Innovation Report

 
report Invest in Basel region

Schweizer zählen zu den glücklichsten Menschen

20.03.2017

Die Schweiz gehört laut dem neuesten Weltglücksbericht zu den vier glücklichsten Ländern weltweit. Bei der Studie werden unter anderem das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und das Vertrauen in die Regierung und Unternehmen berücksichtigt.

Die Schweiz hat es beim diesjährigen Weltglücksbericht auf den Platz vier geschafft. Sie zählt damit zusammen mit Norwegen (Platz eins), Dänemark (Platz zwei) und Island (Platz drei) zu den Ländern mit den glücklichsten Menschen weltweit. Die Autoren des Berichts weisen jedoch darauf hin, dass der Unterschied zwischen den vier Ländern an der Spitze sehr gering ist. Somit ändert sich die Reihenfolge bei den Spitzenplätzen jedes Jahr ein bisschen. Im Jahr 2015 lag die Schweiz etwa auf Platz eins.

Zu den besten 20 Ländern gehören unter anderem auch Finnland (Platz fünf), Kanada (Platz sieben), Israel (Platz elf), Costa Rica (Platz zwölf), die USA (Platz 14) und Deutschland (Platz 16). Am untersten Ende der Skala befindet sich die Zentralafrikanische Republik.

Für den Bericht haben internationale Forscher insgesamt 155 Länder untersucht. Bei der Auswertung werden sowohl Länderdaten als auch die Ergebnisse von Befragungen zur Selbstwahrnehmung der Einwohner berücksichtigt. Verglichen werden beispielsweise Faktoren wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, die durchschnittliche Lebenserwartung sowie das Vertrauen in die Regierung und Unternehmen bezüglich Korruption. Es wird jedoch auch in Betracht gezogen, wie frei sich Menschen bei grundlegenden Entscheidungen bezüglich ihres eigenen Lebens fühlen oder wie grosszügig sie bei Spenden sind.

 

>>> More Information

report Accessing China

Unternehmer diskutieren Energieeffizienz

28.03.2017

report Accessing China

Führungskräfte sollen Blockchain nutzen

27.03.2017

report BaselArea.swiss

BaseLaunch kann das Potential des Life Sciences Ökosystems Basel voll ausschöpfen

15.03.2017

Der neue Accellerator für Healthcare Ventures, BaseLaunch, will die besten Startups anziehen und damit auch Impulse für etablierte Player geben. Dabei setzt das Projekt gemäss Managing Director Alethia de Léon konsequent auf Qualität und das konzentrierte Know-how in der Region.

Was macht BaseLaunch anders als Accelerator-Programme anderswo?

Der fortwährende Austausch mit ansässigen Branchengrössen, die in der Projektauswahl mitwirken und überdies auch selbst Kapital zur Verfügung stellen können, ist zentral für das Konzept von BaseLaunch. Wir richten uns sehr konsequent an den individuellen Bedürfnisse von Gründern aus und können das konzentrierte Knowhow sowie die vielseitigen Partnering-Potenziale im Life-Sciences-Ökosystem Basel voll ausschöpfen. Damit kann sich BaseLaunch auch an Startups richten, die für andere Programme zu wenig weit entwickelt sind.

Für welche Art von Projekten ist BaseLaunch besonders geeignet?

BaseLaunch ist offen für alle Projekte im Bereich Healthcare. Geografisch liegt der Fokus auf der Schweiz und Europa. Unsere Labors im Switzerland Innovation Park Basel Area sind auf Therapeutics spezialisiert. Aber innovative Konzepte in den Bereichen Diagnostics und Medtech sind ebenfalls eingeladen, am Accelerator zu partizipieren.

Warum konzentriert man sich auf Projekte aus den Hochschulen? Wäre es nicht sinnvoller, auf Spinoffs aus Big Pharma zu setzen. An erfolgreichen Beispielen wie Actelion, Basilea, oder Genedata fehlt es ja nicht in der Region?

Wir sind offen für alle Projekte. Kandidaten aus der Hochschulen sind gerade aufgrund ihres frühen Stadions sehr auf Programme wie BaseLaunch angewiesen, während Spin-offs aus Big Pharma in der Regel schon von Anfang an mit gutem Seed Money ausgestattet sind und auch das Industrie Know-how mitbringen.

Operativ wird das Projekt von BaselArea.swiss geführt, unter einem separaten Brand. Warum dieses Setup?

BaseLaunch will die innovativsten und vielversprechendsten Healthcare-finden, sie unterstützen und in das hiesige Healthcare-Ökosystem einbetten. Damit ist BaseLaunch ein wichtiger Teil der Kerntätigkeit von BaselArea.swiss.. Aufgrund der unterschiedlichen Finanzierungs- und Entscheidungsstruktur und im Sinne eines fokussierten Marktauftrittes macht es aber Sinn, mit dem Accelerator eine separate Marke aufzubauen.

Ist es denn Aufgabe des Staates, in Startups zu investieren?

Es werden keine öffentlichen Mittel in Projekte investiert. Die Kantone finanzieren den operativen Betrieb von BaseLaunch. Was direkt in die Startups fliesst, kommt von privater Hand. Mit BaseLaunch sorgt also BaselArea.swiss für die richtigen Rahmenbedingungen, indem sie als neutraler Partner der Industrie mit entsprechenden Programmen das Entstehen von neuen Firmen begünstigt. Und man darf nicht vergessen, dass man anderenorts viel offensiver vorgeht mit staatlichen Mitteln. Es ist wichtig, hierbei nicht ins Hintertreffen zu gelangen und im hart umkämpften Standortwettbewerb dran zu bleiben - ohne freilich unsere liberale Wirtschaftsordnung zu verzerren.

Warum braucht es denn überhaupt mehr Startups?

Startups braucht es in erster Linie, damit aus Wissen auch Wertschöpfung entsteht. Wenn wir Milliarden in die akademische Forschung investieren, braucht es auch entsprechende Strukturen, um aus Erfindungen Innovationen zu machen. Es hat sich gezeigt, dass Startups hierfür mehr und mehr eine entscheidende Rolle übernehmen. Darüber hinaus haben Startups das Potential, bei Erfolg sehr schnell zu wachsen und dadurch sehr viele hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. Actelion, das ja auch mal als Startup angefangen hat, ist das beste Beispiel hierfür. Indem es BaseLaunch gelinngt, mit den besten Startup-Projekte zu arbeiten, generiert dies auch Impulse für etablierte Unternehmen sowie für das gesamte Ökosystem..

Ist das hiesige Umfeld für Startups überhaupt interessant, die Lebenshaltungskosten dürften Gründer zunächst mal eher abschrecken?

Das Silicon Valley, London oder Boston sind nicht günstiger. Die einzigartigen Vorteile des lokalen Life-Sciences-Ökosystems mit einer in Europa nicht zu übertreffenden Dichte an Talent, Pharma-Entscheidern und Kapital geben bei unseren Gründern letztlich den Ausschlag. Wir machen die Erfahrung, dass wir in diesen wirklich entscheidenden Bereichen, die ja gerade für junge Unternehmen „Must-Haves“ sind, so viele Punkte sammeln kann, dass unter dem Strich das Gesamtpaket mehr als stimmt. Nicht umsonst haben wir in den vergangenen Jahren einen steten Zuwachs an Gründungen von ausserhalb der Region gesehen.

Alethia de Léon

Die gebürtige Mexikanerin Alethia de Léon hat am Massachusetts Institute of Technology und an der Harvard Business School studiert. Nach Stationen im Healthcare Investment und im Product Developement war sie bis 2015 bei Novartis Global Head of Search and Evaluation, Business Development and Licensing für das Neuroscience Business. Neben der Führung von BaseLaunch ist Alethia de Léon zudem CEO und Gründerin des Startups Senes Sciences GmbH.

>>> More Information

report Life Sciences

Novartis schliesst Lizenzvereinbarung mit US-Firma

27.03.2017

report ICT

Baloise geht bei Digitalisierung voran

24.03.2017

report Invest in Basel region

Basel besticht mit Lebensqualität

14.03.2017

Basel gehört zu den zehn Städten, die weltweit die höchste Lebensqualität aufweisen. Dies zeigt die neue Städterangliste vom Beratungsunternehmen Mercer, bei der Basel 2017 zum ersten Mal bewertet wurde.

Der Einstieg von Basel beim weltweiten Index für Lebensqualität von Mercer war ein Erfolg. Ausländische Arbeitnehmer haben der Stadt hervorragende Noten gegeben. So teilt sich Basel gemeinsam mit Sydney den Platz zehn auf der Rangliste. Den ersten Platz belegt in diesem Jahr erneut die Stadt Wien, gefolgt von Zürich. Platz drei erhält das neuseeländische Auckland und Platz vier München. Mit Genf (Platz acht) und Bern (Platz 14) schaffen es auch zwei weitere Schweizer Städte unter die besten 20.

Insgesamt wurden im Rahmen der Studie 231 Grossstädte miteinander verglichen. Zur Beurteilung der Lebensqualität in den einzelnen Städten wurden 39 Kriterien in Betracht gezogen. Zu diesen zählen unter anderem politische, soziale, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte. Beachtet werden jedoch auch Faktoren wie Gesundheit oder Bildungsangebote.

Eine wichtige Bedeutung wird weiter der Infrastruktur zugemessen. Dazu zählen beispielsweise die Wasserversorgung, Kommunikations- und Postdienstleistungen, der öffentliche Nahverkehr und die Verfügbarkeit von internationalen Flügen. Diesem Kriterium wurde ein eigenes Ranking gewidmet. Hier belegt Basel zusammen mit Bern den Platz 23. Zürich belegt gemeinsam mit Vancouver den Platz neun. Angeführt wird die Rangliste von Singapur.

Die jährliche Städterangliste von Mercer soll unter anderem multinationalen Unternehmen beim Vergleich von unterschiedlichen Standorten helfen.

>>> More Information

report Invest in Basel region

Baselworld feiert Jubiläum

23.03.2017

report BaselArea.swiss

Innovationsprojekte zwischen Südkoreanischen und Schweizer Partnern

22.03.2017

report BaselArea.swiss

Startup-Accelerator BaseLaunch will vielversprechende Healthcare-Jungunternehmen an den eu...

22.02.2017

BaseLaunch, das neue Schweizer Beschleunigungsprogramm für Healthcare-Startups, bietet ausgesuchten Jungunternehmen Zugang zur Life-Sciences-Wertschöpfungskette der Region Basel. Das von BaselArea.swiss initiierte und operativ geführte BaseLaunch geniesst die Unterstützung von Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation sowie Pfizer und ist Healthcare-Partner des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland.

BaselArea.swiss, die Innovationsförderung und Standortpromotion der Nordwestschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, lancierte heute den neuen Schweizer Healthcare-Startup-Accelerator BaseLaunch. BaseLaunch soll die einzigartige Position der Region Basel als globale Drehscheibe der Life-Sciences-Branche und deren steigende Popularität bei Investoren nutzen, um die nächste Generation erfolgreicher Firmen mit einem auf Healthcare-Unternehmer zugeschnittenen Angebot anzuziehen.

“Eine gesunde und gut abgestützte Startup-Szene ist eine Voraussetzung, um den absoluten Spitzenplatz der Schweizer Life-Sciences-Wirtschaft zu stärken und weiter auszubauen”, hielt Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss, fest. “Es besteht viel Nachholbedarf für die Schweiz in diesem Bereich und BaseLaunch ist ein strategisches Verbindungsstück, um diese Lücke zu schliessen.” “Die Erfahrung von BaselArea.swiss im Vernetzen von Innovatoren und in der Förderung von Unternehmern erlaubt es BaseLaunch, sich spezifisch auf die Bedürfnisse von Healthcare-Startups zu konzentrieren. Gleichzeitig bereichert BaselArea.swiss auf diesem Weg die herausragende Innovationslandschaft der Schweiz, besonders im Gebiet der Life-Sciences”, bemerkte Dr. Christof Klöpper, CEO von BaselArea.swiss. BaseLaunch ist das designierte Healthcare-Programm im Rahmen des Kickstart Accelerator von digitalswitzerland und pflegt Partnerschaften mit weiteren etablierten öffentlichen sowie privatwirtschaftlichen Organisationen. Es ist somit eng an wichtigen nationalen und regionalen Initiativen ausgerichtet. Bereits heute geniesst BaseLaunch die Unterstützung weltweit tätiger bio-pharmazeutischer Unternehmen und Innovationsführer wie Novartis Venture Fund, Johnson & Johnson Innovation und Pfizer. Als Healthcare-Partner bringen sie sich in BaseLaunch ein, um bahnbrechende und förderungswürdige Innovationen zu finden, die dringenden medizinischen Herausforderungen begegnen. „BaseLaunch will die besten Innovatoren im Healthcare-Bereich unterstützen, indem es ihnen direkten Zugang zu gründerfreundlichen Geldmitteln, Knowhow, Branchenkontakten und einer hochmodernen Infrastruktur verschafft. Wir möchten die Startups individuell anleiten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, vollends in der Life-Sciences-Wertschöpfungskette aufzugehen“, erklärte Alethia de Léon, CEO von BaseLaunch.

Ein Programmzyklus erstreckt sich über zwei Phasen und insgesamt 15 Monate. In der ersten Phase, die drei Monate dauert, arbeiten die Firmengründer eng mit dem Team von BaseLaunch und einem Netzwerk erfahrener Unternehmer und Berater an der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee. Die finanziellen Beiträge von BaseLaunch hierfür reichen bis 10 000 Franken pro Projekt. Bis zu drei Startups werden für die zweite Phase ausgewählt und erhalten dort die Chance, in den Labors des Switzerland Innovation Park Basel Area innerhalb eines Jahres Forschungsdaten zu generieren und Meilensteine ihres Businessplans zu erreichen. Hierfür werden ihnen bis zu 250 000 Franken an Fördergeldern zugesprochen.

Bewerbungen für den ersten Zyklus des Programms nimmt BaseLaunch bis zum 30. Juni 2017 entgegen. Weitere Programmzyklen beginnen in der zweiten Hälfte 2018 und 2019. Ein Auswahlkomitee bestehend aus Branchenexperten wählt unter den Bewerbern die Startups aus, die in das Programm aufgenommen werden.

 

Statements der Healthcare-Partner von BaseLaunch

Richard Mason, Head, Johnson & Johnson London Innovation Centre:
„Dieses Programm stellt ausgewählten Startups Fördergelder und Laborplätze zur Verfügung, ohne eine Beteiligung am Firmenerfolg als Gegenleistung zu fordern. Dies macht deutlich: Wir wollen hier für Startups eine optimale Umgebung schaffen, die sich darauf konzentriert, bahnbrechende Wissenschaftsleistungen und grossartige Ideen im Schweizer Kontext zu unterstützen.“

Dr. Anja König, Managing Director, Novartis Venture Fund:
„Wir helfen gerne dabei, der Anziehungskraft der Region Basel für europäische Healthcare-Jungunternehmen weitere Energie zuzuführen, indem wir Startups die Unterstützung zukommen lassen, die sie zur Beschleunigung ihrer Entwicklung benötigen.“

Uwe Schoenbeck, Chief Scientific Officer, External Research and Development Innovation & Senior Vice President, Worldwide Research and Development, Pfizer:
„Durch Pfizers Unterstützung von BaseLaunch hoffen wir, das Tempo zu beschleunigen, in dem verheissungsvollen wissenschaftlichen Errungenschaften in potenzielle Arzneimittel umgewandelt werden.“

 

>>> More Information

report Life Sciences

Roche forscht an neuem Krebstest

22.03.2017

report Life Sciences

PIQUR Therapeutics verstärkt Führungsmannschaft

21.03.2017

report BaselArea.swiss

“Basel is well positioned”

09.02.2017

‘Uberfication’ will change marketing and sales in the pharmaceutical sector, says Patrik Frei. This is already seen at healthcare companies, where digitalisation is making inroads. Business angels and family offices are paying an increasingly larger role in awarding venture capital, according to the CEO of Venture Valuation. Venture capitalists are coming aboard only later.

What does Venture Valuation do?

Patrik Frei: We conduct independent assessments of companies in the life sciences sector. Our clients are looking either for capital or investments. We then try to determine a fair value and indicate a range. The price is then, of course, a matter of negotiation.

How do you rate Johnson & Johnson’s acquisition of Actelion – well negotiated or a fair value?

Actelion was already a success story before hand, one of the few biotech companies to have organised its own sale. The commercial part will now be split off while the research and innovation will remain in Switzerland. Generally speaking, this is a highly successful exit and sends an important signal to Basel as a centre of life sciences – irrespective of the fact that additional capital is again flowing into the industry.  

Is it possible to observe a consolidation process, one that could also have undesired effects?

No. While there is a concentration of large pharmaceutical companies at the top, this also creates opportunities for new companies. Start-ups have the advantage that they are faster and more agile. Some of them are acquiring others and becoming medium-sized companies. An example of this is Shire. Others are being acquired by the bigger companies, which in turn feeds new capital into the sector. I think that this innovation ecosystem is fundamentally healthy.

The US seem to profit more than Europe or Switzerland. Is there far more venture capital there?

There is four times as much venture capital in the US than in Europe, it’s true. But the number of companies is similar. In Europe, smaller amounts are usually invested and start-ups have to survive more financing rounds, while in the US extremely high amounts are committed in one go. Incidentally, investors in Asia are far more cautious than in Europe. It should also be noted that the investor landscape is changing in Europe. There are less and less traditional venture capitalists, while corporate venture funds, family offices and business angels are gaining in importance. These are often people who have made their own wealth in the sector. But this doesn’t mean that it has become easier for companies looking for capital; private investors are not only more cautious than venture capitalists, they also tend not to operate openly.

In addition, many institutional Europe investors prefer to give their money to large American venture capitalists, which are more visible and have been more successful in the past. Overall it can be seen that venture capitalists are coming on board later, creating a gap in expansion financing, especially in Europe. 

You had the opportunity to moderate an event in January about the future of the pharmaceutical industry at the JPMorgan Healthcare Conference. What came out of it?

One of the main themes was the ‘uberfication’ of the healthcare sector. Today, marketing and sales are firmly in the hands of the big pharmaceutical companies, but this could be challenged in the future by IT companies. We still don’t know how this will look like exactly, but it’s clear that new distribution channels will become possible through digitalisation.

But regulations could also slow this down.

Patients are increasingly informing themselves over the internet, and there are more and more digital diagnostic tools. Over a longer period of time, there could be some development there. But there’s no doubt that this also certainly depends on regulations.

How important is the choice of location for life sciences companies today?

We also discussed this in San Francisco. The trend is towards multiple sites - a presence in the US, development in China or even now in India, headquarters in Switzerland. Smaller biotech companies are also addressing such issues.

Where does Switzerland stand?

Switzerland and Basel are very well positioned. With the two large pharmaceutical companies, the location has widespread visibility. Many people in the sector are familiar with Basel and Switzerland from their own experience and invariably have very positive memories. But the fact is that you cannot simply rely on the past. You also have to actively shape your future.  

And what will this entail?

The keyword is digitalisation and personalised medicine or precision medicine. The trend is that markets will ultimately split off and become smaller. So you will need more products. This is also the reason for consolidation.

Will costs go up when markets become smaller through personalisation?

On the one hand, costs for medicines are rising. On the other hand, fewer medicines have to be tested until something works if they are personalised and actually work. This reduces costs. The likelihood of success of clinical trials also increases when resources are more strongly oriented towards specific groups. We can hope that costs will even fall thanks to personalisation.

Does digitalisation also open up the field for newcomers, particularly from the IT sector?

Definitely. We are noticing this trend very strongly and are increasingly conducting assessments of health tech companies. Health tech is interesting for investors because products are brought faster onto the market and the investments are smaller. This is a challenge for pharmaceutical companies since such health tech companies will be used as the first digital sales channels.

Are we prepared for this in Switzerland?

Switzerland has strong IT companies and even stronger pharmaceutical companies. The potential exists. But you have to better connect both sides, whether in research through an appropriate institution, through events or even a new association. But I am very confident that we will set the right course here.


Biography

Patrik Frei founded Venture Valuation in 1999. The Zurich-based company specialises in conducting independent assessments of start-up companies. Patrik Frei studied business administration at the University of St.Gallen and graduated from the Federal Institute of Technology in Lausanne.

>>> More Information

report ICT

Autonomes Fahren wird auf CeBIT präsentiert

20.03.2017

report Life Sciences

Actelion-Abspaltung wird Idorsia getauft

16.03.2017

report BaselArea.swiss

Bloggen, twittern, sharen und liken: BaselArea.swiss goes Social Media

09.02.2017

BaselArea.swiss hat einen neuen Social Media-Auftritt. Im Zentrum steht der Innovation Report, der als Blog regelmässig über wichtige Themen aus unseren Service-Bereichen und Technologiefeldern informiert sowie wichtige Informationen für die Innovationslandschaft Nordwestschweiz liefert. Der Innovation Report bietet die Möglichkeit, Neuigkeiten zu filtern, zu teilen und zu kommentieren.

BaselArea.swiss auf LinkedIn
Auf LinkedIn sind wir nicht nur mit einer allgemeinen Firmenseite präsent, sondern wir haben auch vier sogenannte Fokusseiten zu unseren Servicebereichen Invest in Basel Region, Connecting Innovators, Supporting Entrepreneurs und Accessing China. Diese werden von unseren Experten betreut und eröffnen einen breiteren Blick auf die Aktivitäten und Geschehnisse innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz. Wir freuen uns über Follower – auch auf der generellen Firmenseite, die in erster Linie Events oder regionale Neuigkeiten verbreitet.

Noch mehr Interaktion sowie aktuelle Informationen aus den Innovationsbereichen versprechen unsere LinkedIn-Gruppen Life Sciences by BaselArea.swiss, Medtech by BaselArea.swiss, Micro, Nano & Materials by BaselArea.swiss sowie Production Technologies by BaselArea.swiss, die durch die jeweiligen Technologiefeldmanager betreut werden. Sie halten Interessierte über die neuesten Entwicklungen in den Technologien innerhalb und ausserhalb der Nordwestschweiz auf dem Laufenden.

Spezialgruppen auf LinkedIn
Ausserdem betreibt BaselArea.swiss drei weitere LinkedIn-Gruppen: 3D Printing Schweiz, Entrepreneurs in Northwestern Switzerland und Precision Medicine Group Basel Area. In der Precision Medicine-Gruppe bilden Industrie-Experten von Novartis, Actelion und Roche gemeinsam mit BaselArea.swiss eine offene und hochspezialisierte Gemeinschaft von Experten, Forschern und Unternehmern. Ziel ist es, aus der wachsenden Digitalisierung neue Chancen und Möglichkeiten für die Life Sciences- und Healthcare-Industrie zu entwickeln.

