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«Es fängt langsam an, aber dann nimmt alles plötzlich Fahrt auf»

02.12.2019

Nach mehr als 25 Jahren in der Pharmaindustrie gründete Andreas Katopodis zusammen mit Professor Onur Boyman das Biotech-Unternehmen Anaveon. 2019 konnte das Startup 35 Millionen CHF beschaffen und wird den Aufbau seines neuen Labors in Kürze abschliessen, während gleichzeitig seine Produkte in Richtung klinische Entwicklung weiterentwickelt werden. Mit viel optimistischem Realismus zieht Andreas Bilanz.

BaselArea.swiss: Andreas, wie läuft Anaveon?

Andreas Katopodis: Die Labore sehen endlich aus wie Labore und wenn alles gut geht, können wir ab Dezember Versuche durchführen.

Sie waren lange Zeit Leiter des Transplantationsteams bei Novartis. Jetzt sind Sie CEO eines Startups, das IL-2-Komplexe zur Behandlung von Krebs entwickelt. Wie hat dieser Weg begonnen?

Ich bin Molekularbiologe von Beruf, war aber schon immer von der Immunologie fasziniert. Als ich mit der Arbeit begann, war Cyclosporin seit einigen Jahren auf dem Markt. Es ermöglichte Organtransplantationen und verlängert die Lebenserwartung der Patienten deutlich. Das war fantastisch! Bei Novartis war ich für die Identifizierung neuer Ansätze im Bereich  Autoimmunerkrankungen verantwortlich und arbeitete gleichzeitig an der Realisierung der Transplantationstoleranz. Die immunologische Toleranz ermöglicht es, ein Organ zu transplantieren, ohne ein ganzes Leben lang Medikamente gegen die Abstossung einnehmen zu müssen. Das Gegenteil von Toleranz ist Abstossung. Diese Art biologischer Abläufe ist für die Bekämpfung eines Tumors relevant. Also dachten wir darüber nach, wie wir unsere Expertise nutzen könnten, um Tumore zu bekämpfen. Wir haben uns mit Onur Boyman von der Universität Zürich getroffen, der sich mit Zytokinen und ihrer Rolle bei der Regulation des Immunsystems beschäftigt.

Erklären Sie uns bitte die Wissenschaft dahinter.

Das Immunsystem hat Effektor- und Toleranzmechanismen. Die Effektoren  sorgen für Immunität gegen alles, was der Körper als fremd betrachtet – ob Viren, Bakterien oder eine Niere von einer anderen Person. Ein Akzeptanzmechanismus hingegen passiviert die Immunantwort. Es ist wie Yin und Yang: Jede Aktion führt zu einer Gegenreaktion, die das System im Gleichgewicht hält. Die in Onurs Labor durchgeführten Forschungen an IL-2 führten zur Bildung von Antikörpern, die Effektormechanismen modulieren konnten. Wir haben dann das Know-how von Novartis genutzt, um diese Antikörper zu neuen Medikamenten für die Krebsbehandlung zu entwickeln. Leider stellte Novartis das Projekt 2016 aus strategischen Gründen ein.

Was passierte, nachdem Novartis das Projekt eingestellte hatte?

Die Kurzversion: Onur und ich waren begeistert von dem, was wir erreicht hatten, und haben es von Novartis und der Universität Zürich auslizenziert. Wir haben Anaveon gegründet und konzentrieren uns jetzt darauf, unsere Kandidaten in die klinische Testphase zu bringen.

Anaveon entwickelt Therapeutika, die auf der Fusion eines Antikörpers mit IL-2 basieren. Wie kompliziert ist das eigentlich?

Was wir bei Anaveon tun, ist keine exotische Wissenschaft, aber auch keine Routine. Wir versuchen, Risiken zu minimieren, wo immer wir können. Wir kennen alle Komponenten: IL-2, T-Zellen und NK-Zellen, aber was wir nicht wissen ist, wie genau sie bei der Behandlung von Krebs zusammenwirken.

