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Innovation Report

report Industrial Transformation

«Bei Bell verbinden wir Handwerk und Automatisierung miteinander»

06.05.2019

Eine Basler Metzgerei entwickelte sich in 150 Jahren zu einem internationalen Lebensmittelkonzern: Die Bell Food Group beschäftigt über 12'000 Mitarbeitende in 15 Ländern. Markus Ettlin, Leiter Industrie 4.0/Automation bei der Bell Food Group, gibt Auskunft über laufende Industrie 4.0-Projekte, die Grenzen der Automatisation und Innovationen im Food-Bereich.

BaselArea.swiss: Wann wird der Roboter die Wurst machen?

Markus Ettlin: In einer Wurst stecken extrem viel Handwerk, Erfahrung und Können. Aktuell wäre es kaum möglich, die notwendigen Schritte einer Maschine zu übergeben – das ist auch nicht unser Ziel. Für uns ist es ein Spagat, zwischen Tradition und Innovation zu navigieren. Wenn es um Wurst geht, sind Tradition und Handarbeit sehr wichtig. Eine Wurst made by robot wird es in absehbarer Zeit nicht geben.

Weil sie nicht nachgefragt wird?

Ich glaube, unsere Kunden wollen ein Handwerksprodukt und keine vollindustrialisierte Wurst. Eine Wurst ist ein Naturprodukt mit natürlichen Eigenschaften, denen man gerecht werden muss. Dazu gehört viel Erfahrung. Bei Wurst oder Schinken braucht es in der Herstellung grosse Erfahrungswerte und alle Sinne. Wir sind aber dabei, gewisse Teilprozesse zu automatisieren. Wir wollen Handwerk und Automatisierung miteinander verbinden.

In welchen Bereichen ist Automatisation möglich?

Wir müssen unterscheiden zwischen dem handwerklichen Bereich und der Produktion von Convenience-Produkten. Bei der Wurst- und Schinkenherstellung wird die Handarbeit einen hohen Stellenwert behalten. Im Convenience-Bereich, wo die Produkte gleichmässiger sein müssen, ist die Automatisierung viel weiter. Die Produktion von Hamburgerpatties und Chicken Nuggets ist beispielsweise hochautomatisiert, die werden von Maschinen geformt. Auch im Bereich Logistik, bei repetitiven Tätigkeiten und bei körperlich sehr anstrengenden Arbeiten setzen wir Automatisationstechnologien schon erfolgreich ein.

Wo sehen Sie das grösste Potenzial?

Bei Handlings und beim Abpacken ist der Automationsgrad höher als in anderen Bereichen, aber auch hier geht es nicht ohne Personal. Ein grosses Potenzial sehen wir bei den Daten und Informationen, die tagtäglich generiert werden. Aus diesen Daten wollen wir lernen und uns verbessern. Schauen wir uns beispielsweise den Kochprozess, bei dem Daten wie die Temperatur gemessen werden: Da haben wir Soll-Parameter, Ist-Parameter und am Ende haben wir ein Ergebnis. Zwar prüfen die Mitarbeitenden die Temperatur, aber sie haben keine Möglichkeit, den Überblick über sämtliche Parameter, verschiedene Werte und die komplexen Zusammenhänge zu behalten. Indem wir diese Daten analysieren, können wir die Qualität des Kochprozesses und des Produkts sicherstellen oder es sogar verbessern. Die Datenanalyse hilft uns auch, die Energieeffizienz zu steigern und die Anlagen optimal auszulasten.

Auf welche Transformationen in welchen Bereichen konzentriert sich Bell?

Zum einen soll das Produkt rückverfolgbar sein, zum anderen soll nachvollziehbar sein, warum man welchen Schritt im Verarbeitungsprozess gemacht hat und welche Auswirkungen diese Schritte aufs fertige Produkt haben. Zentrales Thema sind daher Standards und Standardisierungen. Wir wollen standardisierte Technologien einsetzen, automatisierte Prozesse transformieren und Transparenz schaffen.

Welche Branchen sind als Ideengeber für standardisierte Technologien besonders interessant?