Die 3D-Printing-Gruppe möchte die rapide Entwicklung der Technologie weltweit dokumentieren und Interessierte dazu einladen, ihre Gedanken und Kommentare zu teilen. Mit der Entrepreneurs-Gruppe sprechen wir sowohl Personen an, die bereits von unseren Services profitiert haben, als auch Investoren, erfahrene Unternehmer oder KMUs, die erfahren möchten, was Jungunternehmer in der Region benötigen und was sie bewegt.

BaselArea.swiss auch auf Twitter und Xing
@BaselAreaSwiss zwitschert auf Twitter. Ob Veranstaltungshinweise, neueste Nachrichten, Hinweise auf interessante Neuigkeiten von Partnern oder auch einfach mal eine Schmunzelstory: BaselArea.swiss hält Sie hier mit eigenen Beiträgen, Retweets und Favoriten auf dem Laufenden.

Auch auf Xing ist BaselArea.swiss mit einer Firmenseite vertreten. Hier informieren wir regelmässig über spannende Events oder thematisch breiter gefasste Neuigkeiten aus der Region Nordwestschweiz.

Finden Sie uns auf den Social Media-Kanälen und treten Sie mit uns in Kontakt!
Wir freuen uns über einen regen Austausch und hoffen, zahlreiche neue Follower zu finden.

Link-Liste

Innovation Report: Link
Twitter: Link
Xing: Link
LinkedIn BaselArea.swiss
Firmenseite:

Link                                                          

LinkedIn Fokusseiten: Invest in Basel Region
Connecting Innovators
Supporting Entrepreneurs
Accessing China
LinkedIn Technologie-Gruppen: Life Sciences by BaselArea.swiss
Medtech by BaselArea.swiss
Micro, Nano & Materials by BaselArea.swiss
Production Technologies by BaselArea.swiss
Andere LinkedIn-Gruppen:

3D Printing Schweiz
Entrepreneurs in Northwestern Switzerland
Precision Medicine Group Basel Area

 

Artikel von Nadine Nikulski, BaselArea.swiss 

>>> More Information

report Life Sciences

Evolva sichert sich Eigenkapital auf Abruf

15.03.2017

report Life Sciences

BioVersys holt neuen Partner an Bord

15.03.2017

report BaselArea.swiss

Basler Initiative fördert Life-Science-Jungunternehmen

01.02.2017

Die vom Standortförderer BaselArea.swiss initiierte und durchgeführte Accelerator-Initiative BaseLaunch ist neuer Partner des Förderprogramms für Jungunternehmen Kickstart. Dadurch werden im zweiten Programm von Kickstart auch Life-Science-Start-ups gefördert.

BaseLaunch wird am 22. Februar lanciert, wie BaselArea.swiss in einer Ankündigung bekanntmacht. Die Initiative will die nächste Generation von Life-Science-Unternehmen in der Region Basel hervorbringen. Dazu dient auch die Zusammenarbeit mit Kickstart, einem der grössten firmenübergreifenden Förderprogramme für Jungunternehmen in Europa und der wichtigsten Initiative von digitalswitzerland. Kickstart startet nun sein zweites Programm.

„Mit der zweiten Edition in Zürich und Ausweitung nach Basel erreicht digitalswitzerland ein wichtiges Etappenziel: die Durchführung des grössten europäischen Start-up-Accelerators“, wird Nicolas Bürer, Managing Director bei digitalswitzerland, in einer Medienmitteilung von digitalswitzerland und Kickstart zitiert. In Basel, „dem Life Sciences Hotspot der Schweiz“, könne somit „bisher unentdecktes Innovationspotenzial erschlossen werden“, heisst es ergänzend in der Mitteilung.

Für den Kickstart Accelerator werden maximal 30 Jungunternehmen ausgewählt, die ihre Ideen in einem elfwöchigen Programm im Impact Hub Zürich weiterentwickeln können. Neben den Life Sciences werden die Start-ups aus den Branchen Nahrungsmittel, Finanztechnologie, intelligente Städte und Robotersysteme kommen. Die Start-ups werden dabei von hochkarätigen Mentoren und Partnerfirmen unterstützt. Sie können bis zu 25.000 Franken gewinnen und erhalten monatliche Stipendien. „Durch die Zusammenarbeit mit Grossunternehmen profitieren die Jungunternehmer vom Know-how der Grossfirmen, dem Zugang zu einem grossen Kundennetzwerk und der Möglichkeit gemeinsamer Produktentwicklungen“, heisst es von Carola Wahl, Head of Transformation & Market Management bei AXA Winterthur, einer der Partnerfirmen.

Interessierte Jungunternehmen können sich bei Kickstart Accelerator bewerben.

 

>>> More Information

report Micro, Nano & Materials

Non-dilutive Funding: Event gibt Überblick über Fördertöpfe

15.03.2017

report Supporting Entrepreneurs

Starthilfe für Innovatoren von morgen

15.03.2017

report BaselArea.swiss

In Basel ensteht ein Innovationshub für Precision Medicine

24.01.2017

Eine von BaselArea.swiss initierte Interessensgruppe von Healthcare-Experten aus der Life Science Industrie und der Forschung lanciert in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt DayOne.

Am Montag, 16. Januar 2017, fanden sich Entscheidungsträger aus Industrie, Universität und Gesundheitswesen auf Einladung von Christoph Brutschin im Basler Volkshaus ein, um der Lancierung von Day One - the innovation Hub for Precision Medicine - beizuwohnen. Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements des Kanton Basel-Stadt machte in seinem Eröffnungsstatement klar, worum es bei der von der Innovation und Standortförderung BaselArea.swiss zusammen mit einem Core Team von Industrieexperten aufgesetzten Initiative geht, nämlich um die nächste Entwicklungsstufe in den Life Sciences, in der sich der Standort Basel weiterhin behaupt soll. Dass die zunehmende Digitalisierung in der Healthcare Industrie nicht nur für Disruptionen sorgen wird, sondern eben auch ein grosses Potenzial birgt, sofern die richtigen Weichen gestellt werden, war dann auch das Leitthema des Abends.

Die Einführung in das Thema kam von Peter Groenen, Head of Translational Science bei Actelion und gemeinsam mit anderen Industrieexperten einer der Initiatoren von Day One. Groenen führte auf, weshalb das lineare Innovationsparadigma, bei dem meist erst spät im Prozess auf klinische Relevanz getestet wird, in Bezug auf Precision Medicine zwangsläufig oft im berühmt-berüchtigten „Valley of Death“ endet. Der Patient, so Groenen, müsse mehr ins Zentrum der Forschung und Entwicklung rücken, und bei sämtlichen Interaktionen mit einbezogen werden. Groenen schloss seinen Beitrag mit der Feststellung, dass in der Region Basel eigentlich sämtliche Komponenten vorhanden seien, um ein neuartiges Innovationsökosystem aufzubauen, bei dem die verschiedenen Kompetenzen und Disziplinen einander nicht nachgelagert sind sondern sich in steter Kollaboration zuarbeiten.

Genau dies ist denn auch Haupttreiber der Initiative DayOne. In der Folge wurden drei Projekte vorgestellt, welche derzeit in der Region Basel umgesetzt werden und durch den Innovation Hub in Precision Medicine zusätzlichen Schub erfahren dürften. Torsten Schwede von der Universität Basel und dem SIB Swiss Institute of Bioinformatics berichtet über das Data Coordination Centre des Swiss Personalized Health Network (SPHN), welche zum Ziel hat, Gesundheitsdaten in der Schweiz  interoperabel und für Forschungszwecke zugänglich zu machen. Christof Kloepper, Managing Director von BaselArea.swiss, stellte BaseLaunch vor. Der Accelerator für Healthcare Ventures wird offiziell Ende Februar lanciert. Laurenz Baltzer von Karger, präsentierte ein ambitioniertes wissenschaftliches Publikationsprojekt zum Thema Digital Biomarkers.

Im Anschluss daran war es an Frank Kumli von Ernst & Young und Mitinitiant von DayOne zu zeigen, was der Hub beinhaltet und wie sich dieser in die Innovationslandschaft der Region einfügt sowie zusätzlich unterstützt.

>>> More Information

report Micro, Nano & Materials

Endress+Hauser übernimmt innovativen Nischenanbieter

15.03.2017

report BaselArea.swiss

BaseLaunch will die besten Healthcare-Startups nach Basel holen

15.03.2017

report Invest in Basel region

Roivant Sciences gründet Hauptsitz in Basel

19.12.2016

Basel - Das Biopharmazie-Unternehmen Roivant Sciences wird zukünftig weltweit von Basel als neuem Hauptsitz aus operieren. Gleichzeitig ziehen auch Partnerunternehmen nach Basel. Roivant und seine Partnerunternehmen wurden von BaselArea.swiss unterstützt.

BaselArea.swiss hat Roivant und seine Partnerunternehmen bei der Standortevaluierung und Ansiedlung unterstützt. Die Standortpromotionsorganisation der Nordwestschweiz begrüsst die neuen Unternehmen in der Region. Sie freut sich, dass solche spannenden und schnell wachsenden Firmen Basel für ihren Hauptsitz gewählt haben. „Die Zielsetzung von Roivant besteht darin, bei der Entwicklung neuer Medikamente für Patienten Zeit und Kosten zu reduzieren“, wird Vivek Ramaswamy, Gründer der Firmengruppe Roivant, in der Ankündigung zur Etablierung des neuen Hauptsitzes zitiert. „Wir sind der Überzeugung, dass dieser Standort im Zentrum der Talente und Pharmainnovationen Europas zu diesem Ziel beiträgt.“ Roivant Sciences hat sich auf den Abschluss der Spätphase der Entwicklung von Medikamenten spezialisiert. Dazu arbeitet Roviant unter anderem mit Eisai, GlaxoSmithKline und Takeda Pharmaceuticals zusammen. Zu den Interessensbereichen von Roivant zählen Neurologie, Onkologie, Endokrinologie, Dermatologie und Hepatologie.

Gleichzeitig mit Roivant planen auch Partnerunternehmen, ihren Hauptsitz nach Basel zu verlegen. In der Mitteilung wird darunter die Axovant Sciences Ltd. genannt. Das Biopharmazie-Unternehmen ist auf die klinische Phase bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Demenzkrankheiten spezialisiert. Das Unternehmen beabsichtige, in Basel „eine vollständig integrierte Organisation aufzubauen, welche weltweit wirtschaftliche und medizinische Strategien, Herstellung und Lieferkette, geistiges Eigentum und weitere Firmenfunktionen verwaltet“, wird Mark Altmeyer, Präsident und Chief Commercial Officer von Axovant Sciences, in der Mitteilung zitiert. „Unsere Präsenz in Basel bedeutet den Zugang zu einem erstklassigen Talentpool, der für unseren weiteren Erfolg entscheidend sein wird.“ hs

>>> More Information

report Medtech

Straumann erweitert Angebot

10.03.2017

report Life Sciences

Evolva erhält Meilensteinzahlung

09.03.2017

report Life Sciences

„Die Region Basel sollte nicht einfach Teil des Wandels sein, sondern den Wandel mitgestal...

07.12.2016

Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz, berät Jungunternehmen in den Life Sciences und betätigte sich selbst als Start-up-Gründer.

In unserem Interview erläutert er, wie sich die HLS FHNW weiterentwickeln möchte, warum die enge Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg so wichtig ist und welche Zukunft er für das Gesundheitswesen sieht.

Sie kommen aus der Industrie und waren bisher auch schon in Start-ups engagiert. Ist es nicht untypisch, jetzt im akademischen Bereich zu arbeiten?
Falko Schlottig*: Wenn es untypisch wäre, würden wir als Fachhochschule etwas falsch machen. Die Mitarbeitenden an der Hochschule für Life Sciences FHNW kommen zu grossen Teilen aus der Industrie. Das ist wichtig, weil wir sonst nicht berufsbefähigend ausbilden könnten und weil wir über dieses Netzwerk die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung vorwärtstreiben können. Mit unserem Wissen und Knowhow können wir signifikant zu Produktentwicklungen und Innovationsprozessen beitragen.

Grenzt sich die FHNW so von der Grundlagenforschung ab, welche an den Universitäten betrieben wird?
Es geht hier nicht um eine politische Abgrenzung, sondern um eine fachliche Differenzierung. Als Fachhochschule sind wir technologie-, entwicklungs- und produktorientiert. Die Universitäten und die ETH orientieren sich in Richtung Grundlagenforschung. Zusammen ergibt sich eine einmalige Wertschöpfungskette, die über den Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz hinausgeht. Dies setzt voraus, dass man gut zusammenarbeitet. Auf Ebene unserer Dozierenden und Forschenden funktioniert diese Zusammenarbeit hervorragend, beispielsweise durch den Austausch von Vorlesungen und durch zahlreiche gemeinsame Projekte. Andererseits gibt es noch viel Potential in der Zusammenarbeit, um den Life Sciences-Cluster weiter zu stärken, beispielsweise in der technologieorientierten Ausbildung oder im Bereich Personalized Health.

„Potential“ bedeutet Anerkennung? Oder geht es um Fördergelder?
Weder noch! Die Differenzierung zwischen angewandter Forschung und Grundlagenforschung darf nicht verwaschen werden – auch aus Sicht der Studierenden nicht. Ein Personalverantwortlicher muss wissen, ob der Bewerber eine praxisorientierte Ausbildung hat oder erst in ein Trainee-Programm gehen muss. Es geht darum, im Sinne unserer Region in technologiegetriebenen Gebieten zielführend und noch besser zusammen zu spannen als heute.

Gibt es denn genügend Studenten? Es heisst oft, es gebe zu wenig Naturwissenschaftler?
Unsere Studierendenzahlen steigen im Moment leicht, wir würden aber gerne noch etwas mehr wachsen. Aber im Vordergrund steht die Qualität der Ausbildung, nicht die Quantität. Wichtig für unsere Studierenden ist, dass sie weiterhin ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Allerdings spüren wir wie alle Einrichtungen das derzeit mangelnde Interesse an den Naturwissenschaften. Daher engagieren wir uns als FHNW in allen Bildungsbereichen für die Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - kurz MINT.

Sie leiten nun die Hochschule für Life Sciences FHNW seit etwas mehr als einem Jahr. Welche Pläne haben Sie?
Wir wollen weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil des Life Sciences-Clusters Nordwestschweiz sein. Zudem möchten wir weiterhin qualitativ so gut ausbilden, dass unsere Studierenden nach Abschluss zu 98 Prozent eine Stelle finden. Konkret heisst das für uns, dass wir die Lehre inhaltlich, didaktisch und strukturell ständig weiterentwickeln und mit Augenmass den Entwicklungen des industriellen Umfeldes und der Individualisierung folgen. In diesem Zusammenhang haben wir für unseren Fachbeirat Vertreter aus dem strategischen Management von Unternehmen des industriellen Umfelds und aus Institutionen des Gesundheits- und Umweltbereiches für eine Mitarbeit gewinnen können.
In der Forschung werden wir uns in Zukunft basierend auf unseren disziplinären Stärken und Fähigkeiten um Technologien organisieren und noch ausgeprägter interdisziplinär arbeiten. Es kommt uns entgegen, dass wir im Herbst 2018 in einen Neubau umziehen dürfen und aus zwei Standorten einen machen können. Inhaltlich werden wir das Thema „digitale Transformation“ viel stärker als heute schon als Querschnittsdisziplin in Lehre und Forschung etablieren. Schliesslich sollten wir nicht einfach Teil dieses Wandels sein, sondern ihn mitgestalten.

Stichwort „digitale Transformation“: Informatik wird auch für die Naturwissenschaften immer wichtiger. Wird die FHNW vermehrt Informatiker ausbilden?
Hier an der HLS setzen wir erfolgreich auf Medizininformatik, die Fachhochschule bildet in Brugg Informatiker und in Basel Wirtschaftsinformatiker aus. Wir müssen uns aber auch fragen, was künftig ein Chemiker, der die HLS FHNW besucht hat, an erweiterten Informatikkenntnissen mitbringen sollte – zum Beispiel in Data Sciences. Dasselbe gilt für unsere Bioanalytiker, Pharmatechnologen oder Verfahrens- und Umwelttechniker. Dennoch muss die Naturwissenschaft die Basis bleiben, angereichert mit einem ausgeprägten Verständnis für Daten und die zugehörigen Prozesse. Umgekehrt muss sich auch ein Informatiker, der bei uns an der HLS studiert, mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Dieses Wissen ist zwingend nötig, wenn man im Life Sciences-Bereich der Region eine Stelle finden möchte.

Schweizweit – aber auch speziell in der Region Basel – ist viel Knowhow in Bioinformatik vorhanden. In der Aussenwahrnehmung gilt die Region allerdings nicht als IT-Standort. Müsste man da nicht Gegensteuer geben?
Tatsächlich haben wir im Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz Nachholbedarf. Die wichtigen Fragen sind, welche Schwerpunkte man setzt und wie man diese verküpft. Ist es Data Mining – was für die Universität Basel und das Universitätsspital wichtig ist? Oder ist es die Verknüpfung von Patientendaten mit verschiedensten Datenbanken, um beispielsweise die Kosteneffizienz in Spitälern zu steigern? Oder liegt die Zukunft in Data Sciences und Datenvisualisierung, um Planungen und Entscheidungen zu vereinfachen und zu unterstützen, was wir unter anderem an der HLS bereits machen? Die zentrale Frage ist, aufgrund welcher Daten in Zukunft im Gesundheitsbereich Entscheidungen getroffen werden. Hier geht es auch um die Frage, wem die Daten gehören und wie sowie durch wen diese genutzt werden dürfen. Dies ist eine der Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle. Da wir angewandt forschen, sind diese Themen für uns genauso wichtig wie für die Industrie. Diese extrem spannende Diskussion wird uns die nächsten Jahre begleiten.

Die HLS FHNW hat sehr unterschiedliche Bereiche wie Chemie, Umwelttechnologie, Nanowissenschaften oder Data Visualisation – wie passt das zusammen?
Diese Bereiche sind nur auf den ersten Blick unterschiedlich – ihre Basis ist immer die Naturwissenschaft – häufig in Verbindung mit den Ingenieurwissenschaften. Unsere Fachdisziplinen werden spätestens mit dem Zusammenzug 2018 noch besser gebündelt. Das sieht man heute schon beispielsweise in der Umwelttechnik: Auf den ersten Blick fragt man sich, was sie mit Bioanalytik, Nanowissenschaften oder Informatik zu tun hat. Aber die HLS FHNW ist stark im Bereich der Wasser- und Bioanalytik, und eines der grössten Probleme momentan ist die Antibiotikaresistenz. Um hier Lösungen zu finden, braucht man Wissen aus der Chemie, der Biologie, der Analytik, der Informatik und verfahrenstechnisches Knowhow. Ab 2018/19 werden wir im Neubau über ein einmaliges Prozess- und Technologiezentrum verfügen, in welchem wir alle Prozessketten darstellen können, welche die Life Sciences-Industrie heute und in Zukunft bewegt – beginnend bei Chemie, über Pharmatechnologie und Umwelttechnologie bis zur Biotechnologie inklusive Analytik und Automatisierung.

Sie waren und sind an Start-ups beteiligt. Sollen Neugründungen aus der HLS FHNW künftig gefördert werden?
Im Grunde sind wir heute nicht schlecht unterwegs, wenn man die Anzahl der Studierenden und Mitarbeitenden mit der Anzahl Start-ups vergleicht. Aber tatsächlich möchten wir Neugründungen verstärken, bei uns entstehen Start-ups eher aus den Ideen der Mitarbeitenden heraus. Unsere Bachelor-Studierenden haben kaum Zeit, sich einer Unternehmensgründung zu widmen. Andererseits ist an der HLS FHNW unternehmerisches Denken und Handeln Teil der Ausbildung. Schliesslich sollen unsere Studierenden auch ihr Verständnis für die Funktionsweise einer Firma weiterentwickeln. Ein zweiter Aspekt ist unternehmerisches Denken in Bezug auf eine Unternehmensgründung. Die Gründung eines Start-ups verlangt Flexibilität und Offenheit von unserer Seite: Wie gehen wir mit einer Patentanmeldung um? Wem gehört sie? Wie gestalten sich Lizenzzahlungen? Unsere Mitarbeitenden haben die Freiheit, eigene Projekte anzupacken. Unsere Aufgabe ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu definieren. Schon heute bieten wir die Möglichkeit, dass ein Start-up in unseren Räumlichkeiten bleibt und sie weiter nutzen darf. Im Neubau haben wir dafür extra Platz reserviert. Zudem nutzen wir alle Möglichkeiten, welche der Life Sciences-Cluster Nordwestschweiz heute bietet. Das sind zum Beispiel die Life Sciences-Start-up-Agentur EVA, der Incubator, die Swiss Biotech, Swissbiolabs, der Switzerland Innovation Park Basel Area, BaselArea.swiss oder auch die Venture Capitalists, um nur einige zu nennen. Wir sind gut vernetzt und versuchen auch hier einen Beitrag zur Entwicklung unserer Region zu leisten

Warum ist es Ihrer Meinung nach in der Schweiz offenbar so schwierig, ein Start-up erfolgreich aufzubauen?
In der Nordwestschweiz gibt es zwei Punkte, die hineinspielen: Durch eine sehr erfolgreiche mittelständische und grosse Life Sciences-Industrie ist die Hürde, sich selbständig zu machen, viel höher. Wenn man ein Start-up gründet, verzichtet man auf einen gutbezahlten und sicheren Job und setzt sich möglichen finanziellen Risiken aus, die mit der Gründung verbunden sind. Die zweite grosse Hürde ist die Finanzierung, insbesondere die Überwindung des sogenannten „Valley of Death“. Es ist im Vergleich zum zweiten Schritt einfach, Gründungskapital zu erhalten. Das Durchhalten bis zur Marktreife bei einem Kapitalbedarf zwischen einer und fünf Millionen Franken, ist sehr schwierig.

Das soll sich mit dem Zukunftsfonds ändern.
Es wäre natürlich super, wenn es einen solchen Zukunftsfonds geben würde, um Tickets zwischen einer und zwei Millionen Franken zu lösen. So wären Start-up-Projekte für zwei oder drei Jahre finanziert. In diesem Zusammenhang ist es extrem spannend, anspruchsvoll und bewegend die ganze Wertschöpfungskette von der Forschung bis zum Produkt in der Anwendung zu sehen, die Netzwerke zu kennen und uns einbringen zu dürfen. Heute ist dies fast nur noch bei einem Start-up oder einem kleinen Mittelständler möglich. Am Ende muss sich aber jeder potentielle Gründer entscheiden, ob er lieber Rad oder Rädchen sein möchte.

Wird der Gesundheitsbereich in fünf oder zehn Jahren dramatisch anders aussehen?
Prognosen sind immer schwierig und häufig falsch. Die grossen Player werden wahrscheinlich abwarten und beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Das Gesundheitswesen wird in fünf bis zehn Jahren möglicherweise anders aussehen, jedoch nicht disruptiv anders. Wir werden neue Geschäftsmodelle erleben, Versicherungen werden versuchen, neue Wege zu gehen. Dies kann zu Verschiebungen führen. Wir erleben momentan den Wechsel vom Patienten zum Konsumenten. Produktseitig ist der Sektor extrem reguliert, neue innovative Produkt auf den Markt zu bringen, ist daher nicht einfach. Viele Regulierungen sind aus meiner Sicht innovationshemmend und führen nicht immer zu einer höheren Sicherheit für den Patienten, was sie eigentlich sollten.