Wie schwer war es, ein Projekt von Novartis auszulizensieren?

Es war einfach, aber es hat sehr lang gedauert. Novartis verfügt über einen klaren und professionellen Prozess für die Lizenzierung von Projekten in der späteren Phase, die aus strategischen Gründen eingestellt wurden, aber für Projekte in der frühen Phase existiert kein solcher Prozess und ich denke, deshalb hat es etwas länger gedauert.

Waren Sie direkt an den Verhandlungen über den Lizenzvertrag mit Novartis beteiligt?

Nein. Um den Prozess für alle fair zu machen, hat Onur mit dem Lizenzierungsteam von Novartis zusammengearbeitet und ich habe dasselbe mit dem Team der Universität Zürich gemacht. Bei diesen Verhandlungen muss man einen klaren Fokus, viel Geduld und eine Haltung haben, die nur Erfolg akzeptiert. Am Ende haben wir Bedingungen gefunden, mit denen alle Beteiligten zufrieden waren.

Jetzt sind Sie Unternehmer. Wie bewusst war Ihnen diese Entscheidung?

Meine Zeit bei Novartis war grossartig, denn wir arbeiteten an einem interessanten Projekt nach dem anderen und uns standen viele Ressourcen zur Verfügung, um diese Projekte zu verfolgen. Aber was die meisten Menschen in meiner Branche antreibt, ist, das Ergebnis ihrer Hypothese in neue Medikamente für Patienten umzusetzen. Ich habe viele Jahre in der Transplantationsforschung gearbeitet. Es gibt nichts Unglaublicheres, als einen Dialysepatienten zu sehen, der eine neue Niere bekommt. Krebs ist etwas, das uns allen nur allzu bekannt ist. Die Gründung von Anaveon war eine noch grössere und interessantere Aufgabe mich. Es war also nicht so sehr das Unternehmertum, sondern dieses Konzept, an das ich glaube, und das, was es im klinischen Alltag möglich macht.

Wie optimistisch sind Sie in Bezug auf das Ergebnis?

Wie wir alle wissen, gibt es eine hohe Ausfallrate in der klinischen Entwicklung, aber wir haben lange Zeit intensiv geforscht und glauben an das Potenzial dieses Projekts. Die ersten Fortschritte kamen aussergewöhnlich schnell und es wäre eine unglaubliche Verschwendung, sie nicht in der Praxis zu testen.

Sie haben eine Förderung aus dem Life Sciences Fund der Universität Zürich und von BaseLaunch erhalten. 2019 haben Sie eine Finanzierungsrunde der Serie A unter Führung des britischen Life-Science-Fonds Syncona abgeschlossen. Hinzu kam der Novartis Venture Fund: Insgesamt konnten Sie 35 Millionen CHF aufbringen. Das ist eine grosse Leistung.

An dieser Stelle möchte ich kurz zurückblicken ... Im Prozess der Medikamentenentwicklung gibt es die so genannten Compound Decision Points. Das sind wichtige Meilensteine. Zuerst muss man zeigen, dass das Ziel oder die Wirkungsweise für die Krankheit relevant ist. Es ist ein Nachweis für die Machbarkeit. Dann muss man entscheiden, wie man pharmakologisch zu diesem Ziel gelangt. Dieser zweite Teil ist zeit- und ressourcenintensiv, da man verschiedene Verbindungen und Antikörper verwendet, deren Entwicklung und Prüfung Jahre dauern kann. Wir hatten Glück, weil wir den Compound Decision Point bereits erreicht hatten, so dass die Leitsubstanzen bereits ausgewählt waren. Wir wussten, dass eine von ihnen funktionieren würde. Als wir Anaveon gründeten, waren wir bereit, mit der eigentlichen Herstellung und Prüfung der Leitwirkstoffe zu beginnen.

Welche Faktoren haben die Finanzierung zusätzlich erleichtert?