Bei der Fleischverarbeitung ist der Fachbereich federführend. In meinem Bereich interessiert mich eher, welche Technologien man unkonventionell einsetzen kann. Beispielsweise gibt es Vorgehensweisen und Methodiken in der Pharmaindustrie, die auch in der Foodindustrie funktionieren würden. So kann die Pharmaindustrie mit grossen Datenmengen umgehen. Das ist für meinen Bereich sehr spannend. Die Automobilindustrie wiederum ist bei automatisierten Prozessen sehr weit. Häufig haben die Autohersteller grosse Lose, gleichzeitig muss aber innerhalb dieser grossen Masse das Lenkrad mal links und mal rechts eingebaut werden. Das sind Themen, die uns auch beschäftigen – wir haben auch Produkte, die es in unterschiedlichen Ausprägungen gibt: mal leichter, mal schwerer, mal mit kleiner, mal mit grosser Packung. Da lassen wir uns gern von anderen Branchen inspirieren.

Was wird umgesetzt?

Wir bauen ein grosses state-of-the-art Tiefkühllager, das einen sehr, sehr hohen Automationsgrad aufweisen wird. Die Logistik soll möglichst voll automatisch sein, die Mitarbeitenden sollen sich möglichst wenig im Tiefkühlbereich aufhalten und es gibt hoch automatisierte Supportprozesse. All die Anlagen und Prozesse werden Daten und Informationen generieren, die wir für Verbesserung, Instandhaltung und Effizienz analysieren wollen. In allen Bereichen ist die Datenerhebung für uns eine Chance, uns zu verbessern und die Qualität sicherzustellen.

Welche Herausforderungen kommen mit den anstehenden Transformationen auf Bell zu?

Bei uns ist Industrie 4.0 stark mit dem Produktionsumfeld verbunden. Für unsere Mitarbeitenden ist die Digitalisierung ein grosser Schritt. Wir wollen alle mitnehmen und ihnen zeigen, dass neue Technologien dazu da sind, sie in ihrer Arbeit zu unterstützen. Eine Herausforderung sehe ich auch darin, dass alles komplexer wird – alles hängt mit allem zusammen. Das ist nicht immer leicht zu verstehen. Wir sind deswegen auch gefordert, Wissen aufzubauen und die Leute allgemein für Industrie 4.0-Themen zu sensibilisieren. Wir müssen ausserdem ein Gespür dafür entwickeln, wo wir mit der Umsetzung anfangen und wie wir eine sinnvolle Roadmap aufstellen.

Bell beteiligt sich an unserem Industry 4.0 Challenge. Was konnten Sie bisher davon mitnehmen?

BaselArea.swiss kenne ich von verschiedenen Veranstaltungen, bei denen sich immer spannende Kontakte ergeben. Beim Industry 4.0 Challenge kann ich auf unkomplizierte Art sehen, welche Ideen auf dem Markt sind und wie andere die Welt sehen. Bei Grosskonzernen ist das häufig nicht so transparent, wie sie zu ihren tollen Lösungen gekommen sind. Start-ups können auf die Schnelle einen proof of concept zeigen, so dass ich mir vorstellen kann, was es gibt und was das für mich bedeuten würde. Das ist für mich extrem spannend. Unser Bereich hat auch mit den Firmen vom letzten Industry 4.0 Challenge Kontakt. Zwar sind wir eher auf der Suche nach standardisierten Tools. Aber Start-ups füllen häufig die Lücke zwischen einem grossen Standard und der realen Welt.

Welche Innovationen erwarten uns in der Foodbranche in der nächsten Zeit?

Fleisch, für das kein Tier sterben musste: Der Hamburger von Mosa Meat wird aus Zellen gezüchtet. Bell ist an der niederländischen Firma beteiligt, die derzeit daran arbeitet, ihre Erfindung zur Marktreife zu bringen.

report Life Sciences

Santhera nimmt bis zu 105 Millionen Franken ein

23.05.2019

report BaselArea.swiss

BaseLaunch gehört zu Europas Spitze

21.05.2019

report BaselArea.swiss

«Die Region Basel ist in Sachen Innovation im Gesundheitswesen ganz vorne»

02.04.2019

Ein neuer Master-Abschluss der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW soll die nächste Generation von Fachkräften der Life-Sciences-Branche heranbilden: Studierende in Medical Informatics werden in der Anwendung neuester Technologien bei Projekten für die Medizin- und Pharmabranche geschult. Professorin Enkelejda Miho vom Institut für Medizinal- und Analysetechnologien der FHNW ist fest davon überzeugt, dass die Kombination aus Life Sciences, Informatik und Wirtschaft ein gefragtes Fachkräfteprofil hervorbringt.