Wie könnte dieser Wandel angestossen werden?
Ich glaube, wir als Fachhochschule Nordwestschweiz können hier einen grossen Beitrag leisten. Beispielsweise arbeiten wir basierend auf unseren disziplinären Kompetenzen innerhalb von strategischen Initiativen an Fragestellungen aus der Gesellschaft und der Wirtschaft interdisziplinär und hochschulübergreifend zusammen. So versuchen wir, einen Teil zur Lösung oder der Antwort beizutragen. Die Schweiz und besonders unsere Region haben in dieser gebündelten Zusammenarbeit ein sehr grosses Potenzial. Dies gilt es nun zu schöpfen.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Prof. Dr. Falko Schlottig ist Direktor der Hochschule für Life Sciences (HLS) FHNW in Muttenz. Er verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Forschung und Produktentwicklung und hatte diverse Management-Positionen in international tätigen, führenden Medizin-Produkt-Firmen inne. Falko Schlottig hat zudem ein Start-up der Biotechnologie- und Medizin-Produkt-Branche mitbegründet.

Er studierte Chemie und Analytische Chemie und verfügt über einen EMBA der Universität St. Gallen.

 

>>> More Information

report Life Sciences

Roche führt bei Patentanmeldungen

08.03.2017

report Life Sciences

Clinerion setzt Expansion fort

07.03.2017

report ICT

Dr. med. App – Digitale Transformation in den Life Sciences

30.11.2016

Die Zukunft gehört den datengetriebenen Therapieformen. Der Standort Basel nimmt die Herausforderung an und investiert in die sogenannte Precision Medicine.
Ein Text von Fabian Streiff* und Thomas Brenzikofer, erstmals erschienen am Freitag, 14. Oktober 2016 in der NZZ Verlagsbeilage „Swiss Innovation Forum“

Nun also auch die Life Sciences: Google, Apple und andere Technologie-Giganten haben den Gesundheitsmarkt entdeckt und bringen neben ihrer IT-Expertise viele Milliarden an Risikokapital mit. Völlig neue, datengetriebene und personalisierte Therapieformen – in einem Wort: Precision Medicine oder kurz PM – versprechen den Gesundheitssektor auf den Kopf zu stellen. Und wo es Veränderung gibt, da gibt es viel zu gewinnen. Zumindest aus Sicht der Investoren.

Anders sieht dies aus Sicht von Big Pharma aus. Für sie steht einiges auf dem Spiel. Gemäss Frank Kumli von Ernst & Young sind die Eintrittshürden bisher relativ hoch: «Wir bewegen uns in einem stark regulierten Markt, da dauert es länger bis Innovationen aufgenommen und durchgesetzt werden können.» Aber auch Kumli ist überzeugt, dass die Richtung vorgegeben ist und die Digitalisierung voranschreitet. Doch sieht er mehr Chancen als Gefahren: Die Schweiz und insbesondere Basel sei hervorragend positioniert, hier eine führende Rolle zu übernehmen. Mit der Universität Basel, dem D-BSSE der ETH, der FHNW, dem FMI und dem Universitätsspital Basel verfüge der Standort über starke Forschungsakteure. Zudem wird die gesamte Wertschöpfungskette in der Region abgedeckt, von der Grundlagenforschung, angewandten Forschung und Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb bis hin zu den Regulatory Affairs sowie entsprechenden IT-Kompetenzen. Zu den wichtigsten Treibern der digitalen Transformation hin zur Precision Medicine gehören digitale Tools, die ein Echt- zeit-Monitoring von Patienten – sogenannte Feedback Loops – ermöglichen. Die Kombination solcher Daten mit Informationen aus klinischen Tests und Genanalysen sind der Schlüssel zu neuen biomedizinischen Erkenntnissen und damit zu Innovationen.

Landesweit einheitliche Datenorganisation
Ähnlich wie im 16. Jahrhundert die Erfindung des Mikroskops das Feld zur modernen Medizin eröffnete, werden Daten und Algorithmen die Basis liefern, den künftigen Patienten sehr viel präzisere und kostengünstigere medizinische Lösungen und Therapien anbieten zu können. Derzeit besteht die Krux jedoch noch darin, dass die Daten an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Formaten und meist in geschlossenen Systemen vorhanden sind. An diesem Punkt setzt das Projekt unter Leitung von Professor Torsten Schwede am Swiss Inrecistitute of Bioinformatics (SIB) an.

Im Rahmen der nationalen Initiative «Swiss Personalized Health Network» soll von der Leitungszentrale im Stücki Science Park Basel aus eine landesweit einheitliche Datenorganisation zwischen Universitätsspitälern und Hochschulen aufgebaut werden. Der Kanton Basel-Stadt hat eine Anschubfinanzierung für das Projekt bereits beschlossen. Durch die Standardisierung von Datenstrukturen, Semantik und Formaten zum Datenaustausch dürfte die klinische Forschung in der Schweiz – sowohl an Hochschulen sowie in der Industrie – deutlich an Qualität und Attraktivität gewinnen. An Interesse auf der Basis solcher klinischer Daten zu forschen und neue Geschäftsideen zu entwickeln, mangelt es nicht. Dieses zeigte sich anlässlich von Day One, einer von der Innovationsförderung und Standortpromotion BaselArea.swiss mitgetragenen und von der Precision Medicine Group Basel Area organisierten Workshop-Veranstaltung anlässlich der Basler Life Science Week.

Über 100 Experten fanden sich ein, um über zukünftige Geschäftsmodelle zu brüten. Insgesamt 14 Projekt- und Geschäftsideen wurden dabei näher in Betracht gezogen. Diese reichten von der Automatisierung der bildgestützten Diagnose über die Entwicklung von Sensoren in Wearables bis hin zu Smartphone-Apps zur besseren Involvierung von Patienten in den Therapieprozess.

Auch Big Pharma ist dabei
«Die Diversität der Projektideen war erstaunlich und zeigt, dass die Schweiz ein guter Nährboden sein kann für den nächsten Innovations- schritt in der Biomedizin», sagt Michael Rebhan von der Novartis und Founding-Mitglied der Precision Medicine Group Basel Area über- zeugt. Darauf will die Precision-Medicine-Initiative jetzt aufbauen: «Trotz der Innovations- kraft, die wir in den einzelnen Disziplinen sehen, kommt Precision Medicine insgesamt nur lang- sam voran. Die Fortschritte sind in ihrer Gesamtheit noch unzureichend, weshalb wir enger zusammenarbeiten und unsere Anstrengungen integrieren müssen. Es braucht deshalb eine Plattform, wo Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen», ist Peter Groenen von Actelion, ebenfalls Mitglied der Precision Medicine Group Basel, überzeugt.

Das Interesse der Industrievertreter an einem Open Innovation Hub mit einem Precision Medicine Lab als zentralem Bestandteil ist denn auch gross. Hier sollen die Projekte der Stake- holder in einem offenen und kollaborativen Umfeld vorangetrieben werden können. Darüber hinaus soll der Hub Talente und Projektideen von ausserhalb der Region Basel anziehen. Das neuartige Innovationsökosystem rund um Precision Medicine steht noch am Anfang. In einer Pilotphase sollen anhand erster konkreter Anwendungsfälle die Funktionen und Dimensionen des PM Hubs präzisiert werden, um danach die richtigen Partner für den Aufbau des gesamten Hubs zu identifizieren.

Die digitale Transformation voran mitgestalten
Die vielversprechendsten Projekte finden schliesslich Zugang zu einem Accelerator-Programm, wo sie weiter beschleunigt werden und in den bestehenden Innovationsinfrastrukturen wie Basel Inkubator, Technologiepark Basel oder Switzerland Innovation Park Basel Area zu einem Unternehmen reifen können.

Fazit: Die Region Basel schafft die Voraussetzungen, die digitale Transformation in den Life Sciences an vorderster Front mitzugestalten und damit diesen wichtigen Industriezweig für die Schweiz weiter auszubauen sowie für die Ansiedlung neuer Unternehmen attraktiv zu halten.

 

* Dr. Fabian Streiff leitet die Standortförderung des Kantons Basel-Stadt.

>>> More Information

report ICT

Losinger Marazzi baut Zusammenarbeit mit Allthings aus

06.03.2017

report Life Sciences

Myovant Sciences lanciert Phase-III-Studie

02.03.2017

report Production Technologies

„Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen erfolgreich zu sein“

02.11.2016

Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Schweiz AG, einem Anbieter für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation mit Sitz in Basel und fünf weiteren Standorten in der Schweiz.

In unserem Interview erzählt der gebürtige Belgier, was ihn in die Schweiz gebracht hat, welche Ziele Actemium Schweiz verfolgt und warum er glaubt, dass „Industrie 4.0“ zwar eine Revolution verursachen wird, von der Technologie her jedoch nur eine Evolution ist.

Ihre Geschichte klingt spannend: Sie sind Belgier, kamen 1991 für das Cern in die Schweiz und arbeiten nun als Geschäftsführer von Actemium Schweiz – wie kam es dazu?
Patrick Vergult*: 1991 kam ich durch einen Auftrag von ABB als Freelance Software-Ingenieur zum Cern in Genf. Dort habe ich Kryogenie-Anlagen programmiert, welche auf minus 269 Grad Celsius kühlen können. Mit diesen Anlagen werden die Magnete im langen Ring des Teilchenbeschleunigers gekühlt bis sie supraleitend werden. Diese Magnete, die so gross sind wie ein 10-stöckiges Hochhaus, detektieren die Teilchen, die durch den Zusammenprall der beschleunigten Positronen und Elektronen entstehen. Eigentlich wollte ich nach einem halben Jahr zurück nach Belgien, bin dann aber in der Schweiz geblieben und habe mein Netzwerk laufend ausgebaut. Ich war damals auch Mitbegründer der Firma Iproco in Belgien, Der Geschäftsgang hier in der Schweiz lief sehr gut und wir beschlossen deswegen im Jahr 1998, in der Schweiz eine Niederlassung der Iproco zu gründen. 2001 entstand daraus Else Automation. Actemium entstand 2013 durch die Fusion von Etavis Engineering, Controlmatic und unserer Firma, der Else Automation.

Was macht Actemium Schweiz genau?
Im Grunde ist Actemium eine produktneutrale Automationsfirma. Wir entwickeln selbst keine eigenen Produkte, sondern wir integrieren verschiedene Automations- und IT-Systeme für unsere Kunden. Kurz gesagt bieten wir mit unseren sechs Business Units Elektro-, Automatisierungs- und IT-Technik für die vernetzte Industrie- und Gebäudeautomation, sowie das übergeordnete Produktionsmanagement an. Unser Ziel ist es, von der Beratung, Planung und Umsetzung eines Projektes bis hin zur Wartung der Anlagen beim Kunden bleiben zu können. Schliesslich haben wir einen starken Bezug zu den Produkten, die wir einsetzen und kennen die Prozesse unsere Kunden gut.

Was reizt Sie an der Arbeit für Actemium?
Es motiviert mich, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen und gemeinsam erfolgreich zu sein. Actemium ermöglicht es Leuten wie mir, die sehr unternehmerisch geprägt sind, Unternehmer bleiben zu können, obwohl wir zum grossen Vinci-Konzern gehören. Actemium ist ein Netzwerk mit einer dezentralen Führungsstruktur. Das heisst, in diesem grossen Gebilde gibt es verschiedene kleine Unternehmen – sogenannte Business-Units –, die autonom und agil am Markt tätig sind. Alle unsere BUs sind stark segmentiert, damit es keinen Wettbewerb zwischen ihnen gibt.

Warum fiel die Wahl für den Hauptsitz auf Basel?
Die Firmen, aus denen 2013 Actemium Schweiz entstand, waren bereits in der Region. So kam 2013 schliesslich alles in Basel-Stadt zusammen. Ursprünglich waren wir eher Konkurrenten, was bedeutete, dass wir unsere Business Units gut segmentieren mussten. Für uns war und sind die Pharma- und Chemieindustrie eminent wichtig. Gerade die Pharmaindustrie investiert viel, der Standort Schweiz ist attraktiv und vor allem die Region Basel hat einen sehr stabilen Markt.

Ist es nicht schwierig, sich im Pharma-Hub Basel gegenüber der Konkurrenz zu behaupten?
Die Mitbewerber haben natürlich eine ähnliche Strategie. Wir versuchen, uns durch andere Faktoren abzuheben: Die Actemium University bietet Kunden und Mitarbeitern Schulungen an und mit „Young at Actemium“ pflegen wir ein internes Nachwuchsnetzwerk für Mitarbeiter unter 30 Jahren. Unsere jungen Mitarbeiter präsentieren die Firma an Absolventenmessen oder Hochschulen aus ihrer Sicht – ohne, dass ein Geschäftsleitungsmitglied dabei wäre. Vertrauen ist für uns sehr wichtig. Seit diesem Jahr haben wir zusätzlich einen Talent Award, für den einmal jährlich Abschlussarbeiten von Technikern und Ingenieuren eingereicht werden können. Diese werden von uns und externen Juroren aus unserem Kundenstamm – beispielsweise von Roche, Novartis oder Endress+Hauser – prämiert. Wir wollen somit den Kontakt mit den Hochschulen intensiver pflegen und vermehrt eigenen Nachwuchs generieren. Dazu gehört auch, dass wir jährlich 20 Lehrlinge ausbilden und das duale Studium für jeweils fünf bis sechs Studenten anbieten.

Ist der starke Franken ein Problem für Actemium?
Wir sind zum Glück stark im Pharmabereich tätig, wo der starke Franken nur eine geringe Rolle spielt. Viele Pharmakonzerne exportieren auch im Dollar, der sich aufgewertet hat – das gab einen gewissen Ausgleich gegenüber des schwachen Euros. Tatsächlich sind wir in den letzten Jahren trotz allem kontinuierlich über 10 Prozent gewachsen.

Neben der Schweiz hat Actemium auch Standorte im Elsass und im süddeutschen Raum – gibt es dadurch auch einen trinationalen Austausch?
Es ist uns sehr wichtig, unser regionales Netzwerk zu pflegen. Was es unseren Kunden und Mitarbeitern bringt, hängt jedoch stark von ihrer eigenen Persönlichkeit ab. Einige nutzen die Möglichkeiten intensiv, andere sind vielleicht etwas introvertierter und setzen weniger auf Networking. Über das Dreiländereck hinaus hat Actemium in weiteren 35 Ländern Business Units. Damit wir unsere Kunden bestens bedienen können, gibt es internationale Arbeitsgruppen, die sich zu verschiedenen Themen austauschen. Kürzlich fand zum Beispiel ein Treffen in Paris zum Thema „Industrie 4.0“ statt. In der Region Basel haben wir ein Dreiländereck-Netzwerk gegründet, das sich dreimal pro Jahr trifft um die Kräfte zu bündeln. Wir verzeichnen bereits erste Erfolge: Ein Projekt in der Romandie konnte zum Beispiel erst durch die Bündelung von Mechatronik-Experten aus Frankreich und Automations-Experten aus der Schweiz überhaupt angegangen werden. Dies bedeutet natürlich für unsere Kunden einen grossen Mehrwert, da er alles aus einer Hand geliefert bekommt. Actemium in der Schweiz geht einen Schritt weiter: Wir haben eine eigene CV-Datenbank entwickelt, in der jeder unserer 215 Mitarbeiter seinen Lebenslauf und seine Kompetenzen hinterlegt hat. Die Daten werden einmal jährlich beim Mitarbeitergespräch aktualisiert. So können wir intern ganz einfach nach Experten suchen – egal, ob es um Sprachkenntnisse oder andere Fähigkeiten geht. Tatsächlich finden wir auch meist die gesuchten Fähigkeiten. Jetzt zeigt das globale Actemium-Netzwerk starkes Interesse an dieser Lösung.

Die Digitalisierung schreitet voran, Industrie 4.0 ist in aller Munde. Wie wirkt sich das auf die Arbeit von Actemium aus?
Wir merken, dass das Thema „Industrie 4.0“ unsere Kunden eher verwirrt, da die meisten nicht wissen, was es genau bedeutet. Industrie 4.0 ist keine fixfertige Lösung, die man aus der Schublade holt – sie unterscheidet sich von Kunde zu Kunde. Deshalb lassen wir meist erst den Kunden erklären, was „Industrie 4.0“ für ihn bedeutet – um danach zu erklären, was wir darunter verstehen. So bekommen wir ein gemeinsames Verständnis und eine gute Ausgangslage für erfolgreiche Projekte. Es geht nicht nur darum, Objekte miteinander zu vernetzen und Daten in einer Cloud zu sammeln – das ist erst der Anfang! Wenn die Daten in der Cloud sind, müssen sie intelligent für den Kunden konvertiert werden, um zum Beispiel die interne Wertschöpfungskette zu verbessern. „Industrie 4.0“ an sich ist keine Revolution: Man benutzt Technologien, die bereits seit vielen Jahren vorhanden sind. Aber es wird eine Revolution verursachen.

Das dauert noch?
Ich glaube schon, denn viele Kunden scheinen noch nicht bereit dafür, völlig in das Thema einzutauchen. Nehmen wir einen Fleischproduzenten, der einen Workshop zu „Industrie 4.0“ veranstaltet hat. Dort wurde fast ausschliesslich über SAP gesprochen. Dass das Wetter zum Beispiel die Fleischkonsumation der Leute beeinflussen kann und man dadurch frühzeitig seine Produktion neuplanen könnte wurde nicht gesehen. Visionäre, die den Kunden im Bereich „Industrie 4.0“ Geschäftsmöglichkeiten aufzeigen, werden in Zukunft gefragt sein – da sehe ich grosses Potential. Ausserdem werden die Stärken der benutzten Systeme und Technologien noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Da ist in den nächsten zwanzig Jahren noch viel Luft nach oben.

Welche anderen Trends sehen Sie neben „Industrie 4.0“?
Wir setzen auf Robotics, Manufacturing Execution Systems und Energieeffizienz. Gerade bei letzterem Thema stehen wir noch am Anfang. Unsere Kunden haben bisher wenig Anreiz, in Energieeffizienz zu investieren – das wird wohl erst kommen, wenn gesetzliche Vorgaben existieren. Ich glaube fest daran, dass man immer wieder aus der Komfortzone heraustreten und sich neu erfinden und anpassen muss, um in Zukunft zu überleben. Und diese Philosophie versuche ich bei Actemium einzubringen – damit die Mitarbeiter und damit auch die Firma nicht zu lange in der Komfortzone sitzen bleiben.

Was erwarten Sie von BaselArea.swiss und was wünschen Sie sich von einer Standortpromotion und Innovationsförderung?
Ich finde es super, dass es neutrale Plattformen wie BaselArea.swiss gibt. Denn wenn Firmen selbst solche Veranstaltungen organisieren, dann geschieht das immer aus einem konkreten Nutzen, den sich das Unternehmen davon verspricht. Daher sind neutrale Plattformen ein Vorteil, weil sie auch verschiedene Netzwerke verknüpfen können.

Was möchte Actemium erreichen?
Die Grundwerte des Actemium-Netzwerks stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Für unsere Mitarbeiter investieren wir jährlich drei bis fünf Prozent der Lohnsumme in die Weiterbildung. Wir pflegen das Netzwerk und generieren unseren eigenen Nachwuchs durch Lehrlingsausbildung und ein duales Studium. Aber natürlich wollen auch wir weiter wachsen – um längerfristig Schweizweit präsent zu sein. Damit wir zukunftsfähig bleiben, soll jede Business Unit nebst ihrer Kernkompetenzen ein innovatives und zukunftsorientiertes Geschäftsfeld besetzen. Aber egal, ob Mitarbeiter, Kunden oder Shareholder: Alle sollen glücklich sein. Wir versuchen, dies durch ein gesundes, stabiles und profitables Wachstum zu erreichen.

Und wenn Sie sich für Ihr Unternehmen etwas wünschen könnten?
Dann würde ich mir wünschen, dass wir Schweizweit die beste Automationsfirma und der beste Arbeitgeber im Bereich Automation werden. Und wir sind auf gutem Wege. Wenn wir das erreichen, können wir alles erreichen – und wir arbeiten jeden Tag mit Spass hart daran.

Interview: Sébastien Meunier und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Patrick Vergult ist Geschäftsführer der Actemium Switzerland Ltd., einer Firma, welche Lösungen und Engineering Services im Bereich der Industrie- und Gebäudeautomation anbietet. Actemium sieht ihren Auftrag darin, ihren industriellen Kunden dabei zu helfen, ihre Fabriken und Gebäude zu modernisieren und die Rentabilität zu steigern.
2001 war Patrick Vergult Mitbegründer und Grossaktionär der ELSE Automation Ltd. Die Firma sties im Mai 2011 zur VINCI Gruppe hinzu und wurde 2013 Teil des Actemium Netzwerks von VINCI. Zusätzlich ist er Gründer von curaVer, Business Support, einer Treuhandfirma, welche vorwiegend ausländische Betriebe bei einer Ansiedlung in der Schweiz berät und unterstützt. Des Weiteren war er erfolgreich in der Restrukturierung der Reiseagentur Venture Europe involviert, wo er das finanzielle Risiko übernahm.

Actemium Schweiz entdecken

>>> More Information

report Life Sciences

Genentech startet weiteren Test mit Alzheimermittel

01.03.2017

report ICT

Baloise investiert in Fintech-Start-ups

28.02.2017

report Production Technologies

Production Technologies – der neue Bereich von BaselArea.swiss

02.11.2016

Derzeit reicht es nicht aus, einfach zu produzieren. Unternehmen müssen zu geringeren Kosten produzieren, sparsam mit Ressourcen umgehen, die Wünsche der Kunden berücksichtigen – alles in kürzester Zeit und möglichst ohne Lagerbestand. Neue Produktionstechnologien versprechen Lösungen. Additive Fertigung, Robotik oder Internet of Things: Die Produktion von Gütern wird sich in den nächsten Jahren stark verändern.

Neu bearbeitet BaselArea.swiss den Fachbereich „Production Technologies“. Die Region Basel ist gekennzeichnet durch die Präsenz von High-Tech-Unternehmen, die komplexe, qualitativ hochwertige Produkte zu hohen Lohnkosten herstellen. Die Lage Basels an der Grenze zum Elsass und zu Baden bietet ihnen eine echte Chance für den Austausch und die Zusammenarbeit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Im Zentrum des Technologiefelds Production Technologies steht der sorgfältige Umgang mit Ressourcen und der Einsatz von sauberen Technologien. Der Fokus liegt dabei auf den folgenden 6 Bereichen:

  • 3D-Druck, additive Fertigung: BaselArea.swiss organisiert Informations- und Networking-Veranstaltungen sowie Workshops zu diesem Thema und den neuen Geschäftsmodellen. Darüber hinaus existiert eine LinkedIn-Gruppe mit rund 100 Forschern und Themenbegeisterten. 
     