Zuerst haben wir 1 Million CHF aus dem Life Sciences Fund der Universität Zürich erhalten, die es uns ermöglichten, die ersten Produktionsschritte einzuleiten. Darüber hinaus unterstützte uns BaseLaunch, zunächst mit einem Zuschuss, dann mit einem Darlehen. Anja König, Global Head des Novartis Venture Funds, hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass wir Finanzierungen einwerben konnten. Unter ihrer Anleitung haben wir nicht überverkauft, wir haben nicht an zu viele Türen geklopft und wir hatten Glück, dass wir binnen weniger als 6 Monaten mehrere Offerten bekamen. Ich glaube, es war eine Kombination daraus, sehr realistisch zu sein und den Investoren eine ausgewogene Sichtweise zu zeigen. Das Fazit: Können wir zeigen, dass wir ein gutes Konzept haben? Glauben wir an das Konzept? Können wir andere Menschen dazu bringen, an dieses Konzept und an uns und das Team zu glauben?

Sie arbeiten mit professionellen VC-Fonds zusammen. Was ist Ihre bisherige Erfahrung?

Ich persönlich bevorzuge professionelle Investoren. Sie sind in der Lage, die Gültigkeit Ihres Projekts zu beurteilen und Sie zu fordern und zu begleiten. Sie sind oft teurer als private Business Angels, aber ich glaube, das ist der Preis, den man für erfahrene, professionelle Hilfe zahlt. Mein Rat für Startups: Versucht, frühzeitig mit professionellen Investoren zusammenzuarbeiten. Natürlich sind sie anspruchsvoller. Normalerweise möchten sie, genau wie wir Wissenschaftler, dass ihre Fantasie von etwas Spannendem beflügelt wird. Die Besten wollen mit einsteigen und beim Aufbau des Unternehmens helfen und ich glaube, das haben wir bei Anaveon.

Startups haben oft Schwierigkeiten mit der Wertermittlung, besonders in der Frühphase.

Wir haben uns auch mit diesem Thema abgemüht. Es ist schwierig, einen guten Preis zu schätzen. Ich glaube nicht, dass es beim Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens darum geht, die höchste Bewertung zu bekommen. Stattdessen muss man die besten Partner finden. Einige Fonds sind sehr gross, so dass viel von den tatsächlich beteiligten Personen abhängt. Während des Due-Diligence-Prozesses ist viel Zeit, alle Beteiligten kennenzulernen. In unserem Fall haben wir mit den Investoren weitergemacht, mit denen wir uns am wohlsten fühlten. Ich versuche, das in meinem Leben im Allgemeinen zu tun. Genauso habe ich unser Team zusammengestellt.

Wie weit kommen Sie mit 35 Millionen CHF?

Die erste Antwort darauf werden wir in der Praxis erhalten. Mit 35 Mio. CHF können wir Phase-I-Studien durchführen, aber wir müssen im weiteren Verlauf zusätzliche Mittel aufbringen. Irgendwann in Zukunft könnten wir in Betracht ziehen, einen oder mehrere Partner zu finden, die uns durch Kombinationstherapiestudien bringen können. Diese Entscheidung werden wir als Team und zusammen mit unseren Investoren treffen. Wir verfolgen die Vision, auch in andere Bereiche zu expandieren.

Was macht die Konkurrenz?

Die Konkurrenz im Bereich IL-2 der nächsten Generation ist uns voraus. Dennoch sind wir überzeugt, dass wir eine erstklassige Therapie bieten. Ärzte, Patienten und Kostenträger werden das Medikament verwenden, das die beste Überlebenschance oder eine potenzielle Heilung bietet, anstatt sich für das zweitbeste zu entscheiden. Die Onkologie ist ein grosses Feld, das Platz für einen weiteren Akteur bietet, der den gleichen Wirkmechanismus anwendet, solange er sein Medikament differenzieren kann. Wir haben Glück, weil wir Investoren haben, die uns helfen können, schnell voranzukommen. Und es ist wie bei den meisten anderen Dingen im Leben: Es fängt langsam an, aber dann nimmt alles plötzlich Fahrt auf.