BaselArea.swiss: Enkelejda, glauben Sie, dass traditionell ausgebildete Wissenschaftler mit Technologiekenntnissen die neue Normalität sind?

Enkelejda Miho: Die Wirkstoffforschung ist ein weites Gebiet. Es gibt Bereiche, die auch weiterhin traditionell geprägt sein werden, und andere wie Echtzeitdaten und digitale klinische Studien, die sich schnell verändern. Die Wissenschaftler können ihre umfangreichen Daten nicht mehr mit den gleichen Mitteln wie in früheren Jahren analysieren. Zudem ist mittlerweile eine Vielzahl von Tools einsatzbereit. Das Fachgebiet ist gerade dabei herauszufinden, wie man diese Tools am besten miteinander kombiniert, um Arzneimittel schneller auf den Markt zu bringen. Die Anwendung von Spitzentechnologie zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragen ist ein wesentlicher Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit. Von Pharmaunternehmen hören wir, dass technologisch versierte Wissenschaftler gesucht sind, dieses Profil aber leider nicht unbedingt auf dem Markt zu finden ist. Die Ausbildung muss aufholen gegenüber dem, was in der echten Welt vor sich geht.

Was hat sich im Verständnis über das Gesundheitswesen geändert?

Das Gesundheitswesen hat sich wie alle anderen Branchen auch weiterentwickelt: Über Jahrhunderte haben wir einen langsamen Prozess beobachtet. Durch die Technologie kam es zu schlagartigen Veränderungen. Im Mittelpunkt des medizinischen Wissens standen stets Organe, was die Komplexität minderte. Es gab den Kardiologen, den Pneumologen, den Neurologen, die sich jeweils auf ein Problem konzentrierten. Wissen wurde in viele Einzelteile zerlegt. Das ändert sich gewaltig.

Wie meinen Sie das?

Neue Technologien führen zu einer schnelleren Diagnose und Therapie. So können wir etwa einen Algorithmus darauf trainieren, einen Tumor zu erkennen. Das Gerät unterstützt damit den Facharzt dabei, mehr Patienten zu untersuchen und ihre Krankheit zu diagnostizieren. Der erste Schritt besteht also darin, unsere Kenntnisse anzuwenden, um basierend auf einer grösseren Erfahrung und schnelleren Wissensverarbeitung Diagnose und Therapie zu beschleunigen. Der zweite Schritt umfasst die Integration von Wissen aus unterschiedlichen Systemen. Es gibt viele verschiedene Technologien. Jetzt müssen wir uns fragen, wie wir sie angemessen nutzen. Die Integration von Wissen ist wesentlich.

Welche Rolle spielt die künstliche Intelligenz dabei?

Anstatt jeweils einer Frage zu einem bestimmten Zeitpunkt nachzugehen, ermöglicht es KI, nicht nur Gesundheitsdaten, sondern auch andere Angaben zu integrieren: etwa die Zeiten, zu denen Sie einen Arzt aufgesucht haben, die verordneten Therapien und die Symptome sowie Sozial- und Umfelddaten. KI trägt dazu bei, diese ganzen Informationen zu integrieren, um bessere Entscheidungen und eine bessere Diagnose zu ermöglichen, so dass Patienten keine falschen Therapien erhalten oder Behandlungen durchlaufen, die für sie unpassend sind.

Wie gut sind wir auf Innovation im Gesundheitswesen vorbereitet?

Wir befinden uns auf einem guten Weg. Die erste Herausforderung ist die Standardisierung. Es gibt keine feste Vorstellung, welche Methode wann eingesetzt wird und wie man Vergleiche zieht – es gibt einfach so viele Ansätze. Forschungsgruppen, Laboratorien und Pharmaunternehmen könnten im vorwettbewerblichen Bereich aktiver sein, so dass wir nicht immer wieder alle die gleichen Fehler machen. Wir könnten uns viel bei der Software-Entwicklung abschauen, bei der ein Austausch völlig normal ist.
Die zweite Herausforderung sind die systematischen Fehler, die wir bei den Algorithmen einbringen. Forscher müssen sich genau überlegen, welcher Datenbestand zu welcher Frage passt – ein Computer kann das nicht. Wir brauchen Forscher, die sich der möglichen Fallstricke bei der Anwendung von KI und maschinellem Lernen im Gesundheitswesen bewusst sind.