  • Industrie 4.0: In Zusammenarbeit mit Schulen und Forschungszentren bietet BaselArea.swiss Informationsveranstaltungen und technologieorientierte Networking-Veranstaltungen auf regionaler und internationaler Ebene. Darüber hinaus bringt der Technology Circle „Industrie 4.0“ Unternehmen zusammen, um sich zu informieren und das Know-how in der Region weiter zu entwickeln.
     
  • Organische und gedruckte Elektronik: Die druckfähige Elektronik hat das Auftauchen neuer Produkte ermöglicht, beispielsweise OPV, OLED oder Anwendungen in den Bereichen Gesundheit oder Sensoren. BaselArea.swiss initiiert die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungszentren bei technischen Projekten sowie im Vertrieb und entwickelt zusammen mit der Industrie ein Netzwerk von Kompetenzen im Rahmen des Technology Circles „Printed Electronics“.
     
  • Effizienz bei der Nutzung von Ressourcen und Energie in der Produktion: Im Rahmen eines Technolgy Circles hat BaselArea.swiss ein Netzwerk von Unternehmern aufgebaut, das diesen regelmässigen Austausch pflegt.
     
  • Wassertechnologien: Die effiziente Nutzung von Ressourcen steht im Mittelpunkt. Die Forschung konzentriert sich auf Problemstellungen wie Mikroverunreinigungen, die Rückgewinnung von Phosphor oder auch die im Wasser vorhandenen antibiotikaresistenten Gene. Einmal pro Jahr veranstaltet BaselArea.swiss eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).
     
  • Biotechnologien für die Umwelt: Die Nutzung von lebenden Organismen in industriellen Prozessen ist nicht neu, gewinnt aber an Bedeutung, zum Beispiel bei der Behandlung von Ölunfällen. Dank Biokunststoffen aus erneuerbaren Rohstoffen (wie Lignin) bieten ökologischere Lösungen echte Alternativen zu den herkömmlichen chemischen Prozessen. BaselArea.swiss organisiert regelmässig Veranstaltungen zu diesem Thema und schafft Verbindungen zwischen Forschern, Industrie und Verwaltung.

Die gemeinsame LinkedIn-Gruppe „Production Technologies by BaselArea.swiss“ zählt heute bereits 46 Mitglieder, die sich gegenseitig über die neuesten Entwicklungen in den oben genannten Gebieten austauschen. Die Gruppe ist offen für neue Teilnehmer – melden Sie sich an!

Wenn Sie Interesse am Austausch mit Unternehmern und Forschern zum Thema „Production Technologies“ haben oder weitere Informationen über unsere Services wünschen, dann kontaktieren Sie einfach Sébastien Meunier (siehe Kontaktdaten links).

>>> More Information

report Micro, Nano & Materials

Clariant legt integrierten Bericht vor

27.02.2017

report Supporting Entrepreneurs

Jumpstart your business & Grow your startup

22.02.2017

report Medtech

„Wir befinden uns im Jahrhundert der Biologie und der Biologie für die Medizin“

05.10.2016

Andreas Manz gilt als einer der Pioniere im Bereich der Mikrofluidik und ist gegenwärtig Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes.

In unserem Interview erläutert der erfolgreiche Wissenschaftler, mit welcher Motivation er forscht und wie es ist, vom Europäischen Patentamt für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden.

Sie werden als Pionier der Mikrofluidik bezeichnet. Wie kam es, dass Sie angefangen haben, auf einem völlig neuen Feld zu forschen?
Andreas Manz*:
Schon als Kind interessierten mich die kleinen Dinge sehr. Meist waren das Steine, Insekten oder Käfer, die ich heimgetragen habe. Das Interesse am Kleinen blieb, so dass ich schliesslich an der ETH Zürich Chemie studierte. In meiner Doktorarbeit beleuchtete ich das Naturgesetz der Diffusion von Molekülen. Wenn man zwei Moleküle in ein sehr kleines Volumen einsperrt – ähnlich wie zwei Vögel in den Käfig –, dann können sie nicht weg und finden sich schneller. Diese Beschleunigung hat mich sofort fasziniert. Schon mein Professor Willy Simon, ein Experte in chemischen Sensoren und Chromatographie, erzählte in seinen Vorlesungen, dass Prozesse bei einer Verkleinerung auch sehr schnell werden können. Das hat mich sofort fasziniert.

Bisher sprechen Sie aber von reiner Chemie – wann entstand die Idee, Chips einzusetzen?
Ich konnte ab 1987 in Japan bei der Firma Hitachi arbeiten. Dort kam ich zum ersten Mal mit der Chip-Technologie in Berührung. Selbst gehörte ich zur Forschungsabteilung, sah aber immer wieder Kollegen in Reinräumen verschwinden und mit kleinen Chips zurückkommen. Das inspirierte mich und ich überlegte, ob man nicht anstelle von Elektronik auch Chemie auf diese Chips packen könnte. Schliesslich wird auch im Inneren eines noch so kleinen Insekts Flüssigkeit transportiert, also müsste das doch auch auf einem kleinen Chip funktionieren. Bei Hitachi durfte ich schliesslich zu Testzwecken meinen ersten Mikrofluidik-Chip herstellen lassen.

Von Japan führte der Weg dann zu Ciba-Geigy in Basel. Was gab den Ausschlag dazu?
Michael Widmer war damals Leiter der Forschung Analytik bei der Ciba-Geigy in Basel. Dieser geniale Mann hat mich sofort fasziniert: Er hatte den Weitblick, dass man auch verrückte Dinge in die Forschung integrieren und nicht nur auf den kurzfristigen finanziellen Erfolg schauen sollte. Die Industrie sollte es sich leisten, auf Qualität zu setzen und auch in der Forschung eines Konzerns neue Methoden zu entwickeln oder zu fördern, wenn sie dem Unternehmen von Nutzen sein könnten. Professor Widmer holte mich also nach Basel, wo ich laut seinen Aussagen „die ganze Chemie“ auf den Chip bringen sollte. Zwar wusste Michael Widmer noch nicht, was ihn erwartete, aber er hatte ein Gefühl dafür, dass es sich lohnen könnte.

Wie gingen Sie vor?
Damals waren Chips für die Pharmawelt sehr neu und nicht unbedingt passend. Auch Ciba Geigy war nicht von Beginn an begeistert von der neuen Anwendung. Das Interesse, an bestehenden, funktionierenden Technologien und Prozessen etwas zu ändern, war nicht so gross. Im Rahmen meiner Forschung konnte ich aber ausprobieren, was möglich wäre. Ich fand heraus, dass zum Beispiel die Elektrophorese – eine Methode, mit der man Moleküle trennt – funktionieren könnte. Man konnte diese Methode relativ einfach miniaturisieren und prüfen, ob dadurch auch die Schnelligkeit des Prozesses steigt. Und die Resultate waren sehr gut: Wir konnten zeigen, dass der Prozess bei 10-facher Verkleinerung der Elektrophorese 100-mal schneller wird, ohne an Informationsqualität einzubüssen. Diese Erkenntnis war für die klinische Diagnostik oder der Drug Discovery für die Suche nach wirksamen Molekülen sehr hilfreich. Gleichzeitig testeten wir auch verschiedene Chip-Arten, die wir von den unterschiedlichsten Herstellern bezogen.

Wann kam der Schritt an die Öffentlichkeit mit der neuen Technologie?
An der ILMAC in Basel 1996 hat Michael Widmer eine Konferenz im Bereich der Mikrofluidik organisiert – die schlug ein wie eine Bombe. Wir hatten diesen Effekt ein stückweit geplant, denn im Vorfeld haben wir bereits gezielt Forscher eingeladen und ihnen unsere Arbeit gezeigt. Dies führte dazu, dass ein kleiner Hype entstand und wir schliesslich an der Konferenz Forscher aus Kanada, den USA, den Niederlanden, Japan und anderen Ländern aufbieten konnten, welche die neue Technologie der Mikrofluidik vorstellten.

Die Aufmerksamkeit war da, dennoch beendete Ciba-Geigy später die Forschung auf diesem Gebiet. Weshalb?
Im Grunde fehlten uns innerhalb der Firma die Interessengruppen oder eine konkrete Produktanbindung. Unsere Forschung war etwas zu technisch und ihrer Zeit weit voraus und man hat innerhalb von Ciba-Geigy einfach das Potential der Technologie noch nicht auswerten können. Zudem haben wir uns auch keine konkreten Überlegungen zu Anwendungen gemacht, uns ging es eher um die Technologie und um Experimente als um die kommerzielle Nutzung. Als dann noch in einem Magazin ein grosses Bild von mir zu einem Bericht über die Mikrofluidik erschien und die Zeitschrift in Eigenregie darauf hinwies, dass Ciba-Geigy sie ungenügend umsetze, stoppte man die Forschung. Ich hatte Glück im Unglück: Da die Firma das Projekt geschlossen hatte, konnte ich trotz Konkurrenzverbot innerhalb kürzester Zeit dem Ruf ans Imperial College in London folgen, wo ich mit Studenten die Mikrofluidik weiter erforschen durfte. Zudem bin ich bei einer Firma im Silicon Valley als Berater eingestiegen.

Ist es nicht typisch, dass es eine grosse Firma nicht schafft, eine Perle im Portfolio in eine neue Zeit zu transformieren?
So negativ darf man das nicht sehen, denn die Mikrofluidik war keine Perle für die Pharmaindustrie, sondern eher für die Umweltanalytik, die Forschung oder die klinische Diagnostik. Die Pharmaindustrie tickt da anders. Sie kauft lieber das fertige Mikroskop zu einem höheren Preis, als es selbst für relativ wenig Geld selbst zusammen zu bauen. Michael Widmer und sein Team haben in der Forschung und Analytik bei Ciba-Geigy viele Dinge in den verschiedensten Bereichen entwickelt – und waren so ihrer Zeit weit voraus.

Heute ist die Mikrofluidik etabliert. Was sind nun die treibenden Kräfte?
In meinen Augen gibt es zwei treibende Kräfte: Die Anwendung und die Anwender sowie zweitens die universitäre Neugier an der Technologie und die Ausbildung. Stärker ist die erste Kraft: Es gibt Fälle, in denen die Anwendung einer mikrofluidischen Lösung unbedingt nötig ist, um der Anwendung gerecht zu werden. Nehmen wir zum Beispiel das Stichwort «Point of Care». Ziel ist es, einen Patienten direkt an dem Ort zu analysieren, wo er behandelt wird – also zum Beispiel auf der Intensivstation. Er wird am Ort ausgemessen, seine Blut- und Atemluftwerte werden analysiert und man kann direkt überprüfen, ob die eingeleiteten Massnahmen beim Patienten wirken. Eine andere Möglichkeit ist es, in Smartphones unterschiedlichste analytische Möglichkeiten zu integrieren – ähnlich wie beim Tricoder aus Star Trek. Ich bin ziemlich sicher, dass so etwas machbar ist. Doch momentan ist das heisseste Thema im kommerziellen Sektor die klinische Diagnostik. Das hat mich etwas überrascht, denn man kann einen Chip, der mit dem Blut eines Patienten in Kontakt gekommen ist, nicht wiederverwenden. Man benötigt viel Verbrauchsmaterial, was sich auch auf den Preis niederschlägt. Vielleicht findet man hier aber neue Finanzierungsmodelle, bei denen man beispielsweise das Gerät zur Verfügung stellt, aber das Verbrauchsmaterial – also die Chips – bezahlt wird, ähnlich wie beim Rasierer und den Klingen.

Wo sehen Sie in diesem Umfeld die Chance der Schweiz?
Die Ausbildung von qualifizierten Leuten ist wichtig. Da spielen vor allem die ETH und die EPFL eine grosse Rolle für die Schweiz, denn sie ziehen Studierende aus aller Welt an. Sie verlassen die Schweiz hoffentlich mit guten Erinnerungen und könnten sich möglicherweise später für Kommerzialisierungen stark machen. Das könnte eine grosse Chance sein. Natürlich gibt es auch innerhalb der Schweiz grosszügige Personen, aber in der Tendenz spart man hier eher und überlegt zweimal, ob und wo man sein Geld einsetzt. Das ist eine Mentalitätsfrage und nicht zwingend typisch Schweizerisch. Es ist auch nicht schlecht, denn zum Beispiel in der Präzisionsmechanik ist Zuverlässigkeit und Präzision zwingend – und damit passt diese Technologie zu unserer Mentalität. „Quick and dirty“ funktioniert im Silicon Valley oder in Korea besser – doch die Produkte entsprechen dann oft nicht den hiesigen Qualitätsstandards. Das Hochpreisland Schweiz bietet kaum Chancen für eine günstige Produktion, deshalb liegt der Fokus auf der Ausbildung und auf bestehenden Technologien. Auch das ist sehr wichtig und hat eine gute Zukunft.

Wird die Mikrofluidik eines Tages so gross werden wie die Mikroelektronik heute?
Das glaube ich nicht, denn sie beschränkt sich auf chemische oder zellbiologische Anwendungen und ist auch nicht so flexibel wie die Mikroelektronik. Ich sehe höchstens, dass man die neue Technologie auf bestehende Gerätschaften oder Prozesse anwendet.

Aber die heutigen Systeme am Markt sind meist stark geschlossen, es ist schwierig, hier neue Technologien einzubauen.
Ja, aber das stimmt nur teilweise, dann auch die bestehenden Geräte müssen ein Upgrade erhalten. Nehmen wir ein Massenspektrometer. Den kann man kaufen und es gibt sicherlich viele Firmen, welche diese Geräte verkaufen. Wenn aber zehn Firmen etwas gleichwertiges anbieten, muss man sich von der Masse abheben. Schaltet man also beispielsweise ein „Lab on a Chip“ vornedran, kann sich daraus ein klarer Vorteil für dieses Massenspektrometer ergeben. Die Firma verdient zwar durch den Verkauf des Geräts, aber der mikrofluidische Chip gibt den Kaufanreiz – und da kann sicherlich viel Geld geholt werden. Sehen Sie, wir befinden uns im Jahrhundert der Biologie und der Medizin und beginnen gerade damit, Zellen aus dem eigenen Körper zu nehmen, sie zu regenerieren und sie dann vielleicht als fertiges Organ wieder zu verpflanzen. Wenn man sieht, was im letzten Jahrhundert in Physik und Electrical Engineering geschehen ist, und man das ummünzt auf Biologie und Medizin, dann kommt ganz viel auf uns zu. Um diesen Umbruch zu unterstützen, braucht es die Technologie. Gerade KMU können ihre Produkte sehr gut in die Forschung verkaufen, das ist eine Nische. Meist nehmen die kleinen Unternehmen eine alte Technik und modifizieren sie – wie zum Beispiel einen Chip in eine Spritze, der dann direkt beim Aufziehen der Flüssigkeit analysiert, was die Bestandteile sind. Das eröffnet viele Möglichkeiten.

Sie waren auch Mitbegründer von Firmen, bezeichnen sich selbst aber meist als Forscher. Wie geht das zusammen?
Tatsächlich war ich nie ein Unternehmer, sondern immer nur Scientific Advisor. Ich zog es vor, die Hochschulwelt zu erfahren, anstatt in eine Firma voll einzusteigen. In meinem Innersten bin ich ein Abenteurer, der mit wilden Ideen in ein Unternehmen kommt. Geld stand für mich auch nie im Vordergrund, ich wollte immer die Qualität des Lebens verbessern oder den Menschen etwas geben. Die Neugier treibt mich an. Wenn ich Käfer sehe, die fliegen, dann treibt es mich, herauszufinden, wie das funktioniert. Es gibt in den kleinsten Tieren geniale Sensoren und so lange wir als Ingenieure dies nicht nachbauen können, haben wir noch etwas zu tun. Das begeistert mich viel mehr als Quartalsumsatz und Gewinn.

Geld ist aber auch für die Forschung ein wichtiger Treiber.
Ja, bis hinein in die universitäre Forschung geht es um Geld. Forschungsgruppen erhalten Aufträge von Firmen wegen des Profits, den man sich verspricht. Sogar die öffentlich geförderte Forschung muss immer eine kommerzielle Anwendung vorweisen. Neugier oder das Ziel, etwas mit einem ethischen Wert zu erreichen, ist eigentlich in den Ingenieurwissenschaften kaum ein Thema. Natürlich ist es wichtig, dass unsere Studenten auch in die Industrie gehen, schliesslich stammen die Steuergelder grösstenteils aus der Industrie. Aber wenn ich persönlich die Freiheit habe, dann arbeite ich gerne spielerisch – und daraus kann durchaus Ernst entstehen. Nehmen Sie die Elektrophorese auf einem Chip: Auch das war zu Beginn eher eine absurde Idee, aus welcher sich etwas wirklich Spannendes entwickelt hat! So haben viele meiner Arbeiten einen spielerischen, unernsten Aspekt – für mich genau richtig. Sehen Sie, ich kann einen Chip herstellen, der zwar im Innersten die Temperatur der Sonnenoberfläche hat, den man aber in der Hand halten kann. Das ist verrückt, aber es funktioniert, weil nur die Elektronen eine Temperatur von 20'000 Kelvin haben. Das Glas aussenherum erwärmt sich dadurch nicht sehr stark und der Chip schmilzt nicht. Und plötzlich erhält man durch eine verrückte Idee die Plasma-Immissions-Spektroskopie auf einem Chip. Ich finde, es braucht etwas Witz in der Forschung und ich sage gerne, dass wir durch die Mikrofluidik-Forschung grosse Probleme nehmen und sie so klein machen, dass man sie „nicht mehr sieht“.

Sie haben so viele Bereiche in der Mikrofluidik selbst angepackt – können andere Forscher Sie mit ihrer Arbeit noch überraschen?
Zugegeben, heute bin ich durch all die mikrofluidischen Beispiele, die ich bereits gesehen habe, verwöhnt. Manchmal langweilt es mich, wenn ich an eine mikrofluidische Konferenz gehe und sehe, was da «Neues» entstanden ist – irgendwie war das alles schon einmal da. Die Pionierzeit, in der auch eine gewisse Unsicherheit mitspielte, ist wohl definitiv vorbei. Man kann die Mikrofluidik heute mit einer Werkstatt vergleichen, aus der man sich die nötigen Werkzeuge holt, die man gerade braucht. Damit wurde natürlich auch das Wissen weiter verbreitet: Zu Beginn besass ich selbst vielleicht einen Drittel des Wissens weltweit über die Mikrofluidik, heute ist es viel weniger. Dementsprechend schaue ich nun gern etwas über den Tellerrand hinaus.

Sie wurden letztes Jahr vom Europäischen Patentamt für Ihr Lebenswerk geehrt. Was bedeutet dieser Preis für Sie?
Einen Preis kann man nicht planen – man kann vielleicht darauf hoffen. Wenn man ihn dann verliehen bekommt, ist das eine grosse Freude. Auch der Ablauf der Preisverleihung war spannend: Es gab wie bei den Oscars drei Nominierte: Ein Niederländer, der den bis heute verwendeten Codierungsstandard für CD, DVD und Blu-ray Disc entwickelt hat sowie ein Forscher aus Lettland, der mit über 900 Patenten und Patentanmeldungen einer der erfolgreichsten Wissenschaftler und Erfinder in der medizinischen Biochemie ist. Bei dieser Konkurrenz rechnete ich mir sehr geringe Chancen auf den Gewinn aus und war äusserst erstaunt, dass man mich gewählt hatte. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem Lawineneffekt: Zitate zeigen so gut wie immer auf meine damaligen Patente bei Ciba-Geigy.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, BaselArea.swiss

*Andreas Manz ist Forscher am Korea Institute of Science and Technology in Saarbrücken (KIST Europe) und Professor an der Universität des Saarlandes. Er gilt heute als einer der Pioniere in der Mikrochip-Technologie für chemische Anwendungen.

Nach Stationen im Forschungslabor von Hitachi in Japan und der Tätigkeit bei Ciba-Geigy in Basel nahm er eine Professur am Imperial College in London an, wo er das Zeneca-SmithKline Beecham Centre for Analytical Chemistry leitete. Währenddessen war er zudem als wissenschaftlicher Berater für drei Unternehmen aus der Chiplabortechnologie tätig, von denen er eines selbst gegründet hatte. Im Jahr 2003 wechselte Manz nach Deutschland und leitete bis 2008 das Leibniz Institut für analytische Wissenschaften (ISAS) in Dortmund.

Rund 40 Patente gehen im Wesentlichen auf ihn zurück und er hat mehr als 250 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, die bisher über 20'000 Mal zitiert wurden.


 

>>> More Information

report BaselArea.swiss

Ralf Dümpelmann in den Fachhochschulrat gewählt

22.02.2017

report Life Sciences

Basilea will Produktverkäufe verdoppeln

20.02.2017

report Production Technologies

Keime und Antibiotikaresistenzen – ein Eventthema, das uns alle betrifft

05.10.2016

Bereits zum siebten Mal findet am 25. Oktober 2016 der eintägige Event aus der Reihe der Wassertechnologie statt, den BaselArea.swiss gemeinsam mit der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (HLS FHNW) organisiert. Am diesjährigen Event dreht sich im „Gare du Nord“ in Basel alles um „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“.

Die Teilnehmer erleben Vorträge und Diskussionen, Institutionen können sich in der Fachausstellung mit Postern zeigen und so zu vertieften Diskussionen anregen. Ein Schlüssel für den langjährigen Erfolg der Veranstaltungsreihe ist die Kooperation der beiden Partner. Thomas Wintgens vom Institut für Ecopreneurship der HLS FHNW betont: „Uns ist die Zusammenarbeit mit BaselArea.swiss sehr wichtig, weil die Organisation ein regional stark vernetzter Akteur im Bereich von Innovationsthemen ist.“

Man habe eine gute Symbiose zwischen spezifischen, fachlichen Kompetenzen und dem Wissen über Themen und Akteure gefunden. „Auch in diesem Jahr ist es uns wieder gelungen, ein komplett neues Thema aufzunehmen“, sagt er. Die Forschungsaktivitäten der Gruppe um Philippe Corvini von der Hochschule für Life Sciences FHNW gaben den ersten Impuls zur diesjährigen Themenwahl.

Philippe Corvini, warum ist das Thema „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ spannend für eine grosse Veranstaltung?
Philippe Corvini: Das Thema ist in den letzten Jahren stärker in den Bereich der Umweltforschung vorgedrungen, immer mehr Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit dem Verhalten und Vorkommen von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt. Zudem haben auch auf nationaler Ebene die Aktivitäten zugenommen, es gibt ein nationales Forschungsprogramm und eine nationale Strategie zum Umgang mit Antibiotikaresistenzen. In den nächsten Jahren wollen wir intensiver untersuchen, wie sich diese Resistenzen zum Beispiel in biologischen Kläranlagen verhalten und welche Faktoren die Weitergabe von genetischen Informationen, die zu Antibiotikaresistenzen führen, beeinflussen.

