand für eine solche Finanzierung ist natürlich auch sehr hoch, besonders am Anfang, wenn man noch keinen Leistungsausweis vorweisen kann und noch keine Forschungsgelder erhalten hat. Entscheidend ist, frühzeitig erfahrene Leute an Bord zu holen. Das gibt den Stiftungen die nötige Sicherheit bezüglich der Umsetzbarkeit des Projekts. Wichtig ist auch, kleinere Beträge wert zu schätzen. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich von einem sehr erfahrenen und erfolgreichen Wissenschaftler, Prof. Nigg, viel über die Kunst des Antragschreibens lernen konnte. Mit den Professoren Nigg vom Biozentrum und Christofori vom Departement Biomedizin hatten wir schon früh ein fachlich stimmiges und interdisziplinäres Konsortium gebildet. Ohne diese beiden erfahrenen Professoren gäbe es unsere Firma in dieser Form nicht.

Wie hoch war denn die Erfolgsquote?

Ich schätze, dass wir bisher auf die Hälfte unserer Gesuche eine positive Antwort erhalten haben.

Mit diesem Stiftungsgeld sind Sie weit gekommen, aber die nächsten Schritte machen sie mit Unterstützung von Privatinvestoren. Ist das besser, als auf Risikokapitalgesellschaften zu setzen?

Selbstverständlich haben wir beide Alternativen geprüft. Private und institutionelle Investoren schliessen sich ja gegenseitig nicht aus. Wir haben nun jedoch Privatpersonen bevorzugt, weil sie in der Regel selber oder in kleinen Gremien und somit schneller entscheiden, ob sie investieren wollen oder nicht. Ein zweiter Punkt: Es ist mir persönlich auch wichtig, dass wir gemeinsam eine Vorstellung der nächsten Jahre entwickeln und auf diese Ziele hinarbeiten. Die Interaktionen, die gemeinsame Vision und das Gefühl einer ähnlichen Wertehaltung bringen viel Freude und Zuversicht. Es muss einfach stimmen, fachlich und menschlich.

Wie findet man private Investoren?

Eigentlich geht das nur über ein gutes Netzwerk und unsere erfahrenen Berater. Denn im Unterschied zu Risikokapitalgesellschaften halten sich Privatinvestoren eher diskret im Hintergrund. Es ist deshalb wichtig, sich schon früh Gedanken über die Positionierung des eigenen Unternehmens, des Teams und seiner Technologien zu machen. Eine gut geplante Kommunikation hilft. Sind die Ideen erst einmal bekannt, kommt man leichter in Kontakt mit den richtigen Leuten. Wer in einem Gespräch überzeugt, hat gute Chancen, dass sich ein Privatinvestor engagiert.

Was sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Die Finanzierung von T3 Pharma ist vorerst gesichert. Wir können uns somit auf unsere Forschung konzentrieren und darauf, unsere Technologie zu validieren und die präklinische Entwicklung vorzubereiten. Mittlerweile beschäftige ich mich als CEO mit Arbeiten ausserhalb des Labors, während sich meine vier Kollegen voll auf die Forschung konzentrieren.

Was ist Ihre langfristige Vision?

Wir wollen unsere Technologie bis zur Anwendung im Patienten bringen. Das ist unser grosser Treiber in der täglichen Arbeit. Wie und wann wir dieses Ziel erreichen werden, kann ich heute noch nicht sagen, auch nicht, ob es dann T3 Pharma noch als selbständiges Unternehmen gibt. Wer weiss schon, was die Zukunft bringt. Wir sind deshalb offen und fokussieren uns zuerst auf unsere Forschung.

Wie nehmen Sie das hiesige Ökosystem für Jungunternehmer wahr?

Wir haben eine gute Anbindung an die Universität und schätzen die offenen Türen. Wer sich traut und auf die Leute zugeht, erhält viel Unterstützung. Ich erlebe in Basel ein sehr innovationsfreundliches Klima. Natürlich bildet der grosse Life-Sciences-Cluster ein unheimlich positives Umfeld für Startups wie wir. Auch die Innovationsförderung von BaselArea.swiss hilft auf unkomplizierte Art, wenn es darum geht, die richtigen Leute zu treffen.

Dennoch: punkto Startups hinkt Basel anderen Standorten hinterher. Was müsste unternommen werden?

Ohne Eigeninitiative und Durchhaltewillen läuft gar nichts. Wer beides hat, findet hier in Basel und der Schweiz beste Voraussetzungen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich den informellen Austausch an der Universität stärker institutionalisieren. Früher Input von erfahrenen Fachspezialisten zu einer Startup-Idee könnte jungen Forschern dabei helfen, Selbstvertrauen für die nächsten Schritte zu tanken und die eigenen Ideen erfolgreicher vor einem Gremium zu präsentieren. Eine Absage kann manchmal ganz schön entmutigend sein.

Gibt es denn viele Ideen, die so ungeboren begraben werden?

Ja, es gibt sie und ich finde das sehr schade. Es ist für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit, sich vor andere hinzustellen und zu sagen „Ich will das, ich kann das und ich mache das.“ Nur wenige Jungforscher trauen sich zu, eine derart grosse Hürde zu nehmen und auch mal ein Projekt gegen Widerstände zu verfolgen. Viele talentierte junge Wissenschaftler bleiben so auf der akademischen Schiene und publizieren weiter, bis irgendwann der Zug für ein Startup abgefahren ist. Es würde helfen, wenn sie ihre Ideen informell diskutieren könnten, ohne gleich alles an die grosse Glocke hängen zu müssen. Ich bin überzeugt, es gäbe noch mehr innovative Startups. Denn ist diese Hürde erst einmal überwunden, erhält man unglaublich viel Unterstützung auch von fachfremden Professoren, die zum Weitermachen ermutigen. So ist es mir ergangen.

Und was sagt Ihr Doktorvater zu T3?

Er hat eine Riesenfreude an uns. Guy Cornelis berät uns auch wissenschaftlich und hilft uns, wo er kann. Das Verhältnis hat sich inzwischen auch verändert und ist sehr freundschaftlich. geworden.

Zur Person:

Dr. Simon Ittig hat an den Universitäten Bern, Wien und Strassburg Biochemie und Biotechnologie studiert und am Biozentrum der Universität Basel in Mikrobiologie promoviert. Aus einem Forschungsprojekt zum Thema Typ 3-Technologien – Bakterien als vielseitige Werkzeuge für den Proteintransport wurde das Startup T3 Pharmaceuticals.

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20.03.2019

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14.03.2019

report BaselArea.swiss

BaseLaunch kann das Potential des Life Sciences Ökosystems Basel voll ausschöpfen

15.03.2017

Der neue Accellerator für Healthcare Ventures, BaseLaunch, will die besten Startups anziehen und damit auch Impulse für etablierte Player geben. Dabei setzt das Projekt gemäss Managing Director Alethia de Léon konsequent auf Qualität und das konzentrierte Know-how in der Region.

Was macht BaseLaunch einzigartig?

Der fortwährende Austausch mit ansässigen Branchengrössen, die in der Projektauswahl mitwirken und überdies auch selbst Kapital zur Verfügung stellen können, ist zentral für das Konzept von BaseLaunch. Wir richten uns sehr konsequent an den individuellen Bedürfnisse von Gründern aus und können das konzentrierte Knowhow sowie die vielseitigen Partnering-Potenziale im Life-Sciences-Ökosystem Basel voll ausschöpfen. Damit kann sich BaseLaunch auch an Startups richten, die für andere Programme zu wenig weit entwickelt sind.

Für welche Art von Projekten ist BaseLaunch besonders geeignet?

BaseLaunch ist offen für alle Projekte im Bereich Healthcare. Geografisch liegt der Fokus auf der Schweiz und Europa. Unsere Labors im Switzerland Innovation Park Basel Area sind auf Therapeutics spezialisiert. Aber innovative Konzepte in den Bereichen Diagnostics und Medtech sind ebenfalls eingeladen, am Accelerator zu partizipieren.

Operativ wird das Projekt von BaselArea.swiss geführt, unter einem separaten Brand. Warum dieses Setup?

BaseLaunch will die innovativsten und vielversprechendsten Healthcare-finden, sie unterstützen und in das hiesige Healthcare-Ökosystem einbetten. Damit ist BaseLaunch ein wichtiger Teil der Kerntätigkeit von BaselArea.swiss. Aufgrund der unterschiedlichen Finanzierungs- und Entscheidungsstruktur und im Sinne eines fokussierten Marktauftrittes macht es aber Sinn, mit dem Accelerator eine separate Marke aufzubauen.

Ist es denn Aufgabe des Staates, in Startups zu investieren?

Es werden keine öffentlichen Mittel in Projekte investiert. Die Kantone finanzieren den operativen Betrieb von BaseLaunch. Was direkt in die Startups fliesst, kommt von privater Hand. Mit BaseLaunch sorgt also BaselArea.swiss für die richtigen Rahmenbedingungen, indem sie als neutraler Partner der Industrie mit entsprechenden Programmen das Entstehen von neuen Firmen begünstigt. Und man darf nicht vergessen, dass man anderenorts viel offensiver vorgeht mit staatlichen Mitteln. Es ist wichtig, hierbei nicht ins Hintertreffen zu gelangen und im hart umkämpften Standortwettbewerb dran zu bleiben - ohne freilich unsere liberale Wirtschaftsordnung zu verzerren.

Warum braucht es denn überhaupt mehr Startups?

Startups braucht es in erster Linie, damit aus Wissen auch Wertschöpfung entsteht. Wenn wir Milliarden in die akademische Forschung investieren, braucht es auch entsprechende Strukturen, um aus Erfindungen Innovationen zu machen. Es hat sich gezeigt, dass Startups hierfür mehr und mehr eine entscheidende Rolle übernehmen. Darüber hinaus haben Startups das Potential, bei Erfolg sehr schnell zu wachsen und dadurch sehr viele hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. Actelion, das ja auch mal als Startup angefangen hat, ist das beste Beispiel hierfür. Indem es BaseLaunch gelinngt, mit den besten Startup-Projekte zu arbeiten, generiert dies auch Impulse für etablierte Unternehmen sowie für das gesamte Ökosystem..

Ist das hiesige Umfeld für Startups überhaupt interessant, die Lebenshaltungskosten dürften Gründer zunächst mal eher abschrecken?

Das Silicon Valley, London oder Boston sind nicht günstiger. Die einzigartigen Vorteile des lokalen Life-Sciences-Ökosystems mit einer in Europa nicht zu übertreffenden Dichte an Talent, Pharma-Entscheidern und Kapital geben bei unseren Gründern letztlich den Ausschlag. Wir machen die Erfahrung, dass wir in diesen wirklich entscheidenden Bereichen, die ja gerade für junge Unternehmen „Must-Haves“ sind, so viele Punkte sammeln kann, dass unter dem Strich das Gesamtpaket mehr als stimmt. Nicht umsonst haben wir in den vergangenen Jahren einen steten Zuwachs an Gründungen von ausserhalb der Region gesehen.

Alethia de Léon

Die gebürtige Mexikanerin Alethia de Léon hat am Massachusetts Institute of Technology und an der Harvard Business School studiert. Nach Stationen im Healthcare Investment und im Product Developement war sie bis 2015 bei Novartis Global Head of Search and Evaluation, Business Development and Licensing für das Neuroscience Business. Neben der Führung von BaseLaunch ist Alethia de Léon zudem CEO und Gründerin des Startups Senes Sciences GmbH.

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Startup-Accelerator BaseLaunch will vielversprechende Healthcare-Jungunternehmen an den eu...

22.02.2017

BaseLaunch, das neue Schweizer Beschleunigungsprogramm für Healthcare-Startups, bietet ausgesuchten Jungunternehmen Zugang zur Life-Sciences-Wertschöpfungskette der Region Basel. Das von BaselArea.swiss initiierte und operativ geführte BaseLaunch geniesst die Unterstützung von Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation sowie Pfizer und ist Healthcare-Partner des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland.

BaselArea.swiss, die Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, lancierte heute den neuen Schweizer Healthcare-Startup-Accelerator BaseLaunch. BaseLaunch soll die einzigartige Position der Region Basel als globale Drehscheibe der Life-Sciences-Branche und deren steigende Popularität bei Investoren nutzen, um die nächste Generation erfolgreicher Firmen mit einem auf Healthcare-Unternehmer zugeschnittenen Angebot anzuziehen.

“Eine gesunde und gut abgestützte Startup-Szene ist eine Voraussetzung, um den absoluten Spitzenplatz der Schweizer Life-Sciences-Wirtschaft zu stärken und weiter auszubauen”, hielt Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss, fest. “Es besteht viel Nachholbedarf für die Schweiz in diesem Bereich und BaseLaunch ist ein strategisches Verbindungsstück, um diese Lücke zu schliessen.” “Die Erfahrung von BaselArea.swiss im Vernetzen von Innovatoren und in der Förderung von Unternehmern erlaubt es BaseLaunch, sich spezifisch auf die Bedürfnisse von Healthcare-Startups zu konzentrieren. Gleichzeitig bereichert BaselArea.swiss auf diesem Weg die herausragende Innovationslandschaft der Schweiz, besonders im Gebiet der Life-Sciences”, bemerkte Dr. Christof Klöpper, CEO von BaselArea.swiss. BaseLaunch ist das designierte Healthcare-Programm im Rahmen des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland und pflegt Partnerschaften mit weiteren etablierten öffentlichen sowie privatwirtschaftlichen Organisationen. Es ist somit eng an wichtigen nationalen und regionalen Initiativen ausgerichtet. Bereits heute geniesst BaseLaunch die Unterstützung weltweit tätiger bio-pharmazeutischer Unternehmen und Innovationsführer wie Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation und Pfizer. Als Healthcare-Partner bringen sie sich in BaseLaunch ein, um bahnbrechende und förderungswürdige Innovationen zu finden, die dringenden medizinischen Herausforderungen begegnen. „BaseLaunch will die besten Innovatoren im Healthcare-Bereich unterstützen, indem es ihnen direkten Zugang zu gründerfreundlichen Geldmitteln, Knowhow, Branchenkontakten und einer hochmodernen Infrastruktur verschafft. Wir möchten die Startups individuell anleiten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, vollends in der Life-Sciences-Wertschöpfungskette aufzugehen“, erklärte Alethia de Léon, CEO von BaseLaunch.

