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Gesundheitsinnovationen gewinnen mit dem DayOne Accelerator an Dynamik

05.03.2019

Vier innovative Start-ups im Healthcare-Bereich nehmen an der ersten Runde des DayOne Accelerator teil. Faraz Oloumi von Aurteen, Chang Yun von Noul sowie Christian Vogler und Leo Gschwind von Advancience zeugen davon, wie weit Überzeugung tragen kann.

BaselArea.swiss: Faraz, warum hast Du Aurteen gegründet?

Faraz: Während meines Studiums der Elektro- und Computertechnik arbeitete ich an der Netzhautanalyse und begann, mich für das Thema zu interessieren. Nachdem ich meinen Master und dann mein Doktorat beendet hatte, lehnte ich eine sichere Stelle ab, um das Thema weiterzuverfolgen. So wurde Aurteen ins Leben gerufen. Ich bin vollkommen von der Neuartigkeit und Notwendigkeit einer computergestützten Beurteilung der Retina überzeugt, denn die Gefässe im Augenhintergrund sagen eine Menge über die allgemeine Gesundheit von Netzhauterkrankungen bis hin zu Stoffwechsel- und Herz-Kreislaufstörungen aus.

Christian, gab es auch für Dich einen bestimmten Startpunkt?

Christian: Ich habe Psychologie und Genetik studiert. Um Genetik als Werkzeug zur Erforschung des menschlichen Geistes zu nutzen, begannen wir – meine Mitbegründer und ich –, uns mit Psychometrie zu befassen. Das typische Instrumentarium für psychometrische Tests stammt aus den 1940er bis 1970er Jahren. Wir haben psychometrische Tests ins 21. Jahrhundert übertragen, sie um spielerische Elemente ergänzt sowie unterhaltsam und skalierbar gestaltet. Damit sind wir in der Lage, eine hohe Anzahl an Studienteilnehmern zu verarbeiten. Wir möchten die Psychologie vorwärtsbringen. Wir sind überzeugt, dass sich unsere Tools für eine ganze Reihe unterschiedlicher Zwecke nutzen lassen: Sie dienen als Diagnosewerkzeug für die Untersuchung von Aufmerksamkeitsstörungen oder Gedächtnisschwächen ebenso wie als Instrument für den Personalbereich, um eine bessere Zusammenarbeit in Teams zu fördern.

Chang, Du bist vor einem Jahr zu Noul gestossen. Aus welchem Grund?

Chang: Einer der Mitbegründer ist biomedizinischer Techniker. Direkt nach dem Erwerb seines Doktortitels in den USA verbrachte er 1,5 Jahre in Malawi im freiwilligen sozialen Dienst. Er erlebte mit, wie viele Kinder an Malaria starben, und war überrascht, dass sich Gesundheitshelfer nach wie vor auf Tests verliessen, die ungenau und unpraktisch waren. 2015 gründete er Noul, um ein tragbares Gerät zu entwickeln, das eine Bildanalyse und künstliche Intelligenz zur Diagnose von Krankheiten anhand von Blutproben verwendet. Als sein enger Freund war ich von Anfang an an dem Projekt interessiert und stiess vor einem Jahr dazu – in der Gewissheit, dass meine Laufbahn bei den Vereinten Nationen dem Erfolg des Projekts förderlich sein würde. Ich habe Kenntnisse im Unternehmensmanagement und in der öffentlichen Verwaltung. Als Director of Global Business Development bei Noul habe ich jetzt das europäische Büro aufgebaut.

Was war beim Aufbau des Unternehmens am schwierigsten?

Chang: Bei uns war es die Wissenschaft. Wir folgten dem Prinzip «Versuch und Irrtum». Die klinischen Versuche im Labor funktionierten gut, doch die Ergebnisse in der Praxis waren oft unerwartet. Manchmal war es schwierig, genügend hochwertige Proben zu bekommen. Um diese Hürden zu überwinden, arbeiten wir mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel zusammen. Zudem sind für die Zulassung einer neuen Technologie wie der unseren auch neue Kriterien erforderlich. Das erfordert viel Zeit und hinreichend überzeugende Daten von unserer Seite.

Christian: Als Wissenschaftler wird man nicht über Nacht zum Unternehmer. Ich musste lernen, dass nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse zählen. Vielmehr muss ich meine Ergebnisse verkaufen und über spezifische Leistungsversprechen nachdenken. Ich kenne mich in Psychologie, Genetik und Bioinformatik aus – und jetzt muss ich obendrein Business Cases vorlegen. In der Geschäftswelt treffen wir jeden Tag auf neue Probleme. Man braucht immer einen Plan B, C und D. Es ist enorm viel Arbeit, aber es macht auch viel Spass.

Faraz: Es ist nicht einfach, seinen Lebensunterhalt nicht selber sicherstellen zu können. Ich habe mir selbst in den letzten Jahren keinen Cent ausbezahlt. Das Schwierigste für mich war es, Menschen davon zu überzeugen, dass meine Ideen und meine Vision nicht verrückt sind. Ich musste gegen viele Widrigkeiten ankämpfen. Aber ich bereue nichts. Dann gab es noch andere Herausforderungen wie etwa, dass ich als CEO und nicht nur als CTO fungieren musste, was bedeutet, dass man kein Perfektionist mehr sein darf. Diese Herausforderung macht mir Spass.