Welche neuen Erkenntnisse erwarten die Besucher?
Philippe Corvini:
Wir werden am Event die neuesten Ergebnisse unserer Forschung vorstellen. Bisher wurde eine Resistenz relativ simpel erklärt: In der Umwelt existiert ein Antibiotikum, wodurch sich Resistenz-Gene bilden. Diese werden übertragen, die Resistenz verbreitet sich. Wir haben nun entdeckt, dass resistente Bakterien ein Genom besitzen, das sich weiterentwickelt, so dass sie sich am Ende sogar von Antibiotika ernähren können. Diese resistenten Bakterien bauen also die Antibiotika-Konzentration ab, so dass Bakterien, die sonst empfindlich auf den Wirkstoff reagiert haben, nun im Medium überleben und sogar ihrerseits eine Resistenz entwickeln können. Wir hoffen, künftig die Ausbreitung der Resistenzen bremsen zu können.

Wie könnte man dies schaffen?
Thomas Wintgens:
Wir werden demnächst im Pilotmasstab verschiedene Betriebsweisen von biologischen Kläranlagen untersuchen, um herauszufinden, wie diese Verbreitungswege durch Betriebseinstellungen in den Anlagen beeinflusst werden können. Ausserdem forschen wir an Filtern, welche die antibiotikaresistenten Keime zurückhalten und so die Keimzahl stark reduzieren können.

Warum ist die diesjährige Veranstaltung auch für Laien interessant?
Philippe Corvini:
Ich glaube, fast jeder hat eine Meinung zum Thema Antibiotikaresistenz und viele Leute haben eine Ahnung, wie dringend das Thema ist. Schliesslich betrifft das Thema Gesundheit uns alle.

Ein Fachevent – auch für Laien
Laut Thomas Wintgens dürfen die Teilnehmer viele kompetente Redner erwarten: „Wir freuen uns zudem sehr, dass Helmut Brügmann von der Eawag die nationale Strategie und deren Bedeutung für den Umweltbereich vorstellen wird.“

Generell berührt das Thema Wasser uns alle, weil es unser wichtigstes Lebensmittel ist. Wir konsumieren es als Trinkwasser, über Nahrungsmittel oder nutzen es für unsere persönliche Pflege. Gerade deswegen die Wassertechnologie laut Wintgens ein spannendes Thema für eine öffentliche Veranstaltung: „Wasserqualität ist jedem von uns wichtig und es besteht in der Öffentlichkeit ein grosses Interesse an diesem Thema.“ Gleichzeitig würden die Wassertechnologien aber auch Firmen die Möglichkeit bieten, innovative Produkte zu entwickeln und Stellen zu schaffen.

Seit 2009 Plattform für das regionale Netzwerk
Die HLS FHNW veranstaltet seit 2009 gemeinsam mit i-net/BaselArea.swiss die Veranstaltungsreihe im Bereich Wassertechnologie, welche jährlich rund 120 Teilnehmer anzieht. Die Idee, eine Eventreihe zu starten, entstand aus der Überzeugung heraus, dass Wasser in der Region ein wichtiges Thema ist und hier die Wertschöpfungskette vorhanden ist», so Thomas Wintgens. Jedes Jahr setzten die Verantwortlichen neue Themenschwerpunkte, zum Beispiel Mikroverunreinigungen im Wasserkreislauf, Membranverfahren oder Phosphor-Rückgewinnung. Wintgens erklärt: „Jedes Jahr machen Akteure aus der Forschung, der Technologie oder dem Bereich der Anwendungen mit und präsentieren sich vor Ort“.

Der Plattform-Gedanke war den Initianten von Anfang an wichtig, der Event sollte das regionale Netzwerk stärken und Innovationsvorhaben ermöglichen. Diese Strategie hat sich laut Thomas Wintgens bewährt: „Der Anlass ist ein wichtiger Baustein in unserer Öffentlichkeitsarbeit und wurde zu einem festen Treffpunkt der Interessenten und Kooperationspartnern aus der Region“. Viele Teilnehmer würden den Event schon seit Jahren verfolgen und seien jeweils neugierig auf das Thema im nächsten Jahr.

BaselArea.swiss und die Hochschule für Life Sciences FHNW  (HLS) führen am 25. Oktober im „Gare du Nord“ in Basel ein Symposium unter dem Titel „Keime, Antibiotikaresistenz und Desinfektion in Wassersystemen“ mit Referenten aus den Bereichen Forschung, Verwaltung, Wasserversorgung und Technologieanbieter durch. Eine Anmeldung bis 19.10.2016 ist erforderlich.

>>> More Information

report ICT

Clinerion expandiert nach Asien

20.02.2017

report Life Sciences

BioMedPartners vermeldet erste Fonds-Schliessung

17.02.2017

report Micro, Nano & Materials

The Chemical Industry is ALIVE in the Basel region!

07.09.2016

“The chemical industry is dead…” this was the provoking first sentence of the invitation to the Business Event «Chemical Industry: Opportunities in the Basel area», Sept. 1st 2016, at Infrapark Baselland (Link). And it really provoked the speakers to demonstrate the opposite! Over 90 people gathered at the Infrapark Baselland to listen to the stories of change and new successes.

Thomas Weber, cantonal counciler of Baselland, welcomed the audience. “The benefits of Chemical Parks” were quite obvious after the talk of Dr. Ulrich Ott, Head of Clariant Europe – make your own core process, but buy everything else, from analytics to logistics and technical services. Currently, the third wave in park development just happens: the business incubation of new companies.

Distribution of chemicals and prototype testing
Three speakers from three different companies at the Infrapark illustrated very nicely the different benefits for different needs. Dr. Albrecht Metzger of Bayer Crop Science Schweiz AG illustrated the very successful expansion of the production facilities of Bayer Crop Science. Within 8 years, the number of employees triplet and more than 100m CHF investments were taken to expand and improve the production. The engineering and services of the Infrapark were essential for this success.

Smart distribution of chemicals and conditioning is the core business of Brenntag, as Dr. Thomas Heinrich, of the Brenntag Schweizerhall AG explained. With a global turnover of over a billion Swiss Francs, there is no question that a company can make money by just distribution! Their service adds real value to the supply chain. At the Infrapark, there are not only many users of chemicals, there is also a very smart distribution system established by the right mix of tanks and piping. This saves the chemical companies a lot of own handling, decreases truck movements and increases safety. Really a smart business – right at the Infrapark.

The facilities provide also the ideal location for young companies. AVA Biochem has patented processes to turn sugars into valuable chemicals which might make plastic bottles 100% renewable. Already 20 tons per year of 5-HydroxyMethylFurfural (5-HMF) can be produced in Muttenz, as Dr. Thomas M. Kläusli of AVA Biochem BSL AG explained. This test production is the prototype for much larger capacities – and it is ideally suited at the Infrapark with all the infrastructure and the fast responses of the different service units.

Chemical industry economically important for the region
The chemical industry is very well alive! Renaud Spitz, Head of Infrapark Baselland AG and Country Head Clariant Switzerland, explained how Clariant developed the vision of an Infrapark in 2011 at what benefits it already has today for 15 different companies. Vaguely, he outlined an even larger vision of a great common Infrapark in this area with benefits for many stakeholders, even though the realization might take many years. Finally, Thomas Kübler of Economic Promotion Baselland, illustrated how important the chemical industry is economically for this area. He reminded us also that many products for the pharma industry are being produced chemically, even though pharma and chemistry are often taken as two very different industries.

In conclusion, a very impressive demonstration of the strength of the chemical industries here. Definitely, the chemical industry is very much alive in this region!

>>> More Information

report BaselArea.swiss

Christoph Eymann präsidiert Smart Regio Basel

15.02.2017

report Life Sciences

Basler Firmen führen bei Forschungsausgaben

15.02.2017

report Invest in Basel region

BaselArea.swiss welcomes Biopharmaceutical Company Ultragenyx

06.07.2016

BaselArea.swiss Economic Promotion is pleased to announce that Ultragenyx, a biopharmaceutical company focused on the development of novel products for rare and ultra-rare diseases based in the San Francisco Bay Area, California, is opening their European headquarters in the city of Basel, Switzerland. Stefano Portolano, M.D., has been appointed Senior Vice President and head of Ultragenyx Europe. In this role, Dr. Portolano will be responsible for building and leading the Ultragenyx commercialization efforts across Europe and developing the company's European organization.

«Ultragenyx selected Basel as our European headquarters because of the area’s thriving life sciences community, accessibility to the rest of Europe, business-friendly environment and strong international talent pool,» said Dr. Portolano. «On behalf of Ultragenyx, I would like to thank the team at BaselArea.swiss for their partnership throughout this process, as they have been invaluable as we look to establish our European presence and help bring promising therapies to patients throughout the region. We are focusing on key hires to establish necessary capabilities so that we are ready to launch if we receive approval, and we are confident we will be able to find and attract key talents in Basel».

Dr. Portolano brings over 20 years of experience in the biopharmaceutical industry, in medical, commercial and general management roles in both Europe and the United States. He has worked both on pre-launch and launches of products for rare diseases, both at Genzyme and Celgene. Before joining Ultragenyx, he spent ten years at Celgene Corporation in increasing leadership roles, most recently as Vice President of Strategy & Commercial Operations, EMEA. Prior to Celgene, he worked at Genzyme for eight years. Dr. Portolano received his M.D. degree from Federico II University in Napoli, Italy. He completed his postdoctoral fellowship and served as Adjunct Assistant Professor of Medicine at the University of California at San Francisco.

About Ultragenyx
Ultragenyx is a clinical-stage biopharmaceutical company committed to bringing to market novel products for the treatment of rare and ultra-rare diseases, with a focus on serious, debilitating genetic diseases. Founded in 2010, the company has rapidly built a diverse portfolio of product candidates with the potential to address diseases for which the unmet medical need is high, the biology for treatment is clear, and for which there are no approved therapies.

The company is led by a management team experienced in the development and commercialization of rare disease therapeutics. Ultragenyx’s strategy is predicated upon time and cost-efficient drug development, with the goal of delivering safe and effective therapies to patients with the utmost urgency.

The company's website for more information on Ultragenyx

About BaselArea.swiss
BaselArea.swiss is responsible for the international promotion of the economic region of Basel, Switzerland. In a joint effort, the economic promotion agencies of the Swiss cantons of Basel-Stadt, Basel-Landschaft, and the Jura support expansion and relocation projects of foreign companies, and offer consulting services to entrepreneurs and startups. The identification and procurement of suitable real estate and properties for international and national companies is an important service of BaselArea. BaselArea’s consulting services for interested parties are provided free of charge.

>>> More Information

report Invest in Basel region

Die Zukunft von Life sciences gestalten – BaselArea.swiss an der JPM17

09.02.2017

report Medtech

Innovation Lounge: the event that talked about connectivity

09.02.2017

report Micro, Nano & Materials

«If a scientist doesn’t know how to recognise commercial potential, he won’t found a busin...

02.12.2015

Robert Sum and Marko Loparic are both entrepreneurs with a scientific background. In the i-net interview, they tell the stories of Nanosurf and Nuomedis, explain why the Basel region is a great place for their startups and what could be done to foster an entrepreneurial spirit in the scientific environment.

Robert Sum, you co-founded Nanosurf in 1997, just shortly after completing your thesis. What motivated you to create your own startup?
Robert Sum*: I was motivated by the possibility of using my knowledge from university in a practical way. Towards the end of my thesis in 1995, I had the good fortune that Hans-Joachim Güntherodt was the rector, and together with the department of economic sciences he created a seminar for PhD students. The seminar was called «Start-up into your own company». My friend Dominik Braendlin and I registered for this innovative format. We had already worked together on research projects and we felt the need for a concrete application. Another good friend, Lukas Howald, approached us with the idea of Professor Güntherodt to design a simple and easy-to-use Scanning Tunnelling Microscope for schools. We liked the project and started to work on it. Luckily, the Commission for Technology and Innovation (CTI) launched its startup initiative shortly after this. Thanks to the coaching, we were able to write our first real business plan and CTI decided it was worthy of support. Nanosurf is the only company from the first CTI support round which survived. I stayed with the company until 2014, but in 2009, I stepped back from operational management.

The next project followed immediately: Nuomedis.
Robert Sum: After Nanosurf, I started to work intensively with universities on scientific projects. This is how I met Marko Loparic. We worked together on two projects for a specific application in tissue diagnostics, which again was supported by CTI. In the end, we decided to found a «spin-out/start-off» company from Nanosurf plus the University of Basel, which became Nuomedis.

Marko Loparic, did you have any entrepreneurial background?
Marko Loparic*: I’m a medical doctor by profession. During my PhD at the Biozentrum, University of Basel, I worked with atomic force microscopy, AFM, and immediately realised that this nanotechnological device had very high potential for resolving crucial clinical questions. We saw not only great scientific potential - for example for understanding not only the mechanisms of tissue engineering, cancer development and metastasis, as well as drug activity, but also the diagnostic applications, such as early detection of osteoarthritis or cancer diagnosis. AFM helped us to explain biological functions because at the very first phase of a disease, the alterations in tissue are occurring at the nanometre scale. However, it was time consuming and very complicated using the microscope. So we developed little innovative algorithms which automated, simplified and enabled AFM applications in life sciences and clinics. At the end of my PhD studies, I spoke with my supervisors about how to commercialise all the simplifications when the collaboration with Nanosurf was initiated and the creation of the easy-to-use, AFM «Automated and Reliable Tissue Diagnostic», «Artidis», began.

What steps are planned next for Nuomedis?
Marko Loparic: We plan to take «Artidis» to the next level. From its use in physics, biology, chemistry and science, our next step is rather a big jump: to be the first company to introduce AFM technology into clinics.

This almost sounds like you had no choice but to found a company.
Robert Sum: We found an ideal situation: I had the experience to build up a company, combined with experience in technology development and knowledge of the startup environment; and Marko brought vast scientific and clinical experience at a high level. We started by thinking about the possible need and how to do business with it. Out of these ideas, we created a deck of PowerPoint slides – a lean business plan so to speak. It was clear to us that there was huge business potential which we wanted to realize.

Marko Loparic: From the start in 2005, working on the project was great, as the whole team was fully motivated. Everything developed very smoothly and nicely. Supporters even became investors, and we still enjoy a strong scientific collaboration with the Biozentrum. It’s great that the main patents are now granted worldwide – this is very important and will help us to attract further investors. Currently we are focusing on the transformation of the «Artidis» device into a clinical in-vitro medical device.

In fact, you have to create a demand among doctors and oncologists, don’t you?
Marko Loparic: At the moment, our main focus is on introducing to clinicians the breakthrough technology of nanomechanical profiling and the benefits which it brings to clinicians, hospital and patients. Our prototype is currently being evaluated and used in ongoing clinical studies at the Pathology Department of the University Hospital Basel. In the near future, we aim to confirm its effectiveness for breast cancer prognostics in order to reduce the problem of chemotherapy overtreatment. Nowadays, markers are not specific enough to distinguish with a high degree of probability which patients will benefit from chemotherapy and which will not. If we could reduce chemotherapy treatment just a fraction, we could make a big difference. Our main hurdles to entering the market are now regulatory obstacles, which we plan to overcome in the next two to three years.

How does your experience in founding Nuomedis compare with founding Nanosurf 18 years ago?
Robert Sum: Many things have changed regarding the environment. When we founded Nanosurf, the university was not focused on commercialising an idea. Business was perceived as something strange, and science was sacrosanct. This has changed dramatically. The word startup is almost a must nowadays for PhDs. Additionally, through TV shows and articles in the media, people are more aware that startups are a culture which needs to be fostered. However, starting a business is a lot of work, which has to be done with care. It is easier for me today, as I have some experience and won’t make the same mistakes again.

You support a lean startup approach – are business plans not needed anymore?
Robert Sum: I think there is a big misapprehension regarding the idea of the lean startup. A business plan is still needed - it’s essential that you know what your plans are. You need a concept, but it doesn’t have to be a book. You still need to know the basics at the very least, for example what the product is, who the customers are, where you see risks, how you produce or how you finance – to mention only a few. What lean startup means to me is that you should focus on the market and keep the customer in the centre.

Is it at all possible to use the lean startup method in the complex healthcare environment of Nuomedis?
Robert Sum: The problem in healthcare is that you don’t simply have a customer and sell a product. We are facing a complex health insurance environment based on a solidarity principle, and we have many stakeholders influencing the system, such as the hospital, the clinicians, other healthcare institutions, society or the company itself. It is indeed much more difficult to use the lean startup approach here.

Marko Loparic: Our major focus is on clinicians, and we use the experience we have in science and clinics to create awareness. Nevertheless, we are actively cooperating with other key stakeholders, such as hospitals, patient organisations, health insurers, clinical societies or government bodies, to facilitate accelerated development and keep the time to market as short as possible. Finally, at our demo site in the Pathology Department of the University Hospital Basel, we learn how the clinicians and hospital system operate, which is important to help us shape the device to match their needs. Hence, proximity to measurement site is key for the successful development and acceptance of technology, and our plan is to relocate in order to be as close as possible to the hospital.

Robert Sum: This is the typical process of understanding the market – and I think this is where Nuomedis has benefited from the lean startup approach.

How important was it for you to be in the Basel region? How does it foster your business?
Marko Loparic: Basel is a centre of nanotechnology and especially AFM, since Professor Christoph Gerber, who built the first AFM, is still active here together with many distinguished professors who are making great use of the technology to boost their scientific output. For us, Basel has all the ingredients for success: We have a city where technology is well supported and hospitals which are open-minded and ready for new technologies. Not to mention the Biozentrum and the Swiss Nanoscience Institute, which offer great expertise and facilities for innovative projects.

Robert Sum: Another aspect is the economic environment of Basel with many pharma and medical technology companies. There is an entrepreneurial environment here with investments available. Not to mention the role of government: Basel-Stadt and Baselland collaborate very closely and, if we need some support for administrative issues, they are extremely open-minded and helpful.

What makes Basel a startup-friendly environment?
Marko Loparic: Positive factors in the region are its good infrastructure, both a national and international network, and its spirit of entrepreneurship. If you work in Basel, there are many options for learning how to commercialise your idea. This is true for the whole of Switzerland by the way. There are dedicated organisations and funds for each step you have to take in developing a business, ranging from CTI to investors and incubators. The i-net Business Plan Seminar was very important for me. In only one day, I learned a lot about how to construct a business. In my opinion, there is still a big gap between basic research and translational science.

Robert Sum: Either you are a good scientist or an experienced business person – it’s difficult to be both. This is an art that is nicely managed in Silicon Valley, and successful entrepreneurs become investors. And I guess something could be done here. Organisations like i-net are very important for networking ideas, and you can also find support at EVA or business parks. Not to mention Unitectra, which provides workshops for students on how to exploit intellectual property created at university. Indeed there are many supportive organisations, which can make you feel a little lost. CTI Start-up helped us to get an overview of the whole support landscape.

Marko Loparic: In my opinion, it’s all about education: If a scientist doesn’t know how to recognise commercial potential, he won’t make it. There are seminars to help, but you need an incentive to go to such seminars. What about scientists being approached from the business side? When you apply for a grant, you always need to stress the long-term outcome of your project and sometimes its commercial purpose. It would be great to have an organisation with the skills to read those grant applications and search for business potential. A person or organisation that could offer this could help create a great start-up environment.

Interview: Ralf Dümpelmann and Nadine Nikulski, i-net

*Robert Sum is one of the co-founders of Nanosurf AG and has served in different management positions as CEO, Head of Sales & Marketing and Business Development. During his time working in business development he managed the research collaboration with the Biozentrum for the project «Artidis», which is now the prime project of Nuomedis AG. After 17 years of management experience at Nanosurf Dr. Sum left to found Nuomedis AG with members of the Biozentrum team. Now Dr. Sum serves as CEO and member of the board.

*Marko Loparic, MD, is the key inventor of «Artidis» technology from the Biozentrum University of Basel. He managed the collaboration with Nanosurf for the «Artidis» project, which is now the prime project of Nuomedis AG. Now Dr. Loparic serves as the Chief Medical Officer and member of the board at Nuomedis AG. He is responsible for medical related concerns of the project and its implementation in the clinical setting.

>>> More Information

report Invest in Basel region

Japanisches Unternehmen siedelt Forschungszentrum in Basel an

25.01.2017

report BaselArea.swiss

Switzerland Innovation Park Basel Area wird AG

23.01.2017

report Medtech

«We will be certificating the world’s first autonomous robotic surgical device»

04.11.2015

The laser physicist and entrepreneur Alfredo E. Bruno is co-founder and CEO of the medtech start-up Advanced Osteotomy Tools (AOT) in Basel. Their surgical robot «Carlo» (acronym for Computer Assisted, Robot-guided Laser Osteotome) is an award-winning project (Pionierpreis 2014 and CTI MedTech 2015). The company will exhibit «Carlo» at the Swiss Innovation Forum 2015 on 19th November.

In the i-net interview, Alfredo E. Bruno explained his roadmap for AOT and what drives him to be an entrepreneur.

You are a laser physicist – what brought you to medtech?
Alfredo E. Bruno*: My younger daughter needed difficult orthognathic surgery to correct conditions of the jaw and face. This brought me into contact with Professor Hans-Florian Zeilhofer and Dr. Philipp Jürgens from the Department of Oral and Maxillofacial Surgery at the University Hospital Basel. I was worried about my child, but the surgeons devoted a lot of time to explain the procedure to us. Their pre-operative approach to surgery fascinated me more and more. I asked the surgeons why they were not cutting bones with a miniaturized laser instead of mechanical tools to best reproduce the software-planned intervention. In another project, I had developed a laser of this kind to cut and drill through nails. At this point, we all realized that we could create something very useful together.

How did you gain your knowledge in surgery?
I had absolutely no idea about surgery until I met the surgeons – despite the fact that my father was a rural medical doctor. Indeed, when I see a drop of blood, I panic. But I wanted to know more about this new type of planned and navigated surgery the surgeons were talking about. I managed to find a good 160 publications and about 20 patents in the field, read them during vacations and became a «theoretical» surgeon. Reading these documents, I noticed that Professor Zeilhofer appeared as co-author in many of these publications and realized that he knew a lot about pre-operative planning and navigation. I started to design «Carlo» from scratch using all available state-of-the-art technology, and trying not to be biased by the robotic surgery products already on the market. What worried me most was the software, which is crucial to integrating the whole system. Hans-Florian Zeilhofer introduced me to Professor Philippe Cattin, an expert in navigation who liked the idea from the outset. He was the «missing link» to the realization of «Carlo».

Was it always clear that «Carlo» would be the goal of AOT?
As an entrepreneur, I made it very clear from the beginning that I wanted to have a product rather than a nice academic idea. Instead of writing a business plan, we first applied for patent protection of the innovations. The business plan came afterwards with a business model in which we at AOT would only focus on core technologies and would outsource the technologies mastered by other companies under contractual partnerships in order to reduce development time.