Ein Programmzyklus erstreckt sich über zwei Phasen und insgesamt 15 Monate. In der ersten Phase, die drei Monate dauert, arbeiten die Firmengründer eng mit dem Team von BaseLaunch und einem Netzwerk erfahrener Unternehmer und Berater an der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee. Die finanziellen Beiträge von BaseLaunch hierfür reichen bis 10 000 Franken pro Projekt. Bis zu drei Startups werden für die zweite Phase ausgewählt und erhalten dort die Chance, in den Labors des Switzerland Innovation Park Basel Area innerhalb eines Jahres Forschungsdaten zu generieren und Meilensteine ihres Businessplans zu erreichen. Hierfür werden ihnen bis zu 250 000 Franken an Fördergeldern zugesprochen.

Bewerbungen für den ersten Zyklus des Programms nimmt BaseLaunch bis zum 30. Juni 2017 entgegen. Weitere Programmzyklen beginnen in der zweiten Hälfte 2018 und 2019. Ein Auswahlkomitee bestehend aus Branchenexperten wählt unter den Bewerbern die Startups aus, die in das Programm aufgenommen werden.

 

Statements der Healthcare-Partner von BaseLaunch

Richard Mason, Head, Johnson & Johnson London Innovation Centre:
„Dieses Programm stellt ausgewählten Startups Fördergelder und Laborplätze zur Verfügung, ohne eine Beteiligung am Firmenerfolg als Gegenleistung zu fordern. Dies macht deutlich: Wir wollen hier für Startups eine optimale Umgebung schaffen, die sich darauf konzentriert, bahnbrechende Wissenschaftsleistungen und grossartige Ideen im Schweizer Kontext zu unterstützen.“

Dr. Anja König, Managing Director, Novartis Venture Fund:
„Wir helfen gerne dabei, der Anziehungskraft der Region Basel für europäische Healthcare-Jungunternehmen weitere Energie zuzuführen, indem wir Startups die Unterstützung zukommen lassen, die sie zur Beschleunigung ihrer Entwicklung benötigen.“

Uwe Schoenbeck, Chief Scientific Officer, External Research and Development Innovation & Senior Vice President, Worldwide Research and Development, Pfizer:
„Durch Pfizers Unterstützung von BaseLaunch hoffen wir, das Tempo zu beschleunigen, in dem verheissungsvollen wissenschaftlichen Errungenschaften in potenzielle Arzneimittel umgewandelt werden.“

 

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Die vom Standortförderer BaselArea.swiss initiierte und durchgeführte Accelerator-Initiative BaseLaunch ist neuer Partner des Förderprogramms für Jungunternehmen Kickstart. Dadurch werden im zweiten Programm von Kickstart auch Life-Science-Start-ups gefördert.

BaseLaunch wird am 22. Februar lanciert, wie BaselArea.swiss in einer Ankündigung bekanntmacht. Die Initiative will die nächste Generation von Life-Science-Unternehmen in der Region Basel hervorbringen. Dazu dient auch die Zusammenarbeit mit Kickstart, einem der grössten firmenübergreifenden Förderprogramme für Jungunternehmen in Europa und der wichtigsten Initiative von digitalswitzerland. Kickstart startet nun sein zweites Programm.

„Mit der zweiten Edition in Zürich und Ausweitung nach Basel erreicht digitalswitzerland ein wichtiges Etappenziel: die Durchführung des grössten europäischen Start-up-Accelerators“, wird Nicolas Bürer, Managing Director bei digitalswitzerland, in einer Medienmitteilung von digitalswitzerland und Kickstart zitiert. In Basel, „dem Life Sciences Hotspot der Schweiz“, könne somit „bisher unentdecktes Innovationspotenzial erschlossen werden“, heisst es ergänzend in der Mitteilung.

Für den Kickstart Accelerator werden maximal 30 Jungunternehmen ausgewählt, die ihre Ideen in einem elfwöchigen Programm im Impact Hub Zürich weiterentwickeln können. Neben den Life Sciences werden die Start-ups aus den Branchen Nahrungsmittel, Finanztechnologie, intelligente Städte und Robotersysteme kommen. Die Start-ups werden dabei von hochkarätigen Mentoren und Partnerfirmen unterstützt. Sie können bis zu 25.000 Franken gewinnen und erhalten monatliche Stipendien. „Durch die Zusammenarbeit mit Grossunternehmen profitieren die Jungunternehmer vom Know-how der Grossfirmen, dem Zugang zu einem grossen Kundennetzwerk und der Möglichkeit gemeinsamer Produktentwicklungen“, heisst es von Carola Wahl, Head of Transformation & Market Management bei AXA Winterthur, einer der Partnerfirmen.

Interessierte Jungunternehmen können sich bei Kickstart Accelerator bewerben.

 

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„Die Region Basel sollte nicht einfach Teil des Wandels sein, sondern den Wandel mitgestal...

07.12.2016

Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz, berät Jungunternehmen in den Life Sciences und betätigte sich selbst als Start-up-Gründer.

In unserem Interview erläutert er, wie sich die HLS FHNW weiterentwickeln möchte, warum die enge Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg so wichtig ist und welche Zukunft er für das Gesundheitswesen sieht.

Sie kommen aus der Industrie und waren bisher auch schon in Start-ups engagiert. Ist es nicht untypisch, jetzt im akademischen Bereich zu arbeiten?
Falko Schlottig*: Wenn es untypisch wäre, würden wir als Fachhochschule etwas falsch machen. Die Mitarbeitenden an der Hochschule für Life Sciences FHNW kommen zu grossen Teilen aus der Industrie. Das ist wichtig, weil wir sonst nicht berufsbefähigend ausbilden könnten und weil wir über dieses Netzwerk die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung vorwärtstreiben können. Mit unserem Wissen und Knowhow können wir signifikant zu Produktentwicklungen und Innovationsprozessen beitragen.

Grenzt sich die FHNW so von der Grundlagenforschung ab, welche an den Universitäten betrieben wird?
Es geht hier nicht um eine politische Abgrenzung, sondern um eine fachliche Differenzierung. Als Fachhochschule sind wir technologie-, entwicklungs- und produktorientiert. Die Universitäten und die ETH orientieren sich in Richtung Grundlagenforschung. Zusammen ergibt sich eine einmalige Wertschöpfungskette, die über den Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz hinausgeht. Dies setzt voraus, dass man gut zusammenarbeitet. Auf Ebene unserer Dozierenden und Forschenden funktioniert diese Zusammenarbeit hervorragend, beispielsweise durch den Austausch von Vorlesungen und durch zahlreiche gemeinsame Projekte. Andererseits gibt es noch viel Potential in der Zusammenarbeit, um den Life Sciences-Cluster weiter zu stärken, beispielsweise in der technologieorientierten Ausbildung oder im Bereich Personalized Health.

„Potential“ bedeutet Anerkennung? Oder geht es um Fördergelder?
Weder noch! Die Differenzierung zwischen angewandter Forschung und Grundlagenforschung darf nicht verwaschen werden – auch aus Sicht der Studierenden nicht. Ein Personalverantwortlicher muss wissen, ob der Bewerber eine praxisorientierte Ausbildung hat oder erst in ein Trainee-Programm gehen muss. Es geht darum, im Sinne unserer Region in technologiegetriebenen Gebieten zielführend und noch besser zusammen zu spannen als heute.

Gibt es denn genügend Studenten? Es heisst oft, es gebe zu wenig Naturwissenschaftler?
Unsere Studierendenzahlen steigen im Moment leicht, wir würden aber gerne noch etwas mehr wachsen. Aber im Vordergrund steht die Qualität der Ausbildung, nicht die Quantität. Wichtig für unsere Studierenden ist, dass sie weiterhin ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Allerdings spüren wir wie alle Einrichtungen das derzeit mangelnde Interesse an den Naturwissenschaften. Daher engagieren wir uns als FHNW in allen Bildungsbereichen für die Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - kurz MINT.

Sie leiten nun die Hochschule für Life Sciences FHNW seit etwas mehr als einem Jahr. Welche Pläne haben Sie?
Wir wollen weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil des Life Sciences-Clusters Nordwestschweiz sein. Zudem möchten wir weiterhin qualitativ so gut ausbilden, dass unsere Studierenden nach Abschluss zu 98 Prozent eine Stelle finden. Konkret heisst das für uns, dass wir die Lehre inhaltlich, didaktisch und strukturell ständig weiterentwickeln und mit Augenmass den Entwicklungen des industriellen Umfeldes und der Individualisierung folgen. In diesem Zusammenhang haben wir für unseren Fachbeirat Vertreter aus dem strategischen Management von Unternehmen des industriellen Umfelds und aus Institutionen des Gesundheits- und Umweltbereiches für eine Mitarbeit gewinnen können.
In der Forschung werden wir uns in Zukunft basierend auf unseren disziplinären Stärken und Fähigkeiten um Technologien organisieren und noch ausgeprägter interdisziplinär arbeiten. Es kommt uns entgegen, dass wir im Herbst 2018 in einen Neubau umziehen dürfen und aus zwei Standorten einen machen können. Inhaltlich werden wir das Thema „digitale Transformation“ viel stärker als heute schon als Querschnittsdisziplin in Lehre und Forschung etablieren. Schliesslich sollten wir nicht einfach Teil dieses Wandels sein, sondern ihn mitgestalten.

Stichwort „digitale Transformation“: Informatik wird auch für die Naturwissenschaften immer wichtiger. Wird die FHNW vermehrt Informatiker ausbilden?
Hier an der HLS setzen wir erfolgreich auf Medizininformatik, die Fachhochschule bildet in Brugg Informatiker und in Basel Wirtschaftsinformatiker aus. Wir müssen uns aber auch fragen, was künftig ein Chemiker, der die HLS FHNW besucht hat, an erweiterten Informatikkenntnissen mitbringen sollte – zum Beispiel in Data Sciences. Dasselbe gilt für unsere Bioanalytiker, Pharmatechnologen oder Verfahrens- und Umwelttechniker. Dennoch muss die Naturwissenschaft die Basis bleiben, angereichert mit einem ausgeprägten Verständnis für Daten und die zugehörigen Prozesse. Umgekehrt muss sich auch ein Informatiker, der bei uns an der HLS studiert, mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Dieses Wissen ist zwingend nötig, wenn man im Life Sciences-Bereich der Region eine Stelle finden möchte.

Schweizweit – aber auch speziell in der Region Basel – ist viel Knowhow in Bioinformatik vorhanden. In der Aussenwahrnehmung gilt die Region allerdings nicht als IT-Standort. Müsste man da nicht Gegensteuer geben?
Tatsächlich haben wir im Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz Nachholbedarf. Die wichtigen Fragen sind, welche Schwerpunkte man setzt und wie man diese verküpft. Ist es Data Mining – was für die Universität Basel und das Universitätsspital wichtig ist? Oder ist es die Verknüpfung von Patientendaten mit verschiedensten Datenbanken, um beispielsweise die Kosteneffizienz in Spitälern zu steigern? Oder liegt die Zukunft in Data Sciences und Datenvisualisierung, um Planungen und Entscheidungen zu vereinfachen und zu unterstützen, was wir unter anderem an der HLS bereits machen? Die zentrale Frage ist, aufgrund welcher Daten in Zukunft im Gesundheitsbereich Entscheidungen getroffen werden. Hier geht es auch um die Frage, wem die Daten gehören und wie sowie durch wen diese genutzt werden dürfen. Dies ist eine der Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Da wir angewandt forschen, sind diese Themen für uns genauso wichtig wie für die Industrie. Diese extrem spannende Diskussion wird uns die nächsten Jahre begleiten.

Die HLS FHNW hat sehr unterschiedliche Bereiche wie Chemie, Umwelttechnologie, Nanowissenschaften oder Data Visualisation – wie passt das zusammen?
Diese Bereiche sind nur auf den ersten Blick unterschiedlich – ihre Basis ist immer die Naturwissenschaft – häufig in Verbindung mit den Ingenieurwissenschaften. Unsere Fachdisziplinen werden spätestens mit dem Zusammenzug 2018 noch besser gebündelt. Das sieht man heute schon beispielsweise in der Umwelttechnik: Auf den ersten Blick fragt man sich, was sie mit Bioanalytik, Nanowissenschaften oder Informatik zu tun hat. Aber die HLS FHNW ist stark im Bereich der Wasser- und Bioanalytik, und eines der grössten Probleme momentan ist die Antibiotikaresistenz. Um hier Lösungen zu finden, braucht man Wissen aus der Chemie, der Biologie, der Analytik, der Informatik und verfahrenstechnisches Knowhow. Ab 2018/19 werden wir im Neubau über ein einmaliges Prozess- und Technologiezentrum verfügen, in welchem wir alle Prozessketten darstellen können, welche die Life Sciences-Industrie heute und in Zukunft bewegt – beginnend bei Chemie, über Pharmatechnologie und Umwelttechnologie bis zur Biotechnologie inklusive Analytik und Automatisierung.