Was hofft ihr in den nächsten Monaten im DayOne Accelerator zu erreichen?

Faraz: Obwohl Kanada für den telemedizinischen Ansatz gut geeignet ist und meine Mitarbeitenden und potenziellen Kunden dort sind, haben wir rein zahlenmässig keinen guten Business Case in Kanada. Zudem ist der Nachbarmarkt der USA stark fragmentiert und es ist schwierig, dort einzudringen. Die Teilnahme am DayOne Accelerator ist für uns die optimale Chance, den europäischen Markt zu sondieren und zu validieren. Weiterhin möchten wir unsere Liste an Leistungsversprechen bestätigen und Investoren finden.

Chang: Unsere Schweizer Partner haben uns ermutigt, uns für das Programm zu bewerben, und glücklicherweise wurden wir für eine Teilnahme ausgewählt. Ich glaube, dass Noul in den letzten drei Jahren sehr hart daran gearbeitet hat, noch nie dagewesene Diagnoselösungen zu entwickeln. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um auf das bis jetzt Erreichte zurückzublicken und den Input, den wir hier erhalten, zu nutzen, um unser Geschäftsmodell weiter zu konkretisieren. Wir möchten die Menschen kennenlernen, die uns bei der Erreichung dieses Ziels weiterhelfen können, und die Möglichkeiten ausloten.

Leo: Wir möchten lernen, wie wir das Geschäft aufbauen und betreiben können. Darüber hinaus wir möchten dafür gerüstet sein, potenzielle Investoren für uns zu begeistern und nach Startkapital Ausschau halten.

Das Förderprogramm begann im Januar. Welche Erfahrungen habt Ihr bis jetzt gemacht?

Faraz: Alles war eine angenehme Überraschung. Das Ökosystem in Form von Unterstützung für Start-ups ist so völlig anders als das, was ich bisher kannte. Ich spreche mit hochrangigen Vertretern der Pharmabranche und der klinischen Praxis, und die Gesamtförderung erfolgt auf einem sehr hohen Niveau. Dem DayOne-Team ist es ein Anliegen, dass mein Unternehmen und ich Erfolg haben. Ich bin überzeugt, dass wir hier mehr Dynamik gewinnen können. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen spiele ich mit dem Gedanken, mich hier in Basel niederzulassen. Das hier ist wirklich ein Segen für unser Team.

Chang: Ich bin beeindruckt. Die Treffen, die wir bis jetzt hatten, sind extrem nützlich und hilfreich gewesen. Unter strategischen Gesichtspunkten zahlt es sich aus, in Basel und nahe bei unserem Partner, dem Schweizerischen TPH, sowie in leicht überwindbarer Entfernung zu unseren Anspruchsgruppen in Genf zu sein. Bis jetzt erweist sich der Accelerator als äusserst wirksam.

Leo: Der Input ist enorm. Wir profitieren gewaltig und lernen, wie das Geschäft zu strukturieren ist. Es ist genial, sein Handwerk bei Experten zu lernen und unmittelbare Einblicke zu erhalten. Und die Finanzierung lindert die ärgsten Nöte.

Was war der grösste Kulturschock bei der Ankunft in Basel?

Chang: In meiner Kultur sind die Menschen nicht so direkt, während die Leute hier ihre Meinung offener äussern. Ich mag diese Vielfalt und wünschte, wir hätten mehr davon in unserem Team in Südkorea. Ich finde, hier gibt es auch wenig Staus.

Faraz: Es ist der Wahnsinn, dass scheinbar jeder hier Englisch versteht.

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«Wir sind ein kleines Unternehmen mit einem grossen Portfolio»

05.02.2019

Nachdem Martine und Jean-Paul Clozel mit zwei weiteren Personen Actelion gegründet und in Europas grösstes Biotech-Unternehmen verwandelt hatten, wurden die Gesellschaft und ihre Entwicklungsprojekte in der Spätphase im Jahr 2017 von Johnson & Johnson übernommen. Mit der Entdeckungssparte und den in der Frühphase befindlichen Entwicklungsprojekten von Actelion gründete das Ehepaar das Start-up Idorsia mit dem Ziel, eines der führenden Biopharma-Unternehmen in Europa aufzubauen.

Wir sprachen mit Martine Clozel über ihre Leidenschaft für die Forschung, den medizinischen Gesichtspunkt in der Wissenschaft und was aufstrebende Biotech-Unternehmer brauchen.

BaselArea.swiss: Martine, ist Idorsia die neue Actelion?