Wie weit sind wir in Basel?

Die Region Basel ist im Vergleich zu anderen Regionen schon sehr weit. Wir haben wichtige Akteure, ein Start-up-Umfeld sowie grosse Forschungseinrichtungen und anwendungsorientierte Institute wie die Universität Basel, die ETH, die FHNW und das Friedrich Miescher Institut. Wir haben hier alles. Ich glaube, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Stakeholdern erforderlich ist, anstatt zu versuchen, alles im Alleingang zu schaffen. BaselArea.swiss und DayOne sind sehr hilfreich, da sie unterschiedliche Perspektiven an einen Tisch bringen. Es könnte jedoch noch mehr Ressourcen geben, um Interaktion zu fördern. Das würde auch dazu beitragen, die Talente, die wir für Fortschritte auf diesem Gebiet brauchen, in der Region zu halten.

Welche Rolle spielt der neue Master in Medical Informatics dabei?

Wir schliessen eine Lücke. In Gesprächen mit der Industrie haben wir festgestellt, dass überall zunehmend neue Technologien wie maschinelles Lernen und KI eingesetzt werden. Dies erfordert Fachwissen. Einerseits muss man sich mit chemischen Molekülen und Biologie auskennen, um die Daten, die man analysieren muss, zu verstehen. Andererseits sind Kenntnisse im Programmieren und in den mathematischen Grundlagen des maschinellen Lernens erforderlich. Damit bedarf es eines umfassenden Wissens, um einen ganz konkreten Datenbestand und eine ebensolche Methode maschinellen Lernens auf ein ganz spezifisches Projekt anzuwenden. Man braucht einen umfassenden Hintergrund, um eine spezifische Frage zu beherrschen. Darin besteht die Herausforderung, die andere Institute in der Schweiz und den europäischen Ländern noch nicht gemeistert haben.

Wie sieht Ihr Ansatz aus?

Die FHNW ist bekannt dafür, sich aktuellsten Fragen aus der praktischen Perspektive  zu widmen. Wir vermitteln den Studierenden einen umfassenden Hintergrund in Life Sciences, Informatik und Wirtschaft und konfrontieren sie dann mit konkreten Projekten von Pharmaunternehmen und Spitälern. Wenn Sie wissen, wie es geht, können Sie auch mit anderen Fragen umgehen – das ist unser Ehrgeiz. Unsere Studierenden befassen sich mit einer Vielzahl an Projekten, mit Datenbanken, mit mündigen Patienten, mit Klassifizierung und Automatisierung. Wie kann man die Bildanalyse in der Pharmabranche oder in Spitälern automatisieren? Wie können wir Aufsichtsbehörden unterstützen? Wir sind die Ersten, die all diese Bildungsziele vereinen. Wir bilden die neue Generation an Fachkräften aus und haben dabei den digitalen Wandel im Anwendungsbereich im Blick.

Wir sprechen nicht über Datenethik?

Dem Thema Ethik entkommt man nicht. Es ist die wichtigste Frage, mit der wir bei der digitalen Gesundheit konfrontiert sind. Aber manchmal muss man etwas umsetzen, um zu verstehen, was in den Bereichen Ethik und Datenschutz notwendig ist. Wir versuchen, uns diesen Fragen im Rahmen spezifischer Projekte zu widmen. Gespräche sind hervorragend, um eine Grundlage zu schaffen und das Bewusstsein zu schärfen. Wir sind mehr für einen praktischen Ansatz.

Welche Studierenden erwarten Sie?