Sie waren und sind an Start-ups beteiligt. Sollen Neugründungen aus der HLS FHNW künftig gefördert werden?
Im Grunde sind wir heute nicht schlecht unterwegs, wenn man die Anzahl der Studierenden und Mitarbeitenden mit der Anzahl Start-ups vergleicht. Aber tatsächlich möchten wir Neugründungen verstärken, bei uns entstehen Start-ups eher aus den Ideen der Mitarbeitenden heraus. Unsere Bachelor-Studierenden haben kaum Zeit, sich einer Unternehmensgründung zu widmen. Andererseits ist an der HLS FHNW unternehmerisches Denken und Handeln Teil der Ausbildung. Schliesslich sollen unsere Studierenden auch ihr Verständnis für die Funktionsweise einer Firma weiterentwickeln. Ein zweiter Aspekt ist unternehmerisches Denken in Bezug auf eine Unternehmensgründung. Die Gründung eines Start-ups verlangt Flexibilität und Offenheit von unserer Seite: Wie gehen wir mit einer Patentanmeldung um? Wem gehört sie? Wie gestalten sich Lizenzzahlungen? Unsere Mitarbeitenden haben die Freiheit, eigene Projekte anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu definieren. Schon heute bieten wir die Möglichkeit, dass ein Start-up in unseren Räumlichkeiten bleibt und sie weiter nutzen darf. Im Neubau haben wir dafür extra Platz reserviert. Zudem nutzen wir alle Möglichkeiten, welche der Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz heute bietet. Das sind zum Beispiel die Life Sciences-Start-up-Agentur EVA, der Incubator, die Swiss Biotech, Swissbiolabs, der Switzerland Innovation Park Basel Area, BaselArea.swiss oder auch die Venture Capitalists, um nur einige zu nennen. Wir sind gut vernetzt und versuchen auch hier einen Beitrag zur Entwicklung unserer Region zu leisten

Warum ist es Ihrer Meinung nach in der Schweiz offenbar so schwierig, ein Start-up erfolgreich aufzubauen?
In der Nordwestschweiz gibt es zwei Punkte, die hineinspielen: Durch eine sehr erfolgreiche mittelständische und grosse Life Sciences-Industrie ist die Hürde, sich selbständig zu machen, viel höher. Wenn man ein Start-up gründet, verzichtet man auf einen gutbezahlten und sicheren Job und setzt sich möglichen finanziellen Risiken aus, die mit der Gründung verbunden sind. Die zweite grosse Hürde ist die Finanzierung, insbesondere die Überwindung des sogenannten „Valley of Death“. Es ist im Vergleich zum zweiten Schritt einfach, Gründungskapital zu erhalten. Das Durchhalten bis zur Marktreife bei einem Kapitalbedarf zwischen einer und fünf Millionen Franken, ist sehr schwierig.

Das soll sich mit dem Zukunftsfonds ändern.
Es wäre natürlich super, wenn es einen solchen Zukunftsfonds geben würde, um Tickets zwischen einer und zwei Millionen Franken zu lösen. So wären Start-up-Projekte für zwei oder drei Jahre finanziert. In diesem Zusammenhang ist es extrem spannend, anspruchsvoll und bewegend die ganze Wertschöpfungskette von der Forschung bis zum Produkt in der Anwendung zu sehen, die Netzwerke zu kennen und uns einbringen zu dürfen. Heute ist dies fast nur noch bei einem Start-up oder einem kleinen Mittelständler möglich. Am Ende muss sich aber jeder potentielle Gründer entscheiden, ob er lieber Rad oder Rädchen sein möchte.

Wird der Gesundheitsbereich in fünf oder zehn Jahren dramatisch anders aussehen?
Prognosen sind immer schwierig und häufig falsch. Die grossen Player werden wahrscheinlich abwarten und beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Das Gesundheitswesen wird in fünf bis zehn Jahren möglicherweise anders aussehen, jedoch nicht disruptiv anders. Wir werden neue Geschäftsmodelle erleben, Versicherungen werden versuchen, neue Wege zu gehen. Dies kann zu Verschiebungen führen. Wir erleben momentan den Wechsel vom Patienten zum Konsumenten. Produktseitig ist der Sektor extrem reguliert, neue innovative Produkt auf den Markt zu bringen, ist daher nicht einfach. Viele Regulierungen sind aus meiner Sicht innovationshemmend und führen nicht immer zu einer höheren Sicherheit für den Patienten, was sie eigentlich sollten.

Wie könnte dieser Wandel angestossen werden?
Ich glaube, wir als Fachhochschule Nordwestschweiz können hier einen grossen Beitrag leisten. Beispielsweise arbeiten wir basierend auf unseren disziplinären Kompetenzen innerhalb von strategischen Initiativen an Fragestellungen aus der Gesellschaft und der Wirtschaft interdisziplinär und hochschulübergreifend zusammen. So versuchen wir, einen Teil zur Lösung oder der Antwort beizutragen. Die Schweiz und besonders unsere Region haben in dieser gebündelten Zusammenarbeit ein sehr grosses Potenzial. Dies gilt es nun zu schöpfen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Prof. Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Forschung und Produktentwicklung und hatte diverse Management-Positionen in international tätigen, führenden Medizin-Produkt-Firmen inne. Falko Schlottig hat zudem ein Start-up der Biotechnologie- und Medizin-Produkt-Branche mitbegründet.

Er studierte Chemie und Analytische Chemie und verfügt über einen EMBA der Universität St. Gallen.

 

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Dr. med. App – Digitale Transformation in den Life Sciences

30.11.2016

Die Zukunft gehört den datengetriebenen Therapieformen. Der Standort Basel nimmt die Herausforderung an und investiert in die sogenannte Precision Medicine.
Ein Text von Fabian Streiff* und Thomas Brenzikofer, erstmals erschienen am Freitag, 14. Oktober 2016 in der NZZ Verlagsbeilage „Swiss Innovation Forum“

Nun also auch die Life Sciences: Google, Apple und andere Technologie-Giganten haben den Gesundheitsmarkt entdeckt und bringen neben ihrer IT-Expertise viele Milliarden an Risikokapital mit. Völlig neue, datengetriebene und personalisierte Therapieformen – in einem Wort: Precision Medicine oder kurz PM – versprechen den Gesundheitssektor auf den Kopf zu stellen. Und wo es Veränderung gibt, da gibt es viel zu gewinnen. Zumindest aus Sicht der Investoren.

Anders sieht dies aus Sicht von Big Pharma aus. Für sie steht einiges auf dem Spiel. Gemäss Frank Kumli von Ernst & Young sind die Eintrittshürden bisher relativ hoch: «Wir bewegen uns in einem stark regulierten Markt, da dauert es länger bis Innovationen aufgenommen und durchgesetzt werden können.» Aber auch Kumli ist überzeugt, dass die Richtung vorgegeben ist und die Digitalisierung voranschreitet. Doch sieht er mehr Chancen als Gefahren: Die Schweiz und insbesondere Basel sei hervorragend positioniert, hier eine führende Rolle zu übernehmen. Mit der Universität Basel, dem D-BSSE der ETH, der FHNW, dem FMI und dem Universitätsspital Basel verfüge der Standort über starke Forschungsakteure. Zudem wird die gesamte Wertschöpfungskette in der Region abgedeckt, von der Grundlagenforschung, angewandten Forschung und Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb bis hin zu den Regulatory Affairs sowie entsprechenden IT-Kompetenzen. Zu den wichtigsten Treibern der digitalen Transformation hin zur Precision Medicine gehören digitale Tools, die ein Echt- zeit-Monitoring von Patienten – sogenannte Feedback Loops – ermöglichen. Die Kombination solcher Daten mit Informationen aus klinischen Tests und Genanalysen sind der Schlüssel zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen und damit zu Innovationen.

Landesweit einheitliche Datenorganisation
Ähnlich wie im 16. Jahrhundert die Erfindung des Mikroskops das Feld zur modernen Medizin eröffnete, werden Daten und Algorithmen die Basis liefern, den künftigen Patienten sehr viel präzisere und kostengünstigere medizinische Lösungen und Therapien anbieten zu können. Derzeit besteht die Krux jedoch noch darin, dass die Daten an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Formaten und meist in geschlossenen Systemen vorhanden sind. An diesem Punkt setzt das Projekt unter Leitung von Professor Torsten Schwede am Swiss Inrecistitute of Bioinformatics (SIB) an.

Im Rahmen der nationalen Initiative «Swiss Personalized Health Network» soll von der Leitungszentrale im Stücki Science Park Basel aus eine landesweit einheitliche Datenorganisation zwischen Universitätsspitälern und Hochschulen aufgebaut werden. Der Kanton Basel-Stadt hat eine Anschubfinanzierung für das Projekt bereits beschlossen. Durch die Standardisierung von Datenstrukturen, Semantik und Formaten zum Datenaustausch dürfte die klinische Forschung in der Schweiz – sowohl an Hochschulen sowie in der Industrie – deutlich an Qualität und Attraktivität gewinnen. An Interesse auf der Basis solcher klinischer Daten zu forschen und neue Geschäftsideen zu entwickeln, mangelt es nicht. Dieses zeigte sich anlässlich von Day One, einer von der Innovationsförderung und Standortpromotion BaselArea.swiss mitgetragenen und von der Precision Medicine Group Basel Area organisierten Workshop-Veranstaltung anlässlich der Basler Life Science Week.

Über 100 Experten fanden sich ein, um über zukünftige Geschäftsmodelle zu brüten. Insgesamt 14 Projekt- und Geschäftsideen wurden dabei näher in Betracht gezogen. Diese reichten von der Automatisierung der bildgestützten Diagnose über die Entwicklung von Sensoren in Wearables bis hin zu Smartphone-Apps zur besseren Involvierung von Patienten in den Therapieprozess.

Auch Big Pharma ist dabei
«Die Diversität der Projektideen war erstaunlich und zeigt, dass die Schweiz ein guter Nährboden sein kann für den nächsten Innovations- schritt in der Biomedizin», sagt Michael Rebhan von der Novartis und Founding-Mitglied der Precision Medicine Group Basel Area über- zeugt. Darauf will die Precision-Medicine-Initiative jetzt aufbauen: «Trotz der Innovations- kraft, die wir in den einzelnen Disziplinen sehen, kommt Precision Medicine insgesamt nur lang- sam voran. Die Fortschritte sind in ihrer Gesamtheit noch unzureichend, weshalb wir enger zusammenarbeiten und unsere Anstrengungen integrieren müssen. Es braucht deshalb eine Plattform, wo Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen», ist Peter Groenen von Actelion, ebenfalls Mitglied der Precision Medicine Group Basel, überzeugt.

Das Interesse der Industrievertreter an einem Open Innovation Hub mit einem Precision Medicine Lab als zentralem Bestandteil ist denn auch gross. Hier sollen die Projekte der Stake- holder in einem offenen und kollaborativen Umfeld vorangetrieben werden können. Darüber hinaus soll der Hub Talente und Projektideen von ausserhalb der Region Basel anziehen. Das neuartige Innovationsökosystem rund um Precision Medicine steht noch am Anfang. In einer Pilotphase sollen anhand erster konkreter Anwendungsfälle die Funktionen und Dimensionen des PM Hubs präzisiert werden, um danach die richtigen Partner für den Aufbau des gesamten Hubs zu identifizieren.

Die digitale Transformation voran mitgestalten
Die vielversprechendsten Projekte finden schliesslich Zugang zu einem Accelerator-Programm, wo sie weiter beschleunigt werden und in den bestehenden Innovationsinfrastrukturen wie Basel Inkubator, Technologiepark Basel oder Switzerland Innovation Park Basel Area zu einem Unternehmen reifen können.

Fazit: Die Region Basel schafft die Voraussetzungen, die digitale Transformation in den Life Sciences an vorderster Front mitzugestalten und damit diesen wichtigen Industriezweig für die Schweiz weiter auszubauen sowie für die Ansiedlung neuer Unternehmen attraktiv zu halten.

 

* Dr. Fabian Streiff leitet die Standortförderung des Kantons Basel-Stadt.

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„Wir befinden uns im Jahrhundert der Biologie und der Biologie für die Medizin“

05.10.2016

Andreas Manz gilt als einer der Pioniere im Bereich der Mikrofluidik und ist gegenwärtig Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes.

In unserem Interview erläutert der erfolgreiche Wissenschaftler, mit welcher Motivation er forscht und wie es ist, vom Europäischen Patentamt für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden.

Sie werden als Pionier der Mikrofluidik bezeichnet. Wie kam es, dass Sie angefangen haben, auf einem völlig neuen Feld zu forschen?
Andreas Manz*:
Schon als Kind interessierten mich die kleinen Dinge sehr. Meist waren das Steine, Insekten oder Käfer, die ich heimgetragen habe. Das Interesse am Kleinen blieb, so dass ich schliesslich an der ETH Zürich Chemie studierte. In meiner Doktorarbeit beleuchtete ich das Naturgesetz der Diffusion von Molekülen. Wenn man zwei Moleküle in ein sehr kleines Volumen einsperrt – ähnlich wie zwei Vögel in den Käfig –, dann können sie nicht weg und finden sich schneller. Diese Beschleunigung hat mich sofort fasziniert. Schon mein Professor Willy Simon, ein Experte in chemischen Sensoren und Chromatographie, erzählte in seinen Vorlesungen, dass Prozesse bei einer Verkleinerung auch sehr schnell werden können. Das hat mich sofort fasziniert.