Was war bisher Ihre grösste Herausforderung?

Eine meiner Herausforderungen bestand darin, Labore zu finden und zu organisieren. Das ist der Grundpfeiler der Biotechnologie. Die grösste Herausforderung war, eine Organisation aufzubauen. Basel bietet einen grossartigen Talentpool mit Pharmaerfahrung. Natürlich unterscheidet es sich noch von den Biotech-Zentren in den USA. Die Menschen hier sind weniger mobil. Inzwischen sind sie aber verstärkt bereit, ein Risiko einzugehen. Das Schöne an einem kleinen Startup ist, dass man sowohl die Herzen als auch die Köpfe der Menschen fesseln kann, während man in der Pharmabranche häufig den Geist der Menschen, aber nicht so sehr ihr Herz gewinnt. In unserer Branche sind die Teams kleiner Unternehmen sehr schlank. Jeder ist sehr wichtig. Ausserdem schätzen sie auch andere Vorteile wie schnelle Entscheidungen.

Was war für Sie bei der Zusammenstellung Ihres Teams entscheidend?

Die technische Kompetenz ist wesentlich, aber nicht ausreichend. Die Teammitglieder müssen das Risiko bereitwillig eingehen, nicht nur, weil sie nichts anderes zu tun haben. Ich habe nach Leuten gesucht, die eine Vision haben. Wir hatten Stellenangebote über verschiedene Kanäle geschaltet, aber wie sich herausstellte, sind unsere Mitarbeiter sind bisher ausschliesslich durch Empfehlungen zu uns gekommen.

Sie scheinen jede Minute davon zu geniessen. Gibt es irgendetwas, das Ihnen Angst macht?

Der bisher furchterregendste Teil war der Abschluss der Serie A. Jetzt besteht der erschreckendste Teil darin, in Phase 1 übergehen zu können. Manchmal fühlt es sich an wie eine Fahrt auf einer mehrspurigen Strasse, die sich plötzlich verengt, und man muss irgendwie durchkommen. Ein Beispiel wäre die Suche nach der richtigen Formulierung für unseren Wirkstoff. Von diesen Engpässen wird es in Zukunft noch mehr geben. Ich spreche aus Erfahrung: Man macht die besten Pläne und plötzlich hängt alles von einem unerwarteten Faktor ab.

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Switzerland Innovation Park Basel Area eröffnet Standort im Jura

22.10.2019

Der Switzerland Innovation Park Basel Area hat seinen dritten Standort eröffnet. Damit ist der Innovationspark nach Basel-Landschaft und Basel-Stadt auch im Jura vertreten. Für den Betreiber BaselArea.swiss ist dies ein Meilenstein.

Der Switzerland Innovation Park Basel Area ist neu in allen drei Trägerkantonen des Betreibers BaselArea.swiss vertreten. Nach Vertretungen in Basel und Allschwil BL ist nun in Courroux der dritte Standort eröffnet worden. „Für uns hat sich ein Kreis geschlossen“, sagt Domenico Scala, Präsident von BaselArea.swiss, über diesen Meilenstein.

Der neue Standort konzentriert sich auf die Bereiche Medizintechnik, Gesundheitstechnologie, digitale Gesundheit und industrielle Transformation. Dafür steht eine Nutzfläche von 1'200 Quadratmetern zur Verfügung. In den Räumlichkeiten können KMU und Start-ups ihre Visionen weiterentwickeln und zum Erfolg führen. BaselArea.swiss bietet dazu mit DayOne und i4Challenge auch entsprechende Förderprogramme an. Erste Unternehmen ziehen auch bereits in den Switzerland Innovation Park Basel Area ein, so der Softwareentwickler NextDay.Vision. Im November folgt das in der Systemergonomie tätige Start-up Ersys, das wie auch NextDay.Vision aus dem Kanton Jura stammt. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum für Mikro- und Nanotechnologie CSEM wird zudem ab November am neuen Standort Beratungen anbieten. In den Ausbau der beiden Stockwerke werden 1,6 Millionen Franken investiert. Der grösste Teil der Aufträge wird an jurassische Unternehmen vergeben.