Wir wollten an der FHNW Studierenden die Möglichkeit geben, in Spitzenprojekte einzusteigen. Wir stellen fest, dass auch Unternehmen sehr interessiert am Master-Programm sind. Dieses Programm verbindet Life Sciences und die Geschäftswelt auf der Grundlage der Informatik. Zusammen mit Prof. Dr. Knut Hinkelmann, Studiengangleiter des Master of Science in Business Information Systems an der FHNW, bilden wir Personen aus, die die Wissenschaft verstehen und mit Blick auf Cybersicherheit, Datenschutz und Geschäftsanwendungen umsetzen. Wir bilden die Studierenden in der bewährten Tradition der Fachhochschule aus: Sie sollen ihren Job erledigen.

Es gibt verschiedene Initiativen zur digitalen Gesundheitsbildung seitens der ETH, der Universität und des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts. Wie ordnen Sie diese Bestrebungen ein?

Diese Initiativen sind wertvoll und wichtig für die ganze Community. Ich sehe bei diesen Programmen keine Überlappungen. Der Ansatz des FMI, der ETH und der Universität Basel ist eher forschungsorientiert, während wir an der FHNW auf eine praktische, anwendungsorientierte Ausbildung setzen. Wir arbeiten mit der Universität Basel zusammen, insbesondere mit den Innovation Offices, ebenso mit dem FMI und der ETH. Letztlich ist es ein Gemeinschaftswerk.

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Wie sicher ist Ihr IT-System?

21.05.2019

report Invest in Basel region

Grünes Licht für Steuervorlage

20.05.2019

report BaselArea.swiss

33 neu angesiedelte Firmen schaffen hunderte Arbeitsplätze

28.03.2019

BaselArea.swiss hat 2018 beachtliche Erfolge feiern können. 33 Firmen konnten davon überzeugt werden, in die Wirtschaftsregion Basel zu expandieren. Das sind sieben mehr als im Vorjahr. 16 Firmen sind aus Europa zugezogen, neun davon aus Deutschland. Zudem hat BaselArea.swiss sechs Schweizer Unternehmen bei der Suche nach einem geeigneten Standort in der Region Basel unterstützt. Unter den neu angesiedelten Firmen sind 19 in den Life Sciences und in der Chemiebranche tätig.

Die neu im Wirtschaftsraum Basel ansässigen Firmen haben bereits 139 Arbeitsplätze geschaffen, 296 weitere haben die Unternehmen für die kommenden Jahre in Aussicht gestellt. Das grosse Interesse an der Region Basel als Firmenstandort zeigte sich ausserdem an den über 400 Beratungen im In- und Ausland sowie den 67 Besuchen von Investoren und Unternehmensdelegationen, die BaselArea.swiss 2018 organisiert hat.

Überaus erfreulich entwickelte sich neben der Standortpromotion auch die Innovationsförderung. 72 Start-ups wurden von BaselArea.swiss bei der Gründung unterstützt, womit sich die Zahl der Unternehmensgründungen gegenüber dem Vorjahr um neun erhöhte. Es handelte sich dabei primär um Firmen in den Branchen Life Sciences und ICT.

Eine deutliche Zunahme zeigte sich bei der Nachfrage nach Beratung und Mentoring. 556 Mal haben Unternehmen diese Dienstleistung von BaselArea.swiss in Anspruch genommen, was im Vergleich zum Vorjahr mehr als einer Verdreifachung entspricht. Grosser Beliebtheit erfreuten sich auch die Veranstaltungen von BaselArea.swiss, an denen rund 6’000 Teilnehmenden eine Plattform geboten wurde, um sich zu vernetzen und neue Ideen zu generieren.

Lesen Sie die ganze Medienmitteilung. Den Jahresbericht können Sie hier als PDF herunterladen.

report Invest in Basel region

Salina Raurica kommt voran

16.05.2019

report Innovation

Impact Hub Switzerland etabliert grösste Community für Entrepreneure in der Schweiz

16.05.2019

report Precision Medicine

Gesundheitsinnovationen gewinnen mit dem DayOne Accelerator an Dynamik

05.03.2019

Vier innovative Start-ups im Healthcare-Bereich nehmen an der ersten Runde des DayOne Accelerator teil. Faraz Oloumi von Aurteen, Chang Yun von Noul sowie Christian Vogler und Leo Gschwind von Advancience zeugen davon, wie weit Überzeugung tragen kann.

BaselArea.swiss: Faraz, warum hast Du Aurteen gegründet?