Bisher sprechen Sie aber von reiner Chemie – wann entstand die Idee, Chips einzusetzen?
Ich konnte ab 1987 in Japan bei der Firma Hitachi arbeiten. Dort kam ich zum ersten Mal mit der Chip-Technologie in Berührung. Selbst gehörte ich zur Forschungsabteilung, sah aber immer wieder Kollegen in Reinräumen verschwinden und mit kleinen Chips zurückkommen. Das inspirierte mich und ich überlegte, ob man nicht anstelle von Elektronik auch Chemie auf diese Chips packen könnte. Schliesslich wird auch im Inneren eines noch so kleinen Insekts Flüssigkeit transportiert, also müsste das doch auch auf einem kleinen Chip funktionieren. Bei Hitachi durfte ich schliesslich zu Testzwecken meinen ersten Mikrofluidik-Chip herstellen lassen.

Von Japan führte der Weg dann zu Ciba-Geigy in Basel. Was gab den Ausschlag dazu?
Michael Widmer war damals Leiter der Forschung Analytik bei der Ciba-Geigy in Basel. Dieser geniale Mann hat mich sofort fasziniert: Er hatte den Weitblick, dass man auch verrückte Dinge in die Forschung integrieren und nicht nur auf den kurzfristigen finanziellen Erfolg schauen sollte. Die Industrie sollte es sich leisten, auf Qualität zu setzen und auch in der Forschung eines Konzerns neue Methoden zu entwickeln oder zu fördern, wenn sie dem Unternehmen von Nutzen sein könnten. Professor Widmer holte mich also nach Basel, wo ich laut seinen Aussagen „die ganze Chemie“ auf den Chip bringen sollte. Zwar wusste Michael Widmer noch nicht, was ihn erwartete, aber er hatte ein Gefühl dafür, dass es sich lohnen könnte.

Wie gingen Sie vor?
Damals waren Chips für die Pharmawelt sehr neu und nicht unbedingt passend. Auch Ciba Geigy war nicht von Beginn an begeistert von der neuen Anwendung. Das Interesse, an bestehenden, funktionierenden Technologien und Prozessen etwas zu ändern, war nicht so gross. Im Rahmen meiner Forschung konnte ich aber ausprobieren, was möglich wäre. Ich fand heraus, dass zum Beispiel die Elektrophorese – eine Methode, mit der man Moleküle trennt – funktionieren könnte. Man konnte diese Methode relativ einfach miniaturisieren und prüfen, ob dadurch auch die Schnelligkeit des Prozesses steigt. Und die Resultate waren sehr gut: Wir konnten zeigen, dass der Prozess bei 10-facher Verkleinerung der Elektrophorese 100-mal schneller wird, ohne an Informationsqualität einzubüssen. Diese Erkenntnis war für die klinische Diagnostik oder der Drug Discovery für die Suche nach wirksamen Molekülen sehr hilfreich. Gleichzeitig testeten wir auch verschiedene Chip-Arten, die wir von den unterschiedlichsten Herstellern bezogen.

Wann kam der Schritt an die Öffentlichkeit mit der neuen Technologie?
An der ILMAC in Basel 1996 hat Michael Widmer eine Konferenz im Bereich der Mikrofluidik organisiert – die schlug ein wie eine Bombe. Wir hatten diesen Effekt ein stückweit geplant, denn im Vorfeld haben wir bereits gezielt Forscher eingeladen und ihnen unsere Arbeit gezeigt. Dies führte dazu, dass ein kleiner Hype entstand und wir schliesslich an der Konferenz Forscher aus Kanada, den USA, den Niederlanden, Japan und anderen Ländern aufbieten konnten, welche die neue Technologie der Mikrofluidik vorstellten.

Die Aufmerksamkeit war da, dennoch beendete Ciba-Geigy später die Forschung auf diesem Gebiet. Weshalb?
Im Grunde fehlten uns innerhalb der Firma die Interessengruppen oder eine konkrete Produktanbindung. Unsere Forschung war etwas zu technisch und ihrer Zeit weit voraus und man hat innerhalb von Ciba-Geigy einfach das Potential der Technologie noch nicht auswerten können. Zudem haben wir uns auch keine konkreten Überlegungen zu Anwendungen gemacht, uns ging es eher um die Technologie und um Experimente als um die kommerzielle Nutzung. Als dann noch in einem Magazin ein grosses Bild von mir zu einem Bericht über die Mikrofluidik erschien und die Zeitschrift in Eigenregie darauf hinwies, dass Ciba-Geigy sie ungenügend umsetze, stoppte man die Forschung. Ich hatte Glück im Unglück: Da die Firma das Projekt geschlossen hatte, konnte ich trotz Konkurrenzverbot innerhalb kürzester Zeit dem Ruf ans Imperial College in London folgen, wo ich mit Studenten die Mikrofluidik weiter erforschen durfte. Zudem bin ich bei einer Firma im Silicon Valley als Berater eingestiegen.

Ist es nicht typisch, dass es eine grosse Firma nicht schafft, eine Perle im Portfolio in eine neue Zeit zu transformieren?
So negativ darf man das nicht sehen, denn die Mikrofluidik war keine Perle für die Pharmaindustrie, sondern eher für die Umweltanalytik, die Forschung oder die klinische Diagnostik. Die Pharmaindustrie tickt da anders. Sie kauft lieber das fertige Mikroskop zu einem höheren Preis, als es selbst für relativ wenig Geld selbst zusammen zu bauen. Michael Widmer und sein Team haben in der Forschung und Analytik bei Ciba-Geigy viele Dinge in den verschiedensten Bereichen entwickelt – und waren so ihrer Zeit weit voraus.

Heute ist die Mikrofluidik etabliert. Was sind nun die treibenden Kräfte?
In meinen Augen gibt es zwei treibende Kräfte: Die Anwendung und die Anwender sowie zweitens die universitäre Neugier an der Technologie und die Ausbildung. Stärker ist die erste Kraft: Es gibt Fälle, in denen die Anwendung einer mikrofluidischen Lösung unbedingt nötig ist, um der Anwendung gerecht zu werden. Nehmen wir zum Beispiel das Stichwort «Point of Care». Ziel ist es, einen Patienten direkt an dem Ort zu analysieren, wo er behandelt wird – also zum Beispiel auf der Intensivstation. Er wird am Ort ausgemessen, seine Blut- und Atemluftwerte werden analysiert und man kann direkt überprüfen, ob die eingeleiteten Massnahmen beim Patienten wirken. Eine andere Möglichkeit ist es, in Smartphones unterschiedlichste analytische Möglichkeiten zu integrieren – ähnlich wie beim Tricoder aus Star Trek. Ich bin ziemlich sicher, dass so etwas machbar ist. Doch momentan ist das heisseste Thema im kommerziellen Sektor die klinische Diagnostik. Das hat mich etwas überrascht, denn man kann einen Chip, der mit dem Blut eines Patienten in Kontakt gekommen ist, nicht wiederverwenden. Man benötigt viel Verbrauchsmaterial, was sich auch auf den Preis niederschlägt. Vielleicht findet man hier aber neue Finanzierungsmodelle, bei denen man beispielsweise das Gerät zur Verfügung stellt, aber das Verbrauchsmaterial – also die Chips – bezahlt wird, ähnlich wie beim Rasierer und den Klingen.

Wo sehen Sie in diesem Umfeld die Chance der Schweiz?
Die Ausbildung von qualifizierten Leuten ist wichtig. Da spielen vor allem die ETH und die EPFL eine grosse Rolle für die Schweiz, denn sie ziehen Studierende aus aller Welt an. Sie verlassen die Schweiz hoffentlich mit guten Erinnerungen und könnten sich möglicherweise später für Kommerzialisierungen stark machen. Das könnte eine grosse Chance sein. Natürlich gibt es auch innerhalb der Schweiz grosszügige Personen, aber in der Tendenz spart man hier eher und überlegt zweimal, ob und wo man sein Geld einsetzt. Das ist eine Mentalitätsfrage und nicht zwingend typisch Schweizerisch. Es ist auch nicht schlecht, denn zum Beispiel in der Präzisionsmechanik ist Zuverlässigkeit und Präzision zwingend – und damit passt diese Technologie zu unserer Mentalität. „Quick and dirty“ funktioniert im Silicon Valley oder in Korea besser – doch die Produkte entsprechen dann oft nicht den hiesigen Qualitätsstandards. Das Hochpreisland Schweiz bietet kaum Chancen für eine günstige Produktion, deshalb liegt der Fokus auf der Ausbildung und auf bestehenden Technologien. Auch das ist sehr wichtig und hat eine gute Zukunft.

Wird die Mikrofluidik eines Tages so gross werden wie die Mikroelektronik heute?
Das glaube ich nicht, denn sie beschränkt sich auf chemische oder zellbiologische Anwendungen und ist auch nicht so flexibel wie die Mikroelektronik. Ich sehe höchstens, dass man die neue Technologie auf bestehende Gerätschaften oder Prozesse anwendet.

Aber die heutigen Systeme am Markt sind meist stark geschlossen, es ist schwierig, hier neue Technologien einzubauen.
Ja, aber das stimmt nur teilweise, dann auch die bestehenden Geräte müssen ein Upgrade erhalten. Nehmen wir ein Massenspektrometer. Den kann man kaufen und es gibt sicherlich viele Firmen, welche diese Geräte verkaufen. Wenn aber zehn Firmen etwas gleichwertiges anbieten, muss man sich von der Masse abheben. Schaltet man also beispielsweise ein „Lab on a Chip“ vornedran, kann sich daraus ein klarer Vorteil für dieses Massenspektrometer ergeben. Die Firma verdient zwar durch den Verkauf des Geräts, aber der mikrofluidische Chip gibt den Kaufanreiz – und da kann sicherlich viel Geld geholt werden. Sehen Sie, wir befinden uns im Jahrhundert der Biologie und der Medizin und beginnen gerade damit, Zellen aus dem eigenen Körper zu nehmen, sie zu regenerieren und sie dann vielleicht als fertiges Organ wieder zu verpflanzen. Wenn man sieht, was im letzten Jahrhundert in Physik und Electrical Engineering geschehen ist, und man das ummünzt auf Biologie und Medizin, dann kommt ganz viel auf uns zu. Um diesen Umbruch zu unterstützen, braucht es die Technologie. Gerade KMU können ihre Produkte sehr gut in die Forschung verkaufen, das ist eine Nische. Meist nehmen die kleinen Unternehmen eine alte Technik und modifizieren sie – wie zum Beispiel einen Chip in eine Spritze, der dann direkt beim Aufziehen der Flüssigkeit analysiert, was die Bestandteile sind. Das eröffnet viele Möglichkeiten.

Sie waren auch Mitbegründer von Firmen, bezeichnen sich selbst aber meist als Forscher. Wie geht das zusammen?
Tatsächlich war ich nie ein Unternehmer, sondern immer nur Scientific Advisor. Ich zog es vor, die Hochschulwelt zu erfahren, anstatt in eine Firma voll einzusteigen. In meinem Innersten bin ich ein Abenteurer, der mit wilden Ideen in ein Unternehmen kommt. Geld stand für mich auch nie im Vordergrund, ich wollte immer die Qualität des Lebens verbessern oder den Menschen etwas geben. Die Neugier treibt mich an. Wenn ich Käfer sehe, die fliegen, dann treibt es mich, herauszufinden, wie das funktioniert. Es gibt in den kleinsten Tieren geniale Sensoren und so lange wir als Ingenieure dies nicht nachbauen können, haben wir noch etwas zu tun. Das begeistert mich viel mehr als Quartalsumsatz und Gewinn.

Geld ist aber auch für die Forschung ein wichtiger Treiber.
Ja, bis hinein in die universitäre Forschung geht es um Geld. Forschungsgruppen erhalten Aufträge von Firmen wegen des Profits, den man sich verspricht. Sogar die öffentlich geförderte Forschung muss immer eine kommerzielle Anwendung vorweisen. Neugier oder das Ziel, etwas mit einem ethischen Wert zu erreichen, ist eigentlich in den Ingenieurwissenschaften kaum ein Thema. Natürlich ist es wichtig, dass unsere Studenten auch in die Industrie gehen, schliesslich stammen die Steuergelder grösstenteils aus der Industrie. Aber wenn ich persönlich die Freiheit habe, dann arbeite ich gerne spielerisch – und daraus kann durchaus Ernst entstehen. Nehmen Sie die Elektrophorese auf einem Chip: Auch das war zu Beginn eher eine absurde Idee, aus welcher sich etwas wirklich Spannendes entwickelt hat! So haben viele meiner Arbeiten einen spielerischen, unernsten Aspekt – für mich genau richtig. Sehen Sie, ich kann einen Chip herstellen, der zwar im Innersten die Temperatur der Sonnenoberfläche hat, den man aber in der Hand halten kann. Das ist verrückt, aber es funktioniert, weil nur die Elektronen eine Temperatur von 20'000 Kelvin haben. Das Glas aussenherum erwärmt sich dadurch nicht sehr stark und der Chip schmilzt nicht. Und plötzlich erhält man durch eine verrückte Idee die Plasma-Immissions-Spektroskopie auf einem Chip. Ich finde, es braucht etwas Witz in der Forschung und ich sage gerne, dass wir durch die Mikrofluidik-Forschung grosse Probleme nehmen und sie so klein machen, dass man sie „nicht mehr sieht“.