Martine Clozel: Zum Teil ja, wir machen immer noch schwierige Sachen. Das hat sich gar nicht geändert. Wir haben die gleiche Kultur und die gleichen Ziele wie früher bei Actelion: Wir wollen innovative neue Arzneimittel entdecken, die möglicherweise bedeutende Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben. Wir freuen uns, weiterhin Medikamente entdecken zu können. Es ist herrlich, dass wir dazu in der Lage sind. Im Unternehmen herrscht helle Begeisterung. Actelion war beinahe ein grosses Biopharma-Unternehmen geworden und war in vielen Ländern vertreten. Idorsia hat ihren Sitz in Allschwil und konzentriert sich auf effiziente Forschung und Entwicklung. Wir denken schon an die Vermarktungsphase. Kürzlich haben wir einen Vertriebsleiter eingestellt und den ersten ausländischen Standort in Japan eröffnet.

Sind Ihre Portfolioentscheidungen ausschliesslich wissenschaftlich begründet? Oder berücksichtigen sie auch wirtschaftliche Faktoren?

Wir alle wissen, dass die Nachfrage nach Medikamenten für Schlaflosigkeit, Lupus oder Hypertonie sehr hoch ist. Die Wahl einer neuen klinischen Indikation hängt vom neuen Molekül ab, von seinem Wirkmechanismus und auch davon, wo das Molekül die grösste therapeutische Wirkung entfalten kann. Wir versuchen, sehr pragmatisch vorzugehen und der Wissenschaft dorthin zu folgen, wo sie uns hinführt. In der Phase II und darüber hinaus, wenn wir mehr verstehen und sehen, dass unsere Annahme sich bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt, können wir ein Arzneimittel in Bezug auf Markteintritt und Vertriebspotenzial positionieren.

Wie gehen Sie bezüglich Ein- und Auslizenzierung vor?

Da wir viele faszinierende interne Aussichten haben, übernehmen wir keine Lizenzen. Derzeit befinden sich zehn Präparate in klinischer Entwicklung. Einige Forschungsprojekte nähern sich der Entwicklungsphase. Wir haben Auslizenzierungsabkommen, aber nicht, weil die Projekte nicht mehr prioritär sind, sondern weil unsere Organisation deutlich kleiner ist als früher. Wir besitzen nur mehr ein Drittel der klinischen Entwicklungskapazität und können uns nicht um alles selbst kümmern. Wir sind ein kleines Unternehmen mit einem grossen Portfolio.

Sie konzentrieren sich also vollständig auf Ihre internen Projekte? Order arbeiten Sie auch mit anderen Firmen zusammen?

Wir suchen nach massgeschneiderten Lösungen. Wenn wir etwas finden, das uns helfen kann, arbeiten wir auch gern mit externen Partnern zusammen, etwa Universitäten, Biotech-Firmen oder anderen. Viele unserer Projekte beginnen mit einem Papier, das wir lesen, oder spannenden neuen Daten, die wir zufällig finden und dann weiter untersuchen.

Auf Ihrer Website konzentrieren Sie sich bei der Beschreibung der Krankheiten zuerst auf die Symptome der Patienten. Erst danach gehen sie auf die wissenschaftlichen Aspekte ein. Wie stellen Sie sicher, dass Sie und die Mitarbeitenden von Idorsia immer nahe am Patienten bleiben?

Wir sind den Menschen nahe, die den Patienten nahe sind, also Ärzte, Pflegefachkräfte usw. Wir hören genau zu und versuchen wirklich, die Patienten zu verstehen. Wir laden auch Patienten ein. Ich bin Ärztin, deshalb vertrete ich bei allen unseren Forschungsarbeiten einen medizinischen Gesichtspunkt. Das gehört zu den Merkmalen von Idorsia.

Wenn wir schon von Personal sprechen: Wie leicht ist es, hier die richtigen Mitarbeitenden zu finden?

Es ist nicht einfach, aber wo ist es schon einfach? Ich bin von der Pharma-Branche begeistert. Es ist fantastisch, Patienten zu helfen, Tausende Menschen behandeln zu können. Pharmazie ist grossartig und doch wissen das nicht alle. Es mangelt an Berichten, was die Pharmabranche macht, sei es nun die Verlängerung der Lebenserwartung, die Revolutionen in der Onkologie, die Verbesserung der Lebensqualität, alle diese Fortschritte! Wir müssen mehr über die Bedeutung der Pharmazie sprechen, um Nachwuchstalente anzuziehen.

Amerikanischen Biotech-Unternehmen scheint es eher zu gelingen, unabhängig zu bleiben. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich weiss nicht, ob das stimmt. Sehen Sie sich doch die jüngsten Übernahmen an: Celgene, Tesaro, Kite und Loxo durch BMS, GSK, Gilead bzw. Eli Lilly. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Heute bleiben Biotech-Unternehmen selten unabhängig, auch in den USA, weil die grossen Konzerne von ihren Entdeckungen abhängen. Bei Actelion hatten wir eine ehrgeizige, langfristige Vision. Es war nie unser Ziel, übernommen zu werden. Wir wollten stattdessen eine Struktur aufbauen, nicht nur ein Molekül oder eine Technik, sondern eine Organisation, die in der Lage ist, viele Arzneimittel zu entdecken. Wir waren ehrgeizig und gingen Risiken ein, das kommt ziemlich selten vor. Vielleicht haben amerikanische Biotech-Unternehmen etwas mehr Ambition, aber Europa besitzt einige Besonderheiten, auf denen die Branche aufbauen sollte. Beispielsweise ist die Chemie in der Schweiz und Deutschland aussergewöhnlich. Aber auch generell ist Europa voller spannender Forschungsprojekte und grossartiger Menschen.