Die jurassische Regierung hat die Schaffung des neuen Standortes von Anfang an unterstützt. Regierungspräsident Jacques Gerber, Vorsteher des Departements für Wirtschaft und Gesundheit, weist auch darauf hin, dass die jurassische Wirtschaft durch den Switzerland Innovation Park Basel Area ausstrahlen könne und an das Innovations-Ökosystem angeschlossen werde. Und Claude-Henri Schaller, Leiter des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit, sagt: „Wir haben unsere ganze Energie eingesetzt, um der jurassischen Wirtschaft bestmögliche Rahmenbedingungen zu bieten. Ich denke, dass wir unseren Ansprüchen gerecht geworden sind.“

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report BaselArea.swiss

GRID erhöht Innovationskraft der Region Basel

26.09.2019

Auf dem BaseLink Areal in Allschwil BL haben die Arbeiten am Innovations- und Gewerbekomplex GRID begonnen. Mitte 2022 wird der Switzerland Innovation Park Basel Area dort als Ankermieter seine Arbeit aufnehmen.

Durch GRID (Grand Réseau d’Innovation et de Développement) und den benachbarten Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts soll das Ökosystem der Region Basel in den Bereichen Life Sciences, Biotech, Public Health und Medtech weiter ausgebaut werden, heisst es in einer Medienmitteilung des Switzerland Innovation Park Basel Area, dessen Betreiberin BaselArea.swiss und der Senn Resources AG. Diese realisiert das von den Basler Architekten Herzog & de Meuron entworfene GRID-Gebäude.

In diesem Gebäude, dem GRID Campus of Collaboration, entstehen auf 50.000 Quadratmetern über fünf Geschosse Flächen für „Büros und Labors für Lehre, Forschung, Entwicklung und die Herstellung zukunftsträchtiger Produkte“. Dafür werden 150 Millionen Franken investiert. Auf Mitte 2020 wird der Switzerland Innovation Park Basel Area seinen bisherigen Standort in Allschwil aufgeben und im GRID eine Fläche von 6000 Quadratmetern mieten. Es wird erwartet, dass bis zu diesem Zeitpunkt auch die weiteren Flächen vermietet sind. Insgesamt soll GRID Arbeitsplätze für 2200 Menschen ermöglichen.

Der GRID wird dann das Bachgrabengebiet zusätzlich bereichern. Schon jetzt sind dort Firmen wie Actelion und Idorsia sowie Institutionen aus den Bereichen Life Sciences, Biotech, Public Health und Medtech ansässig. Hinzu kommt der Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts. Der GRID wird nun ebenfalls dazu beitragen, „dass die Region Basel als erstklassiges europäisches Ökosystem für Innovationen weiter an Bedeutung gewinnt“.

Der Standort in Allschwil ist der grösste der drei geplanten Standorte des Switzerland Innovation Park Basel Area. Dieser verfügt über einen zweiten Standort in Basel, ein dritter in Delémont soll hinzukommen. Der Switzerland Innovation Park Basel Area ist einer der fünf Netzwerkstandorte des Switzerland Innovation Park. Er wird von beiden Basel, dem Jura, der Handelskammer beider Basel und der Universität Basel getragen.

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Roivant entwickelt Mittel für Corona-Patienten

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Coronavirus-Test von Roche wird von der FDA zugelassen

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«Der Switzerland Innovation Park Basel Area passt perfekt zum Jura»

26.09.2019

Der Switzerland Innovation Park Basel Area eröffnet am 25. Oktober seinen Standort im Jura. Claude-Henri Schaller, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit und Vizepräsident der Switzerland Innovation Park Basel Area AG, ist überzeugt, dass der Innovationspark einen entscheidenden Beitrag zur Diversifizierung der jurassischen Industrie leisten kann und Unternehmen besser mit der Forschung vernetzt.