Sie haben so viele Bereiche in der Mikrofluidik selbst angepackt – können andere Forscher Sie mit ihrer Arbeit noch überraschen?
Zugegeben, heute bin ich durch all die mikrofluidischen Beispiele, die ich bereits gesehen habe, verwöhnt. Manchmal langweilt es mich, wenn ich an eine mikrofluidische Konferenz gehe und sehe, was da «Neues» entstanden ist – irgendwie war das alles schon einmal da. Die Pionierzeit, in der auch eine gewisse Unsicherheit mitspielte, ist wohl definitiv vorbei. Man kann die Mikrofluidik heute mit einer Werkstatt vergleichen, aus der man sich die nötigen Werkzeuge holt, die man gerade braucht. Damit wurde natürlich auch das Wissen weiter verbreitet: Zu Beginn besass ich selbst vielleicht einen Drittel des Wissens weltweit über die Mikrofluidik, heute ist es viel weniger. Dementsprechend schaue ich nun gern etwas über den Tellerrand hinaus.

Sie wurden letztes Jahr vom Europäischen Patentamt für Ihr Lebenswerk geehrt. Was bedeutet dieser Preis für Sie?
Einen Preis kann man nicht planen – man kann vielleicht darauf hoffen. Wenn man ihn dann verliehen bekommt, ist das eine grosse Freude. Auch der Ablauf der Preisverleihung war spannend: Es gab wie bei den Oscars drei Nominierte: Ein Niederländer, der den bis heute verwendeten Codierungsstandard für CD, DVD und Blu-ray Disc entwickelt hat sowie ein Forscher aus Lettland, der mit über 900 Patenten und Patentanmeldungen einer der erfolgreichsten Wissenschaftler und Erfinder in der medizinischen Biochemie ist. Bei dieser Konkurrenz rechnete ich mir sehr geringe Chancen auf den Gewinn aus und war äusserst erstaunt, dass man mich gewählt hatte. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem Lawineneffekt: Zitate zeigen so gut wie immer auf meine damaligen Patente bei Ciba-Geigy.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Andreas Manz ist Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes. Er gilt heute als einer der Pioniere in der Mikrochip-Technologie für chemische Anwendungen.

Nach Stationen im Forschungslabor von Hitachi in Japan und der Tätigkeit bei Ciba-Geigy in Basel nahm er eine Professur am Imperial College in London an, wo er das Zeneca-SmithKline Beecham Centre for Analytical Chemistry leitete. Währenddessen war er zudem als wissenschaftlicher Berater für drei Unternehmen aus der Chiplabortechnologie tätig, von denen er eines selbst gegründet hatte. Im Jahr 2003 wechselte Manz nach Deutschland und leitete bis 2008 das Leibniz Institut für analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund.

Rund 40 Patente gehen im Wesentlichen auf ihn zurück und er hat mehr als 250 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, die bisher über 20'000 Mal zitiert wurden.


 

report Life Sciences

Unitelabs will Labore automatisieren

08.01.2019

report

Infographic: The Basel Biotech & Pharma Ecosystem

07.01.2019

report

Keime und Antibiotikaresistenzen – ein Eventthema, das uns alle betrifft

05.10.2016

Bereits zum siebten Mal findet am 25. Oktober 2016 der eintägige Event aus der Reihe der Wassertechnologie statt, den BaselArea.swiss gemeinsam mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (HLS FHNW) organisiert. Am diesjährigen Event dreht sich im „Gare du Nord“ in Basel alles um „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“.

Die Teilnehmer erleben Vorträge und Diskussionen, Institutionen können sich in der Fachausstellung mit Postern zeigen und so zu vertieften Diskussionen anregen. Ein Schlüssel für den langjährigen Erfolg der Veranstaltungsreihe ist die Kooperation der beiden Partner. Thomas Wintgens vom Institut für Ecopreneurship der HLS FHNW betont: „Uns ist die Zusammenarbeit mit BaselArea.swiss sehr wichtig, weil die Organisation ein regional stark vernetzter Akteur im Bereich von Innovationsthemen ist.“

Man habe eine gute Symbiose zwischen spezifischen, fachlichen Kompetenzen und dem Wissen über Themen und Akteure gefunden. „Auch in diesem Jahr ist es uns wieder gelungen, ein komplett neues Thema aufzunehmen“, sagt er. Die Forschungsaktivitäten der Gruppe um Philippe Corvini von der Hochschule für Life Sciences FHNW gaben den ersten Impuls zur diesjährigen Themenwahl.

Philippe Corvini, warum ist das Thema „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ spannend für eine grosse Veranstaltung?
Philippe Corvini: Das Thema ist in den letzten Jahren stärker in den Bereich der Umweltforschung vorgedrungen, immer mehr Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit dem Verhalten und Vorkommen von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt. Zudem haben auch auf nationaler Ebene die Aktivitäten zugenommen, es gibt ein nationales Forschungsprogramm und eine nationale Strategie zum Umgang mit Antibiotikaresistenzen. In den nächsten Jahren wollen wir intensiver untersuchen, wie sich diese Resistenzen zum Beispiel in biologischen Kläranlagen verhalten und welche Faktoren die Weitergabe von genetischen Informationen, die zu Antibiotikaresistenzen führen, beeinflussen.

Welche neuen Erkenntnisse erwarten die Besucher?
Philippe Corvini:
Wir werden am Event die neuesten Ergebnisse unserer Forschung vorstellen. Bisher wurde eine Resistenz relativ simpel erklärt: In der Umwelt existiert ein Antibiotikum, wodurch sich Resistenz-Gene bilden. Diese werden übertragen, die Resistenz verbreitet sich. Wir haben nun entdeckt, dass resistente Bakterien ein Genom besitzen, das sich weiterentwickelt, so dass sie sich am Ende sogar von Antibiotika ernähren können. Diese resistenten Bakterien bauen also die Antibiotika-Konzentration ab, so dass Bakterien, die sonst empfindlich auf den Wirkstoff reagiert haben, nun im Medium überleben und sogar ihrerseits eine Resistenz entwickeln können. Wir hoffen, künftig die Ausbreitung der Resistenzen bremsen zu können.

Wie könnte man dies schaffen?
Thomas Wintgens:
Wir werden demnächst im Pilotmasstab verschiedene Betriebsweisen von biologischen Kläranlagen untersuchen, um herauszufinden, wie diese Verbreitungswege durch Betriebseinstellungen in den Anlagen beeinflusst werden können. Ausserdem forschen wir an Filtern, welche die antibiotikaresistenten Keime zurückhalten und so die Keimzahl stark reduzieren können.

Warum ist die diesjährige Veranstaltung auch für Laien interessant?
Philippe Corvini:
Ich glaube, fast jeder hat eine Meinung zum Thema Antibiotikaresistenz und viele Leute haben eine Ahnung, wie dringend das Thema ist. Schliesslich betrifft das Thema Gesundheit uns alle.

Ein Fachevent – auch für Laien
Laut Thomas Wintgens dürfen die Teilnehmer viele kompetente Redner erwarten: „Wir freuen uns zudem sehr, dass Helmut Brügmann von der Eawag die nationale Strategie und deren Bedeutung für den Umweltbereich vorstellen wird.“

Generell berührt das Thema Wasser uns alle, weil es unser wichtigstes Lebensmittel ist. Wir konsumieren es als Trinkwasser, über Nahrungsmittel oder nutzen es für unsere persönliche Pflege. Gerade deswegen die Wassertechnologie laut Wintgens ein spannendes Thema für eine öffentliche Veranstaltung: „Wasserqualität ist jedem von uns wichtig und es besteht in der Öffentlichkeit ein grosses Interesse an diesem Thema.“ Gleichzeitig würden die Wassertechnologien aber auch Firmen die Möglichkeit bieten, innovative Produkte zu entwickeln und Stellen zu schaffen.

Seit 2009 Plattform für das regionale Netzwerk
Die HLS FHNW veranstaltet seit 2009 gemeinsam mit i-net/BaselArea.swiss die Veranstaltungsreihe im Bereich Wassertechnologie, welche jährlich rund 120 Teilnehmer anzieht. Die Idee, eine Eventreihe zu starten, entstand aus der Überzeugung heraus, dass Wasser in der Region ein wichtiges Thema ist und hier die Wertschöpfungskette vorhanden ist», so Thomas Wintgens. Jedes Jahr setzten die Verantwortlichen neue Themenschwerpunkte, zum Beispiel Mikroverunreinigungen im Wasserkreislauf, Membranverfahren oder Phosphor-Rückgewinnung. Wintgens erklärt: „Jedes Jahr machen Akteure aus der Forschung, der Technologie oder dem Bereich der Anwendungen mit und präsentieren sich vor Ort“.

Der Plattform-Gedanke war den Initianten von Anfang an wichtig, der Event sollte das regionale Netzwerk stärken und Innovationsvorhaben ermöglichen. Diese Strategie hat sich laut Thomas Wintgens bewährt: „Der Anlass ist ein wichtiger Baustein in unserer Öffentlichkeitsarbeit und wurde zu einem festen Treffpunkt der Interessenten und Kooperationspartnern aus der Region“. Viele Teilnehmer würden den Event schon seit Jahren verfolgen und seien jeweils neugierig auf das Thema im nächsten Jahr.

BaselArea.swiss und die Hochschule für Life Sciences FHNW  (HLS) führen am 25. Oktober im „Gare du Nord“ in Basel ein Symposium unter dem Titel „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ mit Referenten aus den Bereichen Forschung, Verwaltung, Wasserversorgung und Technologieanbieter durch. Eine Anmeldung bis 19.10.2016 ist erforderlich.

report Life Sciences

Resistell schliesst erfolgreiche Finanzierungsrunde ab

11.12.2018

report Innovation

BaselArea.swiss fights antimicrobial resistance as a part of the CARB-X Global Accelerator...

04.12.2018

report Invest in Basel region

BaselArea.swiss welcomes Biopharmaceutical Company Ultragenyx

06.07.2016

BaselArea.swiss Economic Promotion is pleased to announce that Ultragenyx, a biopharmaceutical company focused on the development of novel products for rare and ultra-rare diseases based in the San Francisco Bay Area, California, is opening their European headquarters in the city of Basel, Switzerland. Stefano Portolano, M.D., has been appointed Senior Vice President and head of Ultragenyx Europe. In this role, Dr. Portolano will be responsible for building and leading the Ultragenyx commercialization efforts across Europe and developing the company's European organization.

«Ultragenyx selected Basel as our European headquarters because of the area’s thriving life sciences community, accessibility to the rest of Europe, business-friendly environment and strong international talent pool,» said Dr. Portolano. «On behalf of Ultragenyx, I would like to thank the team at BaselArea.swiss for their partnership throughout this process, as they have been invaluable as we look to establish our European presence and help bring promising therapies to patients throughout the region. We are focusing on key hires to establish necessary capabilities so that we are ready to launch if we receive approval, and we are confident we will be able to find and attract key talents in Basel».

Dr. Portolano brings over 20 years of experience in the biopharmaceutical industry, in medical, commercial and general management roles in both Europe and the United States. He has worked both on pre-launch and launches of products for rare diseases, both at Genzyme and Celgene. Before joining Ultragenyx, he spent ten years at Celgene Corporation in increasing leadership roles, most recently as Vice President of Strategy & Commercial Operations, EMEA. Prior to Celgene, he worked at Genzyme for eight years. Dr. Portolano received his M.D. degree from Federico II University in Napoli, Italy. He completed his postdoctoral fellowship and served as Adjunct Assistant Professor of Medicine at the University of California at San Francisco.

About Ultragenyx
Ultragenyx is a clinical-stage biopharmaceutical company committed to bringing to market novel products for the treatment of rare and ultra-rare diseases, with a focus on serious, debilitating genetic diseases. Founded in 2010, the company has rapidly built a diverse portfolio of product candidates with the potential to address diseases for which the unmet medical need is high, the biology for treatment is clear, and for which there are no approved therapies.

The company is led by a management team experienced in the development and commercialization of rare disease therapeutics. Ultragenyx’s strategy is predicated upon time and cost-efficient drug development, with the goal of delivering safe and effective therapies to patients with the utmost urgency.

The company's website for more information on Ultragenyx

About BaselArea.swiss
BaselArea.swiss is responsible for the international promotion of the economic region of Basel, Switzerland. In a joint effort, the economic promotion agencies of the Swiss cantons of Basel-Stadt, Basel-Landschaft, and the Jura support expansion and relocation projects of foreign companies, and offer consulting services to entrepreneurs and startups. The identification and procurement of suitable real estate and properties for international and national companies is an important service of BaselArea. BaselArea’s consulting services for interested parties are provided free of charge.

report Life Sciences

Polyphor gewinnt Swiss Technology Award

26.11.2018

report Life Sciences

Santhera spannt mit Idorsia zusammen

26.11.2018

report Life Sciences

«It would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology –...

11.06.2015

Neil Goldsmith and two colleagues started working on Evolva in 2001, moving its headquarters from Denmark to Reinach in Switzerland in 2004. The «Brewers of 21st Century» discover and provide ingredients produced with the help of biologically engineered yeast. CEO Neil Goldsmith explains in the i-net interview how this works and why, initially, they received their seed money for another business model.

You call yourselves the «Brewers of 21st Century». What does that mean?
Neil Goldsmith*: We make ingredients for food or cosmetics by genetically engineering baker’s yeast and brewing it. If we want to make Stevia for example, we take the genes the plant uses to make that molecule and put those genes into the yeast so the yeast can make the molecule. We then ferment the yeast by brewing, just like with beer. The yeast takes up the sugar, turns it into Stevia and pumps it out; we filter off the yeast and have Stevia in the «broth» which we can purify out.