Warum arbeiten Sie lieber in einem Start-up als in einem Grossunternehmen?

Ein kleines Unternehmen sorgt für grössere Freiheit und, was noch wichtiger ist, Nähe zwischen den Fakten und den Risiken. Unser Portfolio ist so klein, dass die Geschäftsleitung alle Projekte kennt. Wir können sehr effizient Entscheide treffen, das wäre in einem Grossunternehmen viel schwieriger.

Was raten Sie Unternehmern, die eine Biotech-Firma gründen wollen?

Sie sollten gleichzeitig an das Überleben und die Rentabilität denken. Sowohl langfristig als auch kurzfristig planen, sich nicht nur auf den nächsten Meilenstein konzentrieren, sondern von Anfang an etwas Großes anstreben. Und Entscheide pragmatisch treffen. Vor allem nicht allein, sondern in einem Team.

In Bezug auf Geschäftspartner: Sie gründeten Actelion und Idorsia mit Ihrem Mann. Wie navigieren Sie zwischen dem Labor und Ihrem Zuhause?

Ich kenne meinen Mann seit langer Zeit. Wir teilen die Leidenschaft für die Forschung und die Behandlung der Patienten. Ich habe es immer geschätzt, dass ich Schwierigkeiten mit Jean-Paul besprechen und auch angenehme Augenblicke mit ihm teilen kann. Natürlich arbeiten wir viel und setzen uns voll ein, so wie alle anderen auch bei Idorsia. Wir versuchen, zwischen Büro und Zuhause eine Grenze zu ziehen, besonders, wenn unsere Kinder und Enkel da sind. Wir wollen für sie da sein. Es ist anstrengend, aber wir denken und sprechen nicht rund um die Uhr über die Arbeit.

Werden Sie in zehn Jahren immer noch auf der Jagd nach neuen Medikamenten sein?

Nein, wohl eher nicht. Ich möchte nicht bis in alle Ewigkeit arbeiten. Irgendwann möchte ich mehr Zeit für die Familie und meinen Freundeskreis habe.

Actelion ist nicht nur für ihre Medikamente, sondern auch für ihr Gebäude bekannt. Idorsia hat ihren Sitz in einem Bauwerk von Herzog & de Meuron. Wie wichtig ist Ihnen Architektur?

Sehr wichtig. Diese Bauten werden noch lange Zeit stehen und gehören zur Kultur und zum Stil von Basel. Die Schweiz und Basel im Besonderen zeichnen sich durch avantgardistische Architektur aus. Wir freuen uns, dass wir daran teilnehmen konnten. Die Architektur stellt die Innovation dar, die wir anstreben. Wir wollen gute Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden, viel Licht und viele Möglichkeiten, zu interagieren, schliesslich verbringen wir viel Zeit im Büro.

Wir haben gehört, dass Idorsia das Akronym für «I do research in Allschwil» ist. Stimmt diese amüsante Geschichte?

Nein, aber sie gefällt mir. In Wirklichkeit hatten wir die Möglichkeit, einen unserer bereits geschützten Produktnamen zu verwenden. Das half uns, unseren Firmennamen von Anfang an abzusichern.

Interview: Annett Altvater und Stephan Emmerth

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«Es muss nicht alles bleiben, wie es immer war»

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Désirée Mettraux ist seit 2016 CEO von Creadi. Das Spin-off der Pax hat die Online-Versicherungsplattform Simpego entwickelt. Die Versicherungsexpertin ist überzeugt, dass die Branche gewinnt, wenn sie sich gegenüber Partnern öffnet. Ihr Ziel: Versichern soll Spass machen.

BaselArea.swiss: Frau Mettraux, was bedeuten Versicherungen für Sie?

Désirée Mettraux: Für viele Leute ist das Thema langweilig und kompliziert. Ich verbinde Versicherungen mit Freiheit. Ich will, dass Versicherungen Spass machen.

Das Spin-off der Pax wurde 2016 ausgegründet. Was hat sich seither getan?

Von unseren ursprünglichen Vorstellungen haben wir viele über den Haufen geworfen. Der Insurtechmarkt ist stark in Bewegung, in ganz Europa wird viel Geld investiert. Da sehen wir auch, welche Modelle im B2C Markt nicht funktionieren. Wir sind kritisch mit uns und hinterfragen uns regelmässig. Aus einer Testphase, in der wir vieles ausprobiert haben, entstand Simpego, unsere Online-Plattform für Versicherungen.

Creadi wird von Pax finanziert, richtig?

Genau. Wendige Ausgründungen sind für die grossen Mutterschiffe die ideale Lernumgebung. Gleichzeitig ziehen sie Talente an. Wir haben mit Simpego die erste Native App auf den Schweizer Markt gebracht, bei der man on-the-go Versicherungen abschliessen kann. Das kann nicht jede Versicherung schnell auf die Beine stellen. Aber wir können zusammen mit einem grossen Versicherer testen, wie sein Produkt auf der Plattform funktioniert. Vom Erkenntnisgewinn profitieren alle.