BaselArea.swiss: Der Jura ist ein Uhrenkanton. Kann man das so sagen?

Claude-Henri Schaller: Ich würde behaupten, dass es keine Schweizer Uhr gibt, bei der nicht mindestens ein Teil im Jura produziert wird. Die Uhrenindustrie war der erste Industriezweig im Jura – und sie prägt den Kanton noch heute. Aktuell sind etwa 44 Prozent der Arbeitskräfte im Jura im sekundären Sektor tätig, mehr als in jedem anderen Kanton. Die internationalen Gruppen Swatch, Richemont, LVMH und Festina haben Produktionsstandorte im Kanton Jura. Rolex arbeitet auch mit vielen lokalen Lieferanten. Unsere Unternehmen wenden dieses Know-how aber auch auf anderen Gebieten an. Der Medtechbereich etwa wird immer wichtiger.

Ist der starke Fokus auf die Präzisionsindustrie eine Stärke oder eine Schwäche für den Kanton Jura?

Die grosse Abhängigkeit von der Industrie hat Vor- und Nachteile. Einerseits wirken sich Exportprobleme unmittelbar und stark auf uns aus. Auf der anderen Seite spüren wir auch eine gute Wirtschaftslage sehr schnell. Die Wirtschaftszyklen im Jura sind kürzer als in anderen Regionen. Die Arbeitslosenquote kann schnell steigen, aber auch schnell wieder sinken. Zwar nutzen wir das grosse Know-how in der Präzisionsmechanik auch im Bereich Medtech, im Maschinenbau oder in der Flugzeugtechnik. Unser Ziel ist es jedoch, dass die Unternehmen weiter diversifizieren.

Warum ist die Diversifizierung so zentral für den Jura?

Geht es der Uhrenindustrie nicht gut, brauchen die Unternehmer andere Möglichkeiten, sich zu entwickeln und sich weitere Märkte zu erschliessen. Mit der Diversifizierung eröffnen sich ausserdem gesellschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven: Wir investieren aktuell viel in die Ausbildung von hochqualifizierten Leuten – wir haben schweizweit eine der höchsten Hochschulabschlussquoten. Aber diese Investitionen kommen aktuell nicht so zu uns zurück, wie wir uns das wünschen würden. Wenn wir die Innovation im Kanton Jura fördern, geben wir unseren Talenten Perspektiven. Das ermöglicht es den Unternehmen, sich weiterzuentwickeln – und es wirkt sich günstig auf die ganze Gesellschaft aus. Wir wollen, dass hochqualifizierte Leute im Jura bleiben oder hierher zurückkommen.

Es gibt also Verbesserungspotenzial. Wo will der Kanton ansetzen?

In einem KMU macht der Patron mehr oder weniger alles selbst – er forscht, verkauft, sucht nach Innovationen und neuen Märkten. Aktuell finden Forschung und Entwicklung in den Unternehmen selbst statt, meist hinter verschlossenen Türen. Man ist recht verschwiegen. Zudem haben wir zwar die Haute Ecole Arc Neuchatel Berne Jura, aber kein Forschungszentrum, das für die Industrie forscht. Daher sind wir heute noch nicht früh und nah genug an der Forschung dran. Aber Innovation ist heute nicht mehr nur Sache einer Hochschule oder eines Unternehmens. Um innovative Lösungen zu finden, müssen Industrie und Akademie enger zusammenarbeiten. Der Switzerland Innovation Park Basel Area mit dem Standort Jura ist dabei ein wichtiger Baustein.

Inwiefern?