Why should biosynthetically brewed Stevia be better than the grown one?
The Stevia plant makes a lot of sweet molecules. However most of these molecules start to taste bitter when you use a lot of them – that is why the current Stevia-based soft drinks only have about a one-third reduction in the level of sugar or high-fructose corn syrup. Now, the plant also makes some molecules that do not give a bitter taste, but it makes very small amounts of them. Therefore it’s not economic and sustainable to grow the plant to produce these molecules. But creating Stevia by brewing it is a very promising alternative.

So with yeast, you can make almost anything?
In principle, we can make anything that occurs in nature. The key is combinatorial genetics. For the yeast to turn sugar into Stevia it needs 32 genes that have to work together: Finding what those genes are and optimizing them so they all work well together is what we are founded around. It’s in principle more complex than making an antibody or an enzyme, because that’s just one gene or one protein. We were intrigued by the idea of taking the combinatorial thinking of chemistry and applying it to genetics. You can use our approach to make old molecules in better ways – which is what we do now – or you can use it to make new molecules, which was the original idea. You would get new structures that have never been seen before and they might cure diseases.

Evolva has pivoted from pharmaceuticals to the nutrition sector – how did this come about?
We pivoted because we weren’t finding interest from the pharma companies for our technology. Instead, food and cosmetic companies were approaching us. We initially agreed to work for some of these companies just to bring some money in. After a while, we started to understand that the business itself looked interesting. Then we had to persuade our investors, who invested in us because we were going to develop a new diabetes drug, that switching to food and other ingredients made sense.

A completely different market?
Yes and with lower margins. But also less risky, with lower development costs and much less competition compared to pharma. Today we’re actually a network business; our analogy is a railway company. Two molecules that might be very, very different – take vanillin and benzocaine, an anaesthetic – are actually on the same railway track from the yeast point of view. So we want to build and own this track and own that network. If we invest in making vanillin well, that also gets us towards benzocaine. It was interesting to realise that there are many different products by simply pursuing the same track. Maybe they’re not all so big in market terms, but they are built on the same research and can be produced with the same infrastructure: Everything is brewing. So you can produce one product this week and another one next week. Also it is possible to respond very quickly to market demand.

Pharma start-ups are mostly being exited through a trade sale. Will Evolva be a different story?
The food and personal care industries have seen very little transformative innovation. Companies typically spend only very little on R&D and that gives the opportunity to build something transformative. In pharmaceuticals you can’t do that because the big pharma companies will spot you and adapt pretty quickly. In a way it’s a problem for the biotech industry that it has stayed so reliant on pharmaceuticals and not innovated its business models for 30 years. In the ingredients business everyone collaborates with everyone, and by partnering and building a network you can get the resources you need. Using the railway analogy: If you want to build a track from Basel to Geneva and you want to fund this track, you fund it by selling off Yverdon-les-Bains to someone who wants this station, meaning this product. In pharma, this way of thinking is not possible. So I really believe we can grow our business organically and remain an independent company.

What is your business strategy with Evolva?
We want to make products where there is a clear benefit, not just that we can make it cheaper but also that we can make it better, like Stevia. We don’t want to compete with the big companies. Instead we are looking to develop products which have a new market or can open up a new market. In a nutshell, we focus on «high priced, small volume» in the health, wellness and nutrition industry. One of our latest products is Nootkatone, a grapefruit fragrance that turned out to be very good at killing and repelling the ticks that transmit Lyme disease. There is an unmet need for that and we have a product that is very safe, it smells nice and it’s very good at both repelling and killing the ticks.

Will you do the production yourself or enter into a partnership for the production?
At the moment, all we have is labs. In some cases we have a partner who does it, and in other cases we pay someone on a contract basis. But in the long term we want our own brewery, because it’s a business with constant improvement and ultimately, you need to have the bug and the brewery integrated. If you want to be flexible in manufacturing, it needs to be your facility. But this is a long-term plan that costs many tens of millions of dollars. We don’t want to do that too quickly and then find that we can’t sell enough products quickly enough to justify that.

Would you do that in Switzerland or somewhere else in the world?
I wouldn’t completely rule out Switzerland; it’s obviously a high-cost location for manufacture, but it’s possible to run these facilities pretty lean and there is a value in this market to being Swiss. If you’re selling a food ingredient and it’s a Swiss food ingredient you get a certain quality association. We don’t know the answer yet, but I think there will be something in the States and something in Europe.

Let’s talk more about the buzz around high-tech food, which is sustainable and healthier. There seems to be a lot of attention surrounding this issue that suggest you may be in the right place at the right time.
It’s clear that a lot of megatrends in society converge in the space we occupy at present. It started about four to five years ago, and it has taken a few years to build a momentum. But we don’t know how it will play out in reality. What’s going to be interesting is that food is fundamentally a very conservative culture, and innovation– by definition – is not. So how do you marry these cultures? If you look at the big food companies and if you take brewing beer, it’s a very conservative industry. But the rise of craft brewing is really challenging that. There are people experimenting with different flavours of beer made from different ingredients. The same could happen with synthetic biology: Innovation happens in small companies.

Is there a technological driver behind this trend?
I don’t see the development as technology driven; it’s rather about adapting technology to these needs because technology sort of arises for other purposes. Look at the smart farming movement: It’s just applying sensors; now you can image every single corn plant in the field and data mine. I think it’s more that various technologies have matured to the point where they can start to be used here, because they need to be robust and relatively affordable, and then you start to assemble them together. Now you can set up a biotech lab in your garage and start to do stuff – this is new for biotech. And it does raise important questions as to how we control it. There is no way you can track every single garage around the world.

What is the potential in this region; should there be more attention for this field?
I think it would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology, because it’s not just cancer drugs. I think the limiting factor is investors, and that’s really why there are so few people in this space currently. Traditional biotech investors are investing in medical stuff – we only got our money because we started off doing that. We would never have got the money if we started off doing what we now do. I think you need new kinds of investors.

They are mostly likely to be found in Silicon Valley.
Yes, we need people that really think hard and deep about where trends will be and start playing there. Europe is not so good at doing that; it only follows. We need a different mindset. If you look at Silicon Valley, most of the people who are in the nutrition area come from the IT sector, whereas the biomedical guys find it very hard to get out of their way of thinking. The UK investment in food and agricultural research has declined, and you don’t have equivalents in Europe to the movement in the US of teaching farmer’s kids technology.

Next year will be a big year for you with Stevia hitting the market, will that be a booster? What do you expect?
We have a product we are very confident of in terms of taste and competiveness. Potentially, it’s very big. It’s clearly got the possibility of being a billion-dollar product in terms of revenue. But will it get there? We don’t know. It will take some years to get into the market. These products typically have 5 to 10 years to achieve peak sales, because we’re in a slow-moving industry. Unlike a pharmaceutical product that gets picked up immediately by the healthcare industry, market incumbents in the nutrition sector don’t change their flagship products and brands overnight. They normally extend their product lines gradually.

Interview: Thomas Brenzikofer and Nadine Nikulski, i-net

*Neil Goldsmith is co-founder and CEO of Evolva SA in Reinach. He has a 25-year track record in building successful biotech companies, among them TopoTarget A/S and Personal Chemistry AB. Earlier in his career, he was Chief Executive Officer of Auda Pharmaceuticals, GX Biosystems and PNA Diagnostics.
He received a first-class BA Honours degree in Zoology from Balliol College, University of Oxford, and is a graduate of the New Enterprise Programme at the Scottish Enterprise Foundation, University of Stirling.

About Evolva
Evolva was founded by three people, Neil Goldsmith and two others as a spin-off of the US company Phytera, that was doing plant cell culture, had a lot of plant genes and was trying to find a way to put them in a host that was more robust than plant cells. Phytera IPO failed and the company needed to cut costs. It was clear that the project of putting the genes into yeast was going to be one of the things to be cut. Neil Goldsmith wanted to take this out and found a company around it. So in 2001 they set up Evolva – initially in Denmark – and raised some seed money just before 9/11. In 2003, they thought they had enough to raise a proper round as the market had improved. At this point the three partners already wanted to change our headquarters to another location than Denmark, as the country «wasn’t world class» in the field of small molecule pharmaceutics. In addition, they wanted to be where there was more money available. They looked at the States, Canada, UK but ended up choosing Switzerland.


Video explaining the fermentation process

report Life Sciences

Novartis schaut optimistisch in die Zukunft

05.11.2018

report Invest in Basel region

Tierarzneihersteller Zoetis macht Delémont zum Schweizer Hauptsitz

22.10.2018

report Life Sciences

Therapeutic gene editing is taking off – and Basel is right in the middle

28.01.2015

Very rarely can a scientist claim to have had a fundamental and game-changing impact in his field and beyond. But Jennifer Doudna from University of California, Berkeley, and Emmanuelle Charpentier, who was working at the University of Umeå in Sweden at the time, can claim just that. In mid-2012, when they published their discovery of an RNA-programmable tool (termed CRISPR for Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) which allowed DNA to be cleaved in a very targeted and extremely efficient manner, they created a stir, because this tool could potentially also be used for RNA-programmable genome editing. And only months later, this is exactly what George Church from Harvard and Feng Zhang from the Broad Institute of MIT and Harvard showed in two independent publications: CRISPR could be used to edit the genome of potentially any organism, from yeast to man, whether to introduce new mutations, to correct disease-causing mutations or to insert or remove whole sections of DNA in the genome, and all of this in no time at all. After this the biomedical community was jumping with excitement, and scientists were describing CRISPR as the “holy grail” of genetic engineering and a «jaw-dropping» breakthrough in the fight against genetic disease.

A new era in gene editing
It was not that genomes had not been editable until then. But for higher eukaryotes, such as mice, monkeys, dogs or also human cells, it was a slow, painstaking and expensive process that could potentially take months if not years. But with CRISPR it was possible for the first time to edit the genome very precisely and at unprecedented speed and very little cost. The research community quickly embraced CRISPR as a research tool to engineer custom transgenic lab animals in a matter of weeks—saving about a year's worth of work. This not only enables new model organisms to be established in a very short time for many hitherto hard to treat diseases, such as Alzheimer’s, multiple sclerosis, autism, certain forms of cancer, but also allows cell lines to be edited for drug screening or new approaches to be explored for treating HIV. It might also be possible to for example correct the chromosomal abnormality associated with Down syndrome early in a pregnancy, to reintroduce susceptibility to herbicides in resistant weeds, to bring back extinct animal species and very much more.

On the road to commercialization
From the outset, of course, it was clear that CRISPR would also attract a lot of interest from the biotech world, which is also where Basel enters into the story. So far, three therapeutic biotech companies have been formed around CRISPR, two of them having links to Basel. The first of these was Editas Medicine from Boston, which was launched in late 2013 with $43 million in venture capital from Flagship Ventures, Thirdrock Ventures, Polaris Partners and the Partners Innovation Fund. A few months later, the Basel office of Versant Ventures announced a Series A investment of $25 million to start up CRISPR Therapeutics with headquarters in Basel. And in late 2014, Atlas Ventures and Novartis announced the formation of Intellia Therapeutics (although it had already existed in stealth mode for almost two years) with a Series A investment round of $15 million.

And just recently Novartis also concluded the first biotech-pharma licensing deal in this area with Intelllia, for exclusive rights for ex vivo engineering of chimeric antigen receptor (CAR) T cells (another hot topic in biotech/pharma research these days) and the right to develop a number of targets for ex vivo editing of hematopoietic stem cells. Ex vivo applications, in which cells are extracted from patients and manipulated outside the patient’s body and then re-infused, will very likely be among the first treatments to be developed for Editas Medicine and CRISPR Therapeutics, as this can be addressed with the technology as it stands today. The companies expect clinical trials to begin in as little as three years.

Challenges ahead
One of the big challenges, however, will be to make CRISPR a technology to treat genetic diseases of any kind with a one-time fix that can «edit» out genetic abnormalities and cure disease at the genetic level, potentially in a single treatment, in vivo. But for this to happen, ways have to be figured out for safely and effectively delivering a gene-editing drug into the body, which is still a very big hill to climb.

And there is another issue: The patent situation is in a state of some confusion. The first patent issued went to the Broad Institute of Harvard and MIT and was licensed by Editas Medicine. However, after that patent was granted, Jenifer Doudna, originally one of the co-founders of Editas Medicine, broke off her relationship with the company, and licensed her intellectual property - in the form of her own pending patent - to Intellia Therapeutics. And to confuse the issue further, Emmanuelle Charpentier, who claims that «the fundamental discovery comes from my laboratory», licensed her own rights in the same patent application to CRISPR Therapeutics.

So there appears to be a lot of work for patent lawyers to sort out in the next few months. But despite all the legal wrangling, CRISPR will without doubt continue to transform biomedical research in a way very seldom seen before and be transformative in the way we treat genetic diseases.

More information
General
Youtube Video «Genome Editing with CRISPR-Cas9»
New York Times article «A Powerful New Way to Edit DNA»
The Independent article «The more we looked into the mystery of Crispr, the more interesting it seemed»

Companies
Editas Medecine
CRISPR Theraeputics
i-net article «$25 million in series A financing for Basel-based CRISPR Therapeutics»
Intellia Therapeutics
collaboration with Novartis:
FierceBiotech article «Novartis adopts a CRISPR-Cas9 partner and jumps into the hot new R&D field»
FierceBiotech article «Novartis joins Atlas in launching a CRISPR Cas biotech with a $15M bankroll»
Xconomy article «CART + CRISPR = 1st-Of-Its-Kind Biotech Deal From Novartis, Intellia»

Patents
MIT Technology Review article «Who Owns the Biggest Biotech Discovery of the Century?»
Independent article «Scientific split - the human genome breakthrough dividing former colleagues»
Fiercebiotech article «A biotech war is brewing over control of the revolutionary CRISPR-Cas9 tech»

report Life Sciences

Chinese Pharma Goes Global

27.09.2018

report Invest in Basel region

BaselArea.swiss welcomes BeiGene to Basel

20.09.2018

report ICT

Torsten Schwede: «Seit 2007 läuft das Datenwachstum in der Wissenschaft der Rechenleistung...