Wie viel muss die Schweizer Versicherungsbranche im Bereich Insurtech noch lernen?

Die Schweiz hinkt im europäischen Vergleich stark hinterher. Die Online-Abschlussquote für Versicherungen liegt in der Schweiz bei zwölf Prozent. In Deutschland liegt die Quote bei über 30 Prozent. Dieser Rückstand ist nicht so einfach aufzuholen.

Inwiefern?

Wenn die Gesellschaft noch nicht so weit ist, reicht es nicht, dass eine Versicherung ihre Produkte digital zur Verfügung stellt. Unsere Gesellschaft funktioniert noch sehr klassisch mit Versicherungsberatern.

Creadi greift dieses Modell an. Das kann nicht allen gefallen.

Es gab Vorreiter, die auf den Markt drängten und dafür keine Sympathien geerntet haben. Aber das tut dem Markt nicht schlecht. Wenn etwas Neues kommt, müssen sich alle bewegen. Das nützt am Ende den Konsumentinnen und Konsumenten.

Offenbar vertrauen viele Leute einem Versicherungsmakler, der am Küchentisch die Policen erklärt. Wie schafft man mit einer App Vertrauen?

Vertrauen und Markenwahrnehmung sind unsere grossen Herausforderungen. Natürlich lässt sich der persönliche Kontakt, den manche Kunden über Jahrzehnte mit ihren Versicherungsvertreterinnen haben, nicht einfach durchbrechen. Darum bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit zum Live-Chat oder beraten sie telefonisch.

Kann das die Lösung sein?

Das eigentliche Thema liegt aus meiner Sicht woanders: Zum einen sind die meisten Versicherungsprodukte, die nicht in die komplexen Vorsorgebereiche gehen, Standard. Niemand erfindet die Welt der Privathaftpflichtversicherung neu. Zum anderen verkauft ein Vertreter der Mobiliar nur die eigenen Produkte, die aber nicht unbedingt zum Kundenbedürfnis passen. Wir wollen diesen Knoten lösen und einen anderen Service bieten. Der Kunde soll wählen können, bei welchem Anbieter er die Versicherung online abschliesst oder ob er eine Beratung in Anspruch nimmt. Bei uns kann man innerhalb von einer Minute eine Versicherung abschliessen, völlig ohne Papierkram.

Wie ist die Resonanz von anderen Versicherern?

Es gibt Gesellschaften, die nichts mit Insurtechs zu tun haben wollen, weil sie nicht ihren eigenen Vertriebskanal angreifen wollen. Mittlerweile gibts aber immer mehr Versicherer, die empfänglich für Digitalisierungsthemen sind und die neue Sachen ausprobieren wollen. Wir sind prinzipiell offen für alle Partner. Ich bin sehr dafür, dass sich die ganze Branche gegenüber ihren Mitstreitern öffnet und als Teil eines gemeinsamen Ökosystems zusammen etwas auf die Beine stellt.

Das klingt gut...

... aber die Realität sieht etwas anders aus. Darum versuchen wir, verschiedene Anbieter auf unserem Marktplatz zu vereinen. Es muss nicht alles bleiben, wie es immer war.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für die Branche?

Wer manuelle Prozesse elektronisch abwickelt, hat noch nicht digitalisiert. Digitalisierung ist für mich eine Haltung und eine Frage von Kunden-Zentrierung. Viele Unternehmen orientieren sich von innen nach aussen und nicht von aussen nach innen. Da muss noch viel passieren. Wir alle – Versicherer inklusive – brauchen eine Strategie für eine digitale Welt. Wer hätte vor zwölf Jahren gedacht, dass wir Schuhe und Kleider fast nur noch online kaufen? Vielleicht werden wir irgendwann auch mit Versicherungen so weit sein.

Gibt es bei den Versicherungsprodukten auch Modernisierungsbedarf?

Ja, allerdings. Die jüngere Kundengeneration wird immer hybrider. Sie kaufen M-Budget Cottage Cheese und gleichzeitig Finefood Olivenöl. Beim Versichern beobachten wir das auch: Es sollte zwar allen klar sein, dass ein 25-Jähriger in seiner Hausratsdeckung kein Tiefkühlgut für 5000 Franken versichern muss. Trotzdem ist dieser Posten bei vielen Hausratsversicherungen standardmässig dabei. Wer aber beispielsweise in einem günstig eingerichteten WG-Zimmer wohnt, braucht vielleicht eher eine Versicherung für das 4000 Franken teure Velo oder für Handy und Laptop. Viele Versicherungen entsprechen gerade in urbanen Regionen nicht mehr dem Lifestyle.

Ein anderes Problem ist das Image.