Faraz: Während meines Studiums der Elektro- und Computertechnik arbeitete ich an der Netzhautanalyse und begann, mich für das Thema zu interessieren. Nachdem ich meinen Master und dann mein Doktorat beendet hatte, lehnte ich eine sichere Stelle ab, um das Thema weiterzuverfolgen. So wurde Aurteen ins Leben gerufen. Ich bin vollkommen von der Neuartigkeit und Notwendigkeit einer computergestützten Beurteilung der Retina überzeugt, denn die Gefässe im Augenhintergrund sagen eine Menge über die allgemeine Gesundheit von Netzhauterkrankungen bis hin zu Stoffwechsel- und Herz-Kreislaufstörungen aus.

Christian, gab es auch für Dich einen bestimmten Startpunkt?

Christian: Ich habe Psychologie und Genetik studiert. Um Genetik als Werkzeug zur Erforschung des menschlichen Geistes zu nutzen, begannen wir – meine Mitbegründer und ich –, uns mit Psychometrie zu befassen. Das typische Instrumentarium für psychometrische Tests stammt aus den 1940er bis 1970er Jahren. Wir haben psychometrische Tests ins 21. Jahrhundert übertragen, sie um spielerische Elemente ergänzt sowie unterhaltsam und skalierbar gestaltet. Damit sind wir in der Lage, eine hohe Anzahl an Studienteilnehmern zu verarbeiten. Wir möchten die Psychologie vorwärtsbringen. Wir sind überzeugt, dass sich unsere Tools für eine ganze Reihe unterschiedlicher Zwecke nutzen lassen: Sie dienen als Diagnosewerkzeug für die Untersuchung von Aufmerksamkeitsstörungen oder Gedächtnisschwächen ebenso wie als Instrument für den Personalbereich, um eine bessere Zusammenarbeit in Teams zu fördern.

Chang, Du bist vor einem Jahr zu Noul gestossen. Aus welchem Grund?

Chang: Einer der Mitbegründer ist biomedizinischer Techniker. Direkt nach dem Erwerb seines Doktortitels in den USA verbrachte er 1,5 Jahre in Malawi im freiwilligen sozialen Dienst. Er erlebte mit, wie viele Kinder an Malaria starben, und war überrascht, dass sich Gesundheitshelfer nach wie vor auf Tests verliessen, die ungenau und unpraktisch waren. 2015 gründete er Noul, um ein tragbares Gerät zu entwickeln, das eine Bildanalyse und künstliche Intelligenz zur Diagnose von Krankheiten anhand von Blutproben verwendet. Als sein enger Freund war ich von Anfang an an dem Projekt interessiert und stiess vor einem Jahr dazu – in der Gewissheit, dass meine Laufbahn bei den Vereinten Nationen dem Erfolg des Projekts förderlich sein würde. Ich habe Kenntnisse im Unternehmensmanagement und in der öffentlichen Verwaltung. Als Director of Global Business Development bei Noul habe ich jetzt das europäische Büro aufgebaut.

Was war beim Aufbau des Unternehmens am schwierigsten?

Chang: Bei uns war es die Wissenschaft. Wir folgten dem Prinzip «Versuch und Irrtum». Die klinischen Versuche im Labor funktionierten gut, doch die Ergebnisse in der Praxis waren oft unerwartet. Manchmal war es schwierig, genügend hochwertige Proben zu bekommen. Um diese Hürden zu überwinden, arbeiten wir mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel zusammen. Zudem sind für die Zulassung einer neuen Technologie wie der unseren auch neue Kriterien erforderlich. Das erfordert viel Zeit und hinreichend überzeugende Daten von unserer Seite.

Christian: Als Wissenschaftler wird man nicht über Nacht zum Unternehmer. Ich musste lernen, dass nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse zählen. Vielmehr muss ich meine Ergebnisse verkaufen und über spezifische Leistungsversprechen nachdenken. Ich kenne mich in Psychologie, Genetik und Bioinformatik aus – und jetzt muss ich obendrein Business Cases vorlegen. In der Geschäftswelt treffen wir jeden Tag auf neue Probleme. Man braucht immer einen Plan B, C und D. Es ist enorm viel Arbeit, aber es macht auch viel Spass.