05.11.2014

Genomics, Peronalised Medicine, Molecular Modelling: Informatik und Life Sciences kommen sich immer näher. Dabei gehört die Schweiz, anders als in der Enterprise- und Consumer-IT, zu den führenden Wissensstandorten der Computational Life Sciences.
Dennoch rechnet Torsten Schwede nicht mit einer überbordenden Bioinformatik-Startup-Welle. Warum, erklärt der Professor für Struktur- Bioinformatik am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands des SIB Schweizerischen Institut für Bioinformatik im Interview mit i-net.

Zunächst ganz konkret, was alles subsumiert sich unter dem Begriff Bioinformatik?
Torsten Schwede*: Ich verwende den Begriff Bioinformatik nur noch selten. Wir sprechen meistens von «Computational Life Sciences» oder «Computational Biology». Bioinformatik hat zwar einmal mit der Organisation von Sequenzdaten und Sequenzanalyse begonnen, aber eine enge Definition macht eigentlichen keinen Sinn mehr - dafür ist der Bereich zu interdisziplinär geworden. Heute haben fast alle Bereiche der Life Sciences einen «computational» Ableger, und die Themen reichen von Molecular Modelling, über Big Data und Systembiologie, Clinical Bioinformatics bis hin zu Anwendungen im Bereich der personalisierten Medizin. Am SIB Schweizer Institut für Bioinformatik ist eigentlich jede Arbeitsgruppe willkommen, die computergestützte Methoden zur Anwendung in den Life Sciences entwickelt.

Was unterscheidet einen Bioinformatiker von einem Informatiker?
Etwas überspitzt formuliert, bei uns treibt die wissenschaftliche Fragestellung im Gebiet der Lebenswissenschaft die Methodik. Wenn ich eine Frage mit dem einfachsten Algorithmus beantworten kann, dann bin ich glücklich und kümmere mich nicht mehr weiter um die Informatik, sondern um die Fragestellung. In den Computerwissenschaften sind Innovationen in Algorithmen und Technik Ziel der Forschung, und oft finden sich im Nachhinein Anwendungen in verschiedensten Arbeitsbereichen.

Ein Bioinformatiker ist also eher ein Biologe?
Ja, das kann man so sehen, und an der Universität Basel ist die Bioinformatik auch ein Teil des Biozentrums. Früher hatten die meisten Bioinformatiker einen naturwissenschaftlichen Hintergrund wie Physik, Biologie oder Chemie. Vor ein paar Jahren haben wir an der Universität Basel einen Bacherlorstudiengang in Computational Sciences eingeführt. Diese Ausbildung wurde durch eine Zusammenarbeit von Mathematik, Informatik, Physik, Chemie und Biologie entwickelt und bietet ein breites Grundlagenstudium, wobei im zweiten Jahr eine Spezialisierung auf eine der Hauptrichtungen erfolgt. Ziel ist, dass Bachelor-Absolventen dann immer noch die Wahl haben zwischen einem Master in Informatik oder in der gewählten naturwissenschaftlichen Vertiefung Biologie, Chemie, Numerik oder Physik. Wichtig aber ist, dass der Bioinformatiker etwas von beiden Welten kennt.

Das klingt sehr anspruchsvoll – sind das nicht sozusagen zwei Studiengänge in einem?
Der Brückenschlag ist in der Tat äusserst anspruchsvoll und die Absolventen dieses Studiengangs sind absolute Spitze.

Das heisst wohl auch, Sie werden nicht gerade von den Studenten überrannt?
Es gibt ganz klar einen «War for Talents». Gute Studenten können sich heute aussuchen, wo auf der Welt sie studieren wollen. Auf PhD-Ebene rekrutieren wir denn auch international. Die Schweiz und Basel haben dabei weltweit eine sehr gute Ausstrahlung, und in der Bioinformatik gehört die Schweiz zu den drei top Destinationen weltweit. Global gesehen hat die Schweiz die höchste Dichte von Bioinformatikern.

Dennoch haben wir das Problem, dass es in den sogenannten Mintfächern an Nachwuchs fehlt?
Man müsste in der Schule ansetzen: Die wenigsten Maturanden haben eine klare Vorstellung, was ein Wissenschaftler im Alltag so macht und was genau hinter der Informatik steckt. Das Bild vom Biologen, der auf der Wiese sitzt und den Kaninchen beim hoppeln zusieht, trifft einfach nicht zu und muss sich ändern. Zudem sollte man auch vermitteln, dass Naturwissenschaftler gesuchte Leute sind. Soweit ich weiss, haben wir bisher noch keine arbeitslosen Bioinformatiker produziert.

Viele Bioinformatiker arbeiten in der Westschweiz – warum?
Das SIB Schweizerische Institut für Bioinformatik wurde ursprünglich in Genf gegründet, und Swiss-Prot, die weltweit grösste Wissens-Datenbank im Life Sciences-Bereich, hat ihren Sitz in Genf und Lausanne. Diese Datenbank wird vom Bund und von den US National Institutes of Health (NIH) unterstützt und ist für Wissenschaftler der ganzen Welt die Referenzdatenbank für Proteine. Swiss-Prot ist auch der Grund, dass 1998 das SIB gegründet wurde als der Schweizerische Nationalfonds beschloss, die Pflege von Datenbanken nicht mehr zu unterstützen. Daraufhin erhielten wir tausende von Zuschriften aus der ganzen Welt, die sich dafür einsetzten, dass Swiss-Prot bestehen bleibt - auch grosse Pharmafirmen boten Geld an. Durch die Gründung des SIB wurde dafür gesorgt, dass die Datenbank öffentlich blieb. Heute sind mehr als 50 wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus der gesamten Schweiz Mitglied im SIB, und über 600 Wissenschaftler arbeiten an Schweizer Universitäten und ETHs im Bereich der Bioinformatik.

Die Datenberge in den Life Sciences steigen exponentiell an, was ist der Auslöser?
Die Anforderungen an die IT Infrastruktur sind praktisch in sämtlichen Gebieten der Life Sciences massiv angestiegen. So haben zum Beispiel unsere Kollegen am Biozentrum jüngst ein neues Mikroskop gekauft – dieses kann pro Tag zwei Terabyte Daten erzeugen. Wir sehen ähnliche Entwicklungen im Bereich der Genomics und anderer Hochdurchsatzverfahren. Moore’s Law besagt, dass sich die Rechenleistung der Prozessoren alle 18 Monate verdoppelt. Seit ungefähr 2007 reicht dies nicht mehr aus, um mit der Datenproduktion in der Wissenschaft Schritt halten - das Datenwachstum in der Lebenswissenschaft läuft der Rechenleistung davon. Deshalb brauchen wir neben einem Ausbau der IT Infrastrukturen auch schlauere Konzepte und Algorithmen. Und genau da kommen die Bioinformatiker ins Spiel, von der Planung der Experimente über die Analyse der Daten bis zur Modellierung der Systeme basierend auf den Ergebnissen.

Das heisst auch, hier gibt es ein grosses Feld für Innovationen. Warum gibt es dann nicht mehr Bioinformatik-Startups?
Unsere Studenten beschäftigen sich hauptsächlich mit wissenschaftlichen Problemen und möchten auf dieser Ebene ihren Beitrag leisten. Und wenn unsere Studenten Startup-Ideen haben, dann liegen diese häufiger im wissenschaftlichen Bereich und weniger in der Informatik, also etwa in der Molekularbiologie oder in medizinischen Anwendungen.

Wird es irgendwann einen Hersteller einer Bioinformatik-Standardsoftware geben?
Ich sehe momentan keine Anzeichen für eine kommerzielle «Standardsoftware» für Bioinformatik - in vielen Fällen sind wir noch weit von «Standard Workflows» in der Interpretation der Daten entfernt. Die experimentellen Technologien entwickeln sich sehr schnell, und die Entwicklung neuer Methoden und Algorithmen ist ein spannendes Forschungsgebiet. Ich glaube, wir werden auch in Zukunft ein Biotop verschiedener Lösungen und Tools einsetzten. Die wichtigsten Programme in der Bioinformatik sind heute Open Source. In meinem eigenen Arbeitsgebiet sind die akademisch entwickelten Software Tools innovativer und leistungsfähiger als kommerzielle Lösungen. Wichtig sind dabei Standards, die einen reibungslosen Datenaustausch ermöglichen.

Bioinformatik lässt sich also gar nicht kommerzialisieren?
Doch, aber in den meisten Fällen kommt der «added value» in unserem Bereich eher aus Knowhow und Services als dem Verkauf von Software. Es gibt eine ganze Reihe erfolgreicher kommerzieller Anwendungen, wie zum Beispiel der erste nicht-invasive pränatale Test für verschiedene Trisomien in der Schweiz, für den die Bioinformatik von unseren Kollegen am SIB Lausanne entwickelt wurde. Und mit Genedata haben ja eines der erfolgreichsten Bioinformatik Unternehmen direkt vor Ort hier in Basel.

Könnte das Potenzial nicht grösser sein?
Ich denke es gibt ein sehr grosses Potential in diesem Bereich und der Markt entwickelt sich schnell. Aber gerade bei den daten-getriebenen Projekten - etwa im Umfeld von personalised health - spielt die Regulierung keine unwesentliche Rolle. In Ländern wie der Schweiz mit etablierten rechtlichen Strukturen ist der Einstieg für neue innovative Lösungen oft nicht ganz so einfach. In sogenannten «Emerging Markets» dagegen sind die Eintrittshürden sehr viel geringer, und wir sehen in diesen Ländern eine regelrechte Goldgräberstimmung. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Ideen sich am Ende als echte Innovationen im Gesundheitsmarkt durchsetzen werden.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Torsten Schwede ist Professor für «Structural Bioinformatics» am Biozentrum der Universität Basel und Mitglied des Vorstands am SIB Swiss Institute of Bioinformatics. Als Leiter von «sciCORE» ist er für die Organisation der wissenschaftlichen IT Infrastruktur an der Universität Basel verantwortlich.

 

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«Mit dem Innovationspark sichert sich der Life Science-Standort Nordwestschweiz seine Zuku...

09.07.2014

Professor Joachim Seelig ist seit Anfang des Biozentrums Professor für Biophysik an der Universität Basel und forscht noch immer. Zudem ist er im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) und Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences. Im Interview mit i-net spricht er über die Zukunft der Life Sciences und erklärt, warum der SIP NWCH für die Zukunft des Standorts Basel wichtig ist.

Der Pharmastandort Basel, respektive Nordwestschweiz ist heute unbestritten. Wird dies auch in 30 Jahren noch so sein?
Joachim Seelig*: Natürlich fragt man sich, was in 30 Jahren sein wird. Als ich vor 40 Jahren nach Basel kam, gab es hier nur Chemiefirmen. In den vier grossen Firmen Ciba, Geigy, Sandoz und Roche waren die Forschungsleiter ausgebildete Chemiker. Heute sind diese Positionen von Molekularbiologen oder Medizinern besetzt. Aus der Chemieindustrie ist in den vergangenen Jahrzehnten eine Pharmaindustrie entstanden. Clariant ist noch eine Chemiefirma, und auch Syngenta als Agrokonzern hat das Hauptquartier hier, sie sind aber weit weniger intensiv in der Region verankert als Roche oder Novartis. Wenn wir also zurückblicken sehen wir, dass sich der Standort Basel sehr verändert hat, und diese Veränderung wird auch in den nächsten 30 Jahren weitergehen.

Welche Rolle spielte das Biozentrum der Universität Basel bei dieser Entwicklung?
Das Biozentrum brachte verschiedene Wissenschaften wie Chemie, Physik, Biochemie, Strukturbiologie, Mikrobiologie und Pharmakologie zusammen. Die revolutionären Änderungen durch Biophysik und Molekularbiologie wurden von den Gründungsvätern des Biozentrums geahnt, und man hoffte, dass durch die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Disziplinen etwas ganz Neues entstehen könnte. Ich glaube, es war sehr klug diese verschiedenen Gebiete zusammen zu bringen, und es hat tatsächlich auch zu bedeutenden Ergebnissen geführt.

Und wo steht das Biozentrum heute?
Heute fokussiert man sich sehr stark auf Gebiete wie Neurobiologie und Mikrobiologie, während Biophysik oder Pharmakologie eher in den Hintergrund getreten sind. Das kann sinnvoll sein und grosse Erfolge bringen. Mein persönliches Interesse geht aber in andere Richtungen.

Auf was sollte man denn stattdessen fokussieren?
Für die Eingabe zum Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz wurde mit rund 30 Personen aus dem Life Sciences-Bereich Interviews geführt mit dem Ziel herauszufinden, welche Themen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Dabei zeigten sich drei Themenschwerpunkte. Zum einen das «Biosensing», also die Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Sogenannte «Electroceuticals» sind etwa Pillen, die ihren Wirkstoff erst absondern, sobald sie an einem festgelegten Ort im Körper angekommen sind. Das zweite Thema ist «Biomaterials». Hier könnte man z.B. an Saatgut denken, bei dem jedes Korn in ein Energiepaket verpackt wird, das es auch dann ernährt und zur Entfaltung bringt, wenn es bei Trockenheit gesät wird. Die dritte Thematik ist «Large Number Crunching». Als Folge der mehr und mehr «personalisierten Medizin» werden riesige Datenmengen anfallen. Da gilt es Methoden zu entwickeln, die den Arzt darin unterstützen, sie effizient zu analysieren und zu bewerten.