Versicherungen haben den Ruf, dass sie einem etwas verkaufen wollen. Bei Creadi arbeiten wir gegen dieses Image an und schaffen Transparenz. Wenn wir für eine Person nicht das passende Angebot haben, sagen wir unseren Kunden das und weisen sie auf Produkte hin, die besser zu ihnen passen. Wir bieten auch keine langfristigen Verträge an, es ist alles kurzfristig ausgerichtet.

Creadi hat im vergangenen Jahr den DIAmond Award gewonnen. Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

Danke. Wir haben den Fahrzeugausweisscanner Simpego Snap programmiert. Der liest ein Foto vom Fahrzeugausweis mit image processing aus, anschliessend macht das Programm die passende Offerte für den Fahrzeugtyp. Dahinter steckt ein cleverer Algorithmus, der dir sagt, für welches Fahrzeug in welcher Kategorie mit dem Jahrgang welche Deckung vorgeschlagen wird. Du kannst in einer Minute eine Fahrzeugversicherung abschliessen. Das ist auf mobile Geräte ausgerichtet, denn der Fahrzeugausweis liegt in der Regel im Handschuhfach. Solche Produkte finde ich grossartig. Sie machen das Leben einfacher.

Was bedeuten solche Auszeichnungen für Sie?

Für uns war wichtig, dass wir unseren Showcase vor über 1000 Leuten aus der Branche validiert haben. In unserem Ökosystem konnten wir uns beweisen und bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist sehr wertvoll und erleichtert den Zugang zu anderen Partnern. Mit unserer Entwicklung zeigen wir, dass wir viel mehr sind als ein Versicherungsbroker.

Aktuell arbeiten bei Creadi 15 Personen. Wie war die Personalsuche?

Das Basler Pflaster ist für ein Technologie Start-up schwierig. Trotzdem haben wir uns bewusst für Basel entschieden. Einige unserer Mitarbeiter sind extra für uns hergezogen. Basel ist definitiv ein attraktiver Standort, der auch kulturell und infrastrukturell viel bietet. Die Stadt hat etwas Internationales. Trotzdem ist sie überschaubar und unsere Mitarbeitenden finden bezahlbare Wohnungen.

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05.03.2019

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«Blockchain im Gesundheitswesen nimmt in Basel Fahrt auf»

03.12.2018

Marco Cuomo und Daniel Fritz von Novartis haben vor zwei Jahren angefangen, sich mit Blockchain zu beschäftigen. Inzwischen haben sie sich hohe Ziele gesetzt: Zusammen mit anderen Pharmaunternehmen haben sie im Rahmen der europäischen Innovative Medicines Initiative das Programm «Blockchain-Enabled Healthcare» ins Leben gerufen, das 2019 starten soll. Das Programm, das die beiden am Blockchain Leadership Summit in Basel – der grössten Schweizer Konferenz zum Thema – vorgestellt haben, hat sich nichts weniger zum Ziel gesetzt, als verbindlich festzulegen, wie Blockchain künftig im Gesundheitswesen eingesetzt werden soll.

BaselArea.swiss: Sie beide arbeiten für den Pharmakonzern Novartis, der weltweit für seine Arzneimittel, aber nicht unbedingt für technologische Lösungen bekannt ist. Wie kamen Sie dazu, sich mit den Möglichkeiten von Blockchain auseinanderzusetzen?

Marco Cuomo: Das Thema Blockchain hat ganz allgemein unser Interesse geweckt, und wir wollten herausfinden, welche Art von Problemen mit dieser Technologie gelöst werden können. Zusammen mit einer Handvoll weiterer Interessenten haben wir uns daher zu einem ersten informellen Gespräch getroffen und danach eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit den wesentlichen Aspekten von Blockchain auseinandersetzen sollte. Das war vor zwei Jahren.

Was ist dabei herausgekommen?

Marco Cuomo: Als Erstes haben wir eine Reihe von Anwendungsfällen analysiert, um uns mit der Technologie vertraut zu machen. Dabei haben sich manche Querverbindungen zum Thema Lieferkette ergeben, da sich Blockchain zum Beispiel für die exakte Überwachung und Rückverfolgung von Warenwegen (Tracking & Tracing) anbietet. So nahmen wir Dan mit ins Boot, der bei Novartis als Supply Chain Domain Architect arbeitet, und stellten ihm die Aufgabe, eine solche Lieferkette vom Hersteller bis zur Apotheke gleich einmal mit Hilfe von Lego-Robotern nachzubauen …

Daniel Fritz: … wobei wir IoT-Sensoren für Temperatur und Feuchtigkeit sowie eine Prüfung auf Produktfälschung integriert haben. Dabei erfuhren wir einiges über das immense Potenzial der Blockchain-Technologie und ihre zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten.

Marco Cuomo: Mit unserem Lego-Modell konnten wir auf effektvolle Weise unsere Ideen kommunizieren, und zwar intern wie extern. Dabei ist uns schnell klar geworden, dass ähnliche Diskussionen auch in anderen Pharmaunternehmen stattfinden müssen. Deshalb haben wir diese schliesslich direkt zum Gespräch eingeladen.

Weshalb haben Sie nicht einfach eine eigene Lösung entwickelt?