Die politischen Behörden im Kanton Jura verfolgen drei Ziele: Wir wollen Innovationen fördern, die Industrie bei der Diversifizierung unterstützen und die Zusammenarbeit zwischen Forschungszentren und Unternehmern fördern. Mit dem Switzerland Innovation Park Basel Area im Jura haben wir die Chance, die Forschungssystematik zu verbessern und Unternehmen, Forschung, Fachhochschulen und Kanton besser untereinander zu verknüpfen.

Welche Rolle wird der Innovationspark im Jura spielen?

Der Switzerland Innovation Park Basel Area hat Standorte in Basel, in Allschwil und neu in Courroux im Kanton Jura. Der Standort hier kann zu einem Tor werden, um überkantonale Verknüpfungen und Projekte zu fördern und zu organisieren. Ein jurassischer Unternehmer kann also durchaus am Standort Allschwil ein Projekt mit dem Unispital Basel aufsetzen, während ein Projekt aus Basel-Stadt auch die Ressourcen im Jura nutzen kann. Der Jura ergänzt mit seiner Spezialisierung das Know-how in der Region Basel optimal. Das ist auch für die Entwicklung neuer Produkte interessant.

Wie überzeugen Sie die Unternehmen, mehr zu kollaborieren und den Innovationspark im Jura zu nutzen?

Um möglichst viele KMU zu erreichen, arbeiten wir eng mit der Handelskammer zusammen und haben zusammen mit BaselArea.swiss ein Patronatskomittee gegründet. Die Vertreter aus Industrie und Forschung sollen den Austausch untereinander fördern. Natürlich müssen weiterhin viele Informationen zu den Unternehmen fliessen, wir müssen viel erklären. Der Switzerland Innovation Park Basel Area ist natürlich eine schöne politische Idee, aber handfeste Projekte und Ergebnisse sprechen eine deutlichere Sprache. Deshalb gilt es jetzt, passende Projekte zu identifizieren, zu organisieren und durchzuführen.

Auf welche Art von Projekte richtet sich der Switzerland Innovation Park Basel Area am Standort Jura aus?

Das Konzept des Innovationsparks passt perfekt zum Jura und zu unserer Wirtschaft: Unsere Unternehmer möchten über konkrete Projekte diskutieren und die können sie hier gemeinsam mit Forschungsinstituten auf die Beine stellen. Mit dem Switzerland Innovation Park Basel Area am Standort Jura konzentrieren wir uns zunächst auf das Gesundheitswesen. Uns beschäftigt, wie man das Gesundheitswesen in unseren Peripherieregionen besser organisieren kann. Das können Innovationsprozesse oder neue Lösungen sein. Ein Projekt geht den Ärztemangel an: Gemeinsam mit dem Pflegepersonal lassen sich innovative Lösungen finden, wie sie mehr Aufgaben übernehmen können. Ich bin überzeugt, dass der Gesundheitsbereich riesige Zukunftsperspektiven öffnet. Weitere Projekte im Bereich Industrie 4.0 sollen folgen.

Warum wird der Switzerland Innovation Park Basel Area im Jura ein Erfolg werden?

Es gibt einen starken Willen, den Innovationspark im Jura zu realisieren. Das Interesse vonseiten der Unternehmer ist gross. Bereits vor der Eröffnung hat der erste Mieter, die IT-Security-Firma NextDay.Vision unterzeichnet. Und wir haben alle nötigen Kompetenzen, um einen Innovationspark zu betreiben. Ausserdem ist BaselArea.swiss im Kanton ziemlich gut verankert. Die Leute kennen einander. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem Switzerland Innovation Park Basel Area etwas Gutes auf die Beine stellen können. Dazu kommt, dass im Innovationspark nicht nur Unternehmer aus dem Jura zusammenarbeiten sollen. Wir sind offen für die ganze Region Basel. Ich bin sehr optimistisch. Die industriellen Kompetenzen im Jura sind weithin bekannt – darauf kann der Innovationspark aufbauen.

Interview: Annett Altvater

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