Wie gut ist die Region Nordwestschweiz in diesen drei Megatrends aufgestellt?
Man muss nüchtern feststellen das wir in praktisch allen drei Gebieten nicht sehr stark sind. Genau dies soll der Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz ändern, der per Anfang 2015 in Allschwil den Betrieb aufnehmen wird. Gibt es denn bereits konkrete Projekte? Ja, das Forschungsprojekt Miracle von Hans-Florian Zeilhofer und Philippe Cattin vom Department Biomedical Engineering der Medizinischen Fakultät der Universität Basel wird erster Untermieter sein. Die Werner Siemens-Stiftung mit Sitz in Zug wird dieses Projekt während fünf Jahren mit insgesamt 15,2 Millionen Franken unterstützen. Es geht dabei um eine Miniaturisierung der Lasertechnologie für die Chirurgie auf eine endoskopische Ebene. Viele Bereiche wie Robotik, Bildgebung und Diagnostik, Sensorik oder Mikromechanik spielen bei diesem Projekt eine Rolle. Grob betrachtet ist es ein Projekt aus der Medizintechnik, in dem Elektronik, Robotik, Bildgebung und Medizin zusammen kommen.

Wie gross soll denn der Innovationspark dereinst werden?
Es ist von mindestens 1000 und später vielleicht 2000 Beschäftigten auszugehen. Diese kritische Grösse ist unabdingbar. Vorbild könnte der Technologiepark in Eindhoven sein. Vor 10 Jahren öffnete Philips dort sein Forschungszentrum mit etwa 2000 Mitarbeitenden für Zusammenarbeit mit externen Gruppen und Firmen. Heute arbeiten dort rund 8000 Leute, und es wird ein Umsatz von rund einer Milliarde Franken generiert. Viele neue Firmen haben sich angesiedelt. Entscheidend für den SIP NWCH wird das Engagement von Firmen wie Roche, Novartis, Actelion oder Syngenta sein. Aber natürlich gilt es auch auswärtige Firmen und Start-ups anzuziehen.

Die Universität Basel gilt nicht als sehr innovationsfreudig, muss nicht auch da etwas geschehen?
Ich kann diese Aussage so nicht stehen lassen. Erst kürzlich wurde untersucht, wie effizient eine Universität arbeitet – und die Universität Basel kam dabei sehr gut weg. Die Universität Basel ist eine Volluniversität. Die Naturwissenschaften stellen nur einen kleinen Anteil, also maximal rund 2000 der insgesamt 12‘000 Studierenden. Deshalb kann man die Zahlen der Uni Basel schlecht mit einer ETH oder EPFL vergleichen, die sich ganz auf Technologien konzentrieren können. Am Biozentrum betreiben wir vor allem Grundlagenforschung, während die angewandte Forschung anderen überlassen wird. Trotzdem haben wir einige Spin-offs generiert. So hatten etwa die Firmen Santhera und 4-Antibodies ihre ersten Labors im Biozentrum.

Was könnte man tun, um mehr Spin-offs in der Region zu erhalten?
Im Innovationspark müssen attraktive Bedingungen geschaffen werden, und ein Scouting an der Universität wäre zu institutionalisieren, damit mehr Projekte entstehen. Ich denke, wir haben hier in der Nordwestschweiz ideale Voraussetzungen. Das Innovationspotential in Basel ist jedenfalls riesig, und es gibt hier bereits viele Start-ups, die hervorragend arbeiten.

Gibt es Themen, welche die Nordwestschweiz verpassen könnte?
Ein Punkt, den man in Basel etwas unterschätzt, ist der Einfluss der Informatik sowie des Internets auf die Biologie und die Life Sciences. In Sachen Informationstechnologie haben wir sicher Aufholbedarf. Persönlich glaube ich an eine stärkere Verknüpfung von Biologie und Elektronik. Ich hatte schon vor Jahren angestrebt an der Universität ein Department für Bioelektronik zu schaffen, bin aber damit nicht durchgekommen. Im Innovationspark sollten wir aber diese Verknüpfung unbedingt herstellen. Wichtig ist es, die richtigen Talente anzuziehen. Nicht nur Google sollte künftig für die wirklich guten Informatiker attraktiv sein, sondern auch Unternehmen wie Roche oder Novartis.

Sie sind schon länger bei i-net als Leiter Technologiefeld Life Sciences involviert –welche Rolle sollte, kann, müsste i-net in diesem Feld vermehrt wahrnehmen?
Grundsätzlich sind die Leute dankbar, und vielfach auch begeistert, von dem, was i-net für sie macht. Als neutrales Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren kann und wird i-net auch beim Swiss Innovation Park künftig eine starke Rolle spielen. In den Life Science Firmen erlebt man häufige personelle Veränderungen, bedingt vielfach durch die globalen Aktivitäten dieser Firmen. Es wird immer schwieriger, Ansprechpartner zu finden, die kompetent entscheiden können und gleichzeitig eine fundierte Kenntnis unserer Region haben. Die Entscheidungsträger der Privatwirtschaft sind zu sehr in berufliche Anforderungen eingebunden, um Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten in wichtigen Gremien unserer Region zu finden. Das Berufsleben ist schnelllebiger, globaler geworden, worunter die lokalen und regionalen Vernetzungen leiden. Deshalb ist es wichtig, dass mit i-net eine professionelle Organisation diese Rolle übernimmt und institutionalisiert.

Interview: Stephan Emmerth und Nadine Nikulski, i-net

*Professor Joachim Seelig ist einer der ersten Forscher des Biozentrums der Universität Basel und war zwischen 1997 und 1999 sowie von 2000 bis 2009 Leiter dieses Departements. Er ist im Vorstand des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» (SIP NWCH) sowie ehrenamtlicher Leiter des i-net Technologiefeldes Life Sciences.

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Helmut Kessmann: «Biotech can be a real roller coaster ride»

06.03.2014

Helmut Kessmann has been involved in the life science startup scene on the Rhine from the beginning. Today, the native from North Germany is Head of Business Development at Polyphor. Previously, he was co-founder of Discovery Technologies and a member of the executive management of Santhera, both IPO companies.

In the interview with i-net he talks about the development of the Life-Sciences-Standorts Basel and the success factors for biotech startups.

Mr. Kessmann, how do you rank Basel as a location for biotech companies?
North Western Switzerland is one of the best locations for biotech startups globally and in Europe amongst the top three. However, we must not rest on our laurels; otherwise we risk ending up back where we were in the early 90s.

Wasn’t Basel already a pharmaceutical and chemical city at that time?
Yes, but no one wanted or could establish a biotech startup company here. The normal career path of people was that they joined one of the large corporations like Ciba, Sandoz, Roche, after studying and remained there until they retired. Then, in 1996, the merger of Ciba and Sandoz to form Novartis happened and suddenly there was a very active and successful biotech scene. This transpired within a few years - an experience that still fascinates me today.

Did you immediately jump on the bandwagon?
I was employed by Ciba-Geigy, but I have already played with the idea for a few years to start my own business. At that stage no one was willing to finance projects in Basel. This changed immediately after the merger of Ciba and Sandoz in 1996 when the Novartis Venture Fund was founded. Suddenly we were in the game. Discovery Technologies was among the first startups in which they invested. Our advantage was that we had a complete business plan in our pocket.

The Novartis merger was therefore the trigger for the startup scene in Basel?
Yes, but that alone was of course not enough. A fund needs to be managed by the right people. Jürg Meier and Ruedi Gygax were exactly the right people. In addition, there were many more important initiatives in the regions. If you summarize you’ll see that, in just two years, more than 20 companies were in the starting blocks, ready to move. Since then, a lot has happened and now there are extremely successful companies such as Actelion, Basilea, Evolva and Polyphor. More have since been acquired such as Speedel or Glycart. Today, there are not only many ways to gain access to funding, but also support networks such as that of i-net innovation networks. Without the positive environment for Biotech startups the establishment of a new company is very difficult. Also, one should not forget that globally there is active competition for new companies.

But Discovery Technologies, co-founded by you, then relocated to the USA?
Not quite, we opted for the IPO to go to the US, but the operational activities remained and continued unchanged in Allschwil. For this purpose we merged in 2000 with a US chemical company and created Discovery Partners Ltd. headquartered in San Diego. I think our company was one of the last with a successful IPO before the crash in the fall of 2000. Then the market lost 75 percent of its value in just a few months. Fortunately, Discovery Partners was profitable before the IPO and did not have to rely on further funding. Later, Discovery Partners became Infinity Pharmaceuticals through another merger, which is still successful today, especially in drugs for oncology.

Your next venture, Graffinity, did not proceed exactly as planned?
I had learned that investing in the life sciences sector is done in waves and the preferred areas for investors can quickly change. With Discovery Technologies, we were able to ride on the height of the investment wave in the late `90s. However, Graffinity in Heidelberg, found itself at the end of this cycle, even though the technology was very innovative and actually fitted the needs of the "genomic era" perfectly. Thereby, we could record 30 million euros in April 2001, which was at least the second biggest round of funding in Germany that year. But only months later, and as a result of the biotech market crash, the interest of the investors in "platform companies" decreased to zero and people wanted to see clinical products.

How did you continue with Graffinity?
We had to be creative. After some searching we found an ideal partner namely MyoContract located in Basel. MyoContract was the first spin-off of the Biozuntrum in Basel and was established due to the great vision and initiative of the founder and CEO, Thomas Meier. The company had a product candidate but no money, and we had money but no product candidates. The result was Santhera. Graffinity was leached out of the new company through a management buyout and now supplies the old technology to the service business. Thereby Graffinity could survive without further venture capital.

But after the great start Santhera is still waiting for the breakthrough?
Biotech is rarely straightforward, but I am convinced that Santhera will also be commercially successful. Their focus on rare diseases, for which there is virtually no treatment, was correct in any case. In 2006 the company made a successful IPO and we received outstanding support from investors, researchers and patient organizations. Unfortunately, the most important product demonstrated later in the clinical Phase III that it did not have the effectiveness we hoped it would have. At one stage over 80 percent of the goodwill was gone. But that is how it is in biotech - a real roller coaster ride.

Was there a Plan B?
Yes, the company is currently trying to obtain the European market approval for the treatment of sudden blindness, a rare hereditary disease. The decision will probably be made in 2015. For me, personally, there was not much to do at Santhera in 2011 and I accepted an offer from my present employer, Polyphor. I have been the Head of Business Development since 2011.

How do you see the local biotech startup scene today?
We have already achieved a lot, but I would like to see many more young companies. Basically, Biotech is one of the most profitable investments, but there are big ups and downs. Many investors show interest - but there is also uncertainty. This is manifested in the new financing models. Private capital plays an increasingly important role. In Polyphor, investments were made almost exclusively by individuals. These are usually wealthy individuals from the surrounding area with a great affinity for pharma.

What is the most difficult phase for a startup?
Once the effect of a drug in humans is demonstrated, the financing is often easier, although you then really need large amounts of money. At this time good deals with interested pharmaceutical companies are also usually possible. It is very difficult earlier, as well as between the early pre-clinical development and proof of concept phases. Here more money needs to flow and this is where the private investor plays a key role - not only in Switzerland. In Germany, for example, a large part of all biotech investments were made by three individuals: SAP founder Dietmar Hopp, and the brothers Thomas and Andreas Strüngmann who sold Hexal to Novartis. Nevertheless, another early-phase innovative fund with an investment strategy similar to the Novartis Venture Fund of the `90s would be very helpful.

What alternative funding models are currently becoming important?
Non-dilutive financing, which means you acquire financing without relinquishing shares in the company, is making its mark. These include, for example, the US Department of Defense and the National Institutes of Health, which are no longer bound to their investments in the United States. Local companies such as Evolva, Santhera and Basilea have already benefited. Patient organizations also play an increasingly important role as they have lots of money. The French Association for muscle diseases, the Association Française Contre Les Myopathies, has an annual budget of nearly 100 million Euros as a result of their famous Telethon. Also joining are organizations such as the Cystic Fibrosis Foundation in the US or the Bill & Melinda Gates Foundation, which has already invested billions, especially in the research of drugs for tropical diseases. The extent of these investments did not exist 10 years ago.

So, is the philanthropic sector strengthening?
Yes, the trend towards alternative financing models, including the Venture Philanthropy (VP) model, is clear. However, little is known about the latter in the biotech scene. Although it is profit-oriented work, in this financing model the profits are reinvested in non-profit organizations for research. In other words, the donors of these funds aim to keep their assets, but not to increase it such as has been customary, but to support a charitable cause. The European VP Association recently had a meeting in Geneva with 700 participants and I was impressed by the professionalism and presence of many bankers and venture capitalists who wanted to learn about this concept or are already active with VP models.

Would Venture Philanthropy also be an approach for North Western Switzerland?
Why not, after all there are already many biotechs that have received funding from such alternative models. It will however not be sufficient for the next wave of startups here in Basel. It also requires an intelligent infrastructure, better early-stage financing, and support organizations and networks such as i-net. It would be a shame if we now just await the next crisis; if it happens we must be one step ahead. Today we can operate from a position of strength and we must exploit it.

Interview by Christian Walter and Thomas Brenzikofer

A short CV of Helmut Kessmann can be found here

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