Marco Cuomo: Natürlich könnte man schon so etwas wie eine eigene Kryptowährung ins Leben rufen – doch was dann? Um diese austauschen zu können, benötigt man andere, die dieselbe Währung benutzen. Nein, bei Blockchain handelt es sich nicht bloss um eine weitere neue Technologie, die man anwendet, um einen besonderen Nutzen daraus zu ziehen.
Der entscheidende Aspekt von Blockchain ist, dass bei dieser Technologie etwas von Wert zwischen mehreren Parteien ausgetauscht wird. Betrachten wir zum Beispiel die Lieferkette von Pharmaprodukten, an der Hersteller, Vertriebszentrum, Grosshandel, Apotheken, Ärzte und Spitäler beteiligt sind. In solch einem Kontext lässt sich Blockchain sinnvoll anwenden. 

Wie das?

Marco Cuomo: Mit Hilfe von Blockchain entfällt zum Beispiel die Notwendigkeit, das eigene Supply-Management-System in irgendeiner Weise anzupassen. Stattdessen lässt sich eine gemeinsame Basis für den Austausch zwischen mehreren Parteien legen. Auf Intermediäre jeglicher Art kann dabei gänzlich verzichtet werden, da Blockchain deren Funktion übernimmt. Wir bezeichnen das Ganze gerne als «Mannschaftssport», da sich alle Beteiligten an dieselben Regeln halten müssen.

Welcher Nutzen ergibt sich hieraus insbesondere für die Life Sciences Industrie?

Daniel Fritz: Wenn wir den Leuten das Thema Blockchain nahebringen wollen, sprechen wir nicht einfach nur über die Basics. Wir befassen uns auch mit Anspruchsvollerem, etwa der Frage, wie eine Anwendung auszusehen hat, die auf dem aktuellen Regulierungsrahmen aufbaut. Dabei wird den Leuten schnell klar, dass sich ganz neue Möglichkeiten der Wertschöpfung bieten, indem man gesetzliche Vorgaben noch übertrifft. Die meisten begreifen schnell, dass die Blockchain-Technologie eine Vielzahl von Vorteilen besitzt, die sie gegenüber bisher eingesetzten Technologien auszeichnet.

Marco Cuomo: Zum Nutzen, den Blockchain bietet, gehören Aspekte wie Kosteneffizienz, Schnelligkeit und erhöhte Sicherheit. So lassen sich elektronische Aufzeichnungen mit Blockchain völlig transparent machen. Sollte zum Beispiel eine Kühlkette irgendwo unterbrochen werden, wird dies für alle daran Beteiligten sofort ersichtlich. Heutzutage muss man dagegen erst die Ankunft eines Produkts am Zielort abwarten, um herausfinden, ob dieses eventuell schadhaft ist und retourniert werden muss. Setzt man Blockchain ein, verlässt ein solches Produkt den Hersteller gar nicht erst.

Daniel Fritz: Bei den Lieferketten in anderen Branchen verhält es sich ähnlich. Immer mehr Menschen setzen zum Beispiel auf Bioprodukte. Wie weiss man aber, ob dort, wo «Bio» draufsteht, auch wirklich «Bio» drin ist? Mit Blockchain lässt sich die Herkunft eines Produkts garantieren, so dass falsch deklarierte Waren ganz oder zumindest teilweise aus der Lieferkette entfernt werden können. Dies kommt der Branche ebenso zugute wie den Abnehmern, in unserem Fall also den Patienten.

Marco Cuomo: Wo wir von Patienten sprechen: Hier besteht das oberste Ziel, gewissermassen der «Heilige Gral», darin, den Patienten die vollständige Kontrolle über die eigenen Daten zu übertragen. Heute sind diese Daten noch auf verschiedene Stellen verteilt, werden etwa in Spitälern oder Arztpraxen aufbewahrt. Mit Blockchain lässt sich dies von Grund auf ändern, so dass am Ende die Patienten alleine entscheiden, wer ihre Daten einsehen darf und wer nicht.

Bietet eine Gesundheitsversorgung auf Basis von Blockchain noch weitere Vorteile?

Marco Cuomo: Unser CEO, Vas Narasimhan, verfolgt die Vision einer Medizin, die allein auf verlässlichen, empirisch erhobenen Daten basiert. Blockchain kann für eine lückenlose Überwachung und Rückverfolgung dieser Daten sorgen, so dass deren einwandfreie Herkunft jederzeit garantiert ist. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Einrichtung von speziellen Datenmarktplätzen, auf denen man seine persönlichen Daten Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen anbieten kann. Blockchain könnte auch hier die Abläufe vereinfachen. Denn der zeitraubende Aufbau einer Vertrauensbasis, die die Voraussetzung für den Austausch solch sensibler und wertvoller Daten bildet, ist beim Einsatz dieser Technologie nicht mehr nötig. Novartis selbst hegt die Hoffnung, mit Hilfe solcher Daten künftig neuartige Arzneimittel entwickeln zu können.
Auch das Thema Third-Party-Risikomanagement spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Wie können wir bei Novartis sicherstellen, dass sich unsere Lieferanten jederzeit an unsere internen Arbeits- und Sicherheitsbestimmungen halten? Wieso sollten wir dieselbe Überprüfung zehn Mal im Jahr durchführen statt nur ein einziges Mal? Und wieso sollte diese Überprüfung nicht in der Zuständigkeit des Lieferanten selbst liegen – vorausgesetzt, es ist garantiert, dass es dabei zu keinerlei Manipulationen kommt?