Faraz: Es ist nicht einfach, seinen Lebensunterhalt nicht selber sicherstellen zu können. Ich habe mir selbst in den letzten Jahren keinen Cent ausbezahlt. Das Schwierigste für mich war es, Menschen davon zu überzeugen, dass meine Ideen und meine Vision nicht verrückt sind. Ich musste gegen viele Widrigkeiten ankämpfen. Aber ich bereue nichts. Dann gab es noch andere Herausforderungen wie etwa, dass ich als CEO und nicht nur als CTO fungieren musste, was bedeutet, dass man kein Perfektionist mehr sein darf. Diese Herausforderung macht mir Spass.

Was hofft ihr in den nächsten Monaten im DayOne Accelerator zu erreichen?

Faraz: Obwohl Kanada für den telemedizinischen Ansatz gut geeignet ist und meine Mitarbeitenden und potenziellen Kunden dort sind, haben wir rein zahlenmässig keinen guten Business Case in Kanada. Zudem ist der Nachbarmarkt der USA stark fragmentiert und es ist schwierig, dort einzudringen. Die Teilnahme am DayOne Accelerator ist für uns die optimale Chance, den europäischen Markt zu sondieren und zu validieren. Weiterhin möchten wir unsere Liste an Leistungsversprechen bestätigen und Investoren finden.

Chang: Unsere Schweizer Partner haben uns ermutigt, uns für das Programm zu bewerben, und glücklicherweise wurden wir für eine Teilnahme ausgewählt. Ich glaube, dass Noul in den letzten drei Jahren sehr hart daran gearbeitet hat, noch nie dagewesene Diagnoselösungen zu entwickeln. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um auf das bis jetzt Erreichte zurückzublicken und den Input, den wir hier erhalten, zu nutzen, um unser Geschäftsmodell weiter zu konkretisieren. Wir möchten die Menschen kennenlernen, die uns bei der Erreichung dieses Ziels weiterhelfen können, und die Möglichkeiten ausloten.

Leo: Wir möchten lernen, wie wir das Geschäft aufbauen und betreiben können. Darüber hinaus wir möchten dafür gerüstet sein, potenzielle Investoren für uns zu begeistern und nach Startkapital Ausschau halten.

Das Förderprogramm begann im Januar. Welche Erfahrungen habt Ihr bis jetzt gemacht?

Faraz: Alles war eine angenehme Überraschung. Das Ökosystem in Form von Unterstützung für Start-ups ist so völlig anders als das, was ich bisher kannte. Ich spreche mit hochrangigen Vertretern der Pharmabranche und der klinischen Praxis, und die Gesamtförderung erfolgt auf einem sehr hohen Niveau. Dem DayOne-Team ist es ein Anliegen, dass mein Unternehmen und ich Erfolg haben. Ich bin überzeugt, dass wir hier mehr Dynamik gewinnen können. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen spiele ich mit dem Gedanken, mich hier in Basel niederzulassen. Das hier ist wirklich ein Segen für unser Team.

Chang: Ich bin beeindruckt. Die Treffen, die wir bis jetzt hatten, sind extrem nützlich und hilfreich gewesen. Unter strategischen Gesichtspunkten zahlt es sich aus, in Basel und nahe bei unserem Partner, dem Schweizerischen TPH, sowie in leicht überwindbarer Entfernung zu unseren Anspruchsgruppen in Genf zu sein. Bis jetzt erweist sich der Accelerator als äusserst wirksam.

Leo: Der Input ist enorm. Wir profitieren gewaltig und lernen, wie das Geschäft zu strukturieren ist. Es ist genial, sein Handwerk bei Experten zu lernen und unmittelbare Einblicke zu erhalten. Und die Finanzierung lindert die ärgsten Nöte.

Was war der grösste Kulturschock bei der Ankunft in Basel?

Chang: In meiner Kultur sind die Menschen nicht so direkt, während die Leute hier ihre Meinung offener äussern. Ich mag diese Vielfalt und wünschte, wir hätten mehr davon in unserem Team in Südkorea. Ich finde, hier gibt es auch wenig Staus.

Faraz: Es ist der Wahnsinn, dass scheinbar jeder hier Englisch versteht.

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