Were you ever afraid that AOT might fail?
While writing the business plan, I clearly saw that there was a need for our product. We had the right founder’s team, but I was worried about the funding, because there was a global economic crisis and investors had become cautious. Therefore, I decided to talk to a few experts I knew in the start-up media in Switzerland before launching the initiative. They reviewed the AOT case and encouraged me to pursue the project, because it was truly innovative and, for this kind of project, they argued that there are always funds available in Switzerland. And indeed, with our first pitch in BioBAC, we gained a lead investor. Shortly afterwards, we won the three stages of Venture Kick and I was then asked to participate in the Swiss Venture Day of CTI Invest to make a pitch. Despite some doubts I had about the completely new surgical device, many potential private and institutional investors were literally queuing right after my presentation to talk to me about the «Carlo» device and AOT as an investment opportunity.

Why do you think your pitch attracted potential investors?
I think the every one of the technical founder’s team had a remarkable technical record which inspired trust, and I also have a good entrepreneurial record, all of which make up the ingredients investors are looking for to fund new projects. The pitch is key to convincing investors. We cannot afford to devote much time to making «professional» slides, but the audience realizes that we have an unbeatable project and know what we are doing; and they can see during the Q&A sessions that we are very authentic.

In the beginning, you faced some criticism with regard to the feasibility of a complex medical device such as «Carlo». Do you still face negative reactions?
No, not anymore! When I started speaking of «cold» laser ablation, many physicists questioned this paradoxical term. Today, after we assessed the remaining surfaces of the bones and captured the ablation process with thermal cameras showing that this cutting method is even cooler than mechanical cuts, nobody has any doubts about our assertion anymore. Another critical issue raised by some experts was depth control. Some argued that we would never be able to have depth control working in real time. Again, this is no longer an issue.

You recently presented this depth measurement system for the first time. How does it work?
With the help of external academic partners we developed a laser interferometric method suitable for our device that provides not only the depth of the cut but also its width right after every laser shot so its entire profile can be reconstructed in real time. This «probing» laser beam is co-axially mixed with other visible pointing laser beams to ensure that the surgeon can observe the cut on the monitor. There are many computer-controlled processes such as the depth control running in parallel during some of the tasks. They are processed by a microprocessor which sends values that are already calculated to the «Carlo brain» to decide what to do next. With this software technology, we are pushing the envelope in three disciplines: laser physics, data processing and synchronization.

Could this know-how be used for other applications in or beyond surgery?
As pioneers in this field, we encounter many new problems to solve. But on the other hand, once we have found the solution, we file for patent protection and, in this way, we’re strengthening our patent protection. Some of these innovations could be used for other applications, but we have to remain focused on one thing: getting device certification. Once we «put our foot on the moon», we could follow up on other options with the technology we have discovered.

It sounds as if you are not facing any difficult situations anymore with AOT?
Problems are constantly arising, but we have a very professional and courageous team that brainstorms the problems at hand in complete transparency and always comes up with one or more solutions. Although scientists are trained to present nice results in conferences while leaving the bad results aside, we are upfront with the bad news. If a problem appears, it’s immediately brought to the attention of the team so we can find a solution together.

What in your opinion are the key factors for an innovative company?
Everyone knows what the main ingredients for innovation are: You have to have a product that addresses a need, a unique proprietary technology, the right people and the financial means. However these ingredients do not guarantee success, and many start-ups that have these ingredients fail. The causes of failure are often underestimated, but should be addressed in the risk analysis of the business plan. A classical killer of technological innovation is when investors strategically decide to sell the start-up to an established competitor. But the buyer wants to get rid of a potential competitor! A possible antidote is to have a good legal adviser. A lawyer can help you to set clear goals for the steps after the acquisition and implement penalties in the contract. Also, it is good to keep the founders of the company in-house, because these people are part of the success and often the «engine» of a start-up.

What makes Switzerland a good place for you to launch a medtech start-up?
I have worked with people and projects in a few countries. What I find unique in Switzerland is the scientific family: Everybody knows each other and has close relationships. For instance, when the issue of a suitable depth control appeared, we spoke to other scientists who had solved similar problems for eye surgery. They came up with friendly and open advice without speculating on what the benefit would be for them. This is by no means the rule in other countries, where often knowledge is seen as power. But the free flow of information in this country is crucial in ambitious high-tech projects.

Where do you see room for improvement of entrepreneurship in Switzerland?
Switzerland already ranks as leader when it comes to innovation, but I see there are three things that could be changed to foster even more innovation – namely, the no-risk mentality, the fear of failure and the loss of reputation. The Swiss education system teaches students to avoid risks instead of focusing on the possible reward associated with a risk. Indeed, the word risk has a negative connotation in Switzerland, but entrepreneurship without risk is as hypothetical as perpetual motion.
How can we overcome our fear of failure? One recipe for passing an exam is «to do the homework in time to get a good sleep the night before». In a high-tech start-up, this recipe means firstly drafting a comprehensive and realistic business plan and strong IP protection. Failure is part of the game, and the question needs to be how fast you can get back up after getting knocked down, not whether you are going get knocked down.
Regarding the loss of reputation, people look at you with suspicion when you’re trying to build your own company based on an unusual idea. And your employer may think you’re not happy with the job. But large established companies don’t have the framework for promoting new ideas. They should support their employees to pursue their own ideas and get trained on founding a new company.

What drives you as an entrepreneur?
I have always tried to do things I like and am capable of realizing. I have always been a curious person. As a child, I built rockets and blew the fuses in our house with my experiments – for example – to split water into O2 and H2 with 240 volts! My grandfather, who was a full-blooded entrepreneur, also taught me the basics of entrepreneurship. I guess the ideal situation for high-tech entrepreneurship is a «born scientist» with a flair for entrepreneurship, as management skills can be acquired.

Do you have any entrepreneurial role models?
Columbus has always fascinated me since childhood. Only later did I realize that he was an incredible entrepreneur who first had to convince the queen to get funds and had to overcome many odds. He definitely had the intelligence, the passion and the courage required to literally embark on such a project. And although pirates are not exactly good role models, they were excellent start-up entrepreneurs. Pirates planned their attacks rigorously in advance, had to get funding or develop advanced boats with higher masts to sail faster. Their structure was similar to a start-up nowadays, and they even had the equivalent to stock option plans, where the loot was distributed among all the hierarchies in proportion to their performance.

Interview: Fabian Käser and Nadine Nikulski, i-net

*Alfredo E. Bruno holds an M.Sc in Quantum Chemistry and a PhD in Laser Physics from the University of Saskatchewan (Canada). Alfredo came to Munich in 1985 as an Alexander-von-Humboldt fellow followed by a teaching position at the University of Zürich. In 1988 he joined Ciba-Geigy and later Novartis where he accumulated more than 25 years of experience in biomedical, preclinical and clinical research in joint projects with Spectra Physics and Chiron Diagnostics.

At Novartis, Alfredo Bruno invented Transungual Laser Therapy for nail diseases, which was the basis for the spin-off of TLT Medical Ltd in 2004, where he was the sole founder and CTO. After three years of successful operation under his leadership, TLT Medical was sold to Arpida Ltd in 2007, where he became the Head of Antifungals. In 2009, he co-founded FreiBiotics in Freiburg (Germany), where he was CEO until mid-2011. In 2011, he co-founded Advanced Osteotomy Tools (AOT), where he is the CEO. He has published over 35 peer-reviewed publications and holds more than 15 patents and has been on the editorial board of three international scientific journals.

>>> More Information

report ICT

Genedata lanciert neuen Datendienst

20.01.2017

report BaselArea.swiss

Flughafen Basel-Mühlhausen erreicht Passagierrekord

19.01.2017

report ICT

«Als Unternehmer muss man ein stückweit paranoid sein»

07.10.2015

Der Basler Privatinvestor und Multi-Verwaltungsrat Adrian Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. Seit März 2013 engagiert er sich ehrenamtlich als Leiter des i-net Technologiefeldes ICT.

Im Interview erläutert er, was Unternehmertypen ausmacht und warum er überzeugt ist dass die Schweiz durchaus das nächste Google hervorbringen könnte.

Wie lebt es sich als Business Angel in der Schweiz?
Adrian Bult*:
Grundsätzlich ist mein Leben spannend. Ständig werde ich mit neuen Ideen und Impulsen konfrontiert. Ich habe mit jungen Unternehmern zu tun, das ist für mich sehr bereichernd.

Meinen Sie das auch wörtlich?
Sicher, denn in erster Linie interessieren mich der Inhalt und Menschen. Daher sehe ich mich auch nicht als Investor sondern als interessierten Entwickler von Unternehmen.

Sie investieren vor allem in ICT - gibt es da genügend interessante Cases?
Ja, in der Schweiz gibt es meiner Meinung nach sehr viele gute Ideen und ein ausgeprägtes Unternehmertum. Das meiste ist aber privat finanziert. Da ist die Schweiz einzigartig. Es gibt wohl weltweit kein anderes Land, wo so viele finanzielle Mittel von Privatinvestoren oder Unternehmen in die Innovation fliessen. Dies auch im Unterschied zum Silicon Valley, wo das Unternehmertum von einer hochprofessionellen VC-Industrie angetrieben wird.

Entsprechend muss man in der Schweiz dann auch die kleineren Brötchen backen?
Ja und ausserdem hat die Schweiz einen kleinen Heimmarkt. Damit stellt sich schon bei der Gründung die Frage nach der Ambition. Wer im B-to-C-Bereich nicht mit einer globalen Vision antritt, hat meist von Anbeginn an wenig Chancen. Darum ist die Schweiz vor allem ein Land mit vielen interessanten Nischenanbietern - insbesondere im B-to-B-Bereich.

Was fehlt den meisten Cases, denen Sie begegnen?
Die Schweiz hat eine ausgeprägte Pharma-, Ingenieurs- und Chemiekultur. Für den Erfolg eines Start-ups ist aber auch eine gute Vertriebs- und Marketingkultur wichtig. Da haben andere Nationen, gerade etwa die USA, einen Vorsprung. Sie rücken das Marketing viel stärker in den Vordergrund. Gerade technologiegetriebene Jungunternehmer glauben, dass das beste Produkt Erfolg hat. Das ist aber oft eben gerade nicht der Fall. Es setzt sich meist durch, was sich am besten vermarktet.

Aber im Silicon Valley werden die Firmen doch auch von Techies und Nerds gegründet und nicht von Marketing-Leuten?
Das stimmt, aber das Marketing hat denselben Stellenwert wie die Ingenieurstätigkeit. Wenn man an einer Party sagt, man sei ein Verkäufer, dann ist die Reaktion meist sehr verhalten. Dies hat damit zu tun, dass in der Schweiz Understatement als grosse Tugend angeschaut wird. Eigenvermarktung ist bei weitem nicht so wichtig wie in anderen Kulturen. Das ist etwas, was wir Schweizer lernen müssen.

Ein Startup-Gründer ohne Verkäufer-Qualitäten hat keine Chance?
Unbedingt, wie will er sonst Investoren für sein Vorhaben gewinnen? Hier fängt es schon an. Und dann braucht es auch eine gewisse Ambition. Es gibt Gründer, die von Beginn an den Weltmarkt im Fokus haben. In der Schweiz wird man dafür sofort belächelt. Aber im Grunde ist dies die richtige Einstellung, um später auch den ersten Kunden zu akquirieren. Auch dies ist ein typische Haltung vieler technologiegetriebener Start-up-Gründer in der Schweiz: Zum Telefon zu greifen und eine Liste von Leads abzuarbeiten, dafür sind sich die meisten zu schade.  

Gibt es weitere Muster, auf die sie bei Schweizer Jungunternehmern immer wieder stossen?
Etwas, das ich besonders bei Start-ups immer sehe, ist die Unterschätzung der Zeit, die gebraucht wird, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Wenn man die Zeit falsch einschätzt und die Finanzierung an diese Zeitachse knüpft, muss man rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass man länger braucht. Sonst geht einem die Puste aus.

Man sollte also immer doppelt so viel Zeit und Geld einplanen als man denkt?
Nein, das wäre falsch. Ich bin dafür, dass man die Zeit eng und die Mittel knapp ansetzt. Aber man muss rechtzeitig reagieren, wenn man sieht, dass es knapp wird. Es braucht den Druck, sonst bewegt man sich nicht.
Können die Schweiz und Europa jemals ein ICT-Giganten hervorbringen?
Warum nicht? Man hört immer nur von Google, Airbnb oder Uber. Aber es gibt auch Unternehmen, die sehr erfolgreich eine bis zwei Stufen unter diesem Radar arbeiten. Es gibt manchen Bereich, wo in der Schweiz technologisch sehr fortgeschrittene Lösungen entwickelt werden. So etwa das «Over The Top»-Internet-TV.

Macht die Schweiz nicht einfach zu wenig aus ihren Opportunitäten? Nicht Zürich sondern London ist heute das Fintech-Zentrum der Welt. 
In der Schweiz gab es durchaus Entwicklungen in diese Richtung, man hat beispielsweise früh ins E-Private-Banking investiert und Apps von grossen Schweizer Banken sind heute führend. Aber drum herum hat sich nicht ein Cluster gebildet wie in London. Warum? Um im Fintech-Bereich erfolgreich zu sein, müssen Banken ihr eigenes Geschäft kannibalisieren. Unter dieser Vorgabe ist es einfach schwierig, innerhalb der eigenen Organisation Innovation voranzutreiben. Deshalb plädiere ich für Kooperationen. Twint von Postfinance ist ein gutes Bespiel dafür, dass dies erfolgreich ist.

Mit der Verschmelzung von ICT und Life Science bietet sich der Schweiz und insbesondere der NWCH die nächste Chance an. Was ist zu tun, dass man diese nicht verpasst?
Innovation entsteht durch Zusammenarbeit. Kleinen Firmen fehlen oft das Knowhow sowie die Ressourcen für die grossen Roll-outs. Etablierte Unternehmen dagegen fehlt die Agilität, um mit wenigen Mitteln das bestmögliche Resultat zu erzielen. Mein Vorschlag wäre deshalb, solche Themen verstärkt in Projektnetzwerken anzugehen. Typischerweise befinden in der Geschäftsleitung grosser Unternehmen wenige Leute darüber, ob eine Idee gut oder schlecht ist. Im Silicon Valley macht man das völlig anders. Dort gibt es einen Sponsor für eine Idee. Dieser setzt sich mit Finanzinvestoren und Fachexperten zusammen und interagiert. Wenn die Idee ankommt und es Verbesserungspotential gibt, ist er auf dem richtigen Weg. Wenn die Kommentare ständig negativ sind, ist es wohl der falsche Weg. Fazit ist, dass im Silicon Valley die kompetenten Personen mit kompetenter Meinung ausschlaggebend sind, nicht ein Einzelner in der Geschäftsleitung. Festzustellen ist, dass dieses Modell langsam auch in der Schweiz ankommt.

Dennoch ist die Schweiz Innovationsweltmeister?
Die Aussage «die Schweiz ist Innovationsweltmeister» würde ich mit äusserster Vorsicht geniessen. Solche Aussagen machen nur bequem. Wenn eine Innovation einen Markt neu am Definieren ist, dann kann man dies nie früh genug merken. Als Unternehmer sollte man diesbezüglich geradezu paranoid sein und ständig überlegen, ob man gut genug ist und was verbessert werden könnte.

Man sagt oft, das Unternehmertum sei in der Schweiz nicht hoch angesehen und die Risikobereitschaft zu gering.
Meine Wahrnehmung ist, dass sich dies sehr geändert hat. Tatsächlich erlebe ich viele junge Menschen, die mit hoher Risikobereitschaft neue Projekte anpacken. Das Scheitern ist heute auch nicht mehr so gravierend. Auch für die Persönlichkeitsentwicklung ist es sehr wertvoll, wenn man einmal ein eigenes Unternehmen aufgebaut hat. Ich sehe heute junge Unternehmer, die viel weiter sind als ich es im gleichen Alter war, weil sie eine eigene Firma aufgebaut haben.

Sie haben es eingangs gesagt: In der Schweiz investieren vor allem Privatpersonen. Was könnten getan werden, damit noch mehr investiert wird?
Fördern könnte man es dadurch, dass man den Leuten die Möglichkeit gibt, selbst diese Erfahrung zu machen. Grosse Unternehmen könnten sich zum Beispiel anstelle von grossen Investitionen in Aus- und Weiterbildungen den Kadermitarbeitern die Möglichkeit geben, Ausbildungsgeld auch in ein Start-up zu investieren. Kostet ein MBA beispielsweise 20‘000 Franken, könnte das Unternehmen den Kadermitarbeiter dazu bringen, selbst 20‘000 Franken draufzulegen, um mit diesem Kapital ein kleines Unternehmen zu begleiten. Ich bin überzeugt, dass der Lerneffekt bezüglich Bilanzen-lesen, Erfolgsrechnungen oder dem Vorwärtstreiben von Projekten mindestens so gross ist, wie beim Verfassen einer Case-Study an einer renommierten Universität. Wenn man das in einem Jobinterview glaubwürdig vermitteln kann, dann ist diese Erfahrung genau so wertvoll wie ein Titel.    

Was halten Sie von Steuer-Incentives für Unternehmen, die Wertschöpfung betreiben?
Grundsätzlich finde ich es immer positiv, wenn Anreize für Personen geschaffen werden, die bereit sind, ein Risiko einzugehen. Wenn jemand ein grosses Risiko eingeht, sollte er auch eine grössere Belohnung dafür erhalten. Steueranreize sind dafür eine Möglichkeit.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Adrian Bult engagiert sich seit März 2013 ehrenamtlich als Leiter des Technologiefeldes ICT für i-net. Bult ist ein profunder Kenner und ausgewiesener Experte der Schweizer ICT-Branche. So war er von 1998 bis 2007 Mitglied der Gruppenleitung von Swisscom und von 2007 bis April 2012 COO des Schweizer Bankensoftwareanbieters Avaloq. Heute ist Adrian Bult als Berater und Investor tätig. Er ist Verwaltungsratspräsident von Swissgrid sowie der Enkom Gruppe und Verwaltungsrat bei Adnovum, Swissquote, Regent Beleuchtungskörper sowie Alfred Müller AG.
Adrian Bult (Jahrgang 1959) studierte Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (HSG).

>>> More Information

report Life Sciences

Pharmafirmen bekämpfen nichtübertragbare Krankheiten

18.01.2017

report Life Sciences

Therachon führt erfolgreiche Finanzierungsrunde durch

17.01.2017

report Micro, Nano & Materials

«Meine Erfahrungen im Umgang mit Nanomaterialien sind in Bern willkommen»

10.09.2015

Die Firma Polycompound aus Sissach ist Spezialist in der Einarbeitung von Nanopartikeln in Kunststoffe. Jährlich werden unter anderem über 1000 Kilogramm Carbon Nanotubes (CNT) verarbeitet, das sind längliche Hohlkörper mit einem Durchmesser von weniger als 10 Nanometern. Die Sicherheit bei der Verarbeitung dieser Kleinst-Partikel ist äusserst wichtig, zumal die Wirkungen von CNTs  im menschlichen Körper noch nicht abschliessend untersucht sind.

Peter Imhof, Verkaufsleiter bei Polycompound, arbeitet selbst seit rund 10 Jahren mit Nanomaterialien, er ist nicht nur regelmässiger Gast im i-net Technology Circle «NanoSaftey», sondern auch Ratgeber für die Bundesämter für Umwelt (BAFU) und Gesundheit (BAG). Im Interview erläutert er, welche Massnahmen die Arbeit mit Nanopartikeln benötigt und welche Bestimmungen noch präzisiert werden müssen.

Wie kam Polycompound dazu, Nanomaterialien zu verarbeiten?
Peter Imhof: Das hat zu einem gewissen Grad mit meiner Person zu tun. 2004 arbeitete ich als Product-Manager bei einer namhaften Handelsfirma für Polymere, Rohstoffe und Feinchemikalien in Basel, wo ich im Bereich Schichtsilikate zum ersten Mal mit Nanoprodukten in Berührung kam. 2008 durfte ich die erste Version des Sicherheitsrasters für Nanomaterialien in Bern präsentieren und meine praktischen Erfahrungen als einer der Ersten aus der Industrie einbringen. 2009 wechselte ich zu Polycompound und blieb der Nanotechnologie treu. Neben Schichtsilikaten und CNTs war auch Nanosilber ein Thema. Weitere Additive im Nanobereich, wie zum Beispiel Flammschutzmittel, kamen später dazu.

Warum setzt man Carbon-Nanotubes überhaupt ein?
CNTs können ein Material verstärken oder seine elektrische Leitfähigkeit erhöhen. Kabeln wird üblicherweise Russ zugesetzt, um sie leitfähig zu machen. Doch der Russ reduziert auch die Flexibilität und macht Kabel brüchiger. Wenn CNTs beigemischt werden, kann die gleiche Leitfähigkeit mit deutlich geringerer Konzentration erreicht werden ohne die mechanischen Eigenschaften wesentlich zu verändern, dadurch können diese Kabel stärker belastet werden. CNTs werden bei verschiedenen Anwendungen eingesetzt, speziell wenn erhöhte Anforderungen an das Produkt gestellt werden, ohne Verlust der guten Eigenschaften des Grundmaterials. Das Problem ist, dass Zusätze mit Nanotubes noch sehr teuer sind. Dies ist eine Hemmschwelle – genau wie die offenen Sicherheitsfragen und die Unsicherheit im Umgang mit Nanomaterialien.

>>> More Information

report Supporting Entrepreneurs

Schweizer KMU haben vollen Zugang zu EU-Fördermitteln

16.01.2017

report Invest in Basel region

US-Fonds will von Basel aus investieren

13.01.2017

report Medtech

«Erst durch den Austausch im Team wird eine Idee konkret»

03.09.2015

Hans-Florian Zeilhofer ist Chirurg, Innovator, Wissenschaftler und Unternehmer. Auf vielen Gebieten der Wiederherstellenden Gesichtschirurgie hat er Pionierarbeit geleistet. Stets getrieben vom Ziel, die Situation für seine Patienten zu verbessern, stösst Zeilhofer immer wieder neue Projekte an, die international Beachtung finden. So auch sein jüngstes Projekt «MIRACLE», das sein Team an der Lift Basel Conference 2015 vorstellt.

Im Interview erläutert er, warum für ihn die Arbeit im interdisziplinären Team so wichtig ist und warum er überzeugt davon ist, dass von der Nordwestschweiz ausgehend global neue Impulse gesetzt werden.

Sie sind Chirurg mit einem ausserordentlichen Werdegang – wie würden Sie sich selber beschreiben?
Hans-Florian Zeilhofer*:
Vor allem bin ich bin ein neugieriger Mensch, der gerne neue Wege geht. Auch dorthin, wo noch kein Weg führt, auch, wenn ich nicht weiss, ob und wie ich ankommen werde. , Es ist eine bereichernde Erfahrung, unterwegs immer neue Partner zu treffen und gemeinsam die hoffentlich zielführenden Lösungen zu finden. Es ist sehr beflügelnd, wenn man sich so einem Ziel nähern kann und ankommt.