Sie haben vor zwei Jahren als kleines Grüppchen begonnen. Wo stehen Sie jetzt?

Marco Cuomo: Wir haben realisiert, dass zuerst bestimmte Standards festgelegt werden müssen, ehe Blockchain im Gesundheitssektor auf breiter Basis eingesetzt werden kann. Deshalb haben wir jüngst bei der europäischen Innovative Medicine Initiative, an der sich Novartis mit über 100 Projekten bereits intensiv beteiligt, das Programm «Blockchain-Enabled Healthcare» eingereicht.
Dabei ist es uns gelungen, acht weitere Pharmaunternehmen für die Teilnahme zu gewinnen: J&J, Bayer, Sanofi, AstraZeneca, UCB, Pfizer, Novo Nordisk und AbbVie sind alle mit von der Partie. Finanziert wird das Programm – das bei drei Jahren Laufzeit 18 Mio. Euro kosten soll – zur einen Hälfte durch die beteiligten Branchenvertreter und zur anderen Hälfte durch die EU. Die Anmeldefrist für das Projekt, bei dem Spitäler, Forschungslabore, Patienten, KMU und Universitäten mit uns zusammenarbeiten sollen, ist im Oktober 2018 abgelaufen. Als Nächstes werden die genauen Abläufe festgelegt, so dass mit der Arbeit gegen Ende 2019 begonnen werden kann.

Worum geht es bei «Blockchain-Enabled Healthcare» im Einzelnen?

Marco Cuomo: Das Hauptziel besteht darin, verbindliche Standards zu definieren, auf deren Basis ein Konsortium eingerichtet werden soll, das auch nach Programmende weiterbesteht. Wie das W3C, das World Wide Web Consortium, das die technischen Standards im Internet festlegt, soll unser Gremium über die Anwendung von Blockchain im Gesundheitswesen wachen. Dabei ist das Internet ein gutes Beispiel: Auch hier musste jemand zuerst für einheitliche Standards sorgen, ehe das Ganze seine rasante Entwicklung nehmen konnte. Dasselbe soll, so unsere Hoffnung, auch im Gesundheitssektor erfolgen.
Man stelle sich vor: Novartis schafft seine eigene Blockchain-Anwendung – und müsste danach Tausende von Lieferanten erst überzeugen, diese ebenfalls zu benutzen. Wenn alle so ihr eigenes Süppchen kochten, wäre so etwas wie ein durchgehendes Tracking von Pharmaprodukten schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Und wieso sollten die Ärzte überhaupt unser System als das gültige akzeptieren? Zudem erhalten die Patienten ihre Medikamente ja meist aus mehreren Quellen, nicht nur von Novartis allein. Deshalb sind hier verbindliche Standards einfach unerlässlich.

Wie einfach war es, die übrigen Firmen zur Teilnahme zu bewegen?

Daniel Fritz: Einige von ihnen sagten bei unserer Anfrage auf der Stelle zu. Andere mussten wir von unserer Vision erst überzeugen. Aus diesem Grund haben wir zahlreiche Gespräche geführt, die allesamt sehr positiv verlaufen sind – denn es ist uns offenbar gelungen, eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens aufzubauen. Und um Vertrauen geht es bei Blockchain ja.

War es hilfreich, dass diese Reise in Basel ihren Anfang nahm?

Marco Cuomo: Basel ist der Ausgangspunkt des Projekts, bei Novartis laufen alle Fäden zusammen. Da war es natürlich schon günstig, dass sämtliche Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen, mit denen wir das Projekt besprechen wollten, ganz in unserer Nähe sind. Ebenfalls von Vorteil war die Tatsache, dass sowohl unser CEO wie unser CDO digitale Initiativen grundsätzlich befürworten und von deren Potenzial überzeugt sind.

Daniel Fritz: Das Thema Blockchain im Gesundheitswesen nimmt in Basel, bei Novartis und auch global zunehmend Fahrt auf. Die Technologie wird sowohl Patienten wie Pharmaunternehmen zugutekommen. Doch bevor es soweit ist, müssen wir zusammen mit unseren öffentlichen Partnern noch jede Menge harte Arbeit leisten.


Zur Person

Marco Cuomo ist als Manager of Applied Technology Innovation und als Senior Digital Solutions Architect für Novartis tätig. Er stiess 2005 als Ingenieur für Wirtschaftsinformatik zum Unternehmen und verfügt über einen Bachelor of Science in Business Administration.

Daniel Fritz ist Supply Chain Domain Architect bei Novartis. Davor war er als technischer Offizier für die US-Armee und als Materials Manager tätig. Er absolvierte die United States Military Academy in West Point (New York) und hält einen Master of Business Administration von der Duke University (North Carolina).

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