Sie operieren, gründen Unternehmen, sind vielfältig wissenschaftlich engagiert. Wie halten Sie es mit der Work-Life-Balance?
Ich lehne den Ausdruck «Work-Life-Balance» ab. Ich lege Berufs- und Privatleben nicht auf eine Waage, die es dann auszugleichen gilt. Man sollte seine Arbeit immer mit Freude und Leidenschaft machen und darin eine Sinnerfüllung finden. Dann spricht man auch nicht mehr von Work-Life-Balance. Wenn Arbeit ohne Blick auf einen dahinterstehenden Gesamtzusammenhang verrichtet wird oder werden muss, dann findet keine Sinnstiftung satt. Es ist also wichtig, dass Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die diese Sinnstiftung unterstützen – und zwar in allen Berufsgattungen.

Sie haben in Ihrem Leben bereits viel gemacht: Medizin und Zahnmedizin, Philosophie, Wissenschaft und Management – wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?
Meine verschiedenen Tätigkeiten sind für mich kein Widerspruch, vielmehr ergänzen sie sich gegenseitig. Heute kann ich viele Dinge, die ich vor fünf oder zehn Jahren noch nicht konnte und versuche mir immer wieder bewusst zu werden, welche neuen Perspektiven es gibt und was ich weitermachen möchte.  Man hört nie auf zu lernen und ich lerne viel von jüngeren Kollegen. Das ist für mich, in der Spätphase meiner beruflichen Karriere, sehr bereichernd.

Leben wir in einer Zeit, wo es mehr Leonardo Da Vincis braucht? Sollten sich Mediziner ein breiteres Wissen aneignen?
Man muss nicht unbedingt dem Universalgenie nacheifern, aber ein breite Wissensbasis ist ausserordentlich wichtig. Der Mund-Kiefer- Gesichtschirurg muss obligat Medizin und Zahnmedizin studieren. Das reicht aber heute bei weitem nicht mehr aus. Ein angehender Facharzt sollte sich verschiedenste Kenntnisse aneignen, zum Beispiel in Engineering, im Umgang mit Computern oder Medien, aber auch ökonomische und ethische Kenntnisse werden zusehends wichtig. Ich meine auch, dass die Ausbildungen sich ändern müssen. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich auf die Entwicklung Einfluss nehmen und die Jungen anleiten kann. Das ist eine sehr schöne Erfahrung.

Sie sind in vielen Bereichen der Medizintechnik ein Pionier. Wie entstehen die berühmten Heureka-Momente?
Meine Innovationen gehen immer von einem Alltagsproblem aus, für das ich eine Lösung suche. Wenn ich eine herkömmliche Lösung für unsere Patienten nicht mehr als ausreichend oder zufriedenstellend empfinde, dann fange ich mit der Suche an. Oft stellen sich Lösungen ganz plötzlich ein oder entspringen einem Moment meditativer Ruhe.
Die Idee kommt dann zum Beispiel, wenn ich mit geschlossenen Augen im Zug sitze oder morgens unter der Dusche stehe. Irgendwo im Unterbewusstsein arbeitet es und plötzlich ist ein Lösungsansatz da. Meist noch nicht in klaren Konturen, aber so, dass man sie stichwortartig festhalten kann. Dann ist es wichtig, Freunde und Partner zu haben, mit denen ich mich austauschen kann. Denn erst durch den Austausch kommt die Idee ins Sein und wird konkretisiert. Wenn ein Partner dann die richtigen Fragen stellt, bringt einen das schnell vorwärts und man erkennt, was an einer Idee noch unvollkommen ist, wo etwas hakt, was noch für eine runde Lösung bedacht sein will.

Sie gelten als Macher, viele Ihrer Ideen werden umgesetzt und Sie waren an vielen Ausgründungen beteiligt. Was bedeutet für Sie das Risiko des Scheiterns?
Das Risiko des Scheiterns ist eine sehr ernste Sache und man trägt es immer mit sich – gerade für einen Chirurgen ist dies eine tägliche, grosse Herausforderung. Wenn sich ein Patient mir anvertraut, möchte er gut operiert werden. Das heisst für mich, dass ich viel planen muss, um den Eingriff so sicher wie möglich zu gestalten. Daneben muss ich aber auch gewärtig sein, dass Plan A im Verlauf einer Operation vielleicht hinfällig werden und ein unkalkulierbares Moment spontan einen neuen Plan B erforderlich machen kann.
Im Laufe meiner Berufserfahrung habe ich gelernt, damit umzugehen. Wir haben oft versucht, von anderen Berufsgruppen wie Musikern, die auch improvisieren müssen, zu lernen. Es kann uns alle nur bereichern, über den Tellerrand zu blicken und von den jeweils anderen Disziplinen zu lernen; in meinem Fall sind das vor allem die Kunst und die Geisteswissenschaften.

Und was bedeutet für Sie das unternehmerische Risiko?
Auch dazu braucht es Mut. Ich brauchte lange, um diesen Schritt ein erstes Mal zu wagen. Ich musste oft die Erfahrung machen, dass herausragende und besonders innovative medizinische Ideen von der Industrie kaum aufgegriffen wurden. Das hat verschiedenste Gründe: Manchmal sind es die Produktionsprozesse, die nicht passen, oder es gibt logistische Probleme und oft sind auch die Zulassungsprozesse zu langwierig. Ich musste einsehen, dass wir Mediziner und Wissenschaftler den Mut zur Unternehmensgründung selber aufbringen müssen, wenn wir nicht wollen, dass die gute Idee in der Schublade landet. Allerdings gehen wir dann ein unternehmerisches Risiko ein, das weitreichende Handlungsstrategien nach sich zieht. So muss Ich beispielsweise meine Idee zuerst schützen, bevor ich mit ihr an die Öffentlichkeit trete. Nach Patent und Firmengründung gilt es dann, das Produkt zur Marktreife zu entwickeln und die damit verbundenen Probleme zu lösen. Nicht zuletzt, und darin liegt ein komplexerer Teil des Unterfangens, muss man Investoren finden, die bereit sind, sich für eine Neuentwicklung finanziell zu engagieren. Doch auch solche Investoren wollen natürlich bei einer Einlage von mehreren hunderttausend bis zu einer Million Franken das Risiko möglichst gering halten. Aber letztlich sind doch gerade die risikoreicheren Ideen die eigentlich spannenden Projekte.

Woher kommt Ihre Begeisterung für das unternehmerische Risiko?
Wissen Sie, als junger Mediziner entwickelte ich in Deutschland meine erste Idee für eine Produktinnovation. Und als ich diese in Fachkreisen vorstellte, sagte man mir, das brauche doch niemand. Bald darauf besuchte ich einen Kongress für medizinische Bildgebung im Silicon Valley. Dort haben mir alle gratuliert und Mut gemacht, die Idee weiter zu verfolgen. Schliesslich habe ich in verwandten Fächern wie Mathematik und Ingenieurwissenschaften meine Partner gefunden. Spitzenforschung und Spitzentechnologien können heute nicht mehr in einer Monokultur entwickelt werden. Es braucht kleine und flexible, interdisziplinäre Teams mit Physikern, Informatikern, Biologen, Ingenieuren und Medizinern für kreative und schnelle Lösungen. Darin liegen eine enorme Dynamik und Kraft. Das ist eine Kultur, die wir in Basel entwickelt und fast zur Perfektion getrieben haben. Genau das ist das Geheimnis von und der Schlüssel zu unserem Erfolg in der Regio. Solch eine Kultur braucht genügend Raum und Zeit, um sich zu entfalten, und funktioniert auch nicht im Alleingang – es braucht immer ein Team.
Ich sehe meine Rolle zunehmend darin, andere zu ermutigen, Sicherheit und Vertrauen zu geben oder auch einfach nur anwesend zu sein. Vertrauen hängt immer an Personen und man muss sich als ganzer Mensch darauf einlassen. Das spüren die Partner. Ich werde gern als Türöffner beschrieben, aber eigentlich unterstütze ich nur die Teams – die Türen öffnen sie selber.

Und war dies auch bei Ihren letzten beiden Coups der Fall: Dem «MIRACLE»-Projekt sowie dem MedTech-Fonds MTIP?
Beim Projekt «MIRACLE» geht es einfach gesagt um minimalinvasives, computerassistiertes, robotergeführtes Knochenschneiden. Das Projekt ist fast wie ein Wunder. Wir sind bereits weltweit darin führend, mit Lasertechnologie Hartgewebe zu bearbeiten. In einer nächsten Generation möchten wir mit flexiblen Werkzeugen direkt im Körper arbeiten, um die Eingriffe weniger belastend zu machen. Ich bin mir ganz sicher, dass das Projekt «MIRACLE» für unsere Gesellschaft um das Jahr 2050 eine grosse Bedeutung haben wird. Dann werden in der Schweiz fast zwei Millionen Menschen über 65 Jahre alt sein. Mit der höheren Lebenserwartung nehmen die altersbedingten Verschleisserkrankungen zu. Die Therapie dieser Erkrankungen erfordern einen hohen technischen Aufwand und sollen die Lebensqualität der Patienten nicht beeinträchtigen. Deshalb müssen wir Technologien mit speziellen Lösungen für ältere Menschen entwickeln, die möglichst wenig invasiv sind und ein schnelle Heilung ermöglichen. Mit «MIRACLE» werden wir das Spektrum für operative Eingriffe erweitern und Therapiemassnahmen auch für ältere Patienten in schlechterem Allgemeinzustand zugänglich machen. Gleichzeitig kann die Hospitalisationsdauer und die nachfolgende Rehabilitationsphase verkürzt werden.
Es ist unsere Aufgabe, heute die Grundlagen zu erforschen, die in 30 oder 40 Jahren befriedigende Resultate für die Bevölkerung liefern können.
Das Spezielle bei MTIP ist, dass die Universität und das Universitätsspital Basel als Partner mit dabei sind. Beide teilen mit uns das unternehmerische Wagnis. Dies deute ich als ein Commitment, das uns in der Wissenschaft Mut und Vertrauen gibt, diesen Weg mit der Industrie weiter zu gehen.

Sie haben letztes Jahr an der Lift Basel Conference einen vielbeachteten Auftritt gehabt, der den Wunsch nach mehr geweckt hat. Was können die Besucher in diesem Jahr zum Thema Surgeon Superpowers erwarten?
Wir werden an der Lift Basel Conference 2015 das «MIRACLE»-Projekt vorstellen und den Roboter in Aktion zeigen. Ich hoffe sehr, dass auch Mediziner dabei sein werden und wir ihnen eventuelle Vorbehalte vor dieser Technologie nehmen können. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir Technologien aus unserem Fach heraus entwickeln, selber gestalten und unter unserer Kontrolle halten und  sie nicht uneingeschränkt in die Hände der Industrie legen. Auch den neuesten 3D-Druck werden wir an der Lift vorstellen. Mit dieser Technologie haben wir bereits vor vielen Jahren gearbeitet, als sie in der Automobilindustrie zur Anwendung kam. Als einer der ersten durfte ich den 3D-Druck für die Medizin nutzen. Heute können wir aus Titanpulver individuelle Implantate herstellen, die vom Körper besser aufgenommen werden und an die Bedürfnisse des Patienten angepasst sind. Ein drittes wichtiges Thema ist Big Data in der Medizin. Wir brauchen für die Diagnostik Schnittbilder durch den Körper. In diesen Bildern stecken sehr viele Informationen und wir nutzen – wenn überhaupt – nur ein paar Prozent davon. Diese Daten könnten wir mit der heutigen Rechenleistung aufbereiten und zum Beispiel für die Prophylaxe verwenden. Wir haben uns daher vorgenommen, Big Data hier in Basel noch mehr Beachtung zu schenken.

Welche Visionen haben Sie sonst noch für die Region?
Meine Vision ist es, dass die Strukturen die wir jetzt aufbauen, Bestand haben. Ich nenne die Umgebung hier bewusst «Medtech Innovation Hive». Seit über 30 Jahren ist die Bienenzucht mein Hobby und ich bin fasziniert davon, wie 40‘000 Individuen in einem Superorganismus zusammenleben und hochkomplex organisiert sind. Für mich ist der Bienenstock eine Quelle der Inspiration und der Problemlösung. Und genau deswegen nenne ich unsere Umgebung Bienenstock oder eben Hive, denn wir müssen wie ein Bienenvolk sensibel und flexibel auf die Umgebung reagieren. Die Forschungsstrukturen sind wie ein Organismus, der sich ständig im Wandel befindet, sich teilen und wachsen kann, aber auch verletzlich ist. Aufgrund der starken Interdisziplinarität müssen wir neue Strukturen der Zusammenarbeit entwickeln. Diese werden nicht ohne Einfluss bleiben auf die Industrie, darauf, wie ein Unternehmen organisiert ist. Und ich bin sicher, dass diese Strukturen Auswirkungen auf die Universitäten haben werden. Es gibt Strukturen wie die Einteilung in Fakultäten, die schwer zu überwinden sind. In Basel hat man uns geholfen, dieses Problem mit der Einrichtung von Departementen zu lösen. Aber das ist meiner Meinung nach erst eine Zwischenlösung. Wir müssen auf universitärer Ebene neue Wege finden, um dieser Form der Forschung Struktur und Halt  zu geben und nachhaltige Entwicklung für die Zukunft zu ermöglichen. Und ich freue mich darauf, daran noch gestalterisch mitwirken zu dürfen.

2002 sind Sie aus München nach Basel gekommen. Sicher ein Glücksfall für die Nordwestschweiz, für Sie auch?
Ich finde in Basel sehr viele offene Menschen, mit denen ich meine Ideen diskutieren kann. Und ich schätze es, dass Basel eine Volluniversität hat. Denn ich glaube, dass darin ein gar nicht hoch genug zu schätzender Vorteil liegt. In der Region Basel haben wir darüber hinaus neben der starken Universität Fachhochschulen, an denen sehr gute, anwendungsorientierte Forschung betrieben wird. Gleichzeitig haben wir kurze Wege zu ETH Zürich und EPFL, der EMPA und dem CSEM. Die triregionale Metropolitanregion verleiht dem Raum Basel eine kulturelle Vielfalt, die wir für die Umsetzung unserer Ideen  brauchen. Ich kenne viele Standorte der Welt, in denen Innovation betrieben wird. Und ich bin überzeugt, dass hier etwas wie ein Silicon Valley für Europa entstehen kann – mit Impulsen für die Welt und von ähnlicher Tragweite.  Und wenn Sie von Glücksfall sprechen:  Ja, ich empfinde es als wirklichen Glücksfall, einen solchen Prozess mit zu initiieren und begleiten zu können, gemeinsam mit mit i-net, dem Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz, der Universität und den Universitätsspitälern – so eine Chance gibt es nicht noch einmal.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, i-net

*Professor Hans-Florian Zeilhofer leitet die Kliniken für Mund-, Kiefer– und Gesichtschirurgie am Universitätsspital Basel und am Kantonsspital Aarau, sowie das Hightech-Forschungs-Zentrum am Departement Biomedical Engineering der Medizinischen Fakultät Basel. Nach dem Studium der Humanmedizin, Zahnmedizin und Philosophie, Weiterbildung zum Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Habilitation am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Im Juni 2002 Ruf an die Universität Basel. 2004 Aufbau und Leitung des Hightech-Forschungs-Zentrums am Universitätsspitals Basel. 2005 Gründungspräsident des jährlichen „International Bernd-Spiessl-Symposium for Innovative and Visionary Technologies in Cranio-Maxillofacial Surgery“. Seit 2013 Aufbau des „Med-Tech Innovation Hive“ in Zusammenarbeit mit i-Net und dem Swiss Innovation Park (SIP) Basel. Er ist seit 2007 Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Für seine innovativen Forschungsarbeiten erhielt er zahlreiche Ehrungen und Preise. Er ist Inhaber einer Reihe von internationalen Patenten und hat in den letzten Jahren mehrere Hochtechnologien aus der universitären Forschung zu Firmengründungen gebracht. Zuletzt gründete er im Private Public Partnership Modell gemeinsam mit dem Unternehmer Felix Grisard und dem Manager Christoph Kausch unter Beteiligung der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel die neue Innovations-Plattform Med-Tech Innovation Partners (MTIP).

Link zum Projekt «MIRACLE» 
Link zu MTIP 
Link zum Department Biomedical Engineering:

>>> More Information

report Life Sciences

Novartis schliesst Lizenzvereinbarung mit Ionis

11.01.2017

report Life Sciences

PIQUR bekämpft Hautkrebs mit Partnerschaft

11.01.2017

report ICT

«Wenn man auf zweistellige Millionen-Investments aus ist, wird es in Europa immer sehr eng...

05.08.2015

Mit der preisgekrönten Erlenapp hat das Unternehmen qipp sich national und international einen Namen gemacht. Der Erfolg kam für das Internet of Things-Startup mit seiner «Allthings»-Plattform kam allerdings in einem anderen Markt als zunächst gedacht.

Im Interview erzählt Stefan Zanetti, Gründer und CEO von qipp, welche Hürden das Basler Startup nehmen musste und wagt einen Blick in die Zukunft von qipp.

qipp konnte in den vergangen Monaten eine Menge Startup-Preise einheimsen. Bringt das auch geschäftlich etwas, oder tun die Auszeichnungen einfach nur dem Ego gut?
Stefan Zanetti*:
Wir hätten natürlich nicht an den Wettbewerben mitgemacht, wenn wir nicht überzeugt gewesen wären, dass diese uns weiterbringen. Es gibt dazu zwei Überlegungen. Erstens ist unsere Geschäftsidee ziemlich abstrakt. Um Erfolg zu haben, müssen wir diese in eine gute Story verpacken. Wettbewerbe zwingen einen dazu, die eigene Geschichte auf den Punkt zu bringen. Zweitens schaffen Preise nebst Publicity vor allem auch Vertrauen. Es ist wie eine Drittmeinung, die attestiert, dass wir mit einer vielversprechenden Geschäftsidee unterwegs sind. Besonders bei Investoren haben uns die Auszeichnungen Türen geöffnet.

Dabei ist die Idee von qipp über die Zeit auch gereift. Was hat sich geändert?
Ich würde das anders formulieren. Die Grundidee ist immer noch die gleiche: Wir wollen mit unserer «Allthings»-Plattform die physische Welt mit digitalen Diensten ausrüsten. Was sich stark verändert hat ist der Marktfokus. Wir dachten zuerst, dass qipp vor allem für Hersteller hochwertiger Güter interessant sein könnte. So erlaubt es unsere Technologie, Produkte wie Uhren, Fahrräder oder Küchengeräte mit digitalen Services auszustatten, so dass die Anbieter ihre Produkte direkt mit Mehrwertdienstleistungen ausliefern können. Diese Idee ist weiterhin zielführend und wurde von Herstellern auch gut aufgenommen. Nur leider bewegt sich dieser Markt zu langsam und die Verkaufszyklen sind viel zu lange für ein Startup wie wir, das sehr schnell konkrete Ergebnisse vorweisen muss.

Man hatte also zwar das richtige Produkt, war aber zu früh am Markt?
Ja, die zuerst anvisierten Hersteller waren schlicht nicht reif für unsere Story. Aber zum Glück bekam eine andere Branche Wind von unserem Produkt: Die Immobilienbranche. Dabei war es vor allem die Initiative eines Partners, nämlich des Totalunternehmers Losinger Marazzi, welcher für die Erlenmatt-Siedlung neue Wege gehen wollte. Und so entwickelten wir auf «Allthings» die Erlenapp. Jeder, der in der Erlenmatt eine Wohnung bezieht, erhält Zugang zu dieser App. Darin sind alle Services zur Wohnung und Siedlung enthalten: Von der Dokumentation der Wohnung, über ein lokales soziales Netzwerk zum Austausch unter Nutzern, von Schadenmeldemasken bis zur Energiedaten-Visualisierung. Bisher haben 92 Prozent der Wohnungen die App geladen und benutzen sie im Schnitt jeden zweiten Tag. Das ist natürlich ein grossartiger Wert.

Das ist also jetzt der Durchbruch?
Seit wir die Erlenapp lanciert haben, können wir uns tatsächlich vor lauter Anfragen kaum mehr wehren. Diese kommen einerseits aus dem Immobiliensektor, andererseits aber auch aus anderen Branchen.

Wie gehen Sie mit dem Ansturm um?
Im Moment arbeiten wir auf zwei Ebenen. Neben dem weiteren Rollout von Immobilien-Apps arbeiten wir mit Hochdruck an der Veröffentlichung der API, welche die «Allthings»-Plattform dann für Drittanbieter auch ausserhalb der Immobilienbranche öffnet.

Funktioniert dieser Spagat auf Dauer? Wird man sich nicht irgendwann entscheiden müssen: «World Leading Immo-App» oder horizontale Plattform für Internet of Things-Anwendungen?
Das ist eine berechtigte Frage. Tatsächlich ist der Immobilienmarkt riesig. Dabei geht es ja nicht nur um den Wohnungsmarkt, sehr attraktiv ist natürlich auch der Office-Bereich, nicht zuletzt aufgrund neuer Arbeitsformen wie Shared Desk oder Co-Working, die mehr und mehr Einzug halten. Es gibt im Immobilienbereich ein riesiges Potenzial für Mikroapplikationen, die dann von Drittparteien über unsere Plattform angeboten werden können. Dabei zeigt sich, wie entscheidend der lokale Graph ist. Sei es, dass man überzählige Nahrungsmittel im Kühlschrank loswerden will, bevor man in die Ferien geht, oder dass die Quartierbeiz zum Grillspass einlädt.

qipp positioniert sich also so gesehen als Verkaufs- und Servicekanal?
Ich könnte mir gut vorstellen, dass vergleichbare Apps wie die Erlenapp künftig von Städten, Gemeinden oder Quartieren als Grundinfrastruktur angeboten wird. Gleichzeitig muss man aber auch aufpassen, sich nicht zu sehr in die Breite treiben zu lassen. Denn möglich ist vieles, aber nicht alles ist wirklich sinnvoll. Deshalb wird es wichtig sein, den skalierbaren Kern in den kommenden Monaten zusammen mit unseren Partnern noch genauer herauszuschälen.

Sie waren verschiedentlich im Silicon Valley. Wird qipp irgendwann ins ICT-Mekka übersiedeln müssen? Oder anders gefragt: Können Sie ihre Ambitionen auch in Basel ausleben?
Sofern der Erfolg anhält, wird der Tag kommen, an dem wir ins Silicon Valley müssen. Aber wir können und wollen diesen Schritt nicht sofort machen. Es ist uns auch bewusst, dass es Hotspots wie London oder Berlin gibt, wo derzeit die Post abgeht und ein europäisches Startup-Ökosystem entstanden ist. Aber von diesem kann man auch profitieren, wenn man ab und zu dahin reist und sich aktiv vernetzt. Man braucht nicht unbedingt den Hauptsitz dort zu haben. Ein ICT-Off-Standort wie Basel hat umgekehrt auch Vorteile. Wenn man zum Beispiel sieht, wie sich in London und Berlin die Firmen gegenseitig Entwickler-Talente abjagen, dann möchte man da nicht unbedingt mitmischen müssen. Ich kann hier auf Mitarbeitende zählen, die vor allem von der qipp-Idee überzeugt sind und es spannend finden, diese weiterzuentwickeln. Es gibt auch Top-Entwickler, die nicht zwingend am hipsten Ort der Welt leben wollen.

Ist das nicht etwas zu defensiv gedacht?
Wenn man auf grosse ICT-Investments in zweistelliger Millionenhöhe aus ist, dann wird es in Europa immer sehr eng bleiben und man wird sein Glück auch im Silicon Valley suchen. Nur wartet dort niemand auf ein Unternehmen aus Europa und umgekehrt investiert kein US-Venture-Capitalist massgeblich ausserhalb der USA. Der Aufbau eines Startups in Europa unterscheidet sich fundamental vom Aufbau eines Startups in den USA. Nehmen Sie Nextdoor. Dieses Startup macht in den USA etwas Ähnliches wie wir, aber die Vorgehensweise ist ganz anders. Es geht zunächst darum, Gebiete zu erobern. Geschäftsmodell und Umsatz spielen keine Rolle. Denn sobald man die Massen auf der Plattform hat, entwickeln sich diese dann von alleine. In Europa kann man nicht so vorgehen. Man muss von Anfang an Geld verdienen. Das funktioniert aber nur, wenn man seinen Markt kennt, und den kennt man nun mal dort am besten, wo man auch zu Hause ist.

Sie können also qipp selber finanzieren?
Ich habe bereits zwei Firmen aufgebaut, die komplett organisch finanziert waren. Auch qipp ist bis heute selbstfinanziert und liesse sich auch organisch weiter entwickeln. Die Frage aber, ob wir dann nicht riskieren, ein grosses Potenzial zu verpassen. Aus diesem Grund werden wir im Herbst unsere erste externe Finanzierungsrunde machen.

Wie hoch ist denn der Kapitalbedarf?
Wir werden eine erste Runde unter Business Angels, Freunden und Mitarbeitern durchführen und uns erst dann öffnen. Und wir brauchen zusätzliche Mitarbeiter, um die derzeit stark wachsende Nachfrage zu bedienen. Damit können wir dann aber schon bald neue Umsätze generieren, die wir für den Ausbau unserer Plattform einsetzten wollen, um Drittanbieter einbinden zu können.

Interview: Thomas Brenzikofer und Nadine Nikulski, i-net

*Stefan Zanetti ist Gründer und CEO von qipp, dem dritten Unternehmen, das er nach synesix (2005) und careware (2006) gegründet hat. Bei qipp konzentriert sich Zanetti aufs Business Development und das Key Account Management. Alle von ihm gegründeten Firmen sind profitabel und kommen gänzlich ohne externe Finanzierung aus. Sie erwirtschaften Umsätze von 2 bis 6 Millionen Franken pro Jahr und beschäftigen zwischen 8 und 20 Personen.
Webseite von qipp

Video zu quipps Erlenapp 

>>> More Information

report ICT

Clinerion betritt den südamerikanischen Markt

10.01.2017

report Life Sciences

Evolva will 2018 neuen Stevia-Süssstoff lancieren

10.01.2017

report Medtech

«Wir profitieren von jahrelanger Forschung aus Basel»

08.07.2015

Die Schweiz ist Innovations-Weltmeister in vielen Rankings, doch aussichtsreichen Innovationen im Bereich Medizintechnik fehlen in der Schweiz oft die Finanzierungsmittel bis zur Marktreife. Der Start-up Investor MedTech Innovation Partners AG (MTIP) schliesst diese Lücke.

CEO Christoph Kausch erklärt im i-net Interview, was MTIP anders macht als andere Investoren und führt aus, welche Start-up-Projekte für sein Unternehmen besonders interessant sind.

MedTech Innovation Partners ist seit kurzem am Markt präsent. Wie kam es dazu und warum taten Sie diesen Schritt nicht schon früher?
Christoph Kausch*: Vor etwa zweieinhalb Jahren entstand die Idee, die Arbeit und Forschung von Prof. Dr. Dr. Hans-Florian Zeilhofer in ein Geschäftsmodell unter der Marke MTIP zu bündeln. Das heisst, MTIP profitiert von jahrelanger Forschung aus Basel. Seither hat sich die Organisation entwickelt und das Konzept wurde verfeinert. Kurz gesagt: Wir sind von unserer Geschichte her stark in Basel verankert und fördern hier Innovationen. Unser Wirken kann mitverhindern, dass Start-ups mit guten Ideen ins Ausland abwandern, weil sie hier nicht die nötigen Finanzierungsmittel und Wege finden.

Und wer sind die Personen hinter MTIP?
Zum Kernteam gehören neben mir Herr Professor Zeilhofer, Leiter des Hightech-Forschungs-Zentrums am Universitätsspital Basel und sein Leben lang im Bereich Medizintechnik tätig. Ausserdem der Unternehmer und Investor Dr. Felix Grisard, welcher seit über zehn Jahren im Bereich Medizintechnik investiert. Der Verwaltungsrat ist stark besetzt und ebenso hochkarätig ist das Advisory Board. Unsere Kompetenzen reichen von Medizintechnik- und Forschungsexpertise, über Investoren- und Unternehmer-Know-how bis hin zu Wissen im Bereich des Managements von Innovationsprojekten.

Der Verwaltungsrat der MTIP besteht aus sehr namhaften Persönlichkeiten. Wie konnten Sie diese Personen motivieren?
Bisher gab es schweizweit kein Geschäftskonzept mit einer solch starken Vernetzung zu Forschungsinstitutionen. Diese Marktlücke schliessen wir, um in der Schweiz Innovationen zu fördern. Die Aufgabe daran mitzuwirken ist reizvoll.

MTIP verspricht, dass man Wert auf nachhaltige Entwicklung lege. Was wollen Sie anders machen als andere Funds?
Unser integriertes Geschäftsmodell ist langfristig ausgelegt, das schnelle Geld ist nicht unser Ziel. Wir leisten auch einen gesellschaftlichen Beitrag, in dem wir die Innovationskraft am Standort Basel stärken. Was kein anderer Venture Capital Fonds in diesem Bereich besitzt, ist unser einzigartiges Schweizer Netzwerk und unseren exzellenten Zugang zu Forschungseinrichtungen. Auf internationaler Ebene entwickeln wir einen «Innovationsring». Wenn wir zum Beispiel eine klinische Studie für ein Start-up durchführen, können wir diese in gleicher Qualität viel schneller in Zusammenarbeit mit international hochkarätigen Partnern realisieren. Dies verkürzt die Zeit zum Markteintritt enorm.

Was für eine Gegenleistung erwartet MTIP von den Unternehmen, die sie unterstützen?
Für uns sind eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und damit die Personen sehr wichtig. Schutzrechte am Geistigen Eigentum wie Patente oder Marken müssen klar geregelt sein, bevor man die Technologie weiterentwickeln kann. Wir selbst sind ein Minderheitsinvestor und streben jeweils eine Beteiligung von mindestens 10 Prozent an einem Start-up an. Unser Ziel ist es, den Unternehmer hinter der Firma zu unterstützen und ihm dabei zu helfen, die Stolperfallen während einer Unternehmensgründung zu umgehen.

Sie schreiben auf der Website, dass MTIP möglichst frühzeitig einsteigen und die Firmen lang begleiten möchte. Wie lange wollen Sie die Start-ups unterstützen?
Hier in der Schweiz ist es etwas einfacher als anderswo, Seed Capital von 100‘000 Franken bis zu einer Million für die erste Finanzierungsrunde zu erhalten. Unheimlich schwer wird aber die Folgefinanzierung. Dies führt dazu, dass viele Start-ups abwandern müssen. Daher unterstützen wir nach der Seed-Finanzierung auch die Folgefinanzierung. Um dies zu ermöglichen, schliessen wir uns mit anderen Kapitalgebern zusammen.

Die Medizintechnologie ist ein sehr breiter Begriff. Er beinhaltet alles von Mullbinden über Implantate, roboterunterstützte Chirurgie bis hin zu Therapie und Krankenpflege. Worauf legt MTIP bei dieser riesigen Palette den Fokus?
Wir haben fünf Fokus-Bereiche: Imaging, Robotics/Navigation, IT/Big Data Management, Medtech meets Pharma und Smart Materials. Dort liegen unsere Kernkompetenzen, was aber nicht heisst, dass wir andere Bereiche ausschliessen würden. Zudem ist Interdisziplinarität sehr wichtig. Ein Vorbild ist das Hightech-Forschung-Zentrum von Herrn Professor Zeilhofer, wo unterschiedliche Fachrichtungen wie IT, Biologie, Ingenieurswissenschaften, Geisteswissenschaften, Kunst oder Medizin gemeinsam an der besten Lösung für ein medizinisches Problem arbeiten. Denn in Isolation kann man heute nichts Innovatives entwickeln.

Sie haben selbst Erfahrung als Jungunternehmer. Was sind die grössten Herausforderungen für Start-ups und wie kann MTIP helfen, diese zu bewältigen?
Bei Start-ups im Medizintechnikbereich sehe ich zwei grosse Herausforderungen. Zum einen ist es wichtig, dass man sich frühzeitig um eine Zertifizierung oder die regulatorische Zulassung kümmert. Zum anderen müssen die Jungunternehmer von Anfang an darauf achten, dass sie beim Aufbau bereits eine Patentstrategie festlegen. Wir können mit ausgewiesenen Experten in diesem Gebiet aushelfen.

MTIP ist seit kurzer Zeit am Schweizerischen Innovationspark Region Nordwestschweiz in Allschwil domiziliert. Will man so mit dem Technologie- und Innovationsökosystem zusammenarbeiten und Kräfte zu bündeln?
Gerade sind das gesamte Departement Biomedical Engineering und das High-Tech-Forschungszentrum der Universität Basel in das Provisorium in Allschwil gezogen. Um die partnerschaftliche Zusammenarbeit effizient zu gestalten, sind auch wir vorerst dort eingezogen und managen in diesem Umfeld Innovationen und Start-ups. Wo wir zukünftig sein werden, ist noch nicht entschieden, wir sind aber offen für eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Innovationspark der Region Nordwestschweiz.

Die Suche nach Risikokapital ist in der Schweiz anspruchsvoll und zeitintensiv, MTIP verspricht, dies zu erleichtern. Werden Sie heute überrannt von Finanzierungsanfragen?
Die Zahl der Anfragen seit unserem Gang an die Öffentlichkeit hat sich verdoppelt. Nun müssen wir die besten Projekte evaluieren.

Was muss ein Projekt mitbringen, um von MTIP unterstützt zu werden?
Ein wichtiger Punkt ist die Innovation: Wir wollen wissen, was sie vom bisherigen Stand der Technik unterscheidet. Es ist auch wichtig, ob es eine durch ein Patent oder ein Trade Secret schützbare Technologie ist und welches Marktpotenzial das Projekt birgt. Wir legen speziell viel Wert auf ein gutes Management-Team: Sollten Kompetenzen fehlen, helfen wir gerne bei der Suche nach passenden Mitarbeitern. Traditionelle Venture Capital Firmen investieren ihr Geld und warten auf den Exit des Unternehmens.

Wo sehen Sie MTIP in fünf Jahren?
Ziel ist es, in der Schweiz mit einem sehr guten Portfolio an Start-ups präsent zu sein. Eine Organisation wie i-net kann für MTIP eine wichtige Rolle spielen und es wäre toll, wenn der gemeinsame Netzwerkgedanke zu neuen Projekten führen könnte.

Interview: Fabian Käser und Nadine Nikulski, i-net

*Christoph Kausch ist Mitbegründer und CEO von MTIP. Er besitzt fundierte Kenntnisse im Strategiemanagement und darin, Innovationen auf den Markteintritt vorzubereiten. Vor der Gründung von MTIP leitete er während mehreren Jahren die globale Strategieabteilung von Syngenta.
Ausserdem war er Managing Director der Hafiba AG, einer Boutique Investment Firma, bei welcher Christoph Kausch noch immer im Verwaltungsrat mitwirkt. Seine Karriere begann er bei McKinsey & Company, wo er sich in den Bereichen Private Equity und Life Sciences spezialisiert hat.

Christoph Kausch hat an der TU München und am Massachusetts Institute of Technology Management (MIT) in Boston Maschinenbau studiert. Seinen PhD in Innovation & Technology Management machte er an der Universität St. Gallen und der Harvard Business School.

Über MedTech Innovation Partners AG
MedTech Innovation Partners (MTIP) mit Sitz in Basel ist ein Start-up Investor, der sich auf die Medizintechnikbranche spezialisiert. Start-ups, die mit MTIP zusammenarbeiten, profitieren von einer gezielten Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung, einem systematischen Ansatz beim Intellectual Property-Management sowie von einer einzigartigen interdisziplinären Kultur.
Ein lokales Netzwerk, bestehend aus renommierten Schweizer Universitäten und Forschungszentren mit Stärken im Bereich Medizintechnik ermöglicht MTIP den frühen Zugang zu Forschungsergebnissen. Ein internationaler proprietärer «Innovationsring» bietet Forschern und Unternehmern ideale Voraussetzungen, um Innovationen einen effizienten Markteintritt zu ermöglichen.
Webesite von MTIP

 

>>> More Information

report BaselArea.swiss

Nordwestschweiz setzt auf eHealth

09.01.2017

report Micro, Nano & Materials

Avalon Industries setzt auf den Standort Muttenz

06.01.2017

report Life Sciences

«It would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology –...

11.06.2015

Neil Goldsmith and two colleagues started working on Evolva in 2001, moving its headquarters from Denmark to Reinach in Switzerland in 2004. The «Brewers of 21st Century» discover and provide ingredients produced with the help of biologically engineered yeast. CEO Neil Goldsmith explains in the i-net interview how this works and why, initially, they received their seed money for another business model.

You call yourselves the «Brewers of 21st Century». What does that mean?
Neil Goldsmith*: We make ingredients for food or cosmetics by genetically engineering baker’s yeast and brewing it. If we want to make Stevia for example, we take the genes the plant uses to make that molecule and put those genes into the yeast so the yeast can make the molecule. We then ferment the yeast by brewing, just like with beer. The yeast takes up the sugar, turns it into Stevia and pumps it out; we filter off the yeast and have Stevia in the «broth» which we can purify out.

Why should biosynthetically brewed Stevia be better than the grown one?
The Stevia plant makes a lot of sweet molecules. However most of these molecules start to taste bitter when you use a lot of them – that is why the current Stevia-based soft drinks only have about a one-third reduction in the level of sugar or high-fructose corn syrup. Now, the plant also makes some molecules that do not give a bitter taste, but it makes very small amounts of them. Therefore it’s not economic and sustainable to grow the plant to produce these molecules. But creating Stevia by brewing it is a very promising alternative.

So with yeast, you can make almost anything?
In principle, we can make anything that occurs in nature. The key is combinatorial genetics. For the yeast to turn sugar into Stevia it needs 32 genes that have to work together: Finding what those genes are and optimizing them so they all work well together is what we are founded around. It’s in principle more complex than making an antibody or an enzyme, because that’s just one gene or one protein. We were intrigued by the idea of taking the combinatorial thinking of chemistry and applying it to genetics. You can use our approach to make old molecules in better ways – which is what we do now – or you can use it to make new molecules, which was the original idea. You would get new structures that have never been seen before and they might cure diseases.

Evolva has pivoted from pharmaceuticals to the nutrition sector – how did this come about?
We pivoted because we weren’t finding interest from the pharma companies for our technology. Instead, food and cosmetic companies were approaching us. We initially agreed to work for some of these companies just to bring some money in. After a while, we started to understand that the business itself looked interesting. Then we had to persuade our investors, who invested in us because we were going to develop a new diabetes drug, that switching to food and other ingredients made sense.

A completely different market?
Yes and with lower margins. But also less risky, with lower development costs and much less competition compared to pharma. Today we’re actually a network business; our analogy is a railway company. Two molecules that might be very, very different – take vanillin and benzocaine, an anaesthetic – are actually on the same railway track from the yeast point of view. So we want to build and own this track and own that network. If we invest in making vanillin well, that also gets us towards benzocaine. It was interesting to realise that there are many different products by simply pursuing the same track. Maybe they’re not all so big in market terms, but they are built on the same research and can be produced with the same infrastructure: Everything is brewing. So you can produce one product this week and another one next week. Also it is possible to respond very quickly to market demand.

Pharma start-ups are mostly being exited through a trade sale. Will Evolva be a different story?
The food and personal care industries have seen very little transformative innovation. Companies typically spend only very little on R&D and that gives the opportunity to build something transformative. In pharmaceuticals you can’t do that because the big pharma companies will spot you and adapt pretty quickly. In a way it’s a problem for the biotech industry that it has stayed so reliant on pharmaceuticals and not innovated its business models for 30 years. In the ingredients business everyone collaborates with everyone, and by partnering and building a network you can get the resources you need. Using the railway analogy: If you want to build a track from Basel to Geneva and you want to fund this track, you fund it by selling off Yverdon-les-Bains to someone who wants this station, meaning this product. In pharma, this way of thinking is not possible. So I really believe we can grow our business organically and remain an independent company.

What is your business strategy with Evolva?
We want to make products where there is a clear benefit, not just that we can make it cheaper but also that we can make it better, like Stevia. We don’t want to compete with the big companies. Instead we are looking to develop products which have a new market or can open up a new market. In a nutshell, we focus on «high priced, small volume» in the health, wellness and nutrition industry. One of our latest products is Nootkatone, a grapefruit fragrance that turned out to be very good at killing and repelling the ticks that transmit Lyme disease. There is an unmet need for that and we have a product that is very safe, it smells nice and it’s very good at both repelling and killing the ticks.

Will you do the production yourself or enter into a partnership for the production?
At the moment, all we have is labs. In some cases we have a partner who does it, and in other cases we pay someone on a contract basis. But in the long term we want our own brewery, because it’s a business with constant improvement and ultimately, you need to have the bug and the brewery integrated. If you want to be flexible in manufacturing, it needs to be your facility. But this is a long-term plan that costs many tens of millions of dollars. We don’t want to do that too quickly and then find that we can’t sell enough products quickly enough to justify that.

Would you do that in Switzerland or somewhere else in the world?
I wouldn’t completely rule out Switzerland; it’s obviously a high-cost location for manufacture, but it’s possible to run these facilities pretty lean and there is a value in this market to being Swiss. If you’re selling a food ingredient and it’s a Swiss food ingredient you get a certain quality association. We don’t know the answer yet, but I think there will be something in the States and something in Europe.

Let’s talk more about the buzz around high-tech food, which is sustainable and healthier. There seems to be a lot of attention surrounding this issue that suggest you may be in the right place at the right time.
It’s clear that a lot of megatrends in society converge in the space we occupy at present. It started about four to five years ago, and it has taken a few years to build a momentum. But we don’t know how it will play out in reality. What’s going to be interesting is that food is fundamentally a very conservative culture, and innovation– by definition – is not. So how do you marry these cultures? If you look at the big food companies and if you take brewing beer, it’s a very conservative industry. But the rise of craft brewing is really challenging that. There are people experimenting with different flavours of beer made from different ingredients. The same could happen with synthetic biology: Innovation happens in small companies.

Is there a technological driver behind this trend?
I don’t see the development as technology driven; it’s rather about adapting technology to these needs because technology sort of arises for other purposes. Look at the smart farming movement: It’s just applying sensors; now you can image every single corn plant in the field and data mine. I think it’s more that various technologies have matured to the point where they can start to be used here, because they need to be robust and relatively affordable, and then you start to assemble them together. Now you can set up a biotech lab in your garage and start to do stuff – this is new for biotech. And it does raise important questions as to how we control it. There is no way you can track every single garage around the world.

What is the potential in this region; should there be more attention for this field?
I think it would be very good to try to widen everyone’s vision of what you can do with biology, because it’s not just cancer drugs. I think the limiting factor is investors, and that’s really why there are so few people in this space currently. Traditional biotech investors are investing in medical stuff – we only got our money because we started off doing that. We would never have got the money if we started off doing what we now do. I think you need new kinds of investors.

They are mostly likely to be found in Silicon Valley.
Yes, we need people that really think hard and deep about where trends will be and start playing there. Europe is not so good at doing that; it only follows. We need a different mindset. If you look at Silicon Valley, most of the people who are in the nutrition area come from the IT sector, whereas the biomedical guys find it very hard to get out of their way of thinking. The UK investment in food and agricultural research has declined, and you don’t have equivalents in Europe to the movement in the US of teaching farmer’s kids technology.

Next year will be a big year for you with Stevia hitting the market, will that be a booster? What do you expect?
We have a product we are very confident of in terms of taste and competiveness. Potentially, it’s very big. It’s clearly got the possibility of being a billion-dollar product in terms of revenue. But will it get there? We don’t know. It will take some years to get into the market. These products typically have 5 to 10 years to achieve peak sales, because we’re in a slow-moving industry. Unlike a pharmaceutical product that gets picked up immediately by the healthcare industry, market incumbents in the nutrition sector don’t change their flagship products and brands overnight. They normally extend their product lines gradually.

Interview: Thomas Brenzikofer and Nadine Nikulski, i-net

*Neil Goldsmith is co-founder and CEO of Evolva SA in Reinach. He has a 25-year track record in building successful biotech companies, among them TopoTarget A/S and Personal Chemistry AB. Earlier in his career, he was Chief Executive Officer of Auda Pharmaceuticals, GX Biosystems and PNA Diagnostics.
He received a first-class BA Honours degree in Zoology from Balliol College, University of Oxford, and is a graduate of the New Enterprise Programme at the Scottish Enterprise Foundation, University of Stirling.

About Evolva
Evolva was founded by three people, Neil Goldsmith and two others as a spin-off of the US company Phytera, that was doing plant cell culture, had a lot of plant genes and was trying to find a way to put them in a host that was more robust than plant cells. Phytera IPO failed and the company needed to cut costs. It was clear that the project of putting the genes into yeast was going to be one of the things to be cut. Neil Goldsmith wanted to take this out and found a company around it. So in 2001 they set up Evolva – initially in Denmark – and raised some seed money just before 9/11. In 2003, they thought they had enough to raise a proper round as the market had improved. At this point the three partners already wanted to change our headquarters to another location than Denmark, as the country «wasn’t world class» in the field of small molecule pharmaceutics. In addition, they wanted to be where there was more money available. They looked at the States, Canada, UK but ended up choosing Switzerland.


Video explaining the fermentation process

>>> More Information